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Full text of "Urkunden und Actenstücke zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von ..."

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'^^m^co^^ 



DJ COMMEMORVTION OF THE VISIT OF 
HIS KOYAl. HIGHNESS 

PRINCE HENRV OF PRUSSIA 

MARCH 81XTII.J90t 

ON HEHAJ.F OF HIS MAJESTTT 

^ THE GEKMAN EMPEROR 




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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 

ZUR GESCmCHTE 

DES 

KUEFÜE8TEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBÜRG. 



AUF VERANLASSUNG SEINER HOCHSELIGEN MAJESTÄT DES KAISERS 
FRIEDRICH ALS KRONPRINZEN VON PREUSSEN. 



VIERZEHNTER BAND. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERL.'VG VON GEORG REIMER. 
1890. 



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URKUNDEN UND ACTENSTÜCKE 
ZUR GESCHICHTE DES 

KURFÜRSTEN FRIEDRICH WILHELM 

VON BRANDENBURG. 



AUSWÄRTIGE ACTEN. 



DRITTER BAND. 
ERSTER THEIL. 

(OESTERREICH.) 



IIEnAUSGEGEBEN 



I)B- ALFRED FRANCIS PRIBRAM, 

PRIVATDOCENTEN AN DER UNIVERSITÄT ZU WIEN. 



BERLIN. 

DRÜCK UND VERLAG VON GEORG REIMER. 
1890. 



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HARVARD COll.fOF LIBRARY 
JAN 6-1905 

H0HE\'.20! I rrtN 'Ol Lrr.T|ON 

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Vorwort. 



JJer vorliegende Band der „Urkunden und ActenstUcke 
zur Geschichte des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Branden- 
burg", in welchem die diplomatischen Beziehungen Oesterreichs 
und Brandenburgs im Zeitalter Friedrich Wilhelms urkundlich 
dargestellt werden sollen, ist der dritte in der Reihe der aus 
auswärtigen Archiven geschöpften Beiträge zur Geschichte 
des „Grossen Kurfürsten". Ein viertel Jahrhundert ist seit 
dem Erscheinen der beiden ersten Bände verstrichen, deren 
Gegenstand die Beziehungen Brandenburgs zu Frankreich 
und zu den vereinigten Provinzen der Niederlande gebildet 
hatten. Der Umfang der vorliegenden Publication übertrifft 
den der beiden früher erschienenen um ein bedeutendes. Die 
Erklärung hieftir wird leicht gegeben werden können. Der 
Band „Frankreich" enthält nur Berichte aus wenigen Jahren; 
nur 5 von 30 Fascikeln, welche die im Pariser Archive auf- 
bewahrte Correspondenz der Herrscher Brandenburgs und 
Frankreich umfasst, konnten durchgesehen und excerpirt wer- 
den. Der Band „Niederlande" dagegen enthält nur den sehr 
geringen erhaltenen Theil der wirklich in jenem Zeitalter 
geflihrten Correspondenz. Für die Beziehungen des Kur- 
fürsten von Brandenburg zum Reichsoberhaupte — Bezie- 
hungen, die mindestens so lebhafte und bedeutende waren, als 



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VI Vorwort. 

jene mit irgend einer anderen Macht — , liegen die Verhält- 
nisse ganz anders. Die Berichte der am kurfürstlichen Hofe 
weilenden kaiserlichen Gesandten sind — insbesondere von 
der Mitte der 60®«^ Jahre des 17^®» Jahrhunderts an — in 
seltener Vollkommenheit erhalten, und ihrer Verwerthung haben 
sich keine wie immer gearteten äusseren Hindernisse in den Weg 
gestellt. Es waren im Ganzen an 50 Fascikeln, von denen 
viele eine grössere Anzahl Seiten umfassen als die beiden Theile 
der vorliegenden Publication zusammen genommen, deren In- 
halt den Fachgenossen möglichst vollständig mitgetheilt werden 
sollte. Man wird unter Berücksichtigung dieser Thatsache, 
wie der Herausgeber hofft, die vorliegende Publication nicht 
zu umfangreich finden, zumal wenn man erwägt, dass es 
fast ausschliesslich jungfräuliches, zum grossen Theile sehr 
werthvoUes Material war, das verarbeitet werden sollte. An- 
dererseits wird kein billig Denkender von dem Herausgeber 
eine vollständige Wiedergabe alles dessen fordern, was sich 
in der erwähnten Anzahl Fascikeln des Wiener Staatsarchives 
vorfindet. Es ist bei derartiger gekürzter Wiedergabe des In- 
haltes schwer, ja unmöglich, jedem recht zu thun und es 
kann hier nur wiederholt werden, was der Herausgeber einer 
stattlichen Reihe von Bänden dieses Urkundenwerkes gleich 
anfangs betont hat — ein gewisses Vertrauen in den guten 
Willen und die Fähigkeit des Herausgebers thut unbedingt 
Noth. Gewiss liegt die Gefahr für denjenigen, der sich Jahre 
lang mit einer engumgrenzten Periode europäischer Geschichte 
beschäftigt, nahe, den einzelnen Ereignissen dieser Zeit eine 
allzugrosse Bedeutung beizumessen; allein abgesehen davon, 
dass eine ununterbrochene Beschäftigung mit weiteren Ge- 
bieten der allgemeinen Geschichte den Blick für das Wesent- 
liche einer bestimmten Zeit freier erhält, ist es eine unleug- 
bare Thatsache, dass nur ein sehr eingehendes Studium einer 
umfassenden Actenmasse eine richtige Abschätzung des 



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Vorwort. VII 

Werthes der einzelnen Documente unter- und zu einander er- 
möglicht. Die Gesichtspunkte, von denen sich der Heraus- 
geber bei der Auswahl der einzelnen Actenstücke leiten Hess, 
waren im wesentlichen folgende: In erster Linie sollte alles, 
was auf directe Verhandlungen der beiden Staaten Bezug hat 
und zwar nicht blos auf jene Verhandlungen, die am Hofe zu 
Berlin, sondern auch auf jene, welche am Wiener Hofe gepflogen 
worden sind — letztere natürlich nur insoweit, als dieselben 
noch nicht in der bis in die Mitte der 60®^ Jahre geführten 
Abtheilung „Politische Acten" entsprechende Berücksichtigung 
gefunden hatten — möglichst vollständig mitgetheilt werden. 
Dann hat der Herausgeber geglaubt, alles was persönliche 
Verhältnisse des Kurfürsten und seiner Umgebung betriflft, 
was geeignet sein könnte, unsere Kenntnisse von den Be- 
ziehungen Brandenburgs zu den übrigen europäischen Mächten 
zu vermehren, oder die Fähigkeit der Berichterstatter zu be- 
leuchten, wiedergeben zu sollen. Schliesslich hat er es für 
seine Pflicht gehalten, den Umfang der Mittheilungen der 
einzelnen Berichterstatter durch kurze Andeutungen anzuzeigen, 
um weitere Nachforschungen bezüglich einzelner Fragen zu 
erleichtern. Wörtlich wiedergegeben sind selbstverständlich 
nur die wichtigsten Stellen der Berichte, die Auszüge je nach 
der Bedeutung der einzelnen Mittheilungen mehr oder minder 
kurz gefasst. In manchen Fällen wurde überhaupt von einer 
Wiedergabe des Inhaltes der einzelnen Berichte Abstand ge- 
nommen und in zusammenfassender Form das Resultat der in 
den einzelnen Acten zum Ausdruck kommenden Verhand- 
lungen mitgetheilt. Sämmtliche in der Publication verwerthe- 
ten Documente — mit Ausnahme einiger Acten, die auf die 
Schwiebuser Frage Bezug haben und dem Archive des Mi- 
nisteriums des Innern entnommen sind — finden sich in den 
Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchives zu Wien. Es 
sind vornehmlich drei Abtheilungen, die für die vorliegende 



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VIII Vorwort 

Publication in Betracht kamen. Die Berichte der Gesandten, 
die Weisungen der Herrscher und eine Abtheilung, welche 
unter dem Titel „Brandenburgica" neben der officiellen Corre- 
spondenz der beiden Höfe auch die ProtocoUe über die in Wien 
mit den brandenburgischen Vertretern gepflogenen Verhand- 
lungen, Gutachten der Minister an den Monarchen und sonstige 
nicht in die beiden anderen Gruppen einzureihende Docu- 
mente enthält. Von einer näheren Bezeichnung des Ortes, 
an dem das eine oder andere Actenstück zu suchen wäre, 
konnte Abstand genommen werden. Für weitere Nach- 
forschungen genügt die Angabe des Datums. So weit es 
irgendwie möglich war, würden die Documente in chronolo- 
gischer Reihenfolge mitgetheilt; die Datirung ist, wo nicht 
ausdrücklich das Gegentheil angegeben wird, die neue. 

Bezüglich der äusseren Form, in der die Acten der Be- 
nutzung der Fachgenossen übergeben werden, hat sich der 
Herausgeber im Wesentlichen an die Vorschriften gehalten, 
welche Erdmannsdörflfer vor mehr als einem viertel Jahr- 
hundert aufgestellt hat und die von ihm und seinen Mit- 
arbeitern bis auf den heutigen Tag befolgt worden sind. Doch 
muss derselbe aufrichtig gestehen, dass er bezüglich der Ab- 
weichung von der Orthographie des 11^^^ Jahrh. gerne noch 
um einen Schritt weiter als Erdmannsdörflfer gegangen wäre. 
Eine Einigung über die Principien, nach denen Actenstücke 
des 17^^^^ und IS^en Jahrh. edirt werden sollten, thäte dringend 
Noth. Nur in einer Hinsicht hat der Herausgeber eine Aen- 
derung in der bisher bei dieser Urkundenpublication angewen- 
deten Methode eintreten lassen, indem er bei jedem Actenstücke 
angegeben hat, in welcher Ausfertigung es ihm vorgelegen hat 
Es wurden dabei Autogramme, Originalien, Concepte und Co- 
pien von einander geschieden; mit Autogramm jenes Stück be- 
zeichnet, welches wirklich von der unterzeichneten Person 
geschrieben wurde, mit Original jenes, das blos eigenhändige 



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Vorwort. IX 

Unterzeichnung aufweist, im übrigen aber von Cancellisten ge- 
schrieben worden ist Eine weitere Unterscheidung der vcb- 
schiedenen Formen der Concepte schien' überflüssig. Auto- 
gramme sind in der Weise mitgetheilt worden, wie Urkunden des 
Mittelalters edirt zu werden pflegen, d. h. mit Beibehaltung fast 
sämmtlicher Merkmale des Schriftcharacters. Die verhältnis- 
mässig geringe Anzahl solcher Autogramme, die in der vor- 
liegenden Publication erscheinen, dürfte hinreichen, erkennen 
zu lassen, dass von einer Consequenz bei der damaligen 
Schreibweise keine Rede sein kann. Im übrigen galt, wie 
dies auch bei den übrigen Bänden der Fall war, als Editions- 
princip die Beibehaltung des Sprachlichen und die Aenderung 
des Orthographischen. Doch möchte der Herausgeber — wie 
dies Erdmannsdörflfer seinerseits gethan — nicht unterlassen 
zuzugestehen, dass er sich in vielen Fällen ausser Stande sah 
mit Bestimmtheit zwischen Sprachgebrauch und Orthographie 
zu scheiden. Da die Collationirung des Druckes mit den 
Originalien durchgeführt werden konnte, glaubt der Heraus- 
geber wenigstens im allgemeinen dafür bürgen zu können, 
dass die sprachlichen Inconsequenzen, die sich oft in ein und 
demselben Actenstücke finden — wie z. B. nicht und nit, 
Vortl und Vorteil, weil und weilen u. a. m. — den Schrift- 
stücken eigen sind. Auch die Namen von Personen und 
Orten wurden meist in der richtigen Schreibweise wieder- 
gegeben. Lateinische, französische, italienische Schriftstücke 
sind im allgemeinen in der Form wiedergegeben, die uns 
überliefert ist. 

Bezüglich der einleitenden Bemerkungen, die den ein- 
zelnen Abschnitten vorangestellt sind, glaubt der Herausgeber 
nur erwähnen zu müssen, dass dieselben blos dazu dienen 
sollen, in grossen Zügen die diplomatischen Beziehungen der 
beiden Staaten im Zeitalter des Kurfürsten Friedrich Wilhelm 
darzustellen und den Werth der mitgetheilten Documente an- 
Mater, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. B 



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X Vorwort. 

zudeuteu. Die Noten sind vielleicht etwas reichlicher als in 
anderen Bänden; eine Erscheinung, deren Erklärung einerseits 
in der Nothwendigkeit gefunden werden muss, auf die bereits 
erschienenen Bände der Urkunden und Actenstücke, auf Pufen- 
dorf und Droysen zu verweisen, andererseits in dem Bestreben 
des Herausgebers durch Heranziehung eines oder des anderen 
Werkes älteren oder jüngeren Datums eine Handhabe zur 
Beurtheilung des Mitgetheilten zu bieten, wobei jedoch keines- 
weges an eine Kritik der einzelnen Nachrichten gedacht 
worden ist. 

Der erste Theil des Werkes, der hiemit der Oeflfentlich- 
keit übergeben wird, enthält die Actenstücke bis zum Aus- 
bruche des schwedisch-brandenburgischen Krieges im Jahre 
1675. Der zweite Theil — der ein beide Bände berück- 
sichtigendes Register enthalten wird — dürfte längstens inner- 
halb Jahresfrist in den Händen der Benutzer sein. 

Schliesslich sei es dem Herausgeber gestattet, die ange- 
nehme Pflicht zu erfüllen, dem Dlrector des Hans-Hof- und 
Staatsarchives zu Wien, S^ Excellenz H". Geheimrath Alfred 
R. V. Arneth, dem eifrigen Förderer aller wissenschaftlichen 
Bestrebungen, sowie H^. Staatsarchivar D^. G. Winter, der den 
Herausgeber mit unermüdlicher Ausdauer bei seinen Arbeiten 
unterstützt hat, seinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 

Wien, 24. Mai 1890. 

A. F. Pritoram. 



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Inhalt. 



Seite 

Vorwort V 

Inhalt XI 

I. Mission Blumenthals. Der Jüiich-cievische Streit. Die Jägemdorfer 
Streitfrage. 1640—1654. 

Einleitung 3 

Acten 14 

IL Der nordische Krieg. 1655—1660. Missionen Fememonts, Schutzes 
Strozzi's. 

Einleitung 65 

Acten 76 

m. 1660—1664. Mission Lisola's. 

Einleitung 127 

Acten 134 

IV. Erste Mission des Freiherm Johann von Goess. Januar 1665— Mai 1668. 

Einleitung 191 

Acten 199 

V. Zweite Mission des Freiherm Johann yon Goess. Oct. 1668— Sept. 1671. 

Einleitung 389 

Acten 400 

VI. Goess in Ber|in, Anhalt in Wien. 1672—1675. 

Einleitung 501 

Acten 511 



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1. 

Mission Blumenthals. Der Jülich- 

clevische Streit. 

Die Jägemdorfer Streitfrage. 

1640—1654. 



Mater, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 



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Einleitung. 



Als Bundesgenosse Kaiser Ferdinand III. schied Kurfürst Georg Wilhelm 
von Brandenburg aus dem Leben. Fünf Jahre vor seinem Tode hat er sich 
entschlossen, Parteigänger des Wiener Hofes zu werden. Nicht aus Neigung 
für das Reichsoberhaupt — eine solche lag ihm fern — , sondern lediglich in der 
Ueberzeugung, dass die Politik der freien Hand unter den gegebenen Verhält- 
nissen nicht aufrecht zu erhalten sei und in der Hoffnung, durch den Anschluss 
an den Kaiser die Durchführung seines vornehmsten territorialen Anspruches 
— den auf Pommern — zu ermöglichen. Diese grösste und älteste Anwart- 
schaft vom Kaiser und Reich garantirt zu wissen, schien dem Kurfürsten mit 
keinem Zugeständnisse zu theuer bezahlt. Er Hess sich, um dieses Ziel zu er- 
reichen, die Schwächung seiner territorialen Selbstähdigkeit gefallen, er willigte 
darein, dass seine Truppen zugleich für Kaiser und Reich in Pflicht genommen 
wurden. Das Resultat des gemeinsam gefiihrten Kampfes um den Besitz der 
1637 heimgefallenen pommerschen Lande entsprach aber den Erwartungen, die 
man hegte, durchaus nicht. Wohl gelang es den brandenburgischen Truppen 
im Frühjahre 1638 sich des grössten Theiles Vorpommerns zu bemächtigen; 
allein bald genag gieng das eroberte Gebiet wieder verloren. Die Entscheidung 
über das Schicksal Pommerns hieng aber — und darin lag das wesentliche — 
überhaupt weniger von dem Resultate des zwischen Brandenburg und Schweden 
geführten Kampfes, als von dem Ausgange der grossen Conflicte ab, in welche 
die Häuser Bourbon und Habsburg gerathen waren. Diese Entscheidung war 
noch nicht gefallen, als nach dem Tode Georg Wilhelms sein einziger Sohn, 
Friedrich Wilhelm, den Thron seiner Väter bestieg. 

Es waren ungewöhnlich schwierige Verhältnisse, unter denen der junge 
Fürst im Jahre 1640 das Regiment antrat. Die Politik seines Vaters hatte sich 
nicht bewährt. Der innige Anschluss an das Haus Habsburg hatte nicht zur 
Erwerbung Pommerns, wohl aber zur Isolirung Brandenburgs, zur Schwächung 
der kurfürstlichen Macht in den Marken geführt. Auf diesem Wege durfte 
man, sollte die Existenz des brandenburgischen Staates nicht aufs Spiel gesetzt 
werden, nicht fortschreiten. Die Lösung der deutschen Frage im Sinne der 

1* 



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4 Einleitung. 

Habsburger konnte nur zum Siege des Katholicismus und des kaiserlichen Ab- 
solutismus führen und Brandenburgs Zukunft lag in der Stärkung der pro- 
testantischen Territorialgewalt, Dazu kam, dass, wie die Verhältnisse lagen, 
selbst im Falle des Anschlusses an deii Kaiser, eine Förderung der branden- 
burgischen Erbansprüche auf Pommeni. nicht zu erhoffen war. Denn Ferdi- 
nand in., damals bereits ausser Stande gegen die vereinigte Macht der Fran- 
zosen und Schweden anzukämpfen, suchfte die Letzteren für einen günstigen 
Separatfrieden zu gewinnen und war bereit Pommern zu diesem Zwecke zu 
opfern. In diesem Sinne hatte er wenige Wochen vor dem Tode Georg Wil- 
helms die Reichsstände aufgefordert, die Frage der schwedischen Satisfaction 
zum Gegenstande ihrer Berathungen zu machen, und die Bereitwilligkeit mit 
der die Vertreter der Kurfürsten von Baiern und Köln für die Vornahme dieser 
Frage stimmten, liess mit Sicherheit eine den Interessen Oesterreichs ent- 
sprechende Erledigung dieser Angelegenheit erwarten '). Für Brandenburg aber 
bedeutete die Anerkennung der schwedischen Herrschaft in Pommern nicht nur 
den Verlust dieses weiten für die fernere Entwickelung des brandenburgischen 
Staates unentbehrlichen Gebietes, sondern auch die unmittelbare Nachbarschaft 
der gewaltigen nach Vergrösserung des Besitzes und des Einflusses strebenden 
schwedischen Militärmacht. Wohin sich aber wenden, um dieser Katastrophe vor- 
zubeugen? Im Reiche hatte der Kurfürst von Brandenburg nur wenige Freunde, 
im Auslande gar keine. Der sofortige gänzliche Bruch mit der von seinem Vater 
in den letzten Jahren beobachteten Politik, der innige Anschluss an des Kaisers 
Feinde, — ein Vorschlag, der ihm von verschiedenen Seiten gemacht wurde — , 
war viel zu gewagt und die Aussicht von Schweden als Lohn für diesen Schritt 
Pommern zu erhalten viel zu gering, als dass der junge Fürst auf diese Rath- 
schläge hätte eingehen können; ganz abgesehen davon, dass ihn die oppositio- 
nelle Haltung der Stände und die grosse Schuldenlast, die er vorfand, nöthigten, 
für's erste jeden Schritt zu vermeiden, durch den er in Conflicte gerathen konnte, 
die nur durch das Schwert zu entscheiden waren. Unter diesen Umständen, 
wo die Fortsetzung der bisherigen Politik, die insbesondere von dem für Oester- 
reich ganz gewonnenen Schwarzenberg empfohlen wurde, ebenso unzweckmässig 
schien, als der sofortige Anschluss an Habsburgs Gegner, wird es als Zeichen 
eines richtigen, staatsmäunischen Blickes angesehen werden müssen, dass Frie- 
drich Wilhelm, obgleich jung, ehrgeizig und von verschiedenen Seiten zum 
Kriege gedrängt, sich für jene Politik der bewaffneten Neutralität entschied, 
durch die allein er sein innerlich schwaches, von allen Seiten bedrohtes Land 
vor gänzlichem Untergange zu schützen vermochte. Die Haltung dem Kaiser 
gegenüber — und nur diese ist Gegenstand dieser Betrachtang — war damit 
gegeben. Es galt, sich der kaiserlichen Autorität, welche bisher bestimmend 
auf die Entschliessungen der kurfürstlichen Politik eingewirkt hatte, nach und 
nach zu entziehen, die pommersche Successionsfrage — falls mit Schweden 
selbst ein entsprechendes Abkommen nicht sollte getroffen werden können — 
von dem Forum des Reichstages, wo eine die Interessen Brandenburgs berück- 



') Vergl. Urk. u. Act. I. G96. 



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Einleituug. 5 

sichtigende Erledigung nicht zu erwarten war, weg, vor das der gesammten 
europäischen Diplomatie zu ziehen und durch Anknüpfung besserer Beziehungen 
zu den einflussreichsten Fürsten des Continentes, einen Ersatz für den bis- 
herigen Rückhalt an das Reichsoberhaupt zu finden. Der Gang der im Laufe 
der ersten Regierungsjahre Friedrich Wilhelms in diesem Sinne mit dem Wiener 
Hofe und dessen Vertretern geführten Verhandlungen ist aus den im ersten und 
vierten Bande der „Urkunden und Acten'^ mitgetheilten Documenten deutlich 
zu ersehen*). 

Gegen Schwarzenbergs Antrag, die pommerische Successionsangelegenheit 
auf dem Reichstage zu Regensburg entscheiden zu lassen und sich den Ver- 
fügungen des Kaisers zu unterwerfen'), entschloss sich der junge Fürst dem 
sächsischen in Regensburg abgegebenen Gutachten seine Zustimmung zu geben, 
nach welchem die Frage der Entschädigung Schwedens als eine causa externa 
auf dem allgemeinen Congresse erledigt werden sollte^) und Hess überdies von 
den Vertretern Ferdinand III. das Verbrechen fordern, dass die zu Hamburg 
zwischen Oesterreich und Schweden begonnenen Verhandlungen ohne Mitwirkung 
des Kurfürsten von Brandenburg nicht fortgesetzt werden sollten *). Dfer Wiener 
Hof erwies sich sehr entgegenkommend; er billigte die Forderungen des jungen 
P^'irsten, stellte ihm die Absendung eines Bevollmächtigten nach Hamburg frei 
und verpflichtete sich, nur mit Gutheissung des kurfürstlichen Collegiums in 
der pominerschen Frage bindende Abmachungen zu treffen. Kein Zweifel, dass 
diese freundliche Haltung der Wiener Regierung der Hoffnung entsprang, den 
Kurfürsten ganz zu gewinnen, eine Hoffnung, die um so berechtigter schien, 
als Friedrich Wilhelm, obgleich persönlich der heftigste Gegner Schwarzenbergs, 
im Hinblicke auf den Zustand seines Staates, von der Entsetzung des verhassten 
Mannes — der die österreichische Partei am Berliner Hofe vertrat — abge- 
standen war. Allein bald genug trat der Gegensatz der Österreichischen und 
brandenburgischen Politik scharf und klar hervor. Die Entscheidung des Kur- 
fürsten bezüglich des Ortes, an dem die pommersche Successionsangelegenheit 
erledigt werden sollte und seine Haltung gegenüber den von Schwarze.nberg 
bezüglich der inneren Verhältnisse getroffenen Verordnungen, sowie die Heran- 
ziehung von Männern zu seinem Dienste, die als Gegner des leitenden Staats- 
mannes galten, Hessen erkennen, dass die Belassung Schwarzenbergs in Amt 
und Würden nicht zugleich die Fortdauer des bis dahin herrschenden politischen 
Sistemes bedeute. In überaus bezeichnender Weise betonte Loben, der Principal- 
gesandte Friedrich Wilhelms in Regensburg — wohl nicht ohne dessen aus- 
drückliche Ermächtigung — , die Selbständigkeit seines Herren, indem er auf 
die Klagen des Reichsvicekanzlers über das verminderte Vertrauen, das der 
Kurfürst dem Grafen Schwarzenberg schenke, erwiderte, „dass I. C. D. theils 
dero Diener, derer theils Ihr vor diesem zuwider gewesen, theils auch selbst 

L 696 ff., 871 ff. IV. 814 ff. 

») ürk. u. Act. I. 697. 

*) Ebendaselbst. 

*) ürk. u. Act. 1. 705ff. 



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6 Einleitung. 

ihren Abscbeid begehret, hpurlaubten, das ginge Ihrer Kay. May. nichts an und 
würde verhoffentlich nicht wol jemand zu finden sein, die sich unterstehen 
wollte, i. C. D. vorzuschreiben, wie Sie Ihren Hofstaat formiren und was Sie 
vor Leute im Dienst nehmen, behalten oder abdanken sollten** '). Und kurz 
darauf zeigte es sich, dass man diese Selbständigkeit nicht auf die Wahl der 
Räthe zu beschränken Willens war. Denn die Versuche des Kaisers und seiner 
Vertreter in Regensburg, sowie des eigens zu diesem Zwecke nach Königsberg 
gesendeten Grafen Martinitz, den Kurfürsten zur Wiederaufnahme des Kampfes 
gegen die Schweden zu vermögen 2), blieben ohne Erfolg. Friedrich Wilhelm 
weigerte sich auf das entschiedenste mit den Schweden weiter zu kämpfen und 
führte, aller Bemühungen der Wiener Regierung ungeachtet, die Idee der Her- 
stellung eines Waffenstillstandes im Laufe des Jahres 1641 durch. Zu gleicher 
Zeit machte sich beim Kurfürsten bezüglich der Reichsfragen eine entscheidende 
Meinungsänderung bemerkbar. Bereits im April 1641 hatte er seinen Vertretern in 
Regensburg seine Ansicht in diesen Dingen dahin eröffnet ^Was den Prager Frie- 
densschluss, die Reichsgravamina und das Kaiserl. Hof und Cammergericht zu 
Speier betrifft, halten Wir es wol nicht dafür, dass es beim Prager Friedensschluss 
gelassen werden könne, dieweil eben darum und nicht um Pommern, wie man 
Uns einbilden will, der Krieg eigentlich geführt wird; sondern es wird derselbe 
bei den künftigen Tractaten wol in vielen geändert werden müssen ^).'' Damit 
war de^ Bruch mit der von seinem Vater vertretenen Richtung vollzogen. Der 
Prager Friede, der die Unterwerfung der Hohenzollern bedeutet hatte, wurde 
von Friedrich Wilhelm nicht anerkannt; er erklärte, durch das Vorgehen des 
Wiener Hofes aller Verpflichtungen gegen denselben ledig zu sein und betonte 
scharf und klar seine Stellung als evangelischer Fürst*). Aber noch in einem 
anderen Punkte traten die differirenden Interessen des Kaisers und des Kur- 
fürsten zu Tage. Für Ferdinand III. war es von besonderem Vortheile gewesen, 
dass die in den märkischen Ländern lagernden Truppen nicht nur dem Kur- 
fürsten von Brandenburg, sondern auch dem Kaiser und dem Reiche den Eid 
der Treue geleistet hatten. Um so empfindlicher musste es ihn daher berühren, 
dass Friedrich Wilhelm auf das energischeste mit der Reduction und Auflösung 
dieser Truppen begann und diesem Doppelverhältnisse der Armee zum Landes- 
herrn und zum Kaiser ein Ende zu machen beflissen war*). Nach alle dem 
konnte kein Zweifel darüber bestehen, dass der junge Fürst nicht in den 
Bahnen seines Vaters zu wandeln gewillt, vielmehr entschlossen war, durch 
geschickte Benützung der Verhältnisse der Idee einer selbständigen auf 
Erhaltung und Vergrösserung des ererbten Besitzes gerichteten Politik zum 
Siege zu verhelfen. In diesem Sinne sind denn auch alle Bestrebungen des 

ürk. u. Act. I. 720. 

^ Vgl. Droysen Gesch. der preussischen Politik IIL 228 f. Acten über diose 
Sendung des Grafen Martinitz haben sich im Wiener Archive nicht vorgefunden. 

») ürk. u. Act. I. 737 f. 

*) Vgl. die bezeichnenden Stellen in des Kurfürsten Weisung vom 2. Juni 1641. 
Urk. u. Act. 1.745 ff. 

*) Die darüber geführten Verhandlungen ürk. u. Act. 1. 739 ff. 



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Einleitung. 7 

Kurfürsten in den ersten 8 Jahren seiner Regierung gemeint gewesen. Von 
der Fortsetzung des Krieges erhoffte er für seine Zwecke nichts; daher sein 
unablässiges Drängen auf Beendigung desselben. Niemand hat, als im Jahre 
1641 die Frage über Fortführung oder Beendigung des Krieges zur Verhand- 
lung kam, schärfer die Bedenken gegen die Fortdauer des Kampfes klargelegt, 
als die Vertreter Friedrich Wilhelms. Sie behaupteten — und der Kurfürst 
billigte ihre Erklärungen — , dass der Krieg kein gerechter sei und längst hätte 
beendigt werden können; sie wiesen nach, dass zur Fortsetzung des Krieges 
alle Mittel fehlten; dass daher unter allen Umständen der Friede erwirkt wer- 
den müsse, für dessen Durchführung sie in erster Linie allgemeine Amnestie, 
Aufhebung des P^dictes von 1629, Erläuterung des Religionsfriedens in einer 
die evangelischen Interessen berücksichtigenden Weise, Abänderung einiger 
Punkte des Präger Friedens, Abstellung der Gravamina, Revision des Justiz- 
wesens und die Beilegung der Hauptstreitfragen bezüglich der Reichsverfassung 
forderten'). Und als dann der Krieg von neuem ausbrach, hielt der Kurfürst, 
aller Bemühungen des Kaisers und dessen Anhänger ungeachtet, die ihn zur 
Wiederaufnahme des Kampfes zu bewegen suchten, an dem vom Beginne der 
Regierung an gefassten Plane der strengen Einhaltung einer bewaffneten Neu- 
tralität fest. Dieser Politik der Rücksichtsnahme auf die eigenen Interessen 
entsprach auch die Haltung des Kurfürsten in der Frage der pommerischen 
Restitution. Rettung vor den Ansprüchen der Schweden gewährte, das wusste 
der Kurfürst, weder Kaiser noch Reich. Nur das Eintreten der Grossmächte Eu- 
ropa's, denen eine allzugrosse Machterweiterung Schwedens bedenklich erscheinen 
ronsste, konnte ihn retten. Daher sein unablässiges Drängen auf Ueberweisung 
der pommerischen Restitutionsfrage an den allgemeinen Congrcss, daher seine 
Freude als dieser Versuch von Erfolg begleitet, als die Möglichkeit einer Eini- 
gung zwischen Schweden und dem Kaiser über die Geschicke Pommerns durch 
das Eingreifen der französischen Diplomatie endgiltig beseitigt war. Begreif- 
licher Weise war unter solchen Verhältnissen, bei der entschiedenen Weigerung 
Friedrich Wilhelms die Sache des Kaisers zu fördern, ihm zu Liebe auf die 
Durchführung seiner verschiedenartigen Ansprüche zu verzichten, von einem 
innigen Verhältnisse der beiden Regierungen keine Rede. 

Der Wiener Hof war über die selbständige, den Interessen des Kaisers 
wenig Rücksicht tragende Politik des jungen Kurfürsten sehr entrüstet und 
wenn dieser Missbilligung nicht deutlicher Ausdruck gegeben wurde, so hatte 
dies seinen Grund lediglich darin, dass man Friedrich Wilhelm durch ein 
offenes Bekenntnis der Unzufriedenheit und durch ein schroffes Ablehnen 
jedes diplomatischen Verkehres mit demselben zu beleidigen und ganz 
auf die Seite der Gegner zu drängen fürchtete, was im Hinblicke auf die 
schwierige Lage des Kaisers unter allen Umständen vermieden werden musste. 
Doch blieb der Verkehr der beiden Höfe bis zum Abschluss des westphälischen 
Friedens ein äusserst beschränkter. Von dauerndem Aufenthalte eines Gesandten ist 
keine Rede; nur zur Intervention bei besonderen Gelegenheiten erscheinen die 



») ürk. u. Act. 1. 753. 



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8 Einleitung. 

Vertreter der einen oder der anderen Macht an den Nachbarhöfen. In diesem 
Sinne sind die Sendungen von Loben und Kleist nach Wien in den Jahren 
1641, 1644 und 1647*), die Georgs von Plettenberg nach Berlin im Jahre 1646 
aufzufassen*); in diesem Sinne auch die Sendung Blumenthals an den Hof 
Friedrich Wilhelms im Jahre 1647. 

Anlass zu dieser Mission Blumenthals, mit der die vorliegende Publication 
eröffnet werden soll, gab das vom Kaiser tief empfundene Bedürfnis, einen Er- 
satz für die durch Baiems Abfall erlittene Schwächung zu erlangen und der 
Wunsch noch einmal das Kriegsglück gegen Schweden zu versuchen. Maxi- 
milian von Baiern hatte sich durch den mit Habsburgs Gegnern am 14. März 
1647 zu Ulm geschlossenen Neutralitätsvertrag verpflichtet von jeder Feind- 
seligkeit gegen Frankreich und Schweden abzustehen, jede Verbindung mit dem 
Kaiser aufzugeben, eine Reihe wichtiger Plätze an die Schweden abzutreten'). 
Die Folgen von Baierns Abfall zeigten sich sogleich. Wrangel sammelte seine 
Truppen und setzte sich gegen Böhmen hin in Bewegung. Man erwartete auf 
schwedischer Seite keinen eriieblichen Widerstand des Kaisers; man hoffte den- 
selben leicht zu besiegen und dann zur Unterzeichnung eines den schwedischen 
Interessen ensprechenden Friedensvertrages zu zwingen. Selbst den Franzosen 
war die den evangelischen Standpunkt überaus scharf hervorkehrenden For- 
derungen der Schweden nicht recht. Umso lebhafter machte sich am Wiener 
Hofe das Bestreben geltend, dieselben zurückzuweisen. Der Kaiser dachte ernst- 
lich daran, noch einmal eine grosse Action gegen Schweden in Scene zu setzen 
und entwickelte, gedrängt von der spanischen und jesuitischen Partei, eine un- 
gewöhnliche Energie. Er erliess Avocatorien an die im baierischen Dienste 
stehenden Truppen, denen Soldaten und Fuhrer Folge leisteten, und suchte 
Spanien, Dänemark, Sachsen, Braunschweig und andere Mächte zu gemeinsamen 
Operationen zu vermögen^). Auch Brandenburg sollte nun für diesen Plan 
einer letzten bewaffneten Abwehr der schwedischen Angriffe gewonnen werden. 
Man wusste, dass gegen Schluss des Jahres 1646 eine gänzliche Aendernng 
der kurfürstlichen Politik stattgefunden, dass Friedrich Wilhelm den Gedanken 
fallen gelassen hatte, die pommersche Frage durch eine enge Verbindung seines 
Hauses mit dem der Wasa zu lösen und jede Umkehr durch seine Heirath mit 
der Tochter des Oraniers unmöglich gemacht hatte. Man wusste auch, wie 
ungern sich der Brandenburger den Forderungen Schwedens gefugt, wie schwer 
Friedrich Wilhelm sich zur Verzichtleistung auf den grössten Theil von Vor- 
pommern entschlossen, wie ernstlich er sich mit dem Gedanken getragen hatte 
im Vereine mit Dänemark, Polen und den Staaten den Kampf gegen die Schwe- 



Urk. Tl. Act. I. 790, 871 ff.; IV. 814 ff. Für die Mission Kleists ist auch zu 
vergl. Koch M. Gesch. des deutschen Reiches unter Ferd. 111. II. 391 ff. 

^ Urk. u. Act. I. 475, u. a. 0. 

^ Der (Jimer Neutralitäts vertrag Baierns mit Frankreich und Schweden ist ge- 
druckt bei Condorp Act. publ. VF. 186 ff. (mit Schweden). Meiern Acta Pacis West. 
V. 6 ff. (mit Frankreich). 

*) Vergl. Koch M. 1. c. II. 263ff; Droysen 1. c. lU i. 323ff 



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Einleitung. 9 

den aufzunehmen. Um so eher dachte man ihn jetzt gegen das Versprechen, 
ganz Pommern für ihn zu gewinnen, zur energischen Antheilnahme an dem 
Unternehmen gegen Schweden zu vermögen. Und keine geeignetere Persön- 
lichkeit hätte man zu diesem Zwecke auswählen können, als Joachim Friedrich 
von Blumenthal, der Jahre lang dem Kurfürsten Georg Wilhelm gedient hatte, 
bei Friedrich Wilhelm in hohem Ansehen stand, demselben auch als kaiser- 
licher Gommissär gute Dienste geleistet hatte und als Vasall des Kurfürsten 
von vorneherein auf herzlichen Empfang und vertrauensvolles Entgegenkommen 
rechnen durfte'). Die im nachfolgenden mitgetheilten Actenstücke zeigen den 
Verlauf der von Blumenthal am kurfürstlichen Hofe gepflogenen Verhandlungen, 
Dieselben haben bekanntlich zu keinem Ergebnisse geführt; vornehmlich dess- 
halb, weil Friedrich Wilhelm, solange Baiern dem Kaiser feindlich gegenübei- 
stand, den Kampf gegen die Feinde des Hauses Habsburg aufzunehmen, für 
allzu gefährlich hielt, später aber in den sichtbaren Fortschritten der mit den 
bairischen Truppen seit dem Herbste 1647 wiedervereinigten kaiserlichen Armee 
für sich keinen Vortheil erblickte und überdies an der Aufrichtigkeit der kai- 
serlicherseits gemachten Anerbietungen zweifelte. „Ahn Kayserlicher undt Span- 
nischer seitten, schrieb der Kurfürst wenige Monate vor der Ankunft Blumen- 
thals, Werden Sie alles thun, Was ich begeren werde, daferne ich mich nur mitt 
Ihnen coniungiren Werde, aber es ist zu besorgen nur so lange, als Sie meiner 
Werden von notten haben').'' Und er täuschte sich nicht. Der Wiener Hof 
zeigte, sobald der Ausgleich mit Baiem erfolgt war, geringe Neigung, die von 
Friedrich Wilhelm geforderten Zugeständnisse zu machen, zu denen in 
erster Linie die Räumung Hamms, die Verschonung der Grafschaften Mark 
und Ravensberg mit Contributionep , die Lösung der jülischen wie der 
jägemdorfischen Fragen gehörten. Und dies, obgleich Blumenthal und der 
wenige Monate später mit Friedrich Wilhelm verhandelnde kaiserliche General 
Melander von Holzapfel in ganz bestimmter Weise für die Befriedigung der 
kurfürstlichen Forderungen eintraten, .wenigstens soweit diese die Räumung 
Hamms und die Verschonung der Grafschaften Mark und Ravensberg mit Con- 
tributionen betrafen. Begreiflich daher, dass Friedrich Wilhelm in seiner Mei- 
nung von der Eigennützigkeit der kaiserlichen Politik bestärkt und bewogen 
wurde, auch fernerhin strenge auf die Einhaltung der Neutralität zu sehen, 
und immer von neuem auf die Beendigung des Krieges drang. Der sehnsüchtig 
erwartete Friede kam endlich zu Stande. Freilich ein Universalfriede, wie ihn 
der Kurfürst gewünscht hätte, war es nicht. Frankreich und Spanien blieben 
nach wie vor offene Feinde und die Verhältnisse im Norden, die Bewegungen in 
Schweden und Polen Hessen den baldigen Wiederansbruch des Krieges erwarten. 
Aber auch sonst entsprach der. Friede von 1648 nicht in jeder Hinsicht den 
Wünschen Friedrich Wilhelms. Wenn er sich schweren Herzens entschlossen 
hatte, Rügen, Vorpommern nebst Stettin an Schweden abzutreten, so hatte er 
dies in der Voraussetzung gethan, durch dieses Opfer in gute Beziehungen zu 



*) üeber Blumenthal verg^l. Deutsche Biographie II. 752 f. 
2) ürk. u. Act. IV. 554. 



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10 Einleitung. 

der ihn bedrohenden schwedischen Militärmacht zu treten und ungehindert in 
den Besitz der ihm als Ersatz zugewiesenen Domainen zu gelangen. Nun war 
aber auf dem Friedenscongresse die Grenzregulirung zwischen Brandenburg und 
Schweden nicht erfolgt, vielmehr die Austragung dieser Angelegenheit den bei- 
den Mächten selbst überlassen worden, deren gänzlich differirende Interessen 
eine gutliche Beilegung des Streites nicht erhoffen liessen. Und ebenso wenig 
gelang die sofortige Besitzergreifung der dem Kurfürsten durch den Friedens- 
vertrag zugewiesenen deutschen Gebiete. Auch hier traten die Schweden dem 
Kurfürsten hinderlich in den Weg. In Halberstadt und Minden weigerten sich 
die schwedischen Officiere das von ihnen in Besitz genommene Territorium zu 
verlassen. Und doch durfte Friedrich Wilhelm es nicht wagen, den Schweden 
den Krieg zu erklären, da er bei der financiellen Ohnmacht seines Landes und 
bei der oppositionellen Gesinnung der Stände, die seine Schwäche in ihrem 
Interesse zu benützen nnd vor allem jeden Ansatz zur Kräftigung der landes- 
herrlichen Gewalt im Keime zu ersticken bestrebt waren, ausser Stande war, 
den Kampf gegen den überlegenen Gegner mit Erfolg zu führen. Allein alle 
seine Vorschläge, welche dahin giengen, auf gütlichem Wege eine Einigung zu 
erzielen, wurden von der schwedischen Regierung zurückgewiesen. Ewald von 
Kleist, der sich als Vertreter Friedrich Wilhelms nach Stockholm begeben hatte, 
kehrte nach IV2 jährigem Aufenthalte in der nordischen Hauptstadt ohne einen 
Erfolg erzielt zu haben ') im Februar 1651 nach Berlin zurück und die Ver- 
handlungen der Grenzregulirungscommission in Stettin liessen deutlich erkennen, 
dass die Schweden nicht gewillt waren, von ihrem vermeintlichen Rechte um 
Haares Breite zu weichen. In dieser Lage gab es für Friedrich Wilhelm nur 
eine Rettung. Der Kaiser allein, er, der nur der Noth gehorchend den Frieden 
mit Schweden geschlossen und dessen Machtzuwachs im nördlichen Deutschland 
nur ungern gesehen hatte, konnte ihn aus seiner Lage befreien. Schweden war 
ja durch den Besitz von Vorpommern Mitstand des Reiches geworden , als 
solcher genöthigt Rücksicht auf die Wünsche des Reichsoberhauptes zu nehmen, 
und das umsomehr, als Christine mit Vorpommern noch nicht belehnt worden 
war und es in dem Belieben des Kaisers stand, der Konigin die Belehnung zu 
versagen und ihren Vertretern jeden Antheil an den Berathungen des bevor- 
stehenden Reichstages zu verweigern, bis die Restitution von Hinterpommern 
erfolgt sei. Die Verhandlungen, die Friedrich Wilhelm in diesem Sinne durch 
Matthias von Crockow seit dem Frühjahre 1651 am Wiener Hofe pflegen liess, 
sind im 4. Bande der Urkunden und Acten ausführlich erörtert worden 2). Die- 
selben haben bekanntlich zu keinem Ergebnisse geführt. Die Berechtigung der 
kurfürstlichen Forderungen wurde zwar von dem Reichshofrathe anerkannt 
nnd die entsprechenden Ermahnungsschreiben an die Königin von Schweden ab- 
gelassen, allein zu energischen Massregeln kam es nicht, vornehmlich desshalb, 
weil es nicht im Interesse des Wiener Hofes lag, in diesem Momente, wo der 
Reichstag vor der Thure stand, der über die Stellung des Reichsoberhauptes 

») Für diese Verhandlungen ürk. u. Act. IV. 829if. 
2) ürk. u. Act. IV. 837 f.; 890 ff. 



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Einleitung. 11 

zu den Ständen die Entscheidung bringen musstc, mit dem schwedischen Hofe 
um dieser pommerschen Differenz >villen in ernstliche Conflicte zu gerathen; 
dann aber auch weil man in Wien eine Schwächung der kurfürstlichen Macht 
nicht ungern sah. Anders freilich gestalteten sich die Dinge, als Ferdinand ITI. 
mit dem Plane her\'ortrat, seinen Erstgeborenen noch bei seinen Lebzeiten 
zum römischen König wählen zu lassen. Die Durchführung dieser "Wahl war 
eine Sache von so weittragender Bedeutung und lag dem alternden Kaiser so 
am Herzen, dass es möglich wurde, Ferdinand HI. zu energischen Massregeln 
gegen die Schweden zu vermögen, und dies um so mehr, als man am Wiener 
Hof sehr wohl wusste, dass von der Zustimmung Friedrich Wilhelms die 
gunstige und schleunige Erledigung der Wahlsache abhieng. In der That haben 
denn auch zwischen Ferdinand II l. und Friedrich Wilhelm in Prag, wohin der 
Kaiser Herbst 1652 die Wähler zu einer Besprechung berief, Abmachungen 
stattgefunden, durch die der Kaiser sich dem Kurfürsten gegenüber verpflichtete, 
den Schweden weder die Belehnung noch einen Indult für dieselbe zu erthei- 
len, und ihnen solange Sitz und Stimme auf dem Reichstage zu verweigern, 
bis sie dem Kurfürsten den Besitz von Hinterpommern zugestanden haben wür- 
den *), wogegen Friedrich Wilhelm seine Zustimmung zur Vornahme der Wahl 
Ferdinand IV. gab -'). Das Eingreifen des Kaisers hatte den gewünschten Erfolg. 
Die Schweden mnssten sich bequemen, ihre Zustimmung zu einer die Interessen 
des Brandenburgers berücksichtigenden Beilegung der Grenzregulirungsstreitig- 
keiten m geben. Am 16. Juni 1653 erfolgte zu Stettin die feierliche Ueber- 
gabe von Hinterpommern an die brandenburgischen Gommissäre; am 30. Juni 
die Eröffnung des Reichstages zu Regensburg; einen Monat vorher war Ferdi- 
nand IV. zum römischen König gewählt worden. Das gemeinsame, einträch- 
tige Vorgehen des Wiener und Berliner Hofes in der pommerschen Grenzregu- 
limngs- und in der Wahlfrage erregte in der diplomatischen Welt ungeheueres 
Aufsehen. Sollten doch auf dem bereits einberufenen Reichstage die wichtigsten 
Fragen über die Stellung des Reichsoberhauptes zu dessen Gliedern erörtert 
werden. War nun das Verständnis der beiden Hofe ein vollkommenes, ent- 
scbloss sich Friedrich Wilhelm, mit der bisher verfolgten Politik der freien 
Hand zu brechen, sich ganz dem Kaiserhofe anzuschliessen and dessen Interesse 
zu vertreten, dann w^ar für die Opposition nicht viel zu hoffen, dann durfte der 
Wiener Hof mit grosser Beruhigung der Entscheidung entgegensehen. In der 
That gab es Männer in der Umgebung des Kurfürsten, welche den völligen 
Anschluss an den Kaiser riethen; vor Allen Biumenthal, der wieder in den 
Dienst des Kurfürsten getreten und im Sinne einer Einigung seiner beiden 
Herrn za wirken bestrebt war. In Prag waren auch Ansätze zu einem Aus- 
gleiche der schwebenden Streitfragen gemacht worden ; allein sobald die Wahl- 
nnd die pommersche Grenzregnlirungsfrage erledigt waren, zeigten sich die 



Meiern, Acta Comit. Ratisp. I. 21. 

') Acten über die in Prag gepflogenen Beratbungen haben sich im Wiener 
Archive nicht vorgefunden; was im 4. Bande der Urk. u. Act. 915 ff. mitgetheiit ist, 
reicht nicht hin, um den dort gepflogenen Berathungen bis in^s Einzelnste zu folgen. 



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12 Einleitung. 

Gegensätze der beiderseitigen Interessen in ihrer vollen Schärfe. Die Be- 
mühungen des Kurfürsten, für Jägerndorf and für die Breslauer Schuld eine 
entsprechende Entschädigung zu erhalten, blieben erfolglos, seine Intervention 
zu Gunsten der Protestanten in den österreichischen Erbländern, sowie seine 
Bestrebungen, das Reichsjustizwesen in einer den Interessen der Evangelischeu 
entsprechenden Weise zu reformiren, fanden keine Berücksichtigung, seine Oppo- 
sition gegen die Geltung der Majoritätsbeschlüsse im FurstencoUegium in Steuer- 
sachen blieb unerhört. Immer deutlicher zeigte sich, dass zwischen den nach 
absoluter Herrschaft strebenden katholischen Habsburgern und den nach Selb- 
ständigkeit ringenden protestantischen Hohenzollern eine schier unübersetzbare 
Kluft gähnte. Insbesondere am kurfürstlichen Hof brach sich diese Erkennntnis 
immer mehr Bahn. Friedrich Wilhelm entschloss sich, von Georg Friedrich von 
Waldeck gedrängt, zu einem entscheidenden Schritte; er gab die Rücksicht, die er 
auf dem Reichstage dem Kaiser gegenüber bis dahin beobachtet hatte, auf, stellte 
sich — in vielen Dingen auch im Gegensatze zu seinen Mitkurfürsten — an 
die Spitze der fürstlichen und protestantischen Opposition und bekannte sich 
offen zu dem in erster Linie von Waldeck betonten Grundsatze, dass die Zu- 
kunft des brandenburgischen Staates in einer der Verstärkung der kaiserlichen 
Macht entgegengesetzten Richtung zu suchen sei. Alle Bemühungen der Wiener 
Regierung wie Mes Kurfürstencollegiums, Friedrich Wilhelm umzustimmen, blie- 
ben erfolglos. Die Gründung einer protestantischen Partei unter Brandenburgs 
Führung wurde vollzogen. Die Folgen zeigten sich alsbald. Die ..wichtige 
Frage der Gleichheit der katholischen und protestantischen Stimmen im Kur- 
fürstencollegium, sowie jene über die Reichssteuern wurden in einer die In- 
teressen der Protestanten berücksichtigenden Weise geordnet, bezüglich anderer 
Dinge eine Erledigung im Sinne des Kaisers verhindert. Brandenburgs Einfluss 
machte sich überall geltend und da derselbe zu bedeutend war, nm überwunden 
zu werden, entschloss sich der Kaiser zur Auflösung ^des Reichstages, die dann 
auch trotz aller Gegenbemühungen der Protestanten, unter denen auch diesmal 
der Brandenburger in erster Linie thätig war, am 17. Mai 1654 erfolgte. 

Die Beziehungen des Wiener und Berliner Hofes zu einander in den Jahren 
1648—1654 sind urkundlich bereits im 4. und 6. Bande der „Urkunden und Acten'' 
dargelegt worden'). Aus den Beständen des Wiener Archives sind für diese 
Zeit nur wenige Ergänzungen möglich gewesen. Dieselben betreffen die Haltung 
des Wiener Hofes während des brandenburg-pfälzischen Conflictes im Jahre 1651 
und die in den Jahren 1652 und 1653 in der jägerndorfischen Frage gepflogenen 
Berathungen. 

Bezüglich der ersteren Frage sei bemerkt, dass ich mich, mit Rücksicht auf 
die zahlreichen bereits publicirten Actenstücke'), auf die Wiedergabe der Con- 
ferenzprotocolle der Wiener Regierung und auf Auszüge aus den Berichten 
Hatzfeld's und Anethan's, die zur Schlichtung des Conflictes an die Höfe der 
beiden streitenden Fürsten gesendet wurden, beschränkt habe. Was sich an 



>) IV. 890ff.; VLIff., 139ff. 

-0 Urk. u. Act. VI. lOff.; V. 403ff.; 111. 66ff. 



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Einleitung. 13 

uDgedruckter Correspondenz zwischen dem Kaiser und dem Kurfürsten aas 
dieser Zeit vorfand, ist von keiner Bedeutung nnd durfte, soweit es in den 
Noten keine Verwendung fand, wie ich denke, füglich bei Seite gelassen wer- 
den. Eine Aendernng der bisherigen Auffassung von der Haltung des Wiener 
Hofes in diesem brandenburg- pfälzischen Conflicte werden die im Folgenden 
mitgetheilten ConferenzprotocoUe nicht bewirken. Sie erhärten vielmehr die 
bereits bekannte Thatsache, dass die Sympathien der Wiener Regierung auf 
Seite des Neuburgers standen, dass es derselben aber in erster Linie doch um 
die möglichst baldige Beilegung dieses den österreichischen Interessen durchaus 
abträglichen Conflictes zu thun war. Die Auszüge aus den Berichten der kai- 
serlichen Gommissäre Hatzfeld und Anethan dürften eine erwünschte Ergän- 
zung der von Mömer ^.Märkische Kriegsoberste'' 333ff. gegebenen Auszüge aus 
dem Berliner Archive bieten. 



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I. Mission Blumenthals. 

Der Jülich-clevische Streit. 

Die Jägerndorfer Streitfrage. 1640 — 1654. 

Mission Joachim Friedrichs von Blumenthal. 



Instruction für Blumenthal. Hauptquartier zu Pilsen 
19. August 1647. Conc. 

[Nothwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens. Bitte um Unterstatzung.] 

19. Aug. Es ist dem Blumenthal bekannt, dass Baiern mit des Kaisers and des 

Reiches Feinden einen höchst praiudicirlichen Waffenstillstand geschlossen ') und 
dadurch den Kaiser genöthigt hat, die den Baiern anvertraute Reichsarmee an 
sich zu ziehen. Blumenthal soll nun dem Kurfürsten, dem der Kaiser traut, den 
gefährlichen Zustand des Reiches vorhalten, „und dass von beeden Kronen 
Frankreich und Schweden ohne bessere Zusammensetzung der Stände 
des Reichs unter sich selbst und ihrer mit uns, als dem rechtmässigen 
Oberhaupt, kein rechter Frieden durch gütliche Tractaten nimmermehr 
zu hoffen oder zu erlangen, sondern das Reich endlich zu Grund und 
Boden gehen und in fremder Völker Dominat und Dienstbarkeit zu un- 
auslöschlichem Spott der deutschen Nation, unsers lieben Vaterlands ge- 
rathen müsste, wohl repräsentiren ; auch I. Ld. darauf ersuchen und er- 
mahnen, dass sie in Betrachtung des.sen allen und was ihr und ihrem 
Hause darüber für Verlust und Schaden kann erfolgen und bereits er- 

') Gemeint ist der kurbaierische Neutralitätsvertrag mit Frankreich und Schwe- 
den d. d. 14. März 1647. Gedruckt u. a. Du Mont. Corps universel diplomatique 
du droit des gens VI. i. 377 ff. Vergl. auch Urk. u. Act. IV. 322. Droyseu Gesch. 
der preuss. Pol. III. 317. Koch M. Gesch. Ferd. III. Bd. II. 282 f. 



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Blumenthals Instruction. Des Kurfürsten Gesinnung. 15 

folgt ist, sich mit uns und anderen treuen Chur- und Fürsten recht zu- 
sammensetzen, uns mit ihren noch bei Händen habenden Kräften wirk- 
lich unter die Arm greifen und sich daran keine widrige impressiones, 
als wann es ihrer Religion und Libertet zu Schaden reichen würde^ 
nichts irren lassen.^ 

Blumenthal soll trachten, eine baldige, günstige Erklärung des Kurfürsten 
zu erwirken*). 



Blumenthal an den Kaiser. Dat. Cleve 20. Sept. 16470- (Aut.) 

[Wicqueforts Verbandlungen mit dem Kurfürsten wegen üeberlassung brandenburgi- 
scher Truppen an Frankreich. Bemühungen Blumenthals das zu verhindern. Des 
Kurfürsten Erklärungen über Baiem. Unterredung Blumenthals mit der Princessin 
von Oranien. Des Kurfürsten Gesinnung.] 

Vohr 3 tagen ist einer Ficfort') genandt per posta von paris alhier 20. Sepi. 
eingelanget, der soUicitiret die Überlassung der Churbrandeburgischer 
Völcker gegen einer nahmhaften summa geldes^). Ich habe Ihrer Chur- 
fürstl. D. gehorsambst angezaigt, ^ie sogahr eigentlich hierauss zu sehen 
wehre, das franckreich keinen frieden begehrete, sondern vielmehr allen 
Churfursten die noch sehnige defensionsmittel aus den Henden Spilen 
wolte; mit unterthänigster bitte ihn abzuweisen; So auch ganz gewiss 
geschehen wirdt. Dieser Mensch gibt vohr, dass Chur-Bayern ganz nicht 
wider die Schweden derweniger franckreich gehen, Sondern die dritte 
partei in Reich stabiliren undt dadurch den frieden befördern würde. 
So viel alss ich vernehme, so wirdt man mihr hier keine resolutionen 
geben, ehe der abgesandter von Clest*) wider angelanget ist, oder ge- 
schrieben hatt, wes er vohr hoffnung habe zu seiner expedition. Dieser 

') Das Creditif fiär Blumenthal ist datirt Pilsen 19. Aug. 1647, angeführt in 
Urk. u. Act. IV. e05. 

^ In einem Schreiben d. d. Cleve 14. Sept. 1647 meldet Blumenthal seine An- 
kunft in Cleve und den freundlichen Empfang, der ihm seitens des Kurfürsten zu 
Tbeil wurde. 

^ Abraham de Wicquefort, diplomatischer Agent; vergl. über ihn Urk. u. Act. 
I. 612; II. 3ff.; Droysen, Zur Quellenkritik der deutschen Geschichte des 17. Jahrb.; 
Forsch, zur deutsch. Gesch. IV. 24 ff.; über seine Thätigkeit in dieser Zeit Urk. u. 
Act. I. 657 flf.; Puf. De rebus gestis Fr. W. III. 20: Droysen 1. c. III. 323. 

*) üeber die wirklichen Absichten Frankreichs vergl. ürk. u. Act. I. 664 ff.; 
IV. 772 ff.; Droysen 1. c. III. 323. 

*) Ewald von Kleist; vergl. über ihn Klaproth, Staatsrath 354; über seine 
Sendung nach Prag 1647—1648 ürk. u. Act. IV. 814 ff. Es handelte sich vornehm- 
lich um die Räumung der von den kaiserlichen Truppen besetzten Festung Hamm 
in der Grafschaft Mark. 



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16 I. Mission Biumenthals etc. 

von pariss ankommener Mensch gibt vohr, das franckreich nicht davobr 
halte, das friede zu Münster werden könne^ den die Schweden wehren 
zu mächtig in Reich. Es müsse eine dritte partei in Reich gemacht 
werden, dieselbe aber müsse ganz nichts gemeines mit E. Mayst. undt 
dero hauss haben, sondern allein den frieden begehren. Ich habe Ihre 
Churf. D., welche doch auch ohne dem es gnugsamb mercken, dajegen 
vorgestellet, das hierauss gnugsamb zu sehen wehre, das franclTeich 
undt Schweden sich mit einander wolverstanden undt hiedurch allein 
continuation des kriges undt Separation der Stende von E. Kays. Mayst. 
sucheten. Ihre Churf. D. geben Chur-Bayern zum hohesten unrechten undt 
halten, das dero Yölcker niemandes als E. Kays. Mayst. undt des Reichs 
Waffen sein, wollen aber davohr halten, dass Chur-Bayern sich baldt 
eines bessern erkleren werde*). Die alte princessin von Uranien ist noch 
hier'). Mit derselben habe ich lezt lange discuriret undt meinet dieselbe 
das ohne vorhehrgehende Zusammensezung der Stende kein friede von 

Schweden werde zu hofTen sein Das gemüht undt herz Ihrer 

Churf. D. und derselben intention gegen E. Kays. Mayst. finde ich gewiss 
guht; aber es wirdt das werk an ihn selber derselben von teils der 
Berlinischen Rehten sehr Schwehr undt gefehrlich vohrgestellet undt 
gerahten sich passive zu halten. Ihre Churf. D. beklagen zum hohesten, 
das Sie so von mittein entblosset sein, wehren Sonsten gewiliet sich zu 
bemühen, von den drei Statischen Regimentern, so abgedanckt sollen 
werden, etliche Compagnien undt wo müglich 2 Regimenter werben 
undt richten zu lassen'). 



ConferenzprotocolL Dat. Prag 23. Sept. 1647. Conc. 

[Kleists Anerbietungen. Yerbandlungen mit demselben.] 

23. Sept. Blumenthals Bericht vom 20. Sept. wird verlesen. Zugleich wird gemeldet, 
dass Kleist angekommen und wegen Hamm Erklärung verlangt*); ^nachgehends 



In der Tbat hatte Karfürst Maximilian yon Baiem bereits am 7. Sept. 1647 
mit dem Kaiser den Pilsner Vertrag geschlossen, durch den er yon dem Ulmer Neu- 
tralitätsyertrage zurücktrat; gedruckt u. a. bei Du Mont. I.e. VI. i 399 f.; vergl. ürk. 
u. Act. IV. 588; Koch 1. c. IL 310ff. 

^ Amalie von Solms. 

'} Dieser Bericht ist benutzt, und zum T heile widergegeben bei Koch 1. c. 
II. 377. 

*) Vergl. ürk. u. Act. IV. 8Uf. In einem Schreiben vom 17. Juli 1647 hatte 
Erzherzog Leopold Wilhelm dem Kaiser Mittheilung gemacht, dass Friedrich Wil- 
helm mit Rücksicht auf die ihm zugegangenen Nachrichten von den Plänen der 



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VerhandluDgen mit Kleist. 17 

soweit herausgegangen, dass seinen gnädigsten Churfürsten und Herren 
ganz beschwerlich fallen thäte, dass sich die Schweden des völligen do- 
minii des baltischen Meers zu unterfangen im Sinn hätten und zu 
dessen Behuf auch in terra continenti Mechelburg, Pommern, auch die 
preussische Länder^ ohne welche sie dasselbe nicht behaupten könnten, 
vermittels der Waffen unter ihr Joch zu bringen gedächten; mit dem 
vertraulichen Andeuten, dass da E. E. M. derselben mit dero Hilf und 
Assistenz beispringen wollten, so wären auf solchen Fall I. Ch. D. auch 
erbietig sich in eine Verfassung zu stellen und auf etlich tausend Mann 
auszurüsten; das mässte aber in solcher Geheim gehalten werden, dass 
die Schweden das geringste nicht davon, eher Knall und Fall zugleich 
abgienge, vermerken könnten; dann die Schweden hätten gleichsam itzo 
das ins vitae et necis über sie und wann man vor der Zeit damit aus- 
brechen thäte, würden sie nicht allein ein Bein darüber zerfallen, son- 
dern auch gar den Hals zerbrechen; sie müssten auch desswegen viel 
dissimuliren und sich anders gegen sie, als ihnen ums Herz wäre, er- 
zeigen, welches Gebhard') ad referendum angenommen.'^ Die Räthe be- 
schliessen dem Kaiser die Billigung von Blumenthals Vorgehen und die Auf- 
forderung an den Kurfürsten zu empfehlen, wie Baiem für die Erlangung des 
Friedens zu arbeiten. Mit Kleist aber soll mündlich verhandelt und getrachtet 
werden, genau zu erfahren, was der Kurfürst wllP). 



Blumentbal an den Kaiser. Dat. Cleve 24. Sept. 1647. (Or.) 

[Verhandlungen Blumentbals mit den kurfürstlichen Räthen. Erklärungen der Räthe: 
Stellung Baiems; Brandenburgs Haltung in der Friedensfrage; Unzweckmässigkeit 
einer Conjunction der kurfürstlichen mit den kaiserlichen Truppen; Noth wendigkeit 
der Unterstützung des Kurfürsten durch den Kaiser. Erwiderung Blumenthals be- 
züglich Baiems, der Friedensfrage, der Religionsangelegenheit, der Braunschweiger 
Fürsten und Pommerns. Nothwendigkeit gemeinsamen Vorgehens. P. S. Abdankung 

staatischer Truppen.] 

Vor dreien Tagen hat L Ch. D. Oberkämmerer, der von Borgss- 24. Sept. 
dorff*), mich ersuchen lassen, zu ihme in sein Zimmer zu kommen, 

Schweden vom Kaiser die Abberufung seiner Truppen aus Hamm und Ersetzung 
derselben durch die des Kurfürsten und die Neutralitätserklärung für diese in der 
Mark gelegene Stadt wünsche. Der Erzherzog empfiehlt dieses Begehren dem Kaiser 
iu diesem, wie in einem zweiten Schreiben vom 7. Sept. 1647. 

Justus von Gebhard; Reichshofrath. 

*) üeber die Verhandlungen mit Kleist; ürk. u. Act. IV. 815f. 

2) Conrad v. Burgsdorf; vergl. Deutsche Biographie III. 615 ff. (B. Erdmanns- 
dorffer.) 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfurston. XIV. 2 



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18 I- Mission Blumenthals etc. 

dann er und andere geheime Räte über meine gethane Proposition 
sich erstlich gern unter sich eines Gewissen unterreden, und dann ihre 
Gedanken K Ch. D. unterthänigst zu erkennen geben wollten; Als 
ich nun erschien, funde ich vor mir ietztgemelten den von Borgssdorff, 
den neuen Präsidenten Hörn*) und Doctor Seideln*), und fleug der von 
Borgssdorfif an, einen langen Discours zu machen von P. Ch. D. guten 
Intention und Devotion gegen E. K. M., vornehmlich aber bestund 
die Proposition in diesen dreien folgenden Puncten: 1. Ob K Ch. D. 
in Bayern actiones auch so gemeinet sein möchten, wie I. E. M. es 
darfürhielten. 2. [: Ob zu hoffen wäre durch neue Handlung aus den 
Sachen zu kommen, oder was man widerigen falls zu thun hätte. 3. Ob 
E^ K. M., dem Reich und Ch. D. zu Brandenburg dienete, dass sie 
jetzt, da sie noch in keiner gnugsamer Verfassung wären, das wenige 
Volk, so sie auf den Beinen hätten, E. K. M. untergeben und dar- 
durch ohne Nutz, zu Schaden des Reichs ihre Lande in Gefahr des Ver- 
lustes setzen sollte. :{ 

Was das Erste anlangete, da könnten I. Ch. D. nicht eigentlich 
wissen, ob es auch Chur Bayern Ernst sei, sich gegen E. E. M. zu 
setzen, vielleicht möchte ihr Wesen und Vorhaben E. E. M. und dem 
Reich nützlich sein; vermöchten nicht wohl zu glauben, dass Chur- 
Bayern, wie die Worte lauteten, gleichsam so gottlos sein sollte, und 
E. E. M. Haus, welches ihro so nahe an verwandt wäre, und von deroe 
er vor vielen anderen so stattliche Begnadigungen und Beistand genossen 
hätte, auf diese Weise zu verlassen; und möchte der weitere Verfolg 
der Sachen noch wohl in effectu weisen, dass E. E. M. ihre Treue wurk- 
lich sehen und deroselben darfür zu danken hätten. Widrigenfalls aber, 
und da P. Ch. D. intentiones also sein sollten^ wie E. E. M. es be- 
sorgeten, so würden sowohl E. E. M. als anderer getreuer Churförsten 
und Stände insgesammt und eines jeden absonderlicher fernerer Er- 
innerung von Nöten sein, und würden I. Ch. D. dem Werk weiter nach- 
sinnen. |: 2. Wären I. Ch. D. mit E. E. M. Meinung auch in so weit 
einig, dass schwerlich in der Güte aus diesem Werk würde zu kommen 
sein, I. D. hätten nun eine lange Zeit ihr einziges Absehen auf 
innerliche Verständnus und gute Einigkeit der Stände unter sich selbst 
und mit E. E. M. gehabt. :{ I. Ch. D. hätten jüngst die Schweden 
und Stände erinnert den Frieden anzunehmen, das würden sie auch 



Philipp Hom; brandenburgiscber geheimer Rath; Klaproth 1. c. 352. 
*) Erasmus Seidel; Klaproth 1. c. 344 f. 



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Die Vereinigung der kurfSrstlichen Truppen mit denen des Kaisers. 19 

gerne weiter than, wann nur E. K. M. wegen der Religion sich noch 
in etwas überwinden und darein den klagenden Ständen Satisfaction 
geben könnten. Sie vor ihre Person und Lande hätten ganz nicht zu 
klagen, gestünden auch gerne, dass von £. E. M. viel geschehen .und 
nachgegeben worden; rieten dieses alles zu dem Ende, damit sie mit so 
mehrern Fundament hinfüro weiters den Schweden und Ständen zureden 
könnten. Nach diesem hielten sie darfnr, |: dass dasjenige, so E. E. 
M. Chur-Brandenburg hätte vortragen lassen, auch den Herzogen zu 
Braunschweig und Lünenburg und den evangelischen Ständen wäre zu er- 
kennen zu geben, entweder vermittels einer gleichmassigen Abschickung 
an dieselbe, oder dass E. E. M. solches Chur-Brandenburg leichtlich 
Gefahr causiren können (sie), dann dieser beeder Häuser Räthe wären 
theils ganz schwedisch gesinnet. :| 

Sonsten hätten I. Ch. D. in diesen und andern das ihrige ge- 
than, und würden E. E. M. dasselbe, wann sie nur den Zustand des 
Anfangs ihrer angetretener Regierung gedächten, befinden. Bei den 
Tractaten hätten I. Ch. D. den Schweden zu ihrer Satisfaction 
nimmer £. E. M. Lande vorgeschlagen, sondern wären vielmehr dar- 
wider gewesen'), hergegen käme der Grues (wie die Worte lauteten) 
dass die Schweden Pommern haben sollten, von E. E. M. alleine her. 

|: Dass Drittens Ch. D. zu Brandenburg würkliche Coniunction 
mit E. E. M. mehr schädlich als nützlich, wäre leicht zu begreifen, 
dann erstlich wären L Ch. D. in keiner gnugsamer Verfassung, beides 
ihre Land zu conserviren und dem Reich zu dienen; die Schweden 
könnten allemahl, wann sie wollten den Strick zuziehen, L Ch. D. 
das Garaus machen, insonderheit jetzo^ da I. D. aus ihren Landen 
wären. : | E. E. M. hätten für diesem dreissig und mehr Tausend 
Mann darein gehabt, die hätten nichts ausgerichtet, als wüste Städte 
und Dörfer gemachet, und hätten doch endlich wider daraus gemusst; 
jetzund würden |: die Schweden, wie sie oftmahls zu thuen gedrohet 
hätten, eine liefländische Mauer um Pommern machen und die ganze 
Chur-Brandenburg bis an die') .... See abbrennen, dies Preussen wür- 
den sie L Ch. D. als warnach sie lang getrachtet hätten, in eine ge- 
fahrliche masquerada bringen; wann aber die Güte bei den Fremden 
nit helfen wollte, so müssten Ch. D. vor allem sich erst in aller 



Für Brandenburgs Haltung bei den westph&lischen Friedensyerhandlungen 
ürk. u. Act. IV. 343 ff. 
») Ein Wort fehlt 

2* 



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20 !• Mission Blumenthals etc. 

Still in Verfassung setzen, wären dasselbe auch zu thuen Willens, hätten 
zu dem End von E. K. M. den Hamm und die contributiones bei den 
Grafschaften Mark und Ravensberg gebeten, dardurch würden sie etwas 
considerabel, wären aber nit erklecklich^ sondern man würde wissen 
müssen, woher mehr Assistenz kommen sollte; E. E. M. müssten etwas 
durch die finger sehen, helfen deroselben auf die Beine, alsdann könnten 
sie mit besseren Respect reden :|; ausser deme möchten die Fremden, 
als deren Macht wegen der vielen besetzten Städte und vielen Anhangs 
gross wäre, E. E. M. Macht Überwegen. Von |: denenselben wären I. 
Ch. D. :| zwar nicht directe, sondern durch die zehende Hand, diese 
und dergleichen {: Hilfsmittel weit mehr vorgeschlagen, um sich consi- 
derabel zu machen, warzu man aber bis hierzu kein :| Gehör geben 
wollen. Und dieses wären also über die drei Puncten ihre Gedanken; 
hielten darfür, E. K. M. würden ihr dieselben nicht zuwider sein lassen, 
und begehreten also, ich möchte ihm doch hierunter, was ich meinete, 
dass E. K. M. Intention, und T. Ch. D. und dero Landen Bestes sein 
würde, Bericht geben, und zwar nicht allein |: als E. E. M. Rath und 
Diener, sondern auch wie I. Ch. D. Lehenmann und Vasallus :|, aller- 
massen sie denn das gänzliche Vertrauen zu mir hätten, dass deroselben 
ich in diesem schweren Werk also rathen würde, wie ichs gegen Gott 
und derselben würde zu verantworten haben. Ich habe mich erstlich 
dieser gnädigsten Confidenz untertänigst bedanket, mit dem Vermelden, 
dass ich mit Gott bezeugen wollte, dass mit derjenigen Proposition, so 
Namens E. E. M. von mir wäre abgeleget worden^ mein ganzes Herz 
und Gemüth, und nicht allein als E. E. M. Diener, sondern auch wie 
P. Ch. D. Unterthan übereinstimmete, und weilen sie drei capita ge- 
machet hätten, so wollte ich auch ordine auf dieselben antworten. 

So viel nun das Erste belangete, so wäre nöthig zu wissen, dass 
zu der Zeit, als E. E. M. diese Briefwechselung mit I. Ch. D. in 
Bayern gepflogen, sie nicht anders hätten schliessen können, als dass 
P. Ch. D. actiones E. E. M. und dem Reich vor hochschädlich und 
sehr nachtheilig zu achten wären, in Betrachtung, dass dieselbe sich 
mit allen ihren Völkern^ so doch E. E. M. und dem Reich allein zu- 
ständig wären, ganz und zumahl bis zu erfolgenden Frieden in der ganzen 
Christenheit (wie die Worte lauteten, welches vielleicht zu ewigen Zeiten 
nicht geschehen möchte) separirt hätten, verschiedene vornehme Reichs- 
Städte, so ihr allein zu besetzen wären anvertrauet worden, ohne alle 
Noth, und freiwillig dem Feind übergeben und reciproce neutral ge- 



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Bitte des Kurfürsten um UnterstätzuDg. Erwiderung ßlumenthals. 21 

machet; E. E. M. Völkern den Pass durch ihre Lande versaget, hergegen 
dem Feinde solchen vergönnet, und was dergleichen mehr vorgegangen 
wäre. Nachdem nun E. E. M. hiergegen dasjenige zu thun wären ge- 
nöthiget worden, was sie vermöge ihrer kaiserl. Authoritet und tragen- 
den Amts thun müssen; als hätten sie P. Ch. D. hiervon zu dem 
Ende ausführlichen Bericht zu geben nöthig befunden, damit sie dero 
friedliebendes Gemüth, und dass dennoch I. E. M. nichts, als worzu sie 
befugt wären, gethan hätten, erkennen könnten, und keinen widrigen 
oder ungleichen Bericht, so P. Ch. D. sowohl wegen P. E. M. starker 
Verfassung, als den ausgegangenen Patenten geschehen möchte. Statt 
oder Glauben zu geben hätten. Im Fall aber I. Ch. D. solche gute 
Gedanken bei Aufrichtung solches armistitii gehabt hätten, so wäre 
nicht zu zweifeien, sie würden dasselbe mit und neben P. E. M. ge- 
schlossen, oder wenigst derselben einige Nachricht von ihrer Intention, 
welches doch nicht geschehen, gegeben haben, und wären meines Ermessens 
dieses nur der fremden Eronen Griffe, die dieses also auslegeten, da- 
mit sie die andern Churfürsten und Stände so viel mehr von E. E. M. 
separiren und an sich behalten möchten. 

Zwarten würden diese angezogene Ursachen, als die nahe Anver- 
wantnus*) und die empfangene stattliche Gnaden und Assistentien 
von mir vermüglich genug geachtet, dass I. Ch. D. dardurch hätten 
können und sollen bewogen bleiben, bei E. E. M. zu halten, aber ihr 
wäre dagegen bekannt, wie unglücklich E. E. M. und dero Haus hierin- 
Den wäre, dass theils hohe Häuser, so fast nichts in der Welt hätten? 
als was dero Voreltern von denenselben erhalten, sogar auf ihr Parti- 
culier und sich selbsten sehen, dass allein dahero ^ind aus Furcht in 
ihrem Particulierstatu Schaden zu leiden, sich aller schuldiger Assistenz 
und Beihülfe entzögen. 

Sonsten wäre ich auch nun schon bei zwo Wochen und zwar aus 
München selbst, vertraulich berichtet worden, als ob I. Ch. D. sich 
wieder in ganz Eurzem zu E. E. M. wenden und gegen die fremden 
Kronen operiren würden *), und möchte dasselbe so viel ehender seine 
Richtigkeit erlangen, wann I. Ch. D. darzu von andern ihren col- 
legis erinnert würden, und könnte solches I. Ch. D. Andeuten nach 
collegialiter oder absonderlich am allerehesten oder alsdann geschehen. 



1) Kurfürst Maximilian war in zweiter Ehe mit Maria Anna, Tochter Kaiser 
Ferdinand II. ; Ferdinand 11. mit Maximilians Schwester Marie Anna vermählt. 
*) War durch den Vertrag von Pilsen bereits geschehen. 



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22 I* Mission Blumeuthals etc. 

wann sie sehen würden, dass andere Chur- und Fürsten sich nach Mag- 
ligkeit in gleichmässiger Verfassung setzen thäten^ ausser welchem ich 
nicht sehe ohne Vorwurf, dass man andere erinnerte, und selbst still 
sässe, fruchtbarlich geschehen könnte. 

Was die { : zweite Frag belangete, ob durch gütliche Handlang aus 
der Sachen zu kommen, kurz, da wüsste ich wohl, £. M. sonders lieb 
würde zu vernehmen sein, dass I. Ch. D. sich so derselben hierunter :| 
confprmireten; zweifelte auch nicht, es würde ein jeder unpassionireter 
Mensch gnugsam begreifen, dass E. K. M. fast mehr aus Liebe zum 
Frieden gethan, als man mit einigem Fug hätte vermeinen sollen, viel- 
weniger begehren können; und |: wie E. E. M. darzu zu gelangen die 
Zusammensetzung der Stände unter sich und mit derselben vor das 
einzige Mittel aus diesem Uebel zu eluctiren hielten, also würden sie mit 
sonderbaren Freuden vernehmen, dass I. Ch. D. darunter ferner coope- 
riren wollten; löblich wäre, auch ganz darvorzuhalten, dass wann die 
fremden Kronen dergleichen sehen sollten, sie sich endlich eines bessern 
erklären würden. :{ 

Betreffend die Religion, da wäre ich bei der Bekanntnus, so zu 
Augsburg übergeben worden, auferzogen worden, müsste aber dennoch in 
meinem Gewissen bekennen, dass E. E. M. sich darunter dergestalt 
allergnädigst erkläret hätten, dass alle Chur- und Fürsten, denen nur 
von Theils ihren Käthen die Sache, wie sie an sich selber wäre, recht 
vorgestellet und ein freies Urtheil gelassen würde, darmit billig zufrie- 
den sein sollten: Man möchte doch nur bedenken, mit was Fug E. K. M. 
das könnte in ihren Erbkönigreichen und Landen gestritten werden, was 
dieselbe allen Fürsten, Grafen, fast einem jeden Edelmann im Reich 
frei Hessen, und ob im Gewissen zu verantworten stünde, dass man durch 
fernere Opiniastritet in diesem puncto verursachete, dass hiernechst, 
wann die Sachen anders liefen, auch von dem resiliret würde, zu dessen 
Erlangung zu Münster einmal wäre beim erfolgenden Schluss Zusage 
gegeben worden; zumahlen hätten ja L Ch. D. im Geringsten nicht 
zu klagen, und würde deroselben Perseveration bei den anderen Ständen 
in diesen Punct E. E. M. dahero, dass sie nicht zu klagen hätten, so 
viel mehr beschwerlicher fallen. Jedoch wäre zu vernehmen, worinnen 
dann in specie von E. E. M. ein mehrers begehret werden könnte, so 
hätte ichs allerunterthänigst zu berichten. 

|: Was bei den Herzogen von Braunschweig und Lünenburg zu 
suchen wäre erinnert worden :|, da wüsste ich wohl, dass E. E. M. 



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Pommerscbe Fragen. Geringer Verkehr des Wiener mit dem Berliner Hofe. 23 

Obrister Hofmeister*) alles gethan hätte, was müglich war, es auch 
weiter thuD lassen würden, | : aber weil I. Ch. D. selbst gesagt hätten, 
dass der v. Lampadius') und Langerbeckh') ganz schwedisch gesinnet 
wären :|, so würde E. K. M. meiner Meinung nach nicht wenig gedient 
sein, wann dieselbe auf Mittel bedacht wären | : dieselbe ausser Credit 
za setzen :|. 

Was den Grues wegen Pommern anlangete, da wüsste ich gewiss, 
dass E. E. M. den Schweden Pommern nimmer offeriret hätten, sondern 
jene hätten dieses und andere Lande mehr begehret; daferne nun I. 
Clu D. mit E. E. M. zu heben und zu legen, oder wenigst zu dessen 
Recuperation ihre eigene Eräfte nebst andern Ständen beizutragen sich 
hätten erklären wollen, so würde gewiss nimmer dergleichen geschehen 
sein; zudeme so hätten I. Ch. D. Zusage^ vor dasjenige Theil, so 
Schweden von Pommern erlangete, eine ansehnliche Recompenz wider 
zu bekommen. Ueber diesem wollten sie doch bedenken, wie E. E. M. 
so gar wenig oder nichts von I. Ch. D. oder dessen Intention hätten 
vernehmen können, also dass ich davorhielte, dass wehrender deroselben 
Churfurstlicher Regierung sie an E. E. M. ausser des Grafen von 
Schwarzen bergs Sache ^), deren sie aber doch auch auf E. E. M. Be- 
gehren keine Abhülfe gegeben, nicht drei Schreiben gethan hätten; da- 
hero dann viel und die meiste von den Verständigsten in diese Mei- 
nung gerathen wären, als ob I. Ch. D. mit Schweden wegen Pommern 
schon verglichen wären und sie allein darum in ihrer Contradiction ver- 
harreten, damit sie nach getroffener Heirath mit Schweden so viel 
mehrere Lande bekommen möchten^); hergegen hätten sie viele Male 
und zwar ihre vornehmste und geheimste Räthe nacher Schweden^) und 
Frankreich^) geschicket, E. E. M. aber 'von ihrer Werbung und Ver- 

') Graf Trauttmannsdorff. 

^ J. Lampadius; vergl. über ihn Köcher A. Geschichte von Hannover und 
Braunschweig 1648—1714. 1.15. Deutsche Biographie XVII. 574 ff. (Köcher) und 
Sybel Historische Zeitschrift Band LUX. 

') H. Langenbeck, cellischer, dann hannoverischer Kanzler; vergl. Köcher Gesch. 
Hann. I. 26f.; Deutsch. Bieg XVH. 602ff. 

*) Ueber die verschiedenen Differenzen des Kurfürsten mit dem Grafen Joh. 
Adolf Schwarzenberg; ürk. u. Act. I. 439ff., 481 ff., 771 ff. u. a. 0. Bd. IV. 178f. 

^) Es handelte sich um den Plan der Heirath Friedrich Wilhelms mit Christine 
von Schweden. 

*) Ueber die brandenburg- schwedischen Beziehungen Urk. u. Act. I. 509 ff.; 
IV. 351 ff. 

^ Ueber die brandenburg-französischen Beziehungen Urk. u. Act. I. 607 ff.; 
11.6ff. 



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24 I- Mission Blumentbals etc. 

richtuDg ganz nichts wissen lassen ; welches ich allein zu dem Ende an- 
zöge, dass man sehen sollte, dass E. E. M. nichts wegen Pommern zu 
imputiren stünde. 

Was nun |: die würkliche Goniunction anlangete, da wäre zwar 
dieselbe- nit ohne Gefahr, aber unser Vaterland und aller Chur- und 
Fürsten Zustand wäre jetzo leider also beschaffen, dass man sich ohne 
Gefahr und Verfassung darein zu contentiren nit vermöchte :|. Hier wäre 
Schweden und Frankreich, die wollten sich ins Reich theilen, und das 
musste ohne Resistenz ohnfehlbarlich geschehen. Sollten aber dieselbe 
sehen, dass die Stände unter sich und mit E. K. M. sich vereinigten 
und in Defension setzeten, so würden sie von ihrer bisherigen Unbillig- 
keit abstehen und den Frieden schliessen müssen. |: Die General- 
Staaten und König in Dänemark würden gegen die Schweden zu agiren 
animiret werden, wann sie nur Chur- Brandenburgs Resolution sehen; 
dass aber alle Chur-Brandenburgs Vorhaben und Verfassung in höchster 
Geheimnus gehalten werde, solches würden E. K. M. gleichergestalt 
nöthig achten und darzu I. Ch. D. nach Möglichkeit assistiren, dahero 
dann jetzo das Nöthigste würde sein, von I. Ch. D. eigentlich zu 
wissen^ wie bald sie den Anfang zu mehrer Verstärkung machen, wie 
stark sie ihr Corps richten, ob sie gegen alle E. E. M. Feinde offensive 
operiron, auch bis zu Ende des Eriegs bei E. E. M. an Hilfe und 
Mittlen begegnen wollten :|; so wäre ich erbötig, E. E. M. die Notdurft 
unterthänigst zu berichten, ausser Zweifel setzend, E. E. M. würden 
I. Ch. D. alles gnädigstes Contentement geben. Welches E. E. M. ich 
hiermit allerunterth. hinterbringen sollen. 

P. S. (eigenhändig). Auch allergnädigster Herr habe E. E. M. 
ich allerunterthänigst berichten sollen, das die Statengeneralen Etliche 
achtzig Compagnies zu fues inner Monatsfrist abdancken werden. 
Etliche davon vermeinen I. Ch. D. zu bekommen, sorgen aber wie sie 
dieselbe werden unterhalten kennen, weiln diese Stende bei aufsagung 
ihrer pflicht begehren die Velcker abzudancken oder abzuführen. 



Blumenthal an den Kaiser. Dat. Cleve 27. Sept. 1647. (Or.) 

[Erklärungen des Eurfdrsten über seine Haltung in den yerschiedenen Fragen.] 
27. Sept. Vor 4 Tagen ist mir von dem von Borgssdorflf wieder angesaget 
worden, dass ich desselben Tages noch einmahl über meine gethane 
Proposition sich eines gewissen zu entschliessen zu ihnen den Räthen 



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Zweck der Coniunction der Truppen. Erklärungen des Kurfürsten. 25 

mich erheben möchte; seilen aber denenselben andere Yerhindemüssen 
etliche Tage nach einander eingefallen und also wir nicht ehender können 
zusammen kommen, so trug sichs gestern zu, wie niemand bei I. Ch. 

D. war als der von Borgssdorfif und Präsident Hörn und ich, dass der 
von Borgssdorfif I. Ch. D. folgender Gestalt anredete: Gnädigster Herr, 
£. Ch. D. wissen sich zu erinnern, dass Sie uns gnädigst anbefohlen haben 
mit dem von Blumenthal abermahl zusammen zu kommen; nachdem 
wir aber ietzo alhier bei einander, so deucht mich, E. Ch. D. thäten am 
besten, .dass Sie demselben Ihre eigentliche Meinung selbst sagten; wo- 
rauf dieselbe eine ziemliche klare Erleuterung ihrer Intention von sich 
gaben, |: welche und was ich darauf geantwortet E. K. M. bei nächster 
Post allerunterthänigst von mir soll bericht werden. Hauptsächlich gieng 
alles dahin: Dass Ch. D. zu Brandenburg E. K. M. Zeit ihres Lebens 
nimmer nit lassen werden; wären auch erbietig sich in Verfassung zu 
stellen, wann E. K. M. nur derselben zu etwas Mitteln helfen würden 
auch gegen die Schweden, im Fall sie den Frieden nit annehmen woll- 
ten, zu operiren. Ehe sie aber in solchen Werk etwas thuen könnten, 
wäre ihre nit zu rathen, dass sie etwas gegen dieselbe anfinge. Dero- 
halben möchte ich solches E. E. M. berichten und bitten, dass sie erst- 
lich Ch. D. zu Brandenburg an die Hand geben wollten, wie solches bald 
und in der Stille geschehen könnte, entz wischen wollten sie sehen, was 
bei den Herzogen zu Braunschweig und Lünenburg und theils andern 
gutes zu richten sein würde. Vor allen Dingen aber thäten sie hofiTen, 

E. K. M. würden derselben zu Facilitirung des Anfanges dieser ihrer 
Intention die beiden Grafschaften Mark und Ravensberg lassen; sobald 
dasselbe geschehen, so wollten sie den Schweden und Hessen die Con- 
tributionen, so sie fordern, alsobald aufsagen lassen und keinen Heller 
geben, sondern alles zu Werbungen anwenden. An Volk wird es Chur- 
Brandenburg nit fehlen, dann die Generalstaaten werden etliche 80 Com- 
pagnien abdanken. Mir ist gestern gesagt worden, dass Chur-Branden- 
burg nacher Hamburg schicken und 200000 Rthlr. auf ihre Zölle in der 
Mark aufnehmen wollen, aber ich zweifle, ob er solches sobald haben 
werden. Schade ist's wohl, dass bei diesem tapfern Herrn nit gnugsame 
Leute sein, so ihme in seiner guten Intention ohne Forcht angelegen 
sein lassen .... : | 



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26 !• Mission Blumenthals etc. 

Der Kaiser an BlumcDtbal. Dat 1. Oct 1647. (Concept.) 

[Einigung des Kaisers mit Baiern und Köln. Nothwendigkeit eines gemeinsamen 
Vorgehens der Stände des Reiches mit dem Kaiser.] 

1. Oct. Schreiben vom 20. September erhalten : „mögen dir in kais. Gnaden 
nicht verhalten, dass seitdem wir dir zu des Churfürsten zu Branden- 
burg L. die bewusste Commission in consequentiam dessen, was wir an 
S. L. vorhero den 14. Juli selbst schriftlich gelangen lassen, aufgetragen, 
sich die Sachen durch Verleihung des Alimächtigen so wohl geschicket, 
dass unsers freundgeliebten Vetters und Schwagers des Churfürsten in 
Bayern*) sowohl als Chur-Cöllns L. L.') sich mit uns wirklich wieder 
coniungirt und dem königlich schwedischen Feldmarschall Wränge)') 
das armistitium aufgekündt, wir auch entgegen S. L. die unterhabende 

Reichsvölker mit dem schuldigen Gehorsam wieder angewiesen 

Dahero dann Churbrandenburgs L. von diesem Werk gar wohl geurtheilt, 
und weil die Sachen dergestalt in einen andern Stand gerathen, auch 
die Churbayerische Reichsvölker mehrerntheils schon in diesem unserm 
Erbkönigreich Böhaimb uns zum Succurs ankommen, die Ueberigen vor 
Memmingen liegen und der Feind nunmehr im Weichen ist*), als wollest 
du deine Verrichtung bei Churbrandenburgs L. auch nach diesem statu 
richten und S. L. wohl repräsentieren und zu Gemüth führen, wie schwer 
der Frieden durch die bisanhero gepflogene Tractaten in der Güte zu 
^erlangen und was Ihrer L. und ihrem Haus daran gelegen, dass der 
Gegentheil in Entstehung eines billigen und erträglichen Friedens nit 
wieder über sich kommen, sondern mit ehistem gedämpft und völlig 
wieder zurück getrieben werde. Unsere ietzige Coniunctur mit Chur- 
bayerns L. und theils in ihrem Ausschreiben, worüber sie das armisti- 
tium aufgekündiget, wohlgesetzte Ursachen sollten billig Sr. des Chur- 
fürsten zu Brandenburg L. und allen andern treuen Chur-Fürsten und 
Ständen Anlass geben, sich mit uns als dem Oberhaupt, verraög des 
heil. Reichs Constitutionen und geleisten treuen Pflichten gleicher gestalt 
zu vereinigen und ihre Waffen zu den unserigen zu stossen, massen 
auch einen jeden sein eigen Interesse, nachdem sonderlich die Schweden 



^) Maximilian hatte die Schwester Ferd. III., Marie Anna geheirathet. 

^) Kurfürst Max. Heinrich von Köln hatte schon am 15. Aug. den Rücktritt 
vom IJlmer Neutrali tatsvertrage ausgesprochen. 

') Karl Gustav Wrangel, schwedischer Feldmarschall. 

*) Später dazu bemerkt am Rande „schon über das Gebirge in Meissen ge- 
wichen^. Ueber die Kriegsverhältnisse dieser Zeit: Koch, Gesch. Ferd. III. Bd. IL 
303 ff. 



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Zweckmässigkeit eines gemeinsamen Vorgebens gegen Schweden. 27 

im Werk selber gnugsam zu erkennen geben, dass sie anders nicht als 
einen dominatum über das baltische Meer und die angränzende Pro- 
vincien des römischen Reichs, ia über Teutschland selbsten affectiren, 
dozu billig nöthigen und treiben und die Gelegenheit nicht allzeit so 
gut als anietz, dasselbe nützlich in das Werk zu richten, vorhanden sein 
möchte ') .... Der Kurfürst möge also nicht säumen, sich zu entschliessen. 



Blumenthal an den Kaiser. Dat. Cleve 2. Oct 1647. (Or.) 

[Des Knrfnrsten Schreiben an den Kaiser bezüglich Hamms. Versicherungen der 
kurfürsl liehen Räthe betrelTs der Haltung des Kurfürsten.] 

I : Der von Borgstorff hat mich heut wieder bitten lassen zu ihm zu 2. Oct. 
kommen; als ich erschien, fände ich für mir ihn, den von Hörn und 
zeigete der von Burgstorfif an, dass von Brandenburg er Befehl hätte, 
mir ein Schreiben vorzulesen, so an E. K. M. sie eigenhändig wegen 
Einräumung des Hamms geschrieben hätten *); dasselbe wollten sie mir 
verlesen und weil sie noch zur Zeit ihre guten Intention nichts schrei- 
ben dörften, aus Furcht der Interception, bäten sie, dass an E. K. M. 
ich schreiben und bitten wollte, an I. Ch. D. treuer Devotion keinen 
Zweifel zu setzen und den Hamm nebst den Contributionen beide Graf- 
schaften Mark und Ravensberg einzuräumen, sie wollten mir eine solche 
Resolution geben, damit verhoffentlich E. K. M. allergnädigst zufrieden ^ 
sein würden. Auf weiteres Drängen Blumentbars erklären sie ^Ch. D. zu 
Brandenburg würden E. K. M. vermittels ihrer Resolution, die sie mir 
geben würden, also versichern, dass wann E. K. M. es bei dem instru- 
mento pacis, so der Graf von Trauttmannsdorff zu Münster am letzten 
übergeben hätte ^), würden verbleibenlassen und Ch. I). zu Brandenburg 
zu Mitteln zu mehrer Verfassung helfen würden, sie alsdan mit E. K. M. 
gegen diejenigen, so den Frieden nit annehmen wollten, sich coniungiren 
würden :| 



*) Am 2. Oct. den Grafen Trauttmannsdorff und Holzapfel von Justus v. Geb- 
hard, am 3. dem Kaiser, am 4. dem Grafen Schlick verlesen. 

*) Schreiben Friedrich Wilhelms d. d. Cleve 2. Oct. 1647 (Aut.). Der Kurfürst 
bittet den Kaiser seinem Ersuchen bezüglich Hamms zu willfahren. 

*) Das Project der Kaiserlichen für das Friedeusinstrument mit Frankreich war 
Anfangs Juni übergeben worden, v. Meiern IV. 557 ff.; V. 130 ff. 



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28 I- Hission Blumenthals etc. 

Blumenthal au den Kaiser. Dat. Cleve 4. Oct. 1647. (Or.) 

[Unterredungen Blumenthals ober die Stellung Brandenburgs zum Kaiser und zu 

dessen Feinden.] 

4. Oct. I : Ich verspüre wohl soviel, dass .1. C. D. darvor halten, dass sie 
sich vor Erlangung E. K. M. Resolution wegen des Hamms nit erklären 
werden :|. Ich bin zwomahl nach einander mit sonderbarem Eifer ge- 
fraget worden, ob E. E. M. auch beständig gemeinet wäre, dasjenige 
zu halten, was sie in einem und andern durch den Grafen von Trautt- 
mannsdorff zu Münster hätten versprechen lassen^) und mit was Grund 
K Ch. D. ich solches versichern könnte, worauf ich geantwortet^ dass ich 
nicht anders wüsste, als dass E. K. M. darbei verbleiben würden, wann 
sie nur sehen thäten, dass man ohne etwas neues zu begehren sofort 
schliessen wollte. Ich sehe aber nicht, was die Fremden vor Ursach 
haben könnten zu schliessen, so lange sie sehen, dass die Stände sich 
nicht unter einander und mit E. E. M. vereinigten und mit derselben 
sich coniungireten. 

Die Stände Gleve's dringen sehr darauf, dass der Kurfürst Ende October 
ausser Landes gehe. 



ConferenzprotocoU. Dat. Prag 7. und 8. Oct. 1647. (Conc.) 

[Gutachten bezuglich der Uebergabe von Hamm und der Antwort an Kleist] 

7. Oct. Die Räthe sind einhellig der Meinung, dass noch zur Zeit Hamm nicht ab- 
zutreten sei, denn es ist der einzige Hauptort neben Dorsten, durch welchen 
der Kaiser den westphälischen Kreis noch in Devotion erhalten und dem Feinde 
eine Diversion machen, auch die Contributionen einbringen könne und wollte 
er diesen Ort weggeben, würden Kurtrier wegen Ehren breitensein, Kurköln 
wegen Dorsten und andere mit ihren Plätzen alsogleich nachfolgen. Eine Be- 
lagerang Hamms ist nicht zn fürchten. 

„Wann aber der Churfürst sich mit E. K. M. coniungiren thäte, 
da wären zwar etliche Räthe der Meinung, dass man ihm den Ort 
sammt beiden Grafschaften Ravensberg und Ravenstein wegen des pra- 
gerischen Friedensschlusses ') nicht wohl würde fürhalten können, andere 
aber wolltens gleichwohl für gefahrlich halten und sich nicht dazu ver- 
stehen." 



*) üeber Trauttmannsdorffs Verbandlungen mit den Vertretern Friedr. Wilb. zu 
Münster ürk. u, Act. IV. 421 ff. u. a. 0. Koch 1. c. IL Abschn. XI. und XII. 

^ Prager Friede vom 20./30. Mai 1635; Brandenburg trat am 29. Juli 1635 bei; 
Yergl. Mömer, Kurbrandenburgs Staatsvertr&ge 1600—1700, 113 ff. 



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Abtretung von Hamm. Antwort an Kleist Des Kurfürsten Gesinnung. 29 

Bezüglich der Kleist zu ertheilenden Antwort sind die Ansichten getheilt. 
Ein Tfaeil der Räthe hält dafür, ihm dilatorische Antwort zu geben, weil eine 
Abweisung üble Folgen haben konnte; ein anderer Theil ist aber dafür, Kleist 
erst mündlich, eventuell aber auch schriftlich auseinander zu setzen, warum 
der Kaiser unter den gegenwärtigen Verhältnissen in die üebergabe Hamms an 
den Kurfürsten nicht willigen könne. Schliesslich wurde beschlossen, den end- 
giltigen Entschluss bis zur Rückkehr des Reichsvicekanzlers und bis nach 
Einlangung fernerer Berichte über die Verrichtung bei Kurbaiern aufzuschieben. 



Blumenthal an den Kaiser. Dat. Cleve 8. Oct. 1647. (Or.) 

[Des Kurfürsten gute Gesinnung.] 
Hofft noch diese Woche abgefertigt zu werden. | : Ch. D. wollen nit 8. Oct. 
haben, dass ich viel schreiben, sondern meinen, es seie sicherer, dass 
ich bei meiner Ankunft bei E. K. M. alles mündlich referiren sollte. 
Dessen können E. E. M. sich festiglich versichern, dass das Herz und 
Gemüth Ch. D. zu Brandenburg gut und treu gegen E. E. M. ist und es 
ihro mehr an den Mitteln als Willen mangelt, solches zu beweisen. 
Die conditiones, vermittels deren sie sich künftig mit E. E. M. zu 
coniungiren gemeint sein, halte ich zwar sehr schwer, aber doch dabei 
also beschaffen, dass die meisten zu superiren sein werden :|. 



Der Kaiser an Blumenthal. Dat. Prag 8. Oct 1647. (Conc.) 

[Baiems Gesinnung. Des Kaisers Vorgeben beim Friedenscongresse bezuglich der 
Religionsfrage. Bitte um Förderung der kaiserlichen Pläne durch Brandenburg.] 

Als Antwort auf Blumenthals Schreiben vom 24. nnd 27. Sept. erklärt der 8. Oct. 
Kaiser, 1^. Baiem meint es aufrichtig; 2^ Der Kaiser bleibt bei seinem Be- 
schluss den Frie*äen möglichst zu befordern. Dass wir uns aber mit der 
Religion und anderen schweren Pancten in unserem Erbkönigreich und 
Landen sollten leges praescribieren lassen^ das wollten und könnten wir 
ein für allemahl nit leiden und so der Frieden sich darob zerstossen 
sollte, wollten wir daran entschuldigt sein. Es gereicht uns aber zu 
sonderbarem gnädigen Gefallen, dass besagtes Churfürsten zu Branden- 
burg L. diesfalls in uns nit dringen, sondern es endlich auf unser 
gnädigstes Gefallen stellen thuet, auch zu Münster und Osnabrück neben 
des Churfürsten zu Sachsen L. sowohl die Schweden als Protestirende 



^ Graf Ferdinand Khurtz. 



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30 I- lliflsioD Blumentbalfl etc. 

ermahneD lasseD, sich destwegen länger nit vom Schlass des Friedens 
aufzuhalten, sondern mit unsern Erbieten allerdings zu contentiren *) und 
zweiflen wir nit dran, es werde besagtes Churfürsten zu Brandenburg L. 
nicht für billig halten, das, was sie selbst in ihren Landen nicht gern 
leiden wollten, dass sie es einem andern in dem seinigen, zumahlen uns, 
als dem höchstgeehrten Oberhaupt im Reich in dem unserigen zumuthen 
sollten. 

Der Kaiser hofPt überdies aach, dass Brandenbarg, falls die Gegenpartei 
nicht nachgeben wolle, mit Sachsen energisch für die Durcbfohning dieses 
Planes wirken wird. An die Herzöge von Braanschweig-Lüneburg hat der 
Kaiser eine gleiche Mahnang ergehen lassen. Aach hält der Kaiser dafür, dass 
jetet die beate Gelegenheit für Brandenburg sei, vorzugehen. 



BlnmeDthal an den Kaiser. Dat. Cleve 15. Oet. 1647. (Or.) 

[Unterredung Bhimenthals mit dem Kurfürsten über die Vorgänge zu Münster und 

Osnabrück. Religionsfrage. Haltung der Evangelischen und Katholischen. Brederode's 

Mittheiluugen über die spauisch-staatiscben Verhandlungen. Blumentbals Urtheil über 

des Kurfürsten voraussichtliche Politik.] 

15. Oct. Als ich in gänzlicher Gewissheit gestanden, morgen oder übermorgen 

mit solch einer Resolution, womit E. K. M. für erst verhoffentlich aller- 
gnädigst zufrieden sein möchten, von hinnen abgefertiget zu werden, so 
traget sich zu, dass ein Schreiben von einem gewissen Mann, dessen 
Namen ich bis nochzu nicht erfahren können, an S. Ch. D. vom 
8. Octobris des Inhalts gebracht wird, dass die Catholische insgemein 
mit derjenigen letzten Resolution oder Instrumente pacis, so E. K. M. 
durch dero Obristen Hofmeistern, Grafen von Trauttmannsdorff, den 
Schwedischen oder Evangelischen einliefern und darbei beständig zu 
verbleiben sich allergnädigst erklären lassen'), nicht allein. nicht zufrieden 
wären*), sondern sich vieler andern weitaussehenden und dem Friedeos- 



') Die Frage über die Stellung der Evangelischen in den österreichischen Erb- 
ländern und über das Recht des Frieden scongresses auch bezüglich dieser Länder bin- 
dende Bestimmungen zu treffen, wurde vom Febr. 1647 an lebhaft erörtert. Während 
nun die Evangelischen freie Ausübung der Augsburger Confession in den österreichi- 
schen Erblanden forderten, wiesen die kaiserlichen jede solche Einmischung entschie- 
den zurück (Meiern l c. IV. 95, 144). Act. u. ürk. IV. 548 ff. 

*) üeber Trauttmannsdorffs Verhandlungen mit den Schweden: Meiern 1. c. IV. 
Hb. 29 und 30 p. 486 ff.; das österreichische Vertragsproject IV. 557 ff. 

') Ueber die von den Katholischen erhobenen Schwierigkeiten Meiern 1. c. IV. 
608ff. 



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Religionsfrage in Munster und Osnabrück. 31 

zweck ganz zagegenlaufendeD Dingen, bcdräulich vernehmen liessen^ in- 
sonderheit aber in die abgeredete schwedische Satisfaction und zuvör- 
derist dem Aequivalent P. Ch. D. zu Brandenburg nicht geheelen woll- 
ten ; dahero miissten I. Ch. D. von mir ehe and zuvor sie dero schrift- 
liche Resolution über mein Anbringen ertheileten, erst von mir vernehmen, 
ob ich wüsste, dass dieses alles, was die catholische Stände in diesem 
passu thäten, mit E. E. M. Vorwissen und Einwilliguog geschehe, denn 
im Fall dem also, und E. K. M. mit Chur-Bayern und andern catholi- 
schen Cimrfürsten und Ständen hierunter einig wären, so müssten I. Ch. 
D. sehr anstehen, ob der Friede auf solche Weise, da man wieder 
zurück tractiren und bei dem, was von E. E. M. wäre versprochen wor- 
den, nicht verbleiben wollte, würde zu erheben sein. Ich habe daraui 
geantwortet, dass I. Ch. D. sich ob diesem allen von Ertheilung ihrer 
vorgehabten Resolution nicht dürften abhalten lassen, in Betrachtung, 
dass der catholischen Stände Contradiction in etlichen Puncten, so sie 
entweder in ihrer Conscienz schwer, oder eben in diesem instrumento 
pacis nicht gehörend zu sein hielten, nicht neue, sondern eine alte 
Sache wäre, und hätten die Evangelischen daher E. K. M. so viel grössere 
Obligation allergehorsamst zuzutragen, dass dieselbe non attenta aliquo- 
rum contradictione sich vor Abzug dero gevollmächtigten Abgesandten, 
vorbesagten Hr. Grafen Trauttmannsdorff^), dahin hätten erklären lassen, 
dass sie bei allem beständig verbleiben, auch die übrige catholische 
Stände zu Ertheilung ihres consensus vorm Schluss nach Möglichkeit 
disponiren wollten, und könnten I. Ch. D. nunmehr so viel klärer 
sehen, wie übel die evangelischen Stände gethan, dass sie den Schweden 
nicht besser zugeredet, dieselben mit dem, was versprochen worden, zu 
aoquiesciren bewogen, und dardurch des Herrn Grafen von Trauttmanns- 
dorffs Abreise verhütet hätten ; nicht zweifelend, dass nunmehr der Friede 
(indem ich hörete, dass die Evangelische jetzo mit dem letzten instru- 
mento pacis zufrieden sein möchten) durch göttlichen Beistand ehest 
würde haben können geschlossen werden; ich meines Theils könnte auch 
den Catholischen keinesweges verdenken, dass sie nicht so stracks zu 
allem ja sageten, weilen sie sich neben Ertheilung ihrer Resolution noch 
zu Antretung einer Conferenz erkläreten, bei welcher alles abgehandelt 
und verglichen werden könnte. 2. So sehe ich nicht, was sie durch 
ihre Geheelung in alles vor Nutzen schaffen könnten, so lange die Schwe- 
den und Evangelische sich nicht erklären würden, ohne weiter etwas neues 



') Trauttmannsdorff hatte am 16. Juli 1647 den Congress Terlassen. 



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52 I- Mission Blumenthals etc. 

zu begehren, sofort zu schliessen ; wann aber dieses geschehe, so stunde 
zu hoffen, die Catholische, als denen so wenig als andern mit dem Kriege 
gedienet wäre, würden sich durch E. K. M. Gesandten wohl zur Billig- 
keit bewegen lassen. Worauf weiters gefraget ward, was denn auf solchen 
Fall, da Chur-Bayern (E. K. M. unwissend) mit Frankreich und allen 
andern catholischen Ständen geschlossen hätten in diesen Frieden keines- 
weges zu consentiren, sondern in dem Krieg zu verbleiben, zu thun sein 
würde? Ich gäbe zur Antwort, dass weilen ich sowohl in voriger als 
dieser Frage von E. K. M. nicht instruiret wäre, und dannenhero so 
eigentlich darauf keine Antwort geben könnte, so bedünkte mich doch, 
dass ein solcher Fall nicht leichtlich zu besorgen wäre, in Betrachtung, 
dass E. K. M. nicht würden zugeben können, dass Frankreich, wie auf 
solche Weise zu besorgen stünde, dergestalt den Meister im ][leich spie- 
len sollte, und würden dergleichen Dinge so viel weniger zu fürchten 
sein, wann nur I. Ch. D. und andere evangelische Churfürsten und 
Stände sich in besserer Verständnus und Verfassung sowohl unter sich 
Selbsten als zuvörderst mit E. K. M. setzen thäten. So lange aber die- 
selbe dessen nicht gnugsam versichert wären, stünde leicht zu ermessen, 
wie gefährlich E. K. M. wäre, denen Catholischen in allem entgegen zu 
sein, oder aus Händen zu gehen. Worauf mir zum Bescheid ertheilet 
ward, I. Ch. D. hätten das gehorsamste Vertrauen, sie würden bei 
deme, was sie einmahl denen Evangelischen zu Gute versprechen und 
zusagen lassen, auch was T. Ch. D. Aequivalents wegen wäre ver- 
glichen worden, wohl verbleiben lassen würden, und wollten I. Ch. D. 
mir dero Resolution, so bald als es nur geschehen könnte, ertheilen 
lassen, welche Anzeige mir in Beisein des von Borgsdorffs, Horns, 
Schwerins*) und Seidels gegeben ward. 

Gestern ist der Herr von Brederode aus Niederland, und der Herr 
V. Aspem, so auch einer von dem Rath der General-Staaten ist, nach- 
dem sie die Churfürstin, welche ihre Frau Mutter für 14 Tagen hinunter- 
begleitet, anhero gebracht haben, wieder hinunter gereiset. Derselbe 
versicherte mich, dass weilen die spanische plenipotentiarii sich nunmehr 
sehr wohl erkläret hätten, er gewiss dafür hielte, dass sie noch diesen 
Monat mit der Krön Spanien schliessen würden'), gestalt denn alle 
Provincen als heute deliberireten, ob man nunmehr schliessen sollte. 



') Otto von Schwerin der altere. 

^ Der Friede zwischen Spanien und den Staaten wurde am 30. Jan. 1648 ge- 
schlossen, gedruckt u. a. bei Du Mont 1. c. VI. 429 ff. 



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Verbindang der Reichsst&nde mit dem Kaiser. 33 

|: Diese Herrn sagen öffentlich, dass im Fall die Schweden sich wegen 
der Commercien und Zölle in der Ost-See, auch theils andern impor- 
tierenden Sachen^ nit viele änderst als wie bishero geschehen, anschicken 
thäten, es nit sechs Monat nach ihr geschlossenem Fried anlaufen würde, 
dass sie einander nit in die Haare kommen, dann sie könnten ihre Inso- 
lentien nit lange leiden. So viel als ich penetriren kann, werden I. Gh. 
D. wegen Pommern in ganz Kurzem mit den General-Staaten über 
einer Alliance tractieren lassen 0, auch zu Chur-Sachsen, Herzogen zu 
Braunschweig-Lüneburg'), Hamburg, Lübeck und Bremen schicken, so- 
bald sie nur versichert seien, dass E. E. M.^ was sie einmahl den evan- 
gelischen Ständen versprechen lassen, fest und unverbrüch halten und 
manut^niren, zuvorderist aber I. Ch. D. in etwas mit den nöthigen 
Mitteln aushelfen. : 1 



Der Kaiser an den Kurfürsten. Prag 16. Oct 1647. (Conc.) 

[Erklärungen an Kleist. Wunsch einer Verbindung der Stände mit dem Kaiser.] 

Es thut dem Kaiser leid, bisher dem Kleist keine andere Antwort haben 16. Oct. 
geben zu können, als dieser dem Kurfürten wird gemeldet haben ') ; der Kaiser 
konnte nicht anders, sonderlich weil er nicht wisse, was der Kurfürst Blumen- 
thal für Erklärungen machen werde, „davon mir E. L. in ihrem Schreiben 
Hoffnung machen, dass ich mich content befinden würde. Der ganzen 
Sachen aber wird ihr abhelfliche Maass gegeben werden, wann E. L. und 
andere Chur- und Fürsten und Stand sich mit mir getreulich coniungiren 
und andere, denen der feindlichen Kronen überhandnehmende Macht 
nichts anders als den Untergang bringen kann, zugleich mit an sich 
ziehen, da ich und mein Haus begehren, das Reich und dessen treue 
Stande nicht unterzudrücken, sondern bei ihrer Herrlichkeit und Freiheit 
zu erhalten." 



ConferenzprotocoU Prag 16. Oct. 1647. 

Nachdem der Reichsvicekanzler*) zurückgekehrt, wurde nochmals wegen 16. Oct. 
Hamm berathen und beschlossen, dasselbe nicht in Neutralitat zu stellen und 

1) Ueber die Beziehungen der Staaten zum Kurfürsten in dieser Zeit Urk. und 
Act. m. 15ff. 

*) Nach Sachsen und Braunschweig gieng Conrad Ton Burgsdorf; vergl. ürk. 
u Act. IV. 762 flf. 

») ürk. u. Act. IV. 815 ff. 

*) Ferdinand Khurtz. 

Mater, s. Gesch. d. 0. Karfursten. XIV. 3 



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34 ^- Mission Blumenthals etc. 

dem Kurfürsten, solange er sich nicht gleich anderen Kurfürsten mit dem 
Kaiser wirklich conjungirt hat, nicht zu übergeben. In diesem Sinne erfolgte 
die Erklärung an Kleist d. d. 16. Oct. 1647 ')• unter dem 24. Nov. übergibt 
dann Kleist auf Befehl des Kurfürsten ein neues Memorial, in welchem dieser 
wieder um üeberlassung von Hamm bittet, indem er das Versprechen gibt, wenn 
die kurfürstlichen Truppen sich zur Vertheidigung des Platzes nicht als ge- 
nügend erweisen sollten, den Kaiser um Hilfe anzugehen. 



Blumenthal an den Kaiser. Dat. Cleve 18. Oct. 1647. (Or.) 

[Rath Blumenthals, Hamm zu räumen.] 

18. Oct. Die wenig befriedigenden Meldungen Kleists veranlassen den Kurfürsten 
Blumenthal durch seine Räthe auffordern zu lassen, an den Kaiser wegen der 
Hammangelegenheit zu schreiben. 

Dessen versichere E. K. M. ich, dass, wann dieselbe mich bei 
den Pflichten damit ihro ich verwandt bin, frageten, was hierinnen zu 
thun wäre?, ich beständig rathen würde, |: dass, wann C. D. zu Branden- 
burg bei der guten Devotion und Intention, die ich täglich verspure, 
bleiben und mich also abgefertiget hätten, als ich gehört, dass sie mich 
abfertigen wollten, ich nimmer anders rathen würde oder könnte, als 
P. Ch. D. zu Brandenburg hierinnen und in mehrerm contento zu geben ; 
dann ich weiss, dass I. Ch. D. den Frieden mit höchsten Eifer befördern 
thuen, auch da derselbe durch Tractaten nit bald zu erlangen sein 
würde, sie sich gegen Schweden setzen und denselben mit allen, was 
in ihren Kräften ist, in der That erlangen helfen werden, daferne man 
nur ihro mit Mitteln beim Anfang zu Hülfe kommen wollte :|*). 

Am 18. Oct. 1647 erhält Blumenthal die Resolution des Kurfürsten auf 
seine Werbung (gedruckt in Urk. u. Act. IV. 60Bff.) 



Vergl. ürk. u. Act. IV. 817. 

^ Blumenthal war als er diesen Brief absendete noch nicht im Besitze der 
Weisung vom 16. Oct. 1647, durch die ihm Kunde von der dem Kleist in der Frage 
bezüglich Hamms ertheilten Antwort gegeben wird. Unter dem 30. Oct. fordert der 
Kaiser Blumen thal auf, den Kurfürsten nochmals zur Conjunction mit dem Kaiser zu 
ermahnen. 



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Hamm. Pommerscbe GreDzregulirungsfrage. 35 

Blumenthal an den Kaiser. Dat. Bonn 3. Nov. 1647. (Or.) 

[Des Kurfürsten ErkläningeD über seiDe RastungeD. VerbiDdung mit dem Kaiser. 

Bitte um Verständigung des Kaisers mit den Staaten bezuglich Pommerns. Branden- 

burg-braunscbweigische Verbandlungen. Rath Blumenthals bezüglich der vom Kaiser 

dem Kurfürsten betreffs Pommern zn ertbellenden Antwort.] 

|: Was Chur Brandenburg vor und bei meinem abreisen mir unter 3. Nov. 
andern angezeigt, war dieses: Erstlich, dass E. E. M. ich festiglich ver- 
sichern sollte^ dass I. Ch. D. den Anfang sich in mehrere Verfassung 
zu setzen, gemacht hätten, indcme sie in Preussen, in Chur Branden- 
burg und hiesigen Landen alle ihre Compagnien zu Ross und Fuss, ver- 
stärken und an 2 Orten ziemliche starke Summen Gelds vermittels Ver- 
pfandung grosser Stück von ihre Landen negotieren lassen. Sie wären 
auch eigentlich gemeinet mit E. E. M. sich würklich zu coniungiren, 
wo die Schweden nit bald den Frieden annehmen wollten, bäten allein, 
E. E. M. wollten nit so hart in C. D. dringen es ehender zu thuen, bis 
sie auf den Beinen sein wurden, dann es sonsten L Ch. D. ganz rui- 
niren und wann sie es so frühzeitig thuen sollten, E. E. M. und ihr 

eigenes Vorhaben hindern würden Weiters so würde höchst nöthig 

sein, dass E. E. M. mit den General Staaten alsbald suchten in engere 
Verständnus wegen Pommern zu kommen, dann ohne deren Assistenz 

würden E. E. M. es nebst L Ch. D. schwerlich recuperiren können 

L Ch. D. würden den Anfang an ihrem Ort auch ehest machen, in- 
gleichen auch mit den Städten Hamburg, Lübeck und Bremen. Ich 
habe auch wohl soviel penetriret und vor gewiss erfahren, dass Chur- 
Brandenburg den Herzogen zu Braunschweig die Insel Rügen und eine 
gewisse Stadt übergeben und die Herzogen von Braunschweig zu ewigen 
Tagen frei von allen Zöllen lassen wollen. Es ist auch gar von dem 
Fürstenthum Cleve geredt worden^^ wann die Herzogen sich obligiren 
wollten, ohne weitere Eosten die Schweden aus Pommern zu bringen .... 

Das beste Mittel wird sein Chur-Brandenburg zu schleuniger Reso- 
lution zu befördern, wann ihm E. E. M. anzeigen Hessen^ dass sie nie- 
manden lieber bei Pommern als ihn, Chur-Brandenburg, manutenirt sehen, 
wollten auch dazu behilflich sein, wann er das seinige mit thäte und 
dabei einen terminum von 4 Monaten «etzten, wo nit, so müssten E. E. 
M. benachbarte Assistenz an der See suchen, welche doch Pommern nit 
würden quittiren ohne Erstattung der Eosten. :| 

Von Cleve reist Blamenthal über Köln und Bonn nach Frankfurt, woselbst 
er ein Schreiben des Kurfürsten erhält (Dat. Cleve 14. Nov. 1647), mit dem 

3* 



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36 !• Mission Blumenthals etc. 

Ersuchen, am Wiener Hofe, wohin Blamenthal sich begeben will, für eine 
energische Beendigung des Friedenswerkes in Münster zu wirken und die Hamm- 
angelegenheit im Sinne des Kurfürsten zu fördern (Schreiben Blumenthals Dat. 
Frankf. a/M. 13. Dec. 1647). Da eine Einigung in der Hammangelegenheit in 
diesen Tagen aber nicht erfolgte % setzten die brandenburgischen Minister, ins- 
besondere Schwerin, ihre Mahnungen an Blumenthal, der sich zu Beginn des 
Jahres 1648 in Hammelburg aufhielt, fort. Blumenthal berichtet darüber ge- 
wissenhaft nach Wien (Schreiben vom 24., 29. und 31. Januar 1648). Unter- 
dessen erhielt Blumenthal vom Kaiser Befehl (13. Dec. 1647) sich zum Kur- 
fürsten zu begeben, um mit demselben über das Instrumentum pacis zu ver- 
handeln (Instruction Tom 13. Dec. 1647. Conc); gibt aber in einem Schreiben 
vom 21. Januar 1648 die Gründe an, warum er nicht geeignet sei, dieses Amt 
zu übernehmen, vornehmlich, weil die Hammangelegenheit noch nicht zu Gunsten 
des Kurfürsten erledigt sei (Schreiben vom 21. Jan. 1648). In der That erhält 
er denn auch die Weisung (29. Jan. 1648) die Reise zu unterlassen, wie es in 
dem Schreiben heisst ^weil wir dann verhofPen, dass inmittels die Krone Schwe- 
den und Protestirende ihre Erklärung über unser instrumentum pacis heraus- 
gegeben haben werden und also die Sachen nit mehr in dem Stand begriffen 
sein möchten, als wir dir unsere Instruction zugefertigt haben". In dieser Zeit 
hat der kaiserliche General Peter Melander, Graf v. Holtzappell mit dem Kur- 
fürsten Unterredungen, in denen er im Sinne Blumenthals den Kurfürsten zur 
Coi^junction mit dem Kaiser auffordert. Melander berichtet darüber an den 
Kaiser in dem nachfolgenden Schreiben. 



Graf HoltzappelP) an den Kaiser. Hammelbnrg 22. Januar 

1648. (Or.) 

[Unterredung Holtzappeirs mit Friedrich Wilhelm. Noth wendigkeit gemeinsamen 
Vorgehens, betont von Holtzappell. Erwiderung des Kurfürsten. Bamm. Contri- 
butionen in den Grafschaften Mark und Ravensberg. Unterredung über die Urheber 
der ungünstigen Entscheidung bezüglich Pommerns. Letzte Erklärungen des Kur- 
fürsten. Rath Holtzappers.] 

22. Jan. Er berichtet über seine Unterredung mit dem Kurfürsten in Altenau. Er 

hielt dem Kurfürsten vor, wie gut es der Kaiser mit dem Reiche und dessen 
Interessen meine und wie gefährlich die Lage sei. ^Welcher vor Augen 
stehender Gefahr nun zu entfliehen kein sicherers Mittel wäre, als wann 
die evangelische Stände unter sich und mit E. K. M. sich förderlichst 



') Urk. u. Act. IV. 818. 

*) Peter Melander, Graf von Holtzappell (Holzapfel); vergl. über ihn Deutsche 
Biographie 13, 21 ff. Rommel. Neuere Gesch. von Hessen Bd. IV. Koch, Ferd. III. 
Band II. 



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Hamm. Contributionsfragfe. 37 

mit allen ihren Kräften vereinigten und mit zusammengesetzter Macht 
denen Fremden auf den Hals drungen. Zuforderist aber, dass I. Ch. D., 
als welche vor allen andern Ständen hierbei am meisten interessirt wäre, 
die vornehme Mittel, so sie . . . in Händen hätten, ohne weitere Zeitver- 
lierung anwenden und vermittels derselben sich bestmöglichst in aller 
Eil verstarketen, hingegen aber der Krön Schweden keinen weitern 
Vorschub, als wie bishero zu E. K. M., des Reichs und I. Ch. D. eignen 
höchsten Nachtheil geschehen wäre^ aus ihren Landen erstatten Hessen 
und darbei sich wurklich mit E. K. M. vereinigen und mit zusammen- 
gesetzten Rath und Macht dem Feind sich entgegen zu setzen ent- 
schliessen wollten. Worauf I. Ch. D. mir zur Antwort gaben, dass E. 
K. M. auch eben dergleichen durch den von Blumenthal bereits bei ihr 
hätte suchen lassen und dass sie darauf sich schriftlich, soweit als sie 
der Zeit noch thuen können, erklärt [: vornehmlich aber von ihrer end- 
lichen Entschuldigung zu E. K. M. und des Reichs Dienst dem von 
Blumenthal mündliche Versicherung gegeben :], dabei wollten sie es auch 
noch allerdings bewenden lassen." Sodann betont der Kurfürst die Noth- 
wendigkeit, ihm Hamm za übergeben und die Contributionen in den Graf- 
schaften Mark und Ravensberg zu sistiren. Holtzappell versichert, wenn der 
Kurfürst sich rüste und halte, was er versprochen, werde es an Seiten des 
Kaisers nicht fehlen. „Worauf mir wiederum die fernere Antwort ertheilet 
wurde, [: dass Brandenburg dem von Blumenthal diese Versicherung 
mündlich gegeben, dieselbe auch E. K. M. zu überschreiben anbefohlen 
hätten, dass auf den Fall E. K. M. es bei demienigen, was sie zu 
Münster und Osnabrück durch dero gevollmächtigten Gesandten Grafen 
von Trauttmannsdorff hätte versprochen und zugesagt, würden bewenden 
lassen und die fremden Kronen diesen Winter auf die ihnen angebotene 
Wege den Frieden dannoch nicht schliessen wollten, sich mit E. E. M. zu 
Erlangung desselben eigentlich vereinbaren wollte, welches auch, wann 
E. K. M. derselben mehr bemeltermassen behülf sein würde, sich recht 
in Verfassung zu setzen und auf die Bein zu kommen, um soviel ehen- 
der geschehen könnte :]. Als auch unter anderm angezogen worden, dass 
I. Ch. D. sich hierdurch in grosse Gefahr und alle ihre Lande und Leute 
gleichsam in die Schanze setzeten, so habe ich darauf geantwortet, dass 
dieselbe meinem ürtheil nach wenig wagten, indem sie ja ihre Lande 
nicht mehr hätten, sondern die Schweden allbereits Meister derselben 

wären Sie L Ch. D. wollten doch nur bedenken, was Pommern für 

ein köstliches Kleinod wäre und dass derienige, welcher es in seinen 
Mächten hätte, auch unfehlbarlich Meister von P. Ch. D. Churfürstenthum 



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38 I* Mission Blamenthals etc. 

und den preussischen Landen wäre. Als nun von I. Ch. D. mir zur 
Antwort gegeben ward, dass nicht von derselben, sondern E. K. M. her- 
käme, dass man den Schweden Pommern lassen sollte, so habe ich da- 
rauf diesen Gegenbericht ertheilet, dass E. K. M. sie hierunter zu viel 
und Unrecht thäten, und dass solches E. K. M. Wille niemahlen gewesen 
wäre. I. Ch. D. aber wollten sich darmit nicht zufrieden geben, sondern 
sagten, es wäre ja weltköndig und offeubar, dass E. K. M. Gesandte den 
Schweden Pommern zu ihrer Vergnügung angetragen und dass P. Ch. D. 
beschehenes vielfaltiges Gegensprechen darwider nichts hätte verfangen 
wollen. Ich bäte abermahlen, sie wollten solches E. E. M. nicht auf- 
bürden, ich wäre derselben Diener und könnte nicht gestatten, dass ihre 
einiges Unrecht geschehe. I. Ch. D. möchte dasselbe wohl von ihren zu 
Münster und Osnabrück habenden Gesandten, welche Selbsten und nicht 
E. K. M. schuldig daran wären, sein berichtet worden.** Es sei vielmehr von 
' Seiten der Evangelischen und in erster Linie von den Vertretern des Kurfürsten 
vom Kaiser begehrt worden, dass zuerst die fremden Kronen entschädigt wer- 
den, während der Kaiser vorerst die Ordnung und Ruhe im Reiche habe her- 
stellen wollen. Zudem seien die kurfürstlichen Gesandten wiederholt gefragt 
worden, ob sich der Korfürst ganz auf die Seite des Kaisers schlagen wolle, 
hätten sich aber niemals erklärt. Die Richtigkeit dieser Erklärungen mossten 
der Kurfürst und seine Räthe zugeben. „Was sonsten I. Ch. D. ertheilte 
Erklärung anlanget, gienge dieselbe hauptsächlich dahin, {: dass sie es 
allerdings dabei Hessen, was sie dem v. Blumenthal E^ K. M. vorzubringen 
anbefohlen hätten und mich damit auf gleiche Weise versicherten, dass, 
wann zwischen der Zeit und den künftigen Brachmonat die Feinde den 
Frieden auf die Bedingnus, welche der Graf von Trauttmannsdorfif ihnen 
den Ständen versprochen hätte, nicht schliessen, E. K. M. aber dieselbe 
alle fest halten und zuvorderist Churbrandenburg auf die Beine zu kom- 
men behilflich sein werden, sie zu E. K. M. würklich treten wollte; in- 
mittels wollten sie sich nach aller Möglichkeit in gute Verfassung setzen, 
hätten sich auch schon nach gewissen Generalspersonen umgethan, auch 
zu Chursachsen und den Herzogen zu Braunschweig-Lüneburg geschickt 0, 
dieselbe zu gleichmässiger Meinung zu bringen :!.** 

Der Kurfürst hofft dagegen, dass der Kaiser sein Begehren bezüglich 
Hamm und der beiden Grafschaften erfüllen wird. 

„Ich an meinem wenigen Ort kann aus allen denen mir geführten 
vertreulichen Gesprächen und gethanen Versicherungen nichts anders 



I) Gemeint ist die Sendung des Burgsdorf; Urk. u. Act. IV. 762 ff. 



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Hamm. Gontributionsfrage. 39 

rathen^ als dass E. K. M. I'. Ch. D. vermittels dieses Begehrens Ein- 
willigung allergnädigst zu willfahren hätten ^)." 



Gutachten der Räthe über Holzappells Relation 17. Febr. 1648 

(Khnrtz, Gebhard). 

[Erklärungen bezüglich Hamms und der Contributionen in Hark und Rayensberg an 

Kleist.] 

Die letzten Erklärungen Brandenburgs bieten zwar nicht genugende Sicher- 17. Febr. 
heit, aher sie sind doch so, dass die Räthe glauben, man solle das ganze Werk 
in Bewegung halten und soviel Hamm betrifft, dem Kleist sagen, es sei nicht 
za zweifeln, dass entweder bald der Friede erfolgen, oder die Erkenntnis sich 
Geltung verschaffen werde, dass die fremden Kronen den Frieden nicht wollen. 
Der Kaiser zweifelt nicht, dass der Kurfürst seinen Versprechungen gemäss in 
diesem letzteren Falle alles thun werde, um das Reich zu schützen. In beiden 
Fällen wird dem Kurfürsten wegen Hamm Genugthuung werden. Unterdessen 
möge sich der Kurfürst gedulden: inzwischen habe der Kaiser der Generalität 
im westphälischen Kreise befohlen, dass bei beiden Grafschaften Mark und 
Ravensberg alle Moderation bei Einbringung der Contribution gebraucht werde '). 
Der Kaiser gestatte auch, dass aus den eingehenden Kreismitteln eine Anzahl 
kurfürstlicher Truppen erhalten werde, auch wolle der Kaiser dem Comman- 
danten in Hamm Weisung zukommen lassen, dass er dem Kurfürsten zur Ret- 
tung von dessen Ländern Unterstützung leiste und sich hiezu der in der Mark 
nnd Ravensberg liegenden Völker bedienen solle. Bevor man diesen Bescheid 
gibt, soll man dem kölnischen Gesandten Fürstenberg ') davon Mittheilnng 
machen. 

Am 20. wird dieses Gutachten verlesen und der Kaiser hestimmt: Mit 
Kleist soll mündlich verhandelt werden, die im Gutachten ausgeführte Antwort 
soll ihm gegeben, jedoch der Punkt wegen der Weisung an den Gommandanten 
zur Hilfeleistung an Brandenhurg ausgelassen werden^). 

Vergl. über diese Unterredung und den Eindruck, den sie bei Schweden und 
Frankreich machte; Urk. u. Act. II. 17f., Puf. 1. c. III. 20. 22. 

') Vergl. weiter unten. 

*) Franz Egon Graf von Fürstenberg. Vergl. für seinen Aufenthalt in Wien 
Urk. u. Act. IV. 819, 821. 

*) Vergl. Urk. u. Act. IV. 818 f. In der dem Kleist am 28. Febr. 1648 gegebenen 
Antwort auf ein von ihm am 12. Febr. übergebenes Memorial, erscheint dann doch 
der Passus, dass der Commandant von Hamm Befehl erhalten soll, so viel als möglich 
den Wünschen des Kurfürsten zu willfahren. 



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40 I- Mission Blumentbals etc. 

Der Kurfürst an den Kaiser. Cleve 10. Febr. 1648. (Or.) 

[Contribution in der Mark und Ravensberg. Räumung von Hamm.] 

10. Febr. Bittet den Kaiser, darauf zu sehen, dass der Kurfürst von Köln und der 

Feldmarschall Lamboy^) Befehl erhalten, mit den Contributionen in der Mark 
und Ravensberg einzuhalten und diese Länder die vom Kaiser zugestandene 
Neutralität geniessen zu lassen ^). Zu gleicher Zeit hittet der Kurfärst um Ein- 
räumung von Hamm. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Cleve 11. Febr. 1648. (Aut.) 

[Bitte um Verbot für Kurkdin und Lamboy die Mark und Ravensberg mit Contribu- 
tionen 2u beschweren.] 

11. Febr. Ich zweifFelle nicht, es werde E. K. M. alschon underthenigst vor- 

bracht Sein, welcher gestaldt zu erhaltung undt nicht zu gentzlicher 
verherung meiner So sehr hochbedrengteo Grafschaften Marck undt 
Ravensperg, wie auch zu Unterhaltung eigenen volcker, welche ich dem 
Reich mitt zum besten auflf die beine gebracht, ahn Chur Collens L**" 
wie auch ahn H" Veldt Marschalck Lamboy') so woll schrift- als Mändt- 
lichen umb gentzliche nachlassung der contribution verschidene mahlle 
anhalten undt anregung thun lassen, wie dan die abschriften nehbenst 
meinen weittleuftigen underthenigsten Schreiben ahn B. E. M. mit mehrem 
aussweissen, damitt E. K. M. Ich nicht zu lange behelligen möge, ziehen 
thu, besagen werden. Demnach Ich auch befürchten muss, das mir solches 
durch missgunstige ubell gedeuttet werden möchte; als hab solches zu 
E. K. M. allergnedigsten Wissenschaft underthenigst uberschicken undt 
hinterbringen wollen, mitt unterthenigster bitte, E. K. M. genedigst ge- 
ruhen werden, die in obgemelter Schrift angezogene erhebliche motiven 
undt Ursachen^ insonderheitt aber die von E. K. M. diesen landen vor- 
leng^'t allergenedigste bewilligtten, auch mitt den Staadten Generali ge- 
schlossene undt veracordirte Neutralitet in genedigster reiffen conside- 
ration zu ziehen, auch meinen gehorsambsten suchen in kayserlichen 
genaden, rahum undt stadt geben undt S. Ld. dem Churfürsten zu Collen, 
wie auch obgemelten von Lamboy allergenedigst undt ernstlich anzube- 



^) Graf Wilhelm Lamboy, kaiserlicher Feldmarschall; vergl. Deutsche Biog. 17. 
557 ff. (Hallwich). 

^ Vergl. für diese Streitfrage^ ürk. u. Act. I. 676; IL 21; IV. 654 f., 819, 
821, 823. 

») Die Correspondenz des Kurfürsten mit Lamboy liegt vor. Dieselbe enthält 
nichts wesentliches. 



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ContribationsaDgelegenheit. 41 

fehllen, meine landen ferners mitt allen alten nndt neuen auflagen gentz- 
lich zu verschonen 



Contributionsangelegenheit. 

Die Contributionsfrage zieht sich Monatelang hin; es erfolgen immer neue 
Schreiben seitens Brandenburgs ^ und Kölns ^) und Berathnngen der Conferenz. 
Am 10. und 16. März bestimmt die Conferenz, es mögen die Acten vom Jahre 
1635, auf die sich Brandenburg beruft, eingesehen, unterdess aber alle mili- ' 
tfirischen Executionen in den Grafschaften Mark und Ravensberg eingestellt wer- 
den. Nach neuen Berathungen, welche nach Einkommen neuer Schreiben von 
Brandenburg gepflogen wurden (Conferenzprotocolle vom 25. u. 29. April), wird 
am 29. April dem kurfürstlichen Gesandten bezüglich der Contributionen eine 
günstige Erklärung gegeben, indem die beiden Grafschaften von Contributionen, 
bis auf Reichs- und Kreisverwilligungen, befreit sein und bleiben sollen. Wegen 
Hamm bleibt der Kaiser bei seinen früheren Erklärungen '). Erst am 14. Juli 
erfolgt dann die kaiserliche Entscheidung, dass dem Kurfürsten Hamm über- 
lassen werden soll, unter den Bedingungen : 1^ Dass den kaiserlichen Völkern 
durch Hamm Pass und Repass offen stehen soll, wenn sie solchen begehren 
würden. 2^ Wenn Hamm angegriffen wird, muss der Kurfürst nicht nur das- 
selbe so gut als möglich selbst vertheidigen, sondern sich hiezu keines anderen 
als des Kaisers Succurs bedienen und 3^ dass I. Ch. D., das von den kai- 
serlichen Gesandten zu Händen der Schweden unter dato den 11. Mai 
d. J. hinausgegebene instrumentum pacis durchgehends genehm halten, 
dessen sich gegen die schwedischen Gesandten in lucis tractatuum er- 
klären und mit und neben andern Ständen solches manuteniren helfen 
wollen und werden. Neue Verhandlungen mit dem kurfürstlichen Gesandten, 
der von der Aufnahme der letzten Bedingung in den Vertrag nichts wissen 



') Schreiben des Kurfürsten vom 10., 27. und 31. März ]648. Auch Kleist be- 
tont in seineu Eingaben vom 12. Febr. und 14. März 1648 neben anderen Punkten, 
bezuglich derer der Kurfürst Satisfaction wünsche — Räumung von Hamm, Ersatz 
für Jägemdorf, Entscheidung in der Streitfrage Schwarzenbergs gegen die cleviscben 
Regierungsräthe — auch die Frage des Verbotes der Oontribution in der Mark und 
Ravensberg. 

'} Der Kölner, der beim Kurfürsten zu Gleve sich entschuldigte und den Kaiser 
als Urheber alles geschehenen bezeichnete (yergl. Urk. u. Act. IV. 820), stellte iu Wien 
Friedrich Wilhelms Vorgehen als ein höchst geföhrliches dar. (Kölns Meinung und 
Eröffnung über Brandenburgs Handlung wegen Hamm und der Contributionen. 
d.d. 30. März 1648.) 

5) Vergl. Urk. u. Act. IV. 821. In einem Schreiben vom 29. April 1648 Conc. 
d. d. Prag an den Kurfürsten erklärt der Kaiser, er könne dem Kurfürsten von Köln 
und Lamboy nicht alle Schuld beimessen; in erster Linie sei die schlechte Zusammen- 
setzong des deutschen Reiches Schuld an diesem, wie allem anderen Unheil. 



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42 I- Mission Blumenthals etc. 

wollte, fahrten dahin, dass sich der Kaiser am 30. Juli in einem neuen Bescheid 
an Kleist dahin erklärte: „Allermassen I. K. M. nicht zweifeln, S. Ch. D. 
werde, soviel das instrumentum pacis betrifft, deroselben Vorantwort 
vom 8. Juni zu Folge, sich selbst gegen I. E. M. dergestalt erklären, 
wie es die Rettung des allgemeinen Vaterlandes und dero selbst eigenes 
churfürstliches Amt erfordert", ist der Kaiser zur Uebergabe von Hamm 
bereit, gegen das Zugeständnis des freien Durchzuges und der Verthei- 
digung Hamms nur mit kaiserlicher Hilfe'). Ganz in diesem Sinne lautet 
die Urkunde, die am 31. Juli ausgestellt ist. 



Die Jülich -clevische Streitfrage. 

Gutachten der deputirten Räthe bezüglich der Jülich-clevi- 
schen Streitfrage. 21. Juli. 

21. Juli. Das Gutachten der deputirten Räthe vom 21. Juli beschäftigt sich sehr ein- 
gehend mit der brandenburg-pfälzischen Streitfrage'). 

Es werden die Schreiben der Fürsten von Neuburg, Brandenburg, Baiem, 
Sachsen, Mainz u. a. m. verlesen und die von beiden Partheien vorgebrachten 
Rechtfertigungsgründe in Erwägung gezogen^). ^ Alles dieses haben die gehor- 
samsten Räthe mit besonderem Fleisse erwogen und befinden ie länger, 
ie mehr, dass des Hn. Churfürsten zu Brandenburg fürgenommene That- 
handlung ie länger, ie weniger zu verantworten, nicht allein quoad mo- 
dum procedendi, sondern auch quoad rem ipsam.** Da nun aber klar ist, 
dass Brandenburg die Succession in diesen Ländern und zwar mit Waffengewalt 
anstrebt, so erhebt sich die Frage, ob man kaiserlicher Seits jemanden an den 
Hof des Brandenburgers schicken soll, um ihn zu gütlicher Niederlegung der 
Waffen und Acceptirung der zum Ausgleiche eingesetzten Commission*) zu be- 
wegen, wie Köln und Baiern gerathen haben. Die Räthe halten dies für un- 

') Vergl. ürk. u. Act. IV. 822 ff. 

«) Vergl. für die Geschichte dieses Streites ürk. u. Act. VI. Iff., V. 403 ff., III. 
66 ff.; Droysen I.e. Uli 349ff., IIIj, lOff.; Mörner, Märkische Kriegsoberste 182ff., 2r>9ff.; 
Erdmannsdörffer, Graf Waldeck 26 ff. 

») In seiner Resolution d. d. Wien 9. Juli 1651 (ürk. u. Act. VI. 46) hatte der 
Kaiser bereits deutlich seine Misbilligung über des Kurfürsten unberechtigtes Vor- 
gehen gegen den Herzog von Neuburg ausgesprochen. 

*) Am 16. April 1649 waren auf speciellen Antrag des Pfalzgrafen, Kurfürst 
Ferdinand von Köln und Herzog August von Braunschweig- Wolfenbüttel zu Gom- 
missären „zur Ordnung des Kirchen- und Religionswesens in den Jülich-Clevischen 
Landen** vom Kaiser ernannt worden. Vergl. ürk. u Act. VI. 5 f. 



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Jü]icb-clevische Streitfrage. Urtheil über Brandenburg. 43 

nothig, vergeblich und unrathsam, weil, wenn das Dehortationsschreiben an den 
Kurfürsten») und die Biamenthal gegebene Resolution^ nichts helfen, ein Ge- 
sandter auch nichts ausrichten wird, sondern es wurde das die Sache nur ver- 
zögern und aussehen, wie wenn der Kaiser seinen Schreiben selbst nicht be*^ 
deutenden Werth beilegen würde; ^ad partem aber und noch zur Zeit pri- 
vatim einen vornehmen hohen ministro und etwa den Grafen von Hatzfeld ') 
in Bereitschaft und dort in loco unvermerkt zu haben, wäre das aller- 
sicherste^. Auch gegen die von Baiem und Köln vorgeschlagene Interposition 
der benachbarten Fürsten sprechen sich die Räthe mit Rücksicht auf die da- 
durch verletzte Autorität des Kaisers aus; abgesehen davon, dass auch dieser 
Weg wegen der vielen Interponenten die Sache hinausschieben würde. Die 
Räthe sind vielmehr der Ansicht, der Kaiser solle, wie Pfalz-Neuburg ersucht 
und Mainz in seinem letzten Schreiben gerathen habe, neue, strenge Dehortations- 
schreiben an Brandenburg ergehen lassen und den Kurfürsten zur Niederlegang 
der Waffen und Annahme der Commission bewegen; man könnte auch die 
CJausel hinzufügen, dass auf den widrigen Fall E. K. M. zu andern Mitteln 
greifen und nach Inhalt des Friedensschlusses mit Chur-Fürsten und 
Ständen des Reichs demienigen Theil wirklich assistiren und Hilfe leisten 
mussten, welcher sich zu Fried and Recht erbietig machen thäte und 
allein in terminis defensivis hielte. Es entspricht dies den Wünschen der 
anderen Fürsten und den Bestimmungen des Friedens. Dann sollen neue 
Schreiben an die Stände von Jülich und Berg erlassen und dieselben neuer- 
dings aufgefordert werden, Neuburg gegen Brandenburg zu unterstützen*). 
Avocatorische Schreiben an den Pfalzgrafen und seine Soldaten zu richten, wie 
dies bei Brandenburg geschieht, halten die Räthe nicht für recht, weil der 
Pfalzgraf in iustissima et licita et necessaria defensione steht. Ferner sollen 
Schreiben an die Obersten der benachbarten Kreise ergehen, i. e. westphälischen, 
oberrheinischen und kurrheinischen, sich zu rüsten, um nöthigenfalls Neuburg 
Hilfe zu leisten und ihnen aufgetragen werden, Werbungen für Brandenburg in 
ihren Ländern nicht zu gestatten, auch Brandenburgs Soldaten keinen Durchzug, 
noch Munition etc zu gewähren. Die Commissäre wegen des Religionspunktes, 
— der Bischof von Münster*) und der Herzog August zu Braunschweig*), — 
sollen ihre Untersuchungen fortsetzen und an Stelle Augusts, wenn er sich 



Vergl. das Schreiben des Kaisers an den Kurfürsten d. d. Wien 3. Juli 1651; 
ürk. u. Act. VI. 40 ff. 

^ Resolution des Kaisers an Blumenthal, Wien 9. Juli 1651; ürk. und Act. 
VI. 46. 

^ Graf Melchior von Hatzfeld. 

*) lieber die Haltung der clevischen Stände in dieser Zeit Urk. u. Act V. 403 ff. 

'•*) Christof Bernhard von Galen, vergl. Alpen, Job. ab, De vita et gestis Gh. B* 
Täcking, K. Gesch. des Stiftes Monster unter Christof Bernhard von Galen. 

^ Herzog August von Braunschweig- Wolfenbüttel, vergl. über ihn Köcher 1. c. 
I. 343ff. 



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44 I. Mission Blumenthals etc. 

widerwärtig zeigt, der Landgraf Georg zu Hessen-Darmstadt gewfthlt werden. 
Mainz, Cöln and Baiem sollen Dankschreiben far ihren Rath erhalten. Alle 
diese Fürsten sollen auch die Staaten von Eingriffen abrathen^). Auch an 
Sachsen soll ein Schreiben mit Rechtfertigung des kaiserlichen Vorgehens er- 
lassen werden *). Blumenthal kann man schriftlich die Unhaltbarkeit seiner Be- 
hauptungen klarlegen '). (Beschlossen von Khurtz, Oettingen, Gebhard. In der 
Sitzung vom 24. Juli werden diese Beschlüsse gebilligt*).) 



3. August 1651. 

3 Aug. Der Neuburger*) bedankt sich unter dem 15. Juli für die an Brandenburg 
erlassenen Dehortationsschreiben ; er fürchtet aber, dieselben werden keinen Er- 
folg haben, bittet daher den Kaiser avocatoria und poenalia mandata auch an 
alle Reichsvasallen und Unterthanen, in specie aber an die clevischen, märki- 
schen und ravensbergischen Landstände zu erlassen und ihn mit Waffen zu 
unterstützen; auch berichtet er unter dem 19. Juli von Einfällen und Plünde- 
rungen der Brandenburger 8) und über der Generalstaaten angebotene Me- 
diation 7). Ebenso berichtet der junge Pfalzgraf®) über des Brandenburgers 
Vorgehen. Die Räthe glauben, dass die Interposition der Staaten nicht unge- 
fährlich ist, auch sei zweifelhaft, ob sie für den Neuburger vortheilhaft sein 
wird, doch rathen die Räthe dem Kaiser nichts gegen diese Mediation einzu- 
wenden, da sie bereits erfolgt und der Neuburger nach den Bestimmungen des 
Friedens von 1648 zu solchem Bündnisse das Recht habe. Ob der Kaiser aber, 
wie der Neuburger wünscht, gleichfalls sich zur Mediation erbieten solle, ist 
schwer zu sagen, es spricht manches dagegen, manches dafür; entscheidet sich 
der Kaiser für die Mediation, so soll Hatzfeld hingesendet werden, mit dem 
Befehl bei Mainz und Köln Mittheilung von seiner Mission zu machen, und der 
Reichshofrath Anethan ^) soll ihn begleiten, ßem Neuburger wäre zu schreiben, 
er solle sich den Aussprüchen der Gommissäre ^^) fügen. Bezüglich der be- 

') Ueber das Verhältnis der Staaten zu diesem Streite Urk. u. Act. III. 66 ff. 
und die dort citirte Literatur. 

^ Alle diese Schreiben sind gemäss den Beschlössen der Conferenz am 24. Juli 
ausgefertigt worden. 

') Ueber die Verhandlungen mit Blumenthal in dieser Zeit Urk. u. Act. VI. 56 ff. 
Morner, Märkische Knegsoberste 274 ff. 

*) Vergl. das Schreiben Ferd. III. an den Kurfürsten d. d. Wien 24. Juli 1651, 
ürk. u. Act. VI. 57 ff 

*) Gemeint ist Wolfgang Wilhelm 

^) Ueber die Kriegsereignisse im brandenburg-pfälzischen Kriege Droysen 1. c. 
IITa 28 ff.; Puf. 1. c. IV. 25; Erdmannsdorffer Graf Georg Friedrich von Waldeck 26 ff. 

^ Vergl. Urk. u. Act. III. 70ff ; Aitzema 1. c. III. 672ff 

8) Philipp Wilhelm. 

^ Dr. Johann Anethan. 

'0) Münster und Braunschweig-Wolfenböttel. 



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Blumentbals Memorial bezüglich der Jülicb-clevischen Sache. 45 

gehrten Hilfe sind die beiden Neaborger auf die vom Kaiser bereits angeordnete 
Hilfe der benachbarten Kreise zn verweisen; doch empfehlen die Räthe dem 
Kaiser, sich in Verfassung zu setzen. (Beschluss von Kburtz, Oettingen, 
Gebhard.) 

Dem Kaiser am 5. August vorgelesen und beschlossen wie gerathen, nur 
soll der staatischen Mediation in den kaiserlichen Schreiben nicht gedacht wer- 
den und dem Hatzfeld die poenalia mandata nicht mitgegeben werden'). 



8. Augast. 

* Das Memorial Blumenthals vom 5. Aug. ') ist zwar ziemlich subtil 8. Aug. 
gestellt, dann es soll dem äusserlichen Ansehen nach eine Sinceration 
und Parition des Herrn Churfursten auf E^ K. M. erste dehortatorias mit 
sich bringen, wann mans aber recht beim Licht besieht, so hält's nichts 
weniger als dies in sich und hat fast einen Schein, als wann man E. 
E. M. hierdurch a scopo suae dehortationis gänzlich divertiren wollte; 
dann es hält in substantia nichts mehr als diese 3 Punkte in sich. 
1^ Erklärung, dass der Kurfürst in der Neuhurger Frage sich nicht mit einer 
andern Macht geeinigt habe. 2°. Der Kurfürst ist auf das kaiserliche Schreiben 
hin bereit sich zu gütlicher Beilegung der Sache zu bequemen. 3^. Bitte, dass 
der Kaiser vor Blumenthals Abreise sich auf seine und Grockows Forderungen 
in der pommerschen Angelegenheit entschliesse und dem Kurfürsten zu wirk- 
licher Erlangung dieser Lande behilflich sei^). Was den ersten Punkt betrifft, 
soll dem Gesandten erwidert werden, wenn der Kurfürst für sich allein die 
Sache unternommen, könne er sie um so eher aufgeben. Der zweite Punkt 
ist ganz leer auf E. K. M. Abmahnungsschreiben, dann dieses geht nicht 
dahin, dass sich der Kurfürst zu gütlicher Beilegung dieses Streites be- 
queme, sondern von den Gewaltthätigkeiten abstehe, seine Völker aus 
den jülischen und bergischen Landen alsobald abführen solle; die güt- 
liche Beilegung ist für den ganzen Successionsstreit gemeint. Diese falsche 
Auslegung, glauben die Räthe, müsse betont und gerügt werden. Der Punkt 
wegen Pommern gehört nicht hieher. Man möge also Blnmenthal dahin ant- 
worten: Die Erklärungen des Memoriales vom 5.' August genügen nicht; der 
Kaiser fordere Abberufung der Truppen, Wiederherstellung des vorigen Standes; 
auch soll der Kurfürst der Commission, die den Religionspunkt entscheidet, Folge 
leisten. Unterdess werde der Kaiser mit uninteressirten Reichsfürsten den Suc- 
cessionsstreit zu erledigen suchen. 



^) Der Kredenzbrief für Hatzfeld ist datirt Wien 5. Aug. 1651. 
*} Vergl. den Inhalt bei ürk. u. Act. VI. 80 f. 

^ Es bandelte sieb um die langwierige Grenzregolirungsfrage; vergl. Urk. und 
Act. IV. 829 ff.; über Grockows Mission nacb Wien Urk. u. Act. IV. 890ff. 



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46 I- Mission Blumentbals etc. 

Am 10. August dem Kaiser vorgelesen and beschlossen wie eingerathen, 
iedoch soll der Bescheid etwas glimpflicher eingerichtet und K K. M. 
abgelesen werden. 



18. August 1651. 

18. Aug. Von Pfalz-Neuburg') und Brandenburg*) sind Schreiben eingekommen. 

Die Käthe halten dafür, obwohl des Brandenburgers Schreiben an Pfalz- 
Nenburg') die Intention zur gütlichen Handlang zeigt, dass dies nur geschehen 
sei, um Zeit zu gewinnen. Die Käthe können es daher dem Nenburger nicht 
verdenken, dass er nicht sogleich darauf eingegangen, sondern vorerst die Ab- 
führung der brandenburgischen Truppen und andere Gewährleistungen gefordert 
habe*). Weil aber das Streben des Kaisers darauf gerichtet ist, Friede zu 
machen, zu diesem Behufe Hatzfeld abgeordnet worden sei, sind die Käthe da- 
für, man möge dem Pfalzgrafen zur Annahme der Verhandlungen zureden und 
ihm durch Hatzfeld des Kaisers Ansichten genau auseinandersetzen lassen. 
Bezüglich Brandenburgs halten es die Käthe nicht für rathsam, dass der Kaiser 
des Kurfürsten Schreiben beantworte, damit sie nicht vermeinen, dass durch 
Acceptirung und Beantwortung dieses ihres Schreibens die vergangene 
Thathandlung und nicht erfolgende Parition bereits vergessen und ver- 
geben sei, sondern man möge noch einige Zeit mit der Antwort warten. 
(Khurtz, Oettingen, Gebhard.) Am 20. beschlossen wie eingerathen. 



1. September 1651. 

1. Sept. Inhalt des kurfürstlichen Schreibens vom 21. Aug. 1651*). Um zu ent- 
scheiden, wer Recht hat, müsste man den Bericht von Neuburg haben. Die 
Räthe halten doch darvor, wann man den statum causae betrachten 
will, dass der Zeit nicht zu reden sei^ quid de iure faciendum, sed 
quid facto opus sit und sind der einhelligen Meinung, dass E^ E. M. 
und des heil. Reichs Dienst erfordere, dass dieser Krieg je eher je besser 



Das Schreiben Neuburgs ist vom 5. Aug. und enthält Klagen über Branden- 
burgs Vorgeben und die Bitte um energisches Vorgehen seitens des Kaiserhofes. 

^) Das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser vom 5. Aug. in ürk. u. Act 
VI. 79 f. über die Wirkung desselben, 89 f. 

') Schreiben Fried. Wilh. an Wolfgang Wilh. vom 25. Juli 1651, in welchem 
der Kurfürst um eine persönliche Zusammenkunft ersucht; gedruckt unter anderem 
ürk. u. Act. VI. 64f. 

*) Schreiben Wolfgang Wilhelms an Fried. Wilh. d. d. 27. Juli 1651 ; gedruckt 
unter anderen Urk. u. Act VI. 65 f. 

*) ürk. u. Act VI. 93 f. 



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VerSnderter Stand der Dinge. Noth wendigkeil die Waffen niederzulegen. 47 

gedämpft werde; es leide endlich, wer da wolle. Die Räthe halten dafür, 
der Kaiser möge Hatzfeld und Anethan, den Commissären, Mittheilung von des 
Kurfürsten Schreiben machen und die gütliche Beilegung so rasch als möglich 
fortsetzen. Der Neubnrger ist vom Kaiser zu ermahnen, doch seinerseits alles 
zu thun, was die Herstellung des Friedens beschleunige. Brandenburg ist aber 
vom Kaiser dahin zu verständigen, dass die Erklärungen des Kurfürsten und die 
mit Neuburg gepflogenen Unterhandlungen ') dem Kaiser grosse Freude bereitet 
und dass der Kaiser alles aufbieten werde, um den Neuburger zur Fortsetzung 
der Verhandlungen zu vermögen^. (Beschlossen Khurtz, Oettingen, Gebhard.) 



21. September 1651. 

Nach Verlesung sämmtlicher eingelaufener Berichte erklären die Räthe, sie 21. Sept. 
fönden den statnm rerum geändert und dass der Herr Pfalzgraf zu Neuburg 
durch die Verhandlungen zu Angerort 5) und Essen*) merklich verkürzt worden, 
indem er mit dem aufgerichteten armistitio aus seinem Vortheil gebracht sei, den 
Herzog von Lothringen und seinen Sohn beleidigt^) und der Vortheile, die ihm 
des Kaisers Mediation geboten, sich begeben habe. Denn früher hat Branden- 
burg als Verletzer des Friedens gegolten, jetzt aber behauptet der Kurfürst 
alles, was der Kaiser gefordert, gethan zu haben und dass auf Seite Nenburgs 
der Grund der Verzögerung zu suchen sei*). Auch ist durch Neuburgs Vor- 
gehen die Mediation der Staaten so bedeutend^), dass die Räthe nicht sehen, 
wie der Kaiser salva reputatione sich in die Sache mischen könnte; wundern 
sich auch sehr, dass Köln sich so habe gebrauchen lassen. Auch halten die 
Räthe es für gänzlich verfehlt, dass die Verhandlungen geführt werden sollen, 
während man beiderseits noch Waffen führt. Um die Autorität des Kaisers zu 



') Gemeint ist die Verhandlung des Kurfürsten mit dem Pfiüzer zu Angerort; 
Morner 1. c. 315 ff.; Wicquefort, Eist, des Prov. ün. IL 97; ürk. u. Act. VI. 911, 129ff.; 
Aitzema 1. c. III. 677; Erdmannsdörffer Waldeck 1. c. 39f. 

*) Der Kaiser an den Kurfürsten 2. Sept. 1651, ürk u. Act. VI. 95. 

*) Vergl. Anm. 1. 

*) üeber die Verhandlungen zu Essen Mörner l. c. 324 ff.; Aitzema 1. c. III. 
681 ff.; ürk. u. Act. III. 75 ff, VI. 99ff. 

^) Ueber die Politik des Herzoges Karl von Lothringen und seine Stellung in 
diesem brandenburg-pfölzischen Kriege, Urk. u. Act. III. 8 f. u. passim; d'Haussonville, 
Hist. de la reunion de la Lorraine ä la France IL; Erdmannsdörffer Waldeck 157 ff. 

^) Vergl. das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser vom 19. Sept. 1651 Urk. 
u. Act. VL 108 ff. Schon in 2 früheren Schreiben d. d. Duisburg 6. Sept. und Cleve 
15. Sept. 1651 hatte der Kurfürst darauf hingewiesen, dass er den Befehlen des Kai- 
sers sich gefügt, der Neuburger dagegen sich veränderlich gezeigt und den Waffen- 
stillstand unter dem Vorwande gekündigt habe, Brandenburg hätte ihn durch sein 
Zögern dazu vermocht. In beiden Schreiben fordert der Kurfürst die Unterstützung 
des Kaisers. 

^ Vergl. ürk. u. Act. III. 76 ff. 



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48 I- Mission Blumentbals etc. 

wahren, halten die Räthe für nothwendig, dass die Gommisslon auf Hatzfeld und 
Anethan dahin erklärt werde, dass E. K. M. Meinung nit gewesen, mit der- 
selben auf was mehrers, als auf gänzliche vollständige Abfuhrung beiderseits 
Kriegsvölker und Einstellung aller weitern Hostilitäten, sodann auf Fort- 
setzung deren auf den Herrn Bischof zu Münster und Herrn Landgrafen zu 
Hessen-Darmstadt in p^ religionis verordneten Reichscommission zu gehen 
und wider denienigen Theil, welcher sich hiezu nicht verstehen würde, 
die kaiserlichen mandata avocatoria zu publiciren, hierunter aber wider 
Churbrandenburg als primum aggressorem den Anfang zu machen. Dem 
Kurfürsten von Brandenburg soll geschrieben werden, er möge die Waffen 
niederlegen and sich bezüglich der Religionsfrage den Beschlüssen der kai- 
serlichen Commissäre fügen; dann werde der Kaiser dafür sorgen, dass Neu- 
barg sich auch füge^). Davon ist dem Hatzfeld Nachricht za geben, mit dem 
Befehle, auf die Durchführung dieses kaiserlichen Befehles za sehen. Den Kur- 
fürsten von Mainz, Köln, Baiem und Sachsen ist von diesen Entschlüssen des 
Kaisers Mittheilang zu machen. Neuburg ist zu rathen, die Waffen niederzn- 
legen, nnd die Gefahren zu schildern, die ihm bei Weigerung, dies zu thun, 
drohen. 



29. September 1651- 

29. Sept. Die Räthe finden, dass die kaiserlichen Abgesandten') sehr wohl gethan, 
dass sie sich bei Pfalz-Neuburg über dessen Stimmung in puncto depositionis 
armomm als dem Hauptwerk ihrer Commission erkundigt und ihn und den 
jungen Herrn zur gütlichen Ablegung der Waffen und Acceptirung der kaiser- 
lichen Commission in puncto religionis so beweglich ermahnt haben, da dies 
für die weiteren Verhandlungen unerlässliche Vorbedingung sei. Ob nun wohl 
der iunge Herr fast hitzig für der Stirn und sich sowohl gegen die kai- 
serlichen Abgesandten, als dem Herrn Vater selbst sehr eifrig zum Krieg 
und dessen Continuation, bis er seine Revanche und praetendirte Satis- 
faction erlangt, vernehmen lassen, so merken doch die Räthe aus des 
alten Herrn so münd- als schriftlicher Erklärung, dass derselbe mehr zu 
Fried und Ruhe, als zu weiterer Continuirung dieses unnothwendigen 
Kriegswesens Beliebung trägt, da er sich nicht blos zur Einstellung aller 
Feindschaften bereit erklärt hat, sobald Brandenburg als „primus aggressor" 
biemit den Anfang machen und die kaiserliche Commission als Richter in dem 
Religionswesen anerkennen würde, sondern das bereits aufgekündigte armistitium 
um 4 Tage verlängert hat, um den kaiserlichen Commissären Zeit zu geben 



^) Vergl. das Schreiben des Kaisers an den Kurfürsten d. d. Ebersdorf 22. Sept. 
1651, ürk. u. Act. VI. Ulf. 

') Hatzfeld und Anethan; vergl. weiter unten. 



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Gutachten über die vom Kaiser in der Jülich-clev. Frage zu beobachtende Politik. 49 

mit den Brandenburgern zu sprechen. Dieser Gommissäre Bericht ist abzuwarten 
und wenn nichts besseres als bisher einlangt, so ist der jüngsten Resolution 
gegen Brandenburg zu inhaeriren, das sich nicht fügen und die Waffennieder- 
legang mit der Ansgleichung der Religionsfrage zugleich erledigt haben will. 
Femer sei zu ersehen, dass der Kurfürst die Entschliessung in der Religions- 
frage ganz den Staaten überlassen will, was gegen die Bestimmungen des. Frie- 
dens von 1648 und gegen die Ehre des Kaisers Verstösse, daher fest auf An- 
erkennung der kaiserlichen Commission in diesem Punkte bestanden werden 
mässe. An eine Realsatis&ction seitens Brandenburg, wie sie besonders der 
junge Neuburger wünscht, ist nicht zu denken, andererseits kann man es be- 
greifen, dass Neubnrg für den erlittenen Schaden etwas will; der alte Neu- 
burger, der die Entscheidung in dieser Frage gleichfalls dem Kaiser überlassen 
will, begehrt nur, dass er dem Kurfürsten die 100 000 Thaler, welche er dem- 
selben nach dem Vertrage von 1647 zu zahlen verpflichtet ist *), nicht zu zahlen 
brauche und dass seinem Sohne 40 000 Thaler gegeben werden. Die Räthe 
glauben, Brandenburg könne einen so billigen Vorschlag nicht ablehnen und 
rathen, die kaiserlichen Gesandten dahin zu instruiren, von diesem Vorschlage 
dem Kurfürsten Kenntnis zu geben. Femer empfehlen die RSthe, es mögen 
beide Theile sich auf fürstliches Wort für sich und ihre Nachkommen ver- 
pflichten, sich nicht mehr via facti zu beleidigen; solche Versprechen sollen 
aber auch die beiderseitigen Stände geben und sich zur Opposition gegen den 
Angreifer verpflichten. 

Zur Entscheidung der Streitfragen könnten Räthe beider Partheien zusam- 
mentreten, auch Vertreter der Stände könnten .zugezogen werden ; können diese 
sich nicht einigen, so wenden sie sich an den Kaiser als obersten Richter. 
Wenn die Verhandlungen zwischen Brandenburg und Neubnrg im Gange sind, 
sollen die kaiserlichen Gesandten darauf sehen, dass der Kaiser das arbi- 
trinm und directorium mit Absonderung der holländischen Mediation erhalte; 
ferner, dass, wenn Köln mitwirken will, Mainz auch herangezogen wird; dass 
die Frage der Waffenniederlegung mit jener der Ausgleichung der Religionsfrage 
nicht conftradirt werde; dass der Religionspnnkt der kaiserlichen Commission 
zur Entscheidung zugewiesen werde. In diesem Sinne sind die Schreiben der 
verschiedenen Fürsten zu beantworten. 

(Beschlossen von Khurtz, Oettingen, Gebhard.) 

Lectum coram S. C. M^. in consilio secreto 5. Octobris 1651 et ab 
eadem concalsam, weil die Sachen durch die nach diesem geschlossenen 
voto einkommene Schreiben von den kaiserlichen Gesandten sowohl als 
beiden interessirten Theilen de datis 19., 23. und 24. Sept. näcbsthin, 
insoweit abermahlen geändert worden und sich täglich mehr ändert; 
dass den kaiserlichen Gesandten ein Recepisse zu ertheilen cum appro- 
batione actorum und dass I. E. M. das von dem Anethano Herrn Reichs- 



^) Vergl. Mömer, Kurbrandenbuigs Staatsverträge 139. 

Ifater. K. Gesch. d. G. Kurfurttan. XIV. 



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50 I- Mission Blamentbals etc. 

vicekanzler eingeschlossene Project^ Ihro allergnädigst gefallen lassen, 
weil aber Ghurpfah dem Friedeosschluss bis dato kein Genügen gethan, 
Hessen -Cassel auch Churbrandenburg nahe beschwägert, also sollten 
die kaiserlichen Gesandten bei Churbrandenburg daran sein, dass S. Ch. 
D. andere unpartheiische Chur- und Fürsten vorschlagen wollten, dessen 
sie dann Pfalz-Neuburg ebenmässig zu erinnern; 2^ dass sie die man- 
data wider Neuburg noch nicht publiciren sollen; 3^ proDQOveatur com- 
missio in puncto religionis und wann Braunsohweig auf seinem Unfng 
in puncto praecedentiae contra den Bischof von Munster beharren wollte, 
dass alsdann solche durch den Herrn Landgrafen zu Hessen fortzusetzen. 



Aus den Berichten des Melchior Grafen von Hatzfeld und 
des J. Anethan. 1651^). 

Unter dem 31. August berichtet Hatzfeld von der zu Langenschwalbach 
stattgehabten Unterredung mit dem Kurfürsten Johann Philipp von Mainz. 
Dieser lässt Isaac Volmar aus Frankfurt kommen und macht den kaiserlichen 
Vertretern Mittheilung von den zwischen Brandenburg und Neuburg getroffenen 
Verabredungen'). Ob der Streit wirklich beendet sei, was insbesondere von 
den Vertretern der Staaten gewünscht werde, um der Mediation des Kaisers 
vorzubeugen, wisse der Mainzer nicht Derselbe räth dem Hatzfeld zum 
Kurfürsten von Köln zu gehen, der ihm in allen Fällen mit gutem Rathe an 
die Hand gehen werde. Des Mainzers Ansicht ist, dass der Kaiser, falls 
eine Beilegung der Differenzen noch nicht erfolgt sei, die Mediation anbieten 
solle, um den Staaten die Erledigung dieser Sache nicht zu lassen, da in 
solchem Falle die catholische Religion unter aUen Umständen Schaden leiden 
würde*). 

Aus Engers meldet Hatzfeld dann am 7. Sept., dass er in Köln von 
Philipp Wilhelm von Neuburg vernommen habe, Kurbrandenburg bestehe bei 
der Versammlung zu Essen bezüglich der Hauptfragen und besonders der Re- 

^) Vergl. weiter unten. 

*) Vergl. dazu die Mittheilungen bei Momer, Märkische Kriegs-Obersten des 
17. Jabrh. 333 ff., die sich aber blos auf die letzten Verhandlungen beziehen; Puf. I.e. 
IV. 35; Aitzema 1. c. III. 684 ff. Biographisches über Melchior Hatzfeld, Grafen von 
Gleichen, der im Kriege gegen die Schweden eine hervorragende Rolle gespielt hat, 
im Jahre 1657 zum Führer der österreichischen Hilfstruppen gegen Karl Gustav er- 
nannt wurde und am 9. Januar 1658 starb, AUgem. deutsch. Biog. XL 35 f. 

'} Ueber den damaligen Stand der Begebenheiten, Urk. u. Act. VI. 91 ff.; Mönur 
L c. ^15 ff. 

*} Die Mainzer Resolution d d. Langenschwalbach 31. Aug. 1651 auf Hatz- 
felds Erklärungen lautet wie der Bericht Hatzfelds. Der Mainzer ist ganz für die 
gütliche Beilegung der noch bestehenden Differenzen. 



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Verhandlungen Hatzfeld's mit dem Neaburger. Dessen Gesinnung. 51 

lig;ions8ache auf seinen unbilligen Forderungen^) und bezwecke mit dem Waffen- 
stillstände nichts anderes, als die Abschaffung der lothringischen Völker aus 
seinem Lande und die Instandsetzung der Orte Hamm, Lippstadt, Soest, Biele- 
feld. Der junge Pfälzer ist für den Bruch des Waffenstillstandes ; Hatzfeld räth 
ab, fürchtet aber, dass es doch dazu kommen werde. Der Erzbischof von Köln 
Snssert sich ähnlich wie der Mainzer^ und räth dem Hatzfeld zum Branden- 
burger zu eilen, wozu Hatzfeld auch entschlossen ist. Er wünscht nur die An- 
kunft des Anethan abzuwarten'). 

Unter dem 13. Sept berichten dann Hatzfeld und Anethan über ihre den 
kaiserlichen Befehlen entsprechenden Verfügungen bezüglich der Verhandlungen 
mit den Jülich-Clev-Bergischen Ständen, die dahin führen, dass die Absendung 
einer Deputation der Stände an die kaiserlichen Deputirten behufs Anhörung 
der kaiserlichen Proposition beschlossen wird*). Verschiedene Zeichen deuten 
darauf hin, dass es zum neuerlichen Kampfe zwischen Brandenburg und Neu- 
bnrg kommen dürfte. Die Gesandten lassen den Pfalzgrafen von Neuburg 
ersuchen, jeden Bruch zu vermeiden und ihre Ankunft abzuwarten. Aus Düssel- 
dorf d. d. 16. Sept melden die Vertreter des Kaisers dann von ihrer Unter- 
redung mit Wolfgang Wilhelm, der darüber klagt, dass der Kaiser ihm die 
Action in den brandenburgischen Landen untersage. Seine Völker könnten aus 
Hangel an Fourage in den bergischen Landen nicht mehr bleiben *). Den Waffen- 
stillstand habe er aufgekündigt % weil Brandenburg in den Religionssachen nicht 
nachgebe, die Cognition und Judicatur weder dem Kaiser und dem Reiche, noch 
der Reichscommission zugestehe, sich derselben nicht unterordnen, noch für den 
zugefügten Schaden Ersatz leisten wolle. Auf diesen Forderungen bestehe aber 
der Nenbnrger und werde ohne Durchführung derselben die Waffen nicht nieder- 



') Ueber die Zusammenkunft zu Essen Morner 1. c. 324 ff.; Urk. u. Act. VI. 99 ff.; 
m. 75 ff.; Aitzema IIL 681 ff. 

*) Resolution d. d. Bonn 4. Sept. 1651. Gop. 

') Unterdessen hatte Friedrich Wilhelm in einem Schreiben d. d. Duisburg 
31. August 1651 dem Hatzfeld von dem Stande der mit dem Neuburger gepflogenen 
Verbandlungen Mittheilung gemacht, seine Friedensliebe betont und Hatzfeld ersucht, 
dahin zu wirken, dass, falls der Neuburger den Waffenstillstand brechen sollte, das 
gerechte Vorgehen des Brandenburgers anerkannt werde. In seiner Antwort d. d. Köln 
4. Sept spricht Hatzfeld die Hoffnung auf die gänzliche Beilegung der herrschenden 
Differenzen aus und kundigt seine Reise an den Hof des Kurfürsten an, wozu er durch 
ein neues dringendes Schreiben Philipp Wilhelms von Neuburg d. d. Köln 5. Sept. 
aufgefordert wird. 

*) Für diese Angelegenheit ürk. u. Act. V. 534 ff. 

^) In diesem Sinne lautet das Schreiben des Wolfgang Wilhelm d. d. Düsseldorf 
8. Sept 1651. 

^j Schreiben des Neuburgers an den Brandenburger d. d. Düsseldorf 13. Sept. 
1651. In dem Antwortschreiben d. d. Gleve 14. Sept. weist Friedrich Wilhelm die 
Behauptung, als habe er den Waffenstillstand gebrochen, zurück, macht den Neu- 
burger für alle Folgen verantwortlich und erklärt seinem Feldzeugmeister Sparr Be- 
fehl ertheilt zu haben, womöglich die Ruptur zu yerhindern. 

4* 



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52 I- Hission Blumenthals etc. 

legen. Die Vertreter Ferdinand III. betonen in ihrer Erwiderung die Fordemng 
der Waffenniederiegung und erklären, der Kaiser werde jenen, der zaerst von 
Feindseligkeiten absteht, unterstützen. Bisher habe der Kaiser den Neuburger 
unterstutzen können, weil auf dessen Seite das Recht gewesen; sollte der Nen- 
burger aber jetzt, wo doch der Brandenburger die Truppen abgeführt und den 
Waffenstillstand beobachtet habe, den Krieg beginnen, blos auf die Vermuthnng 
hin, dass Brandenburg die kaiserliche und die Reichsiudicatur zurückweisen 
werde, so wurde der Kaiser seine Hand nothwendig von Neuburg ab- und 
Brandenburg zuwenden. Nichtsdestoweniger blieb Wolfgang Wilhelm dabei, die 
Waffen erst dann niederlegen zu wollen, wenn der angerichtete Schaden wider 
gut gemacht und gegen künftige Sch&den entsprechende Fürsorge getroffen sein 
würde*). £ine ähnliche Unterredung findet am folgenden Tage zwischen den 
kaiserlichen Commissären und dem jungen Pfalzgrafen Philipp Wilhelm statt, 
nur dass dieser noch viel heftiger als sein Vater gegen das Vorgehen FriedriclL 
Wilhelms von Brandenburg spricht, die Nothwendigkeit eines Schadenersatzes 
noch starker betont und auf die in diesem Momente seinem Vater zur Ver- 
fügung stehenden HUfskräfte hinweist Auch ihm gegenüber betonen die kaiser- 
lichen Gommissäre die Nothwendigkeit der Waffenniederiegung und machen auf 
die grosse Gefahr aufmerksam, die dem Pfalz Nenburger von den Qeneralstaaten 
im Falle eines neuen Waffenganges drohe. Nach langen Bemühungen gelingt 
es den kaiserlichen Bevollmächtigten Philipp Wilhelm zu dem Versprechen zu 
vermögen, den Marsch der neuburgischen Truppen bis nach erfolgter Unter- 
redung der kaiserlichen Gommissäre mit dem Kurfürsten von Brandenburg zu 
verschieben. Hatzfeld und Anethan denken am 17. Sept. nach Gleve zu reisen. 
Von dort berichten sie denn auch am 19. Sept. über ihre Verhandlungen mit 
Friedrich Wilhelm^. Die kurfürstlichen Käthe, die zu den Unterredungen be- 
stimmt werden, unter anderen Moritz von Nassau, behaupten, der Neuburger 
habe keine Veranlassung zur Aufkündigung des Waffenstillstandes gehabt und 
Seidel, einer der Deputirten des Kurfürsten in £ssen, berichtet über die daselbst 
gepflogenen Berathungen in ganz anderer Weise als die Vertreter Kölns und 
Neuburgs. Seidel erklärt, Brandenburg habe die kölnischen Forderungen, welche 
pro ultimo gradu die kaiserliche und Reichsdecision vorschlagen, keinesweges 
zurückgewiesen, sondern nur Bemerkungen gemacht, die in substantia dem Vor- 
schlage nicht zuwider waren. Allein von Seite der Staaten sei gegen diese 
kölnische Proposition, die ganz dem Gebrauche bei Mediationen zuwiderlaufe, 
— da man den Staaten von derselben keine Mittheilung gemacht habe — Pro- 
test erhoben und der Kurfürst mit Rücksicht auf seine Stellung zu den Staaten, 
die seine festen Plätze innehätten, zur Nachgiebigkeit genöthigt gewesen. Die 
Deputirten des Kurfürsten berichten ferner, dass die staatischen Deputirten') 

Auf die schriftliche Proposition der kaiserlichen Gommissäre d. d. Düsseldorf 
14. Sept. erwidert Wolfgang Wilh. in der oben mitgetheilten Weise am 16. Sept. 1651. 

*) Die schriftliche Proposition der Kaiserlichen ist datirt Gleve 19. Sept. 1651 ; 
vergl. Momer 1. c. 333. 

*} Die staatischen Deputirten waren Joh. v. Gent, Jakob Wassenaer von Opdam, 
Anton Karl Parmentier und Joh. yan der Beek. 



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Yerhandlangen der kaiserlichen Commissäre mit den Brandenburgern. 53 

ein Project aufgesetzt, den kölnischen Depntirten commnnicirt und in beider 
I^amen den brandenburgischen und neuburgischen ') Vertretern extradirt hätten, 
Ton denen die ersteren es angenommen, die letzteren es zurückgewiesen hätten'); 
dasselbe sei mit einem zweiten Vorschlage geschehen *), worauf dann von Seite 
des Neaburgers die Aufkündigang des Waffenstillstandes erfolgt, sei. Die kai- 
serlichen Räthe machen den Earfürsten darauf aufmerksam, dass er sich der 
Mediation der Staaten entledigen könnte, wenn er sich der Entscheidung des 
Kaisers und des Reiches, durch Annahme der dieserseits aasgegangenen Com- 
mission, unterwerfen wollte*). 

unter dem 28. Sept. berichten die Vertreter Ferdinand III. von ihren wei- 
teren Bemühungen. Anethan war nach Dusseldorf gereist und hatte dem Neu- 
burger am 23. Sept. in Gegenwart des Vicekanzlers Althoff über die mit den 
brandenburgischen Deputirten gepflogenen Berathungen Mittheilung gemacht. 
Auf die erste Proposition der kaiserlichen Commissäre, in welcher Niederlegang 
der Waffen, Annahme der Reichscommission, Satisfaction ratione danini und Ver- 
änderungen für die Zukunft gefordert wurde (d. d. 19. Sept. 1651), habe der Kur- 
fürst erwidert, er habe die Waffen niedergelegt und sei auch jetzt bereit Frieden 
zu halten, wenn auch Neuburg abrüste. Der Reichscommission wolle er sich nicht 
entziehen, nur eine ausserordentliche Commission wolle er nicht anerkennen^. 
Die Staaten und Köln hätten die Sache auch bereits sehr weit geführt. Satis- 
faction wird der Kurfürst dem Neuburger nicht geben, auch die Schuld von 
100 000 Thaler, welche bereits dem Grafen von Schwarzenberg cedirt sei, nicht 
erlassen; dagegen muss der Neuburger für den in der Waffenstillstandszeit in 
der Grafschaft Mark zugefügten Schaden Ersatz leisten^). Bezüglich der Asse- 
«nration lässt es der Kurfürst geschehen, dass der kaiserlichen Commissäre 
Vorschlag zu Folge, die Assecuration auf beider Kurürsten und Fürsten Parole 
und Zusage bestehe und dass darüber vom Kaiser eine Conservation ertheilt 



') Brandenburgs Vertreter in Essen waren Graf Job. Moritz von Nassau, Eras- 
mus Seidel, Job. Portmann und Adam Isinck. 

') Freiherr Heinrich v. Walpot, Freiherr von Weschpfennig, Joh. H. v. Winckel- 
bausen, Dietrich v. Althoff, B. Snell und Dr. Voetz. 

') Dieser Vorschlag lautete: Es soll in den Relit^ionsan^elegenheiten alles pro- 
visionaliter so gelassen werden, wie es gegenwärtig ist; sowohl röspectu der Kirchen 
mit den dazu gehörigen Renten und Einkommen, als des public] et privati exercitii, 
jedoch dass die Freiheit der Conscientien in allen Orten solle zugelassen werden 
und dass, wenn wegen dieser Angelegenheit eine Einigung nicht erzielt werden konnte, 
ein Krieg nicht begonnen werden sollte. 

*) Dieser Vorschlag lautete: Beide Theile sollen innerhalb einer festzusetzenden 
bestimmten Zeit die Waffen niederlegen und ihr Kriegsvolk abdanken; die übrigen 
Differenzen, tarn in ecclesiasticis quam politicis, sollen in dem Stande bleiben, wie 
sie vor gegenwärtiger Armatur gewesen. 

^) Vergl. auch das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser d. d. Cleve 19. Sep- 
tember 1651. ürk. u. Act. VI. 108ff. 

^ Die ausführliche Begründung dieses Punktes bei Mörner 1. c. 334 f. 

Mörner 1. c. 334 f. 



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54 I* Mission Biumenthals etc. 

werde >). In der Antwort auf diese Erklärung betonen die Gesandten des Kai- 
sers nochmals die Nothwendigkeit der Annahme der vom Kaiser vorgeschlagenen 
Reichscommission und legen dem Kurfürsten ein Ausgleichsproject vor, nach 
welchem die Streitigkeiten der beiden Fürsten sowohl wegen der Kirchen und 
der geistlichen Güter, als auch des publici et privati exercitii religionis von 
den vom Kaiser in dieser Religionssache bereits verordneten Commissären, dem 
Bischöfe zu Münster und dem Herzoge von Braunschweig-Lüneburg, dahin ent- 
schieden werden sollen, ob diese Streitfrage durch die Friedensbestimmnngen 
von 1648 bereits erledigt sei oder nicht. Falls die Entscheidung negativ 
ausfällt, dann sollen nebst der kaiserlichen Commission die Delegirten der Kur- 
fürsten und Fürsten über den Inhalt des Vertrages von 1647 und der Rever- 
salen von 1609 entscheiden. Beiden Theilen ist überdies erlaubt, zu den vom 
Kaiser verordneten Commissären noch ein und anderen Reichsfürsten pari nu- 
mero religionis dem Kaiser zu denominiren, die dann der Commission zu ad- 
Jungiren wären. Kommt es dann zu keiner Einigung, oder billigt einer der 
Theile die getroffene Entscheidung nicht, so soll der Kaiser mit Zuziehung an- 
derer uninteressirter Fürsten, oder auf dem Reichstage entscheiden und diese 
Entscheidung muss anerkannt werden. Alles bleibt bis dahin in dem Stand, 
wie es sich jetzt befindet und es darf unter keinem Vorwand zu den Waffen 
gegriffen werden. Auch üb^r die Satisfactionsansprüche wird die erwähnte 
Commission entscheiden. Sobald dieser Vergleich unterzeichnet ist, soll die 
Kriegsverfassung abgestellt werden. Der Kurfürst erwiderte auf diese Anträge, 
er wolle aus Rücksicht für den Kaiser diese Vorschläge annehmen, und^ 
bestimmte seinerseits als Commissäre den Kurfürsten von Heidelberg, den 
Herzog August zu Braunschweig und den Landgrafen Wilhelm von Hessen- 
Cassel. Doch Hess er in dem von ihm ausgestellten Projecte den Passus wegen 
der Erledigung der Satisfactionsansprüche aus und fügte der Stelle bezüglich 
Belassung der Dinge in dem gegenwärtigen Stande bis zur Austragung, die 
Worte hinzu ^und dass die Verhältnisse durantibus hisce motibus den 
Catholischen oder Evangelischen zum Nachtheil nicht verändert, .... 
auch an den Orten, da weder publicum noch privatum exercitium reli- 
gionis de praesenti ist, soll es ratione libertatis conscientiae und was 
dem anklebet, dem instrumento pacis gemäss gehalten und auch Nie- 
mand deswegen . . . beschwert werden, auch beiden Chur und Fürsten 
freistehen, mit solchen officiis, so von einem dependiren, zu Zeiten die- 
jenige, so nicht von ihrer Religion sein, zu versehen". Alle Bemühungen 
der kaiserlichen Commissäre, den Kurfürsten znr Annahme des kaiserlichen 
Projectes zu vermögen, scheitern. Der Herzog von Neuburg beklagt sich schrift- 
lich 2) und mündlich Aiiethan gegenüber über des Kurfürsten von Brandenburg 
Vorgeben, insbesondere über die von Brandenburg zur Ergänzung der Com- 
mission vorgeschlagenen Forsten. Die Vertreter des Kaisers berühren diesen 

Ebendaselbst. 

*) Schreiben des Herzogs Wolfgang Wilhelm d. d. Düsseldorf 25. Sept. 1651. Cop. 



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Erklärungen des Kurfürsten von Brandenburg. 55 

Punkt bei ihren weiteren Verhandlnngen mit den Brandenburgern, doch vermei- 
den sie, deswegen einen Brach herbeizuführen. Der Kurfürst entschliesst sich 
auf den Vortrag der Gesandten hin, die Commission anzunehmen, bleibt aber bei 
der Adjanetion und schlägt die Fürsten von Heidelberg und Hessen-Gassel vor; für 
den Ersteren könne auch der Fürst von Anhalt gewählt werden. Die Räthe be- 
tonen in ihrer Antwort die Nothwendigkeit der Unterwerfung unter die Reichs- 
commission, doch bleibt der Kurfürst bei der Adjunction. Nach neuen Verhand- 
lungen am Nachmittage des 27. kommt es dann zu einer Einigung, die im 
wesentlichen den Intentionen des Kurfürsten entspricht '). Mit Rücksicht darauf, 
dass bei längerer Dauer des Streites die Staaten, und andere Mächte sich zum 
Nachtheil des Reiches und des Kaisers in den Streit mischen könnten, haben 
die kaiserlichen Commissäre die von Brandenburg salva adjunctione acceptirte 
Commission „als eine gnugsame Parition dero kaiserlichen Befelchs ange- 
nommen und in übrigen strittigen Punkten den Recess mit den Chur- 
brandenburgischen abgehandelt. Acceptiren nnn S. F. D. denselben, so hat 
es darbei sein Verbleiben, widrigenfalls und da insonderheit Pfalz-Neu- 
burg dero Waffen fort operiren lassen wollten, ist ans kein ander Mittel 
solches zu stillen übrig, als die Publication £. K. M. Avocatorien und 



') In einem Gutachten vom 27. Sept geben die kaiserlichen Commissäre dem 
Kurfürsten Kunde von den EntSchliessungen des Neuburgers, der bezüglich des Ver- 
gleicbsobjectes vornehmlich Aufnahme des Passus über die Satisfaction, Auslassung 
der Adjanetion und die Belassung der weltlichen und kirchlichen Dinge bis zur 
Entscheidung in dem gegenwärtigen Zustande ohne den von Brandenburg geforderten 
Anhang wünscht. An der Berathung, welche darauf am Nachmittage stattfindet, 
nehmen Hatzfeld, Anethan, Meel, und von Seite Brandenburgs Moritz von Nassau, 
Blumentbai, Seidel und Portmann (theil. Portmann, der im Namen des Kurfürsten 
spricht, erklärt, sein Herr müsse bei der Adjunction bleiben, wolle aber als Zeichen 
besonderen Entgegenkommens andere Fürsten statt Heidelberg und Hessen-Cassel 
wählen, wenn Neubnrg mit der Denomination vorangehe. Bezüglich der Satis- 
faction ist der Kurfürst bereit, obgleich er von dem Neuburger für den in der 
Grafschaft Mark erlittenen Schaden Ersatz zu fordern berechtigt sei, gegenseitige 
Aufhebung zu proponiren. Anethan erwidert, er habe alles aufgeboten um den 
Neuburger für die Adjunction zu gewinnen, doch seien seine Versuche erfolglos 
gewesen. Nach längerer Berathung erklären dann die Brandenburger als letztes 
Zeichen des Entgegenkommens „die uf den Bischofen zu Münster und Braunschweig 
erkannte Commission dergestalt zu acceptiren, dass diesen verordneten beiden 
kaiserlichen comioissariis noch zwei andere, dem instrumento pacis gemäss, adjiingirt 
und zu Fortsetzung der Commission man sich beiderseits eines gewissen termini ver- 
gleiche^. Brandenburg schlägt neben Braunschweig, so vorhin hierzu dependirt, den 
Fürsten von Anhalt und Grafen von Nassau- Dillenburg vor; der Kurfürst ist aber 
auch zufrieden, wenn einer allein nach Belieben adjungirt wird. In diesem Sinne 
warde dann der Revers ausgefertigt; als Vertreter des Kurfürsten neben Münster und 
Braunschweig, Anhalt und Nassau- Dillenburg genannt; bezüglich der Religion der 
Anbang Brandenburgs gestrichen und nur der Passus beibehalten „auch niemand der 
Religion halber wider das instrumentum pacis beschwert werden **. 



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56 !• Mission Blumenthals etc. 

dass wir S. F. D. zu anserer Ankunft, die Gefahr, worin sie sich und 
ihr Haus durch Continuation des Kriegs stürzen, wohl remonstriren.^ 
In einem P. S. melden sie ihre Ankunft in Düsseldorf und dass der Herzog 
von Neubarg zwar mit der Praeterition des pnncti satisfactionis nicht wohl zu- 
frieden gewesen, jedoch sich vor Verlesung des Vergleichsprojectes nicht habe 
erklären wollen. Die Verhandlungen mit dem Neuburger sind von Erfolg begleitet. 
Die Gesandten können dem Kaiser am 6. Oct melden, dass sie das Vergleichs- 
project mit dem Neuburger „und zwar nicht ohne grosse Difficultät und Oppo- 
sition dergestalt abgehandelt, dass wir dasselbig bei I. Gh. D. zu Brandenburg 
zur Expedition zu bringen verhoffen^. üeber diese letzten Verhandlungen beim 
Brandenburger und Neuburger berichten die Gesandten dann in dem umfang- 
reichen Schreiben d. d. Köln 21. Oct. 1651. 



Hatzfeld and Anethan an den Kaiser. Dat. Köln 21. October 

16510. 

[Verhandlungen mit den Brandenburgern. Ausfertigung der Recesse.] 

21. Oct. E. K. M. Courier hat uns zwei dero Befehlschreiben vom 26. Sep- 
tember das jülich'sche Kriegswesen und die deswegen uns allergnädigst 
aufgetragene Commission betreffend in Cleve am 9. dieses wohl über- 
liefert, daraus E. K. M. allergnädigsten Willen, so dieselbe in unverzüg- 
licher Niederlegung der von beiden Herrn Chur- und Fürsten ergriffener 
Waffen und was wir zu Erreichung solchen Zwecken bei einem und an- 
dern neben Einhändigung der an dieselbe abgelassene Schreiben vor- 
und anbringen, auch endlich mit Insinuation der Mandaten verfahren 
sollen, mit allerunterthänigster Veneration ablesend wohl eingenommen 
und des Empfangs allergnädigsten Befehls uns trefflich bedienet, weilen 
am churbrandenburgischen Hof in zwei Tagen zu keiner Conferenz, we- 
niger zur cathegorischen Resolution in etlichen noch unverglichenen 
Punkten über das mitgebrachte Pfalz-Neuburgische Project gelangen 
können und wir dahero mutmassen müssen, ob hätte die zur Beilegung 
dieser Streitigkeiten vorhin dies Orts gerühmte und contestirte zum 
Frieden zielende gute Inclination durch die annoch zu Cleve sich be- 
findende Deputirte der H°. Staaten sich in etwas geändert. Diebald 
aber E. K. M. Schreiben S. Ch. D. zu Brandenburg zu Händen kommen, 
wir auch vorhero den zur Conferenz deputirten Räthen von empfangener 
Instruction und kaiserlichen Mandaten Apertur gethan und auf schrift- 
liche cathegorische Resolution — soviel die Disarmirung verlangt — , ge- 

^) Aus dem Dresdner Archiv, nach einer mir yon Prof. W. Arndt in Leipzig zur 
Verfügung gestellten Abschrift. 




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Verbandlangen der Commissäre mit dem Brandenburger. 57 

drungeo, sind die Räthe bei uns erschienen und endlich nach langem 
dispntiren, auch auf- und abreferiren beigehenden Originalrevers *), unter 
geschöpfter gewissen Zuversicht I. F. D. des H". Pfalzgrafen daraus er- 
folgender Ratification abgehandelt und ausgefertigt, in Erwägung dieselbe 
vermög Extracts protocolli') bei der Abreis nach Cleve sich dahin be- 
ständig erklärt und zu Bezeugung ihrer endlichen Resolution sich co- 
piam protocolli geben lassen, falls nemlich mit Churbrandenburg auf das 
Pfalz-Neuburgische mitgegebene Project nicht schliessen könnten, dass wir 
alsdann im Tractat und im Schluss auf das erste so wir von Cleve mit- 
bracht; auch punctum satisfactionis, wann derselbig ja nicht in den Re- 
cess zu bringen wäre, auslassen möchten, auf welche Pfalz-Neuburgische 
Veranlassung wir dann desto sicherer bei Schliessung des Vergleichs 
gehen können. 

Uns hätte zwar obgelegen, E. E. M. Befehl und Instruction zu Folge 
die H°. Chur- und Forsten alsobald bei Anfang unserer Negotiation aus 
den Waffen zu bringen, dazu auch billig das grosse Verderben unschul- 
diger Land und Leute dieselbe von sich Selbsten bewegen sollen, es hat 
aber bei beiden Theilen daran erwunden, dass Churbrandenburg die 
Reichscommission auferlegter Massen ohne Adjunction einiger Stände 
von der reformirten Confession nicht acceptiren wollen, hingegen Pfalz- 
Neuburg bei Antretung der Commission und hernach bis auf unsere 
letztere Abreis nach Cleve ganz beständig vor Abfuhrung und Licentirung 
ihrer Völker auf wirkliche Refusion der Kriegsschäden und Kosten, oder 
dass ihre dieselbe im Recess rechlich auszuführen vorbehalten werden 
sollte, bestanden, welche beide puncta die Tractaten und consequenter 
die Disarmirung bei beiden Theilen und insonderheit bei Pfalz-Neuburg 
darum retardirt, dass L D. behaupten wollen, E. K. M. und wir in dero 
Namen, hätten deroselben die Niederlegung der Waffen sub conditione 
anbefohlen, wann Churbrandenburg zuvor disarmiren, die Reichscom- 
mission annehmen und wenigstens die prätendirte Satisfaction zu E. K. M. 



') Abgedruckt bei Londorp VI. 632; Dumont Via. 22; Lünig Reicbsarchiv p. 
spec. IV. 138; Auszug bei Momer, Kurb. Staatsvertr. 164. 

*) Extract protocolli über die Pfalz-Neuburgiscbe Deciaration Yom 5. Oct. 1651. 
Am 8. Oct zu Cleve verlangen die kaiserlichen Gesandten von Friedrich Wilhelm 
Annahme des pfalzischen Projectes, die Abänderungen, die der Pfölzer vorgenommen, 
beschränken sich doch auf Worte; der Kurfürst meint, der Pfälzer sei ein gefthrlicher 
Mann und erklärt, nachdem er den Vertrag durchgelesen, lieber niemals seine Ein- 
willigung zur Unterzeichnung geben zu wollen, .als von ihrem Ingress, darin die Re- 
versalen de anno 1609 und der Provisionalvertrag de anno 1647 pro causa suscepti 
belli gesetzt werden, abstehen und diesen passum aus dem Recess lassen wurden". 



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58 !• Mission Blumenthals etc. 

DecisioD stellen würde. Ueber welche conditiones man vor allem hmc 
inde handeln und darin Richtigkeit treffen und die dazu erforderte Zeit 
anwenden müsse . . . 

Was sonsten bei den Conferenzen gegen einander vor- und ange- 
bracht worden, das ist von dem zur Commission angenommenen secretario 
protocoUirt worden'); daraus abzunehmen, dass das Proemium des Re- 
cesses zu verschiedenen Malen geändert werden müssen, endlich auch 
die Tractaten einzig und allein darum auf der Ruptur bestanden, weil 
Churbrandenburg causam belli auf die reversales und Provisionalverträge 
de anno 1647 sehen, hingegen Pfalz -Neuburg vieler Ursachen wegen 
nicht nachgeben wollen, dahero wir auf cathegorische Resolution über 
die von E. K. M. gnädigst anbefohlene Deposition der Waffen gedrungen *), 
nach deren Erlangung ohne weitere Handlung in übrigen Punkten, unsem 
Abschied nehmen, und nachdem hierüber die Resolution gefallen, von 
Köln aus E. M. Befehl gemäss, die eingeschickte mandata poenalia durch 
einen kaiserlichen Herold publiciren lassen wollen; dessen auch die chur- 
brandenburgische ministri von uns avisirt worden. Es haben aber end- 
lich I. Ch. D. sich eines andern bedacht und mit uns geschlossen, wie 
oben angezogene Original-Recess mehreres ausweiset, S. Ch. D. gleichwohl 
vor der Subscription und Siegelung einen von uns in Vorschlag gebrachten 



*) Die Protocolle umfossen die Zeit yom 8.— 12. Oct. 

Am 8. Die kaiserlichen Gesandten lassen nach langen Verhandlungen den pfalz- 
neuburgischen Ingress fallen und es wird bestimmt, dass der Ingress in genere gesetzt 
werden soll; im übrigen setzen die kaiserlichen Gesandten auseinander, wie sie von 
dem Pfalzer das Projeet erhalten. 

Am 10. berichtet Blomenthal, der Knrfarst habe im Interesse des Friedens so 
manches nachgesehen; der Ingress soll so eingerichtet werden, ,dass oecasione der Re- 
versalen und vorigen Verträge, wie auch Religionswesens die jetzigen Missverstand- 
nisse, Irrungen und Gebrechen und darauf erfolgte Kriegsverfassung entstanden*^. Die 
kaiserlichen Gesandten erklären, das werde Pfalz-Neuburg niemals unterzeichnen, man 
könne es auch nicht fordern; man möge vielmehr die Sache so einrichten, man sei 
beiderseits in unvorhergesehenen Krieg und Thätlichkeit gerathen. Die brand. Räthe 
nehmen dies ad ref'-rendum. Auch ober andere Punkte wird verhandelt. Die Räthe 
begeben sich zum Kurfürsten, der sich in allem den kaiserlichen Rathschlägen fügt, 
nur den Ingress so will, wie seine Räthe angegeben haben. Die kaiserlichen Räthe 
erklären, das könne nicht sein. 

Am 11. einigt man sich dann bezüglich des Ingresses dahin, dass die von Bran- 
denburg gewünschten Worte in den Vertrag nicht aufgenommen werden, dagegen ihm 
ein Revers von den kaiserlichen Gesandten ausgestellt werden soll, „dass durch die 
Auslassung der in ingressu brandenburgico gesetzten Worte oecasione der Reversalen 
nnd Verträge, ihro kein Präjudiz inskünftig zugezogen werden wolle". 

') Memorial der kaiserlichen Gesandten an Brandenburg s. d. 




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Ausfertigung der Recesse. 59 

Schein de non praejudicando begehrt, warob wir kein Bedenken getragen, 
sondern denselben ausgefertigt*) und damit bei S. Ch. D. Abschied ge- 
nommen, dabei sie Namens E. K. M. sincerirt, dass was bei dieser Hand- 
lang vorgegangen und kaiserlichen Amts wegen und auf Einrathen der 
uninteressirten Herrn Fürsten, E. K. zu thuen veranlasset worden, zu 
anders nicht angesehen noch gemeint gewesen, als zwischen-beiden hohen 
Chur- und fürstlichen Häusern und deren von soviel Jahren her durch 
Kriegsgewalt gleichsam eviscerirten Landen, Fried und Einigkeit zu stif- 
ten .... Der Kurfürst dankt den Gesandten des Kaisers für ihre BemühuDgen. 
In Düsseldorf — wohin sich die beiden Räthe begaben — wurden erst 
Schwierigkeiten erhoben, endlich aber der Vertrag am 16. unterzeichnet^), den 
die Gesandten dem Kurfürsten gesendet haben. Sie haben sich darauf nach 
Köln begeben, um darauf zu achten, ob von beiden Seiten den Bestimmungen 
des Vertrages gemäss vorgegangen wird, und ersuchen den Kaiser die beiden 
Fürsten zur schleunigen Ratification des Vertrages aufzufordern. 



*) Reversus de non praeiudicando wegen des ausgelasseneu churbrandenburgl- 
schen Ingress im Vergleich. Cleve 11. Oct. 1651. 

Die Worte ^zu wissen demnach zwischen Brandenburg und Pfalz-Neuburg, wegen 
der Reversalen de anno 1609 und Provisionalvergleiches de anno 1647 Gebrechen und 
Irrungen und dabero Krieg und Tbätlichkeiten entstanden* sind auf Bitten der Ge- 
sandten von Fr. Wilh. endlich a\)8gelassen worden. Die Gesandten erklären, dass die 
Auslassung weder in agendo noch excipiendo noch in einige andere Wege an ob* 
gedachten ihren juribus, actionibus et praetensionibus yor der Reichscommission, noch 
sonsten vor Tribunalien im heiligen röm. Reich ihro schädlich noch präiudicirlich 
sein solle. 

') Doch wurden die Gesandten auch hier zur Ausstellung eines Reverses ge- 
nötbigt xsuper otnmissa satisfactione et transpositione reversalium** d. d. Düsseldorf 
16. Oct. 1651, durch welchen Pfalz-Neuburg erklärt, seine Satisfactionsansprüche 
aufrecht zu erhalten, sich auch nicht gebunden zu erachten, die im Vertrage 
von 1647 Brandenburg schuldig gebliebenen 100 000 Thaler zu zahlen. „Auch 
habe sich Pfalz-Neuburg bei Ausfertigung des Recesses ob der gethanen Trans- 
position der Reservalen de anno 1609 und dem Provinzialvertrag de anno 1647 be- 
schwert gemacht und dabei bestanden, dass bei der Recommission über den Verstand 
gemeldeten Vertrages vorher cognoscirt und gesprochen werden müsse, ehe und zuvor 
die Reversalen und deren intellectus ad cognitionem et decisionem kommen könnten. 
Die kaiserlichen Gesandten bezeugen dies und dass sie sowohl als die Churbranden- 
burgischen bei Abhandlung des Recesses und darin gesetzter Reversalen und Vertrags 
allein ad ordinem temporis (indem die Reversales älter sind als der Provisionalvertrag) 
geschehen, sonsten aber I. F. D. die kaiserlichen Gesandten zu benehmen gar nicht 
gemeint gewesen, quo ordine sie bei der Commission den Provisionalvertrag und die 
Reversalen und die daraus habende jura et actiones in ihren Schriften ein- und aus- 
zuführen, am rathsamsten erachten und halten werden. 



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60 !• Mission Blumenthals etc. 

Jägerndorfische Prätension. 

Von Brandenburg wird 10./20. Nov. 1652 eine species facti übergeben, die 
Restitution des Furstenthums Jägerndorf betreffend. Die wesentlichen Grunde, 
welche die Brandenburger in ihrer species facti für ihre Sache anführen, sind: 
1^ dass Jägerndorf ein Allod ist; 2°. dass es daher Fideicommiss der Familie 
ist; 3^ wegen des Verbrechens des Markgrafen Hans Georg confiscirt worden 
sei und 49, dass der Kaiser die Billigkeit der brandenburgischen Forderungen 
einsehend, im Jahre 1636 versprochen habe, den Kurfürsten anderweitig zu ent- 
schädigen. 

Die kaiserlichen Käthe verfassen über diese species facti ein Gutachten. Sie 
bezweifeln die Richtigkeit der Behauptung, dass Jägerndorf als Allod verkauft sei ; 
wenn aber, so binde das den Kaiser nicht, weil so etwas nur inter parates Bedeu- 
tung habe. Konig Ludwigs Consens von 1523 sei nicht absolut, dass die Mark- 
grafen mit diesen Gütern thun konnten, was sie wollten, weil der Consens express 
auf Markgraf Georg, seinen Bruder und ihre Erben restringirt sei, worunter die 
Kurlinie, Agnaten im 14. oder 15. Grade, nicht eingeschlossen sei. Auch ist die 
Clausel angehängt, dass sie von diesen Gütern verpflichtet sind zu leisten, was 
die übrigen Vasallen leisten, femer ist dieser Besitz als Gut und nicht als 
Fürstenthum in diesem Jahre gekauft worden, noch im selben Jahre aber zum 
Fürstenthum gemacht worden, da in einem Schreiben vom selben Jahre der 
Markgraf, Herzog in Schlesien zu Jägemdorf genannt wird; daher, weil alle 
Herzogthümer in Schlesien, keines ausgenommen, feuda sind, auch Jägemdorf 
ein feudum gewesen sein muss; was um so sicherer ist, als Markgraf Georg 
Friedrich des erstgenannten Georgs Sohn 1557 und 1567 der Eid als Lebens- 
mann geleistet hat. Ja es ist aus den Schreiben von 1607 und 1624 zu er- 
sehen, dass der Markgraf wiederholt um die Vollmacht ersucht hat, über seinen 
Besitz frei verfügen zu können, was ihm aber nicht gestattet wurde; was er 
nicht gethan hätte, wenn Jägerndorf Allod gewesen wäre. Dann behaupten 
die Brandenburger, der letzte Besitzer hätte durch Testament Jägemdorf an die 
Kurlinie abgetreten; erstens ist eine solche Bestimmung nicht vorgewiesen wor- 
den, und zweitens wäre eine solche Verfügung eines Lehensmannes ohne Ge- 
nehmigung des Lehensherm nicht statthaft. Damit ist der 3. Einwurf widerlegt, 
dass Jägerndorf wegen der Verbrechen Hans Georgs eingezogen worden sei. Was 
die Vertröstung von 1636 betrifft, so ist in derselben nur von einer Belohnung 
für alte und neue Verdienste die Rede, nicht von Restitution von Jägerndorf. 
20. Die Berichte der kaiserlichen Gesandten ans Regensburg zeigen, dass Bran- 
denburgs Vertreter ausdrücklich erklärt haben, sie hätten nicht Befehl von des 
Kaisers Erblauden Satisfaction zu fordern. Trauttmannsdorff habe die branden- 
burgischen Gesandten zu Osnabrück fragen lassen, ob, wenn man Brandenburg 
das Stift Minden überlasse, es seine Prätension auf Jägerndorf fallen lassen wolle. 
Da nun die Sache sich so verhält, der Besitzer Jägerndorfs, Fürst Carl Eusebius 
von Lichtenstein, den Kaiser um Wahrung seiner Rechte ersucht, halten die 
Räthe dafür, man möge die brandenburgischen Räthe davon verständigen und 
hinzufügen, dass der Kaiser im übrigen sich der treuen Dienste des Hauses wohl 



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1» Jägerndorfiscbe Praetension. gl 

erinnere, und es auch bei dem, was den 12. Nov. 1636 beschlossen, bewenden 
lasse und sich bei Gelegenheit so erklären wolle, dass der Kurfürst die kaiser- 
liche Affection zu verspüren haben werde. 

Am 18./28. Nov. wurde den brandenbnrgischen Käthen dies mitgetheilt; 
diese antworteten durch ein neues Memorial, in welchem sie ihre früheren Be- 
hauptungen vertreten und schliesslich um Restitution von Jägerndorf oder ein 
Aequivalent, wie das Herzogthum Grossglogau für Jägemdorf und die Bres- 
lauer Schuld*), bitten. 

Während des Reichstages zu Regensburg wurden von Seiten der Branden- 
burger immer wieder Versuche gemacht, in den Fragen bezüglich Jägerndorfs und 
der Breslauer Schuld eine Entscheidung herbeizuführen. Das wesentliche ist 
aus den Berichten der brandenburgischen Vertreter ürk. u. Act. VI. 148 ff. zu 
ersehen. Im nachfolgenden nur einige Ergänzungen zu dem dort mitgetheilten. 

Am 13. Mai wird in der Conferenz beschlossen, auf das Memorial der 
Brandenburger vom 2./12. Mai 1653, (ürk. u. Act. VI. 209) den Brandenburgern 
bezüglich der Breslauer Schuld zu zeigen, dass der Kaiser die Sache beizulegen 
wünsche; man möge den Kaufbrief über Crossen begehren, mit ihnen in die 
Gompensationshandlung eintreten; ihnen aber auch zeigen, dass die Sache un- 
möglich vor der Abreise des Kaisers geordnet werden könne, sondern dass es 
nothwendig sei, die gänzliche Ordnung bis zur Rückkehr des Kaisers zu ver- 
schieben. Ebenso soll wegen Jägerndorf geantwortet werden, dass der Kaiser, 
was er 1636 versprochen, halten wolle. lieber die Verhandlungen, die am 
4./14. Mai mit den Brandenburgern gepflogen wurden, berichten diese d. d. 
15. Mai 1653 (Urk. u. Act. VI. 211 ff.). Am 10./20. Juni ersuchen die Vertreter 
Friedrich Wilhelms von Neuem um Aufnahme der Verhandlangen. Nachdem 
dann neue Verhandlungen gepflogen worden sind (Urk. u. Act. VI. 262 ff.), die 
aber zu keinem Ergebnisse führen, da die kaiserlichen Räthe, nachdem sie end- 
lich die Berechtigung der Breslauer Schuldforderung anerkennen, Gegenforde- 
rungen stellen (Urk. u. Act. VI. 310), welche die Brandenburger nicht gelten 
lassen woUen, wenden sich die Vertreter Brandenburgs neuerdings unter dem 
3./13. Nov. an den Kaiser mit einem Memorial, in welchem sie um Entscheidung 
des Kaisers bezüglich der Schuldfrage und Jägerndorfs bitten. Darauf erfolgt 
am 27. Nov. der Bescheid des Kaisers, der sich bereit erklärt, dem Kurfürsten 
„an den hundert Romermonaten, so P. K. M. bei dem gemachten Friedensschluss 
bewilliget, ihr Contingent von dero Churlanden, ingleichen in Erwägung, dass 
I. Gh. D. eine so geraume Zeit ihre hinterpommerische Lande entrathen müssen, 
auch von denselbigen Landen ausser denjenigen Posten, so mit I. Ch. D. Ge- 
nehmhaltung allbereit etlichen Particularen der Orten assignirt und übergeben 
worden, völlig zu überlassen. Ingleichen sind I. K. M. zufrieden, dass S. Ch. 
D. auch von den Cleve-Mark-Ravensberg-Minden- und Halberstädtischen Lan- 



Die Breslauer Schuld hieng mit brandenburgischen Darlehen an die Kaiser 
Maximilian II. und Matthias zusammen, die auf die schlesischen Einkünfte des Kaisers 
hypothecirt worden waren. Verg;l. ürk. u. Act. IV. 609, VI. 221 ff., VII. 417." Koch, 
1. c. I. 457. 



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62 ^* Mission Blumenth&ls etc. 

den ihr zustehend Gontingent an gedachten 100 Römermonaten für obgemelte 
Schuld der 180000 Thaler behalten solle.* Und wenn diese Summen nicht die 
Höhe der Schuld erreichen sollten, will der Kaiser von anderen jetzt und künf- 
tigen Reichsbewilligungen die Sache ausgleichen; aber der Kaiser versteht dies 
so, dass der Kurfürst mit Rücksicht auf die schlechte Finanzlage des Kaisers 
diesem die Zinsen erlassen wird. Was Jägemdorf betrifft, l&sst es der Kaiser 
bei dem bewenden, was 1636 geäussert worden ist, und bestimmt die Gnade, 
die er dem Kurfürsten zu Theil werden lassen will, auf 100000 Thaler. Be- 
greiflich, dass sich die Vertreter Brandenburgs mit solchen Erklärungen nicht 
zufrieden gaben; auch im Jahre 1654 wurden Verhandlungen gepflogen und 
die Vertreter Brandenburgs erklärten in ihrer Antwort auf des Kaisers Bescheid 
d. d. Regensburg 15. März/4. April als äusserstes, ihre Forderungen auf 300000 
Thaler für Capital und Zinsen formuliren zu können; die 100000 Thaler, die 
der Kaiser für Jägerndorf biete, würde der Kurfürst nur als Abschlagszahlung 
für diese 300 000 Thaler annehmen, nicht aber als Aequivalent für Jägerndorf. 
Darauf erfolgt nach Beschlüssen der Conferenz vom 25. April der Bescheid des 
Kaisers, durch den er sich bereit erklärt, die Summe von 300000 Thaler für 
die Schuld zu acceptiren, davon aber das, was für die Anweisungen auf Cleve, 
Halberstadt, Minden, Mark und Ravensberg festgesetzt worden, abziehen und 
den Rest aus den demnächst eingehenden Reichscontributionen und Bewilli- 
gungen richtig machen zu wollen. Wegen Jägemdorf aber bleibt der Kaiser bei 
dem, was er gesagt. In derselben Weise lautet der Bescheid, der am 1. Dec. 
1655 dem in Wien weilenden Loben') gegeben wird. 



Job. Friedrich von Loben; über seine Mission in Wien Urk. u. Act. VII. 
416 ff. 



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n. 
Der nordische Krieg 1655—1660. 

(Missionen Fernemont's, Schütz's, Strozzi's.) 



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Einleitung. 



Das Jahr 1654 bezeichnet den Höhepunkt der anti-österreichischen Politik 
am Berliner Hofe. Der furchtbarste Gegner Oesterreichs, der Urheber und rast- 
lose Förderer des Planes der Errichtung eines reichsständischen Bundes zur 
Abwehr der üebergriffe des Reichsdberhauptes, Graf Waldeck, geniesst das un- 
bedingte Vertrauen seines Herrn, bestimmt fast unumschränkt die Geschicke 
des Staates. Nach allen Seiten sieht er nach Bundesgenossen aus; mit den 
deutschen evangelischen und katholischen Reichsständen sowohl, als mit den 
grossen Mächten des Continentes, in erster Linie mit Schweden und Frankreich, 
sucht er Verbindungen anzuknüpfen. Zum Theil wenigstens mit Erfolg. Dass 
Ferdinand IV., der jugendliche König, nach dessen Wahl der Wiener Hof seine 
auf Stärkung der kaiserlichen Autorität im Reiche gerichteten Pläne am Reichs- 
tage ungescheut hatte vernehmen lassen, plötzlich — 9. Juli 1654 — starb, 
bestärkt Waldeck in seiner Auffassung um ein bedeutendes. Er glaubt darin 
ein sichtbares Zeichen Gottes zu sehen, auf der betretenen Bahn vorwärts zu 
gehen und seinen Herrn für die Durchführung seiner Pläne zu gewinnen, was 
ihm auch gelang. Da traten die grossen Ereignisse im Norden Europa's ein. 
Xönigin Christine entsagte dem schwedischen Throne zu Gunsten ihres Vetters, 
des Pfalzgrafen Karl Gustav, der kaum zur Regierung gelangt, die Eroberungs- 
politik Gustav Adolfs aufnahm und das von allen Seiten bedrohte, im Inneren 
verfaulte Polenreich mit Krieg überzog. Die Interessen des Brandenburgers 
waren damit in erster Linie berührt, insbesondere mit Rucksicht auf seinen 
preussischen Besitz. Dieser allein schon nöthigte Friedrich Wilhelm Stellung 
zu den kriegführenden Mächten zu nehmen, sich für oder wider Karl Gustav 
zu erklären. Eine Entscheidung von unermesslicher Bedeutung, und um so 
schwerer zu treffen, als den Auseinandersetzungen der schwedischen, wie jenen 
der polnisch-österreichischen Partei an seinem Hofe eine gewisse Berechtigung 
nicht abzusprechen war und Neigung den Kurfürsten weder zur einen, noch 
zur anderen Partei zog. Denn die Stärkung der schwedischen Macht konnte 



1) Vergl. Erdmannsdörffer. B. Graf Waldeck 152 ff. 

Mfttar. X. Gefch. d. G. Kurfürsteo. XIV. 



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66 II- Der nordische Krieg 1655—1660. 

ihm ebensowenig zaträglich erscheinen, als eine Vergrössening der kaiserlichen 
Autorität im Reiche, gegen die er soeben noch so energisch aufgetreten war. 
Es galt also lediglich die Vortheile dieser und jener Allianz gegeneinander zu 
halten, eine richtige Entscheidung darüber zu treifen, von welcher Seite er mit 
grösserer Wahrscheinlichkeit auf Unterstützung zur Erreichung des erwünschten 
Zieles als das von allem Anfange an die Souveränetät in Preussen feststand, rech- 
nen könne. Begreiflich, dass Friedrich Wilhelm eine solche Entscheidung zu 
treffen nicht wagte, ohne von Neuem nach beiden Seiten hin Unterhandlungen 
gepflogen zu haben. Jene mit dem Schwedenkönige, zu denen in erster Linie 
Waldeck drängte, führten zu keinem Resultate. Die Eroberungsgeluste Karl 
Gustavs, die mit seinen Erfolgen wuchsen, seine Absicht, Memel und Pillau zu 
gewinnen und die Geringschätzung, mit welcher er die Vertreter Friedrich Wil- 
helms behandelte, Hessen keinen Vergleich erhoffen. Die Partei der Polen- 
freunde am kurfürstlichen Hofe erlangte für einige Zeit das Uebergewicht. Mit 
den Ständen des königlichen Preussen s, mit den Staaten wurden Verträge zu 
gemeinsamer Bekämpfung der von Schweden drohenden Gefahr geschlossen, mit 
Polen in diesem Sinne Verhandlungen geführt. Auch beim Kaiserhofe suchte 
Friedrich Wilhelm nach einer Verständigung bezüglich der schwedisch-polni- 
schen Differenzen. Er liess durch Loben dem Wiener Hofe seine Geneigtheit 
dazu kundthun, freilich nicht, ohne zugleich die Beilegung der schwebenden 
Streitfragen zu fordern und seiner Plane bezuglich Preussens, — vorerst aller- 
dings in etwas verhüllter Form — Erwähnung zu thun. Löbens Sendung, 
über die im 7. Bande der „Urkunden und Acten" ausführlich berichtet ist*), 
führte zu keinem Resultate. Die Friedensliebe des Kaisers, das Bedürfnis des- 
selben nach Ruhe und sein Wunsch, seinem Sohne Leopold die Krone aufs 
Haupt zu setzen, die dessen Bruder nur so kurze Zeit geschmückt, trugen gleich- 
massig dazu bei, Ferdinand III. von jedem Conflicte mit den Schweden, deren 
Kriegstüchtigkeit er so oft erprobt hatte, zurückzuhalten. Dazu kam, dass man 
eine Vergrösserung der kurfürstlichen Macht, die Friedrich Wilhelm durch die 
Austragung der alten Streitfragen über die Berechtigung seiner Ansprüche auf 
Jägerndorf und auf die Breslauer Schuld, sowie durch seine Forderungen be- 
züglich der Souveränetät in Preussen zu erzielen hoffte, durchaus nicht wünschte 
und zur Annexion Polens, welche der Kurfürst zu billigen und zu unterstützen 
sich bereit erklärte, keine rechte Lust empfand. Dieser Stimmung entsprach 
die Haltung des Wiener Hofes. Man hielt Loben hin und entschloss sich erst 
dann zur Annahme der von Brandenburg ursprünglich gewünschten Mediation 
zwischen Polen und Schweden, als nach den glänzenden Siegen Karl Gustavs 
an einen Erfolg dieser kaiserlichen Vermittelung nicht mehr zu denken war 
und die gütliche Beilegung des Conflictes auch nicht mehr im Interesse des 
Kurfürsten von Brandenburg lag, der unterdess sich immer mehr mit dem Ge- 
danken vertraut gemacht hatte, die herrschenden Conflicte zur Erwerbung der 
Souveränetät in Preuäsen zu benützen. Begreiflich daher, dass Friedrich Wil- 
helm, der zu Ende des Jahres 1655 dieses Ziel im Anschlüsse an Schwedens 



') VU.416ff. 



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Einleitung. 67 

Gegner zn erreichen hoffte, mit den ihm seitens des kaiserlichen Hofkriegs- 
rathes Johann Reichard Grafen von Starhemberg ^) nnd seinem Gesandten Loben >) 
seitens der kaiserlichen Räthe gegebenen, allgemein gehaltenen Erklärungen nicht 
einverstanden war und auf das eindringlichste durch Loben und den zu dessen 
Unterstützung nach Wien gesendeten geheimen Rath Geor^ von Bonin*) ein Bünd- 
nis zur Abwehr der von Schweden drohenden Gefahren forderte. Zu einem sol- 
chen wollte sich aber die Wiener Regierung unter keinerlei Umständen verstehen, 
auch dann nicht, als Friedrich Wilhelm sich mcht mehr verhüllt, sondern ganz 
offen für den Plan der Erwerbung Polens für den Kaiser aussprach und zu- 
gleich die besten Versicherungen bezüglich seiner Haltung bei der nächsten 
römischen Künigswahl gab. Zweifel in die Aufrichtigkeit dieser Versprechen 
und in die Möglichkeit, sie durchzuführen, sowie das im Laufe der Jahre ge- 
steigerte Rnhebedürfhis des Kaisers, dürften neben der Abneigung desselben 
die Macht des Kurfürsten zu stärken, die Ursachen dieser ablehnenden Haltung 
des Wiener Hofes gewesen sein, der zu keinen anderen Zugeständnissen zu be- 
wegen war, als sich zu rüsten und die Vermittelung zwischen Polen und 
Schweden zu versuchen. Von dem Ausgange dieser Verhandlungen gedachte 
man die weiteren Schritte abhängen zu lassen. 

Vergebens war es, dass Friedrich Wilhelm, durch die Bewegungen des 
siegreichen Schwedenkönigs auf das empfindlichste getroffen, immer dringender 
den Abschluss eines Vertheidigungsbündnisses gegen Schweden forderte und 
die bei Verweigerung eines solchen Begehrens drohenden Gefahren betonte. 
Loben musste bemerken ^wie behutsam der Kaiser vorgeht'' und schliesslich 
seinem Herrn mittheilen, dass an eine wirkliche Unterstützung desselben durch 
den Kaiser unter den gegebenen Verhältnissen nicht zu denken sei. Für Frie- 
drich Wilhelm ein empfindlicher Schlag. Er war zu tief in die Wirren des 
nordischen Krieges verwickelt, zu nahe durch die Entscheidung desselben be- 
rührt, um die vom Kaiser empfohlene zuwartende Haltung noch weiter beob- 
achten zn können. Durch die mit dem Wiener Hofe und den Gegnern Schwe- 
dens gepflogenen Verhandlungen hatte er den günstigen Augenblick versäumt, 
auf dem Fnsse der Gleichheit mit Karl Gustav einen Vertrag zu schliessen, und 
sah sich jetzt, von dem Kaiser im Stiche gelassen, von den Staaten nur lau 
\interstützt, bei der Schwäche des polnischen Königs und der Republik, ge- 
nöthigt, das lose Unterthänigkeitsverhältnis, in welchem er zum Könige von 
Polen gestanden, mit dem harten Joche der schwedischen Lehensoberherrlich- 
keit zu vertauschen, nur um sich vor gänzlicher Unterwerfung zu sichern. Es 
war unzweifelhaft ein gewagtes Unternehmen, in das sich Friedrich Wilhelm 
einliess. Er verlor seine früheren Freunde, ohne einen neuen zu gewinnen; 
er musste fürchten, im Falle der Besiegung Karl Gustavs, von dessen Gegnern 



üeber die Sendung Starhembergs nach Berlin haben sich im Wiener Archive 
keine Documente vorgefunden; vergl. für den Verlauf dieser Mission Urk. u. Act. VIL 
423; Droysen l. c. UI,. 236. 

») Urk. u. Act. VII. 425. 

») ürk. u. Act. VIL 424, 442 ff. 



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68 11- Der nordische Krieg: 1655—1660. 

empfindlich gestraft; im Falle der Schwedenkönig siegen sollte, von diesem er- 
druckt zu werden. Trotzdem wird nicht geläagnet werden können, dass nur 
auf diesem Wege das Ziel, das Friedrich Wilhelm sich gesteckt, erreicht wer- 
den konnte. Nur indem er die Verhältnisse geschickt benätzend, sich bereits 
in dem Marienburger Bündnisse vom 25. Juni 1656*) als Bundesgenosse neben 
Karl Gustav im Kampfe gegen Polen zu behaupten wusste, indem er dann die 
schwierige Lage, in die der Schwedenkönig bald nach dem entscheidenden Siege 
bei Warschau gerieth, für sein^ Zwecke auszubeuten, sich die Souver&netät 
Preussens seitens Karl Gustavs zu sichern verstand') und dann nach glücklich 
erreichtem Ziele den eigennützigen Bundesgenossen bei Seite schob, seinem 
ehemaligen Lehensherrn gegen die Anerkennung der bereits wirklich erfolgten 
Loslösung Preussens von Polen die Hand bot, vermochte er zwischen den strei- 
tenden Parteien hindurchsteuemd das von allem Anfange an in's Auge gefasste 
Ziel zu erreichen. 

Die Beziehungen des Wiener und Berliner Hofes in der Zeit der schwedi- 
schen Waffengemeinschaft waren keine freundschaftlichen ; dazu giengen die In- 
teressen der beiden Herrscher viel zu sehr auseinander. Denn während Frie- 
drich Wilhelm, der bisher den Kaiser zu energischer Antheilnahme an dem 
Kampfe gegen Schweden zu vermögen gesucht hatte, jetzt im wohlverstandenen 
eigenen Interesse darauf bedacht war, den Krieg zu localisiren und den Kaiser 
von jedem Eingreifen in denselben abzuhalten^), überzeugte sich der Wiener 
Hof,, der dem Kurfürsten den Anschluss an Schweden verargte und von der 
Waffengemeinschaft dieser beiden Fürsten Gefahr für die Erblande fürchtete, 
immer mehr von der Nothwendigkeit an dem Kriege theilzunehmen und begann 
den stets erneuerten Bitten der Polen Gehör zu schenken. Schon nach dem 
entscheidenden Siege bei Warschau, der das Uebergewicht Schwedens über 
Polen entgiltig entschied, war an den verschiedensten Orten das Gerücht von 
einem beabsichtigten Zuge des kaiserlichen Heeres nach Preussen verbreitet*). 
In der That gab es unter den Räthen des Kaisers Männer genug, welche bemts 
damals nur in einem energischen Vorgehen gegen Karl Gustav und dessen Ver- 
bündete die Möglichkeit erblickten, das kaiserliche Ansehen zu wahren und die 
von allen Seiten drohenden Gefahren abzuwehren, und dieser Ansicht auch 
Ausdruck verliehen. Keiner deutlicher, vernehmlicber und unablässiger als der 
kaiserliche Gesandte Franz von Lisola, der Zeuge der schimpflichen Behand- 
lung gewesen war, die Karl Gustav den Vertretern des Kaisers hatte zu Theil 
werden lassen, als sie die Vermittelung Ferdinand III. in dem schwedisch-pol- 
nischen Conflicte antrugen, der vom Beginne des Krieges an gegen das zögernde 
Benehmen des Wiener Gabinettes Einspruch erhoben, den Anschluss an Polen, 



») Mömer I.e. 201 ff. 

^ Vertrag von Labiau vom 10./20. Nov. 1656; Mörner 1. c. 211 ff. 

3) Ueber die in diesem Sinne erfolgte Mission Dobrczenski's nach Prag (Juli- 
Sept. 1656) vergl. ürk. u. Act. VII. 621 ff 

*) Vergl. Bericht Lisola's d.d. Sonnenberg 7. Sept 1656; Berichte Lisola's 190 
und das Schreiben Neumann's Urk. u. Act. Vü. 621 f. 



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Einleitung. QQ 

die Heranziehang Brandenbargs nnd der übrigen von Schweden bedrohten 
Mächte gefordert hatte nnd jetzt nach dem Siege Karl Gustavs bei Warschan 
stärker denn je die Nothwendigkeit eines energischen Vorgehens gegen Schwe- 
den betonte. In der That verhalfen die Kraft nnd die Wucht seiner Argumente 
der Eriegspartei am Wiener Hofe zum Siege. Freilich war dies nicht das Werk 
eines Tages. Es bedurfte vielmehr Monate langer, ununterbrochener Be- 
mühungen und Arbeit bis es gelang, die Wiener Regierung, welche mit Rück- 
sicht auf die Friedensliebe des Kaisers, auf die verschiedenartigen Interessen, 
die berücksichtigt werden mussten, nnd in der Erkenntnis der Unzulänglichkeit 
der vorhandenen Mittel eine Entscheidung mit den WafTen zu verhindern be- 
müht war, zu einer rückhaltlosen Erklärung gegen Schweden, zur wirklichen 
Antheilnahme an dem von Polen gegen Schweden geführten Kriege zu vermögen. 
Je allgemeiner nun am Wiener Hofe die Erkenntnis von der Nothwendigkeit 
wurde, die mit Karl Gustav bestehenden Differenzen durch das Schwert zu ent- 
scheiden, desto stärker empfand man daselbst das Bedürfnis, sich mit jenem 
deutschen Fürsten zu einigen, der durch die Zahl und die Tüchtigkeit seiner 
Truppen, durch die Lage des Landes, dessen Herrscher er war, und durch seine 
Beziehungen im Osten und Westen Europa's eine entscheidende Rolle in dem 
nordischen Kriege zu spielen berufen war. Dass das Bundesverhältnis, in 
welchem Friedrich Wilhelm zu Karl Gustav stand, kein auf persönliche Zu- 
neigung oder auf der Erkenntnis gemeinsamer Interessen beruhendes war, wusste 
man am Wiener Hofe. Hatte doch Lisola in seinen Berichten immer wieder 
auf die Schwäche des zwischen Brandenburg und Schweden geschlossenen 
Bündnisses hingewiesen und zugleich die Behauptung gewagt, es werde dem 
Kaiser bei einigem Entgegenkommen gelingen, Friedrich Wilhelm für die Sache 
der Schwedenfeinde zu gewinnen. Die Gelegenheit dazu schien gunstig. Der 
Kurfürst hatte alles erreicht, was er von Karl Gustav zu erreichen hoffen durfte. 
Durch die Bestimmungen des Labiauer Vertrages vom November 1656 war ihm 
die Souveränetät in Prenssen gesichert. Eine Fortsetzung des Krieges lag also 
nicht in seineminteresse. Wohl suchte ihn Karl Gustav, der durch die von allen 
Seiten anmarschirenden Feinde bedroht war, durch weitere, grössere Versprechun- 
gen zur Theilnahme an neuen, gewagten Unternehmungen zu vermögen, allein 
Friedrich Wilhelm wusste, dass der Schwede ihm niemals ein wahrer Freund sein 
werde und hielt die Aussichten eines günstigen Ausganges der von Kail Gustav 
geplanten Unternehmungen für viel zu gering, um sich ihretwegen der Gefahr 
der gänzlichen Vernichtung auszusetzen. Der Gedanke, den lästigen Neben- 
buhler im Kampfe um die Suprematie im nördlichen Deutschland bei Seite zu 
schieben und sich dessen Gegnern gegen die Anerkennung der durch den La- 
biauer Vertrag bezüglich Preussens getroffenen Bestimmungen anzuschliessen, 
nahm immer mehr Besitz von Friedrich Wilhelm. Um so geneigter zeigte er 
sich, dem kaiserlichen Gesandten, Franz von Lisola, entgegenzukommen, als 
dieser zu Beginn des Jahres 1657 an ihn im Namen des Polenkönigs und des 
Kaisers mit dem Plane einer Aussöhnung herantrat*). Freilich so lagen die 



') Ueber diese erste Mission Lisola s vergl. dessen Berichte, 212 ff. 



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70 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Verhältnisse nicht, dass es gleich beim ersten Versuche h&tte gelingen können, 
eine Einigung zu erzielen. Noch hatte der Kaiser sich nicht zur Theilnahme 
an dem schwedisch-polnischen Kriege entschlossen, noch war Friedrich Wilhelm 
Bundesgenosse Karl Gustavs und die Polen weit entfernt, dem Kurfürsten die 
geforderte Souverfinetat in Preussen zuzugestehen. Erst nachdem der Früh- 
jahrsfeldzug Karl Gustavs gänzlich gescheitert war, erst nachdem der Dänen- 
könig den Schweden den Krieg erklärt, der Kaiser sich mit den Polen geeinigt, 
an dem Kriege theilgenommen und die Polen zur Anerkennung der Souveränetit 
Friedrich Wilhelms in Preussens vermocht hatte, gelang es dem unermüdlich 
thätigen Lisola, den Kurfürsten von Brandenburg zum Abschlüsse eines Ver- 
trages mit den Polen zu vermögen ^). Dabei konnte man aber, sollte nicht alles 
in Frage gestellt werden, nicht stehen bleiben. Zu einer gedeihlichen Entwicke- 
lung der deutschen und der europäischen Verhältnisse überhaupt gehörte die 
volle Uebereinstimmung des Kurfürsten von Brandenburg, des mächtigsten pro- 
testantischen Reichsstandes, mit' dem Reichsoberhaupte in allen strittigen Punkten. 
Denn erst nach der Vereinigung der kaiserlichen Truppen mit den branden- 
burgischen war eine erfolgreiche Action gegen den Schwedenkönig möglich, dut 
bei einem gemeinsamen Vorgehen des Kaisers und des Kurfürsten die Abwehr 
der von Frankreich und den übrigen Reichsfeinden drohenden Gefahren zu er- 
hoffen. Die letzten Monate des Jahres 1657 und die ersten des Jahres 1658 
sind mit den in diesem Sinne geführten Verhandlungen ausgefüllt. Man sah 
am Wiener wie am Berliner Hofe die Nothwendigkeit einer Vereinbarung ein, 
aber so gross waren die Hindemisse, so zahlreich die Differenzen, dass die er- 
wünschte Einigung erst nach vielfachen Mühen und auch dann nicht vollständig 
gelang. Denn der junge österreichische Herrscher, der gerade in jenen Monaten 
den heftigsten Kampf um die Kaiserkrone auszufechten hatte und in erster 
Linie durch die Nothwendigkeit der kurfürstlichen Stimme sicher zu sein, sich 
zum Abschlüsse mit dem Brandenburger bestimmen Hess, wollte kein bindendes 
Versprechen geben, offensiv gegen Schweden vorzugehen, solange die Kaiser- 
krone sein Haupt nicht schmückte. * Friedrich Wilhelm aber wollte sich, in der 
richtigen Erkeuntniss, dass er, einmal mit Oesterreich und Polen verbunden, die 
furchtbarste Rache der Schweden zu gewärtigen habe, zum Abschlüsse der von 
Dänemark und Polen sehnsüchtig erhofften Allianz mit dem Kaiser nur gegen 
das Versprechen des letzteren verstehen, an der gegen Schweden in Pommern 
geplanten Action theilzunehmen. Es ist fraglich, ob unter solchen Umständen 
der Abschluss des geplanten Bündnisses überhaupt erfolgt wäre, wenn nicht die 
unumgängliche Nothwendigkeit der brandenburgischen Stimme sicher zu sein, 
den jungen König von Ungarn und Böhmen bewogen hätte, sich den Wünschen 
des Kurfürsten zu fügen und sich zur Theilnahme an der gemeinsamen Ope- 
ration gegen Karl Gustav zu verpflichten. Das Bündnis vom 9. Februar 1658, 
durch das die Einigung der beiden Höfe erfolgte^, war von ausschlaggebender 



^) Verträge von Weblau und Bromberg, 19. Sept., 6. Nov. 1657; Mörner 1. c. 
220ff., 226ff. 

*) Moraer 1. c. 229 ff., 683 ff. 



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Einleitung. 71 

Bedeutung. Durch die Umkehr des Kurfürsten, durch die Vereinigung seiner 
Truppen mit denen des Kaisers und der übrigen Schweden feindlichen Mächte 
wurde dem Kriege die letzte, entscheidende Wendung gegeben. 

Die Acten über die Beziehungen des brandenburgischen Hofes zum oster- 
reichischen während dieser ereignisreichen Monate sind bereits in ihrer Gänze 
mitgetheilt worden. Ueber die Sendungen Kittelmanns und Löbens nach Wien 
enthält der 8. Band der Urkunden und Acten *) die entsprechenden Documente. 
Ebendaselbst sind in 2 gesonderten Abschnitten alle auf die Haltung Branden- 
burgs in den Fragen des Rheinbundes und der Kaiserwahl bezüglichen Urkunden 
veröffentlicht worden *). Die sehr umfangreichen und wichtigen Berichte des 
kaiserlichen Gesandten, Franz von Lisola, sind durch eine besondere Publication 
den wissenschaftlichen Kreisen zugänglich gemacht worden ^. Neue Documente 
von Bedeutung aus dieser Zeit haben sich im Wiener Archive nicht vorgefun- 
den. Die Weisungen Leopolds an seine Vertreter liegen nur äusserst selten 
vor und zeichnen sich durch eine besondere Kürze aus. Soweit denselben 
eine Bedeutung beizumessen ist, sind sie in der Einleitung und in den Noten 
zur Ausgabe der Lisolapapiere verwerthet worden. 

Dagegen hat sich eine Ergänzung der im 8. Bande der ^Acten und Urk.^ 
mitgetheilten Documente*) über die Beziehungen der beiden Staaten nach dem 
Abschlüsse des Allianzvertrages vom 9. Februar als nothwendig erwiesen. Ins- 
besondere dürften die im Nachfolgenden mitgetheilten Auszüge aus den Be- 
richten der kaiserlichen Gesandten Fernemont und Schütz eine erwünschte Er- 
gänzung der über ihre Missionen bereits bekannt gewordenen Documente bil- 
den. Johann Franz von Barwitz, Freiherr von Fernemont, dessen Sendung an 
den Berliner Hof erfolgte, als die beiden Vertreter Leopolds, welche die be- 
deutungsvollen Verhandlungen mit Brandenburg geführt hatten, noch vor Aus- 
tausch der Ratificationen Berlin verlassen mussten — Montecuccoli , ' um das 
Commando über die kaiserlichen Truppen zu übernehmen, Lisola, um in Polen 
die Interessen Oesterreichs zu wahren — , war ein erprobter Krieger, aber kein 
gewandter Diplomat. Er war kaiserlicher Kriegsrath, Generalfeldzeugmeister, 
hatte in der Schlacht bei Leipzig im Jahre 1642 die Infanterie commandirt, 
war bei dieser Gelegenheit von den Schweden gefangen genommen worden, 
und bekleidete nach erlangter Freiheit die Stelle eines Commandanten der 
Festung Grossglogau ^). Seine Aufgabe am Berliner Hofe war keine leichte. 
Wohl war durch die Bestimmungen des Vertrages vom 9. Februar die Grund- 



») ürk. u. Act. VIII. 339. 

>) Vin.433fif., 519ff. 

') Die Berichte des kaiseriichen Gesandten Franz von Lisola aus den Jahren 
1655 — 1660. Mit Einleitung und Anmerkungen herausgegeben von A. F. Pribram 
(Archiv fSr Kunde österreichischer Geschichte Bd. LXX. Die Verhandlungen Lisola's 
mit dem Brandenburger speciell 2 12 ff., 286ff.). 

*) 355ff. 

^) Biographisches über Fernemont bei Knescbke 1. c. III. 232; er starb 1667 als 
Gouverneur und Commandant zu Grossglogau. 



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72 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

läge för eine Verständigang gegeben, allein es fehlte viel za einer völligen 
Vereinbarung. Eine solche war auch mit Rücksicht auf das verschiedenartige 
Interesse beider Fürsten nicht gut möglich. Leopold hatte kein Interesse daran, 
dass der Krieg im Nordosten Europa^s fortgesetzt werde; er plante keine Er- 
oberung in jenen Gegenden und fürchtete durch ein allzu energisches Vorgehen 
die Einmischung der Westmächte zu veranlassen. Wenn es gelang, die Ueber- 
griffe Schwedens zurück zu weisen, der Ausbreitung der schwedischen Macht 
in Deutschland ein Ziel zu setzen, die Integrität Polens zu behaupten, so war 
den Wünschen der Wiener Regierung vollauf Rechnung getragen und es gab 
Männer in der Umgebung des jungen Königs, welche behaupteten, dieses Ziel 
auch auf anderem Wege, als auf dem des Krieges erreichen zu können. Vor 
allen Dingen aber lag es im Interesse Leopolds, den Ausbruch des Krieges 
gegen Schweden unter allen Umständen bis nach Beendigung des Wahlkampfes 
hinauszuschieben. Wenn sich daher der junge Herrscher nach langem Zögern 
zum Abschlüsse eines Offensivbündnisses gegen Schweden entschlossen hatte, so 
hatte er dies doch nicht in der Absicht gethan, den Kampf gegen Karl Gustav 
wirklich zu beginnen, bevor die Wahlfrage entschieden war. Friedrich Wilhelm 
dagegen hoffte durch eine schleunige, unerwartete Action gegen den in Däne- 
mark beschäftigten Karl Gustav nicht nur dessen Macht zu brechen, sondern 
auch bedeutende Erwerbungen in Pommern zu machen, und rechnete auf die 
energische Mitwirkung Oesterreichs, ohne die ihm die Durchführung seines Planes 
unmöglich schien. 

Um dieses Ziel zu erreichen, war es aber unerlässlich, die Antheilnahme 
Oesterreichs an dem Kampfe, der noch immer zwischen Frankreich und Spanien 
ausgefochten wurde, zu hindern. Wenn daher Friedrich Wilhelm sich bereit 
erklärt hatte, die Wahl Leopolds zu fördern, seine Stimme für ihn abzugeben, 
so hatte er deswegen durchaus nicht den Gedanken aufgegeben, durch eine in 
die Wahlcapitulation aufzunehmende Clausel die Actionsfreiheit Leopolds nach 
dem Westen hin zu beschränken, um ihn auf diese Weise zur Antheilnahme an 
dem im Nordosten Europa's tobenden Kriege zu vermögen. Aber auch sonst 
gab es der Differenzen genug. Die alte Streitfrage bezüglich der Berechtigung 
der Ansprüche Brandenburgs auf das vom Kaiser zu Beginn des 30jährigen 
Krieges eingezogene Fürstenthum Jägerndorf war durch den» Vertrag vom 
9. Februar 1658 nicht beigelegt, den Wünschen des Kurfürsten bezüglich der 
Stellung der Evangelischen im Reiche und in den Erblanden nicht Rechnung 
getragen worden. Das Misstrauen des Kurfürsten in die Aufrichtigkeit der kai- 
serlichen Politik, die Eifersucht des Wiener Hofes auf den immer grösser wer- 
denden Einfluss des protestantischen Nachbarn bestanden fort. Alles dieses er- 
schwerte die Verhandlungen Fememonts, der in der That nicht viel auszurichten 
vermochte. Als er nach einem Aufenthalte von wenigen Monaten in Folge 
anderweitiger Beschäftigung Berlin verliess, konnte er als den einzigen Erfolg 
seiner Mission die Auswechselung der Ratification des Vertrages vom 9. Februar 
bezeichnen; in allen übrigen Dingen hatte er entweder den Wünschen des Kur- 
fürsten Rechnung tragen, oder die strittigen Fragen unentschieden lassen müssen. 

Ebensowenig wie dem Freiherrn von Fememont gelang es seinem Nach- 



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Einleitung. 73 

folger Johann Helwig Sinold genannt Schütz*) den Kurfürsten in der Wahl- 
frage, um derentwillen er vornehmlich nach Berlin entsendet wurde, zu einer 
den Wünschen des Kaisers entsprechenden Entschliessung zu vermögen. Allen 
Erwägungen des kaiserlichen Gesandten gegenüber betonte der Kurfürst die 
Nothwendigkeit unter 2 Uebeln das kleinere zu wählen und forderte immer 
dringender die Annahme der Kaiserkrone unter den zur Wahrung des Reichsfrie- 
dens unerlässlichen Beschränkungen der kaiserlichen Macht, sowie die energische 
Antheilnahme Oesterreichs an den Kriegsoperationen gegen Schweden. Wie 
bekannt blieb dem jungen Herrscher nichts übrig, als sich den Forderungen 
seines mächtigen Nachbarn zu fügen. Leopold unterzeichnete die nach dem 
Projecte des Brandenburgers in die Wahlcapitülation aufgenommenen Artikel, 
die ihm jede Antheilnahme an dem spanisch-franzosischen Kriege unmöglich 
machten, und erklärte sich bereit, als Bundesgenosse Friedrich Wilhelms dessen 
gegen Schweden gerichtete Unternehmungen zu unterstützen. Die auf die ge- 
meinsame Kriegsführung bezüglichen Documente haben aus principiellen Grün- 
den in diese Publication keine Aufnahme gefunden'); die politischen Acten für 
diese Zeit der Waffengemeinschaft sind bereits zum Theile im 8. Bande der 
„Urkunden und Acten" '), zum Theile in den Berichten Lisola's mitgetheilt wor- 
den*); wesentliches Neue hat sich in den Beständen des Wiener Archives nicht 
gefunden. Dagegen schien es zweckmässig, die bereits mitgetheilten Documente 
über die Beziehungen Oesterreichs und Brandenburgs gelegentlich der zu Oliva 
geführten Friedensverhandlungen*) durch die weiter unten folgenden Berichte 
des nach Berlin gesendeten kaiserlichen Generals Grafen Peter Strozzi zu er- 
gänzen. Während des ganzen Verlaufes des nordischen Krieges waren sowohl 
von den Kriegführenden, als auch von den durch den Krieg in ihren Interessen 
berührten westeuropäischen Mächten Versuche einer gütlichen Ausgleichung der 
bestehenden Differenzen gemacht worden. Dieselben hatten lange zu keinem 
Resultate gefuhrt; vornehmlich deshalb, weil Karl Gustav, solange er siegreich 
war, unerfüllbare Forderungen stellte und in den Zeiten der äussersten Be- 
drängnis auf das Interesse der Westmächte rechnend, die ihm von seinen Geg- 
nern vorgeschlagenen Bedingungen nicht annahm. Erst als nach dem unglück- 
lichen Verlaufe des zweiten dänischen Krieges die westeuropäischen Mächte, 
insbesondere Frankreich, das aus eigennutzigen Gründen ein gänzliches Unter- 



Johann Helwig Sinold genannt Schutz war Reichshofrath unter Ferdinand 
und Leopold und trat nach 17 jähriger Thätigkeit am Wiener Hofe als Kanzler in die 
Dienste Georg Wilhelms von Lüneburg-Gelle. 

*) Das Archiv des Reichskriegsministerium enthält eine Fülle neuer Documente 
über die Tbeilnabme Oesterreichs am schwedisch -polnischen Kriege, die demnächst in 
anderem Zusammenhange verwerthet werden dürften. Die vorliegenden Darstellungen 
ober diesen Krieg, soweit er Oesterreich betrifft, sind ungenügend. 

») 355 ff. 

<) I.e. 384 ff. 

*) Neben dem älteren Sammelwerke von Joh. Gottl. Böhm „Acta pacis Oliviensis 
inodita Yratisl. 1763*, insbesondere ürk. u. Act. VIII. 687ff. 



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74 II. Der nordische Krieg 1655—1660. 

liegen Karl Gustavs verhindern zu müssen glauhte, immer von neuem der Frie- 
densidee das Wort sprachen und die Vermittelung ernstlich in die Hände nahmen, 
gab der Schwedenkönig seine Zustimmung zur gütlichen Ausgleichung der be- 
stehenden Differenzen. Principieller Widerspruch gegen die Vornahme der 
Friedensverhandlungen wurde nun von keiner Seite erhoben. Dänemark, Polen, 
Oesterreich und Brandenburg hiessen das Unternehmen gut. Doch waren die 
Forderungen, welche von den Vertretern der einzelnen Fürsten gestellt wurden 
und die Interessen derselben so differirende, dass erst nach langen Vorbe- 
rathungen und mühseligen Verhandlungen und auch dann nur unter dem Ein- 
drucke der von Frankreich und Spanien nach den Bestimmungen des pyrenäi- 
schen Friedensinstrumentes ausgesprochenen Drohung des gemeinsamen Kampfes 
gegen die Friedensstörer, die energische Inangriffnahme der Verhandlungen er- 
folgte. Die Interessen der Herrscher Oesterreichs und Brandenburgs waren in die- 
sem Momente nur zum Theile die gleichen. Beide wünschten die Schwächung der 
schwedischen Macht und die Herstellung eines Universalfriedens, der ihnen Sicher- 
heit gegen jeden Uebergriff Karl Gustavs bot. Während aber der Kaiser sich mit 
der Herstellung des Status quo, mit seiner Aufnahme unter die Garanten des 
Friedens zufrieden erklärte und mehr darauf bedacht war, den Franzosenkönig 
in seine Schranken zurückzuweisen, hatte sich Friedrich Wilhelm nach dem 
glücklichen Verlaufe der Kriegsereignisse, insbesondere nach dem glänzenden 
Erfolge der Expedition nach Pommern, mit der Idee, einen Theil Vorpommerns 
für sich zu gewinnen, immer mehr befreundet und suchte jetzt seine Verbün- 
deten für den Plan der Fortsetzung des Kampfes zu gewinnen, falls Karl Gustav 
und die vermittelnden Mächte die Abtretung eines Theiles von Vorpommern an 
Brandenburg weigern sollten. Allein weder bei den Polen noch beim Kaiser 
fand dieser Vorschlag Anklang. Leopold erklärte sich in seinen an den Kur- 
fürsten gerichteten Schreiben, wie in den Verhandlungen mit Wreich, des Kur- 
fürsten in jenen Tagen in Wien weilenden Vertreters'), zur Unterstützung des 
Kurfürsten bereit, falls der Friede nicht zu Stande kommen sollte, er Hess durch 
Montecuccoli und durch den Fürsten Gonzaga über die eventuellen Kriegs- 
operationen berathen^), allein er suchte zu gleicher Zeit den Kurfürsten von 
der Noth wendigkeit zu überzeugen, in der Frage der Restitution der pommer- 
schen Eroberungen um des allgemeinen Friedens willen nachzugeben. Die 
Verhandlungen, welche in diesem Sinne neben anderen Männern Graf Peter 
Strozzi^) am Hofe des Kurfürsten geführt hat, sind im Folgenden mitgetheilt. 
Dieselben waren bekanntlich von Erfolg begleitet; bereits Ende Februar theiite 



^) ürk. u. Act. VIII. 415 ft 

«) ürk. u. Act. VIII. 422 ff., 428ff 

») üeber die Sendung Strozzi's vergl. auch ürk. u. Act. VIII. 413f. Graf Peter 
Strozzi 1626 geboren, von Ferdinand IV. zum K&mmerer ernannt, trat nach dessen 
Tode in die Dienste Ferd. III., diente 1656 in Italien und machte dann den Feidzug 
gegen die Schweden unter Montecuccoli mit. Nach dem Frieden von Oliva wurde er 
in Ungarn verwendet, reiste 1663 nach Frankreich, um den Beistand Frankreichs für 
den Kampf gegen die Fürsten zu erbitten, was ihm auch gelang und fiel am 22. Mai 
1664 bei Serinvar; vergl. Zedier XL 1053 f. 



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Einleitung. 75 

Friedrich WilMm dem Kaiser den Entschluss mit, sich der Nothwendigkeit zu 
fügen nnd von der Forderung einer Gehietsahtretung in Pommern seitens der 
Schweden abzustehen. 

Ueber die Schreibweise des Freiherrn von Fernemont, Schütz' und des 
Grafen Strozzi ist nicht viel zu sagen. Der erste und der letzte lassen in ihren 
Berichten den Soldaten erkennen ; sie beobachten gut und beschränken sich auf 
das nothwendige. Schütz ist etwas weitschweifig; der Inhalt seiner Berichte 
steht in keinem richtigen Verhältnisse zu dem Umfange derselben, daher er- 
schien es auch zweckmässig, die Auszüge aus seinen Schreiben so kurz als 
möglich zu gestalten. 



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IL Der nordische ,Krieg 1655—1660. 

Mission des Franz von Barwitz, Freiherrn zu 

Fememont. 



Instruction für Fememont. Dat. Windsheim 27. Febr. 1658. 

(Concept.) 

[Ratification des g^eschlossenen Vertrages. Secretartikel wegen Verwendung der pom- 
merschen Eroberungen. Vorschläge und Forderungen des Kaisers.] 

27. Febr. Da Montecaccoli und Lisola anderweitig beschäftigt werden müssen ^), hat 

der Kaiser sich entschlossen, Fememont zam Kurfürsten zu senden, damit 
deroselben in ünserm Namen vermög beiliegenden Creditifs (Dat. 27. Fe- 
bruar 1658) anfügen wollest, wasmassen dir nit allein unsere Ratification 
über die gepflogene Tractaten') zugeschickt und du selbige ausznant- 
worten befelchet, auch I'. Ld. Ratification hinwider zu empfangen be- 
vollmächtiget seiest, bei welcher Auswechslung und Empfang du dann 
fleissig in Acht zu nehmen haben wirst, damit die Churfürstliche Un- 
serer königl. Ratihabition in der Form ganz einig seie*). 

Soviel aber die Approbation des articuli secreti belangen thuet^), da 
hast du P. L. mit guter Manier glimpflich zu repräsentiren, obzwar Wir 



') Montecuccoli als Fuhrer der kaiserlichen Hilfstruppen gegen Schweden; Li- 
sola als Gesandter in Polen. 

^ Gemeint sind die am 9. Februar 1658 abgeschlossenen Verträge; Mdrner I.e. 
229 ff., 683 ff. 

^) Vergl. über die Differenzen bei diesen Verhandlungen und Verträgen Pri- 
bram A., Berichte Lisola's 1655-1660, Archiy für Kunde 5. G. LXX. 341 ff. 

*) Wegen kurfürstlicher Besatzung in eventuell zu erobernden pommerschen 
Plätzen; Mömer 1. c. 689 f. 



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Instruction für Fememont. 77 

L L. alles liebs and guts gönnen und wünschen, auch von denen pommeri- 
schen Landen, da Gott der Allmächtige Unsere Waffen, wie zu hoffen, 
gesegnen mochte, Uns etwas zu apropriiren nicht gesinnt, so wolle Uns 
iedoch nicht allein nachdenklich, sondern auch für fruhezeitig vorkom- 
men, etwas von Erhaltung und Couservation einiger Länder und Plätze, 
oder auch von deren Theilung, was zu melden, oder zu handien, ehe 
selbige eingenommen und wolle Uns dahero rathsamer zu sein gedünken, 
wann man sich mit Yergleichung dieses Articuls noch etwas gedulden 
ond es uf gelegenere Zeit verschieben thäte. Wofern du aber hiebe! 
wahrnehmen solltest, dass solches von des H°. Ch. L. schwer zu erhalten, 
hättest auch du dich hierinnen nit länger aufzuhalten, doch benebenst 
L Ld. zu Gemnth zu fähren, wann Wir in diesen Articul alsogleich 
einwilligten, was für ein grosses onus Wir für Uns und zu was für 
grossem Vorthel Wir solches für L Ld. auf Uns nehmen thäten. Wir 
wollten dahero ganz nit zweiflen, L L. würden dieses hinwiderum ge- 
bärend erkennen und nicht allein bei der jetzt bevorstehenden Eaiser- 
wahl *) Uns zum besten zur Superirung aller Difficulteten so noch gereget 
werden möchten, müglichst cooperiren, auch anietzo von aller uf Jägern- 
dorf führender Prätension ablassen und derselben uf ewig renunciiren, 
sondern auch inskünftig Unseres löbl. Erzhauses Dienste und Nutzen, 
dafern die Sachen durch göttliche Verleihung wohl ausschlagen sollten, 
hinwider bedenken. Wofern nun L L. darin, wie zu hoffen, willigen würde, 
hättest Du dero schriftliche Versicherung hierüber zu begehren. Sollten 
sich aber des H°. Ch. L. soviel die Renunciation uf die jägerndörfische 
Prätension betrifft, anitzo zu erklären Bedenken tragen, gleichwohl dessen 
Hoffnung geben und die Erkenntnus versprechen, so hättest du gleich- 
falls auch dieses instrumentum approbationis über diesen Articul neben 
Unserer andern Ratification gegen Empfahung der churfürstlichen Ratifi- 
cation auszuhändigen. — Bei diesem allem hast du zuvorderst gebührend 
zu erinnern und daran zu sein, damit ietz bemelter Articul in höchster 
Geheim gehalten werden möge'). 



») üebor Brandenburgs Verhalten in der Wahlfrage ürk. u. Act. II. 126 ff.; VIII. 
Abschn. VI. und VII. (p. 436 Anm. die Literatur, dazu Beide, Die Wahl Leopolds. 
Forschungen zur deutschen Gesch. XXV. Iff. Pribram, Zur Wahl Leopolds. A. f. 
K. ö. G. LXXm. 149 ff.; Pribram, Berichte Lisola's 1. c. p. 286 ff.) 

•) Vergl. für Fememont's Mission; ürk. u. Act. VIII. 372, 382, 502 f.; IL 164, 
168; Puf. 1. c. VII. 52; Droysen I. c. III, 382. 



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78 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Fernemont an den Kaiser. Dat. Colin an der Spree 28. März 

1658. (Or.) 

[VerhandluDgen Fernemonts mit den R&then des Eurfärsten. Die Jägemdorfer Frage. 

Ratificationsangelegenheit. Brandenburgs Eriegspläne. Zustand der brandenburgischen 

Armee. Unterredung mit Hoverbeck über den Secretartikel.] 

28. März. Ist am 20. März angekommen und hat am 24. Audienz beim Kurfürsten ge- 

habt, der sich zur Auswechslung der Ratificationen geneigt zeigt. Am folgen- 
den Tage seind dero geheime Räthe, Schwerin, Hoverbeck*) und Som- 
nitz'), um mit mir in einige Conferenz zu treten, in mein Logiament zu 
mir geschicket, von ihnen aber gleich anfänglichen begehret worden, ob 
nebst Auswechselung bemelter Instrumenten, ich etwas mehrers und son- 
derlichen wegen Jägerndorf anzubringen in commissis hätte. Worauf 
ich ihnen geantwortet, dass ausser gedachter Auswechselung ich zu 
einem mehrern nicht instruiret, wegen Jägerndorf aber es ohne das von 
denen neulichst beisammen gewesten Deputirten auf die Seiten gesetzet 
worden und hinterblieben wäre*), benebst aber glimpflichen und gleich- 
sam lachendes Mundes soviel zu verstehen gegeben, dass eine Stadt 
Stettin mehr dann viel Jägerndorf werth seie, darbei sie es auch be- 
wenden lassen und mir beigefallen, sich auch selbsten dahin beschieden, 
dass bei vorigen Congressen wegen Jägerndorf nichts zu melden be- 
schlossen worden seie. 

Es folgen dann Berathungen über die Auswechslung der Ratificationen 
und die Brandenburger fordern, dass nothwendig der Tenor des zwischen 
beederseits hiebevom beisammen gewesten ministris^) aufgerichteten 
auch also abgehandelten foederis defensivi et conventionis ad operationes 
bellicas sammt beederseits Deputirten Vollmacht und Namen der Rati- 
habition zu inseriren, wie auch ein absonderliches gleichförmiges Instru- 
mentum über die Convention de operatione armorum abgeredt und sonst 
auch gewöhnlicher Massen zu verfertigen seie. Die Versuche Fememonts 
eine Aenderung in diesem Beschlüsse zu bewirken bleiben ohne Erfolg; er 
bittet daher um Weisung, wie er sich zu verhalten habe. 



^) Johann v. Hoverbeck, langjähriger Vertreter des Kurfürsten in Polen; vergl. 
Elaprotb, Staatsrath 347; Isaacsohn, Geschichte des preussischen Beamtenthums II. 
99, 212. 

^ Lorenz Christof von Somnitz; vergl. Klaproth I.e. 357 f.; Isaaesohn I.e. 
n. 237. 

^) Ueber die Verhandlungen in der Jägerndorfer Angelegenheit in dieser Zeit 
vergl. Urk. u. Act. VIII. 339 ff., 500. 

*) Unterhändler waren kaiserlicherseits Montecuccoli und Lisola; seitens der 
Brandenburger Schwerin, Somnitz imd Hoverbeck. 



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Ratificationsaustauscb. Plane des Kurffirsten. 79 

In den ^kurzen Observationen^, die Feroemont dem Schreiben beilegt, finden 
wir neben einer abföUigen Beurtheilung der Dänen in ihrem Kampfe mit Schwe- 
den ^), auch folgendes erwähnt: ^Wie der Churfürst von £. E. M. Armee 
discurriret, hat er zwar die Völker sehr gelobet, doch dies dabei er- 
wähnet, dass die Regimenter fürnemlich bei der Cavagleria ziemlich stark 
und wenig OfScirer nach der Proportion der Soldaten dabei wären, da hin- 
gegen die Schweden viel Officirer in deih ersten Glied, auf welchem 

alles bestünde, voransetzen thäten Das fürnehmste, so man sowohl aus 

P. D. als dero ministris Discursen abnehmen können, ziehlen sie nun- 
mehr nicht dahin, dass man anfanglich offensive gegen dem Feind agiren 
wurde können, weil sie ihn gar zu mächtig hielten und er den Yortheil 
hätte, sie leichtlich zu Wasser von einem Ort zum andern zu praeoccu- 
piren. Es werde nur moles belli in Pommern auszustehen seien, allwo 
die schwedische Armee ungezweifelt aus- und ansetzen würde, beinebenst 
aber auch ein neues Corpo zwischen der Elbe und Weser aufrichten, 
gegen dem Reich eine grosse Diversion and ihnen einen mehrem Anhang 
dardurch zu machen ').... Soviel nun die churfnrstl. Armee und Völker 
anlanget, kann man änderst nicht sagen, als dass es der Generalen Be- 
richt nach ein starkes Corpo von wohlgekleideten und sehr disciplinirten 
Tölkem ist; dabei tapfere und gute Generalen und durchgehend ansehn- 
liche Officirer vorhanden. Was ich unterweges und hier gesehen, kann 
ich bezeugen, dass ich mich selbst verwundert habe und ist bei solcher 
Menge der Völker fast im Lande nicht zu spüren, dass fast eine Armee 
vorhanden seie, so scharf werden sie eingehalten, dagegen aber das 

Land sehr erschöpfet und in nicht geringen Unwillen gebracht Wie 

in der nächsten Conferenz des articuli secreti, dessen Ratihabition und 
Instrumentum sie in gnugsamer Richtigkeit gefunden, Meldung geschehen 
und ich dabei, wie E. E. M. bei Occupirung der pommerischen för- 
nehmsten Posten nichts vor sich behalten thäten und ihre grosse Affec- 
tion und treuherzige Intention freiwillig ohne fernere Consideration ihro 
daraus zuwachsendes odii bei anderen Potentaten erweiseten, in etwas 
exageriren wollen, hat mir der von Hoverbeck zur Antwort gegeben, dass 
sothane Declaration E^ E. M. so viel als keinem anderen Gonfoederirten 
zustatten käme, weilen dadurch sowohl die Holländer als andere be- 
nachbarte Stände, welche wegen des dänischen Verlusts nothwendig in 

') üeber diesen Kampf vergl. Carlson, Gesch. Schwedens IV. 229 ff. Pufendorf S., 
De rebus gestis Caroli Gustavi über V. 

*) üeber Brandenburgs Kriegspl&ne in dieser Zeil ürk. u. Act. VIII. 353 f. u. 
a. 0. Droysen 1. c. III, 3761 



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80 H- Der nordische Krieg 1655--1660. 

eine Jalousie gerathen müssten, sich desto leichter bewegen wurden 
lassen, wann sie versichert, dass das hochlöblichste Erzhaus Oesterreich, 
dessen grosse Macht ihnen sonst allezeit suspect seie, an den Seekanten 
keinen festen Fuss zu setzen und etwan mittlerzeit den spanischen 
Schiffen einzuräumen, so sie zum meisten fürchten thäten, Vorhabens 
wäre. 



Fernemont an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Spree 29. März 

1658. (Or.) 

[Ratificationsangelegenheit. Des Kurfürsten BemühungeD bei den Braunschweigem 
und Polen. Brandenburg-französische Beziehungen. Verhalten des polnischen Secre- 
tars. P. S. Ratificationsangelegenheit. Boverbecks Mittheilungen über die Erklärungen 

Blondeis.] 

29. März. Befehl vom 12. März erhalten (d. d. Aschaffenburg) „und daraus mit 

Freuden gehorsambist verstanden, dass dadurch meine wenige in vorge- 
meltem Bericht enthaltene considerationes, wegen des articuli secreti 
mich in keine Weitleuftigkeit einzulassen, allergnädigst confirmiret worden^. 

Fernemont macht dem Kurfürsten entsprechende Mittheil angen, erhält aber 
bezüglich der Auswechslung der Ratihabitionsinstrumente keine andere Antwort 
als vorher. 

Der Kurfürst reist nach Magdeburg, um den Versuch zu machen, die braun- 
schweigischen Fürsten auf seine und des Kaisers Seite zu bringen ^) und sendet 
Sparr') und Hoverbeck nach Polen, um durch Intervention Montecuccoli's mit 
den Polen bezüglich Coiynnction der Waffen und über die Kriegsoperationen 
zu berathen'). 

Gestern waren Schwerin und Hoverbeck bei Blondel*); Fernemont weiss 
noch nicht, was sie mit demselben berathen haben*). 

So habe ich auch verspüret, dass der polnische Lescynskische all- 
hier hinterlassene Secretarius bei gedachtem französischen Residenten 
sehr familiär ist und sich mit mir nicht mehr so vertreulich als die 



lieber die Conferenz zu Magdeburg und über das Verhältnis Brandenburgs 
zu den Braunschweiger Fürsten, vergl. Köcher, A., Geschichte von Hannover und 
Braunschweig 1648—1714. I. 243flF. Joachim 1. c. 398f. 

^ Feldmarschall Otto Christof von Sparr; Mülverstedt, Georg Adalbert, Die 
brandenburgische Kriegsmacht unter dem Grossen Kurfürsten 489 ; Mömer, Märkische 
Kriegsoberste 151 ff. 

3) Vergl. über diese Gesandtschaft ürk. u. Act VIII. 496. 

*) Ueber Blondel, Frankreichs Vertreter in Brandenburg, ürk. u. Act. II. 117 ff. 
und die 117 Anm. angeführte Literatur. 

^ Ueber die Verhandlungen Blondels in dieser Zeit Urk. u. Act. II. 158 ff. 



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Auswechselung der RatificationeD. Unternehmungen gegen Schweden. gl 

erste Tage beschehen, in Discors auslasset*); dannenhero ich dem Lisola 
in particulari auch zuschreibe bei der dortigen Conferenz ein wachtsames 
Auge darauf zu haben, ob nicht etwas widriges auch in geheimb möchte 
negotiiret werden, und würde meines geringen Erachtens das beste sein, 
wann man nur sowohl die Polacken als den Churfürsten durch Coniunc- 
tion der Waffen, wie bälder ie besser impegniren könnte, wormit ihnen 
die Gelegenheit auf andere Resolution zu gedenken, benommen würde*). 

P. S. Uebersendet das von den kurfürstlichen Käthen entworfene Projeet 
der Ratificationen^). 

Hoverbeck, der gestern bei mir gewesen, hat unter anderen Discursen 
erwähnet, dass der französische Resident bei ihrer gehabten letzten Con- 
ferenz, worvon ich oben Anregung gethan, cathegorice gesagt hätte, wann 
man bei diesem Hof und in Polen sich recht rathen wollte lassen und 
die Sache zu einem Vergleich bringen, wollte er versprechen, dass der 
König in Schweden weder an ein noch dem anderen Orte einzige 
TJngelegenheit zu machen suchen würde, sondern seie einen Weg als den 
anderen absolute resolviret ehister Zeit den nächsten Weg auf E. K. M. 
Erbländer loszugehen und sedem belli dahin zu führen; man wüsste 
wohl, was er vor einen grossen Anhang daselbst finden würde. 



Die Schreiben Fememonts vom April enthalten nichts von Bedeutung; die 
Aaswechslung der Ratificationen, die der Kaiser (d. d. 11. April) an Fernemont 
übersendet, wird von Seite Brandenburgs verzögert*) (Fernemont d. d. 23. April 
1658), dessen Kurfürst in einem Schreiben vom 29. März, an den Kaiser, zugleich 
mit der Versicherung auch jetzt, nach erfolgtem Frieden zwischen Schweden 
und Dänemark^), alles zur Erreichung des gemeinsamen Friedens thun zu 
wollen, .die Frage stellt, ob er dem Schwedenkönige, wenn dieser durch 
seine Länder ziehen wolle, freien Durchmarsch gewähren solle. Der Kaiser 
befiehlt darauf Fernemont (d. d. 19. April) um so eifriger auf die Aus- 
wechslung der Ratificationen und auf die Erfüllung der in den Verträgen 



Johann Lesczynski, Woiwode von Posen, über seine Mission in Berlin — er 
vertrat Polen bei den Verhandlungen Oesterreichs mit Brandenburg in Berlin, — 
ürk. u. Act. II. 150; Puf. I.e. VII. 15; Lettres des Desnoyers 369f.; Pribram, Be- 
richte Lisola's 1. c. 309 ff. 

*) Ueber Lisola's Thätigkeit in dieser Zeit Pribram I. c. 305 ff. 

^ Brandenburg wünschte, dass die Ratificationen separat für das Defensiv und 
für das Offensivbändniss erfolgen sollten. 

*) Vergl. über diese Frage Urk. u. Act. VIII. 502 f. 

*) Gemeint ist der Vertrag von Roeskilde vom 17./27. Februar 1658; Dumont 
1. c. VI2 205 ff.; vergl. Carlson 1. c. IV. 271ff 

Mater, t. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 6 



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82 H. Der nordische Krieg 1655—1660. 

eingegangenen Verpflichtungen zn sehen. Ueber diese Unterredungen berichtet 
Fememont in dem folgenden Schreiben. 



.Fernemont an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Spree 1. Mai 

1658. (Or.) 

[Zweck der brandenburgiscben Interpellation bezüglich des Passes für schwedische 
Truppen durch kurfürstliches Gebiet Brandenburgs Pläne bezüglich der Operationen 
gegen Schweden. Wahlangelegenheit. Capitulation. Politik des Mainzers. Rhei- 
nische Allianz.] 

1. Mai. ... So viel nun die von den churbrandenburgischen Abgesandten 
an E. K. M. sowohlen, andere Chur- und Fürsten gestellte Frage, wann 
der König in Schweden, welcher in Holstein wieder angelangt wäre und 
seinen Marsch gegen Poromern gerichtet haben solle, den Pass und 
Durchzug in Polen und Preussen durch I. Ch. D. Landen begehreu 
würde, ob sie ihme denselben gestatten solltcu, anlanget, hat mir der 
Churfürst geantwortet, dass dieselbe nur dahin gerichtet gewesen, um 
zu vernehmen, was Einer oder der Andere im Schild führen und darauf 
antworten würde. Er wüsste gar wohl, dass solches die aufgerichtete 
Confoederation nicht zulassen thäte und er vielmehr derogleichen mög- 
lichst zu verhindern hätte. Der Kurfürst erklärt, er halte es nicht für rath- 
sam, jetzt etwas offensives gegen Schweden zu unteniehmen, mit Rücksicht auf 
des Kaisers Wahl; auch wünschten die Polen selbst den Frieden und hätten 
ihn um seine Vermittlung bei Schweden ersucht*). Schwerin soll demnächst 

zu den Schweden reisen Und ist gar leicht aus der ganzen Connexion 

dieser Sachen abzunehmen, dass der Churfürst auch sehr zum Frieden 
mit Schweden und mehr als zum Krieg geneigt seie, weil er befindet, 
dass er itzt nach gemachten dänischen Frieden und bei zunehmender 
Macht der Schweden sein Interesse und Zweck in Pommern, worumben 
alles bei ihme zu thun gewesen, nicht erreichen werde können, auch der 
König in Dänemark also niedrig kommen, dass ihme nicht mehr zu 
helfen seie, fürnemlich, weil durch der f*ranzosen und Engelländer Per- 
suasion und des von ühlfelds continuirende Verrätherei, der gute König 
dahin beredet werde, dass die Krön Schweden ihme selbiges Königreich, 
was noch übrig bleibet, erblich zu possidiren behülflich sein wolle, wor- 
mit er nun den Adel desto mehr offendire und endlichen von ihnen gar 



*) üeber Polens Verhalten in dieser Zeit und die Beziehungen zu Brandenburg 
Puf. De rebus gestls Fr. Wilh. VII. 46 ff.; Desnoyers I. c. 402, 418 ff ; Rudawski, Bist. 
Poloniae ab excessu Wlad. IV. 414; Urk. u. Act. VIII. 283 f. 



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Unternehmungen gegen Karl Gustav. Wablangelegenheit. Rheinischer Bund. 83 

Verstössen und die Krön Schweden desto besser ihr Interesse alsdann 
observiren könne; welches P. Ch, D. von gar guter Hand eines dänischen 
ministri zukommen wäre; dass also diese considerationes zusammen 
gnugsame Ursache, der sonst ohne das durch geschlossene Confoederation 
versicherten Conjunction, die operationes in etwas za retardiren, bis man 
recht sehen könne, wie sich ein und anderes und fömemlich die Wahl 
anlassen werde. 

Bezüglich dieser giebt der Kurfürst die besten Versicherungen seinerseits 
und sagt, dass ihme von Frankfurt auch ein Project der Capitulation, wie 
es eingegangen werden möchte, zugeschicket worden wäre, welches er 
aber nicht achten thäte, sondern der Meinung wäre, es sollten E. E. M. 
nur alles, was in der Capitulation proponiret, eingehen und darzu Ja 
sagen, bis sie römischer' Kaiser wären, alsdann stünde es bei E. M. zu 
lassen oder zu halten, was sie dem Reich und ihr Selbsten nützlicher 
zu sein befinden. Auf welches ich mit geziemender modestia zu repliciren 
meiner Schuldigkeit erachtet, dass E. M. sich auf eine solche Intention 
nicht wohl einlassen würden, weil sie, ihrer Vorfahren und des hoch- 
löblichsten Hauses in allem gewöhnlichem Brauche nach, lieber nichts, 
was sie nicht zu halten vermeinten, versprechen würden, damit sowenig 
dem Reich als anderen fremden Potentaten, wie es gleichwohl zu viel 
geschieht, sich auf einzige Weise und mit guten Fundament zu be- 
schweren und widerwärtige Gedanken zu machen, Ursache hätten; stünde 
derohalben in I. D. grosser Freundschaft und schon gnugsam verspürter 
guter Zuneigung in diesem hochwichtigen W^erk den letzten Streich zu 
thun und vermittelst eines reiterirten Befehls an die Gesandten, dass sie 
die majora auf Weis und Weg, wie es im Project verfasset und Chur- 
Trier, Sachsen, als Bayerische Gesandtschaft schon approbando hätte 

gefallen lassen, schliessen möchten ^) Endlichen ist der ganze Dis- 

curs auf'n Churfürsten von Mainz ^) gefallen, dass er kein Ursach je- 
mals gehabt hätte, diese Wahl und in solchen terminis solang zu pro- 
trahiren; es werde nur den fremden Kronen ie länger je mehr dadurch 
das Reich zu turbiren Anlass gegeben, auch die Authorität des Chur- 
fürstl. coUegii durch Vorbringung solcher schweren und fast unbillichen 
Capitulationen geschwächet und ie länger ie mehr neue factiones im 



lieber die Verhandlungen zu Frankfurt bezüglich der Capitulation Urk. und 
Act VIM. 478ff. u. a. 0.; II. 166ff.; Heide 1. c. 49flF. 

') Johann Philipp von Schonborn; für seine Politik in der Wahlfrage, Pribram, 
Zur Wahl Leopolds 1. c. 105 flF. 

6* 



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84 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Reiche suscitiret; massen eben der Charfürst von Mainz eine neae Allianz 
aafzarichten sich bemühen thäte^ zu welcher er nicht allein die geist- 
lichen Charförsten und umliegende Fürsten des Rheinstroms, sondern 
auch das Haus Braunschweig, ihne Churfürsten zu Brandenburg, ia sogar 
die Krön Frankreich ziehen und drein einwickeln wollte*). Er hätte 
aber seines Orts solche schwere conditiones und Bedenken drauf ein- 
geben, dass er verhoffe, er wolle diese prätendirte Allianz wohl hinter- 
treiben und soviel möglichen verhindern • • • 



Fememont an den Kaiser. Dat Colin a. d. Spree 7. Mai 

1658. (Or.) 

[Unterhandlungen Fememonts mit den Jcurfürstiicben Ministem über die gegen 
Schweden und in Frankfurt zu beobachtende Politik. Des Kurfürsten gute Erklärungen.] 

7. Mai. 2 Tage nach Absendung des letzten Berichtes sind die kurfürstlichen Rätbe 
zu Fememont gekommen und besonders Schwerin hat neue Bedenken erhoben. 
Als erstlichen, ob auch bei so sehr verändertem statu in Dänemark 
von ihnen das instrumentum foederis offensivi sollte angenommen wer- 
den? Andertens, ob nicht vielmehr E. K. M. auf solchen Fall, wann ia 
etwas wider die Schweden in Pommern oder dem Reiche zu tentiren 
wäre, mit ihren Waffen als principalis den Namen führen, oder ia die 
Polen darzu disponiren wollten, damit das odium nicht auf sie fallen 
thäte. Und drittens, ob nicht bevor und ehe die Gesandten zu Frank- 
furt ihr Votum zu Vollziehung der Wahl geben und ablegen möchten, 
denen Franzosen wegen der von E. K. M. in Niederland und Italien, 
welche für fremde Potentaten, wie sie selbte nennen, gehalten würden, 
zugeschickten Hülfe einige Satisfaction gegeben werden sollte')? Als 

') Gemeint ist die rheinische Liga, die am 14. und 15. August 1658 geschlossen 
wurde; vergl. fdr dieselbe Joachim E., Entwickelung des Rheinbundes von 1658. 
Pribram, Beitrag zur Gesch. des Rheinbundes; Sitzungsber. der W. A. CXV. 99ff.; 
Kocher 1. c 195 ff.; Valfrey, Hugues de Lionne II. 155 ff.; Ch^ruel, Histoire de Ma- 
zarin III. 124 ff. 

*) Ueber Brandenburgs Verhalten zum Rheinbunde neben den erwähnten Schriften 
ürk. u. Act. VJII. 519 ff.; Droysen 1. c. Illj 409 ff. 

^ Um diese Frage der Unterstützung der Spanier in den Niederlanden und 
Italien durch den Kaiser drehten sich yornehmlich die Verhandlungen in Frankfurt, 
da Frankreich durch das Verbot für den Kaiser den Konig von Spanien zu unter- 
stützen die Macht des Hauses Habsburg zu brechen hoffte. Die Verhandlungen in 
dieser Sache finden sich in den bereits angeführten Werken über die Wahl Leopolds; 
die in dieser Frage erschienenen Flugschriften sind u. a. gedruckt bei Londorp, Acta 
publica VIII. 182f., 240ff.; Oesterreichs Erwiderung 294 ff. 



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Haltung gegenüber Schweden und Frankreich. 85 

ich nun solche auf ein neues gethane propositiones und vorgebrachte 
Difficultäten, welche mir nicht geringen Argwohn gegeben, gesehen, habe 
ichs mit einer mehrern Bewegnus als sonst empfunden ihnen Deputirten 
desto ernsthafter zugeredet und die proponirte puncta so gut ich gewusst, 
widerleget. Ad. I"™. Dass nämlich das foedus offensivum von E. K. 
M. niemahls angeboten, sondern durch den articulum secretum von P. Ch. 
D. Selbsten stark urgiret, indeme ich bald bei meiner Auherokunft in 
primo congressu, ob ich diesfalls auch einen richtigen Bescheid mit mir 
brächte, befragt worden, solches auch I'. Ch. D. mehr als E'. K. M. vor- 
träglich anzunehmen wäre und würden es E. K. M. auch nicht sogar 
hoch achten, wann sie es nicht begehren würden; stünde also bei ihnen, 
ob sie das foedus offensivum, welches von E. E. M. vielmehr aus Affec- 
tion und Freundschaft gegen L Ch. D. wegen Pommern als diesorths 
einziger verhoffter Ersprissligkeit geschehen wäre, halten wollten oder 
nicht. 

Ad 2^"^^* . . Dass man solches E. E. M., welche nur als ein con- 
foederirter Eönig allhier ihre copias auxiliaros darzu geschicket, vor der 
römischen Wahl und würklicher Antretung der kais. Dignität annoch 
keines Weges zumuthen könne, wiewohlen es alsdann schon seinen ge- 
wissen Weg finden würde. 

Ad 3"""*. Soviel die in Niederland und Italien als fremden von ihnen 
also gehaltenen Potentaten geschickten Succurs anlanget, wäre wegen des 
Einen bei Ferdinand lY. christmildister Gedächtnus vorgenommenen Wahl 
alles gnugsam ausgeführet und applaniret worden*), sintemahlen es nichts 
Neues im Reich, dass auch anderen Potentaten darinnen zu werben zuge- 
lassen werde. Wegen des in Italien abgeschickten Corpo aber hätten I. E. M. 
alletglorwfirdigsten Andenkens, solches ohne Vorwissen der Churfürsten 
und vorhin, wie bräuchlichen, beschehene vielfaltige Warnungen und Ab- 
mahnungen auch nicht gethan, sondern es wäre alles, was in derogleichen 
Fällen gegen einem widersetzlichen Stand des Reichs vorzunehmen jeder- 
zeit bräuchlich gewesen, gegen dem Herzog von Modena observiret worden. 
Die Minister nehmen dies ad referendum und der Kurfürst erklärt sich damit 
zufriedengestellt. ... Im Uebrigen wird sich verhoffentlich alles wohl 
schicken, weilen von dem Churfürsten selbsten ich bei heutiger Audienz 
dessen nochmahls versichert worden, auch sonsten viel neue demon- 
strationes seines guten Willens habe verspüren können. Dann wie ihme 



*) üeber die bei der Wahl Ferd. IV. geführten Verhandlungen ürk. u. Act. VI. 
206 ff.; Droysen 1. c. III, 109 ff. 



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86 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

ich des Baron de Goess') aus Kopenhagen vom 8. April abgelassenes 
aber erst gestern erhaltenes Schreiben communiciret, in welchem er be- 
richtet, dass der Dänemärker noch leicht auf guten Weg zu bringen 
seie, die Schweden auch weder in Fühnen-, See- noch Jütland wegen des 
aufm Meer gehenden grossen Eises dato nicht absegeln könnten und 
annoch Zeit seie, eine nützliche und gute Diversion zu machen, hat er 
geantwortet, man sollte ihme nur desswegen die Sorge kecklich lassen, 
wann nur die Wahl zu Frankfurt, worauf er sein Absehen gerichtet, bald 
geschehen sein möchte. Es wäre noch eine andere Gelegenheit vorhan- 
den, indeme er mit dem Commendanten in Bremervörde, so in die 6 
oder 700 Mann hätte, in geheimer Correspondenz stünde, dass er den 
Schweden solchen Ort noch sobald nicht einräumen würde, wann er nur 
wüsste, dass sich jemand änderst dessen annehmen wollt«. Sonsten 
würde er keine Zeit verlieren, 2000 Mann den Polen, ihre Intention in 
Preussen werkstellig zu machen, herzugeben, sintemahlen es mit den 
Schweden ohne das lange nicht mehr anstehen könnte, sondern, was sie 
zu thun Vorhabens sein, sich bald, und ob der König aus Schweden, 
wie der Cardinal Mazarini dem Churfürsten von Mainz zugeschrieben 
haben solle, mit 18000 Reutern die Wahl zu Frankfurt, wann sie nur 
bis zu End des Mai aufgeschoben werden könnte, zu verhindern sich 
unterstehen möchte, würde ausweisen müssen, welches eben aus Holland 
anhero berichtet wird. Auf welchen letzteren Fall aber mehrhöchst- 
gedachte I. Ch. D. resolviret das Aeusseriste zu thun, sich mit E. K. M. 
Waffen zu coniungiren und den Schweden den Weg schwer gnug zu 
machen. 



Fernemont an den Kaiser. Dat. Cöln a. d. Spree 14. Mai 

1658. (Or.) 

[BrandeDburg-englische Beziehungen. Unterredung Fernemonts mit dem Kurfürsten 
über die Schweden gegenüber zu beobachtende Politik. Des Kurfürsten gute Er- 
klärungen.] 

14. Mai. üebersendet das Protocoll der Conferenz zwischen Schlippenbach und 
Schwerin zu Prenzlau den 28. April st. v. ^). 

So ist auch dieser Tagen ein engeländischer Gesandter von dem 
Cromwell auf zuvorn beschehenes Anmelden allhier eingeholet wor- 



Graf Johann von Goess; vergl. über ihn weiter unten Abschnitt IV. 
^ Vergl. für diese Conferenz ürk. u. Act. IL 163 flF.; VIII. 241 f.; Puf. de rebus 
gestis Car. Gust. V. 64; Droysen 1. c. Illa 395; Th. Europ. VIII. 589. 



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Brandenbarg-englische Beziehungen. ' 87 

den '), welcher bei I. Ch. D., wie ich von glaubwürdigen Orten, ia sogar 
ministris berichtet, gar eine kurze Proposition gethan und in derselben 
dieses vorgebracht haben solle; dass nämlich S. Ch. D. anitzt ihr Glück 
in Acht nehmen und das besorglicho grosse Unglück vermeiden, der 
österreichischen Alliance renunciren und sich hiuwiderum mit dem 
Schweden, welchem sein Protector nebst Frankreich möglichst beistehen 
würde, vereinigen sollte; massen I. Ch. D. sich zu versichern, dass der 
Schwede, welcher Preussen nur blos defendiren wollte, wider Deutsch- 
land nichts tentiren würde, sondern seine Intention einig und all ine 
wider die österreichische Länder, Böhmen oder Schlesien zu gehen, ge- 
richtet hätte. Dass er also den Churfürsten halb schmeichelnd halb 
dräuend zu einiger Resolution zwar bewegen wollen; es solle ihme aber 
der Churfürst darauf ziemlich abschlägliche Antwort gegeben haben und 
er damit ehisten Tages widerum unverrichter Sachen von hinnen verreisen. 
Weilern ich nun sowohlen aus der Schwerinischen mit dem Graf 
Schlippenbach gehaltenen Conferenz, als des englischen Gesandtens so- 
thanen Proposition, sonsten auch von anderen einkommenden Avisen 
verstanden, dass der Schweden Vorhaben blos in des hochlöblichsten 
Hauses Oesterreich Erbländer, fürnemlich in Schlesien, wegen des allda 
verhoffenden Anhangs, auch guter Gelegenheit sich allda gegen Böhmen 
und Polen zu wenden, sedem belli einzuführen gerichtet seie, habe ich 
meiner allerunterthänigsten Schuldigkeit zu sein erachtet, mit P. Ch. D. 
hieraus zu reden, auch alsobalden um Audienz angehalten und dieselbe 
heunte früh um 7 Uhr erlanget, bei welcher ich P. Ch. D. solches alles, 
um dero Gemüthsmeinung hierüber zu vernehmen, gebührend vorgetragen. 
Welche mich dann auch gar gerne angehöret und gleich mit grossem 
Eifer darauf geantwortet, weilen dieses der Schweden Dissein gar gewiss 
und aber keines weges rathsam wäre denenselben in Holstein, Pommern 
oder derer Orten entgegen zu gehen, indeme ihme nur gar zu wohl 
wissend, dass dadurch die Wahl merklich gehindert oder gar zurück- 
gesetzet möchte werden, dass ich solches E'. K. M. schleunig hinterbringen 
sollte, hiermit dieselbe das Churf. Colleginm zu einer guten Disposition 
sowohlen wegen der Wahl als sonsten bewegen, fürnemlich aber Chur 
Sachsen . . . wie auch Chur Bayern in gute Verfassung bringen und man 
also dem Feind . . , überlegen sein könne. Gestalten E. K. M. wegen sol- 



») Lord William Jepson; vergl. Puf. Friedr. Wilh. VII. 55; CG. V. 83; ürk. 
u. Act li. 165; VIL 793 ff.; Orllcb, Geschichte des preussischen Staates im 17. Jahrb. 
I. 183. 



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88 11- Der nordische Krieg 1655—1660. 

chen feindlichen besorgenden Einbruches dero Völker kecklich zusamnaen 
ziehen und an die Frontiren legen, auch die Plätze stärker besetzen, mit 
Ämmunition und Vivres wohl versehen^ die alten Regimenter recroutiren 
und Proviant an die Hand schaffen möchten. Er wolle seiner eigenen 
Länder auch nicht verschonen, sondern an den Grenzen seine Völker, 
die er auf 3000 Mann gleichfalls zu verstärken Willens und bereits im 
Werke ist, schon derogestalt beisammen halten, dass sobald der Feind 
entweder in Holstein oder Pommern avanciren würde, er sich mit E. 
K. M. Armee und denen Polen coniungiren und dem Feinde, wo er auch 
entweder durch Pommern, Polen oder die Mark durchbrechen wollte, 
nächst göttlicher Hülfe gnugsam begegnen könne; inmassen er bei itzt 
bestellter Saate Heu, Hafer und Korn in die Plätze sich auf eine Zeit 
lang zu halten einzuführen befohlen hätte. Sollte aber auch, wie neu- 
lichermassen ich allergehorsambist berichtet, er gegen Frankfurt den 
Wahltag zu verhindern, einige Cavalcada vorzunehmen willens sein, würde 
er demeselben gleichfalls mit ganzer Macht zu folgen nicht unterlassen. 



In den Weisungen vom Mai 1658 drängt der Kaiser einerseits auf die Aus- 
folgung der Ratificationen (d. d. 8., 30. Mai), andererseits auf ein energisches 
Vorgehen Friedrich Wilhelms in der Wahlfrage (5., 9. Mai). Bezüglich dieser 
letzteren erklärt der Kurfürst (Schreiben Fern. d. d. 21. Mai), er bedauere, 
dass die widerwertige Churfürsten *), der Franzosen einstreuende excep- 
tiones und darauf folgende protestatioues und fürnemlich Chur Heidel- 
bergs erst neulich eingegebenes so grosses absurdum, welches dem rö- 
mischen Kaiser und den Churfürsten selbsten sehr dcspectirlich wäre, 
so weit annehmen und die Fremden nicht aus der Stadt schaffen thäten*). 
Und wiewohlen sie ihre Gesandten begehrtermassen allreits gnugsam 
instruirt und befehlichet, so wollten sie doch nicht unterlassen dero hie- 
bevorige Befehlich mit dieser abgehenden ordinari an dieselbe anderweit 
zu erfrischen, damit dieses wichtige Werk, woran der ganzen Christen- 
heit, fürnemlich aber dem heiligen Reiche ein so gross und vieles ge- 
legen, ohne ferneren Verzug zu seiner erwünschten Endschaft gebracht 
werde *). 



Mainz, Köln, Pfalz. 

*) Vergl. Cap. I. § 20 der Goldenen Bulle. Harnack, Geschichte des Kurfursten- 
collegiums 211 f. 

*) Vergl. das Schreiben Friedrich Wilhelms vom I.Juni 1658; ürk. und Act. 
VIII. 508 f. 



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Ratificationsaustausch. Wahlfrage. 89 

Bezüglich der Ratificationen ergeben sich neue Schwierigkeiten, da die kur- 
fürstlichen Räthe an dem instrumentum de conventione armorum einiges auszu- 
setzen haben und Fernemont das instrumentum de defensione allein nicht an- 
nehmen will. Bevor aber noch der Kaiser ihn für diesen Fall ermächtigen 
konnte (30. Mai), war die Auswechslung der beiden Verträge durch den Kur- 
fürsten selbst bereits erfolgt (28. Mai) *). 



Fernemont an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Spree 22. Mai 

1658. (Or.) 

[Des Kurfürsten Bemerkungen über Schwedens Friedensanerbietuugen. Vorschläge 
des Kurfürsten über die Schweden gegenüber zu beobachtende Politik.] 

Auf die Frage Fernemonts, was der Kurfürst von seinem Gesandten wegen 22. Mai. 
des bei Kurmainz im Namen des Königs von Schweden des Friedens halber 
gethanen Anerbietens für Nachricht hätte-), antwortet Friedrich Wilhelm, gar zu 
viel and gnugsam Es haben aber I. Ch. D. sich selbsten dabei ver- 
lauten lassen, dass es den Schweden nicht so grosser Ernst zum Frieden 
seie und wann sie am meisten davon redeten, zum wenigsten solches 
im Sinn hätten und gemeiniglich bis sie ihre Intention erreichet, was 
anderes darunter im Schilde führeten; I. Ch. D. aber begehrten noch- 
mals wider die Schweden, wann dieselbe das Reich unangefochten liessen, 

wegen E. K. M. selbsteigenen Interesses nichts zu tentiren Und 

w&re kein Wunder, dass Chur-Mainz ihme die schwedische offerta wegen 
des Friedens und Correspondenz mit dem General Wrangel so hoch an- 
gelegen sein liesse, weilen man gleich von einer glaubwürdigen, gewissen 
und wohlintentionirten, in vielen Sachen sehr informirten Person, so 
durch die schwedische Armee und Hamburg und dieser Tagen allhier 
dnrchgereiset, berichtet worden, dass er Churfürst von Mainz des 
Wrangeis Satisfactiongelder und also obsides vivos et pignora anooch 
in Händen hätte und ihme nur jährlichen das Interesse davon bezahlen 
thäte, wormit er auf allen Fall der Schweden sich desto besser zu ver- 
sichern hat. Nach diesem haben I. D. absonderlichen mir zu verstehen 
gegeben, dass anitzo eine gute Gelegenheit wäre den Schweden ohne 
einigen Streich und Gefahr zu ruiniren; wann nemlich E. E. M. sich an- 



') Fernemont übersendet die Original-Ratification des Kurfürsten als Beilage 
seines Schreibens vom 4. Juni 1658 aus Grossglogan. Vergl. die Erklärung Ferne- 
monts bezüglich der Auffassung der Offensivallianz Yom 23. Mai 1658 bei Mömer 1. c. 
233; Puf. 1. c. VII. 52. 

*} Gemeint ist das Schreiben des Schwedenkönigs d. d. Gothenburg 17. Mai 1658. 



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90 H. Der nordische Krieg 1655—1660. 

griffen und ihme Churfürsten 100000 Rthlr. Mittel machen thäten, so 
wollte er die meisten und fOraemsten deutschen Officirer und Volker 
(massen er bereits welche Tnippenweise angenommen) za E. K. M. 
Diensten überkommen, zumahlen dieselbe sehr schwierig, weilen sie in 
Dänemark weder die Beute noch ihren Unterhalt über Winter bekommen 
hätten und wegen solcher ihrer Satisfactiongelder auf Schlesien und 
Böhmen, wann sie hineinkämen, vertröstet würden. Sonsten habe ich 
sowohlen von dem Churfürsten, als aus deme mit dem Freiherrn von 
Schwerin, welcher morgen zu dem Könige in Schweden abreisen solle, 
geführten Discurs von solcher seiner Absendung kein anderes ver- 
nehmen können, als dass er demeselben ausdrücklich, wie man ihme 
einzigen Pass durch die churfürstlichen Länder nicht gestatten wolle, 
andeuten, dabei aber auch,, weilen fümemlich das churfurstliche Col- 
legium stark auf I. D. sich dessen anzunehmen dringe, noch einen An- 
wurf wegen des Friedens thun solle*). 



Fernemont an den Kaiser. Dat Colin a. d. Spree 29. Mai 

1658. (Or.) 
20. Mai. P. S. Es scheinet, dass hiesiger Churfürst sich wegen der franzö- 

sischen Satisfaction, weilen die anderen so stark drauf dringen, alleine 
auch nicht verhasst machen wolle; wann aber die anderen Churfürsten 
als Bayern, Sachsen und Trier auf den rechten Weg disponirt könnten 
werden, er seinestheils auch demselben gemäss würde votiren lassen'). 
Gestalt er mir allzeit nebst seiner Antwort dieses aunectiret, man sollte 
nur auf ein geringes nicht sehen und nur, was immer möglich, ver- 
sprechen; es würde sich darnach schon finden, wie es gehalten . könnte 
werden. Fümemlich aber sei es mehr als Zeit dies Werk zum End zu 
bringen und würde er seinerseits änderst nicht thun können, als nun- 
mehr nach geschlossener Alliance E. K. M. intentiones so viel möglich zu 
secundiren. . . . 

Am selben Tage hat Fernemont seine Abschiedsaadienz beim Kurfürsten. 

') üeber den Zweck von Schwerins neuer Sendung zum Schwedenkonige ürk. 
u. Act. VIII. 242 ff. 

^) Unterdessen hatte Brandenburg bereits die ausschlaggebende Erklärung in 
Frankfurt abgeben lassen. 



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Haltung gegenüber Karl Gustav^s Plänen. 91 

Mission Johann Helwig Sinolts, genannt Schütz. 

Instruction für Johann Helwig Sinolt, genannt Schütz. 
Frankfurt 13. Juni 1658. (Or.y) 

[Assistenzfrage. Artikel VII. der Capitulation. Aenderung desselben. Wünsche be- 
züglich der Art XI. und XXXVI. der Capitulation und anderer Reichsangelegen- 
heiten. Rheinbundfrage.] 

Schütz soll dem Kurfürsten vorhalten, was in der Wahlcapitulationssache 13. Juni, 
vorgegangen, was die brandenburgischen Gesandten am 3. Mai für ein Votum 
abgegeben-) und auf welche Weise man die Sache nachgehends bald in den 
2., bald in den 7. und bald in den 11. Artikel versetzt und dieselbe haupt- 
sächlich in articulum septimura und zwar dahin in formalibus ausge- 
fallen, dass, wann auch inskünftig ein römischer Kaiser oder wir (wie 
dieser articulus dann auf uns gedeutet wird) unserer eigenen Lande 
halber einige Bündnus machen würden, so sollte solches anderer Ge- 
stalt nicht als unbeschädigt des Reichs und nach Inhalt des instru- 
menti pacis und also zu mehrer Befestigung des Friedens geschehen. 
Und damit das geliebte Vaterland deutscher Nation oder wir selbsten 
in neue Ungelegenheit nicht eingeflochten werden möchten, dass wir uns 
in die Kriege, so in Italien und dem burgundischen Kreis anietzo ge- 
führt werden, in keinerlei Weis, weder vor uns als römischer Kaiser 
noch unsers Hauses wegen einmischen und wider die Krön Frankreich 
und dero Bundsgenossen in gemeltem Italien und dem burgundischen 
Kreis nit kriegen, unter einigem Streit- oder Kriegs-Ursach keine Hülf 
senden, noch sonsten auf einige Weis Vorschub und Beistand leisten 
wollten. Damit auch das Reich seines beständigen Friedensstands ge- 
sichert bleibe, so sollten und wollten wir sobald nach unserer Erhebung 
zur kaiserlichen Regierung uns alles Ernstes angelegen sein lassen, auf 
dass zwischen beeden meist in des Reichs Eigenthum kriegenden Kronen 
die Friedenstractaten in Deutschland würklich ausgestellet und ihren 
Königreich und Unterthanen, auch der gemeinen Christenheit und ganzem 
Reich zum besten vermittelst göttlicher Gnad, ehist geschlossen, gleich- 
falls auch die polnische Friedenshandlung befördert und zum Schluss ge- 
bracht würde*). 

Die Vollmacht für Schütz ist datirt 8. Juni 1658. 

*) Vergl. Heide 1. c. 54 Anm. f. 

') Diese Bestimmungen — welche den von Köln beantragten Zusatz zum Art. 
VII. — später zum Art. XI. ausmachten — wurden schliesslich in den Artikeln XIII. 
und XIV. der Wablcapitulation Leopold I. untergebracht. Vergl. den W^ortlaut des 
Kölner Zusatzes bei Heide 1. c. 57 Anm. 



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92 II. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Leopold sieht die Berechtigung der Kiirfnrsten für die Reichsruhe zu 
sorgen ein, aber diese Art sei nicht die richtige, da er durch dieselbe ganz 
gefesselt wäre und nicht gegen England oder selbst gegen die Türken, wenn die- 
selben als Verbündete Frankreichs angeschen würden, sich vertheidigen dürfte. 
Desswegen habe Leopold den Schütz an den kurfürstlichen Hof gesendet, um 
Friedrich Wilhelm zu ersuchen, seinen Gesandten Befehl zu ertheilen, dass diese 
Formulirung des 7. Artikels ganz fallen gelassen werde und derselbe die Form 
erhalte, die er in der Wahlcapitulation Ferdinand IV. habe*). 

Wann aber ja (welches unser Abgeordneter pro 2° gradu zu obser- 
viren) wegen mehrer Befestigung des Friedens einige weitere und mehrere 
Specialerwähnung in gedachter Wahlcapitulation zu thuen für nothwendig 
geachtet werden wollte, es diesfalls bei dem in obbemeltem ihrem den 
3. Mai abgelegten Veto inserirtem Entwurf articuli undecimi allerdings 
verbleiben möchte, wie wir uns dann versichert hielten, dass Chur-Triers, 
Chur-Bayerns und Chur-Sachsens LLL*'" uns dies Orts nit aus Händen 
gehen würden'). 

Ist das nicht zu erreichen, so soll Schütz pro tertio gradu dahin sehen, 
dass in mehrerwähntem diesem articulo wenigst obbesagte Clausul, 
dass ein Kaiser „sich auch wegen seines Hauses^ in selbige Kriege nit 
einmischen solle, „und deren (neralich der Krön Frankreich) Confoede- 
rirten" ausgelassen werde .... W^äre aber dieses letztere wegen Auslas- 
sung der Krön Frankreich Confoederirteu L L^*" Vermeinens auch be- 
denklich, so kann alsdann unser Abgeordneter pro ultimo gradu endlich 
nachgeben, dass der Krön Frankreich Confoederirteu . . . jedoch gegen 
Auslassung obgedachter Wort ^wegen seines Hauses^, in diesem articulo 
Meldung geschähe. 

Schütz soll den Kurfürsten bewegen, seinen Gesandten Befehl zu ertheilen, 
bezüglich des § 36 der Wahlcapitulation sich auf die Seite Leopolds zu stellen'), 
und alles zur Beschleunigung des Wahlwerkes zu thun. 

') Artikel 7 der Capitulation Ferd. IV. lautet: „Wir sollen und wollen vor uns 
selbst als erwöhlter Römischer König in des Reichshändeln keine Verbündnuss oder 
Eynung mit frembden Nationen noch sonsten im Reich, wir haben dann zuvorhero 
der Churfürsten, Fürsten und Ständen Bewilligung hierzu erlangt, machen; es wäre 
dann, dass publica salus et utilitas eine mehrere Beschleunigung erforderte, da sollen 
und wollen wir dann der 7 Churfürsten samtlichen willen zu gelegener Zeit und Mahl- 
statt und zwar auf einer Collegial-Zusammenkunft und nicht 'durch absonderliche Er- 
klärungen, bis mau zu einer gemeinen Reichsversamblung kommen kan, erlangen. ** 

^) Baiern, Sachsen und Trier erklärten sich am 6. und 7. Ifai mit dem Ton 
Brandenburg am 3. Ifai formulirten Assistenzartikel — damals XI. der Capitulation — 
nachdem unwesentliche redactionelle Aenderungen durcbgefäbrt worden waren, einver- 
standen. Heide 1. c. 54 f. 

') Es handelte sich bei diesem § — der von der Beobachtunf^ der Capitulation 



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Instruction für Schütz. 93 

P. S. Conc. Schütz soll den Kurfürsten ersuchen, mit dem Kaiser gegen 
die Aufnahme der von den Stiftern Bamberg, Trient und Brixen prätendirten 
Exemption ihrer in den österreichischen Erhlanden gelegenen Gütern und Herr- 
schaften und eines auf Abolition des Landgerichtes in Schwaben abziehenden 
Artikels in die Wahlcapitulation zu wirken'). 

In einer Weisung vom selben Datum wird Schütz auch aufgefordert, dem 
Kurfürsten die Mittheilung zu machen, Leopold hoffe, es werde L L. von ihren 
allhie anwesenden Gesandten ungezweifelt referirt worden sein, was das 
churmainzische Reichsdirectoriuni denen alliirten Chur- und Fürsten am 
Rheinstrom über die zwischen ihnen zu Defension und Erhaltung ihrer 
Land und Leute bei dem münsterischen Friedenschluss geschlossen- und 
verglichene Bündnus, auch wegen Aufrichtung einer correspondentiae de- 
fensivae mit dem König ip Frankreich adversus quoscunque aggressores 
et invasores instrumento pacis et capitulationi contraventuros für ein 
Project zugestellt und welchergestalt dasselbe nit allein auf das instru- 
mentum pacis und die darauf fundirte Wahlcapitulation, sondern auch 
auf den künftigen Reichsabschied gegründet werden wolle'). Wie nun 
dies ein Werk von sehr weitem Aussehen und höchstgefahrlicher Conse- 
quenz sein würde ; da man denen auswendigen und benachbarten Kronen, 
die sonst vermög des klaren Buchstabens erst gedachten instrumenti 
pacis einem römischen Kaiser zustehende Execution und Cognition nit 
allein über den Friedenschluss, sondern auch die Manutenenz über die 
Wahlcapitulation selbst einräumen sollte, und es dergestalt nunmehr 
das Ansehen gewinnen wolle, als wann man zu höchstem Despect der 
teutschen Nation ihnen das arbitrium über das römische Reich einräu- 
men und vermittelst ihrer Macht und Assistenz ein anders Oberregiment 
über das Kaisertum selbst, wider die güldene Bull und Fundamental- 
gesetze des Reichs einführen wollte; gibt Leopold dem Kurfürsten zu be- 
denken, welch' üble Folgen ein solches Zugeständnis haben müsste, und hofft, 
er werde seinen Vertreteni in Frankfurt Befehl ertheilen, dass sie sich dies- 



bandelt — um die von den Gegnern Leopolds gewünschte Ersetzung der in Paren- 
these des § 36 befindlichen Worte „wann derselbe auf angelegte Bitt der Churffirsten 
ohne erhebliche genügsame Ursachen verweigert werden sollte" durch die Worte 
„wann zumahlen derselbe und wir selbsten wider die Capitalation thäten oder zu 
thuen verschaften und auf Collegialerinnerung der Cburfürsten es nicht abscbaffeten''. 
Vergl. Heide 1. c. 63 Anm. 

») üeber den Zweck der Mission des Schutz vergl. ürk. u. Act. VIII. 509; Pnf. 
1. c. VIL 41. 

^ Es war damals der zweite Entwurf zum Rheinbundrecesse fertig gestellt wor- 
den; über die Berathungen der verschiedenen Fürsten bezuglich desselben, Joachim 
Kc. 406 ff. 



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94 II- Der nordische Krieg 1G55— 16G0. 

falls zu keinem widrigen verleiten lassen, diese sub specie securitatis 
pablicae also entworfene und auf die Bahn gebrachte Allianz ihres Orts 
nit allein nicht belieben, sondern auch bei ßevidirung der abgefassten 
Wahlcapitulation das Werk, zumal in puncto securitatis und was sonst 
meiner Intention zuwider hinein gerückt worden, durch ihre Cooperation 
in die Wege richten helfen wolle. 



Schutz an den Kaiser. Dat. Cöln a. d. Sp. 24. Jnni 1658. 

(Aut.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten und Hoverbeck bezüglich der Wahlangelec^enheit 
und Capitulation. Rheinische Liga.] 

24. Juni. Schätz ist am 22. Juni in Berlin angekommen und am 23. vom Kurfürsten 

in Audienz empfangen worden. Der Kurfürst versichert in der Wahlangelegenheit 
die entsprechenden Weisungen gegeben zu liaben ') und erklärt sich bereit, falls 
einige Kurfürsten noch längere Zeit zögern sollten, mit den gutgesinnten allein 
zur Wahl zu schreiten. P. S. Hoverbeck ist zu Schütz gekommen, versichert 
die Geneigtheit seines llerrn in allem dem Kaiser zu willfahren, betont die 
Schwierigkeit, in der Capitulationsangelegenlieit jetzt noch etwas durchzusetzen, 
da man Mainz und Göhi nicht offendiren dürfe [: alss welche sich ausstruck- 
entlich vernemben lassen, im fall man der Cron Frankreich in puncto 
securitatis nicht satisfaction thuen würde, Sie zu der wähl nicht 
schreitten, sondern re infecta nacher hauss abraissen weiten'):]. E. K.M. 
hochlöblichste vorfharen hetten bey aufrichtung der capitulationen sich 
jedesmahl gar mildt undt willfhärig erwiesen. Solches erforderten die 
jezige conjuucturen umb so viel domehr. Facta electione würden sich 
mittel finden die besorgende inconvenientia zu superiren. Articulus 7^*"*"* 
seye einmal schwer undt von grosser consequentz. I. Ch. D. . . . hette 
deswegen mit dem frantzösischen Abgesandten vielfaltig conferiren undt 
versuchen lassen, ob derselbe gemildert werden möchte, aber ohne effect'). 
Die dispositio Instrumenti Pacis in § Et ut eo sincerior, gehe gar weit, 
ündt behaubte mann ex parte Galliae im Burgundischen Crayss seye kein 
neuer krieg, müsse also darbey sein Verbleibens haben. So viel dann 
den 2. undt 3. punct, die praetensiones einiger Stiffter, auch gesuchte 
abolition des landtsgerichts in Schwaben betreffend, anlangen thue, 
könten solche so considerabel nicht seyn, dass derentwegen die wähl 
aufzuhalten. Die aenderung des 36. articuls könne verbleiben. Dass 

') Vergl. ürk. u. Act. VIII. 510 und Anm. 

^ Ueber des Mainzer und Kölner Verhalten in dieser Zeit; Heide 1. c. 55 ff. 

5) Urk. u. Act. II. 171. 



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Wahlfrage. Rheinbund. 95 

aber auf E. E. M. beständige residentz im Reich getrungen werde, 
betten die protestantes zu dem endt movirt, ob hac via das Exer- 
citiom Augastanae Confessionis für Ihre Gesande undt Agenten zu 
erhalten seyn möchte, übrigens hetten I. Ch. D. die maturirung der 
wähl Ihren Gesandten verschiedentlich anbef holen .... Demenechst ist 
gedachter von Hoverbeck auch auf die bevorstehende alliance zwischen 
denn beeden Cronen Franckreich, Schweden undt Chur Mayntz, Colin 
undt andre Ständte gefallen undt in vertrauen nachricht begehrt | : ob 
und wass zu hindertreibung derselben E. K. M. zu thuen oder negotieren 
zu lassen gemeint; Es seye ein weit ausssehendes werkh und nunmehr 
an deme nicht zu zweiflen; die Abschickung so Jüngst nacher Paris ge- 
schehen ') seye under andern auch auf disses gemeint gewessen. I. Ch. D. 
haben sich noch nicht eingelassen.:]*) 

Schütz sucht in seiner Antwort nochmals den Standpunkt des Wiener Hofes 
in der Gapitalationsangelegenheit festzuhalten, sieht aber selbst ein, dass zumal 
bei dem articulo septimo eine wesentliche Aenderung schwerlich zu erhalten 
sein werde. 



Schütz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 25. Juni 1658. 

(Aut.) 

[Des Kurfürsten Entscheidung in der Assistenzfrage und bezüglich der übrigen For- 
derungen des Kaisers. Erwiderung des Schütz. Verhandlungen bezüglich der strit- 
tigen Punkte. Mediation zwischen Frankreich und Spanien. Jägerndorf. Iloverbecks 
Mittheilungen über die Lage.] 

Der Kurfürst lässt Schütz als Antwort auf des Kaisers Begehren mit- 25. Juni, 
theilen, er habe schon seinen Vertretern in Frankfurt Befehl zugesendet und 
zwar ad articulum septimum, dass bei der Revision desselben sie Erinnerung 
thäten, dass in ihrem den 3. Mai abgelegten Veto clausula eingerückt würde: 
„Gleich den auch die Cron Franckreich in offtgedachtem Westphälischem 
Frieden zu allen iezgedachten gegen uns, dem heyl. Römischen Reich, 
.sambtlichen Churfnrsten, Fürsten undt Ständten ebenermassen verbunden." 
Solches würde ex parte Franckreich undt in dem gewisslich manquiren, 
dasa selbiges Schweden hülff leisten undt also E. K. M. ursach gewinnen 
würde, auch anderwertig dero hohen hauses Interesse zu beobachten '). 



*) Gemeint ist die Sendung Fürstenbergs und Blums nach Frankreich; vergl. 
Joachim 1. c. 415. 

*) üeber Brandenburgs Verhalten bei den Verhandlungen über die rheinische 
Allianz ürk. u. Act. VIII. 519 flf. 

^) ürk. u. Act. VIII. 510 und Anm. 



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% II. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Bezüglich des 2. und 3. Punktes, die Prätensionen Bambergs und die 
Abolition des Landgerichts in Schwaben betreffend, sei nichts zu andern. 

Ad articulum 36^***" ratione depositionis solte ein uDdt andre jetzo 
substituirte clausul aasgelassen undt hingegen dieses eingerückt werden, 
dass bey den Churfürstentagen auch dieses, wie die capitulation obser- 
virt, erwogen undt falss einijjer mangel hierbey sich finden würde, de 
remediis zu deliberiren seyn. Bey dem puncto Residentiae ') inüsten 
I. Ch. D. gewissens halben sich bedingen, dass Sie änderst nicht darvon 
absetzen könte, es willige dann E. K. M. das exercitium Augustanae 
Confessionis bey dero hoff Statt für der Churfürsten, Ständte, Gesanden, 
Reichshoff Rhät undt Agenten ein ... . 

Schütz entgegnet hierauf, erklärt, die Clausul für den 7. Artikel sei unge- 
nügend'), worauf die kurfärstlichen Gesandten mit ihrem Herrn weiter darüber 
verhandeln zu wollen erklären. Auch bezuglich des 2. und 3. Punktes kömmt 
es zu Verhandlungen, die aber nicht zu einer Einigung fuhren. 

Der Kurfürst verlangt durch seine Räthe überdies die Ansicht des Ge- 
sandten über die Frage des Eintrittes Brandenburgs in die Reihe der Mediatoren 
zur Beilegung des Kampfes zwischen Frankreich und Spanien'), erkundigt sich 
in wie weit Schütz bezüglich Jägemdorfs instruirt sei und lässt demselben von 
Schwedens gefährlichen Reden Mittheilung machen *). Bey dem abschiedt ge- 
dachte der von Hoverbegk, es würde einmal nach jezigen conjuncturen 
das beste seyn, die capitulation, wie Sie unter den Churfürsten verglichen, 
zu acceptiren, bevorab da solche änderung in Flandren vorgangen undt 
mann gar von einer conjunction des Königs in Schweden mit Franck- 
reich redete. ... 



Schütz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 2. Juli 1658. 

(Aut.) 

[Neue Verhandlungen bezüglich der Capitulation. Rath des Kurfürsten in dieser 
Frage und bezüglich der Österreich-schwedischen Beziehungen. Erwiderung des Schütz.] 
2. Juli. Am 27. Juni in neuer Audienz spricht Schütz wiederum von den verschie- 
denen vom Kaiser gewünschten Aenderungen in der Capitulation; der Kurffirst 

*) Brandenburg forderte, dass der Kaiser in einer Stadt residire, „da das Kxer- 
oitium für beide Religionen wäre'', falls er nicht die freie Religionsübung am kaiser- 
lichen Hofe zu Wien gestatte; vergl. Urk. u. Act. VIII. 510. 

») ürk. u. Act. VIII. 510 Anm. 

^) lieber die von dem Mainzer Kurfürsten angeregte Frage der Mediation deut- 
scher Fürsten zwischen Frankreich und Spanien; Heide I. c. 21 ff.; Pribram, Zur Wahl 
Leopolds, 1654—1658; 1. c. 114 ff. 

*) üeber Schwedens Haltung in dieser Zeit; Carlson I.e. IV. 303 ff. ; Droyseu 
1. c. lU, 400ff.; ürk. u. Act. VIII. 243 f. 



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Capitulationsangelegenbeil. 97 

verspricht neue Berathang und Entscheidung. Die Anwesenheit der Königin 
von Polen bewirkt hierauf einen mehrtägigen Aufschub dieser Berathungen *). 
Am 1. Juli überbringen Loben und Somnitz dem Schütz die Erklärung des Kur- 
fürsten, des Inhaltes, er halte es mit Rücksicht auf die ihm aus Frankfurt zu- 
gekommenen Mittheilungen ^ für das zweckmässigste, wenn der Kaiser von 
2 üebeln das kleinere wähle und den Artikel VII. annehme, da im Falle der 
Zurückweisung die Aufschiebung der Wahl zu befürchten sei^). Ferner warnt 
der Kurfürst vor Eingehen in die von Schweden Oesterreich gestellten Friedens- 
anerbietungen*) und begehrt in allen Punkten Schützens Ansicht. 

Schütz versucht in seiner Antwort nochmals die Interessen des Kaisers 
beim Artikel VII. zu vertreten, benihigt Friedrich Wilhelm bezüglich Oesterreichs 
Stellung zu Schwedens Friedensanerbietungen, erhält aber von den Vertretern 
des Kurfürsten auch dann wenig günstige Erklärungen in den strittigen Fragen 
der Wahlcapitulation. 



Schütz an den Kaiser, üat. Colin a. d. Sp. 4. Juli 1658. 

(Aut.) 

[Berathungen des Schütz mit den kurfürstlichen Räthen bezüglich der Wahlcapitu- 
lation. Form des Assistenzartikels. Reichsangelegenheiten.] 

Loben, Hoverbeck und Somnitz kommen zu Schütz und erklären, der Kur- 4. Juli, 
fürst halte dafür, das ganze werck sey nach wie vor von grosser Wich- 
tigkeit undt müsten in der meinung verharren, dass E'. K. M. undt 
dero hohem Ertzhauss vorträglicher seyn würde, bey dem, was quoad 
punctum assistentiae von Einem Churf. coUegio allbereit concludirt, zu 
acquiesciren . . . zumal aber, wann die clausula reciprocae obligationis 
nicht zwar, wie in ihrer Gesanden voto de tertia Mai enthalten undt 
anfanglich in Vorschlag kommen, sondern in forma magis extensa undt 
also eingericht würde, wie E. K. M. in lezt projectirtem articulo septimo 
gegen Franckreich verbunden werden weiten. Darauf verliest Somnitz 
das Concept des kurfürstlichen Befehls an die Gesandten in Frankfurt*); 



Vergl. für die Anwesenheit der Konigin yon Polen in Berlin Puf. 1. c. VII. 50; 
Desnoyers 1. c. 41 8 f.; Kochowski Annalium Poloniae Climacter II. 268ff.; Rudawski 1. c. 
414; Urk. u. Act. II. 172 ff. 

*) üeber die Verhandlungen in Frankfurt in dieser Zeit ürk. u. Act. VIII. 511 ff.; 
Heide 1. c. 63 ff. 

3) Der kölnische Zusatz war ursprünglich als Appendix dem § 7 der Capitulation 
angefügt worden. 

*) Vergl. weiter unten die Weisung Leopolds vom 5. Aug. 1658; Droysen I.e. 
IIIj 406 f.; ürk. u. Act. III. 126 ff. 

'•') Eine Weisung dieses Inhalts' erfloss am 25. Juni; Urk. u. Act. VIII. 510. 

Umter. s. Gesch. d. G. Karfursteu. XIV. 7 



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98 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

bezüglich des Artikel VII. heisst es, dass zwar I. Ch. D. die von seilen 
E. K. M. angefhürte motiven erheblich, undt also gethan befanden, 
dass dero begehren billich statt gethan werden solte; dieweil aber 
hiernebenst die jezige conjuncturen wol zu beobachten, so solten Sie 
E^ K. M. die hi^rbey besorgende gefhar noch weiter undt übrigens 
so viel repräsentiren, dass wann die clausula reciprocae obügationis *) in 
forma magis ampla, als in deren voto befindtlich, inserirt würde, E'. 
K. M. hierbey fhürende besch werde vermittels deren erhoben, auch 
solche als aller billigkeit gemäss von niemandt würde difficultirt werden 
können; falss aber auch E. K. M. hierbey noch weiter anstehen solten, 
vernehmen, ob undt was für ein näheres expediens, so ohne gefhar 
practicirt werden könte, zu ergreifen. In ermanglung dessen undt 
da gleich wie hier mann bey dem project, So sie in ihrem voto de 
3'* Mai eingerahten, bestehen wolte, so solten Sie alsdann moderationem 
offtberührtem articuli 7'*"» nach inhalt erwehnten ihres voti suchen: Je- 
doch also undt dergestallt, dass Sie zuforderst alles ernstes ihnen ange- 
legen seyn Hessen, dass keine trennung undt zumal super hoc puncto 
^n dem coUegio causirt würde; dann bemelte moderation undt insonder- 
heit offterwehnte clausulam reciprocae obligationis bey den sämbtlichen 
herrn Churfürsten begeren; wolen aber solche von allen nicht applaci- 
dirt werden, alsdann mit Chur Trier, Bayern undt Sachsen, deren 
sich E. K. M. hierbey versichert halten weiten, sich hierinn verein- 
bharen undt in so weit E'. K. M. contento geben. Bezüglich der 
Exemptionen der Stifter Bamberg, Brixen und Trient und der gesuchten Abo- 
lition des schwäbischen Landgerichtes sollen die Gesandten Friedrich "Wilhelms 
gleichfalls den Wünschen des Kaisers zum Theile Rechnung tragen. Im allge- 
meinen findet der Gesandte die Erklärungen des Kurfürsten sehr günstig. 

^) Es bandelte sich bei dem Vorschlage der Brandenburger um das Verbot für 
Frankreich und dessen Verbündete, den Feinden des Kaisers, seines Hauses, des 
Reiches oder einzelner Stände irgendwie Ililfe, Beistand oder Vorschub zu leisten ; 
wie auch alles, was in dem Art. XIV. vom Kaiser, dessen Hause und dem Reiche ge- 
sagt worden, gleichergestalt für deren Bundesgenossen gelten sollte. Vergl. den Wort- 
laut des brandenburgischen Vorschlages bei Heide 1. c. 64 Anm. Es kam nach 
langen Verhandlungen zur Annahme einer solchen Reciprocitätsformel, jedoch wurde 
die Bedeutung derselben durch die Ersetzung der Worte „unseres Hauses** durch 
„unseres deutschen Hauses^ und durch die Auslassung des Passus «als es zur Zeit 
des instrnmenti pacis gewesen", bedeutend abgeschwächt. Vergl. Heide 1. c.64ff. ; 
IJrk. u. Act. Vin.512ff. 



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Operationen gegen Karl Gustav. Rheinbund. 99 

Schutz an den Kaiser. Colin an der Sp. 13. Juli 1658. 

(Aut.) 

[Brandenburgs ürtheil über Schwedens Friedensanträge. Vorschlage der Polen bezüg- 
lich der Kriegsoperationen gegen Schweden. Des Kurfürsten Urtheil in dieser Frage. 
Hoverbecks Mittheilungen über die Ereignisse zu Flensburg. Hovefbecks Aeusserungen 
über die Nothwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens des Kurfürsten und des Kaisers 
und über die rheinische Allianz.] 

Auf die voii Schütz dem Kurfürsten nach Weisung Leopolds (d. d. 28. Juni) 13. Juli, 
gemachten Mittheilungen über das von Schweden durch Mainz dem österreichischen 
Herrscher angetragene Freundschaftsbündnis erklärt Friedrich Wilhelm, er halte 
das Anerbieten Schwedens für unehrlich und rathe dringend ab. Ueber die 
Vorschläge der Polen zur Zeit der Anwesenheit der Königin von Polen in Berlin 
erzählt der Kurfürst, |: der Pollen Vorschlag seyen gewesen, Posen zu be- 
lägern, oder posto an der Elb zu fassen, beydes hetten Sie nicht vor rath- 
samb achten khönnen, Sondern dass man in ieziger postur stehen bleibe, 
und der Schweden auch des Zarnezky ^) actiones und wohin Sie sich wen- 
den, observire, absonderlich dass selbige impressen darzue vorkhämen 
und etwo Eönigsperg attaquirten, .welcher orth Ihnen ein grosses four- 
niren khönte und Seyen Sie der burger nicht versichert; andrer gestalt 
zu weichen seye gefährlich und würde dem Schweden grossen Vortheil 
geben, hingegen dissseits bey dem Soldat furcht erweckhen. : [ E. K. M. 
hetten Sie ersucht, mit noch zwey Regiment zu pferdt dero armada zu 
versterken; die höchste nothurfft erfordere solches; die Schwedische 
Cavallerie erstrecke sich auf 18000 mann; hetten gestern nachricht be- 
kommen, dass selbige etlich 1000 in die Insul Wollin ausgesezt, wor- 
von Sie dem Zarnesky so baldt avertiren lassen, E'. K. M. feldt- 
marschalck') aber nicht, weil deren armada von der ihrigen bedecket 
stände. | : Sie wurden es ohne grossen VortI zu kheiner Bataglie khom- 
men lassen; in confidentia weiten Sie entdeckhen, dass Sie iezo nacher 
Bremenverde einen expressen geschickt und den Gubernatorn tentiren 
lassen, in Ihre pflicht zu trotten, müsten den erfolg erwarten : | '). 

Bald darauf besucht Hoverbeck den kaiserlichen Gesandten und theilt ihm 



') Stefan Czarnecki, polnischer Heerführer. 

') Montecuccoli, über die Beziehungen desselben zum Kurfürsten Urk. u. Act. 
VIII. a58f. 

') Vergl. für die militärischen Pläne des Kurfürsten in dieser Zeit Urk. u. Act. 
Vlir. 359. 



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100 n« Der nordische Krieg 1655—1660. 

ausführlich den Gang der gescheiterten Verhandlungen Schwerins und Wei- 
mann's zu Flensburg mit*). 

Seines ohrts, fährt Hoverbeck fort, seye Er allezeit der meinung ge- 
wesen, Sein Gnädigster herr könte ohne E^ K. M. |: Sicher') die 
seinige nicht woll haben; der Schwed würde E^ K.M. Erblande inva- 
diren; Solte Er obsiegen, würde Er Ihm Böhaimb oder Schlesien nicht 
begehren zu behalten, aber woll Brandenburg, Pommern und das Aequi- 
valens für seinen Churfürst auss Böhaimb und Schlesien, zöhe Er den 
kürzern, so litte seines Churfürsten Landt doch, und seye also dass 
sicher, mit E^ K. M. zu agiren. : | 

Femer räth Hoverbeck nochmals wegen der Wahlcapitulationen keine 
Schwierigkeiten zu machen. Nechstdcm würde der mit den frembden be- 
vorstehenden alliance der Ständen halber wol zu vigiliren seyn. |: Der 
Schluss seye bisshero von I. Ch. D. mit dem aufgehalten worden, dass 
selbiger zugleich dem Churfürsten von Sachsen communicirt werden 
müste*); Nun würdet solches nicht attendiret werden; dieweilen aber der 
Holländische Abgesandte*) ihnen erst vor wenig tagen entdecket, dass 
er das project berührter alliance den Staden nomine totius Collegii Ele- 
ctoralis communicirt und begehrt worden mit einzutretten ; Alss würden 
Sie solchem inhäriren. Unterdessen urgirten solche fürnemblich Braun- 
schweig, Lüneburg^) und Pfalz-Neuburg; Diser gebe dem Mazzarini zu 
vill gehör. Jene suchten Ihren privatnuzen, weillen Sie iezo das Obrister 
Ambt under sich hetten. Wan Herzog Augustus todt, würde eine ände- 
ruug zu hoffen sein, dan I. Ch. D. und E. K. M. bey dem regierenden 
Prinz ein guetes vermöchten. :| 



Am 23. Juli gratulirt Schütz zu der am 18. erfolgten Wahl und berichtet 
von den friedlichen Erklärungen des französischen Gresandten am kurfürstlichen 
Hofe®), denen aber wenig Glauben geschenkt werde. — Unterdessen hatte Leo- 



*) Die Acten über diese Zusammenkunft wurden bald gedruckt; so Th. Europ. 
VllI. 722 ff.; Londorp 1. c. Vlll. 336 ff.; vergl. Droysen 1. c. HL^ 402 Anra.ff.; ürk. u. 
Act. VIII. 192; Aitzema Sachen von Orlogh IV. 277 ff.; Puf., De rebus gestis 0. G. 
V. 65; Fr. Wilh. VII. 57; Desnoyers I.e. 423f. 

«) A., fnr Sicherheit. 

=») Vergl. Urk. u. Act. VIII. 550. 

*) Johann Ysbrandts; für seine Thätigkeit in dieser Zeit; Urk. u. Act. III. 123 f. 

^) Ueber das Verhältnis der braunschweig-luneburgiscben Fürsten zum Rhein- 
bunde in dieser Zeit; Köcher 1. c. I. 249 ff.; Joachim 1. c. 409 ff. 

^) Ueber Blondeis Verhandlungen in dieser Zeit ürk. u. XcU II. 175 f. 



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Verhandlungen zwischen Oesterreicb und Schweden Jägerndorf. IQl 

pold dem Gesandten in 2 Schreiben vom 12. und 16. Juli Mittheilung gemacht 
von dem Versuche Bjömclaw's eine Unterredung mit Leopolds Ministem zu er- 
halten, zu der sich Leopold erst auf vieles Drängen von Mainz und Sachsen 
und mit vorheriger Gutheissung der brandenburgischen Gesandten entschlossen 
habe, welches Vorgehen der Kurfürst gutheisst, indem er zn gleicher Zeit noch- 
mals vor jedem Vertrauen Schweden gegenüber warnt und zu energischem Vor- 
gehen anfordern lässt (Schreiben von Schütz 30. Juli 1658). 



Schutz an den Kaiser. Dat. CöUn a. d. Sp. 6. August 1658- 

(Aut.) 

[Oesterreich-schwedische Verhandlungen. Jägerndorfer Angelegenheit.] 

Somnitz meldet im Auftrage des Kurfürsten, es seien vom Schwedenkönige 6. Au^'. 
einige Personen in des Kaisers Erblande gesendet worden, um die Bevölkerung 
aufzuwiegeln. — LÖben klagt in einer Unterredung vom 5. über die Nichtein- 
haltung der von Leopold und Penneranda vor der "Wahl gegebenen Versprechen 
in der jägerndorfischen Angelegenheit') und lässt im Namen des Kurfürsten 
den Kaiser durch Schütz bitten, keine weiteren Conferenzen mit den Schweden 
zu halten und von der ersten gehaltenen Conferenz dem Kurfürsten entsprechende 
Mittheilungen zukommen zu lassen. Schütz erklärt bezüglich dieser Angelegen- 
heiten nicht weiter instruirt zu sein und von weiteren Conferenzen der kaiser- 
lichen Minister mit Bjömclaw nichts zu wissen. 



Auf die dem Kurfürsten nach Weisung vom 26. Juli gemachten Eröffnungen 
über die von Mainz und CÖln geplante Mediation zwischen Frankreich und 
Spanien erwidert der Kurfürst (Schreiben von Schütz 10. Aug. 1658), dass, 



Portia, Khurtz, Nostiz und der Hofkammerpräsident verhandelten am 28. Juli 
mit den Vertretern Brandenburgs; diese fordern Jägemdorf oder als Aequivalent ent- 
weder das dem Grafen Tatteiibach gehörige Regenstein und 100000 Thaler, oder 
180 (KK) Thaler ohne Regenstein: in jedem Falle einen Theil des Geldes haar; die 
kaiserlichen Gesandten erklären sich zur Zahlung von 100000 Thalern bereit und 
nach längerem Verhandeln versprechen sie beim Kaiser für die Zahlung von 150000 
Tbalern einzutreten, allein jetzt sei kein Geld aufzubringen (Beilage der Weisung vom 
30. Juli 1658). Durch die Weisungen vom 30. Juli und 3. August wird Schütz von 
diesen Resultaten in Kenntniss gesetzt und ihm zugleich die Mittheilung gemacht, 
dass Leopold die 150000 Tbaler von den ihm von den Polen angewiesenen Einkünften 
aus den Salzbergwerken von Wieliczka zahlen wolle. Diese Erklärungen des Schätz 
werden am kurfürstlichen Hofe nicht freundlich aufgenommen; der Kurfürst erklärt, 
er hoffe, Leopold werde ,Ihro in Ihrer gerechten Sach willfahren*" (Bericht des Schütz 
vom 10. Aug. 1658). Bald darauf werden die Verhandlungen über diese Angelegen- 
heit von Friedrich von Jena, der Sept. 1658 nach Wien reist, daselbst aufgenommen. 
(Vergl. für Jena's Sendung ürk. u. Act. VIII. 383 ff.; Puf. 1. c. VII. 63 f.) 



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102 H- Der nordische Krieg 1655—1660. 

obzwar Sie den frieden zwischen beeden Cronon Spanien undt Franck- 
reicbs gleichfals gern befordert sehen möchten ... so käme ihr doch nach- 
mahlig frembdt für, dass Chur Mayntz undt Colin sich dieses hochwich- 
tigen wercks undt zwar im nahmen der sämbtlichen herrn Churfürsten 
unternehmen theten. . . . Die abschickung nach Paris seye auch in ge- 
dachter beeder Churfürsten undt Churpfaltz nahmen allein geschehen. 



Der Kaiser an Schütz. Dat. Frankfurt 5. Aug. 1658. (Or.) 

[Schwedens Pläne bei den Verhandlungen mit den verschiedenen Mächten. Des Kai- 
sers Verhalten und Ansicht in dieser Frage.] 

5. Aug. Uebersendet ihm die dem Bjömclaw gegebene Antwort sowie desselben 

weitere Erklärungen*), aus welchem klar genug abzunehmen ist, als dass 
man an seilen Schweden durch diese aller Orten suchende Particulartrac- 
taten nichts anders, als eine höchstschädliche Trennung zwischen uns und 
unseren Confoederirten suchen thut. Damit aber beeder Churfürsten zu 
Mainz und Sachsen L"*®", welche sich hierunter bemühet haben, nicht etwa 
bei unserer jetzt vorhabender'Abreis in die Opinion gerathen, samb man 
unserseits alle Friedensgedanken beiseits setzen wollte, so haben wir 
beeden Ihren L.L. von obgemeltem Protocollo ebenergestalt parte gegeben 
und dieselbe darbei sinceriren lassen, dass wir neben unseren Confoede- 
rirten ein als dem anderen Weg mit Schweden einen billichen und sicheren 
Frieden einzugehen beständig entschlossen verbleiben. 

Im F. S. vom 6. nur eine Wiederholung des hier gemeldeten. 



Schütz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 10. Aug. 1658. 

(Aut.) 

[Schwerins Erklärungen über die gegen Schweden zu beobachtende Politik. Branden- 
burgs Erwiderung auf die schwedische Anklageschrift. Urtheil des Schwerin über die 

rheinische Allianz.] 

10. Aug. P. S. 2**"™. Als ich den 7. dieses bey dem von Schwerin gewesen, 

^) In der auf Ratb des Mainzers am 80. Juli abgehaltenen Conferenz der kaiser- 
lichen Räthe Khurtz, Oettingen und Volmar, hatte Khurtz den Standpunkt Oesterreichs 
nur mit den Confoederirten abzuschliessen betont, darauf aber Björnclaw seinen Auf- 
trag mit Oesterreich allein zu verhandeln nochmals hervorgehoben, so dass es zu einer 
Einigung nicht kam. „Per discursum hat er vermeldet, wann man der Krön Schwe- 
den das königliche Furstenthum Preussen, Samogitiam und Churland überlasse, so 
werde es bald seine Richtigkeit haben.** 



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Verhalten gegenüber Karl Gustav. Rheinische Allianz. 103 

gedachte selbiger, dass zwar E^ K. M. resolution über des Obr. Pölnitzen') 
anbringen zu erwarten stünde, I^ Ch. D. wolle aber nicht wol möglich 
fallen, ihre armee also länger aus dem ihrigen zu halten. Schweden 
intentirte zwar bey seiner cunctation nichts anders, als den unglimpf 
der ruptur auf die alliirte zu bringen; nachdem aber derselbe biss noch 
auf des Reichsboden mit einquartierungen undt durchzügen nach gefallen 
grassirte, wehre mann diesseits in dem Instrumente Pacis undt der Exe- 
cutionsordtnung gnugsam fundirt. Undt würde zumal aller schein an 
Schwedischer Seiten verschwinden, wann die gravirte Ständte zur implo- 
ration undt Chur Sachsen als Crayss-Obrister seine authorität mit zu 
interponiren bewogen werden könte; wann auch gleich die imploration 
nicht erfolgen solte, so würde mann doch propter interesse Imperii ex 
officio verfharen können. 

Müste nechstdem errinnern, ob E. K. M. des Königs in Schweden 
wieder dieselbe undt I. Ch. D. aus Flensburg an das Churf. Collegium 
abgelassenes höchst anzügliches schreiben zu ihrem theil nicht würden 
beantworten lassen. I. Ch. D. Hessen anjezo ein manifest dargcgen 
in truck publiciren; undt seye deroselben übrigen sehr beschwerlich 
fürkommen, was |: Mainz jüngsten loco der antwort im nahmen col- 
legii aufgesezt :|, dass Schweden darinn die begierde zum frieden 
positive zugelegt werde, Polen aber undt I'. Ch. D. weiter nicht, quam 
quod ajant: auch diese undt andre von Ihren Gesanden dargegen ge- 
thane errinnerunge nicht attendirt werden wollen. I. Ch. D. |: würden 
noch könten dem herrn Churf. dergleichen eigenmechtiges pröcedere 
nachsehen :|. So erfordere auch die hohe noht, dass E. K. M. |: die 
verwesende allianz zwischen Franckreich und des Reichs hindern 
Hesse; iezo wolle man I. Ch. D. und Schweden aussschliessen und ob- 
zwar darauf geantwortet werden möchte : !, ob seye kein sonderbhare 
gefhar hierbey zu besorgen, so dörffte doch der eventus ein andres 
geben. Auf welches leztere ich geantwort, dass ehe undt bevor E. K. 
M. V, Ch. D. beyräthige gedancken auf was weiss undt durch was mittel 
solches am füglichsten geschehen könte, würde vernehmen wollen; undt 
steHte demnach zu seinem belieben, ob Er mir hierunter etwas weiter 
an handt geben wolte; dessen Er mich vertröstet undt ich annoch ge- 
wärtig bin. 

*) Gerhard Bernhard Pollnitz; vergl. über seine Sendung — er sollte officiell 
die Glückwünsche Friedrich Wilhelms zur erfolgten Wahl überbringen — - Puf. 1. c. 
VII. 41. 



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104 II. Der nordische Krieg 1655— If.60. 

P. S. S«"«. 

[RnstungeD Brandenburgs zur See gegen Schweden. Bitte um Unterstützung durch 

den Kaiser. Schwedens Einquartierungen im Mecklenburgischen.] 

Hat der Churf. Canzler Zomenitz*) im nahmen K Ch. D. den 8. 
dieses bey mir anbracht, es gebe die tägliche crfharung, dass bisshero 
die Schweden mit wenigen geringen schiffen die alliirte in Preussen 
vielfaltig incomraodirten undt an andrem nützlichen vornehmen verhin- 
derten'). Solches zu verhüten hetten höchstgedachte I. Ch. D. auch 
etliche schiff ausrüsten lassen, so Sie im Pillauischen haffen hielten. 
Dass auch dergleichen von Polen geschehen möchte, hette Sie all bereit 
der ohrten errinnerung thun lassen undt würde umb so viel do mehr 
ein guter effect darob zu hoffen seyn, wann E. K. M. einige aufzubringen 
undt zu erhalten sich gleichfalls allergnädigst resolviren selten. Zu den 
schiffen wehre in Niederlandt leicht zu kommen, auch an mittel nicht 
mangleu solche sicher durchzubringen undt könten Sie ihre Station in ge- 
dachtem Pillauischen haffen haben. 

Referirte demnechst, dass der Expresser, so I. Ch. D. an H. herzogen 
Christian zu Mecklenburg abgeschickt gehabt mit schreiben des inhalts 
— dass Er herzog die in seinem au hiesige marck stossendem territorio 
einquartirte Schwedische Reuter abschaffen möchte, wiedrigenfalss I. Ch. 
D. Ihrer landen Sicherheit halber nicht weniger der ohrten fuess zu 
fassen genöthigt würde; solte Er der herzog in der gute oder sonst 
gedachte Schwedische Reuter nicht ausschaffen könen, weiten Sie sich 
zur assistentz erbotten haben undt würde nöthig undt nützlich seyn, dass 
Er herzog diese der Schweden thätligkeiten an E. K. M. brächten undt 
umb remedirung nachsuchte — zurückkommen, undt antwortete ge- 
dachter herzog, dass gemelte Reuter auf sein bey dem König in Schwe- 
den in person gethanes anhalten bereit würcklich abgefhürt, hette auch 
den Burgemeister, so Sie zu Grabe eingelassen, zur straff gezogen, wolten 
nichtsdoweniger bei E. K. M. einkommen, undt bedanckte sich wegen 
angebottener hülff. 

') Somnitz. 

*) Für Schwedens Verhalten in dieser Zeit; Carlson 1. c. IV. 310 ff. 



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Operationen gegen Schweden. Schwedens Friedensvorschläge. 105 

Schutz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 12. Aug. 1658. 

(Aut.) 

[Mittheilungen des holländischen Gesandten über Schwedens Friedensvorschläge. Des 

Somnitz Mittheilungen über die Erklärungen des moskowitischen Gesandten und über 

die schwedischen Friedenspropositionen.] 

E. K. M. soll allergehorsamst nicht verhalten, dass der Holländischer 12. Aug. 
Ambassadeur^) gestriges tages bey P. Ch. D. audientz gehabt undt 
referirt, welcher gestallt der König in Schweden auf Sein undt des 
frantzösischen de Tombres*) beschehene remonstrationes des friedens- 
wercks halber sich erklärt'). 1°. Dass Er coniunctim mit allen confoede- 
ratis auch sogar dem Moscoviter die tractaten antretten wolle; 2**** sol- 
len Ihre Königl. Mt. in Polen alles deren auf Schweden praetendirten 
Erbrechts, auch dannenhero fhürenden titul undt Wapens sich begeben; 
wie auch 3"° die Cron Polen sich ihres rechtens in lieflandt. 4*^ Preussen 
wolte Er abtretten, jedoch dass anstatt desselben undt pro satisfactione 
ihm Churlandt eo jure et titulo, wie es von dem jetzigen hertzogen 
besessen wirdt, eingeräurabt, sodann fünff millionen Rthler. (deren er 
anfänglich zehen, nachgehendts acht gefordert) in gewissen terminen 
zhalt würden; hingegen undt zum 5^^" solte gedachtem hertzogen loco 
aequivalentis Samogitien von der Cron überlassen werden. Mit diesen 
cönditionibus seye der frantzösische von Stetin nacher Warschau ver- 
reiset, deme Er innerhalb wenig tagen folgen werde; undt würde numehr 
an dem seyn, dass höchstgedachte Ihre Königl. Mt. undt die Cron Polen 
dis salvos conductus extradirte, welche Schweden jedoch zu acceptiren 
difTicultirte, es seye dann seinen bey den Lübeckischen tractaten*) ratione 
der Wapen undt titul gethanen postulatis willfhart undt seye insonderheit 
undt noch ferner von gedachten König in Schweden begehrt worden, 
dass von der Cron Polen ihm solcher titul gleich er ietzo fhüren thäte» 
darinn gegeben werden möchte. Zu bezeugung seiner begierde zum frie- 
den wolle er auch ohnverlangt Seine commissarios auf Stetin schicken, 
deren principal der Graf von Schlippenbach ^). Allem Ansehen nach 

') Ysbrandts. 

^ Antoine de Lumbres; vergl. Urk. u. Act. II. 35 f; für seine Thätigkeit in dieser 
Zeit Urk. u. Act. II. 175 ff.; Desnoyers 1. c. 430f. 

*) Ysbrandts war Ende Juli nach Wismar gereist und hatte mit Karl Gustav 
und Schlippenbach über die Bedingungen des Friedens mit Polen verhandelt. (Für 
diese Verhandlungen Aitzema 1. c. IV. 263.) 

*) üeber die Verhandlungen zu Lübeck Carlson 1. c. IV. 29 f. 

*) Graf Christoph Karl von Schlippenbach. 



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106 11. Der nordische Krieg 1655—1660. 

werde Er im Reich nichts vornehmen, sondern im Preussen agircn, ge- 
stallt Er bey seiner des Gesanden abreyss etlich 1000 mann embarquiren 
lassen ^) . . . . 

P. S. 16. Aug. Vorschlag des Kurfürsten im Interesse der rascheren 
Communication an dem jeweiligen Centralpunkte der Operationen Vertreter aller 
Verbündeten sich aufhalten zu lassen. 

P. S. 18. Aug. Ist den 15. dieses der Canzler Zomenitz bey mir 
gewesen undt krafft habenden Churfürstl. befhelchs referirt. Erstlich des 
Moscovitischen sich jetzo allhier befindender Gesanden*) anbringen gienge 
dahin, dieweil die Polen die mit seinem herrn getroffene Wildische*) 
tractaten zu vollziehen difficultirten, I. Ch. D. deswegen undt umb 
effectuirung derselben bey dem König undt Senatoribus nachtrucklich ein- 
kommen weiten*), deren wiederantwortlicher erklärung Er allhier zu er- 
warten befhelcht. Falss auch die Vollziehung nicht erfolgen solte, würde 
sein herr mit Schweden sich vergleichen undt den Krieg wieder Polen 
reassumiren, worbey Er jedoch des erbiethens, mit P. Ch. D. die bisshero 
gepflogene freundtschafft zu erhalten, doch dass Selbige auch ihres ohrts 
den Polen wieder Ihn kein assistentz leisteten. Undt hetten Sie, die 
churf. Ministri so viel wahrgenommen, dass diesen leuten nicht allein 
durch der Schweden in Dennemarck gehabte progress ein grosso furcht 
eingejagt, sondern auch dieses beybracht worden, sambt wolte der König 
in Schweden, falss Sie in ein foedus offensivum mit ihm eintretten weiten, 
die im Preussen von ihm detinirte platz einräumen undt ihren disegni 
ratione Polen beförderlich seyn; worgegen gedachtem Gesanden bey 
lezter audienz gnugsame remonstrationes geschehen; sonsten würde der- 
seits an Schweden die einräumung Liff- undt Ingermanlandts pro con- 
ditione Pacis praetendirt. Zweytens: Was der Staaden Abgesander seiner 
bey Schweden gehabter Verrichtung halber zurück- undt bey höchstge- 
dachter P. Ch. D. vorbracht *), das dann mit demjenigen so bey lezter post 
d. d. 12. huj. allergeh, bericht, überein kommen; ausser dass soviel die 
friedenstractaten belangt, der König in Schweden zwar geschehen lassen 

') Vergl. ürk. u. Act. VIII. 286 ff. 

■*) Iwanowitsch Nestoroff; über seine Mission am brandenburgischen Hofe ürk. u. 
Act. VIll. 60ff. ; Hirsch, Ferdinand, Die ersten Anknüpfungen zwischen Brandenburg 
und Russland, Programm des Königstädtischen Realgymnasiums zu Berlin II. Theil 
1886, 20 ff. 

3) Gemeint ist der Waffenstillstand zu Wilna vom 24. Oct /3. Nov. 1656. 

*) Vergl. das Schreiben des Kurfürsten an den König von Polen vom 3./ 13. Aug. 
1658 ürk. u. Act. VIU. 67; die Antwort Johann Casimirs ebend. 68f. 

5) Vergl. ürk. u, Act. HI. 126 f. 



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Schwedens Friedensvorschläge. 107 

wolle, dass alle Interessirte sich an einem ohrt befinden thäten, undt 
mit denselben tractirt würde; jedoch weil jedes theil ein sonderbhare 
sach undt absonderliches interesse hette, könte Er auch änderst nicht 
als cum singulis singulatim tractiren. Welcher modus tractandi dann 
nichts anders, als die Separation der alliirten nach sich fhüre. Bey 
Churlandt habe Er es auf diese alternation gestellt, dass die Cron Polen 
ihm das jus directi dominii cedire, oder aber, welches ihm lieber seyn 
solte, dasselbe, wie es von ietzigem hertzogen besessen wirdt, einräume 
undt hingegen gedachtem hertzogen ein theil von Samoitien abtrette. 
Diese condition seye aber auch unbillich undt werde der Hertzog von 
Churlandt utroque modo unschuldig gravirt; dann wie die Schweden ihre 
Yasallos hielten, die tägliche erfharung zu erkennen gebe. Ueber dieses 
wolle Er, biss ihm die fünff million Rthlr. (welche jedoch wie der von 
Schwerin gedacht der Schwedischen Ministrorum anzeig nach, wofern 
mann an pollnischer Seiten nur quoad reliqua herbeytrette, wol in pol- 
nische gülden verwandtlet werden könten) zhalt, die in Preussen ein- 
habende ohrt innbehalten. Nun seye Polen solche summ geldt^s aufzu- 
bringen nicht allein unmöglich, sondern auch mehr als gewiss, dass wann 
hierinn undt in die retention gemelter Preussischer platz condescendirt 
werden solte, deren recuperation nimmer erfolgen würde, sondern mann 
würde Schwedischen theils, gleich iezo in Dennemarck beschehe, mit 
ein undt andrer lierbeygesuchten praetension, die abtrettung decliniren. 
Zudem begehre Er noch ferner, dass wann Preussen von ihm restituirt, 
es allerdings in dem Standt, worinn es für diesem krieg gewesen, gelassen 
undt dann inskünfftig kein König in Polen ohn sein genemhaltung er- 
wehlet werden solte. 

Alss ich auch erwehnt, es würde gedachter Gesander sonders zweifei 
auch etwas, so die übrige coufoederirte concerniren thäte, angebracht 
haben, antwortete Er Cantzler nichts, alss der König hette auf 1. Ch. D. 
ein grossen wiederwillen gefast undt beruhe iezo das werck auf der 
ausfertigung und extradition der salvorum conductuum. Undt nachdem 
ich hierunter incidenter meldete, dass E. K. M. die frantzösische me- 
diation nicht admittiren könte ^), gäbe Er zur antwort, dass solche 
einmal gefhärKch seye undt dörffte besorglich zu einer Separation der 
Confoederirten ursach geben . . . Seinem gnädigsten herrn fiele etwas 
schwer auf das Moscovitische anbringen sich zu resolviren, bevorab, weil 

') Vergl. für diese Frage der franzosischen Mediation Pribram Ber. Lisola's 
424 u. a. 0.; Cherael 1. c. III. 348 ff. 



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108 H. Der nordische Krie^ 1655—1660. 

Sie nicht wüsten, wie weit E^ K. M. hohes Ertzhauss ratione succes- 
sionis bey Polen berechtigt. 



Schütz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 26. Aug. 1658. 

(Aut.) 

[Mittheilungen über Karl Gustav's Kriegspläne. Entschluss des Kurfürsten. Des- 
selben Billigung der Haltung Leopolds bei den Verhandlungen mit Bjomclaw.] 

26. Aug. Der Kurfürst thciltc dem Schütz mit, wie dass in selbiger stundt von 
ihren bisshero in des Königs zu Schweden suitte verdeckter weiss «nter- 
haltenen undt numehr hier angelangten dienern Sie berichtet, dass ge- 
dachter König sambt dem Wrangel mit der gantzen Infanterie, etlichen 
Regimentern zu pferdt undt 20 canonen von Kiel auss den 14. dieses 
sich zur See bogeben undt nacher Preussen gehe'). Weil Sie dann Ihro 
hierbey kein andre gedancken machen könte, als dass gedachter König 
auf Königsberg sein absehen gericht; so habe Sie allbereit Ordre ertheilt, 
dass dero völcker auch dahin marchiren selten, denen Sie inner wenig 
tagen in porson folgon wolten. Im üebrigcn bezeigt der Kurfürst sein Kin- 
verständiiis bezüglich des Vorgehens Leopolds in den Verhandlungen mit Björn- 
claw und verspricht ein Gleiches zu thun. 



Schütz an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 29. Aug. 1658. 

(Aut.) 

[Kriegsplfiiip des Kurfürsten. Zug nach Holstein. Verwendung der kaiserlichen 

Truppen. Verhandlungen des Schütz mit dem Kurfürsten und mit dessen Käthen über 

diesen Punkt. Reise des brandenburgischen Hofes nach Crossen, ürtheil des Schutz 

über des Kurfürsten Pläne.] 

*29. Aug. Abschiedaudienz beim Kurfürsten. Dieser betheuert, dass er in schul- 

diger Devotion gegen E. K. M. beständig verharren würde, und vermel- 
det, wie dass Sie, nachdem der König in Schweden ohli einige begrün- 
dete ursach Dennemarck de novo feindtlich angefallen undt durch die 
im hertzogthumb Hollstein verübende hostilitäten den Reichsfrieden vio- 
lirt, an E'. K. M. feldtmarschalcken Grafen von Montecucoli durch 
einen Expressen gelangen lassen, den allbereit auf Thoren vorgenom- 
menen march einzustellen, ohne versäumung einiger zeit sich zurück 



Urk. u. Act. VIII. 288. In der That wendete sich Schweden gegen Dänemark ; 
Carlson 1. c. IV .'HOfT. 



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Kriegsoperationen gegen Schweden. 109 

nach der Neamarck zu ziehen, daselbst mit höchstgedachter I. Ch. D. 
zu coniuogiren undt nacher gedachtem Hollstein zu gehen undt der 
Schweden progress zu hindern^). Die Infanterie solte gleichfals nach 
den Neumarckischen gräntzen gefhört undt daselbst so lang beysam- 
men gehalten werden, biss man sehe, wie es sich in Hollstein anlasse. 
Zametski hetten Sie ebenmässig zu eylender conjunction requirirt undt 
thäten sich versehen, mann würde von beeden ehrten sich willfhärig 
erweisen undt daran seyn, darmit diese so vortheilhafftige occasion 
nicht abermahlig verlohren gehe. Ob summum morae periculum könte 
dieses zuvor an E. K. M. nicht gebracht werden. Es seye aber in er- 
wegung aller umbständten nicht zu vermuthen, dass E. K. M. ihro 
solches zuwieder seyn lassen, sondern vielmehr dero höchsterleuchtem 
verstandt nach es vor gut ermessen undt genehm halten würden, Sinte- 
mal Schweden durch diese ietzige Invasion der Hollsteinischen platz 
erst auf des Reichs boden gebrochen undt obzwar vorgegeben werden 
wolle, Dennemarck hette mit T. Ch. D. sich in alliance einlassen wollen, 
so seye doch solches ohne grundt'); die gefhar so aus negligirung 
dieser abermahlig sich an handt gebenden occasion zu besorgen undt 
der vortheil, so hingegen die AUiirte hierbey zu hoffen, seye am tag; 
auch an dem verlangtem success kein zweifei; die königlichen Yestungen 
würden denselben zur retraitte nicht allein offen stehen, sondern [: Sie 
hofften es auch so weit zu bringen, dass Sie etwa von E. K. M. .Volk 
zur Guarnison einnemmen:]. Ob nun schon, Allergnädigster Kayser 
und Herr, ich von dem foedere undt E^ K. M. lezteren resolution, so 
Sie K Ch. D. Abgeschickten Obristen Pelnitz gnädigst ertheilet, keine 
wissenschafft habe^ dahero auch bey lezt gehaltener conferentz, wie nicht 
weniger wegen mangel befhelchs hierin mich nichts vernehmen lassen 
können noch sollen; nachdem jedoch E^ E. M. Rhat Lisola mich 
berichtet, dass der Churbr. Abgesander zu Warschau der von Hover- 
beg eine fast dergleiche proposition, dass Schweden als ein Reichs- 
feindt von E'. K. M. bekriegt werden möchte, daselbst gethan, dar- 
nebenst aber, dass solches den Berlinischen tractaten nicht gemäss; 
als habe mit gebührendem respect erwehnet, dass zwar von E^ E. M., 
wie mehrmahlig gedacht, auf dergleichen negotia nicht instruirt; seye 
mir auch verborgen, was deroselben feldtmarschalck Graf Montecucoli 



Für die.Verhandlungen des Kurfürsten mit Montecuccoli ürk. u. Act. VIII. 360f. 
^ lieber die brandenburg-dänischeD Beziehungen dieser Zeit, Urk. und Act. 



VIII. 586 f. 



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110 n. Der nordische Krieg 1655- 16G0. 

cucoli in befhelch hette; höchstgedachter P. Ch. D. seye aber vorhin 
gn^igst bewust, wie hoch sich die übrige Stände des Reichs bey diesem 
werck interessirf machen möchten. Undt dieweil ab der dänischen Be- 
dienten bericht so viel zu vernehmen, dass die haubtvestungen in be- 
rührtem Hollstein sich noch ein paar monat halten könten, auch die der 
ehrten stehende Schwedische Völcker allein etwas haubtsächliches dar- 
gegen vorzunehmen nicht wol vermögen würden, über das alles auch 
E^ K. M. feldtmarschalck allbereit vor Thoren angelangt seyn undt 
solche impresa ungern verlassen würde; so Hesse zu I^ Ch. D. nach- 
dencken gestellt seyn, ob dieselbe E^ K. M. resolution hierüber jez 
zugleich einzuholen Ihre belieben lassen wolte; darmit wann ctwann 
E'. K. M. feldtmarschalck vorberührter ursach undt insonderheit des 
wercks hohen Wichtigkeit halber anstehen solte, manu alsdann nichts 
doweniger umb so viel do eher zu einer den sambtiichen Alliirten zum 
besten gereichenden resolution schreiton undt die noch übrige wenige 
zeit zur campagne mit nutzen anwenden könne. Worauf I. Ch. D.: Sie 
betten allbereit beschlossen, den D. Jena an E^ K. M. hoff dieser 
Sachen halber abzuschicken'); biss dabin aber könte mann Schweden 
der ehrten nicht agiren lassen, undt würde die hülif zu spät fallen, |: der 
Successe in Ihren banden und bedörlfte es alssdan keiner verantwort- 
tung; wan Montecucoli Ihr iezo nicht willfahrte, muesten Sy mit Schwe- 
den Frid machen. E. K. M. betten Ihm befohlen zu agiren, wo es 
I. Ch. D. guet befanden : |. Ich wiederholte meine entschuldigung undt 
dass gedachter Graf Montecucoli E'. K. M. befhelch nachkommen 
würde, nicht zu zweiflen; worauf also von V. Ch. D. dimittirt worden. 
Dieselbe haben kurtz hernach dero goheimbde Khäte Somenitz undt 
Jena zu mir geschickt undt nechst gewöhnlichen curialien mir andeuten 
lassen, Sie betten so viel wahrgenommen, als ob ich in zweiffei stünde, 
dass E. K. M. des dähnischen wercks sich annehmen, oder dero 
feldtmarschalck Montecucoli zu der verlangten eyligen conjunction sich 
verstehen würden. Begehrten demnach gnädigst mich hierüber etwas 
klarer vernehmen zu lassen: Sintemal auf den fall Sie berührter con- 
junction sich nicht versichert wissen selten, Sie andre resolution ergreiffen 
müsten. Ich bin aber bey meiner entschuldigung verblieben, dass auf 
dergleichen negotia ich nicht instruirt. Was ich bey diesem novo emer- 
gente erwehnt, seye aus gehorsamster devotion undt privatim geschehen. 
Wessen der feldtmarschalck sich erklären würde, seye mir gleichfals 



') Ueber Jena's Mij^sion in Wien Urk. u. Act. VIII. 3()3ff. 




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Des Kurfürsten Pläne. 111 

unwissendt ündt wurden übrigens I. Ch. D., sodann dero Ministri, als 
denen alle umbständte zur gnüge bekannt, ohne mein errinnem undt 
besser dijudiciren können, ob E'. K. M. resolution zuforderst ein- 
zuholen, ob auf die querelen, so des Reichs Ständte hierüber moviren 
möchten^ mehr als auf den vortheil oder gefhar, so ein oder andren 
falss zu gewarten, zu reHectiren; ob auch, wann mann sich des Königs 
in Dennemarck anzunehmen resolviren solte, dasselbe des Reichs halber 
undt nicht vielmehr ex alio capite zu behaubten? An seilen E^ 
K. M. fhüre mann ein aufrichtige intention undt werde des Grafen von 
Montecucoli erklärung zu erwarten stehen. Gleichwie dann der Zomenitz, 
als ich ihn für dieser conferentz besuchte, ultro das dubium movirte, 
weil von dieser revolution bey Schliessung der alliance nichts abgeredt^ 
es möchte diesgedachter Graf Montecucoli E'. K. M. ordre nach er- 
wehnter alliance aussdeuten, undt die Cooperation in gemeltem Holl- 
stein difßcultiren. Also gedachte D. Jhena, Ihm seye bekannt, was dieser 
materi halber bey jüngstem Wahltag passiret, undt mache Er ihm die 
gedancken, es möchte dieses werck an seiten E^ K. M. in weiteres 
bedencken gezogen werden. Alss ich auch nachgehendts bey dem 
von Schwerin gewesen, hat derselbe dasjenige, was I. Ch. D. obver- 
meltermassen erwehnt, weitläufftig recapitulirt, auch wie dass I. Ch. D. 
an der spitzen undt der gefhar am nechsten sitzen thäten, dannenher 
auch ietzige conjuncturen umb so viel domehr zu beobachten hetten. In 
Preussen könten die Armeen nicht beysammen stehen, oder wurden sich 
selbst ruiniren. Es würde zwar Schweden nicht unterlassen durch offe- 
rirung annehmlicher conditionen E. K. M. von dero Alliirten zu tren- 
nen, I. Ch. D. aber trügen zu deroselben das gehorsamste vertrauen, 
Sie würden von deroselben nicht verlassen werden. Jetzhöchstgedachte 
I. Ch. D. seyndt übrigens anheut sambt dero Frau Gemahlin auf Crossen 
gereist, werden daselbst raehrgedachtes feldtmarschalck Grafen von Monte- 
cucoli erklärung erwarten undt nach derselben ferneren anstallt machen. 
Undt gleichwie zeit meines anwesens allhier ab allem so viel wahrzu- 
nehmen gehabt, dass mann nicht so wol in Preussen es agirte, dann 
auch Schweden dasei bsten, als andrer ehrten Schweden zu incommo- 
diren getrachtet; als ist bey höclistgedachter P. Ch. D. undt dero sambt- 
lichen Ministris nichts andres zu vermercken, als dass, falss nur E^ 
K. M. feldtmarschalck sich verlangtermassen erklären solte, I. Ch. D. 
künftige woch mit dero Cavallerie gewiss aufbrechen undt nacher 
Hollstein gehen werde. Es wirdt auch des D. Jena reyss noch fünff 



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112 11. Der nordische Krieg 1655—1660. 

oder sechs tag sich verweileo, undt wie der von Schwerin mir andeutete, 
soll seine Instruction so viel in specie diess wesen belangt, mehr dahin 
gericht werden, E^ K. M. in unterthänigkeit vorzustellen, warumb dero 
Resolution nicht erwartet werden können ^). 



Votum deputatorum vom 13. Sept. auf des Schütz Relationen 
vom 16., 18., 21. und 2ö. August. 

[Bessere Corresponclenz unter den AUiirten. Französische Mediation bei Polen. 

Jägerndorf.] 

28. Aug. Man möge Schütz schreiben, er soll dem Kurfürsten melden, dass der 
Kaiser in Erwiderung des von Schwerin und Weimann*) gestellten Antrages, 
dass die Verbündeten bessere Correspondenz pflegen mögen, den Kurfürsten er- 
suche, einen Gesandten nach Wien abzufertigen, dann werde der Kaiser auch 
seinerseits jemanden nach Berlin senden. Schütz soll ferner trachten zu erfahren, 
was der nach London bestimmte brandenburgische Gesandte für Instructionen 
habe^), und gleichwie er. Schütz, gar recht gethan, dass er in puncto 
der französischen Mediation bei den polnischen Tractaten auf dessen 
Exclusion bestanden, also sollte er, wann und so oft deren von den 
Churbrandenburgischen ministris gedacht wird, dies Orts E. M. Befehlch 
und Intention stricte nachkommen; in der jägerndorfischen Sache aber 
für sich nichts melden, sondern erwarten, was man an ihne weiter bringen 
wird; und solches sodann ad referendura nehmen. Sollte Schütz bereits 
von Berlin abgereist sein, so soll Fernemont dorthin abgesendet werden. 
(Portia, Khurtz, Schwarzenberg.) 

Zu Linz am 15. Sept. wird beschlossen, Plettenberg nach Berlin zu sen- 
den; allein auch dieser gieng nicht dahin. 



') Vom 18. Aug. 1658 st. v. datirt auch ein Schreiben des Kurfürsten an den 
Kaiser, in welchem der crstere dem letzteren mittheilt, er könne die Recrutirung und 
Erhaltung seiner Truppen nicht mehr allein auf sich nehmen, da aber eine starke 
Rüstung unbedingt nothwendig sei, „so habe K. K. M. hiermit fürstellen wollen, ob die- 
selbe nicht allergnädigst gut finden, an einige im westphälischen Kreise und an an- 
dern Orten mir angrenzende Kcichsstande, Schreiben ergehen zu lassen, dass sie zu 
Richtung und Aufbringung der hochnöthigen Recruten einige Quartier und Muster- 
plätz in ihren Landen ohne ihren sonderlichen Schaden und Beschwer verstatten 
mochten." Vom selben Tage datirt ein zweites Schreiben, in welchem der Kurfürst 
bezüglich seiner Verhandlungen mit Schütz auf dessen Berichte verweist. 

2)' Ueber Dr. Daniel Weimann Urk. u. Act. V. 774 ff., VIH. 4f. 

^ Man plante damals Daniel Weimann nach London zu schicken, doch unterblieb 
die Reise; Urk. u. Act. Vlll. 802 Anm. Vertreter Brandenburgs in London war da- 
mals Adolf Friedrich Schlezer; vergl. über ihn Urk. u. Act. VI. 647 Anm.; Vlll. 715ff, 



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Instruction für Strozzi. 113 

Mission des Grafen Peter Strozzi. 
Instruction für Strozzi. Dat. Wien 14. Jan. 1660. (Conc.)') 

[Frage der Evacuation Pommerns.] 

Da in den mit Brandenburg geschlossenen Tractaten bestimmt worden ist, 14. Jan. 
dass kein Theil ohne Wissen und Consens des Anderen die Evacuation der oc- 
cupirteu Orte pactiren soll*), hat der Kaiser, als er vor etlichen Monaten ver- 
nommen, dass die schwedischen Friedensbevollmächtigten bereits in Preussen 
angelangt seien»), Montecuccoli an den Hof des Kurfürsten gesendet, um mit 
demselben sich bezüglich dieses Punktes zu einigen*). Da nun der Kurfürst 
in seiner dem Montecuccoli gegebenen Erklärung der Evacuirung und Einräu- 
mung der pommerschen Orte keine Erwähnung thut, das .pommersche Wesen 
aber bei den Friedensverhandlungen zuerst vorgenommen werden dürfte, soll 
.Strozzi sich zum Kurfürsten begeben und demselben erklären: „Es hätte uns 
uDser Feldmarschalk der Graf Montecuccoli Sr. Ld. Erklärung auf das- 
jenige, was wir ihm unter dato den 8. Nov. jüngsthin in Sachen das be- 
vorstehende Friedenswerk betreffend, mit derselben zu conferiren anbe- 
fohlen gehabt, gebührend hinterbracht ^) ; wären auch anderweit von |der- 
selben gnugsam versichert worden, dass sie einige Particularfriedens- 
tractaten mit der Krön Schweden einzugehen, noch von uns sich zu 
separim, nicht gesinnet wären." Dasselbe verspricht der Kaiser dem Kur- 
fürsten^). Da nun beider Wille die Herstellung des allgemeinen Friedens 
ist, Frankreich und Spanien sich in dem geschlossenen Frieden zur Herstel- 
lung eines allgemeinen Friedens verpflichtet haben '') und sich dafür interponiren 
wollen'*), wie der spanische Botschafter*) dem Kaiser bereits mitgetheilt habe, 



^) Ursprünglich war die Instruction für Fernemont ausgestellt worden, an dessen 
Stelle dann in letzter Stunde Strozzi trat. 

^) Letzter Abschnitt des articulus secretus des Vertrages vom 9. Peb. 1658; 
Mömer 1, c. 232. 

•) Die Vertreter Schwedens in Oliva waren: Magnus Gabriel de la Gardie, Bene- 
dict Oxenstjerna, Graf Karl v. Schlippenbach, A. Guldenclaw. Ueber die Friedens- 
verhandlungen zu Oliva; Böhm, Acta pacis Olivensfs inedita, Wrat. 1763. Pribram, 
Lisola 536 ff., Urk. u. Act. Vlll. 683 ff. 

*) Ueber Montecuccoli's Verhandlungen mit dem Kurfürsten Urk. u. Act. VI IL 410 ff. 

^) Die Berichte Montecuccoli's an den Kaiser aus dieser Zeit sind im St.-A. 
nicht vorhanden. 

*) Vergl. auch die Correspondenz Leopolds mit dem Kurfürsten in dieser Zeit: 
Urk. u. Act. VIII. 413; Londorp 1. c. VIII. 680. 

Durch den § C 1. des Pyrenäischen Vertrages vom 7. Novbr. 1659; vergl. 
Dumonl 1. c. VLj 278. 

*) Seitens Frankreich erschien in Wien der Präsident Colbert; vergl. Recueil 
des Instructions 1.33 ff.; seitens Spanien de Lutiani; vergl. Pribram, Lisola 537, 557. 

*) La Fuente. 

Mater, z. (iescb. d. U. Kurfürsten. XIV. 8 



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114 II. Der nordische Krieg 1655—1660. 

hat der Kaiser nicht blos diese Interposition angenommen, sondern noch über- 
dies seine friedfertige Stimmung betont und ist überzeugt, dass der Kurfürst 
derselben Meinung ist^). Da nun schon die Verhandlungen in Oliva begonnen 
und zuerst die pommersche Angelegenheit vorgenommen werden dürfte, habe 
der Kaiser Strozzi abgeordnet, um mit dem Kurfürsten über diese Angelegenheit 
zu sprechen und bitte Friedrich Wilhelm um seine Meinung. „Du wirst aber . . . 
dich nur in generalibus und also zu verhalten haben, dass S. Ld. kein 
Anlass» daraus nehmen, zu erkennen, ob wir zu Enträumung gedachter 
Platz geneigt oder nicht geneigt seien.^ Im übrigen hat Strozzi dahin zu 
sehen, dass die guten Beziehungen zwischen beiden Höfen aufrecht erhalten 
werden. 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 5. Febr. 1660. (Or.)O 

[Verhandlungen Strozzi's mit dem Kurfürsten und dessen Rätben bezüglich des in 
Oliya einzuschlagenden Verfahrens.] 

5. Febr. Strozzi macht dem Kurfürsten von Spaniens und Frankreichs Mediation 
Mittheilung und fordert im Namen des Kaisers gemeinsames Vorgehen Oester- 
reichs und Brandenburgs zu Oliva. Der Kurfürst verspricht das und beordert 
Schwerin und Jena zu Berathungen mit Strozzi^). Strozzi hat sowohl bei 
P. Ch. D., als Fürsten von Anhalt (welcher durch die jüngste nähere 
Verwandtschaftsverbündnus *) noch in höherem Credit und AflFection bei 
I. Ch. D. wachset) klar penetrirt, dass S. Ch. D. vor kein beständiges 
Werk und Versicherung einziger Ruhe im römischen Reich, absonderlich 



^) Nachdem der Kurfürst in einem Schreiben vom 29. Dec. 1659 st. v. dem 
Kaiser von dem ihm von Mazarin übersendeten Drohschreiben (gedr. Ürk. u. Act. II. 
330ff.; Londorp I.e. VIII. 664) Mittheilung gemacht, meldet er in einem Schreiben 
d.d. S.Jan. 1660 st. v.: Strozzi habe ihm einen Eztract des Schreibens des spani- 
schen Gesandten an den Kaiser wegen Erzielung eines allgemeinen Friedens übergeben 
UDd von der Geneigtheit des Kaisers gesprochen, diese Mediation anzunehmen, wenn 
sie wirklich den Frieden bezwecke. Der Kurfürst erklärt sich zur Annahme der Medi- 
ation bereit, erwähnt aber, dass Frankreich gedroht habe den Schweden im Frühjahre 
mit 30 000 Mann zu Hilfe zu eilen und gibt zu bedenken, ob man nicht darauf sehen 
müsse, Frankreich in terminis der Mediation zu erhalten. In jedem Falle hofit Frie- 
drich "Wilhelm, dass es Leopold gelingen werde, von Spanien das bindende Ver- 
sprechen zu erlangen, einem eventuellen Vordringen Frankreichs entgegentreten zu 
wollen. 

*) Für Strozzi's Mission im allgemeinen ürk. u. Act. VIII. 413 f.; Puf. I.e. 
VIII, 63. 

*) Vergl. das folgende Stück. 

*) Er hatte im Juli 1659 Henriette Katharina, Tochter des Prinzen Friedrich 
Heinrich von Oranien, Vater der Louise Henriette, des Kurfürsten Gemahlin, ge- 
beirathet. 



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Verbandlungen zu Oliva. Pommer'scbe Restitntionsangelegenheit. 115 

aber E'. E. M. ErbkÖDigreiche und Landen, wie auch seiner Gränitzen 
durch einzige Friedensschliessung halten können, so lang Schweden einen 
festen Fuss im Reich, oder zum wenigsten den Oderstrom in seinem Ge- 
walt erhalten würde; derowegen Stettin und dergleichen ihnen nothwen- 
dig müssten entzogen werden und obwoln in dem ProtocoU 'specifice 
Stettin nit gemeldet wird, so werden E. K. M. ex sensu tanquam acces- 
sorium des Oderstroms allergn. das conclusum finden. 



ProtocoU der Conferenz zwischen Strozzi, Jena und Schwerin. 
Dat Colin a, d. Sp. 25. Jan. st. v. 1660. (Or.) 

Am 23. begaben sich Schwerin und Jena auf Befehl des Kurfürsten zu 25. Jan. 
Strozzi und erklärten: Der Kurfürst finde, dass die von Strozzi vorgebrachte 
Proposition in 2 Dingen bestehe; 1^ will der Kaiser nur einen allgemeinen 
Frieden; 2°. will er wissen, wie der Kurfürst über die Rückgabe der pommer- 
schen Eroberungen denke. Bezüglich des ersten Punktes ist der Kurfürst ganz 
der Meinung des Kaisers. Was den zweiten Punkt betreffe, habe auch Schwe- 
den jetzt denselben in die Proposition aufgenommen, daher der Kurfürst seine 
Gesandten dahin instruirt habe, zu sagen, er werde, wenn Schweden ernste 
Neigung zu einem allgemeinen Frieden zeige, sich so in diesem Punkte zeigen, 
dass deswegen der allgemeine Friede nicht gestört werde; der Kurfürst wünsche 
des Kaisers Ansicht in diesem Pankte zu hören. Es würde sonsten P. K. 
M. nicht unbekannt sein, was man wegen der pommerischen Oerter bei 
Abhandlung einer Allianz für considerationes gehabt und dass man dafür 
gehalten, es würde bei so gestalten Sachen weder I. K. M. noch das 
röm. Reich, noch auch Polen rechtschaffene und nöthige Sicherheit haben 
können; und obgleich dazumahl auch die Stärke des Landes und der 
Schweden sowohl in- als ausserhalb des Reichs habende Freunde und 
Alliirte vorkommen und dabei in Acht genommen worden, so wäre je- 
dennoch die offenbare Gefahr und Unsicherheit vor vorbenannte Staaten 
geblieben und stünde daher zu versuchen, dass diese allezeit offene Ge- 
legenheit die Benachbarte nach Belieben zu infestiren, beschränket und 
durch bessere und nöthige Einrichtung des Oderstromes zur Sicherheit 
ein Grund gelegt und dergestalt der höchstnöthige Friede im heil. röm. 
Reich und den benachbarten Königreichen und Fürstenthümem mit 
mehrer Beständigkeit beibehalten werde. 

Der Graf erwiderte, er wolle das schriftlich haben. 



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116 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

Strozzi an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 11. Febr. 1660. 

(Or.) 

[Brandenburg-braunschweigische Beziehungen.] 
11. Febr. ... Es ist mir sub manu beigebracht worden, dass P. Ch. D. Kammer- 
präsident, der von Canstein, in deroselben Namen mit den braunschwei- 
gischeu Gesandten zu Tangermünde in einziger Conferenz sich befinde'); 
cuius materian/ aber, (welches letztere ich doch nit pro certo asseriren 
darf) sein sollte, dass Braunschweig und Lüneburg wegen ihrer Länder 
von allen Insulten und Belegungen von I'. Ch. D., dero Völker halber, ver- 
langten versichert zu werden, mit Gegenerbietung, sich sammt dem 
niedersäxischen Kreis zu verobligiren P. Ch. D. dero Länder, so jenseits 
der Elbe liegen, auch vor allen feindlichen Anfall frei und in ihrer 
Alliance respective begriffen zu halten. 

Strozzi hat darüber an Schwerin geschrieben, worauf dieser im Namen des 
Kurfürsten antwortet, „was anlanget die Zusammenkunft, wüssten S. Ch. 
D. selbst noch nicht, was dabei vorgehen mögte, weiln dieselbe von 
Seiten des Hauses Braunschweig wäre begehret worden; so bald aber 
der Herr Kammerpräsident wiederum zurück käme, sollte P. K. M. und 
dem FeldmarschalP), alles was vorgegangen, communiciret werden'). 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 18. Febr. 1660. (Or.) 

[Verschiedene Pläne am brandenburgischen Hofe über die gegen Schweden zu beob- 
achtende Haltung. Erklärungen des Kurfürsten an Strozzi in dieser Sache.] 

Ich habe soviel penetriren können, dass sowohl I. Ch. D., als der 
dänischer allhiesiger Abgesandte*) seines Theils nicht glauben, dass die 
polnische Tractaten auf einzigen Universalfrieden sollten ablaufen, son- 
dern halten vor sicher, Polen wird sich in ein Particularwerk einlassen, 
welches des Königs in Schweden einzige Intention ist; und hatten sich 
die Consilien allhier in 2 Theil gespalten, der Erste hat vermeint, man 
sollte Pommern den polnischen Tractaten mit lassen einschliessen, Däne- 

*) Für die Beziehungen der Braunschweiger zu Fr. Wilh. in dieser Zeit, Köcher 
I.e. 288 ff. 

^ Montecuccoli. 

') Durch eine Weisung vom 11. Febr. wird dem Strozzi Mittheilung von dem 
an Montecuccoli ertheilten Befehle gemacht, beim Kurfürsten die Ordnung der Frage 
der Restitution der pommerschen Eroberungen zu versuchen. In gleichem Sinne soll 
Strozzi thätig sein. 

*) Detlef von Ahlcfeld; vergl. Puf. 1. c. VIII. G4. 



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Pläne Fr. Wilh. ^egen die Schweden. 117 

mark aber zu secuudiren gleichwohl sich vorbehalten, als wie es vor 
dem pommerischen Einfall gewesten. Die Andern aber, welche potiores 
sein und es erhalten, schliessen, man solle Pommern keineswegs fahren 
lassen, sondern auf künftige Campagna das Werk also einrichten, damit 
ein gebührliches Corpo in Pommern gelassen wurde, um Wolgast, An- 
clam, Greifswalde zu attaquiren, da dann nach Einnehmung solcher 
Platz, Stettin wohl vor sich Selbsten fallen würde; derohalben aber um 
gnugsame Kriegsmunition, absonderlich aber Proviant und Lebensmittl 
(dessen allhier ein Mangel erscheinet) in Aufrichtung bequemlicher Ma- 
gazinen, nunmehro schon zu gedenken sein wird. 

Das übrige Corpo (allwo der nervus von der Cavallerie sein sollte) 
müsste über die Elbe und in das Bremische gehen, als 1"® unsere pom- 
merische Attaquen zu bedecken und frei zu halten, 2*^^ die Plätze Stade, 
Buxtehude und Bremervörde suchen hinweg zu nehmen, da dann Werben 
etwas versichert gemacht werden solle, um einziges Magazin alldorten 
aufzurichten, auch Tangermünde (wiewohl es zwar unbewarth) von P. 
Ch. D. darzu müsste gelassen werden. Sollten die Franzosen sich in 
das Werk mischen, müsste man das Corpo, so in Bremen agiret, tan- 
quam das stärkste und an grösserer Anzahl Cavallerie bestehend, darzu 
die dänischen Völker stossen sollten, gedachten Franzosen directe ent- 
gegen gehen lassen, um sie vorzukommen; derohalben man sich auch 
auf E'. K. M. höchsterleuchtende vorsichtige Gedanken verlasset, dass in 
dero Erbkönigreichen und Landen, wie auch anderwerts solche praepa- 
ratoria gemacht werden, dass ein Corpo allezeit in reserva, um überall, 
wo die Nothwendigkeit erfordert, hinzuschicken, verbliebe^). 

Der Kurfürst wänscht die Anwesenheit Montecuccoli's, um mit diesem zu 

berathen. Montecuccoli befindet sich bereits auf dem Wege nach Berlin 

Es haben I. Ch. D. in calore gegen mir sich mündlich so weit ausge- 
lassen, sie seien intentionirt die Völker (welche am nächsten und be- 
quemlichsten an dem bremischen und niedersäxischen Kreis liegen) zu 
beordnen, sich in Bereitschaft zu halten, dass, im Fall die niedersäxi- 
sclie Liguirten sich denen Schweden wieder die Dänen würklich zu 
helfen moviren möchten, gedachte kurf. Völker und Generalmajor PfueP) 
nit allein denen dänischen diesseits secundiren, sondern alsobalden den 
Liguirten auf den Hals gehen sollten, um solche gleichsam in partu zu 

») Vergl. ürk. n. Act. VIII. 422. 

*) Georg Adam Ton Pfuel; ^ergl. Mülverstedt, Die brandenburgische Kriegsmacht 
unter dem Grossen Kurfürsten 355 f. 



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118 II. Der nordische Krieg 1655—1660. 

suffociren; doch weiss ich noch nicht die endliche Resolution. Dieweilen 
ich deswegen meines Verhaltens keine Ordre hatte, hab ich mich nee 
affirmative nee negative meiner Opinion halber einlassen dörfen; hoffe 
durch stündliche Ankunft Feldm. Montecuccoli wird dieses reiflichst per- 
pendirt werden. . . . 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 25. Febr. 1660. (Or.) 

[Brandenburgs Haltung bei den Verhandlungen in Oliva.] 

25. Febr. Der Kurfürst fordert bezüglich der pommerschen Angelegenheit und über- 
haupt circa modum assecurationis pacis vorerst des Kaisers Meinung zu ver- 
nehmen. 

Im Uebrigen, was I. Ch. D. dero Gesandten ') in Polen durch über- 
morgige Post zukommen lassen werden, habe ich so viel von Herrn von 
Schwerin heraus gebracht, um E. K. M. allerunterthänigst zu berichten, 
dass man sich diesseits erklären solle, man würde durch das pommerische 
Werk ein general sichern Frieden nicht zerstossen lassen, aber cum 
special! clausula supranominata, dass es ein Generalfrieden sein sollte, 
dardurch dann nit allein Dänemark, sondern Holland mitbegriffen wäre; 
vermeinte auch Herr v. Schwerin, E'. K. M. Gesandten in Polen") incli- 
nirten gar zu sehr ohne Dänemark sich einzulassen, welches dann kein 
Generalfrieden wäre; setzten mir auch hierbei, dass gedachte Antwort 
zwar noch nit in Deliberation genommen, sondern erst morgen darüber 
Rath würde gehalten werden, glaubte aber wohl, ich könnte solches 
E'. K. M. als Meinungsweis unterthänigst berichten. . . . 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 28. Febr. 1660. (Or). 

[Verhandlungen Strozzi's mit dem Kurfürsten aber die gegen Schweden zu beobachtende 
Politik. Erklärung des Kurfürsten bezüglich der Evacuation Pommerns. Schwerin^s 
Aeusserungen in dieser Sache und über das Verhältnis des Kaisers zu Brandenburg. 
Erwiderungen Strozzi's. Unterredung Strozzi's mit Ahlefeld. P. S. Das Schreiben des 
Kurfürsten an den Kaiser betreffend.] 

28. Febr. Befehl vom 19. erhalten'). Der Kurfürst hat sich, als Strozzi von ihm eine 
categorische Erklärung forderte, etwas und sehr perplext befunden, vor- 



Brandenburgs Vertreter waren Hoverbeck, Somnitz und Albrecht von Ostau; 
über ihre Thätigkeit in dieser Zeit Urk. u. Act. VIII. 718ff. 

*) Kolowrat, Lisola und Thiren. Brandenburgs Vorwurf bezüglich Oesterreichs 
in der Frage des Einschlusses Dänemarks in den Frieden war unbegründet; vergl. 
Pribram, Lisola 537 ff. 

') Liegt nicht vor. 



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Verhandlungen zu Oliva. Evacuation Pommerns. 119 

wendent, sie hätten niehemalen zu der pommerischen Hostilität consen- 
tiren wollen; seie auch der Angriff leider ohne ihren Willen geschehen, 
da sie dann hernach nothwendig tanquam accessorie mit dero höchsten 
Unkosten und Schaden hätten secundiren mfissen. Gaben* beinebens zu 
verstehen, was wenig Sicherheit in einzigen schwedischen Frieden auf 
die Weise, (wie E. K. M. Gesandten in Polen verlangten,) zu hoffen seie; 
wollten aber die Sachen in Deliberation nehmen. Auf welches ich ge- 
antwortet, dass was den pommerischen Angriff belanget, befinde ich dar- 
bei keinen Schaden oder Impediment, dieweilen nichts verloren, sondern 
mehr gewunnen und conditio possidentis die beste wäre. Im übrigen be- 
tont Strozzi nochmals die Nothwendigkeit einer Entscheidung seitens des Kur- 
fürsten, worüber dieser mit seinen Ministern, unter denen sich auch die 
von Strozzi in's Vertrauen Gezogenen, der Fürst von Anhalt und Schwerin 
befinden, sich zu berathen verspricht. Am 27. lässt Schwerin dem Strozzi 
mittheilen, dass in einer am selben Tage gehaltenen Berathung der Kur- 
fürst zu einem Entschlüsse gelangt sei, von dem er selbst dem Kaiser 
Mittbeilung machen wolle ^). Strozzi begab sich darauf zu Schwerin, 
welcher sich ziemlich beäogstigt erweisend zu mir also gesprochen: 
Er könnte einmahl mir nicht bergen und klar an Tag zu geben 
unterlassen, wie dass S. Ch. D. (nach üeberlesung und Ponderirung 
E'. E. M. allergnädigsten Brief) im Rath) sammt dero ministris sowohl 
derowegen, als aus allen andren Umständen ganz völlig perplext wor- 
den und nicht mehr wussten, was sie daraus muthmassen und schliessen 
sollten, da ihre intentiones ziemlich klar das sub dato den ö'^° Februarii 
gehaltenen Conferenz ProtocoU E. K. M. ausweiset; sie gleichwohl denuo 
nicht allein so sehr auf so cathegorische P. Ch. D. Erklärung dringen, 
sondern auch sowohl dero höchstbemelter Brief, als in Polen Gesandten 
äusserist Bemühen gnugsam zu erkennen gibt, wie dass man einzig und 
allein den Frieden mit Schweden durch die Enträumung der eroberten 
pommerischen Plätzen zu beschleunigen gedenket und dass E^ K. M. Ge- 
sandten mehrers als Polen und Schweden selbsten, um Dänemark in 
polnischen Tractaten nicht einzuverleiben lassen, sucheten;- da es auch ja 
also wäre, wüssten I. Ch. D. und dero consilium nicht, warum I. E. M. 
also klar P. Ch. D. ihre Intention und Verlangen zu eröffnen Bedenken 
trägen, absonderlich so es nicht anders sein könnte, (adiectis similibus 
formalibus); hätten E. K. M. gar wohl freignädigst erindern mögen, wie 
weit sie mit dero Waffen sich einlassen könnten, oder die Impossibilitet 

') Vergl. das Schreiben des Kurfürsten vom 21. Febr. st. v. 1660, Urk. u. Act. 
VIU. 424flF. 

*) Schreiben Leopolds Yom 19. Februar, Inhalt in Urk. u. Act. VIII. 413 f. 



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120 n. Der nordische Krieg 1655-1660. 

erweisen, um die Kriegsoperationen cessiren zu lassen und einem solchen 
Frieden sich zu untergeben, wordurch keine andere Realsicherheit (als 
vor diesem Krieg gewesen) zu hoffen wäre und I. Ch. D. unterdessen in 
nichts anders als Schad und Ruine gerathen, absonderlich aber in dem 
römischen Reich bei meisten Fürsten und Ständen durch das pommeri- 
sche Werk und durch solche operationes verhasst sein worden, da doch 
gedachte Ch. D. allezeit vorhero dem pommerischen Einfall und Uostili- 
täten widersprochen, solche und dergleichen Inconvenienzen vorsehend 
und wäre gedachter pommerischer Kriegszug und Attaque E'. K. M. Seits 
ohne des Kurfürsten Wissen und Willen resolvirt und intentirt worden, 
da man dann ihn mit also hineingebracht. Derowegen auch billig E. 
K. M.. 1"® Ex hoc capite. 2° Dieweillen sie der stärkeste Theil und also 
besser, wie weit sie das Kriegswerk bestreiten können, höchsterleuchtest 
erkennen. 3^ Dieweilen sie in der oftermelter gefassten Resolution und 
Execution der pommerischen Attaquen, diesen Erfolg höchst vernünftigst 
werden vorgesehen haben. 4** Dass sie als das höchste Haupt forderist 
die allgemeine Assecuration Deutschlands bestens zu beobachten wüssten; 
also dero allergn. Intention zu offenbaren hätten; und zuletzt könnten 
E. K. M. aus eigener Authoritet sagen lassen, sie verlangten es auf eine 
solche oder andere Weis zu haben. Sagte auch hierbei ihme von 
Schwerin schmerzte hoch, dass durch dergleichen Umschweifungen P. 
Ch. D. einzige umbrae verursachet würden zu glauben, man verlangte 
von ihnen alles heraus zu forschen, um sie durch dero Erklärung so- 
wohl bei den Schweden als bei aller Welt weiters zu verharten, ja gar 
auch odiose zu machen, und alles Werk auf sie zureduciren; Hesse mich 
Selbsten consideriren, dass soviel noch in P. Ch. D. Landen, ja auch in 
dero Consilien widerwärtige Gemüther verbleiben, welche mit ganz 
schielen Augen solche Verbündnus ansehen, sich an diese Procedur sehr 
stossen, ja wegen dero anderwerts gesetzten Affecten gegen I. Ch. D. 
dessen sich wohl zu praevaliren wüssten; derowegen dann schliesslichen 
er weiter nit wüsste, ja auch I. Ch. D. selbsten haesitirten, was zu thun 
wäre, da dann I. Ch. D. Einer im Rath selbsten (welchen er mir nit 
nennen wollen) vorgebracht: er glaubte selbsten ich trüge gemessene 
Antwort in meinem Sack I*". Ch. D. Erklärungen proportionabiliter nach 
und nach zu begegnen. Strozzi dankt in seiner Antwort vorerst für das 
Vertrauen, betont nochmals die guten Gesinnungen des Kaisers für den Bran* 
denburger und gibt als Gründe, warum der Kaiser dem Kurfürsten in der Ent- 
räumurigsangelegenheit nicht vorgreifen wolle an, 1^ dieweilen I. Ch. D. ver- 
mög der geheimen Articuln mit Pommern primario und directe interea- 



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Verhältnis des Brandenburgers zu Leopold. 121 

sirt: 2* weilen dero Länder also situirt, dass zu allerseits wider Schwe- 
den in allen Yorbegebenheiten solche den ersten Stoss empfangen und 
ad translationem belli gleichsam zu einer Brücken nothwendig sein 
müssten; ... 3° dieweilen (im Fall Polen sich von uns separirte) I. Ch. D. 
forderist und allein das Licht geben könnten, wie dero preussische Lan- 
den versichert bleiben, oder aber der pommerischen Unruhe coincidenter 
involvirt möchten werden, und in diesem R Ch. D. pur einziges Interesse 
vergifte; 4° hätten E. K. M. billiges Bedenken, L Ch. D. inhabende Oerter 
ohne Vernehmung dero Intention resolutive per se um einen Frieden zu 

veralieniren und auch e contra ohne L Ch. D sich in einen Universalkrieg 

und Generalwerk, welches ein grosses Aussehen hätte, simpliciter gleich 
einzulassen; 5^ und letztlichen seie meines wenigen Urtheils die Begehrung 
einer Gemütseröffnung ein Zeichen eines Vertraueiis. Der Kaiser werde übrigens 
die Erklärungen des Kurfürsten schleunigst beantworten. Dann sucht Strozzi von 
Neuem nachzuweisen, wie sehr das Vorgehen des Kaisers den Interessen des 
Kurfürsten entspreche und dass Leopold nur einen dauernden, die Interessen aller 
Alliirten berücksichtigenden Frieden anstrebe. Schwerin zeigt sich mit Strozzi's 
Auseinandersetzungen einverstanden und erklärt schliesslich: Er könnte zwar 
denen im Rath sitzenden etlichen das Mund nit stopfen; werde aber 
sich allezeit bemühen, deroselben etlicher üblen Beginnen vorzubauen 
und abzulehnen und wollte handien als ein ehrlicher Mann. 

Der dänische Gesandte Ahlefeld ist zu Strozzi gekommen und da er dis- 
coursweis sich des allhiesigen ministerii beklaget, sagte er expresse, er 
finde viel schwedische Magen, die sich bemüheten, zwischen seinen König 
und dem Churfürsten eine üble Correspondenz zu pflanzen, es seie ihm 
auch gesagt worden, E. K. M. werden sich in einen Particularfrieden und 
ohne Dänemark einlassen, welches er nicht glaube; er kennte dergleichen 
Ausbreitcr wohl. Ich antwortet ihm, meine Handlung allhier wäre nit 
momenti und consequent; doch könnte ich ihn versichern, dass wie E. 
K. M. sich in so kostbare Kriegsoperationen ohne einziges ander Parti- 
cularinteresse hätten eingelassen, als amore pacis universalis (darunter 
auch Dänemark E^ K. M. Hilf noch geniessen thäte), also würden auch 
E. K. M. nimmermehr in einen Particularfrieden sich einlassen, sonderlich 
wo Dänemark nicht auch darunter expresse begriffen würde. 

F. S. vom 1. März. 

Da heute Nachmittag von Neuem über des Kaisers Brief Rath gehalten 
worden, begab sich Strozzi zu Schwerin, der ihm mittheilte, es werde an der 
Antwort , bereits gearbeitet; als Strozzi sich beklagte, dass gegen die frühere 
Abmachung der Kurfürst von einer eigenhändigen Antwort abstehe, entschuldigt 
Schwerin dies mit der Unpässlichkeit des Kurfürsten und fügt hinzu, der Kur- 



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122 n. Der nordische Krieg 1655—1660. 

fürst könnte sich nicht besser erklären, als dass er sich ganz an E. K. 
M. remittirte; darzu würde kaum der Courrier zu Wien ankommen, 
dass man den polnischen Friedensschluss mit Schweden schon vernehmen 
würde, welcher in wenigen Tagen geschehen sollte. 

Unter dem 10. März bestätigt der Kaiser den Empfang der Berichte Strozzi's 
vom 25., 28. Februar und 1. März und erklärt, er habe niemals eine andere 
Idee gehabt, als die Restitution der pommerschen Eroberungen nur unter Zu- 
sicherung eines üniversalfriedens zuzugestehen. Zugleich theilt er Strozzi die 
bevorstehende Ankunft Gonzaga's in Berlin mit'). 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 24. März 1660. (Or.) 

[Gute Erklärungen des Kurfürsten. Mission Gonzaga's. Erklärungen des Kurförsten. 

Ahlefeld.] 

24. März. Die Weisung Leopolds vom 10. März hat Eindruck gemacht, die weilen 

ich aus diesem Grund sowohl I. Ch. I). als dero ministros von neuem 
also sincerirt, dass wohlgedachte I. Ch. D. nit allein mit ruhigen Gemat 
wiederum zu leben mich versichert, sondern diese Formalien zu mir ge- 
sprochen hat: Ich sehe und glaube gewiss nunmehr F. K. M. allergnä- 
digste standhafte Gedanken; meines Theils aber versichere von neuem 
in meiner unterthänigsten einmahl gelobter treuer Devotion zu verharren. 
Einmahl ist es klar, dass Ich bei der ganzen Welt gleichsam und ab* 
sonderlich bei meisten Fürsten und Ständen des Reichs ganz verhärtet 
und verfeindet bin worden, weiss also und habe meine einzige Zuflucht 
zu P. R. M., hoflfe, Sie werden mich mit dero Gnad und Schutz bedenken 
und mich nicht verlassen. Habe E'. K. M. diese formalia mich erkühnet 
allerunterthänigst beizusetzen de verbo ad verbum, wie es gelautet, und 
kann E. E. M. ich allerunterthänigst versichern, dass nunmehr alle Um- 
brositäten aufgehoben, um welchen keinen Raum zu geben der Fürst 
Don Hannibal Gonzaga de modo contrahendae paeis und gerendi belli 
die erste Eröffnung unmassgeblich zu seiner Ankunft werdet machen 



') Für die Mission des Fürsten Hannibal Gonzaga, Vicepräsidenten des Hof- 
kriegsrathes vergl. Urk. u. Act. VIH. 420f., 427ff.; Puf. 1. c. VIII. 64; Droysen 1. c. 
III. 3 488. Im Wiener Staatsarchive finden sich nur vor ein Memorial für Gonzaga yom 
10. März, durch welches Gonzaga aufgefordert wird dem Kurfürsten mitzutheilen, dass 
Leopold fest dabei verharre, Dänemarks Einschluss in den Vertrag von Oliva zu for- 
dern und des Kurfürsten Ansicht bezuglich Pommerns zu vernehmen wünsche und 
ein Verzeichnis dor dem Gonzaga am 19 /29. April mitgetheilten Forderungen des 
Kurfürsten, das in Urk. u. Act. VIII. 429 zusammenfassend mitgetheilt ist. 



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Mission Gonzaga's. 123 

müssen; dann sie allhier in hoc passu sehr kitzlich sein; dessen sich 
dann noch übel devote schwebende Gemüther um Mistrauen zu disse- 
miniren, sich bei P. Ch. D. (als wie ich es erfahren) dextre gebrauchen 
können. Dem d&nischen Gesandten*) hat der Kurfürst neuerdings das Ver- 
sprechen gegeben, dass ohne Dänemark in Oliva nichts verhandelt werden solle. 



Strozzi an den Kaiser. Dat. Berlin 31. März 1660. (Or.) 

[IdiBsion Gonzaga's. Ahlefelds Erklärungen, üebemahme dänischer Truppen.] 

Der Kurfürst verbleibt bei seinen Absichten bezüglich des Friedens und 31. März, 
der Rüstungen'); erwartet Gonzaga^s Ankunft'). Schwerin hat nochmals be- 
tont, wie nothwendig es sei, dass Gonzaga mit den Erklärungen beginne. Der 
dänische Gesandte hat mitgetheilt, dass sein Herrscher, nach ihm zugegangenen 
Berichten, sich genöthigt sehen werde, dem Drängen der Franzosen, Engländer 
nnd Holländer nachgebend, mit Schweden einen Separatfrieden zu schliessen^); 
gestehe (der Gesandte Dänemarks), dass es kein beständiges Werk und 
solcher Fried nicht 2 Jahr subsistiren könne; er aber, Gesandter, ver- 
meine ein Project zu machen und sowohl mir als I. Ch. D.'^ ministris zu 
communiciren, damit E. E. M. und S. Ch. D. einzige Disposition machen 
lassen, um die dänische beste Trouppen (da einzige Abdankung ge- 
schehen möchte) an sich zu bringen und solche denen Schweden zu ent- 
ziehen. 

Bei einer Besprechung mit Schwerin über diese Angelegenheit, spricht sich 
dieser gegen diese Üebemahme dänischer Truppen ans. 



Unter dem 7. und 14. April berichtet Strozzi von der Sehnsucht, mit wel- 
cher man in Berlin der Ankunft Gonzaga's entgegensehe, und bittet um die 
Erlaubnis, sich nach Gonzaga's Ankunft zu seinem Regimente begeben zu därfen. 
— Am 18. April macht er von einem Gespräche Mittheilung, das er mit dem 
dänischen Gesandten Ahlefeld über Dänemarks Lage geführt, aus dem zu ersehen, 
dass Dänemark mit Schweden abschliessen werde. — 



') Ahlefeld; vergl. Puf. 1. c. VIII. 65. 

*) Vergl. den »Eventuellen Kriegsplan für bevorstehendes Frühjahr* vom 23. Fe- 
bruar st. V. Act. u. Urk. VIll. 423 f., unterzeichnet vom Kurfürsten und von Monte- 
cuccoli. 

*) Gonzaga hatte seine erste Audienz am 11. April st. v. Urk. u. Act VIII. 428. 

^ Der Friede zwischen Dänemark und Schweden kam erst am 27. Mai zu Stande; 
Dumont 1. c. VI., 319ff.; Carlson 1. c. IV. 371 f. 



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124 n« Der nordische Krieg 1655—1660. 

Bald darauf verliess Strozzi Berlin, wnrde jedoch nach Ahschluss des 
01iva*er Friedens durch kaiserlichen Befehl d. d. 7. Juni von neuem an den 
Berliner Hof gesendet, woselhst er am 21. Juni anlangte. — Angelegenheiten 
von Bedeutung wurden während dieses zweiten Aufenthaltes, der his Ende 
August währte, nicht verhandelt. Die wenigen Berichte Strozzi's aus diesen 
Monaten berühren vornehmlich die Frage, welche Stellung der Kaiser den Türken 
gegenüber einnehmen und ob er die durch den Friedensschluss frei gewordenen 
brandenburgischen Truppen in Dienst nehmen wolle. 



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m. 
1660-1664. 

(Mission Lisola's.) 



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Einleitung. 



Der Friede von Oliva bezeichnet einen wichtigen Abschnitt in der Ge- 
schichte der Regierung Friedrich Wilhelms. Der brandenburgische Staat war 
mit demselben unzweifelhaft um einen Schritt weiter in seiner Entwickelung 
gelangt. Gewiss, nicht alles war erreicht worden, was der Kurfürst in jenen 
Tagen erhofft hatte, da seine Truppen, mit denen des Kaisers vereint, den 
Siegeszug durch Holstein und Pommern unternahmen. Schweden trat nicht einen 
Zoll breit Landes ab, willigte nicht in die Revision des Grenzvertrages von 
1653, blieb nach wie vor Herr der Odermündung und im Rücken Brandenburgs 
im Besitze der offensiven Stellungen gegen die Havel und die Elbe wie gegen 
die Warthe hin. Dazu kam, dass Friedrich Wilhelm im Verlaufe des Krieges 
in Conflicte mit verschiedenen M&chten gerathen war, die auch durch den 
Oliva'er Frieden nichfr gänzlich beigelegt wurden. Der Besitz Elbings wurde 
ihm trotz der Bestimmungen der Vertrage von Wehlau und Oliva vorenthalten, 
die preussischen Stfinde wehrten sich verzweifelt gegen die stramme Organi- 
sation, durch die Friedrich Wilhelm jene Gegenden seinem Staate eigentlich 
erst gewinnen wollte, über Waldeck's Amnestie gerieth er mit Schweden, über 
die Danziger Post mit Polen, über die Gottorper Souveränetat mit Dänemark in 
Streit. Seine Finanzen waren erschöpft, seine Dnterthanen erbittert, Frankreich 
beleidigt, die Staaten unzufrieden. Und neben der Anerkennung der bereits 
durch die Verträge von 1656 und 1657 erworbenen Souveränetät in Preussen 
durch die Garanten des Friedens, bestand der ganze Machtzuwachs Brandenburgs 
blos in dem Besitze Lauenburgs und Bütows als Lehen und des Amtes Dra- 
heim als Pfand der Krone Polen. Trotzdem wird man bei näherer Betrachtung 
den Erfolg, der aus diesem mehrjährigen Kriege für Brandenburg resnltirte, 
unschwer erkennen. Es war vor allem für die weitere Entwickelung des bran- 
denburgischen Staates von der wesentlichsten Bedeutung, dass Friedrich Wil- 
helm in diese nordischen Wirren neben den mächtigsten Fürsten Europa's selb- 
ständig und ausschlaggebend eingegriffen hatte. Der brandenburgische Staat, 
der noch während des 30jährigen Krieges sich an Macht und Bedeutung in 



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128 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

keinem Falle mit Baiern hatte messen können, den Vergleich mit Sachsen nur 
schwer hätte aushalten können, hatte sich unter der geschickten Leitung seines 
Fürsten als der mächtigste neben dem Oesterreichischen erwiesen, und dieser 
Fürst hatte damit die Becechtigung erlangt, die Ffthrerrolle unter den protestan- 
tischen Reichsständen und Berücksichtigung seitens der europäischen Mächte 
bei allen künftigen Ereignissen zu fordern. Dann aber kam hinzu, dass der 
gesicherte Besitz des Herzogthums Preussen Friedrich Wilhelm dem Reiche, 
insbesondere aber dessen Oberhaupte gegenüber eine wesentlich freiere, unab- 
hängigere Stellung gab. Denn wenn der Kurfürst von Brandenburg, so gross 
auch sein Einfluss im Reiche war, immerhin als Reichsstand dem Oberhaupte 
gewisse Rücksichten schuldete und genöthigt war, sich den von der Reichsver- 
sammlung gefassten Beschlüssen auch dann zu fügen, wenn dieselben nicht in 
jeder Hinsicht seinem Interesse entsprachen, so war ihm jetzt als Herzog von 
Preussen, als Herrscher eines von dem Reiche gänzlich unabhängigen Staates, 
die Möglichkeit geboten, nach seinem freien Belieben, unbekümmert um die In- 
teressen des Reiches, vorzugehen. Freilich so lagen die Verhältnisse nicht, 
dass er gleich von allem Anfange an jede Rücksicht auf seinen Verbündeten 
im nordischen Kriege und obersten Lehensherm für die Reichslande hätte ausser 
Acht lassen dürfen. Bei der drohenden Haltung Schwedens, das dem Branden- 
burger unter allen Gegnern am meisten zürnte und nur die günstige Gelegen- 
heit abzuwarten schien, um denselben für seine Treulosigkeit zu züchtigen ; bei 
der Abneigung der Polen, die den Verlust der Souveränetät in Preussen nicht 
verschmerzen konnten und nur darauf aus waren, dem Kurfürsten den Besitz 
des neu erworbenen Landes zu verbittern; bei der Verstimmung, von der die 
herrschende Partei in Holland gegen den Kurfürsten erfüllt war, dem man die 
lange Verzögerung der Friedensverhandlungen Schuld gab; bei der wenig 
günstigen Stimmung, die am Hofe Ludwig XIV. über Friedrich Wilhelm herrschte, 
der sich auf das entschiedenste gegen die von Frankreich gewünschte Unter- 
ordnung gewehrt hatte und bei den heftigen Conflicten, in die Friedrich Wil- 
helm mit den Ständen im Osten und Westen seines Landes gerathen war, 
musste es vielmehr eine Hauptaufgabe des Kurfürsten von Brandenburg sein, 
die guten Beziehungen zum Kaiserhause aufrecht zu erhalten. Und um so eher 
vermochte Friedrich Wilhelm dieses Ziel zu erreichen, als der Kaiser, ohne eine 
lebhafte Neigung für den Brandenburger zu fühlen, oder eine beträchtliche Ver- 
grösserung seines Einflusses zu wünschen, es als eine Nothwendigkeit erkannte, 
unter den gegebenen Verhältnissen die guten Beziehungen zum Nacbbarstaate 
aufrecht zu erhalten. Man hatte während der nordischen Verwickelungen und 
gelegentlich der Kaiserwahl beobachten können, dass Friedrich Wilhelm durch- 
aus nicht gewillt war, sich in eine ähnliche Stellung drängen zu lassen, wie 
die seines Vaters in dessen letzten Lebensjahren gewesen war. Die selbstän- 
dige, den eigenen Vortheil in erster Linie berücksichtigende Politik Friedrich 
Wilhelms Hess keinen Zweifel darüber aufkommen, dass nur bei steter Berück- 
sichtigung des brandenburgischen Souderinteresses ein dauerndes gemeinsames 
Vorgehen des Wiener und Berliner Hofes werde möglich sein und dass der Kur- 
fürst keinen Augenblick zögern werde, in einem Conflicte seiner Pflichten als 



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Einleitung. 129 

Reichsfärst und Landesherr, die ersteren hintanzusetzen. Man hatte aher zu 
gleicher Zeit Gelegenheit gehabt den Einfluss kennen zu lernen, den der Kur- 
fürst im Reiche und in Europa besass und zweifelte nicht daran, dass eine 
neuerliche Abwendung des Kurfürsten vom Reichsoberhaupte für diesen von 
den verderblichsten Folgen begleitet sein würde. Da nun die Wiener Regierung 
einerseits ein weiteres Wachsthum des bereits allzugrossen Einflusses des Kur- 
fürsten nicht wünschte, anderseits im wohlverstandenen eigenen Interesse Frie- 
drich Wilhelm nicht verletzen wollte, war ihr Bestreben dahin gerichtet, alles 
zu vermeiden, was eine neuerliche Stärkung der kurfürstlichen Autorität und 
Macht mit sich bringen musste, zugleich aber die äusserlich guten Beziehungen 
zum Nachbarstaate dahin auszunützen, um Friedrich Wilhelm bezüglich der 
vielen Fragen, deren Erledigung in Aussicht stand, für die Pläne des Kaisers 
zu gewinnen. Am besten gelang dies bezüglich der Reichsangelegenheiten. 
Der Kurfürst unterstützte — allerdings erfolglos — den Kaiser in dessen Be- 
mühungen die Verlegung des wider Wunsch in Frankfurt tagenden Deputations- 
tages nach Regensburg durchzusetzen ^) und hat jede energische Förderung der 
Berufung des von der Opposition immer dringender geforderten Reichstages, 
obgleich er das Zusammentreten desselben wünschte und anderen Fürsten das 
Versprechen gegeben hatte, in diesem Sinne beim Kaiser zu wirken, unterlassen, 
sobald ihm Leopold seine Abneigung kundgethan und darauf hingewiesen hatte, 
dass er nach dem Abschlüsse der rheinischen Liga auf eine Oesterreich günstige 
Erledigung der Streitfragen durch die Reichsversammlung nicht rechnen könne. 
Und auch dann, als der Reichstag zusammengetreten war, zu dessen Ein- 
berufung Leopold erst nach langem Zögern und nachdem alle von ihm in Vor- 
schlag gebrachten Auswege seitens der an dem gefassten Entschlüsse starr fest- 
haltenden Opposition abgelehnt worden waren, unwillig seine Zustimmung ge- 
geben, zeigte sich Friedrich Wilhelm zur Billigung der kaiserlichen Forderungen 
geneigt. 

Dieses gemeinsame Vorgehen der beiden Höfe in den Fragen der Reichs- 
politik hinderte aber nicht, dass unterdes sich bereits eine merkliche Aenderung 
in den beiderseitigen Beziehungen vollzogen hatte. Friedrich Wilhelm war nicht 
Mitglied des Rheinbundes geworden, als dieser durch die Verträge vom 14. und 
15. August 1658 seine endgiltige Form erhielt. Sein feindseliges Verhalten gegen- 
über dem gleichfalls zum Eintritte eingeladenen Schwedenkönige, die enge Ver- 
bindung, die er mit dem Kaiser eingegangen, gegen den doch in erster Linie 
der Rheinbund gerichtet war, hatten den Kurfürsten, der sich Anfangs nicht ab- 
geneigt gezeigt ^atte, dem Bunde beizutreten, bewogen, den rheinischen Alliirten 
den Rücken zu kehren und mit dem Kaiser gegen das Zustandekommen des 
geplanten Bündnisses zu wirken. 

Je weniger aber im Verlaufe der nächsten Jahre das Vorgehen Oesterreichs 
seinen Erwartungen entsprach, je grösser die Gefahr wurde, die ihm von den 



üeber diese Frage der Translation der Frankfurter Reichsdeputation vergl. 
S. Grossler, Der Streit um die Translation der Frankfurter Ordinari-Reichsdeputation 
1658—1661; über Brandenburgs Haltung speciell Urk. u. Act. XI. lOff. 

Mater, k. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 9 



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130 in. 1660-1664. Mission Lisola's. 

mit Schweden verbündeten Rheinbundfürsten drohte, desto wönschenswerther 
schien es Friedrich Wilhelm sich durch den Eintritt in den Bund gegen die 
Uebergriffe einzelner Mitglieder desselben zu schützen. Noch während des nor- 
dischen Krieges war ihm ein dahin zielender Vorschlag seitens der braunschwei- 
gischen Fürsten gemacht worden ^X und er hatte denselben nicht sogleich und 
unbedingt, oder aus principiellen Gründen, sondern erst dann zurück gewiesen, 
als der Kaiser sich entschieden gegen diesen Vorschlag ausgesprochen und die 
von dem Kurfürsten zu Gunsten desselben geltend gemachten Gründe widerlegt 
hatte. Es kann daher nicht Wunder nehmen, dass Friedrich Wilhelm, als nach 
dem Abschlüsse des Friedens von Oliva die braunschweigischen Fürsten und 
später Frankreich ihn von neuem zum Eintritte in den Rheinbund zu bewegen 
suchten*), sich schliesslich bereit erklärte, Verhandlungen über diesen Punkt 
zu führen und gegen Ende des Jahres 1662, als er der Hülfe Ludwig XIV. im 
Hinblicke auf die ihm in Polen, in Preussen und in seinen westlichen Besitzungen 
bereiteten Schwierigkeiten dringend bedurfte, sich dazu verstand, seinen Eintritt 
in die rheinische Liga zu versprechen, falls ihm die Auslassung der gegen ihn 
gerichteten Artikel des Allianzvertrages zugesagt und die Verhandlung mit den 
einzelnen Mitgliedern des Bundes vor seinem Eintritte gestattet werde. Am Wiener 
Hofe rief die Nachricht von diesem Schritte des Kurfürsten grosse Bestürzung her- 
vor. Man wusste daselbst, dass Franzosen, Schweden und die französische Partei 
in Polen alles aufbieten würden, den Kurfürsten zu gewinnen, um an demselben 
nicht nur in den Reichsangelegenheiten, sondern auch in der polnischen Suc- 
cessionsfrage eine bedeutende Stütze zu finden ; man wusste daselbst auch, dass 
die Furcht vor feindlichem Eingriffe der Franzosen und Schweden in die 
zwischen dem Kurfürsten und seinen Ständen im Westen und Osten seiner Be- 
sitzungen bestehenden Conflicte im Falle der Weigerung, die Hoffnung auf 
Unterstützung im Falle der Zusage in den Rheinbund eintreten zu wollen, den 
Kurfürsten in erster Linie für den Plan des Anschlusses an Oesterreichs Gegner 
gewinnen könnten. Diesen Wechsel der brandenburgischen Politik zu verhindern 
war aber ein um so dringenderes Bedürfnis für den Wiener Hof, als derselbe 
die Unterstützung des Kurfürsten nicht allein bei eventuellen Conflicten mit 
Frankreich und Schweden, wie in der polnischen Successionsfrage nicht ent- 
behren konnte, sondern in diesem Momente die energische Antheilnahme des 
Brandenburgers an dem Kampfe gegen den Erbfeind wünschte. Zu einer solchen 
hatte sich aber Friedrich Wilhelm noch nicht verstehen wollen, obgleich er 
schon zu Beginn des Jahres 1661 dem kaiserlichen Gesandten Golialto gegen- 
über seine Bereitwilligkeit kundgethan hatte, des Kaisers Pläne in Ungarn zu 
fördern») und obgleich er später, als das geplante Unternehmen nicht an seiner, 
sondern seiner Mitkurfürsten ablehnender Haltung scheiterte und Leopold sich 
zur Berufung des Reichstages entschliessen musste, die Forderungen des Kaisers 



') Vergl. über diese Verhandlungen Köcher, A., Geschichte von Hannover und 
Braunschweig L 283 ff. 

«) Vergl. ürk. n. Act. IL 243 ff ; IX. 599 ff 
») Fuf. 1. c. IX. 77; ürk. u. Act. XI. 288. 



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Einleitung. 131 

in lebhaftester Weise unterstützt hatte. Denn er selbst wollte zu dieser von 
dem Reiche zu gewährenden Hilfeleistung gegen den Erbfeind nichts beitragen 
und bedang sich ganz ausdrücklich als Lohn für die Förderung der kaiser- 
lichen Pläne aus, seinerseits von jeder Verpflichtung ledig erklärt zu wer- 
den*). Je näher nun die Entscheidung rückte, je aussichtsloser die zi^'ischen 
dem Kaiser und den Türken geführten Verhandlungen wurden, desto drin- 
gender wurde bei der geringen Hilfeleistung die das Reich als solches ge- 
währte, das Bedürfnis des Wiener Hofes, sich eine bedeutende Unterstützung 
des Brandenburgers zu sichern, schon darum, damit nicht der Kurfürst statt 
an dem Kampfe gegen den JErbfeind des christlichen Glaubens theilzunehmen, 
die Abwesenheit der kaiserlichen Truppen zu feindlichem Eindringen in d\ß 
Erblande benütze, eine Furcht, die, obgleich unbegründet, nicht wenig zur 
energischen Inangriffnahme der Verhandlungen beitrug. Denn während noch 
zu Regensburg über die Türkenhilfe berathen wurde, erschien am Hofe Frie- 
drich Wilhelms, der ihm durch seinen Aufenthalt in den Jahren 1657 und 1658 
wohlbekannte Franz von Lisola, mit der Absicht, den Kurfürsten nicht allein 
zur Unterstützung des Kaisers in Ungarn zu bestimmen, sondern auch von dem 
Anschlüsse an die Rheinbundfürsten abzuhalten. Ueber den Aufenthalt dieses 
ausgezeichneten Diplomaten am Hofe des Kurfürsten, wie über die osterreich- 
brandenburgischen Beziehungen dieser Zeit überhaupt sind zahlreiche Acten 
bereits im 11. Bande der „Acten und Urkunden" mitgetheilt worden*). Trotz- 
dem dürften die im Nachfolgenden publicirten Berichte Lisola's, die leider nur 
einen Theil seiner wirklich geführten Gorrespondenz bilden, eine wünschens- 
werthe Ergänzung des über diese Zeit bereits Bekannten bieten. Dieselben 
reihen sich würdig den vielen Documenten an, die Lisola seiner Regierung in 
der Zeit des nordischen Krieges zugehen liess. Auch bei dieser Gelegenheit 
hat sich Lisola als der weitblickende, die grossen Verhältnisse niemals aus 
den Augen verlierende Staatsmann, als scharfer Denker und Beobachter be- 
währt. Ein Muster einer Denkschrift wird man ohne Zweifel sein zur Infor- 
mation der Wiener Regierung im Frühjahre 1663 verfasstes Memorial nennen 
dürfen.' Wie richtig ist, was er in dieser Schrift über die Stellung Friedrich 
Wilhelms und über die von den verschiedenen Mächten aufgewendeten Be- 
mühungen mittheilt, denselben zu gewinnen, wie weise versteht er es aus der 
ihm zur Verfügung stehenden Fülle von Daten, jene auszuwählen, welche die 
von ihm zu vertretende Ansicht zu begründen geeignet sind. Wie deutlich 
weiss er die Verhältnisse klar zu machen, unter denen der Kurfürst zum 
Anschlüsse an Habsburgs Gegner bewogen werden könnte, die Gefahren zu be- 
tonen, die aus dem Wechsel der brandenburgischen Politik für die Wiener Re- 
gierung erwachsen müssten, die Mittel anzugeben, durch die es gelingen könnte, 
den Kurfürsten für die Sache des Kaisers zu gewinnen. Denn von der Noth- 
wendigkeit, den gänzlichen Abbruch der Österreich-brandenburgischen Beziehungen 
zu vermeiden, war Lisola vollkommen durchdrungen. Auf das deutlichste tritt 



>) Vergl. ürk. u. Act. XL 294 ff. 
*) XL 290ff. 



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132 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

auch bei dieser Gelegenheit der Gegensatz seiner auf das wesentliche gerichteten 
und der kleinlichen, engherzigen Politik der leitenden Minister am Kaiserhofe 
hervor. Obgleich durchaus kein Freund Friedrich Wilhelms, dem er schon als 
eifriger Katholik ferne stand und über dessen ehrgeizige Pläne er keinen Augen- 
blick im Unklaren war, trat Lisola in seinen Berichten auf das entschiedenste 
für die Befriedigung des Kurfürsten, insbesondere für die Beilegung der jägern- 
d(Trfischen Streitfrage ein. Er wusste eben, dass für eine erwünschte Austra- 
gung der vielen Conflicte, in welche die Wiener Regierung dieser Tage mit den 
verschiedenen Mächten des Ostens und Westens gerathen war, ein gemeinsames 
Vorgehen des Kurfürsten von Brandenburg und des Kaisers unerlässlich sei und 
er zweifelte keinen Augenblick daran, dass nur durch ein ziemlich weitgehen- 
des Entgegenkommen des Wiener Hofes, durch die Förderung des brandenbur- 
gischen Sonderinteresses, Friedrich Wilhelm bewogen werden könnte, die grossen 
Vortheile, die ihm beim Anschlüsse an Oesterreichs Gegner winkten, auszu- 
schlagen und sich in allen strittigen Dingen für den Kaiser zu erklären. Allein 
am Wiener Hofe war man durchaus nicht gewillt, die Freundschaft des Kur- 
fürsten von Brandenburg mit dem Verzichte auf Jägerndorf zu bezahlen. Man 
wünschte zwar den Kurfürsten von dem Eintritte in den Rheinbund abzuhalten, 
ihn zu energischer Unterstützung des Kaisers gegen die Türken, zur Förderung 
der Pläne Oesterreichs in Polen zu vermögen; aber man dachte dies auch ohne 
Berücksichtigung der kurfürstlichen Forderungen erreichen zu können und blieb 
so oft und dringend auch Lisola die Beilegung der jägerudorfischen Streitfrage 
forderte und so unermüdlich er in der Erfindung neuer Auswege war, stets 
dabei, unter den gegebenen Verhältnissen nicht einmal die bereits vor Jahren 
versprochenen 180000 Thaler momentan erlegen zu können. Kein Wunder, 
dass unter solchen Umständen die Bemühungen Lisola^s nicht in allen Stücken 
von Erfolg begleitet waren. Wohl gelang es ihm, Friedrich Wilhelm zur Sen- 
dung von 1000 Mann zu Fuss und einer ebensolchen Anzahl Reiter nach Un- 
garn zu vermögen, aber er musste sich dazu bequemen, die Erhaltung dieser 
Truppen durch den Kaiser zuzugestehen und es gutheissen, wenn Friedrich 
Wilhelm mit Rücksicht auf die>e Hilfe jeden Beitrag zur Ausrüstung und Er- 
haltung des von Reichswegen bestimmten Contingentes ablehnte. Ja er konnte 
auch nicht hindern, dass Friedrich Wilhelm, durch die Zurückhaltung des Kai- 
sers in seiner längst gefassten Meinung von der Misgunst der Wiener Re- 
gierung und der Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen von dieser Seite her 
Unterstützung seiner auf Mehrung seines Einflusses gerichteten Pläne zu erlangen, 
bestärkt, sich Oesterreichs Gegnern näherte, sich zum Eintritt in den Rheinbund 
verpflichtete, mit dem Könige von Frankreich das zu Beginn des Jahres 1656 
geschlossene Defensivbündnis auf 6 Jahre erneuerte ') und nach einer Einigung 
mit Schweden suchte*-^). Die im Nachfolgenden mitgetheilten Berichte verdeut- 
lichen die Haltung, die Lisola all diesen und den übrigen Fragen gegenüber 



') Vertrag von 6. März 1C64; Mörner 1. c. 258. 

') Für die brandenburg-schwcdischen Beziehungen dieser Zeit Urk. und Acten 
IX. 729(1. 



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Einleitung. 133 

beobachtete, die in jener Zeit am Berliner Hofe zur Sprache kamen. Sie zei- 
gen, dass er über den jeweiligen Stand der Angelegenheiten auf das genaueste 
unterrichtet war, sich über die Pläne der einzelnen Staaten und ihrer Vertreter 
am kurfürstlichen Hofe ein richtiges Urtheil gebildet und seiner Regierung mit 
nicht genug zu rühmenden Freimute die verderblichen Folgen ihrer zögernden 
Politik vorgehalten hat. 

Von besonderem Interesse ist der unverkennbare Wechsel in dem Urtheile 
Lisola's über des Kurfürsten geistige Begabung. Während er im Jahre 1657 
ein nicht allzu günstiges Urtheil über die Befähigung Friedrich Wilhelms 
geföllt hatte und ein gewisses Misverhältnis zwischen Wollen und Können als 
characteristisch hervorheben zu müssen glaubte *), wird er jetzt nicht müde, die 
aussergewöhnliche Umsicht und staunenswerthe Arbeitskraft dieses geistig hoch- 
stehenden Fürsten zu betonen^). Er hatte eben Gelegenheit gehabt den Kur- 
fürsten näher kennen zu lernen und einzusehen, dass er sich getäuscht, als er 
die kurfürstliche Politik im nordischen Kriege für eine haltlose erklärt hatte, 
während das fortwährende Schwanken des Kurfürsten und der Wechsel der 
Allianzen nur darauf berechnet gewesen war, dem vom Anfange an in's Auge 
gefassten Ziele näher zu kommen. 

*) Bericht Lisola's vom 13. Jan. 1657 d. d. Braunsberg (Berichte Lisola^s 225). 
Caeterum, ut electori non sublime ingenium, ita nee infimi ordinis, vagum tarnen ac 
nutans, nee satis tenax propositi, facile aulicorum artibus patens, magna spirans, 
nihil modice appetens, sed nOndiu famam generositatis affectans ac martialis indolis. 

') Bericht Lisola's vom 30. Nov. 1663. Miror istum Electorem, qui in deliciis 
habet longas relationes cum minutissimis circumstantiis et hoc expresse ministris 
suis demandat, omnia legit, resolvit, expedit; ad omnia respondet, combinat unam 
cum alia et nil negligit. 



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III. 1660—1664. 

Mission Lisola's. 



Memorial Lisola's; vor April 1663. (Or.) 

[Gesinnung des Eurförsten von Brandenburg. Bemühungen der verschiedenen Mächte, 
insbesondere Frankreichs, Brandenburg zu gewinnen. Grunde für Brandenburg sich 
Frankreich anzuschliessen. Die aus einer Verbindung Brandenburgs mit Frankreich 
zu befürchtenden Gefahren. Aufgaben der nach Berlin bestimmten Gesandtschaft. In- 
struction für diese Gesandtschaft. Mittel, den Kurfürsten für die Sache des Kaisers 
zu gewinnen. Des Kaisers Mediation in der Streitfrage Brandenburgs mit Neubarg. 
Vermittelung der Polen. Vortheile dieser Vermittelung. Vorschläge Lisola^s bezüglich 
derselben. Bedeutung der Intervention der Prinzessin von Oranien. Mittel diese zu 
erlangen. Anerbieten der Unterstützung des Kurfürsten durch den Kaiser gegen alle 
Feinde. Jägerndorf. Behandlung der Acatholiken in Oesterreich. Nothwendigkeit 
den Fürsten von Anhalt zu gewinnen. Bedeutung der Unterstützung der österreichi- 
schen Pläne bei Brandenburg durch Sachsen. Mittheilungen über den Stand des 

Türkenkrieges.] 

Summe timendum est, ne consilia Ser™». Bran^*. Electoris conver- 
tendi se ad Galliam altiores egerint radices, quam ut evelli possiot, ac 
ulterius extendantur, quam extrinsecus apparent. Jam pridem enim 
subolfeci, quod omnes Gallorum, Suecorum et aulae Polonicae artes eo 
coUimare viderentur, ut illum qua lautis oblationibus, qua aliis artificiis 
ad partes suas allicerent, ex quo maxima, non in imperio solum, sed 
praecipue in rebus polonicis, sperari possunt emolumenta. 

Ideoque supponendum est, ipsos nihil ex parte sua omissuros, ut 
propositiones Electoris tam Parisiis quam Eoloniae suum sortiantur effe- 
ctum^), Coniicere etiam licet, quod non nudis Electoris oblationibus am- 



') In Paris verhandelte Christof Caspar v. Blumenthal für den Kurfürsten; vergl, 
Puf. 1. c. IX. 56 ff.; ürk. u. Act. II. 278; IX. 616 ff. 



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GesionuDg Friedrieb Wilhelms. Frankreichs Bemühungen denselben zu gewinnen. 135 

plectandi Rhenani foederis acquiescent'), sed quod omnem operam sint 
adhibituri, ut illum totaliter illaqueent et ante omnia avellant ab ami- 
citia Austriaca; ac licet mihi persuadeam, ipsum non ultro nee tarn fa- 
cile passurum se eo deduci, nihilominus ubi semel in primum gradum 
impegerit, nee retrocedendi facilitas competet, nee quidquam libere dene- 
gandi, ideo metuendam est, ne eadem motiva, quae illum eo usque de- 
duxerunt, ut ultro subscriptioni foederis annueret, illum ex necessaria 
connexione impellant, ut se totum.Gallis mancipet, ne post offensos 
Austriacos Gallis etiam fiat exosus. 

Haec autem motiva (quantum ex perspecta eius politica ratione 
coniicere licet) ex duobus promanare videntur fontibus, quibus hominum 
mentes plerumque moveri solent, spe videlicet et meta. 

Metus quidem aemulationis Neoburgicae '), quem Gallis charum videt, 
et in illorum amicitia spes suas fundantem, tentatio est cadens in con- 
stantem; veretur quippe, ne si se illis nimis refractarium exhibeat ac 
Austriacis pertinaciter adhaerentem, Galli hunc ipsius aemulum extollant, 
quem ipsi obiicere possint, eumque in causa Juliacensi armis et authori- 
tate sua protegant, dum ipse Interim auxiliis vel protectione Austriaca 
lente, parce aut praepostere inefficaciter falcietur. 

Idem metus illum urget circa res Prussicas, ne artibus Suecorum 
et Gallicae in Polonia factionis concitentur in ipsum subditi, et inter 
civiles motus provincia sua exuatur, haud ignarus, quanti Suecis referat 
illam sibi addicere ^). Cum itaque se inermem videat ac Suecos in dies 
armari, iuste metuit vicinos undequaque ditionibus suis imminentes*) 
nondum obliterata praeteritarum offensionum materia, armis vero Austria- 
cis aut belle Lusitanico implicitis aut Turcarum periculo nondum solutis. 

Videt praeterea promissas ipsi et ultro oblatas ab aula Hispanica 
pensiones executioni non demandari, ex quibus militem colligere destina- 
verat, quo inter tot pericula constitutus securitati suae consuleret *). 



Ueber die Beziehungen Brandenburgs zur rheinischen Allianz, Urk. u. Act. 
XI. 437 ff.; II. 243 ff.; IX. 599ff.; Droysen 1. c. III., 53. 

*) üeber die Beziehungen Brandenburgs zu Neuburg ürk. u. Act. XL 485 ff. 
und die dort yerzeichnete Literatur. 

') Ueber die Beziehungen des Kurfürsten zum Herzogthume Preussen in dieser 
Zeit ürk. u. Act. LX. 310ff.; Droysen 1. c. Ill.a 517ff. 

*) Ueber die brandenburg- schwedischen Beziehungen disser Zeit Urk. u. Act. 
IX. 729ff. 

*) Philipp IV. hatte dem Kurfürsten versprochen, ihm, solange er das Bündnis 
mit dem Kaiser aufrecht erhalte, eine jährliche Subsidie von 100 000 TbaJern zu 



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136 111- 1660—1664. Mission Lisola's. 

Ex adverso vero magni ipsi apparent ex parte Galliae spei montes; 
1^ quod Galliae accedendo secaras sit a Neoburgico, imo et forte su- 
perior, cum multa sint, quae Galliam movere debent, at illam Neobur- 
gico praeferat; securum qaoque se credet hoc pacto a Suecis et aula 
Polonica sicqae Pruthenicos subditos absque ollo prorsus obstaculo ad 
Dotum suam rediget; accedet forte etiam spes promovendi filii ad suc- 
cessionem Polonicam mediante matrimonio cum Reginae nepte'), quem 
in finem iam misisse dicitur in Angliam, ut regis mentem eliceret, an 
consultam censeret, at ad adipiscendom hoc regnum filium säum initiari 
pateretur fidei catholicae, cui propositioni annuisse fertur rex Angliae'). 

Supponendum est autem, quod arctissima inter regem Angliae, Do- 
mum Äuraicam et Brandenburgicam intercedat unio'), Electorem vero 
ex innato genii sui instinctu ad magna ferri, et aliquid supra sortem 
spirare. 

Oblata etiam ipsi forte fuit esca Elbingae, quae licet ipsi in trac- 
tatu Yelaviensi promissa^), Gallicae tamen in Polonia factionis et Sue- 
corum artibus ipsi hactenus denegata fuit'). 

Nee deerunt ex parte Gallorum promissa pecuniaria, tam Ser°^^. 
Electori quam primariis eius ministris^ nee probabile est, ipsos in re tanta 
sumptibus parcituros. 

Damna inde metuenda haud facile possunt exprimi; hoc enim 
magnum intentioni Gallicae in Polonia poudus adiiciet, hoc aditum pate- 
feciet Suecis et Gallis, ut qua terra qua mari copias immittere possint 

zahlen, la Fuente aber, der die Zahlung leisten sollte, hatte dies nicht gethan. 
Vergl. für diese Angelegenheit und die im Jahre 1663 und 1664 darüber geführten 
Verhandlungen Urk. u. Act. XL 298 Anm.f., 322ff.; IX. 569ff. 

^) Gemeint ist Anna Benriette, die Tochter des Pfalzgrafen Eduard, die am 
11. Dec. 1663 den Prinzen Heinrich Julius von Conde geheirathet hat. 

^ Brandenburgs Vertreter in Kngland war damals Christof Brandt; Tergl. seine 
Correspondenz Urk. u. Act. IX. 693 ff. 

») Mit Karl II. von England hatte Friedrich Wilhelm bereits am 20. Juli 1661 
ein Defensivbündnis auf 10 Jahre geschlossen; vergl. Dumont 1 c. VI.2 364 ff.; Mömer 
1. c. 254 ff.; über die Beziehungen Brandenburgs zu England und zu dem Hause Oranien 
vergl. Urk. u. Act. IX. 463 ff. 

^) Vergl. die Ratification des Weblaner Vertrages durch den Konig von Polen, 
bei welcher Gelegenheit der Konig dem Kurfürsten wegen der Waffenvereinigung die 
Stadt Elbing samrot Territorium mit vollem Hoheitsrechte abtritt und bestimmt, dass 
dieselbe, sobald sie den Schweden entrissen , dem Kurfürsten übergeben werden solle ; 
Mömer 1. c. 226. 

^) Vergl. über die von Brandenburg in dieser Sache geführten Verhandlungen 
Urk. u. Act. IX. 77 ff. 



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Aufgabe der nach Berlin bestimmten kaiserlichen Gesandtschaft. 137 

in PoloDiam, quibus nunc vel tempore interregni res misceant, hoc 
Aug.™'* Domus Austriacae amicos summopere coDSternabit ac Gallicae 
factionis famam plurimum äugebit in imperio. In primis verendum est, 
ne hoc exemplum Ser'""". Electorem Saxoniae*) et Heidelbergensem') 
in transversum agat, sicque totum electorale collegium transeat ad Gal- 
los, ideoqae DuUa cura ommittenda videtur, ut haec mala praeverti 
possint, aat saltem mitigari. 

Commissio, quam S. C. M*". ad Ser""". Electorem Brand*^"". desti- 
nare decrevit, ad hos potissimum fines institui posse videretur: 1^ Ut 
Ser""^ Elector penitas abstrahatur a consiliis Galileis et Suecicis. 

2®. 8i a foedere Rhenano diverti nequeat, saltem retineatur, ne in 
totum transeat ad Gallos et Suecos, aut foederibus Austriacis renuntiet 
et aliquid com aemulis nostris in pemiciem nostram moliator. 3^. Ut 
saltem expiscemur, quo tendat, et quorsom, ac quousque feratur. 

Primum quidem arduum erit, cum res non sit amplius Integra, nee 
liberum videatur Electori post oblatam foederis admissionem retrocedere, 
com praesertim negotium ipsi sit cum potentioribus, quibus in promptu 
vindicta est. 

Quia tamen multa Parisiis intercedere poterunt cum Blumendalio'), 
qoae tractatus suspendant, aut irritent, aut difficiliores reddant, ideo 
non abs re erit invigilare occasionibus iisque iuxta rei exigentiam dex- 
tre uti. 

Rationes, quibus demonstrari potest, non esse e re ipsius, ut Rbe- 
nanum foedus admittat, variae sunt et satis plausibiles, quas hie recen- 
sere longum foret, cum praesertim non in illis positum sit negociationis 
fundamentum, sed totus difficultatis nodus in eo praecipue consistat, 
ut radicem mali recta petamus^ et motiva, quae praefatum Electorem 
invitum forsan ad illud foedus impellunt, praescindamus, ad quod se- 
quentia adhiberi possent media. 

Primo ut S. C. M^. omnem operam adhibeat conciliandae con- 
troversiae inter Brand^°™. et Neoburgicum seque illius mediatorem 
reddat, quo pacto pulcherrimam habebit occasionem utrumque sibi de- 



Johann Georg II. Ueber seine Beziehungen zu Frankreich Heibig, Die diplo- 
matischen Beziehungen Joh. Georg IL von Sachsen zu Frankreich. Arch. f. sächsische 
Gesch. I. Bd. Neuestens M. Auerbach's Diplomatie fran^aise et la cour de Saxe de 
1648—1680. Paris 1887. 

*) Karl Ludwig. 

*) Ueber Blumenthals Verbandlungen in Paris Urk, u. Act, IX. 61 6 ff. | Puf. I. c. 
IX. 56 ff. 



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138 IH- 1660-1664. Mission Lisola's. 

vinciendi et sensim a Gallis avellendi; sicut enim hodie metus Neobur- 
gici Brand^""'. impellit in Gallicas partes, ne ipsios aemulus a Gallis 
contra ipsum adiuvetur, ita ante sex annos Neobuj^icus cernens unionem 
Brandenburgici nobiscum ad Gallos se convertit, ot ab Ulis protegeretnr, 
unde facile apparet, hanc aemolationem in solam Aug"^'®. Domus perni- 
ciem et Gallorum utilitatem redundare et utrumque reddere a Gallis 
dependentem; ideoque maximae industriae foret tanti mali scaturiginem 
obstruere. 

Circa quod coniicere licet Gallos eo collimaturos, ut illius arbitrinm 
controversiae sibi vindicent, quodque illam tandiu suspensam tenebunt, 
prout rebus suis expedire videbitur, modo unum modo alterum spe lac- 
tantes et utmmque sibi eo nomine obnoxium reddentes. 

üt autem S. C. M*". huic negotio efficaciter intercedere possit, 
expedire videretur, ut minister Caesareus illuc mittendus, per vias 
indirectas pertentaret mentem Electoris, an ad compositionem me- 
diante Caesare inclinaret, ad quod illum antehac valde propcnsum ani- 
madverti ; si vero constiterit illum in eadem intentione perseverare, tunc 
minister Caesareus oblata vel quaesita occasione dextre ipsi insinnare 
poterit, S"°. C«*™. M^". non solum e bono et tranquill i täte imperii, 
sed e privata etiam ipsius Electoris ratione arbitrari, ut dissidium illud 
amicabili aliqua compositiooe sopiatur, quo durante nunquam ipst tuta 
quies aut securitas, sed pericula continua, metus, diffidentlac, importuni 
respectus, et necessitas alendi continuo militis ipsi continuo impende- 
bunt, nee defuturos unquam, qui aut specie consanguinitatis aut foederis 
aut protectionis ex iis scintillis flammas eruant alantque incendium; 
sublato \ero hoc impedimento Electorem fore omnino liberum in suis 
operationibus, nee ullis amplius respectibus impeditum iri, quin ea con- 
silia, quae propriam et imperii dignitatem concernent, tuto sectari possit ; 
nee deerunt aliae rationes eificacissimae, quibus ipsi demonstretur, hanc 
propositionem esse ipsi summe conducibilem. 

Si eo adduci posset^ ut interpositionem quoad hoc Caesaream ad- 
mittat, multa inde eliciemus commoda; V. hoc creabit inter ipsum et 
Gallos diffidentiae principium, 2^ hoc sistet aut suspendet tractatus 
Gallicos cum ipso; 3***. hoc praeripiet occasionem regi Galliarum deri- 
vandi in se arbitrium illius negotii ; 4°. per hoc extolletur S". C•*^ M**«. 
fama et cura ipsius, et vigilantia in rebus imperii promovendis luculenter 
apparebit, quod summe interest, maxime hoc tempore, ne, si remissiores 
in rebus, quae ad imperium spectant, videamur, Gallus inde occasionem 



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Nothwendigkeit Friedrich Wilhelm zu gewinnen. Daraus erwachsende Vortheile. 139 

arripiat iisdem se immiscendi; 5^ haec sollicitudo binis titulis spectat 
ad S'". C«»". M***".; V. ratione in^eratorii muneris; 2°. quod in no- 
vissimo tractata, qai inter praefatam Electorem et ducem Neoburgicum 
anno 1652 intercessit '), S. G. M*". gloriosissimae memoriae, non media- 
toris solum, sed evictoris officium sustinait; 6°. constat mihi ex anthen- 
ticis informationibus, quod dux Neoburgicus hanc conventionem summe 
disideret et quod haec sit tutissima et fere unica yia, qua illum a Gallis 
possimus avellere. 

Si 8"™. Elector hanc propositionem approbaret, iUico eadem me- 
thodo pertentari poterit dux Neoburgicus; si propositionem amplec^tur, 
tone S. C. M". aditum habebit apertum, quo utrumque sibi devinciat, 
si vero illam repudiaverit, hoc Electorem magis reddet ab ipso et Gallis 
alienum, interea vero non deerunt modi, quibus dextre disponi possit 
Neoburgicus ad nostras intentiones. 

Qttia vero ex certis relationibus mihi constat, ducem Neoburgicum 
sammam concepisse diffidentiam de negociatione Brand^ apud Gallos, 
non abs re fore videretur, clam per vias indirectas ipsi cumulare suspi- 
ciones et ob oculos ponere omnia pericula et damna, quae ex coniunc- 
tione Brand^. cum Gallis p'ossunt in domum Neoburgicam redundare, 
tam ratione controversiae Juliacensis quam successionis Polonicae alia- 
rumque praeeminentiarum, ad quas Neoburgica domus aspirare posset'); 
cum certum sit, Electorem Brandenburgicum, ubi Gallis accesserit, sem- 
per ab illis praelatum iri Neoburgico, utpote magis necessarium, tam 
intnitu dignitatis electoralis, quum Prussiae Ducalis et portuum in mari 
balthico et quanto magis Elector erit Gallis commendabilis, tanto Neo- 
burgicus apud ipsos vilescet, quod si dextre apud Neoburgicum agitetur 
per non suspectas personas, varia inde eliciemus commoda; 1^ quod 
a Gallis recedere cogetur et ad nos se convertere; 2^. eo avidius recon- 
ciliationem quaeret cum Electore^ quo magis metuet se a Gallis postha- 
bitum iri; 3^ hoc impediet^ ne Gallus utrumque vana spe lactando 
reddat se arbitrum negotii, quod unice videtur intendere; 4^ hoc mo- 
vebit Neoburgicum, ut ipsemet per suos in Gallia confidentes inturbi- 
det tractatus Brand*^^ in aula Gallica. 



^) Gemeint sind die Verhandlungen der kaiserlichen Commissäre Hatzfeld und 
Anetban, die den Abschluss des Vertrags vom 11. October 1651 herbeifahrten (vergl. 
weiter oben p. 50if.); das im Texte angegebene 1652 ist wohl nur ein Schreibfehler. 

») üeber des Neuburgers Pläne in Polen, vergl. Krebs Oskar, Vorgeschichte 
und Ausgang der polnischen Konigswahl im Jahre 1669, Zeitschrift der historischen 
Gesellschaft für die Provinz Posen III. Bd. 151 ff. 



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140 111. 1660—1664. Mission Lisola's. 

Alias modus haud ineficax Electoris a Gallia avertendi est medi- 
antibus Polonis, praesertim procancellario LezinskyO, qui maxima apud 
ipsum pollet aathoritate; qaem in finem summe conducibile censerem 
procurare, ut praefatus procancellarius vel conferat se ad Electorem 
(prout non ita pridem meditabatur), vel per litteras ipsi fortiter in- 
culcet, quod solus rumor de Blumendalii missione in Galliam Polonoram 
animos ab Electore plurimum alieDaverit, adeo enim exosum esse apud 
Dobilitatem polonicam Gallicum nomen, ut Elector ipsis accedere oon 
possit, quin pristina cum Polonis confidentia statim excidat, aliaque id 
gcnus, quae praememoratus procancellarius tanquam zelo electoralis com- 
modi impulsus dextre iniiciet, ex quibus agnoscat, hanc viam esse Ele- 
ctoris intentionibus laethalem ; quin potius, si ad coronam pol^*". aspiret, 
quaerendam ipsi esse Austriacorum amicitiam, qui quantum in exclu- 
dendis Gallis potuerint abunde patefecerunt*); Polonos enim ita esse 
constitutos, ut licet in Austriacum successorem non sint facile consen- 
suri, talem tamen cupiunt, qui Austriacis acceptus sit, et in eo situm 
arbitrantur fundamentum tranquillitatis reipublicae suae ; haec si vel voce 
vel Scripte serio per Lezenskium Electori proponantur, certo mihi constat 
non parum profutura. 

Ut autem Elector tanto evidentius agnoscat, quid in Polonia possi- 
mus, summe necessarium videtur, si unquam alias, nunc vel maxime 
sedulo excolere factionem nostram, ac praesertim praefatum procancella- 
rium quantum fieri poterit contentum reddere; cum autem ipse recenter 
mihi significavit operae pretium fore, ut arcanum mecum ineat coUo- 
quium, S. C. M'". iudicio humillime submitto, an non expediret me in 
transitu cum ipso cougredi in confiniis Silesiae, ubi locum iam elegimus 
tutissimum ac secretissimum^ quo remotis indicibus et citra omne suspi- 
cionis pericttlum con venire licebit, quo pacto intima quaeque rerum Po- 
lonicalium perscrutari et ulteriora in futurum consilia capessere poteri- 
mus, et supramemoratam apud Electorem median te procan**^. adomare 
machinam. 

Experientia etiam didisci, valde ad nostros fines profuturum, si 
principissam Auraicam') mediante legato Hispanico^) et ablegato Gaes^. 

*) Jobann Lesczynski; vergl. über ihn Urk. u. Act. IX. 26 Anm. 

^ Es war vornebmlicb dem osterreichiscben Einflüsse zuzuscbreiben, dass im 
Jahre 1663 durch ein Reichsgesetz die Frankreichs Pläne durchkreuzende Bestimmung 
getroffen wurde, dass von der Wahl des Nachfolgers bei Lebzeiten Johann Casimirs 
nicht geredet werden solle; Krebs I.e. 166. 

') Amalie von Oranien, Schwiegermutter Friedrich Wilhelms. 

*) Don Estevan de Gamarra. 



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Einwirkung der Prinzessin von Oranien und Lesczynski's. 141 

in HoIIandia') commoraote possemas indacere, ut Electorem ant abstra- 
hat a coDäiliis Galileis aut saltem retineat in amicitia et foedere Caes®. ; 
ad quod validissimae ipsi suggeri poterunt rationes, ut illa principissa 
agDOScat totius domus Auraicae plurimum interesse, ne Ser"*"'. Elector 
Gallis se mancipet et accessione sua illam potentiam aageat, quam 
maxime debent formidare, cum aliae Gallorum intentiones et ratio Status 
omniDO requirant, ut domus Auraica vel omnino deprimatur in Hollandia, 
vel saltem dod resurgat ad pristinum authoritatis fastigium; vereri enim 
debet, ne si iuvenis princeps Auraicus ') avitam potestatem et dignitatem 
retineret apud status, tunc domus Auraica Angliae regis viribus suffulta 
formidandam erigeret potentiam, quae Galliae oculos perstringeret et 
Status unitos tandem e republica in monarchiam traducere posset, quod 
Galliae non expedit, quae sub statu reipubücae facilius introducere pot- 
est factiones suas, quam si unius imperio provinciae illae regerentur. 
Idee ratio domus Auraicae exigit, ut Galliam respiciat tanquam incre- 
mentis suis oppositam, expedit etiam eidem domui, ne Gallos sinat in 
imperio praevalere aut Rheno dominari, per quod tam ipsi quam sUtus 
Hollandiae undequaque obsiderentur a Gallis et precario vivere cogeren- 
tur; ideoque accessio Elect^'. Brand^\ ad Gallos laethale infligeret vulnus 
tam domui Auraicae quam securitati statuum Belgii unitorum. 

Ad causam vero Juliacensem quod attinet, periculosum fore, si 
Elector illam commiteret arbitrio regis Gallici, ^ui sub illo praetextu 
piscari posset in turbido et controversas ditiones tanquam in sequestrum 
occupare, cum nihil magis Gallorum intersit in praesenti rerum statu, 
quam ut in ripa belgica Rheni pedem figant, prout iam in Germanica 
per Brisakum et Philisburgum solide fixerunt. 

Haec aliaque quam plurima tam ipsi Principissae quam suprame- 
moratis ministris notissima magnam vim habere poterunt, si dextre ipsi 
pro re nata representari curentur'). 

') Friquet Johann. 

>) Wilhelm. 

*) üeber die Verhandlungen Friquets mit Amalie von Oranien ürk. u. Act. XI. 
490ff.; Puf. 1. c. IX. 71 ff.; in einem Schreiben d.d. Haag 29. März 16B3 Aut. be- 
richtet Friquet; „Ritomo adesso di casa della Sig» principessa d*Oranges, la quäle 
m^haveva fatto dire, che desiderava di pariarmi inanzi chMo mandassi le mie lettere 
alla posta. La sostanza de'suoi discorsi consiste in questo punto, che puo essere che 
Telettore dt Brandenburg si contentera d' entrare nella lega, per opporsi alle negocia- 
tioni secrete del Duca di Neuburg, mä che non passera piü avanti et in particolare 
che non fara cosa nissuna, che Toblighi a separarsi da. S. M., o vero k romper il 
trattato nelPosservanza del qualc egii fonda la sicurezza e conservatione de'suoi stati. 



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142 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

4'"*. modus est, ut, qui a S. C. UK destiDabitur ad Electorem, possit 
ipsum pleno certum reddere de protectione Caes\ contra qaoscunque non 
solam per viam iuris sed etiam de realibus auxiliis, quoties necessitas 
postulaverit iuxta pacta publica et privata; quod eum io finem S. C. 
M^. deliberaverit omnibus modis expedire se a belle Turcico, ut eius 
arma libera sint, quibus foederatis, quoties opus fuerit, adsistat; esse in 
praesens S. C. M'^ veteranum militem sub signis, et si ab amicis non 
deseratur, non esse, quod simul iuncti cuiusquam potentiam metuant, 
secus vero, si dividamur, omnes seorsim perituros. 

Quod si duriorem in desideriis nostris experiemur Electorem, non 
abs r^ fore videretur, ipsi vel eius saltem ministris dextre snbindicare, 
quod S. C. M^. Electoris amicitiam tanti faciat, ut pro ea acquirenda 
non timuerit dncem Neoburgicum alienare, et omnibus constet, nuUam 
aliam rationem coniunxisse Neoburgicum Gallis, quam quod Imperatorem 
viderit Electori nimis coniunctum, ideoque si Elector ab hac unione re- 
cederet, Imperatorem quoque coactum iri, arctiori se vinculo copulare 
Neoburgico, tam circa res imperii, quam circa polonicas, ex quo si quid 
postea damni in Electorem emergat, id gallicis consiliis imputet. 

5"*. quoties mihi aliquod cum Ser°**. El"*, negotium transigeodum 
accidit, semper in ipso limine duo mihi puncta obtrusit, in quibus sibi 
desiderat satisfieri: primum est ratione Carnoviae seu Jegerdorfiani do- 
minii; alterum est, c# io terris haereditariis ptiulo mitius agamus cum 
acatholicis, quarum profugi gravissimas ad ipsum querelas deferunt. 

Ad ultimum quidem suppetunt abunde rationes, quibus mä expe- 
diam, ad primum vero difificilius mihi accidit. Memiui quidem quod 
anoo ö^ dum tractarem cum ipso Berlioii*), habuerim in mandatis a 
S<^~. C®*. M'*., ut ipsi ratione Jegerdorfianae praetentionis summam osten- 
dere offerrem]100000Imperialium ad contributiones imperii in proximis 



H6 risposto che daro conto a S. M. di quello cb'ella m^hayeva detto, m& che S. A. EI. 
e assai informata ch'il Re di Francia propone come conditione sine qua non a tutti 
1 principi che desiderano d^entrare nella lega, che devono rinonciar aUrattati che 
hanno con S. M. e TAug™*^ casa. Der Kaiser erwidert am 23. April mit der Mitthei- 
lung der Sendung des Lisola an den kurfürstlichen Hof und der Aufforderung an 
Friqnet bei der Princessin dahin zu wirken, dass diese den Kurfürsten vom Eintritte 
in den Rheinbund abzuhalten suche. 

Ueber Lisola's Verhandlungen in Berlin in den Jahren 1657 und 1658 vergl. 
Pribram, Die Berichte des kaiserlichen Gesandten Franz von Lisola 1655—1660, 
Archiv für Kunde österreichischer Geschichte; Bd. LXX.; für die Jägemdorfer Ver- 
handlungen insbesondere Urk. u. Act. VlII. 339 ff. u.a. 0. 



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Dem Kurfürsten zu machende Versprechungen. 143 

comitiis decernendas, assignaDdam; quia tarnen Elector Don tone acquievit 
illi propositioDi et nihilominus transivirnus ad conclusionem tractatuum, hoc 
pancto ad ulteriorem Francofurti inter ministros Caes®*. et Brand*^*»». trac- 
tationem reiecto, non mihi ab eo tempore constitit, quid ulterius in hac 
causa fuerit gestum, ideoque humillime caperem informari, quo loco 
nunc res sit, quidve Electori circa hoc (si ipse prior incipiat ac urgeat, 
ego enim solerter quaestionem declinabo) spei facere possim ad tollen- 
dos ipsi conquerendi praetextus, quos quaerere solet, qui vult recedere 
ab amico^). 

Queritur etiam suepiuscule, quod in causis quas plerumque contra 
proprios vasallos habet in concilio aulico decreta ferantur contra ipsum, 
ipso non praemonito, idque authoritati suae plurimum derogare et an- 
sam dare subditis ad excutiendam reverentiam; ideo optaret, ut sattem 
quoties aliqua causa occurrct, in qua pars adversa debeat praevalere, 
ipse amice prius et confidenter praemoneatur, ut vel ultro desistat, vel 
conveniat, ne palam confundatur. 

Quia vero princeps Änhaltinus eiusque factio multum praeponderare 
videretur apud Electorem, plurimum referret, hunc nobis principem de- 
mereri, circa quod etiam necessarium erit specifice informari ministrum 
Caesar icum, qui ad Electorem mittendus est. 

S. C. M**«. recordari dignabitur, quod dum nomine ipsius sus- 
cepi ad fontem baptismatis filium Electoris secundo genitum anno 
1657'), eadem mihi clementer indicavit litteris suis, se iuxta solitum 
morem destinaturum aliquod muuus a me nomine M*^*. Suae filiolo 
offerendum, prout Rex Christianissimus, qui etiam ad hanc solemnitatem 
invitatus fuit, pro parte sua praestitit, quod cum ob itinera S. C. M'»«- 
fuerit oblivioni traditum, altissimo eins iudicio submitto, an Bon expe- 
diret, id hac occasione adimplere. 

Similiter altissimae eiusdem considerationi subiicio, an consultum 
iadicaret, agere etiam apud Electorem Saxonicum, ut agnoscat, quanti 
referat tam pro propria ipsius quam totius circuli Saxonici securitate 
Electorem Brand^^™. suaviter abduci a commerciis Gallicis et Suecicis 
eumque inducere, ut apud praefatum Brand ^"°*. fortiter se interponat, ne 
a tritis deflectat vestigiis, et novas suspectasque amicitias antiquis prae- 



*) Für die Verhandlungen in der J&gemdorfer Frage von 1658—1663, vergl. 
ürk. u. Act. XI. 291 f. 

*) Friedrich, der nachmablige erste Eonig von Preussen; über diese Angelegen- 
heit Pribram, Lisola 310 f. 



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144 HI. 1660—1664. Mission Lisola's. 

ferat; hoc pacto saltexn expiscabimur Electoris Saxonici mentem, osteode- 
mu8 ipsi confidentiam, et illum retinebimus ne iisdem artibus capiatur, 
efficiendo, ut fortiter apprehendat sequelas inde metuendas. 

Quia vero certus sum Brand^""*. Electorem aaxie quaesituram de 
statu pacis Turcicae, ex cuius eventu omnes fere tarn publici imperii 
Status quam privatorum eius membrorum resolutiones pendeot, ideo ne- 
cessarium foret ministrum Caes"". ioformari, quid ipsi quoad hoc respon- 
dere et qualem informatiooem dare poterit et ipsi quantocius per cur- 
Sorem significari, si quid certi postmodum in hoc negotio contigerit. 



Instruction für Lisola. Dat. Wien 23. April 1663. (Conc.) 

[Schädlichkoit des Rheinbundes. Haltung des Neuburgers. Brandenburgs Verhand- 
lungen in Paris. Zweck der Hission des Lisola. Yerhaltungsmassregeln für diesen. 
Bündnis des Kurfürsten mit dem Wiener Hofe. Stellung Brandenburgs zur rheinischen 
Allianz. Die Frage der Differenzen mit Neuburg und der polnischen Königswahl. 

Jägerndorf.] 

23. April. Dem Lisola dürfte nicht unbekamit sein, wie schädliche Beschlüsse von 
dem scheinbar zur Wahrung des westphalischen Friedens geschlossenen Rhein« 
bunde gefasst worden sind und wie Frankreich es versucht hat, andere deutsche 
Fürsten unter den verschiedensten Vorwänden zum Eintritte in den Bund zu 
vermögen ^). Eam nimirum S™^. Duci Neoburgico (ut de aliis nunc tace- 
amus) foederis illius Rhenani suscipiendi causam fuisse, quo videlicet 
rationes suas in negotio cootroversae successionis Juliacensis contra in- 
teressatos et maxime contra S"*""^. Electorem Brandenburgicum amicitia 
et foedere nobiscum inito ') subnixum, colligatorum armorum robore mu- 
niret, vix est, qui dubitet; cum igitur ad nos perferatur etiam a modo 
dicto Electore Brandenburgico nuper unum ex consiliariis suis Parisios 
fuisse ablegatum '), verisimiliter hac potissimum de causa^ ut eodem ipse 
etiam fulcro causam suam contra Neoburgici et aliorum consilia firmet; 
tametsi quidem verendum sit, si Dil®. Sua illam viam iam ingrossa 



^) Ueber den Rheinbund seit dem Abschlüsse der Verträge vom 14. und 15. Aug. 
1658 gibt es noch keine genugende Darstellung. Die Thätigkeit Frankreichs ist un- 
genügend bei Mignet im zweiten Bande der Negociations relatives k la succession 
d^Espagne sous Louis XIV. und von Ch^ruel in seinem Aufsatze „La ligne du Rhin" 
im Januarhefte der Comptes-rendus de TAcademie des sciences morales et politiques 
1885 behandelt; vergl. auch Urk. und Act XL 442 ff.; IL 269 ff.; Köcher, Adolf, Ge- 
schichte von Hannover und Braunschweig I. 305 ff. u. a. 0. Droysen 1. c. HI. 3 9 ff. u. a. 0. 

^ Gemeint ist das Bündnis vom 9. Feb. 1658. 

3) Blumentha^ 



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Instructioa für Li sola. 145 

Sit, De ab ea tarn facile se diverti sit passura; non desperemas tameo, 
quin si eidem, quae in contrariom militant rationes, apposite ob oculos 
ponantur, ab eo consilio vel penitas revocari possit, vel si id non obti- 
neretur, sisti tarnen in proposito, vel saltem eius sui consilii rationes 
penitius explorari queant. Desshalb sendet der Kaiser Lisola an den Hof 
des Earfürsten mit dem Befehle, demselben die alte Freundschaft der beiden 
Höfe in's Gedächtnis zurückzurufen und zu betonen, wie sehr die Aufrecht- 
erhaltung derselben unter den bestehenden Verhältnissen Noth thue. Der Kaiser 
erinnere sich auch mit Dank der Bereitwilligkeit, mit welcher der Kurfürst zu 
Regensburg Hilfe gegen die Türken zugesagt habe ') und sende Lisola, um über 
diese und andere Angelegenheiten mit dem Kurfürsten zu berathen. Aeussert 
der Kurfürst in seiner Antwort etwas über die Aufgabe des nach Paris gesen- 
deten Ministers, dann ist Linola die Möglichkeit gegeben, über die Angelegen- 
heit, um derentwillen er eigentlich zum Kurfürsten gesendet wird, zu sprechen. 
Er soll dies so thun ^ne ipse io particolari aliud aliquod medium saluti 
et securitati suae consulendi proponat ac defendat, quam quod sive in 
dicto instrumento pacis Westphalicae, sive in eo quod Olivae conclusum 
fuit continetur; in bis abunde de nobis quae cum ad universalem om- 
nium, tum cuiusque in particulari conservationem pertinent, esse pro- 
visum . . ., alia, quae a nonnullis ante hac non necessario consilio arrepta 
fuerunt media particularium pro sua securitate initarum coUigationum 
ad dissolutionem potius universi corporis et consequenter ad singulorum 
in particulari mos inde consecuturam servitutem quam conservationem 
et libertatem pertinere, prout cuivis rem sine passione et prudenter con- 
sideranti non possit non esse^obvium, . . . nee dubitare se, ablegatum 
nostrum, quin Dilectio Sua ab eiusmodi consiliis ex perspectis eorundem 
coDSuetis pemiciosis eventibus abhorreat. Wenn der *Kurfürst aber nicht 
selbst von dieser Gesandtschaft spricht, dann wird es Lisola's Aufgabe sein auf 
irgend einem "Wege die Sache zur Sprache zu bringen. In jedem Falle aber 
soll er den Kurfürsten zur Fortsetzung der guten Beziehungen mit dem Wiener 
Hofe aufmuntern. Ist der Kurfürst dem Rheinbunde bereits beigetreten, oder 
ist sein Beitritt nicht zu hintertreiben^), 'so soll Lisola dahin sehen, ne condi- 
tionem aliquam in praeiudicium foederis nobiscum icti tendentem admittat. 
Auch soll Lisola trachten die Gründe zu erfahreu, die den Kurfürsten im ge- 
setzten Falle zum Abschlüsse mit Frankreich treiben. Quod si igitur inter 
illas rationes, quod credibile est, etiam metum, quem ex Ducis Neoburgici 



') Vergl. ürk. u. Act. XL I70ff. 

*) Die Verhandlungen Frankreichs mit dem Kurfürsten über dessen Eintritt in 
die rheinische Allianz waren damals im Gange, aber noch nicht abgeschlossen; sie 
fährten nach yerschiedenen Uebergangsstadien am 1. April 1665 zum definitiven Eiu- 
tritte Brandenburgs in den Rheinbund; vergl. Urk. u. Act. XI. 437 ff. 

MAter. X. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 10 



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146 ni. 1660-1664. Mission Lisola's. 

cum rege Franciae colligatione conceperit, ne videlicet is in causa Julia- 
censi potentia Gallica contra se praevaleat, poueret; ad eum metum 
disGutieudum argumentis iam delibatis ex instrumentis pacis tum West- 
phalicae tum Polonicae deductis veris ac solidis utetur; auscultabit 
etiam, ne forte Dilectio Sua propensionem aliquam ad amicabiliter de 
Juliacensi controversia transigendum cum aliis interessatis ostendat; quo 
casu et si Dilectio Sua id desideraret, ablegatus noster illud ad referen- 
dum recipiet et de eo per proprium cursorem sine mora nos edocebit; 
qui alioquin, ut ipse tale medium ultro proponat, graves ob casus noli- 
mus. Quae spes S'"^ Blectori successionis in regno Poloniae pro secundo 
genito suo*) obiici possit, non ignoramus; sed cum eo usque progredi 
multae prohibeant rationes, de ea re ablegatum nostrum omni negocia- 
tione supersedere satius ducimus. Lisola soll nur mündlich verhandeln. 
Si S™"'. Elector de consilio nostro imperiali aulico conqueratur, excuset 
oportune et ad referendum accipiat; si de praetensione Jägemdorfensi 
quid moveretur, excusatione deficientis informationis utetur et similiter 
ad referendum accipiet'). 



Lisola an Walderode'^). Dat. Königsberg 26. Juni 1663. (Aut.) 

[Zustand am kurfärstlicben Hofe.] 

26. Juni. Veni, vidi, sed nondum vici; extrinsecus quidem apparet optima 
rerum facies, quid vero intus lateat, nondum satis licuit perscrutari. 
Certum est, quod Ser™"*. Elector eximii sit erga nos animi; |: angit tamen 
illum Suecorum et Galliae metus ac diffidentia virium nostrarum, acce- 
dunt ingentia Galliae promissa ministris Brandenburgicis, praesertim An- 
haltino et Ratzivilio^):{. 



Friedrich. 

») Vom 23. April 1663 datirt anch das Creditif ffir Lisola. Einige auf die Sen- 
dung Lisola^s bezügliche Schreiben Leopolds an den Kurfürsten in Urk. u. Act. XI. 
294 f. 

') Jobann Walderode von Eckhusen, Oebeimrathssecretar, spater Reich shofrath. 

*) Fürst Boguslaw Radziwill, Statthalter von Preussen; über seine Thätigkeit, 

Urk. u. Act. IX. passim. 



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Unterstützung des Kurffirsten. Jägerndorfer Frage. 147 

Lisola an Walderode. Dat. Königsberg 6. Juli 1663. (Aut.) 

[Lage der Dinge. Nothwendigkeit reeller Unterstützung des Kurfürsten und Beilegung 

der Jägemdorfischen Streitfrage. Anhalt. Hoverbeck. Jena. Bitte um Abberufung. 

Vermittelung zwischen Brandenburg und Neuburg. Lothringische Angelegenheit.] 

Ex relatiooibus meis ad S. C. M*«". ^) intelliget 111*". V»., quo loco 6- J^^^i- 
res verseDtar et quidem loDge meliori quam speraveram et brevi Deo 
juvante, si ex parte nostra correspondeamus, totaliter ad votum nostrum 
redigendo; sed realitatibus opus est, dod verbis. Utinam ex parte Hispa- 
niae vel nihil oblatum vel exacte adimplendum sit. Sensibilis est ac 
delicatus iste prioceps, nee vult se deridiculo haberi; caeterum indoles 
optima, generosa, et Austriacae domui teuere addicta. Rogo quam in- 
stantissime quatenus cooperari velit, ut non remittatur secretarius meus 
cum nudis verbis, cum semicocta et indigesta instructione aut cum dila- 
tionibus aut mediis terminis. lam habent aures istis omnibus occiusas 
et Gallis praesentia ac realia oiferentibus obsistere non potero cum 
futuris et incertis; negotium istud Jegerdorfianum debet tandem aliqua 
ratione terminari, si solidum in istius principis amicitia velimus collo- 
care fundamentum*). Anhelat ad pugnandum contra Turcas, si bellum 
(quod absit) protrahi debeat;«cur non posset adhiberi et hoc pacto nobis 
totaliter alligari? Scio rationes esse pro et contra magni ponderis; sed 
ubi semel pro nobis forsan strinxerit, non contra Turcas solum, sed ad 
omnes alios usus habebimus illum obnoxium. Principem Anhaltinum 
nobis demereri tanti refert, quanti interest Electorem a nobis non alienari. 
Dom. Overbokius ipsius est manus dextera; instanter petit titulum 
baronis, jam olim ipsi a Ferdinande 3^ gloriosae memoriae imperatore 
promissum. Possemus illum levi pretio obligare, si diploma in bona 
forma expeditum ipsi absque sumptu suo mitteretur; posset S. C. M". 
solvere cancellariae iura vel aliunde supplere; commendo 111^. V'^. hoc 
negotium tanquam rebus nostris et etiam Polonicis, quarum ipse praeci- 
puam directionem habet, essentialissimum. S*"*". Elector non solum con- 
sentit, ut ipsi hie titulus conferatur, sed gratissimnm id ipsi accidet. 
Scribo de istis omnibus ad excellentissimum dominum principem'); sed * 
vereor ne inter immensas occupationes id ipsi excidat. Rogo itaque 
111"*". D. V'™. quatenus supplere velit et rem ipsi facilitare; si tam cito 



Vergl. das folgende Stück. 

') Vergl. auch das Schreiben des Kurfürsten an den Fürsten Portia d. d. 3. Juli 
1663 ürk. u. Act. XL 295. 
^ Portia. 

10* 



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148 in. 1660—1664. Mission Lisola's. 

DOD possit expediri diploma, saltem expediantur ipsi litterae Caes*^. in 
quibus ipsi intimetor haec gratiä et titulus baronis in superscriptione 
apponatur; diploma postmodum sequetur cum commoditate. Certo com- 
pertum habeo ex clarissimis documentis, quod ex familia antiquissima et 
illustri ex Belgio ortus sit. Si domino Jena ^) aliquid assignetur ad 
menses Imperiales erit utilissimus sumptus; experior illum satis beae 
addictum et Gallis aversum; vir est efficax et aodax, qoi jam multom 
praevalet. 

Da Lisola keine Beschäftigung für sich hier sieht, bittet er am seine Abbem- 
fung. Si negotium compositionis Neoburgicae suscipiatur, S™®. Electori gra- 
tissimum accideret, si haec mihi provincia imponeretur, prout intimi eius 
ministri mihi aliquoties insinuarunt; qua de re tarnen nihil ad aulam 
Caes"™. perscribo, ne id videar aifectare. Hoc autem apud V. III'™. 
D'*". confidenter deponendum duxi; quia scio id profuturum ad ipsam 
negotii substantiam ; per hoc enim Ser'''. Sua majorem in nostra media- 
tione accipiet fiduciam. Summe refert hoc negotium non deserere nee 
protrahere, ne mora evanescat, aut praeoccupemur a Gallis. Pertentari 
poterit quoad hoc mens Ser™*. Ducis Neoburgici, an velit mediationem 
Caes**. admittere; id commode fieri posset per D. Friquet, iam ipsi 
notum et charum et sie apud utrumque principem fidem nanciscetur 
nostra mediatio, quae si effectum sortiatur, magnum certe addet pondus 
rebus nostris in imperio. . . . 

Hie valde apprehendunt negotium Lotharingicum et vellent habere 
fundamenta et occasionem aliquid hac de re movendi in comitiis. A 
me anxie quaesiverunt, an Lotharingia sit ex natura sua, vel in totum, 
vel ex parte feudum imperii; certum teneo illam talem esse ex natura 
sua, licet ex speciali privilegio ab homagio exemptam^ optarent habere 
aliqua huius rei documenta^). 



Gemeint ist Friedrich Jena. 

^ Es handelte sich damals um die Uebertragung Lothringens und Bar^s an 
Frankreich ; vergl. D'Haussonville, Histoire de la r^union de 1a Lorraine III. 204 ff., 
Huhn, Eugen, Geschichte Lothringens II. 288 ff. 



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Des Kurfürsten Pläne und Erklärungen. 149 

Auszug aus des Lisola Bericht vom 6. Juli 1663^). 

[Audienz beim Kurfürsten. Verhandlungen mit Anhalt und Hoverbeck. Anhalts 
Aeusserungen in Gegenwart des spanischen Botschafters. Des Lisola und des Ucedo 
Erwiderungen, ürtheil Lisola's über -des Kurfürsten Pläne. Unterredung Lisola's mit 
HoTerbeck über die Mittel der Beilegung des brandenburg-neuburgischen Streites. 
Neue Verhandlungen und Erklärungen des Kurfürsten und seiner Räthe.] 

Lisola kam am 22. Juni nach Königsberg und wurde dort sehr freundlich 6. Juli, 
aufgenommen'). Am 23. hatte er Audienz beim Kurfürsten, in welcher er um 
offene Mittheilungen ersucht. Am 24. besucht ihn der Fürst von Anhalt und 
theilt ihm mit, dass er und Hoverbeck für die Unterhandlungen seitens des Kur- 
fürsten ausersehen seien. Am 25. erste Conferenz; die Brandenburger fordern 
Erklärungen von Lisola; dieser erwidert, er sei hierhergeschickt, um die Pläne 
der Brandenburger zu vernehmen. Es zeigte sich, dass es sich um 3 Dinge 
handele, 1. um die Fürstenfrage, 2. um die Reichsangelegenheiten, vornehmlich 
um den Reichstag, und 3. um die auswärtigen Angelegenheiten. Die Räthe des 
Kurfürsten bedauern den Einfall der Türken gerade zu dieser Zeit*). Hover-, 
beck meint, die Konigin von Polen*) habe absichtlich diesen Sturm gegen den 
Kaiser heraufbeschworen, um desto sicherer ihre Pläne betreffs der Nachfolge 
durchführen zu können. Am 26. spricht der Kurfürst den Wunsch aus, dass 
in Gegenwart des spanischen Botschafters*) verhandelt werde. Am 27. erklärt 
der Fürst von Anhalt in Gegenwart des spanischen Botschafters. „Videri 
punctom auxiliorum contra Tarcam ita connexum esse cam puncto secu- 
ritatis in comitiis tractandae ^), ut unum sine altero tractari non possit. 
Gallos in dies fieri potentiores et ipsorum pecunia et amicitia Suecos^); 
quid consilii contra hos ad defensionem statuum electoralium? an non 
temporizaDdum cum dictis Gallis et Suecis. Lisola antwortet: totum re- 

Der Bericht Llsola*s ist nicht erhalten; wohl aber der oben mitgetheilte Auszug. 

«) üeber Lisola's Verhandlungen Urk. u. Act. XL 294 ff. u. a. 0.; IX. 647, 755; 
Droysen 1. c. IILj 44 f. 

*) Vergl. für den Türkenkrieg — der eine genügende Darstellung noch ni^ht 
gefunden hat — Rinteleu, die Feldzüge Montecuccoli's gegen die Türken 1661 — 1664 
(Oesterreichische militärische Wochenschrift 1828); Campori, Raimondo Hontecuccoli 
360 ff. ; Zinkeisen, Geschichte des osmanischen Reiches IV. 901 ff. ; Rousset, Louvois I. 

*) Louise Marie. 

^) Sebastian d'Ucedo; vergl. über dessen Gesandtschaft Urk. und Act. XI. 306 
Anm. f. 

^ Für die Verbandlungen über die Reichssicherheit zu Regensburg, vergl. 
Urk. u. Act. XL 185 ff.; Gemeiner, Geschichte \ der öffentlichen Verhandlungen des zu 
Regensburg noch fortwährenden Reichstages I. 69 ff.: Pachner von Eggenstorff, Voll- 
ständige Sammlung aller von Anfang des noch fürwährenden Teutschen Reichstages 
de anno 1663 biss anhero abgefassten Reichsschlüsse 1. 13 f., 25 ff. u. a. 0. 

Ueber die französisch-schwedischen Beziehungen dieser Zeit Recueil des In- 
structions donnees auz Ambassadeurs de France Tom- IL Suede par Geofiroy; Ein- 
leitung p. LH. f. 



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150 in« 1660—1664. Mission Lisola's. 

medium repositam esse in reuniendo imperio et dissolvendo foedere Rhe- 
nano. Der spanische Gesandte spricht ebenso und fugt hinzu, der König von 
Spanien habe zu diesem Zwecke bereits 100000 Thaler bestimmt. Ans all den 
Reden hat Lisola ersehen, dass der Earfurst durch grosse Versprechen Lesseins ') 
verführt, die Freundschaft mit Frankreich nur ungern aufgeben würde, ebenso 
ungern aber auch auf die mit Oesterreich verzichten würde; vielmehr die Freund- 
schaft beider zu behaupten suche. Er berichtet darauf über die Versprechen 
Lesseins und über die Verhandlungen Blumenthals'). 

Et cum ex Overbeckio (Lisola) cognovisset, qaod praecipua causa 
respectus ad Gallos sit causa Juliacensis, se quasi ex se proposuisse, an 
DOD posset compositio aliqua eius controversiae tentari; id placuisse 
Overbekium admodum, qui etiam asseruit ad eam Electorem optime esse 
dispositum, qui Elector dod ignoret, quid per Friquetium cum Princi- 
pissa Auraica fuerit actum'). Gleiche Versicherungen habe bald darauf der 
Kanzler Jena gegeben. Am 28. bringt Jena die Antwort des Kurfürsten*). Am 
29. erfolgt die Antwort des Kurfürsten auf die 3 Punkte. Am 90. Juni werden 
die Verhandlungen über den Rheinbund geführt^). Am selben Tage berichten 
des Kurfürsten Räthe über die Gesinnungen des DSnenkonigs ') ; „regem illum 
propendere ad foedus cum Austriacis, tentandum foedus cum Brandenbur- 
gicae, Saxoniae et Bavariae Electoribus, ita cum Duce Wirtembergensi et 
Brunsviceusi, cavendum a Moguntino; Brunsvicenses non contemnendos ; 
qui DOQ sint male dispositi, sed a ministris corruptis seducantur^ de- 
merendos etiam a nobis aliquos^).. Principi Catholico ex illa domo propo- 
nendam opem successionis in Polonia. Suecis subducendos ofBciales, 
Würtzium, Wrangelium '), oblato principatu imperii et officiis militari- 
bus. Ad foedus Rhenanum quod attinet, huic vel aliud opponendum, 
vel suscipiendum illud ab omnibus, videlicet ab imperatore etc. Cu- 
randum, ut in comitiis punctus securitatis ad satisfactionem statuum 
resolvatur et tunc instandum^ ut foedus Rhenanum, tanquam non neces- 



De Lesseins, französischer Gesandter in Berlin; über seine Th&tigkeit daselbst 
Urk. u. Act. IL 233 £; IX. 599 flf.; XI. a. v. 0. 

^ In diesem Auszüge ist nicht genauer darüber berichtet; vergl. Urk. u. Act. 
II. 278 ff.; IX. 620ff. 

3) Vergl. Urk. u. Act. XI. 491; Puf. 1. c. IX. 71 ff. 

*) Wird hier nicht mitgetheilt. 

^) Wird hier nicht mitgetheilt; über Brandenburgs Stellung zum Rheinbunde, 
Urk. u. Act. II. 269ff.; IX.599ff; XL 442ff. 

^ Ueber die brandenburg-dänischen Beziehungen in dieser Zeit Urk. und Act 
IX. 721 ff. 

^ Für die Haltung der braunschweigischen Fürsten Köcher 1. c. 321 ff. 

8) Paul Würtz, Gustav Wrangel. 




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Des Kurfürsten Gesinnung. 151 

sarium aboleatur, vel instare, ut omnes ad illud admittantur. Lisola 
habe diese Mittel sehr gebilligt und der spanische Gesandte aus seiner 
Instruction den Abschnitt verlesen, quod pensio hispanica pro Electore 
cum foedere Gallico sobsistere nequeat. Electorales contendisse, tempori- 
zandam esse, foedas Brand-Gallicum lam vetus esse nee renovationem 
Degari posse, quin palam renuncietur amicitiae Gallicae. Se (Lisola) con- 
testatqm esse, quod mirum sibi id accidat, ut, qui de illo nesciret, nee 
instructas sit. Petiisse, ut saltem differatur tractatus in Gallia, donec 
Caesar respondeat; electorales receperunt ad referendum. Se (Lisola) 
deinde cum principe Anbaltino privatim de eo egisse et ostendisse, quod 
Galli per illud foedus intendaot Electorem mancipium suum facere. An- 
baltinum quaesiisse, an gratum futurum esset Caesari, si dissoluta nego- 
ciatione Blumenthal revocetur? Cumque ipse affirmasset, illum addixisse 
operam; memorasse tarnen, quanta sibi, Overbekio et Jena a Gallis essent 
oblata. 

Am 2. Juli melden die Räthe die Entschlüsse des Kurfürsten ^) ; betheuem 
ihre wahre Neigung für den Kaiser, beklagen aber kein Zeichen seiner Aner- 
kennung erhalten zu haben. Ferner klagen sie darüber, dass der König von 
Spanien seine Versprechen nicht erfülle*), und dass in der Jägemdorfer Sache 
dem Kurfürsten nicht Satisfaction gegeben werde, was sie besonders stark be- 
tonen. 



Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 13. Juli 1663. (Or.) 

[Aensserungen des Kurfärsten. Dessen Gesinnung.] 

Eine Unterredung mit den kurfürstlichen Ministem über die polnischen 13. Juli. 
Verhältnisse blieb ohne Erfolg. Der Kurfürst besprach mit Lisola den Stand 
der allgemeinen Verhältnisse, |: plurima etiam de Galli ambitione et in- 
tollerabili gallicae dominationis jugo et plurimorum apud principes im- 
perii ministrorum corruptela cum tali affectu disseruit, ut satis appareat, 
ipsum ex mentis sententia loqui ; nodus rei consistit in dissipando motu, 
quem de Suecis habet maximum et media communis securitatis ipsi 
demonstrandiy quibus etiam ipse non indiligenter incumbit:|. 



Werden hier nicht mitgetheilt. 
^ ürk. u. Act. XL 306 Anm.f. 



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152 ni. 1660—1661. Mission Lisola's. 

Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 18. Juli 1663. (Or.) 

[Verbandlungen Lisola^s mit dem Kurfürsten über die Türkenbilfe. Erklärungen des 
Kurfürsten in Bezug auf die Türkenbilfe und die dabei vorzusehenden Verhältnisse. 
Unterredung mit Anhalt über die Ausübung der Religion bei den protestantischen 
Truppen. Unterredung mit Anhalt und Hoverbeck über die Verwendung der kurfürst- 
lichen Truppen. Nachrichten aus Polen.] 

18. Juli. Befehl vom 3. d. M. ethalten ') Accepta« M*'" . V**. iDStructione illico 

gmnm Electorem addii et traditis eidem Caes*». litteris exposui summam 
commissioDis ipsique intimum rei statum ac periculi magDitudinem fuse 
dedaxi, rogans, ut quam promptissima ac copiosissima posset auxilia sub- 
mitteret. Visus est rem fortiter apprehendere et omnem exhibere promptitu- 
dinem; dolet praesentem rerum suarum statum, exhaustas provincias, 
exautOFatum recenter militem et maximam quam unquam alias pecuniae 
penuriam. lustiti, ut saltem numerum peditatus augeret, egi quoqae enn- 
dem in fiuem apud primarios eius ministros et post aliquot conferentias 
haue tandem resolutionem accepi: Sua Ser^'. electoralis praeter ea, quae 
in comitiis Ratisbonensibus per legatum suum offerre nuper demanda- 
vit, scilicet löOmenses romanos^ ac ea quae mihi specialiter ante aliquot 
dies declaravit, nempe 1000 pedites^ 200 equites et 400 dragones ; addet 
praeterea alios 300 dragones et 300 equites, quem in finem statim ad 
instantiam meam curavit expedire mandatum ad principem ab Holstein '), 
ut copias illas duceret ad confinia Silesiae prope Crossen ibidemque 
mandata S. M"'. V»«. vel eius in Silesia armorum praefecti praestola- 
retur ac sine mora exequeretur, quod ut melius praestari possit, in- 
^unctum est ipsi, ut expediret aliquem ad generalem tormentorum prae- 
fectum comitem de Souches, qui armis in Silesia praeesse dicitur, ut 
eum moneret de suo adventu, rogaretque ut commissarium ad ducendas 
per destinata loca copias ad ipsum destinaret, omniaque eum in finem 
necessaria more solito ordinaret*). Constitutum etiam est, ut copiae post 
acceptum W^*. V*^. mandatum congregari debeant Grimbergae in Silesia 
quatuor aut quinque Crossia milliaribus; interea vero prope Crosnam in 



') Eine Weisung vom 3. Juli liegt nicht vor ; sie betraf, wie aus dem mitge- 
theilten Berichte Lisola's zu ersehen ist, die Türkenhilfe. 

«) Vergl. ürk. u. Act. XL 187 f. 

') August von Holstein, seit 1659 im Dienste des Kurfürsten; vergl. Hirsch, 
Die Armee des Grossen Kurfürsten und ihre Unterhaltung wahrend der Jahre 1660 
bis 1666 (Bist. Zeitschrift N. F. XIII. 234 ff.). 

*) Vergl. das Schreiben des Kurfürsten an August von Holstein d. d. Königs- 
berg 20. Juli 1663; Urk. u. Act. XI. 296 f. 




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Tärkenbilfe. 153 

ditiooibas electoralibus subsistant; promissae munitiones bellicae Franco- 
farti enint ad liberam M^'. V^. dispositionem apad urbis praefectam 
Goetz. 

Pro securitate vero ditionum electoralium (quam curam l^nomine 
jjtt«. V»«. eidem suasi) S"™. Elector indixit ordinariam nobilitatis mo- 
tionem, ut parati sint sub armis in Markia quam Mindae et Alber^ 
stadii; decimum quoque hominem ex plebe sub siguis coustitui iussit, 
quod coosiderabilem conflabit militiae numernm, praeter quem curabit 
et iam de facto curat novum militem conscribi*) et si aliquid ex pro- 
missa assistentia a S°*^. Rego Catholioo percipiat, totum illud ad commu- 
oem defensionem ineumet et in omni necessitatis casu M^^ V**. copio- 
sius subveuiet, sese impeuse ac omnia sua M'^ V'". offerens, nihilque 
diligentiae praetermittere cupiens, qua M^*. V*'. constet, quantam com- 
munis causae et privatae M'^. V^. rationis curam gerat. Indicavit mihi 
princeps Anhaltiaus nomine Suae Ser^'., quod cum copiae illae meris pro- 
testantibus constent, singulas legiones more solito habituras suum praedi- 
cantem, nee enim posse solatio animarum carere ac Ser^*". Suam sperare 
Dullam quo ad hoc motum iri difficultatem. Respondi, me quidem circa 
hoc minime instructum; scire tarnen apud nos non solitum tollerari, cum 
praesertim bae copiae corpus seorsivum constituere non possint, sed 
misceri debeant aliis, quibus id nulla ratiooe permittitur et licet hac in 
re S*^". C**. M*». gratificari cuperet Ser°^®. Electori, id tamen propter 
exemplum et sequelam videri summe dif6cile, curam autem illam videri 
omnino superfluam; sive enim illae copiae mansurae sint in Silesia, sive 
io Hungariam perrecturae, hoc qualecumque animarum solatium minime 
ipsis defuturum, abundare enim ditiones illas plus quam sufficienti prae- 
dicantium copia, ita ut frustra aliunde sint accersendi. Hisce non ob- 
stantibus expresse requisivit, ut hoc M^^ V^. significaretur. Quia vero 
in praecedenti declaratione S. Ser***. intendebat^ ut illae copiae auxiliares 
in Silesia retinerentur pro defensione provinciae et confinium, donec sal- 
tem S. S^. aliunde sibi de milite prospexisset, rogavi principem Anhal- 
tinum et Overbök, ut efBcerent, quatenus S. S*^. id pure arbitrio S. C. 
M**'. et rerum exigentiae permitteret, quod quidem in se susceperunt, 
suaserunt tamen, ne id nunc nimium urgerem, ubi enim copiae forent in 
potestate nostra, haud aegre postmodum fore impetrare, ut absolute ad 
nostram dispositionem relinquantur. . . . 

P. S. Certo nobis ex Polonia nuntiatur, res ibi ad proborum omnium 

') Vergl. Hirsch 1. c. 242. 



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154 IIL 1660—1664. Mission Lisola's. 

Votum compositas regemque adactom, ut promitteret, Gallicae factio- 
dIs eonatas omnino supprimendos ; exautorabitur ibi miles Gennanicns, 
qui ulterius Polonis servire detrectat et praestantissimo constat peditatu, 
quem M*". V*. commodis conditionibus posset sibi conciiiare. Ad boc 
plarimum referret | : Mareschallas regoi ^), nee non generalis vigiliarum 
praefectus, comes Cellari, Cracoviae comeDdans. : { 



Der Kaiser an Lisola. Dat. Wien 26. Juli 1663. (Conc.) 

[Türkenhilfe. Reichsangelegenheiten. Mediation des Kaisers in der brandenburg-neu- 
burgischen Streitsache. Brandenburg -franzosische Beziehungen. Die lothringische 
nud elsässische Angelegenheit Jägerndorfer Frage. Belohnung Anhalts und Hoyer- 

becks.] 

26. Juli. Lisola soll dem Kurfürsten vorhalten, wie dringend der Kaiser die Hilfe 
gegen die Türken benöthige, eine Erhöhung der Truppenzahl nochmals anstreben 
und die Erhaltung der zur Hilfe zu sendenden Truppen durch Friedrich Wil- 
helm fordern. Den Herzog von Holstein als Führer der Truppen lässt sich der 
Kaiser gefallen; doch möge Lisola trachten, dass demselben blos der Titel eines 
„Colonellus** und nicht der eines „generalis vigiliarum praefectus" verliehen 
werde. 

Ad alterum deinde capat negociationis tuae, statum videlicet rerum 
in imperio et comitiis RatisboDensibus quod spectat, sicoti probe per- 
spicimus et sentimus pleraque omnia difficilia et turbata ex foedere illo 
Rbenano dif&ciliora et turbatiora esse facta; ita ex sententia etiam Di- 
lectionis Suae id inprimis agendum censemas, ut illud quam primum 
dissolvatur et aboleatur. Inter media ad hunc finem assequendum nul- 
lum DOS eflTicacius et promptius reperire, quam ut punctus securitatis 
publicae iam in comitiis propositus*), quantocius quam appositissimo 
ad omnes modo constituatur, ac tum quicquid expectatione huiusmodi 
coDstitutionis separatim introductum fuit cassetur. 

Bezüglich der Verwickelungen des Brandenburgers mit dem Neuburger 
bietet der Kaiser seine Mediation an. Ad foedus illud anno 1656 a Di- 
lectione Sua cum rege Galliae initum quod attinet'), dextre innues, ex- 
perientia ipsam comperisse, quam parum sibi id hactenus profuerit, 
quantumque incommodorum toti Sac. Rom. Imperii statni ex eius- 



') Georg Lubomirski. 

') ürk. n. Act XL 189 ff.; Pachner 1. c. L 25 ff. 

') Gemeint ist die Defensivallianz vom 24. Februar 1656 auf 6 Jahre; Momer 
I.e. 200 f. 



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Tärkenbilfe. Reichsangelegfenheiten. 155 

modi foederibus iam a primis naperi belli GeriDanici initiis contractam 
foerit. Dabium ergo esse non posse, quin non modo recte et pradenter 
sed heroice etiam factura sit Dilectio Sua, si ulteriorem eius renovatio« 
nem a se amoliendo aliis exemplo ad idem faciendom praeeat*). 

Äd negotium Lotharingicum quod spectat^ id ita comparatum reperi- 
mus, ut exemplo esse possit, quid sibi caeteri eidem coronae vicini et 
oportuni mox ab illa polliceri debeant. Nee dubitare nos, quin si prin- 
cipes ipsi Lotharingi snam causam suo loco serio proponerent, non modo 
commiserationem sed patrocinium etiam ac opem essent inventuri; i&is- 
sum quidem fuisse huc nuper Lignevillium cum litteris ab utroque duce; 
adesse etiam hie alterius filium^nil serio agentes sed haesitantes, ac nt 
videtur in nullam partem satis firmos. Nos, si res in comitiis propona- 
tur, nee ipsi sibi desint, non defuturos iustis ipsorum rationibus. Ad 
negociationem Gallicam Alsatiae cum corpore Imperii reuniendae quod 
attinet, recte respondisti, eam negociationem Gallos suscepturos non fuisse, 
nisi spe ingentis alicuius commodi inde consequendi, quod in turbandis 
et confundendis consiliis imperii bactenus constitit; sed cum ad nos de 
ea negociatione hactenus nihil aliunde relatum sit, causam praeoccu- 
pandi non habuimus. . . . 

Betreffs der Jägemdorfer Angelegenheit ist es der Wunsch des Kaisers 
diesen alten Streit beizulegen, jetzt aber bei dem Tärkenkriege ist nicht der 
geeignete Moment dazu. 

Den Prinzen von Anhalt würde der Kaiser sehr gerne belohnen^ doch fehlt 
ihm jetzt das Geld. Hoverbecks Wunsch bezüglich der Baronie wird erfüUt. 



Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 3. Aug. 1663. (Or.) 

[Unterredungen des Lisola mit dem Karförsten und mit dessen R&then über die Frage 

der Reichssecurität] 

Ab ultimis meis humillimis relatidnibus tarn 8°*°'. Elector quam 3. Aug. 
eins mandato nonnulli eius ministri mecum aliquoties coUocuti fuerunt 
circa punctum, de quo nunc in comitiis Ratisbonsensibus agendum est; 
scilicet de modo constituendae securitatis et quietis imperii, de quo iam 
nonnuUa in antecedentibus meis litteris insinuavi; cumque a suis depu- 
tatis Ratisbonae degentibus solicitetur, ut quam primum ipsis quoad hoc 



') Die Erneuerung des Vertrages Ton 1656 erfolgte erst am 6. Harz 1664; 
Momer 1. c. 258. 



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156 in. 1660—1664. Mission Lisola's. 

meutern et intentioDem suam transmittatO) ideo in omnibus fere ser- 
monibas, quos mecum habuit^ hanc semper materiam addaxit in me- 
dium, saepios protestatus, se nunquam a rationibus et consiliis S'**^. 
Cce j(ti8 y«6 discessunim. Ego tarn cum ipso quam cum elus mi- 
uistris mansi in termlnis generalibus, primum et fere unicum fiindamen- 
tum securitatis imperii in eo situm e^e, ut membra capiti perfecte 
reuniantur, absque hoc omnia consilia, quantumvis saluberrima, omnes 
leges et conventiones incassum abituras; de caetero consultum mihi vi* 
deri, si Sec^. Sua donec de mente Caesaris ipsi plene constaret, manere 
dignaretur in generalibus, internam reunionem eificaciter suadere et de- 
mandare ablegatis suis, quatenus cum legatis Caesareis Ratisbona existenti- 
bus intime communicent et ex condicto cum ipsis agant. . . . 



Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 24. Ang. 1663. (Or.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten in der Türkenfrage. Erklärungen desselben. Ver 
bandlungen mit Anhalt bezüglich Jägerndorfs. Erklärungen des Kurfürsten in beiden 
Fragen. Erwiderung Lisola's. Neuerliche Erklärung des Kurfürsten bezüglich der 
Türkenhilfe. Erwiderung Lisola's. Einigung Lisola^s mit Anhalt in der Türkenfrage. 
Marsch der brandenburgischen Truppen. Des Kurfürsten Wunsche bezüglich der 
Streitigkeiten mit seinen Unterthanen und dem Neuburger. Brandenburg-mainzische 
Beziehungen. Notb wendigkeit Anhalt zu gewinnen. Vorschlag in dieser Sache. 
Unterredungen Lisola's mit Anhalt und Jena in der Jägerndorfer Angelegenheit. Des 
Kurfürsten Erklärungen in dieser Angelegenheit. Lisola's Erwiderung. Vorschläge 
Anhalts. Preussische Souverenetät. Bitte um Abberufung in Folge Nutzlosigkeit 
seiner Anwesenheit am kurfürstlichen Hofe.] 

24. Aug. Befehle vom 26. Juli und 1. August erhalten^). Hat den Karfürsten in 

der erbetenen Audienz ersucht, die für den Kampf gegen die Türken dem 
Kaiser zur Verfügung gestellten Hilfstruppen auf eigene Kosten zu erhalten und 
überdies deren Verwendung vollkommen dem Gutdünken des Kaisers zu über- 
lassen. Aequissimo animo et hilari vultu S**'. Sua hasce propositiones 
sascepit meqae hoc responso dimidit; se deliberaturum desuper ac me- 
cum indicturum conferentiam. Posthac, cum aliqua ad aurem principis 
Anhaltini, qui illic aderat, insusurasset, idem princeps deduxit me ad 
conclave suum et ante omnia coepit de praetentione Jegendorfiana (quam 

*) Brandenburgs Vertreter in Regensburg waren Gottfried von Jena und Curt 
Asche von Mahrenholtz (vergl. über sie Urk. u. Act. XI. 156 f.); über des Kurfürsten 
Ansicht in dem Puncte der Reichssecurität vergl. sein Schreiben vom 20./30. Juli 1663 ; 
Urk. u. Act. XI. 189 ff. 

^ Eine Weisung \om 1. Aug. liegt nicht mehr vor. Von diesem Tage stammt 
ein Schreiben Leopolds an den Kurfürsten; Urk. u. Act. XI. 297 f. 




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Türkcnbilfe. Jägerndorf. 157 

studio apud Electorem suppresseram) soUicite inquirere, quid circa illam 
mandati accepissera. Respondi, S»". M**". V»". tot simul maus, periculis, 
occupationibus oppressam, morbo etiam tunc praepeditam mimine quoad 
hoc solidam potuisse rationem investigare, qua hoc negotium compla- 
Dari posset, rem esse ex se arduam, litigiosam, cui Interesse tertii inter- 
cedebat; S**. Suae minime miram esse debere, si 8\ C«*. M"., quae 
paucis hinc annis regnorum administrationem difficillimis temporibus 
suscepit, tarn brevi tempore inter tot tricas negotium illud, quod toto 
aug"*. parentis et avi sui aevo perfici non potuerat, non posset tam re- 
pente absolvere; serio tarnen et mature deliberari, qua ratione id com- 
modissime transigi posset, nee me dubitare, quin tandem modus invenia- 
tur, quo Ser^^ Suae plene satisfiat; Interim rationem temporum et arctae 
unionis vincula minime suadere, ut privata haec negotia cum publicis 
confundantur, aut necessaria ad communem salutem consilia inde tan- 
tisper retardentur. ' Ad haec penitus diriguit et talem vultu praetulit 
consternationem, ut prorsus caruerit response; |: quod probe animadver- 
tens, nullum mihi supererat consilium, quam illius animum spe privatae 
remunerationis, paulo expressius^ quam mea ferret instructio, quantum 
licuit erigere, hoc unicum in tanta perplexitate nactus remedium, cum 
satis praeviderem vulnus, quod Electori Brandenburgico per hoc respon- 
sum infiictum ibat, medicis opus habiturum, qui lenitivum applicarent, 
cumque optime eum disposuissem, ab eo secessi praestolaturus conferen- 
tiam :{. Sed post aliquot horas idem princeps mandato Ser'^'. Suae me 
convenit mihique sequentia significavit eiasdem nomine: Ser^*". Snam 
maximo sibi infortunio ducere, quod post tot edita fidei ac devotionis 
suae documenta, tam parum apud ipsam valuerit, ut ne quidem in 
aequissimis praetentionibus, iusticiam, quam ne vel infimo civi denegare 
solet, impetrare potuerit, quodque auxilia, quae pro moddo potestatis 
suae obtulerat, tam parum accepta sint, ut in omnibus fere punctis ali- 
quid desiderandum supersit; rationes omnes et excusationes quas ad- 
duxeram et spem quam ingerebam apud ipsum valituras, si nunc pri-. 
mum proferrentur, sed non excidisse ipsi e memoria, quod in electione 
S**. C". M"». pulcherrimam habuerit occasionem evincendae praetentionis 
suae, dum caeteri electores non ex stricto iure, sed superabundantes Caes*'. 
munificentiae effectus elicerent; ipsius quidem ministros tunc suasisse, ut 
occasionem praeterlabi non sineret, si non gratias, ius sattem suum evin- 
cendi; sed cum ministri Caes^^ ibidem illum rationibus adorti fuissent, 
quibus nunc etiam utebar, ut nempe generöse et pure obligaret M**™. 



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158 ni. 1660—1664. Mission Lisola^s. 

V"". in tali occasione, non defuturam postea M*". V"™. quin pari gene- 
rositate in negotio Jegendorfiano alüsque omnibus eidem corresponderet, 
tunc 86 ultro contra suoram coosiliam acquievisse'), ideoque Ser^*". 
Suam sibi persoadere non posse, me alia non habere mandata, qnod 
vero illa^dissimolarem, me certe in hoc M^^. V'^. servitio minime oon- 
solere. 

Ad petitam vero militis sustentationem, dolore Ser^'^. Suam se non 
esse in illo statu, ut satisfacere possit desiderio nostro multo minus, ut 
militem in Hungariam pergere sinat, cum in eo unicum sit ipsius prae- 
sidium mediisque destitutus sit alium militem comparandi, cum prae- 
sertim probe cemat nihil in Hispanicis subsidiis fiduciae collocandum, 
nee videre cur huc ministrum miserint cum nudis promissis, quarum 
iam aures toties habuit verberatas; hoc multum ipsi praeiudicare tam 
apud HoUandiae status quam apnd alios, qui illum pecunia hispanica 
illaqueatum credunt, indeque ansam de ipso diffide&di arripiunt, cum 
tamen nuUum ex Hispania commodum percipiat; caeterum quando quidem 
S*. C^. M^. praefatis conditionibus oblatum militem suscipere consul- 
tum sibi non duceret, se loco militis pro omni subsidio contra Turcas 
resignaturum S^'*'. M^. V^^. promissam ab Hispanis summam, tam pro 
quadriennio iam elapso quam in futurum. 

Ad haec nihil consultius duxi, quam totum illum discursum quasi 
non serio, sed animi gratia et ut me tentaret, prolatum suscipere; sub- 
ridens itaque respondi, me haec7omnia optime percepisse, homm autem 
ne verbulum quidem ad S. C. M^'^. relaturum; optime enim nosse vel 
hanc non esse veram Ser^". Suae intentionem vel tranquilliori mente 
postmodum ipsimet displicituram ; praestolaturum itaque ut desuper 
paulo sedatius deliberet. Interim coepi singula exactius discutere, et 
protracto usque ad mediam noctem coUoquio variisque mediis invicem 
agitatis illum optime dispositum dimisi, ut omnem operam rebus conoi- 
liandis adhiberet. Passus est mihi tamen et aliunde rescivi hoc totum 
ab Jegendorfiano negotio procedere, nee deesse ministros, qui illum exsti- 
mulent illique persoädeant, agi de ipsius existimatione ; omnibus visum 
iriy ipsum parvi fieri ab aula Caes*., cum rem (ut supponont) adeo 
liquidam assequi nequeat, Gallos ipsos illum continuo circa hoc vellicare, 
ioco identidem a Blumendalio inquirentes, an de Lisola Jegendorfium ipsi 
attulerit; haec menti principis continuo obversari et novos idemtidem 



') Für diese Verhandlungen in den Jahren 1657 und 1658; Urk. u. Act. VIIL 
339ff., 366flF., 513f. 



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J&gemdorf. Bitte um Abberuf ang. 159 

motus coQcitare, quos non proclive foret compescere; aliunde etiam rescivi 
et quidem certo, | : quod iam Galli liberalius com Blumendalio agant, et 
quibus conditionibus desiderent illam oppignorare, idque at opinor Electore 
Mogantino suadente : | . 

SequeDti die denuo rediit ad me princeps Anhaltinus retulitqae se 
animo principis sedando dod ineficaciter adlaborasse variaque tempera- 
menta, quae inter nos agitaveramas, eidem proposuisse^ et hanc denique 
ultimam a Ser*®. Sua elicuisse resolutionem, scilicet Ser""". Electorem 
condescendere, ut 500 equites et 700 dragones pergant in Hungariam, 
dummodo aggregentur corpori, quod ad partes Danubii sub ductu mare- 
schalli Montecucoli destinatum est') ex ad versa fluminis ripa: 1000 vero 
pedites manebunt in Silesia, sive ad custodiam fortalitiorum, sive in 
castris pro libitu S«"«. C««*. M'»«. 

Optaret Sua Ser^., ut media ipsi suppeterent sustentandi militis, 
sed .quia id ipsi omnino impossibile accidebat (et re vera ex certa seien- 
tia mihi constat illum in maximis angustiis versari) loco sustentationis 
concedet pure et absque obligatione refusionis 100000 Imperiales a Ser"^ 
Rege Cath*®. debitos, quos antea S. M'^ V**. titulo mutui obtulerat*). 

Praefatus miles stabit sub ductu principis ab Holstein cum titulo 
generalis vigiliarum praefecti, ad quem iam antehac fuit evectus et de 
facto possidet^), in omnibus tarnen suberit imperio et mandatis genera- 
lium Caesareorum, vel eorum qui copiis praeerunt; subsistentia submini- 
strabitur militi, tarn in expeditione quam in stativis eadem prorsus 
ratione qua militi caesareo'). 

Non distrahetur aut separabitur ille miles in varias partes, sed 
equitatus in duas turmas distribuetur, dragones vero in tres, si tamen 
ratio bellica postulet, ut interdum ex singulis cohortibus aliquot milites 
seligantur ad aliquam expeditionem, id stabit penes arbitrium generalis 
caesarei, operatione vero perfecta quisque sub suis signis redibit. 



Ueber Johann Philipp von Schonborns Politik ; Guhrauer 1. c. I. Bd. 

*) Montecnocoli stand in der Nähe Ton Pressbarg. Diar. Europ. X. 571. 

s) Vom 4. Juli liegt eine schriftliche Erklärung Lisola's tof, dass er Tom Kur- 
forsten eine Quittung über 100 000 vom Vicekönige Ton Neapel (Graf Penneranda) 
an denselben zu zahlende Thaler empfangen, welche der Kurfürst dem Kaiser 
als Hilfsgelder zum Türkenkriege überlassen habe. Vergl. Urk. u. Act. XI. 299 Anm. 

*) August Ton Holstein war am 4. Juni 1663 zum Generalwacbtmeister ernannt 
worden; Tergl. Mülverstedt, Georg Adalbert, Die brandenburgiscbe Kriegsmacht unter 
dem grossen Kurfürsten, 256 Anm. 

*) Vergl. die Instruction für August von Holstein Urk. u. Act. XI. 300 flf. 



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160 UI. 1660—1664. Mission Lisola^s. 

Similiter peditatus nunquam ita dividetar, quin saltem dnae cohor- 
tes seu compagniae ad minimum simul maneaot, qoi vero ex illis in praesi- 
dii8 statuentur, iuramentum more solito praestabont S. C. M^. V'**; quo- 
lies in aliqua expeditione ofSciales Electorales cum Caesareis in pari 
gradu concurrent, Electorales in omnibus cedent Caesareis, etiamsi anti- 
quiores essent in officio quam Caesarei, quod Ser"**". Elector singulari 
erga S*™. M**". V*". observantiae tribuere profitetur, cum id nunquam 
concedere voluerit regi Sueciae. 

Cum peditatus ab equitatu debeat separari, nee unus solus praedicans 
possit utriquo sufficere, desiderat S. Ser^., ut licitum sit unum in pedi- 
tatu, altenim in equitatu ducere, qui tamen extra legionem nullum prorsus 
ministerium exercebunt. 

In locum eorum, qui in acie cadent, vel peste absumentur, S. C. 
M'"'. novos sufficiet, nt integer numerus ipsi restituatur, exceptis tamen 
fugitivis. 

Copiae illae S**. M**. C". inservient, quamdiu ille opus habebit 
contra Turcas, nisi forte Status Ser"^ Electoris Interim hostiliter invade- 
rentur, quo casu S. C. M*". illas ipsi restituet. 

Hisce expositis requisivit, ut scriptura couficeretur, qua hasce condi- 
tiones acceptarem iisque subscriberem, et militem confestim perrecturum. 
Respondi me quo ad hoc idonea destitutum plenipotentia, nee missum 
ad ineundos tractatus de auxiliis, quae a pura Ser'*'. Suae gratuitate 
pendent, sed tan tum ad exponendam ipsi eorum pro communi salute 
necessitatem; durum praeterea mihi videri peditatum, quo maxime indi- 
gemus, retinere in Silesia otiosum; Silesiam enim non in ipsa Silesia, 
sed inHungaria defendendam esse; cumque instaret, nos hoc pacto edu- 
cere posse copias alias, quae sine istis subsidiis deberent ibi remanere, 
subiunxi, rem secus se habere: provinciam enim suscepisse curam pro- 
priae defensionis et militem sustentandi, qui inde extrahi non posset; 
sed princeps suasit, ne serius nunc quoad hoc instarem; hoc enim pro- 
cedere ex privato nescio quo principis genio et affectu, aegre in ipso fer- 
vore, sed facile ubi resederit inflectendo; quam primum miles in Silesia 
foret, facile ad minimam nostram instantiam permissurum Electorem, ut 
alio traducatur; si vero ex Hispania aliquid pecuniae adveniret Ser^^ 
Suae, qua copias instaurare posset, tunc S'^™. Suam non solum illas, sed 
etiam alias copias plenae dispositioni nostrae relicturam. 

Cumque acrius instaret, ut conventionem iuxta supradictas condi- 
tiones iniremus, ego vero id absolute negarem, tandem ne in re tarn 



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Türkenhilfe. ReichshofrathsaDgelegenheit. 161 

urgent! per hunc obicem mora iniiceretur, in seqoens temperamentum 
convenimus: quod scilicet daturus sim attestationem a me subscriptam, 
me a principe Anhaltino nomine Suae Ser*^'. accepisse declarationem, 
quod eius intentio sit, ut copiae supraspecificatis conditionibus ad S**. 
Caes»«. M*^. V*". subsidium pergant meque de omnibus S. C. M'«". in- 
fonnatarnin, quo pacto moram declinavi, nee tarnen M**". V'*". ulla in 
re oppignoravi *). Interim miles perget, et ita computavi tempus, ut si 
S. M. V^. consultum non iudicet hisee conditionibus militem admittere, 
tempestive poterit misso ad principem Holsatiae Cursore sistere eius pro- 
gressum antequam Grimbergiam (locum scilicet pro congregandis copiis 
destiuatum) pervenerit; si vero M*^ V'". consultius videatur militem 
admittere, nihil ad conditiones yel contra respondendo, poterit postea 
pro re nata illas limitare, dum interea sensim disponere conabimur Ele- 
ctorem, ut ab istis restrictionibus recedat, quibus etiam ipse princeps 
Holsatiae, si comiter habeatur, non adeo scrupulose inhaerebit. lam 
vero si acrius quoad hoc insisterem in primo illo impetu, perderem ope- 
ram illumque magis obfirmarem; si vero didicerit illis copiis carere, nitro 
baec omnia remittet. Haec mihi asserunt, qui genium eius norunt. In- 
terim mandata expediri curavi ad principem Holsatiae, ut illico cum 
copiis pergeret, pars vero equitatus, quae hie degit, cras deo iuvante 
itineri se tradet ita, ut iuxta nostrum calculum circa lö''™. Septembris 
copiae illae omnes adventurae sint Grimbergiam sex milliaribus maiori 
Glogovia dissitam; si tamen paulo diutius aliquo casu morarentur, com- 
missarii M'**. V'". poterunt per paucos dies eorum adventum praestolari; 
munitiones bellicae iam pridem Francofurtum transmissae sunt ad omnem 
j[üs ym dispositionem paratae, prout in humillimis meis relationibus 
19*^. Julii significavi. Necessarium itaque erit, ut commissarii M**«. V"*. 
illarum devectionem procurent easque a loci commendante recipiant. 

Querelas quas de certis decisionibus concilii Imp^^". aulici aliquoties 
edidit, non eo tendunt, quod cursum iustitiae impedire praetendat, sed 
quod solummodo desideret, ne cum lis aliqua inter ipsum ipsiusque va- 
sallos agitatur, decreta statim contra ipsum ferantur ipso non antea 
monito; cuperet itaque se confidenter antea moneri, quando causa aliqua 
ipsius aequitati minime innixa videbitur, ut ab ea tempestive resilire 
queat, antequam similia decreta emanent, quae ipsius authoritati apud 
suos derogant et subditis audaciam concitant litigandi. In negotio vero 

1) Vergl. die Convention in betreff der von dem Kurfürsten für den Türkenkrieg 
zu stellenden Hülfstruppen. Königsberg 23. Aug. 1663; Urk. u. Act. XI. 298 ff. 

Mater, s. Gesch. d. G. Kurfursteu. MV. 1 1 



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102 in. 1660—1664. Mission Lisola's. 

|:Neoburgico haeret in priori resolutione, et ofBcia V". C*®. M*". quoad 
hoc lubens expectat, modum autem tractandi Optimum censet, quem iam 
antea V". C**. M". indicavi, ut scilicet per secreta colloquia, median te 
principissa Auraica, Friquetii cum barone de Lairat') res ventiletur, et 
si spes compositionis apparuerit, tum negocium Raiisbonae mediante V*. 
C**. M*^. cum debitis solennitatibus tractetur; quia vero dux Neoburgensis 
per ministrum suum Ratisbonae degentem') proposuit, ut res mediante 
Gallia et Electore Moguntino transigeretur, respondit Elector Branden- 
burgicus commodius absque mediatoribus posse tractari, ubi vero con- 
ventum foret, tum fore liberum cuilibet parti, nominare eos, quos vellet 
ad maiorem solennitatem tractatus : { . . . 

|:Princeps Anhaltinas fidissimam bactenus navavit operam ac totum 
se V**. C***. M*^". servitiis devovet, tentatur assidue Galliae magnis et 
realibus oblationibus, pauper et in bivio, ut fortunam figat suam, nee 
diu praevalere poterit nuda spe contra solidas oblationes, licet vero an- 
gustia temporum minime patiatur, ut ipsi realiter subveniri possit, sal- 
tem expedire videretur assignare ipsi summam ad media extraordinaria, 
cuius solutio sensim differri posset in commodiora tempora, ut illuin * 
interim nobis obnoxium teneret, ita ut si postmodum non corresponderet 
fiduciae nostrae, integrum V". G®". M". foret ab illo promisso resilire. 
Gallia eifert in paratis centum millia florenorum gallicorum, quae sum- 
mam quinquaginta millium Rhenensium efficiunt, nee non etiam dinastiam 
in Alsatia vel Lotharingia ad ipsius electionem; vidi litteras hac de re 
originales mihi notissimas. : | Princeps Anhaltinus nee non cancellarius 
Jena cum magna anxietate (prout profitentur) ex sincero in M*®". V*"». 
studio suadent, ut hoc negotium Jegendorffianum componere satagamus. 
Ser^^"". Suam non quidem hoc tempore acrius institurum, ne molestiam 
facessat M^^ V**'., sed mansurum semper lapidem offensionis et in omni 
occasione id semper recursurum; si vero ipsi nitro nunc satisfieret, 
Ser^®'^. Suam longo hilarius et majori fiducia in omnibus cooperaturam 
M^". V!P. desideriis, seque sperare, Electorem tantum ponderis adiecturum 
communi causae, ut M^. V*. expertum sit ipsorum consilium fuisse sa- 
nissimum. Quaesivi, an igitur Ser"'^ Electoris amicitia a tantilla re 
penderet; num ipsius ratio politica illum suapte coniungeret M^^ V'**^.; 



^) Baron Lerodt, pfalz-neuburgischer Gesandte; über Friquets Verhandlungen 
mit ihm, Urk. u. Act. XI. 496 ff. 

^ Vertreter Neuburgs zu Regensburg waren der Obrist und Hofrathspräsident 
Wolf Jakob üngelter v. Diessenhausen und Dofraih Dr. Carrer (Dia. Europ. IX. 508). 



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Anhalt. Jagerndorfer Frage. 163 

num amicitia Caes*. ipsi decori foret ac utilitati. Responderunt, rem 
omnino ita se habere, sed |:ex re tantilla Electorem Brandenburgicum 
coniicere, quam parvi aestimetur et quid in majoribus sperare liceat, ex 
illa coDtemptus opinione reddi tepidiorem et interdum commoveri, ac 
inde faciliorem apperiri aditum pravis suggestionibus :|. Longum foret 
ac taediosum singula recensere, quibus postquam abunde satisfecissem 
ac varias obiecissem quoad Jegendorfium obtinendum difficultates : prin- 
ceps Anhaltinus post aliqua cum Ser'*. Sua colloquia mihi retulit, se eo 
rem deduxisse, ut SerP"". Elector loco Jegendorfii congruam aliquam 
compensationem non tarnen in pecunia, sed in bonis stabilibus acceptare 
promittat, si vero in praesens non detur ad hoc opportunitas, petit con- 
signari interim Jegendorfium adiectis, quas libuerit, cautelis pro in- 
demnitate et securitate religionis, seque daturum reversales, quod, quo- 
ties ipsi aequivalens dominium alibi procurabitur, illico Jegendorfium 
S. C. WK restituet. Respondi id non esse in potestate S°"*. C"^ M**». 
in praeiudicium tertii possessoris, qui inde non posset eiici absque forma 
iudicii. Ad haec princeps Anhaltinus subiunxit, se quidem proposuisse 
Ser**. Suae comitatum Reinstein, sed Ser**™. Suam minime id approbasse, 
cum iam illud quasi suum reputet, utpote sub directo dominio suo con- 
stitutum et facile ad ipsum devolvendum, quo pacto nullam novam 
faceret acquisitionem ^). 

Alia vero esse dominia non magni momenti ac iurisdictionis prope 
Crosnam iam protestanticae religioni addicta'), de quibus convenire 
posset Elector, ut ex Ulis aliqua seligautur dominio Crocensi annectenda 
iuxta taxam proportionatam valori dominii Jegendorfiani, quo pacto 
Ser"*"". Elector actiones omnes suas ad versus Jegendorfium M**. V". 
transcriberet, ut iis pro libitu uti possit, et qualecunque inde damnum 
sentiret, resarcire. |:NoIui curiosius ab ipso inquirere, quaenam forent 
illa dominia, ne viderer exordium dare negociationi, imo neque ad refe- 



') Regenstein oder Reinstein war von dem letzten Administrator von Halber- 
stadt, Erzherzog Leopold Wilhelm von Oesterreich, als ein halberstädtiscbes Stifts- 
lehen angesehen und trotz des von Braunschweig erhobenen Widerspruchs dem Grafen 
Leopold von Tattenbach verliehen worden. Der Versuch des Kurfürsten nach der 
Enthauptung des Johann Erasmus von Tattenbach sich als Lehensherr in den Besitz 
dieser Herrschaft zu setzen, gab Anlass zu einem Rechtsstreite, der jedoch bei Auf- 
lösung des Reiches noch nicht beendet war. 

') Damit ist wohl auf Schwiebus gedeutet worden; wenigstens scheint dies 
die Ansicht Fridags gewesen zu sein; vergl. dessen Schreiben vom Dec. 1689 bei 
Pribram Oesterreich und Brandenburg 1688—1700, p. 214. 

11* 



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164 ni ir.60— 1664. Mission Lisola's. 

rendum suscepi, sed quasi rem per medium discursus acceptam silentio 
praetermisi, quam tarnen V"«. C*". M". minime dissimulaodum duxi, ut 
desuper statuat quod e re videbitur. : | 

(Jommissarii Polonici, procancellarius *) scilicet ac episcopus Var- 
miensis'), pro absolvendis a juramento fidelitatis Pruthenis et Ser"**. Ele- 
ctore in possessionem supremi dominii introducendo, huc intra decem 
dies adventuri sunt; absoluta solemnitate Ser*". Sua illico redibit in 
Markiani, quem princeps Anhaltinus praecedet intra sex dies hinc dis- 
cessurus. Quid mihi ulterius hie agendum supersit, non video; l'.cum 
omnia, quae hie agitavimus, praesertim ratione Imperii et Ducis Neo- 
burgensis alibi debeant executioni deduei, nee ulterius hie possint promo- 
veri; ratione vero Jagerndorfii, si V». C«*. M". realem Electori Branden- 
burgico velit dare satisfactionem , seu per temperamentum ab ipsis pro* 
positum, seu per quod vis aliud remedium, sufficiet in praesens:!, ut id 
ipsi per me declaretur. Conclusio vero hie fieri minime poterit, nam 
qualiacumque ipsi assignentur dominia sive prope Crosnam, sive alibi, 
opus erit eommissariis ex utraque parte, qui loeum inspiciant et taxent, 
quod non tam cito absolvi poterit, nee in eo potero quidquam operari. 
I : Si vero V. C. M". eonsultius iudicet hoc negoeium suaviter protrahere 
et ad illum saltem retineudum aliquam aperire negoeiationem, nullus 
aptior mihi videretur modus, quam si negotium ad aulam ¥*•.€•*•. M***. 
transferretur, quia ibi posset faeilius detineri, quam hie, ubi cum ipso 
principe immediate agetur, qui statiro in impatientiam prorumpit, quando 
ad ipsius petita non praecise respondetur, aut defectus instruetionis 
obtenditur, ita ut si diutius manerem absque ullo effectu, omni fide, quam 
hactenus apud ipsum illibatam conservavi, penitus excederem, imo peni- 
tus rupturam et indignationem vix possem declinare. Quo pacto inutile 
prorsus redderer in hac aula V»^ C'". M**'. instrumentum et praesentia 
mea nihil aliud operaretur quam praetensionum suarum memoriam et 
repulsae indignationem :|. 

^) Johann Lesczynski. 

') Johann Stefan VVydzga; die Verhandlungen in dieser Frage in ürk. und Act. 
IX. 385 ff. 



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Bitte um Abberufung. Gesinnung des Kurfürsten. 165 

Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 4. Sept 1663. (Or.) 

[Marsch der brandenburgiscben Truppen. Nachrichten von einer französisch-dänischen 

Allianz. Entmuthignng des Kurfürsten in Folge der Nachrichten von Niederlagen in 

Spanien und Ungarn. Bemühungen der Gegenpartei.] 

Lisola erhält auf seine Beschwerde wegen der Verzogerang des Marsches 4. Sept 
der Truppen*) des Brandenburgers die hestimmte Versicherung, dass die kur- 
fürstlichen Truppen Ende September in Grüneherg eingetroffen sein werden*). 

Expectantur hie commissarii Polonici pro resignanda S™®. Electori 
in supremum dominium Prussia, post quorum adventum illico Ser°*"'. 
in Marchiam redibit et iam omnia ad discessum adornantur. | : Elector 
Brandenburgicus certam habet informationem, quod rex Daniae cum , 
Gallia foedus iniverit, nescit tamen an foedus defensivum dumtaxat, an 
foedus offensivum*); quod mirum in modum ipsum percellit ac conster- 
nat; magnum enim in regem Daniae coUocabat fundamen tum. Similiter 
clades Lusitana*) et Forgatziana *) anxium illum reddunt et soUicitum, 
nee satis possum in primo illo motu eius animum erigere, cum praeser- 
tim nullum experiatur effectum, tarn circa praetensiones suas, quam 
circa promissa hispanica. Interim regina Poloniae omnia movet, ut illum 
alliciat Galliae, blandius agit cum Blumendalio et non desunt hie in- 
centores, hactenus tamen stetit firmus : [. 



Lisola an Walderode. Dat. Königsberg 25. Sept. 1663. (Aut.) 

[Gute Stimmung des Kurfürsten. Marsch der brandenburgischen Truppen. Werbungen 
des Kurfürsten. Blumenthals Abberufung aus Paris. Bitte um Abberufung.] 

Lange keine Nachricht ans Wien erhalten. Caeterum S""* . in optima 25. Sept. 
est dispositione et nunquam illum vidi tam bene animatum, tracto eius 
animum quantum possum suaviter et efficaciter et hactenus mihi suc- 
cessit ex voto^). Copiae auxiliares pergunt. Iam habemus certa nova, 

Lisola an den Kurfürsten d. d. Königsberg L Sept. 1663, Urk. u. Act. XL 
304; Yergl. auch das Schreiben Leopolds an den Kurfürsten Tom 20. Aug. ähnlichen 
Inhalts ebendaselbst, Anm. 

>) Der Kurfürst an Lisola d. d. Insterburg 4. Sept. 1663. ürk. u. Act. XI. 304. 

>) In der That hatte Frankreich mit Dänemark am 3. Aug. 1663 eine Allianz 
geschlossen; vergl. Dumont 1. c. Vl.g 470 ff. 

*) Vergl. Th. Europ. IX. 1047 ff. 

') Graf Forgatsch hatte ein unglückliches Gefecht den Türken geliefert; yergl. 
Dia. Europ. IX. 486 ff.; Th. Europ. IX, 947 ff. 

*) Vergl. auch das Schreiben Lisola's an den Kurfürsten vom 19. Sept., dessen 
Antwort Tom 20. Sept. und des Kaisers Schreiben an den Kurfürsten vom 23. Sept. 
1663; ürk. u. Act. XL 305 f. 



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166 ni. 1660-1666. Mission Lisola's. 

quod pervenerint Tauchelium in confiniis Majoris Poloniae versus Po- 
merellam, inde brevi tempore ad Oderam perventurae. Excedent nume- 
rum 2500 et quidem militis selectissimi. Jam S™"'. novos meditatur 
delectus et brevi instructum habebit exercitum decem millium, ad omnem 
gcrae Qeae jyjtis exigentiam promptum, et si vel niinimum quid ex parte 
nostra aut hispanica realitatis acceperit, experiemur uberrimos fructus 
eius amicitiae. Revocatus est ex Gallia Blumendalius , sed D. Overbog 
novissime scripsit S""'". regem Poloniae in Galliam scripsisse, ut non 
tam cito dimitteretur '). Bittet um Abberufung von Königsberg, da er da- 
selbst nichts mehr zu thnn habe. 

Die Berichte Lisola's an Walderode aus den folgenden Wochen enthalten 
nichts von Bedeutung; Lisola dringt auf seine Abberufung. Unter dem 7.0c- 
tober meldet er: negotium Prussiae tandem compositum est, S""*. Elector 
consensit, ut statim evacuetur Braunsberga et mille quingentos pedites 
statim iuxta pactorum obligationem submittere promisit in subsidium 
Poloniae contra Moscos; vice versa episcopus Varmiensis scripto se obli- 
gavit ad procedendum ad effectum commissionis suae ideoque dies in- 
dicta fuit statibus, ut huc convenirent pro iuramento fidelitatis S"**. 
Electori praestando, die 18* huius') et statim finita solemnitate S"""». 
Elector itineri se tradet versus Berolinum, ut vicinius assistat rebus 
imperii et Hungariae. 



Lisola an den Kaiser. Dat. Königsberg 9. Oct. 1663. (Or.) 

[Unterredungen Lisola's mit dem Kurfürsten und Jena wep^en der Törkenhilfe. Ent- 
scheidung des Kurfürsten.] 

9. Oct. Benignissima S. C. M*". mandata 29 Septembris ') , 4 huius accepi, 

et absente S"**. Electore illico etiam noctu secretarium meum ad ipsum 
cum litteris M"'. V»*. ac verbali instructione destinavi, cum intentione 
etiam ipsum Electorem quam primum illuxisset adeundi, nisi mihi certo 
nunciatum fuisset illum eadem die rediturum. 

5*. Ser""'. Elector acceptis litteris, venationem, cui tunc intentus 
erat, subito deseruit rediitque in civitat^m secretario meo cum hoc 
response dimisso, se de hoc negotio mecum collocuturum . . . Audito 
eius adventu illum confestim adii et difficilio remquam speraveram nac- 

Kin derartiger Befehl an Blumentbai erging erst am 9./ 19. Nov. 1663; Urk. 
U.Act. IX. 665 flF. 

^ Vergl. Droysen 1. c. III. j 618 ff.; Puf. 1. c, IX. 51 ff.; Urk. u. Act. IX. 457 ff. 
') Liegt nicht vor, 



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Türkenhilfe. 167 

tus sum; quoties enim extraordinarii cursores adveniunt, toties ipsi exci- 
tantur species Jegendorffii et statim spem concipit illud pro studio sap- 
primere; postea vero spes ia consternationem et excandescentiam desi- 
nit. Nolui illum in hoc primo impetu acrius urgere, sed re proposita 
adductisque rationibus ad alia sermonem deflexi et ab ipso digressus 
adii cancellarium Jena (qui re vera se hactenos M". V". fidum exhi- 
buit) illumque sedulo adhortatus sum, ut S*®". Suam perraoveret ad 
condescendendum M'**. V". desiderio'). 

6*. hui US idem cancellarius ad me rediit, asseruitque se in S^^. Sua 
magnam invenisse repugnantiam, idque ex duobus capitibus; V. quod 
nulluni a nobis neque ab Hispanis experiretur nondum eifectum; 2°. quod 
vereretur, ne generalis de Souches copias illas aut nimis exponat aut 
fatiget'), suasit denique, ut denuo S**". Suam adirem iterumque effica- 
citer urgerem, se quoque pro virili adlaboraturum. 

7*. huius rursus S**"*. Suam conveni, et post varios ultro citroque 
circa hanc materiam sermones tandem ipse rationibus acquievit, quibus 
illum incitare conatus sum, ut M'*". V*". in hac occasione pure et 
generöse obligaret, omissis tot restrictionibus, quae magnam gloriae et 
beneficii partem cornimperent; postquam ex hac teip«>estate emerseri- 
mus, non defutura S*^"®. C"®. M'^ media, quibus S'*. Suae regratificare- 
tur; satis ipsi constare, quam haec tempora aliena sint ab huiusmodi 
praetentionibus decidendis. CoUoquii tandem conclusio fiiit, quod Ser""'. 
Elector in haec verba resolutionem suam mihi dederit: Se non in hoc 
solum, sed in omnibus, quae communem causam et privata S®'*®. C***. 
j|ti« y«e commoda concernerent, confirmaturum semper consilia et reso- 
lutiones suasM "•.¥". desiderio ac demandaturum principi ab Holstein, 
quatenus in Moraviam pergat et strenue inserviat ubi opus fuerit'). ... 
Adjecit se omnia libenter facturum pro S*^". M*®. V*. dummodo saltem 
ipsi constaret, grata esse ipsius servitia, ad quod actis debite gratiis, 
nihil mearum partium omisi, ut illum in bona intentione corroborarem 
ac demonstrarem , nullam spem superesse salutis, quam in arctissima 
unione. ... Da der Kurfürst nach empfangener Huldigung der preussischen 

*) Es handelte sich um die Verwendung der kurfürstlichen Hilfstruppen, vor- 
nehmlich um den Marsch der Infanterie bis Mähren; vergl. Lisola's Schreiben an den 
Kurfürsten vom 4. Oct. und des Kurfürsten Schreiben an den Kaiser vom 7. Oct. 1663; 
ürk. u. Act. IX. 308 ff. 

3) A = ezponant vel fatigant. 

3) Urk. u. Act. XI. 310Anm, 



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168 in. 1660—1664. Mission Lisola^s. 

Stände nach Berlin reist, verlässt auch Lisola Königsberg, üeber Küstrin reist 
er nach Glogau, aus welcher Stadt er den folgenden Bericht absendet. 



Lisola an Walderode. Dat. Glogau 12. Nov. 1663. (Ant) 

[Haltung des Kurfürsten. Desselben Reise nach Regensburg. Urtheil Lisola's über 
die Reicbsangelegenheiten und die ihm verweigerte Missioo in Regensburg. Rückblick 

auf seine Thätigkeit.] 

12. Nov. Den Brief des Kaisers an den Kurfürsten vom 26. October ') hat Lisola dem 
Kurfürsten übersendet. Non dubito, quin S""'. annuat Omnibus nostris 
petitis, licet praevideam illum ex responso proregis Neapolitani ') ad sua 
petita et toties promissa ultroque ipso non cogitante oblata, alte percul- 
sum iri, putabitque sibi illudi. Utinam nihil unquam oblatum foisset'). 
Nee minus illum percellet, quod de Jegersdorfio nihil perscribatis saltem 
spem aliquam faciendo alicuius compensationis. Interim fortiter ab aula 
Polonica sollicitatur et iam Galli magis blandiuntur Blumendalio ^). 

Scripsi hac de re antehac nonnulla arcana ad Ex""", dominum prin- 
cipem aPortia*), quae quia puto IIP*. V". ab eodem communicata bre- 
vitatis causa praetereo. 

Video quidOa multas rationes, quae suadent iter S"*. Electoris Ra- 
tisbonam fore utile®); |:vereor tarnen, ne cum antiqua illa vulpe coUo- 
quatur. Fallor enim nisi illum brevi nobis subducat ac mancipet 6al- 
lis, ac vereor ne iam aliquid subsit :{. S^". Sua iam ElectoH Moguntino 
instanter urgenti promisit se Ratisbonam iturum. Hodie iter instituam 
versus Berolinum et pro 15* huius spero me illuc cum tota familia ad- 
futurum. Ad negotium commissionis meae comitialis quod spectat, per- 
lectis scripturis, quas mihi IIP". ¥•. communicare dignata est, depre- 
hendi, coniecturas quas antea hac de re feceram nuUa in re aberasse. 
Doleo vices et conditionem clementissimi nostri domini, cui non modo 

Liegt nicht vor. 

^ Graf Penneranda. 

^) Es handelte sich um das Anerbieten von Subsidien; vergl. ürk. u. Act. XL 
306 ff. 

*) ürk. u. Act. IX. 661 ff. 

*) Liegt nicht vor. 

*) Der Kaiser wünschte ein energisches Eingreifen Brandenburgs in der Frage 
der Defensionsverfassung (vergl. ürk. u. Act. XL 308, für des Kurfürsten Haltung XL 
201, 311 f.) und hatte den Kurfürsten ersucht persönlich nach Regensburg zu kommen 
(Gemeiner 1. c. L 116 f.). Darüber wurde dann im geheimen Rathe bferathen (ürk. 
u. Act. XL 204 f,). 



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Reichsangelegenheiten. Lisola's Tbätigkeit. 169 

intrudunt ministros in intima aulae suae secreta, sed eos etiam exclu- 
dere satagunt, qui minime ipsis sunt accepti. Absit autem, ut velim 
esse petra scandali; cedo lubeus rationi status seu verae, sea sophisti- 
cae; qui Gallis servire cupiunt optime faciunt, quod me a suis consiliis 
velint amotum. Facilitatem optimi nostri archiepiscopi Salisburgensis ^) 
non possum satis demirari, quod tanta pronitate incidat in casses. Si 
ita sit in caeteris rebus, Dens bone, quid non credet, quid non sibi et 
nobis imponet. Ligam Rhenensem hactenus credideram non se extendere 
ultra fines imperii, nee scopum alium habere, quam communem ipsorum 
in imperio securitatem; exhorrui tarnen, quod iam dilatare illam velint 
ad res Polonicas et ita adhaerere Gallicis rebus in et extra imperium, 
ut vel de nomine ipsis invisus sim, quod obstitisse me credant, ne Galli 
in Polonia regnarent. Sed absit, ut credam adeo coniuncta ipsis esse 
cum Gallis studia; multos enim et praecipuos ex ipsis ligistis esse novi, 
qui vel hoc ipso mihi sunt addicti, quod putent me huic Gallorum in- 
tentioni obstitisse. Sed quid tandem de me erit, si Gallos auditis aut 
eos, per quos vobis illudunt? Trahendus ero ad gemonias tanquam inu- 
tile cadaver. Si enim expectabitis ipsorum approbationem, nuUibi 
certe me volunt, nolunt me in Polonia, nolunt in imperio, nolunt apud 
gmnm Eloctorem (prout plurimae litterae testantur); faxit Dens, ut sal- 
tem me domi otiosum patiantur serere arbores in hortulo, quod certe pro 
summo dei beneficio ducerem. Novit Dens, quod haec non profero ex 
aegritudine animi aut taedio laboris, sed si nonnullis videatur, conni- 
vendo, cedendo et tempori serviendo instaurari posse res nostras, ex illo 
principio sequitur satius esse me penitus amoveri, donec saltem tempus 
(quod non procul abesse videtur) adveniat, quo possitis iis impune uti, 
qui Gallis aut eorum mercenariis minime probati sint. Totam hanc in- 
vidiam ultro in me derivavi, ut aulae Caes***. serAdrem in tali occasione, 
ubi de summa rerum agebatur; (quid enim de nobis iam esset, si cona- 
tus gallici successissent); reginam mihi olim summe propitiam non dubi- 
tavi alienare, sprevi oblationes, quae fidem superant, passus sum perse- 
cutiones, quae vel stoicam vincerent pacientiam; sed hoc mihi aegerri- 
mum est, quod eo nomine apud eos ipsos vapulare debeam, pro quibus 
hisce malis me obieci. Hoc non me percellit, novi enim humanam 
conditionem, sed videte ne multum detrahatur authoritati Caesaris, neve 
hoc exemplo caeteros omnes ministros doceatis, quam periculosum sit 
Gallis displicere. Regina Poloniae non inconcinne dicere solet, quod si 

') Guidobald Graf von Thun. 



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170 ni- 1660-1664. Mission Lisola's. 

voluissem ipsi tantisper connivere, auxissem nptabiliter meam fortunam 
et facile Caesarei actiones meas probassent. Videt«, ne deinceps vobis 
praescribatur, quos ad ministeria deligere, quos excludere debcatis, et 
ne magis ad promotionem conducat ipsis placere quam vobis. Sed haec 
nil ad me. Non satis possum mirari bonitatem optimi archiepiscopi, 
qui D. Stokman proponit tanquam in tali officio constitutum, qui 
possit rebus Caesareis in unam vel alteram partem prodesse vel obesse. 
Illtas V*., quae statum Belgicum novit, facile deprehendet, quam id 
procul petitum sit ac fiitile. Caeteram lubens ab hoc omnique alio 
munere abstinebo. Sola mihi honoris cura superest. Quis enim non 
credet me ab eo fuisse exclusum tanquam exosum principibus imperii 
et inutile in illis partibus instrumentum, quod me deinceps non solum 
apud S. C. M'*^™., sed apud S""*". regem Catholicum perderet; nee 
ipsemet vollem in ipsorum praeiuditium negotiis adhiberi, quae si male 
cederent non malae aliquorum inten tioni, sed odio personae meae tri- 
bueretur. 

Quod autem illis principibus imperii invisus sim, hoc me prorsus latet; 
scio autem, quod Elector Palatinus instanter petierit me ad se mitti; 
scio quod Neoburgicus maximam mihi testetur propensionem, de Bran- 
denburgico id satis liquet, nee non de utraque domo Badensi ac Wirten- 
bergica. Interfui tribus comitiis, tam pro civitate quam pro archi- 
episcopo Bisuntino'); cum omnibus deputatis fidam amicitiam colui, nul- 
lum a me offensum dimisi, multos ex deputatis offlciis meis demerui et 
cum iis assiduam colui et colo adhuc correspondentiam. Optassem, ut 
D. archiepiscopus hoc suum votum paulo melius et explicatius propo- 
suisset, nam re vera praeter Gravellium') Gallum, quem non novi, nemi- 
nem puto, non me libenter et amice amplexurum. Hoc saltem unum 
rogo, ut consulant honori meo, ne post adeo solemnem regis catholici 
declarationem videar aliqua mea culpa reiectus et gratia tanti regis mihi 
cedat in opprobrium. Totum hoc committo Il^'^ D. V**. prudentiae et 
affectui. Si res procedere non possit, alia foret occasio, in qua me Regi 
Catholico summe necessarium et commcndabilem reddere possem; scilicet 
in Anglia, cum Rex Catholicus ibidem legatum habere non possit et 
ipsi summe expediat, fidam ibi esse personam, quae rebus ipsius invigi- 
let. Si illuc mitterer specie petendi auxilii (audio enim ad omnes prin- 

') Besan^on, üeber Lisola's Tbätigkeit in dieser Stadt vergl. den Aufsatz von 
Reynald im 27. Bande der Revue Historique 1885 p. 300 ff. 
2) Gravel Robert, Vertreter Frankreichs in Regensburg. 



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Polnische ABgelegenheit. Französisch-brandoBburgische Beziehungen. 171 

cipes Christianos destinari legatioues) hoc üoq mihi minus acceptum 
foret, quam si commissio Ratisbonensis procederet '). 



Lisola an Walderode. Dat. Cöln a. d. Sp. 23. Nov. 1663. 

(Aut.) 

[Polnische Angelegenheit.] 

Empfiehlt nochmals seine Angelegenheit dem Walderode. 

Res polonicae in lubrico versantur statu; factio reginae invalescit, 23. Nov. 
contraria senescit et assiduitate ac longanimitate adversae partis fati- 
gatur. Amicus ille urget cathegoricam resolutionem et mediante tan- 
tillo auxilio certam spem facit se ad extremum perstiturum et cum dei 
auxilio superaturum, sed vult assecurari, secus enim torrenti cedere 
cogetur et brevi quidem. Ser'""^ Elector multum orat, ut rem non de- 
seramus et nisi concurramus, vereor ne ipse prior cedat. 



Lisola an Walderode. Dat. Berlin 30. Nov. 1663. (Aut.) 

[Beruhigung des Berliner Hofes über die Vorgänge am Wiener Hofe. Französisch- 
brandenburgische Beziehungen. Polnische Angelegenheiten. Characteristik des Kur- 
fürsten.] 

Seit langem ist Lisola ohne Weisung vom Hofe , was in Berlin beunruhi- 30. Nov. 
gend wirkt. | : Elector Brandenburgicus putat actum esse de gratia prin- 
cipis de Portia apud imperatorem, quod alte apprehendit; nam timet 
Auersperg et horret Schwarzenberg. : | De tractatibus S**^. Suae cum 
Gallis certo credat nihil esse, redit Blumendalius a S**. Sua r^ocatus '), 
nee proximam video ad tractandum dispositionem, nisi istum principem 
nitro alienemus, quod facile eveniet, si se despici crediderit. |:S™"*. 
quotidie apud me instat pro resolutione circa res Poloniae, an illas 
deserere an prosequi velimus : { ; putat mediam viam esse exitiosam et 
ccrti sibi consulet, si videat nos tepidos. |:Scribit mihi Gerardinus') 



*) Zum Verständnisse dieses Schriftstückes sei darauf hingewiesen, dass von 
Seite Portia's und Walderode's Lisola als Commissär für Burgund zur Regensburger 
Versammlung vorgeschlagen wurde, während andere wünschten, dass Peter Stockmann, 
der vom Beginne des Reichstages an dieses Amt versah, dasselbe auch ferner ver- 
sehen solle. 

2) ürk. u. Act. IX. 665 f. 

*) Resident des Kaisers in Polen. 



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172 in. 1660—1664. Mission Lisolas. 

ex Polonia, quod Mareschallus regni*) incipit degustari, quod ad omnia 
quae proponit, ne bonum quidem verbum reportaritis. Vicecancellarius') 
vehementer instet pro response. : | Si istae duae bases deficiant, actum 
erit de aedificio; ego lavo manus, sed de bis plura proxime. Utinana 
mala futura pauIo plus apprehenderetis ac minus timeretis praesentia. 

P. S. Miror istum Electorem, qui in deliciis habet longas relationes 
cum minutissimis circumstantiis et hoc expresse ministris suis demandat; 
omnia legit, revolvit, expedit; ad omnia respondet, combinat unam cum 
alia et nil negligit. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Colin a. d. Sp. 22. Nov./2. De- 
cember 1663. (Or.) 

[Verwendung der kurfürstlichen Hilfstruppen. Klagen über Souches.] 

2. Dec. Des Kaisers Schreiben vom 7. Oct. hat der Kurfürst erhalten »). ^Ob ich 

nun zwar gehofft, es würde desfalls bei der zu Königsberg genommenen Abrede 
allerdings gelassen werden*) und E. K. M. die Fussvölker weiter nicht dann in 
Schlesien oder zum höchsten in Mähren begehren, so hab ich dennoch, zu Be- 
zeugung meines zu Beförderung der allgemeinen Sicherheit und E'. K. M. Estats 
Wohlfahrt treu gemeinten Eifers und aufrichtigen Devotion nicht unterlassen 
wollen, E. K. M. gnädigstem Gesinnen in gehorsamster Willfährigkeit ein Gnögen 
zu leisten und an hochgemelten Herzogen von Holstein L**«". geschrieben, die 
Reuter und Dragoner zu E'. K. M. Diensten der ersten Ordre gemäss nur fort- 
zuschicken, mit der Infanterie aber auf Begehren nicht allein bis in's Mark- 
grafenthum Mähren zu gehen, sondern auch die Hälfte derselben zur Execution 
der etwa fürhabenden Impresa herzugeben, nach deren Verrichtung aber solche 
wider in's Markgrafenthum zu ziehen*)." Empfiehlt die Truppen dem Schutze 
des Kaisers. Der Herzog von Holstein habe ihm gemeldet, dass, als er dem 
kaiserlichen Befehle vom 11. Oct.^) entsprechend sich mit den Reutern und 
Dragonern bei Souches eingefunden, dieser nicht nur die Hilfe als unnöthig 
zurückgewiesen, sondern auch zu verstehen gegeben habe, des Kaisers Wille 
und Verordnung wäre keinesweges diese Völker mit nöthiger Verpflegung ver- 
sehen zu lassen^). Der Kurfürst begreift nicht, wohin Souches mit solchen 
Reden zielt, zweifelt auch nicht, dass er dies ohne Wissen des Kaisers gethan 

Georg Lubomirski. 

*) Johann Lesczynski. 

') Liegt nicht vor. 

*) Gemeint ist die Convention vom 23. Aug. 1663; Urk. u. Act. XL 298 ff. 

^) Auszug aus diesem Schreiben in Urk. u. Act. XL 316. 

«) Soll wohl heissen 11. Nov. (vergl. Urk. u. Act. XL 314). 

^ Verj;!. des Herzogs Schreiben vom 28 Nov.; ürk. u. Act. XL 3 14 f. 



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Verwendung der kurfnrstlichen Truppen. Des Mainzers Politik. 173 

hat; der Kurfürst meldet dies dem Kaiser, in der Erwartung, der Kaiser 
werde darauf sehen, dass die Volker nicht ruinirt, sondern gehörig verpflegt 
werden. 



Lisola an Walderode. Dat. Cöln a. d. Sp. 3. Dec. 1663. 

(Aut.) 

[Verwendung der kurfürstlichen Truppen. Reise des Kurfürsten nach Regensburg. 
Brandenburg-französische Beziehungen. Lisola's Bestallung in Regensburg betreffend. 

Des Mainzers Politik.] 

Scripsi fuse posta praeterita; quod addam non habeo, nisi quod 3. Dec. 
S°". Elector tandem non sine magna reluctantia consenserit, ut S. C. 
M". libere de copiis suis et de ipso peditatu possit ubicumque locorum 
disponere. Reliqua quoad iter S*^'. Suae Ratisbonense manent in eodem 
statu, |: si spes sit generalatus ^) abit; si minus, manebit. Tractatus cum 
Gallia suspensi sunt, non rupti. Certum est quod adit Galliam, sed 
timet ac ad omnes casus vult esse conparatus. :| Bono ex loco admonitus 
fui, quod Auersperg toto nisu mihi obstet pro nota commissione; quod 
iam satis antea collegeram; aliunde etiam intellexi, quod idem antiquam 
habeat correspondentiam cum Stockmanno, unde certa mihi fuit suspi- 
cio, quod | : litterae, quas Salisburgensis *) scripsit, fuerint ab Auerspergio 
dictatae:|. Si hoc ita est, quid fiet in aliis, quo loco erit princepsPor- 
tia; hoc enim magnam denotaret ac profundam intelligentiam, quam 
etiam suspicor extendi ad Electorem Moguntinum, qui iuxta ea princi- 
pia, quae sequi videtur et quae confidens eins minister aperuit Electori 
Branden burgico, |:non potest esse addictus nostro principi, qui illam 
politicam prorsus oppositam sequitur. Nam Elector Moguntinus indigna- 
tur, quod Imperator sit nimis addictus Regi Catholico ac denuo per fu- 
turum matrimonium') arctius ligandus; Portia vero e diametro contrariam 
sectatur doctrinam. Ideo probabile est, quod Moguntinus iis magis affi- 
cietur, quos eins dogmatibus insistere credet. Cavete autem, ne archi- 
episcopus Salisburgensis cum Idoguntino conveniat, aut ab eo decipia- 
tur, nam ut ex copia litterarum eins in negotio noto colligere possim, 
debet esse vir simplex. : | 

>) A =a genlatus. 
*) Guidobald. 

*) Gemeint ist die Werbung Leopolds um Margaretha Theresia, mit der sich 
Leopold sp&ter — 1666, — yermählt hat. 



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174 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

Lisola an Walderode. Dat. Berlin 17. Dec. 1663. (Aut.) 

[Zustand am Berliner Hofe. Nachrichten aus Polen. Lisola's Mission nach Regensburg.] 
17. Dec. |: Spero 111**". V»". iam Ratisbonam pervenisse, ubi omnia foelicia 

opto magis, quam spero. Res hie pessameunt, prout ex meis ad pria- 
cipem Portiara videbit*). Res Poloniae nisi attendamus brevi collaben- 
tur; tempestive semper mooeo, sed nunquam nisi post cventum mihi 
creditis, et tarnen post tot veras praedicationes totiesque probatas meum 
calendarium deberet esse apud vos in aliquo pretio. 

Scribit mihi ex Polonia Girardinus, quod mirabiliter omnes mur- 
murent contra principem Portiam et quod omnes depraedicent merita. 
Auerspergii. Hoc provenire potest ex ignorantia populari, caveudam 
tamen, ne id ex ipsa factione Auerspergiana proveniat, regina Poloniae 
etiam forte clam fovente; iam pridem monui attendendum esse actioni- 
bus Schaflfgozii, qui crebro (prout Intellexi) ad aulam Polonicam mittit. 
Multa circa hanc materiam oretenus dicenda reservo; subvereor profun- 
diora et si mihi 6des daretur facile funditus investiganda; si mihi sat- 
tem tanquam privato liceret ad pedes S. C. M''*. accedere, dicerem 
multa, quae ipsi aperirent oculos et principi Portiae plurimum pro- 
dessent, quae ab ipso tam facile ac tam efficaciter dici nequeunt in sua 
propria causa; dicerem autem tali modo, ut sperarem id non sine fructu; 
denique audaciter dicerem, nihil enim metuo, utpote cui certo consti- 
tutum sit (si haec factio praevaleat) ad quietem domesticam recedere 

Iam eidem significavi mandatum domini Stockmani transmissum, ut 
Ratisbona discedat, etiam si illuc nondum pervenissem, quod eo unice 
collimat, ut tollatur omnis praetextus iis, qui me impedire conantur. 
Hoc pulcherrimam dabit ansam meis amicis res meas promovendi; sed 
languor nostri principis tam in hoc quam in reliquis ipsum et suos 
amicos perdet. : | 



Lisola an Walderode. Dat. Berlin 19. Dec. 1663. (Aut.) 

[Nachrichten Ton den Plänen Frankreichs und des Mainzer Kurfürsten. Urtheil Li- 
soia^s aber des letzteren und Auerspergs Politik.] 

19. Dec. h Scripsi posta praecedenti sat copiose; hoc unicum addendum 

occurrit, quod a viro valde perito mox litteras acceperim, quibus mihi 
haec formalia significat his verbis: Credo quod intentio Galliao collimet 

') Liegt nicht vor. 



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Urtheil Lisola's über des Mainzer und Auserspergs Politik. 175 

ad separandum Imperatorero ab Hispanis et quod Elector Moguntinus ad 
hoc insudabit; nuper enim a viro magnae notitiae audivi, quod Elector 
Moguntinus ipsi fassus fuerit, hoc quidern fore iniquum sed necessarium 
et sine quo Imperium nunquam foret quietum. Haec ille; si autem hoc 
ita sit, consideret 111^'. V»., an nunc ex consequentia praesumi possit 
illos, qui hoc intendunt^ non facile laturos regimen principis Portiae, 
quem sciunt habere principia prorsus opposita et nunc magis ipsis placere 
debeat, ut machina devolvatur ad Auerspergium, quem sciunt Hispanis 
exosum. Meminerit etiam 111***. V*., quod iam pridem Auerspergius eo 
collimare videtur, ut se bonum imperalistam venditet. Quidquid autem 
credatis, aut vobis appareat de alienatione Electoris Moguntini ab ipvso, 
ego mihi hanc suspicionem avellere non possum, quin secreto inter ipsos 
conveniat. . . . : 1 



LiBoIa an den Kaiser. Dat. Cöln a. d. Spr. 21. Dec. 1663. 

(Gr.) 

[Brandenburg-schwedische Beziehungen. Des Kaisers Stellung zu Schweden. Frage 
der Investitur Schwedens mit Pommern. Rath Lisola^s in dieser Frage. Geplante 
Beratbung des Kurfürsten von Brandenburg mit dem Sachsen und den Braunschwei- 
gern. Unterredung Lisola's mit Anhalt und Schwerin über die in Regensburg zu 
beobachtende Politik, insbesondere mit Rücksicht auf den Krieg gegen die Türken. 
Vorschlag Wrangeis in dieser Frage.] 

S". C•^ M^*. V•^ humillime significandura duxi, quod cum mihi 21. Dec. 
nuper cum S**. electorali sermo incidisset de ipsius dum Suetia tractati- 
bus*), de quibus iam antehac ad M**". V»™. perscripsi; S"°*. mihi in- 
sinuavit, se apud Suecos institisse, ut S. C. M". V». iisdem tractatibus 
includeretur, qui minime se alienos exhibuerant; recentissimis vero litteris, 
quas a suo in Svetia residente *) acceperat, intellexisse, Suecos in eadem 
quidem propositione perseverare et ad sinceram cum wS. M'*. V*. unionem 
ac correspondentiam esse dispositos; unicum tantum obstaculum obesse, 
denegatam scilicet aut saltem suspensam Pomeraniae investituram, pro 
qua denuo petenda post acceptam repulsam, novam legationem mittere, 
nisi priores invitarentur, sibi omnino indecorum iudicabant'). Si itaque 

^) Ueber die brandenburg-schwedischen Beziehungen in diesen Jahren Urk. u. 
Act. IX. 759 ff. 

*) Krockow, Lorenz Georg; vergl. über ihn Urk. u. Act. IX. 732. 

*) Ueber diesen schwedischen Investiturstreit vergl. Heyne, S., Der schwedische 
Investiturstreit 1648—1664 Urk. u. Act. XI. 95 ff., 213. Die Belehnung erfolgte erst 
am 5. Mai 1664. 



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176 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

S™"*. Elector hanc Suetiae cum S. C. M**. V». correspondentiam saücitam 
cuperet, coDsultum fore, si subiBOveudis obicibus incumberet et necessaria 
quoad hoc apud S. M**". V»™. interponeret officia, qua de re se ad M**". 
V»"». scripturuiB asseruit meque ut scriberem requisivit. 

|: Licet vero facile crediderim haue esse escam nobis iniectam a 
Suecis, ut ipsorum circa investituram postulatis facilius annuamus, tarnen, 
utut sit, humillime censerem negociationem illam minime temneDdam, vel 
ad hoc solum, ut Elector Brand*^"*. nil nisi coniunctim nobiscum agat, 
ut participes fiamus omni um quae tractabuntur; quo pacto facilius erit 
impedire, ne quidquam in V". C***. M**". praeiudicium concludatur, vel 
ut negociatio, si ita expodiat, dissolvatur, aut saltem iniectis ideutidem 
diilBcuItatibus protrahatur; cum autem negotium iovestiturac a sola 
V\ C«*. M'*. non pendeat, facile V". C«". M*^ erit ab liac instantia 
se expedire, offerendo ipsis omnem operam rei apud comitia promoven- 
dae, quod si postea successu caruerit, id statibus imperii non V". C***'. 
M". imputandum erit. :| Interim cum Ser°"*. Elector brevi missuru sit 
expressum ministrum Ilolmiam, humillime consultum ducerem, si aliquis 
etiam ex parte M'**. V". vel specie petendi auxilii, vel directe ad in- 
terveniendum hisce tractatibus, eodem tempore destinaretur. 

S'"^". Elector intra paucos dies iturus est ad confinia Saxoniae, at 
ibi cum S"^ Saxoniae Electore congrediatur et quid in rem praesentem 
consultum sit, statuat^); aderunt etiam, ut sperat, aliqui ex domo Bruns- 
vicensi*); promittit S""*. Elector se omnem operam navaturum, ut isti 
principes fortia et generosa consilia amplectantur et oculos aperiant. 
Ut autem melius indagari possit, quid hoc tempore potissimum expe- 
diat, S""'. Elector demandavit principi Anhaltino et Schwerino, ut mecum 
ioireut colloquium'). Summa propositonis fuit: S™"". Electorem atten- 
tis rerum et temporum circumstantiis et imminentibus undequaque peri- 
culis, probe expendere, quantopere expediat promptas, efficaces ac solidas 
resolutiones capessere. Ipsum nihil in votis habere, quam ut in hisce 
comitiis omnia iuxta M*^'. V**. inten tiones et commoda dirigi queant; 
ipsi quidem ob invaletudinem aliasque rationes minime licitum illuc se 
conferre; expediturum tarnen ministros, qui ipsius vices diligenter obi- 



*) Vergl. über diese Verhandlungen und die Zusammenkunft zu Torgau Urk. u. 
Act. XI. 262 ff. 

'^ Ueber die Haltung der Braunscbweiger Fürsten zur Frage der Türkenhilfe 
Köcher I.e. 321 ff. 

') Vergl. für die Verhandlungen in diesen Angelegenheiten Urk. u. Act. XI. 
317 ff. 



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Beziehungen zu Schweden. Reicbsfragen. Turkenkrieg. 177 

rent, quos ut melius instrueret, optare S**™. Suam a me intelligere men- 
tem S. C. M'*».V"., quid scilicet potissimum in votis habeat M*». V*. et 
qua in re S^, Sua gratum aliquod obsequium eidem praestare queat 
et eiusdem intentionibus suffragari. Respondi, actis primum gratiis, 
optandum quidem fuisse, ut S™°*. Ratisbouam excurrere potuisset, pu- 
riores ex ipso fönte aquas hausurus et praesentia sua plurimum negotiis 
ponderis et probis animi additurus; si tarnen hoc sperari non posset 
supplendum saltem qualitercumque tales destinando miuistros itaque 
instructos, ut efficacia ab ipsis officia sperari possint. Me quidem in 
specie de M*'*. V**^. intentionibus instructum non fuisse, eo quod aula 
C**. speraverit S*^". Suae illuc adventnm omniaque coram communicanda 
reservarit; rem tarnen per se loqui: Turcam esse ad portas; maxiraum 
quod M'^ V**. praestari (meo quidem debili iuditio) servitium posset, 
hoc fore, si S""*. eo incumberet, ut punctum auxiliorum remotis ambagi- 
gus et formalitatum circuitibus, ea, quam res exigebat, celeritate con- 
cluderetur et tali modo, ut ipsi haec auxilia defensioni forent non oneri 
temporique adessent*). Caeterum non parum rebus Caesaris et imperii 
additum iri, si S°*°'. palam non verbo solum sed opere contestaretur, se 
a Caesareis partibus inseparabilem ac capiti suo in omnibus mordicus ad- 
haesurum nee passurum unquam se ullis aliis commerciis implicari; deuique 
consultissimum fore, si deputatis suis mandatum absolutum et generale 
daretur consilia sua cum ministris Caesareis combinandi et omnia ßx 
condicto cum ipsis statuendi. 

Ad haec exceperunt: Se omnia ad S^™. Suam relaturos nee dubi- 
tare, quin ab ipsa approbentur, eamque iam de facto eundem in finem 
ad varios imperii principes serio rescripsisse, a quibus talia acceperat 
responsa, ut spem facerent res ad votum fluituras. Inter caeteros S™"'". 
Electorem Moguntinum eidem per litteras asseruisse punctum auxiliorum 
nulht alia re impeditum iri'); se tamen multas praevidere difficultates, 
non tam in substantia quam in modo, inter tot diversorum sensuum 
capita. Qualia enim praestabuntur auxilia, an pecuniaria dumtaxat? 
an militaria? Primum sperari vix posse, alterum innumeris scatere in- 
commodis; quis enim praeficietur huic corpori? quomodo fient delectus? 
an ab ipso duce, an a quolibet membro per particularcs cuiusque de- 
lectus in suo districtu? Quoad primum vix consensuros, secundum vero 



üeber die Verhandlungen zu Regensburg in dieser Frage ürk. u. Act. XL 
209 ff.; Gemeiner 1. c. I. 124 ff.; Pachner 1. c. I. 51 ff. 
2) Urk. u. Act. XL 317. 

Maler, i. Gesch. d. 0. Kurfürsten. XIV. 12 



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178 in. ICGO— 1GG4. Mission Usola\s. 

fore propemodum inutile; nara tot membra separata vix unquani invicem 
cohaesura, nunquam uno spiritu animanda, nunquam in veram discipli- 
nam coalitura; delectus sine delectu factum in, uuumquemque obtrusurum 
necessarios aut consanguincos suos pro militaribus officiis, nee tarn fore 
exercitum quam plebem coUecticiam. A quo demum instructionem acci- 
piet dux exercitus? an plenae et absolutae S. M. V»«. dispositioni (quod 
vix sperare licet inter tot animorum divisiones ac diffidentias) relioque- 
retur? an ab ipso iniperio? quisque a sui districtus directore expectare 
debebit praeliandi leges et operationum bellicarum praescripta? an ipsi- 
met duci plenum relinquetur arbitrium? quod periculosum foret, authori- 
tati Caesareae exitialc. Circa haec omnia S*®'". Suam innumeras prae- 
videre confusiones, quibus doclinandis, quid S". M^. V»«. consilii sit et 
qualiter S*". Sua cooperari debeat, edoceri cupere. Ad haec aliud referre 
non potui, quam, me omnia ad referendum suscipere et interim per- 
quirere, quid circa haec S™"'. Elector sentiret, ut melius M*"". V*". in- 
formare possem; mihi enim dubium nullum esse, quin eius consilia S®^". 
j|ti V»«. forent acceptissima. Ad haec princeps Anhaltinus subiunxit, 
generalem Vrangelium in private discursu cum residente electorali Hol- 
miae') de belle Turcico disserentem haec supradicta omnia incommoda 
rccensuisse ac demum conclusisse, se nihil omnino, aut parum in iis 
auxiliis collocare. Optimum quidem fore et necessarium, habere in Hun- 
garia bonum militem, qui hostibus opponatur, sed praeter hoc oppor- 
tunissimam belli gercndi rationem fore per diversioncs, si scilicet corpus 
25000 hominum conflarotur ex Suecicis, Brandenburgicis, Saxonicis et 
Polonicis copiis ad invadendam Valachiam; se illius exercitus imperium 
(si ita videretur) libenter suscepturum et magnam hostium partem in se 
avocaturum, quod faciliores nobis in Hungaria redderet progressus '). 
S™**. Elcctori hanc propositionem non parum placere ac ad contribuen- 
dum pro parte sua militem omnino propendere. Hoc unum ipsi videri 
metuendum, ne forte Vrangelius cum tali cxercitu gallicos conatus in 
Polonia promoveret, aut ipsemet Hungariae posset iraminere; sed non 
defutura huic pcriculo remedia; si nimirum ex illis copiis pauciores 
forent Sueci, ut praevalere non possent; Polonis vero, qui admiscerentur, 
praeficeretur vir aliquis bonarum partium. . . . 



') Crockow. 

'0 Vergl. Urk. u. Act. IX. 760 f. 




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Verhandlungen zwischen Frankreich und Brandenburg. 179 

Lisola an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 2. Januar 1664. 

(Or.) 

[Brandenburg-französische Verhandlungen. Mission Lesseins. Erklärungen des Kur- 
fürsten. Bemühungen deutscher Fürsten den Kurfürsten zum Anschlüsse an. Frank- 
reich zu vermögen. Mission Blumenthals nach Frankreich. Dessen Verhandlungen 
in Paris. Lisola's Bemühungen den Abschluss derselben zu verhindern. Letzte 
Weisung an Blumenthal. Lisola's Bemühungen in dieser Angelegenheit. Urtheil 
Lisola's über die Lage. Nothwendigkeit der Beilegung der Streitfrage über Jägern- 
dorf. Des Kurfürsten Haltung und Gesinnung. Rath Lisola's über die bei den Ver- 
handlungen mit Brandenburg einzuschlagende Politik.] 

Cum tractatus S™*. Electoris Brandenburgici in Gallia in dies a 2. Jan. 
Blumendalio promoveatur^) et valida factio hie continuo variis artificiis 
gmam^ Electorem ad conclusionem instigare non desinat; mei muneris 
esse duxi intimum illius negociationis statum mihi probe exploratum cum 
omDibus circumstantiis M^^ V". humillime referre. 

Initio anni praetcriti destinatus fuit ex Gallia nobilis quidam nomine 
de Lesson ') ad S™"". Electorem Brand*^""*. cum magnis oblationibus tarn 
Electori quam eins ministris, si Gallicis partibus accedere vellet, Rhena- 
num foedus amplecti et electioni ducis Anguiani in Polonia cooporari'). 
Post varias ultro citroque conferentias discessit ablegatus Galliens re in- 
fecta et de response electorali parum contentus^). Haud ita multo post 
ministri electorales, nonnulli amore Galliae, alii metu circumstantium 
undequaque periculorum, suaserunt S"**. Electori, ut cum Gallia si non 
intimam saltem apparentem amicitiam inire conaretur illamque et Sue- 
ciam foederis alicuius titulo sibi alligare, ne tarn facile in ipsius ditiones 
aliquid moliri posset. Hoc consilium foverunt nonnulli protestantes Ger- 
maniae principes foederi Rhenano adstricti, praecipue vero Brunsvicen- 
ses*) et varia adhibuerunt officia, ut Electorem ad foedus Rhenanum 
amplectendum promoverent, quo pacto ipsi certo pollicebantur, se, si post- 
modum a Suecis aut Gallis violaretur, ipsi potenter adfuturos. Cessit 
S""*. Elector (et sane contra genium) tot instigationibus et Blumendalium 
in Galliam cxpedivit, ut renovationem foederis defensivi anno 1651 

*) üeber Blumenthals Verhandlungen in dieser Zeit Urk. u. Act. IX. 669 ff.; 
Puf. 1. c. IX. 58; Droysen 1. c. IILj 59 f. 

*) Lesseins; er war Anfang 16G2 nach Berlin gekommen; über seine Verhand- 
lungen daselbst Urk. u. Act. IL 243 ff.; Puf. 1. c. IX. 34—36. 

3) Urk. u. Act. II. 250; Puf. IX. 36. 

*) Urk. u. Act. II. 277; Puf. 1. c. IX. 36. 

*) üeber die Thatigkeit der Braunschweiger Fürsten in dieser Zeit; Köcher I.e. 
L312ff.; Urk. u. Act. XL 1 ff. 

12* 



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180 ni. 1660—1664. Mission Lisola's. 

initi ') ad sexennium cum Gallia . . . postularet, cum aliqua tameo addi- 
tione respectu iDclusionis foederatorum et evictioDis Prussiae. Sed Bla- 
mendalius initio quidem frigidissime foit exceptus, tum quod Gallia 
ipsius propositionibus non fideret, tum quod metueret suspicionem Neo- 
burgico Duci creare, si Brand^°'. miuister blandius haberetur: ubi vero ad 
negociationem deventum fuit, Gallia Electori duo proposuit Electori pror- 
sus dura, primum, ut foederati omnes Galliae specifice includerentur illo 
tractatu sicut. et foederati Electoris, excepta tamen S. C. M**. V*.'); 
alterum, ut Neoburgicus admitteretur ad garanthiam Oliveusem'). 

Ad primum respondit 8"^°'^. Elector, se nullatenus uuquam quoad 
hoc coDsensurum, sed tamen temperamentum proposuit, ut ab utraquc 
parte nullus ex foederatis specifice nominetur, sed tantum generice com- 
prehendantur sub communi foederatorum vocabulo, ad quod Gallia hacte- 
nus conseutire noiuit, et illud punctum huc usque manet indecisum. . . . 

Ad 2""*. declaravit S™"*. Elector, se quidem non obstiturum, quin 
in garanthla Olivensi comprehenderetur Dux Neoburgicus, si caeteri etiam 
iuteressati et praesertim Imperator in id consentirent, quod, cum Galliae 
non placeret, inventum fuit hoc temparamentum, ut Elector pro parte 
sua tantum et sine praeiuditio aliorum illum ad garanthiam Olivensena 
admitteret et hie articulus iam plene compositus est. 

3*^ difficultas est ratione garanthiae Prussiae, ad quam S™"". Elector 
cupit hoc foedus extendi; circa quod post varias contestationes Rex Chri- 
stianissimus declaravit, quod se obligare velit ad garanthiam eorum om- 
nium, quae S™°'. Elector possidet in Prussia; sed per hoc minime satisfit 
S^". Suae desiderio, qui articulum etiam secretum ratione Elbingae in 
tractatu Bidgoschiensi contentum*) et in Olivensi per separatum etiam 
articulum confirmatum eadem garantbia expresse includi desiderat et 
|:hactenus per Electorem Brand<="". aliosque ministros rumpendi illius 
tractatus cupidos, eifecimus, ut Elector Brand^"*. huic praetensioni mor- 
dicus inhaeserit, cum nobis probe constet, difficile admodum fore 
Galliam garanthiam Elbingae in se suscipere, ne se odiosam reddat Po- 
lonis et reginae Poloniae noceat et hoc punctum adhuc indecisum manet :|. 



Gemeint ist die Allianz vom 24. Februar 165G; die Zahl 1651 iin Texte 
dürfte auf einen Schreibfehler zurückzuführen sein. Vergl. ßlumenthals Instruction 
bei Urk, u. Act, IX. 620 flF. 

«) Urk. u. Act. IX. 630. 

3) Vergl. Urk. u. Act. IX. 626 ff. 

*) Vergl. Mömer 1. c. 225; über die Verhandlungen in dieser Frage in Paris 
Urk. u. Act. IX. G(;y a. a. 0. 



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Verhandlungen zwischen Frankreich und Brandenburg. 181 

Sed Galli, iit se ab lila molestia expedirent aliud proposuere tempera- 
mentom, se scilicet loco illius garanthiae certam pecuniae summam 
Electori tradituros ad rationem summae 300000 imperialium, ipsi a Po- 
lonis pro redimenda Eibinga promissae, qua in re multos sibi simul fines 
proponere potest Rex Christianissimus, nempe hac pecunia Electorem sibi 
demerendi cuius domi res esse angustas novit; deinde titulum sibi ad 
Elbingam tanquam cessionario Electoris acquirere, quem postea in regi- 
nam vel ducem Anguianum transmittere poterit; 3® denique apud Po- 
lonos meritum sibi arrogare, quasi illos ab onere praetentionis Elec- 
toris propria pecunia redemerit. 

Galliae amici in hac aula hanc propositionem vehementer exaggera- 
runt. |:Ego vero ministris nobis addictis non intermisi suggerere, quae 
in rem erant, et ad oculum demonstrare, quantum sibi hoc pacto Elector 
Brand*^"*. praeiudicaret apud Polonos, si talem praetensionem regi Galliae, 
cuius potentiam tantopere formidant, resignaret; per hoc summopere 
promotum iri electionem ducis Anguiaui, ipsi porrigendo titulum occu- 
pandae Elbingae, clavi scilicet Prussiae Ducalis et Poloniae freno; Elec- 
torem Brand**"™, per hoc nil lucraturum; praetensionem seu ad Elbin- 
gam seu ad summam promissam differri quidem ipsi ad tempus ob 
praesentem inopiam vel ob aemulorum artes, non tamen excludi, quin 
suo tempore illam evincat et fortasse cum maiori compendio; quibus ratio- 
nibus tandem Elector Brandenburgicus acquievit. : | Quarta difficultas in 
eo versatur, quod Rex Christianissimus praetendat, ut (praeter) memoratum 
foedus defensivum S™°*. Elector etiam Rhenano foederi pure et simpliciter 
accedat, quod S"°*. Elector tali modo acceptare detrectat; ofifert tamen, se 
speciale foedum cum atiis Rheni foederatis initurum cum debitis reserva- 
tionibus; sed hoc hactenus non satisfecit Regi Galliae. S™"^ Rex Chri- 
stianissimus proponi curavit Blumendalio per Vicecomitem Turenium'), 
ut S""*. Elector in illo foedere se obligaret ad cooperandum intentioni- 
bus gallicis in imperio, quae propositio S"®. Electori plurimum displicuit. 

Circa haec omnia advenit huc nuper a Blumendalio prolixa relatio, 
omnia haec capita cum variis reflexionibus continens et ultimam desuper 
cum plena potestate concludendi resolutionem postulans'). Circa quod 
habitum fuit hie pridie discessus S^'". Suae consilium et nova instructio 



Ueber Turenne's Thätigkeit bei den Verhandlungen Blumenthals in Paris; 
ürk. u. Act. IX. 614 flF. 

^ Gemeint sind wohl die Berichte Blumenthals vom 4./14. und vom 11./21. Dec; 
ürk. u. Act. IX. 669 ff. 



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182 in. 1660-1664. Mission LisolaV 

Blumendalio transmissa, sequentia (prout fido ex loco acccpi) capita con- 
tinens, sub quibiis datur ipsi facultas concludcndi et non aliter*). 

V. ut Aiig™*. Domus Austriaca cxpresse nominetur et includatur 
tractatu vel saltem implicitc sub generali inclusione foederatorum, nemi- 
nem ex utraque parte spccifice nominando; 2° ut obligatio garanthiae 
expresse extendatur ad articulum separatum tractatus BidgoschieDsis et 
Olivensis ratione Elbingcnsis praetensionis; cui puncto iubetur ipsi mor- 
dicus insistere; 3^. quoad oblationem pecuniae pro praetentione ElbiD- 
gensi S™"". non posse illam accipere, nisi a solis Polonis; 4® consentit 
S™"'. Elector pro sua parte salvo aliorum iiiteressatorum iure, ut S"°*. 
Dux Neoburgicus admittatur ad garanthiam Olivensem eiusque benefitio 
fruatur; 5"^ S™"". non posse quidem pure et simpliciter acceptare foedus 
Rbenanuni, sed paratum esse particulare foedus cum aliis in Rhenano 
foedere interessatis ad normam praesentis cum Gallia ineundi sancire; 

go gmum non posse se adstringere ad favendum Gallis in rebus 
imperii propter iuramcntum et fidem, qua imperio adstriugitur; nulluni 
imperatorem unquam ab ipso tale quid exegisse aut exigere potuisse et 
si quid simile promitteret, se redditum iri suspectum toti imperio. 

Haec est summa ultimae instructionis Blumendalio transmissae, 
|:quam mediantibus ministris V". C*". M'*. addictis conatus sum eo 
dirigere, ut Elector Brand^*"". firmiter in illis punctis haereret, quos a 
Gallia difficilius concedi posse persentiscebat et eodem ipso tempore 
adlaboro per vias indirectas, ut diffidentia de illis tractatibus iniiciatur 
Duci Neoburgensi, nee non etiam, ut Rex Galliae suspicionibus impleatur 
de modo procedendi Electoris Brand*^^, quasi hoc foedus tractet tantuoi 
ad speciem et cum tacito aulae Caesareae consensu ad ligandum manus 
Gallis et Suecis, ne possint in ipsum hoc tempore quidquam moliri. Si 
enim ex parte Galliae vel minima conclusioni difficultas aut remora in- 
iiciatur, facile erit Electorem Brand*^"™. iam sponte sua aversum ab 
illis tractatibus penitus alienare; dummodo praetextus ipsi a Gallia prae- 
beatur. Hie est genuinus negociationis status, circa quod summe vereor, 
ne tandem Gallia ad illaqueandum quocunque modo Electorem Brand"""*, 
omnes illas difficultates, quas studio iniecimus, nitro complanet, quo 
pacto non video, qua ratione Elector Brand*^"". retrocedore possit absque 
aperta Galliae offensione, quae ipsi hoc tempore rainime quadraret, et 
ipse Blumcndalius pro certo credit, quod aula gallica non sinet illum re 



') Vergl. die Weisungen des Kurfürsten vom 8./18., 14./24. und 20./30. Dec, 
1663; Urk, u. Act. IX. 670f. 



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Urtheil Lisola's über die brandenburgisch-französiscben Beziehungen. J83 

infecta discedere:|. Hisce non obstantibus si modus inveniri posset 
componendi negotii Jegersdorffiani, de quo mihi hie assidue aures velli- 
cant, omnino confiderem posse adhuc borum tractatuum cursutn inter- 
cidi; sed maturato opus foret; res enim ad ultimam periodum vergit 
vixque aperire os possum, quin statim mihi Jegersdorff obtrudatur et 
ii qui M". V". sincerius student, id acrius apud me urgent, alii vero, 
qui Galliae sunt addicti, hoc non apud me, sed apud Electorem 
exaggerant. 

Circa haec omnia humillime cuperem informari, qua ratione me 
garere debeam et an | : si tractatus gallici impediri nequeant, debeam 
hac de re propalare disgustum, an vero simulare, quasi V*. C®*. M**. 
eius inteutionem et motiva, quae ipsam ad hoc impellunt, approbaret; 
ne si id nobis renitentibus contigisse credat EÜector Brand^"^, diffldentia 
inde oriatur et hoc ipsum ad arctiorem cum Gallis unlonem impellat. 
Certum est, quod principis animus non propendeat in Gallos, imo genium 
habet ipsis ex opposito alienum, horret ipsorum dominationem , metuit 
progressus et si ratio aliqua inveniri posset, qua illis potenter obsista- 
mus, ipse libenter accedet. Oflfert etiam, quod si V*. C«*. M". aliquod 
foedus particulare inire voluerit cum quibusvis, tam imperii quam aliis 
principibus et Rege Hispaniae pro defensione augustissimae suae domus, 
so illud non detractaturum. Adverto etiam, quod in rebus polonicis 
constanter oporetur contra intentiones Galliae et in rebus imperii serio 
mihi pollicetur, :| se omnibus M'". V". desideriis sedulo suflFragaturum, 
quod M*». V*. in ipso loco ex modo procedendi ministrorum ipsius cer- 
tius dignoscere potent. |: Hoc unicum vereor, ne si semel quocunque 
modo Galliae pactis irretitus fuerit, sensim ad arctiorem cum ipsis confi- 
dentiam seu oblationibus, seu metu impellatur et iugum tandem cogatur 
induere; non enim facile est reluctari desideriis potentioris focderati. 
Ideo Omnibus bene perpensis humillime censerem, nil ommittendum, ut 
haec pacta abrumpantur, quod si fieri nequeat, ut saltem noVum ipsi 
proponatur foedus cum V*. C«*. M*^, Rege Hispaniae, Rege Daniae 
aliisque accedere cupientibus pro communi defensione et securitate, quo 
pacto Galliae fiet suspectus et V*«. C®*®. M^\ novo et arctiori vinculo 
coUigabitur : |. 



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184 in. 1660-1664. Mission Lisola's. 

Lisola an den Kaiser. Dat. Colin a. d. Sp. 6. Janaar 1664. 

(Or.) 

[Unterredung Lisola^s mit dem Kurfürsten über die Gegenstande der Berathung des 

letzteren mit dem Kurfürsten von Sachsen. Erfurter Angelegenheit. Mittheilungen 

Friedrich Wilhelms über seine Unterredung mit dem Kurfürsten von Sachsen.] 

(). Jjin. Der Kurfürst fragte ihn, wie er am besten die Interessen des Kaisers bei 

der bevorstehenden Zusammenkunft mit dem Kurfürsten von Sachsen wahrneh- 
men könnte. Lisola erklärt darüber nicht instruirt zu sein ; seine Ansicht gehe 
aber dahin, der Kurfürst möge mit dem sächsischen Kurfürsten dahin wirken, 
„quatenus punctum auxiliorum, suspensis interim aliis quaestionibus, 
quam citissime absolvatur; doinde, ut subsldia periculo et exigentia pro- 
portionata conferantur, quae tanto hösti possimus oppoDere. S^. Suae 
etiam constare, quam necessarium sit S"". C®*®. M". V". subveniri 
summa pecuniaria, sine qua bellum geri nequit, palam esse omnibus, 
quam^ exhausta sint regna et provinciae haereditariae, quodque in hac 
occasione extremes conatus exerueriut, multum etiam attendendum esse 
in modo, quo subministrabuntur et ordinabuntur auxilia, ut simul et 
maturo adveniant, ut ad omnes necessarias operationes prompta sint, ut 
certae disciplinae et rcgimini subsint; denique me arbitrari, S. C. WK 
V"°. gratissimum futurum, si S™"". Electorem Saxoniae disponeret ad iter 
Ratisbonense maturandum, quae omnia S™'"*. Elector lubens excepit pro- 
misitque sc iis opcram daturum. Subticnit mihi tamen causam (ut 
opinor) principalem itineris sui, nempe, ut cum Electore Saxonico de 
modo liberandi Erfurdii communicaret *). 

Postquam vero S***. Sua rediisset'), rejperi illam non nihil turba- 
tam et offensam ratione Erfurdii et adeo totus erat in illo negotio, ut 
de aliis non nisi perfunctorie loqui licuerit; { : indignabatur summopere 
Elect. Moguntino, quod hoc tempore, quo gravissima etiam dissidia 
communi christianitatis periculo immolanda forent aut saltom suspen- 
denda, Elector Moguntinus ultro carbones irritaret et semina jaceret 
novi religionis belli in imperio'):| ... Quid vero circa hoc negotium 



') Es handelte sich bei dieser Frage um die Stellung der Stadt Erfurt zum 
Mainzer Er/.hischofe; vergl. über diese Sache v. Tettau, Die Reduction von Erfurt 
Tind die ihr vorausgegangenen Wirren 1647—1665 (Jahrbuch der Erfurter Academie 
1863). Kirdihoff, Die Besitzergreifung Erfurts durch Kurmainz 1664 (Zeitschrift für 
preussischc < resch. und Landeskunde VIII. 97 ff.). Urk. u. Act. XI. 351 ff. 

*) Die Unterhandlungen fanden zu Torgau statt; vergl. ürk. u. Act. XI. 262ff. 

^ Ucber des Mainzers Beziehungen zu Sachsen in dieser Zeit, welche gerade in 
diestjr 7mi aum geheimen Vertrage zu Torgau 30. Nov. 1663 fahrten; Heibig, Johann 




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Unterredung Friedrich Wilhelms mit dem sächsischen Kurfürsten. 185 

iDter praefatos electores conclusom faerit, nondum satis exacte potui 
penetrare^), ... |:ex vultu tarnen et sermonibus Electoris Brand^^ nil 
pati coniicio, sed potius obiirmatum dod deserendae illius civitatis ani- 
mum :j. 

Ad alia veno S™"*. Elector mihi obiter recensuit, se omnino dispo- 
suisse S**™. electoralem Saxoniae ad iter Ratisbonense intra octo dies 
suscipiendum, si modo ab eius subditis conferatur ipsi pecunia, qua 
summe exhaustus est'). Ad subsidia quod attinet, se non potuisse illum 
ultra triplam contributionem pellicere, a contributione vero pecuniaria 
prorsus repugnare'). 



Lisola au Walderode. Dat. Colin a. d. Sp. 6. Januar 1664. 

(Aut.) 

[Des Kurfürsten Urtheil über die kaiserlichen Minister.] 
Dem was er an den Kaiser geschrieben fügt er hinzu, |:quod S™"'.Elec- 6. Jan. 
tor a reditu suo mihi apparuerit non solum frigidior erga nos, verum 
etiam male impressionatus de principe Portia, de quo mihi Elector 
Brand**"**, dixit, Electorem Saxoniae male sentire et multa loquutum 
fuisse contra ipsum; circa quod ita cum ipso dissenii, ut mihi visus 
fuerit acquiescere. Odit enim Swartzenbergium, Auerspergium vero nee 
amat nee aestimat, ideoque plus afücitur nostro Portiae. Hae autem 
impressiones in aula Electoris Saxoniae vereor, ne eifectus sint factionum 
aulae nostrae, sicut jam de Polonia scripsi : {. 



Lisola an VValderode. Dat. Berlin 16. Jan. 1664. (Aut.) 

[Brandenburg-französische Verhandlungen. Des Kurfürsten Stellung zu den Parteiungen 

am Wiener Hofe.] 

Tractatus Gallici hie a nonnullis assidue et miris artificiis promo- 16. Jan. 
ventur, |:remoram iniicio quantum possum, sed tandem deiicient vires :|. 

P. S. Hodie post prandium cum S™°. Electore habui longam et 
intimam cum ipso conferentiam, vehementer apprehendit, |:ne princeps 



Philipp von Mainz und Joh. Georg II. von Sachsen während der Erfurter Wirren 

(Archiv für %ächsische Gesch. IIl. 401 IT.). 

>) Vergl. ürk. u. Act. XI. 265, 268. 

») Vergl. ürk. u. Act. XI. 263, 267. 

») Vergl. ürk. u. Act. XI. 263, 266. 



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186 Hl. 1660—1666. Mission Lisola's. 

Portia deturbetur ab Auerspergio, quem credit a se aversum, ideoque 
scripsit ad suos plenipotentiarios Ratisbonae, ut modis oinnibus foveant 
ac sustineant pai*tes Portiae, quem habet in magna opinione probitatis : |. 



Lisola an Walderode. Dat. Berlin 20. Jan. 1664. (Aut.) 

[Nothwendigkeit einer Entschädigung Brandenburgs in der Jägerndorfer Frage.] 

20. Jan. Er gönnt Stockmann das Amt in Regensburg; nur glaubt er, dass er liier 

nutzlos verweile, quamdiu isti principi in sua praetentione non erit satis- 
factum; quomodo autem satisfieri possit hoc tempore non vidco; nisi 
forte fieret aliquod projectum conventioiiis cuius executio in meliora 
tempora reiiceretur, ut saltem isti principi constaret, nos non in totum 
eius petita contemnere. Credat 111'". ¥•., quod non gratis haec scribo, 
Video enim urgens periculum, cui aliter non possum mederi. Rogo 
tamen, ne cuiquam significet, me haec scripsisse; sed pro sua tantum 
directione utatur; scio enim, quod apud vos veritas interdum odium 
parit. ... 



Liöola an Walderode. Dat. Berlin 3. Febr. 1664. (Aut) 

[Des Kurfürsten Wunsch bezüglich personlicher Theilnabme am Türkeniiriege.] 

3. Febr. Bezüglich der öffentlichen Angelegenheiten : credere mihi hactenus no- 
luistis, credetis brevi ipsimet experientiae, quando videbitis principem 
istum cum Gallis et Suecis accommodatum et Galliam in Polonia trium- 
phantem^- {. 

I : Der Kurfürst beklagt sich sehr darüber, dass seiner gelegentlich der Aus- 
wahl der für den Zug gegen die Ungläubigen bestimmten Generäle gar nicht 
gedacht wurde*); et re vera neminem video magis capacem restituendi 
res nostras et hoc pacto avelleremus ipsum a Gallis, assecuraremus res 
polonicas et Polonorum aliorumque ingens numerus ad nos ultro con- 
flueret. Nota loquor et compressa, sed (si) aliqua subsit ratio, quae hoc 
impediat, saltem simulandum nobis erat, nos id cupere, nee defuissent 
modi hoc per alios divertendi etiam sine facto nostro. : ' 

*) Vergl. über diese Angelegenheit Urk. u. Act. XI. 216, 219. 



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Jägerndorf. Theilnahme Fr. Wilh. am Turkenkriege. Polnische Wahlfrage. 187 

Der Kaiser an Lisola. Dat. Regensbnrg 3. Februar 1664. 

(Conc.) 

[Billigung seines Vorgehens. Haltung beim Abschlüsse eines brandenburg-franzö- 
sischen Vertrages. Jägemdoi-fer Frage. Polnische Wahlangelcgenhoit.J 

Schreiben vom 3. und 6. Januar erhalten. Billigung seines Vorgehens. 3. Febr. 
„Ita placet nobis, quod nihil operae omiseris ad representandum S*"**. 
Electori, quae ipsi iiicomnioda et pericula öx illo foedere ac Dominatim 
si 8e ad accipiendum ex manibus Gallorum pro redemptione Elbingae 
pecuniam patiatur induci, immineant; quam operam tuam, ut porro 
omnibus ingenii viribus continuas, benigne iubemus . . . Quod si tarnen 
DuUa id monitione vel cohortatione impediri posset et res conclusa esset, 
operam inprimis omni studio dabis, ut intima tractatus penetres nobis- 
que statim perscribas; nolimus tarnen te super tractatis graviorem de- 
monstrare sensum, sed potius rationibus S*"'. Electoris in meliorem 
sensum acceptis, aequanimitatem tuam ac spem, quod propterea pristina 
illa animorum inter nos coniunctio et bona correspondentia subverti uon 
debeat, ostendas. Ad Jegerndorif quod spectat omnem negociationem 
quoad fieri potent, vitabis, et si qua fieret apud te ulterior instantia, 
eam ex presentinm necessitatum et periculorum coniuncturis, quam 
dextre poteris, declinabis. Quoad res polonicas ita habeto; quod tamets^ 
iis hoc tempore tarn accur^^te non possimus attendere, a pristinis 
tamen intentionibus nostris nullatenus discedamus; quae sunt, id agere 
quod in nobis est et procurare, ut successore eligendo sua fundanien- 
talibus regni constet authoritas et statibus libertas. 



Der Kaiser an Lisola. Dat. Regensburg 6. Februar 1664. 

(Conc.) 

[Brandenburgs Türkenbilfe.] 

Lisola erhält Auftrag im Sinne des am gleichen Tage vom Kaiser an den 6. Febr. 
Kurfürsten abgelassenen Schreibens, bei Friedrich Wilhelm für die alsbaldige 
Ertheilung eines Befehles an seine dem Kaiser für den Türkenkrieg zur Ver- 
fügung gestellten Truppen, durch den sie in allen Stücken den Befehlen des 
Kaisers Folge leisten sollen, zu wirken. 



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188 HL 1660—1666. Mission Lisola's. 

Lisola an Walderode. Dat. Berlin 13. Febr. 1664. (Aut) 

[Sparr's Theilnabme am Tärkenkriege. J&gemdorf.] 
13. Febr. Bestätigt den Empfang vieler Briefe*)- S"^ Electoris Ratisbonae depu- 
tati huc scripserunt, mittend um huc cursorem ad postulandum, quatenus 
generalis Sparr*) concedatur S. C«**. M^^ pro hoc praesenti bello'); |:quo 
audito praefatus generalis huc advolavit, ut mecum conferret ac amicds 
disponeret ad eliciendum ab Electore Brand*^"*. cousensum, quod tarnen 
arduum erit, cum Elector sit valde alienatus propter benedictum illud 
Jegerndorfium, uti etiam ex eo, quod dominus Holier*)Austriae deputa- 
tu8 Ratisbonae discurrendo cum ministris Electoiis Brand^'. Ratisbonae de 
subiectis, quae ad generalatum imperii promoveri possent, nomina- 
verit Condaeum, Yrangelium aliosque, nulla mentione facta Electoris 
Brand^*. :{ . . . {: lam Elector est in retibus Gallorum. Quid circa hanc 
materiam occurrat, videre dignabitur 111. V*. ex adiuncta relatione ad 
Excell"". D""*. principem a Portia *). Faxit deus, ne cogamur restituere 
Jegerndoi*fium ad supercilium Gallorum, prout Hispani Juliacum Duci 
Neoburgico : |. Si rem adduxissemus in negociationem, potuissemus emer- 
gere bonis conditionibus et competens tempus ad eas praestandas impe- 
trare multaque per hOc incommoda declinare '^). 



*) Sind nicht vorhanden. 

*) Otto Christoph von Sparr; brandenburgischer Feldmarschall. 

») Vergl. Urk. u. Act. Xl. 219f., 221. 

*) Paul Hocher; der spätere österreichische Uofkanzler. 

*) Nicht vorhanden. 

^) Lisola scheint noch längere Zeit in Berlin geweilt zu haben; wenigstens liegt 
ein inhaltlich belangloses Schreiben Lisola's an Walderode d. d. Berlin 16. Juni vor. 



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IV. 

Erste Mission 

des Freiherm Johann von Goess. 

Januar 1665— Mai 1668. 



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Einleitung. 



Ein Sturm der Entrüstung erhob sich fast aller Orten, wo man die Kunde 
vernahm, dass Kaiser Leopold I. unmittelbar nach dem Siege, den die christ- 
lichen Truppen bei St. Gotthard über die Türken davongetragen, sich zum 
Abschlüsse eines Friedens entschlossen habe, der den Türken nicht nur das 
von ihnen bisher innegehabte Gebiet sicherte, sondern auch eine der wichtigsten 
Festungen des dem Kaiser noch zugehörigen Landes — Neuhäusl — .überwies. In 
Regensburg wurde in den härtesten Ausdrücken von der Schwäche der Wiener 
Regierung, von der Schmach gesprochen, die durch den Abschluss des Vertrages 
dem Reiche, ja der ganzen Christenheit angethau werde; in Paris wurde man nicht 
müde, die Ohnmacht des Kaisers zu betonen und die Fürsten des Reiches zur 
Unterwerfung unter Frankreichs Oberhoheit aufzufordern, und selbst in Wien 
gab es der Stimmen die Menge, welche das Vorgehen des Kaisers misbilligten. 
Um so auffallender muss es erscheinen, dass Friedrich Wilhelm nicht blos in 
der üblichen Form dem Kaiser zu seinem Erfolge gratulirte ^), sondern auch seine 
Gesandten in Regensburg anwies, ganz im Gegensatze tu der von der überwie- 
genden Mehrzahl der Rcichsstände vertretenen Ansicht, die Handlungsweise des 
Kaisers in der Türkenfrage zu billigen '). Es waren gewiss nicht die von Leo- 
pold geltend gemachten Gründe — die unzulängliche Unterstützung durch die 
Reichsfürsten, das storrige Benehmen der Ungarn und die finanzielle Schwäche 
der Erblande — welche dem Kurfürsten den Abschluss des Friedens wünschens- 
werth und vortheilhaft erscheinen Hessen. Ihm war es vielmehr in erster Linie 
um die Sicherung seines Besitzes, um die Wahrung seiner Interessen zu thun 
und wenn er des Kaisers Verhalten in der Türkenfrage billigte, so geschah 
dies nicht etwa, weil er in gleichem Falle ebenso gehandelt hätte, sondern 
lediglich, weil ihm, der in die vielfachen Wirren, die im Osten und Westen 
Europas herrschten, mit verflochten war, die Entlastung des Kaisers durch den 

Urk. u. Act. XI. 346 f. 
^ Ulk. u. Act. XI. 25.) f. 



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192 IV. Erste Mission des Freiberrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Abschluss des Friedens mit den Türken überaus erwünscht sein musste. Denn 
wenngleich die Beziehungen des Wiener und Berliner Hofes in dieser Zeit durch- 
aus nicht sehr innige waren, wenngleich Friedrich Wilhelm durch das Ver- 
sprechen dem Rheinbunde beizutreten und durch die mit dem Könige yod 
Frankreich abgeschlossene Allianz den Kaiser empfindlich verletzt hatte und 
bezüglich der herrschenden Wirren in vielen Stucken andere Interessen ver- 
folgte als der Wiener Hof, so war doch die Möglichkeit, die zwischen beiden 
Fürsten bestehenden Differenzen auszugleichen, nicht ausgeschlossen. Unter 
allen Umständen aber gab es in diesem Momente eine Reihe von Fragen, be- 
zuglich derer ein gemeinsames Vorgehen den Interessen des Kurfürsten ebenso 
entsprach, als denen des Wiener Hofes. In erster Linie die polnische Succes- 
sionsangelegenheit. In Berlin und in Wien empfand man gleich drückend die 
immer erneuerten Umtriebe der Franzosen, die von der Königin Marie Louise 
unterstützt, die Aechtung des Fürsten Lubomirski, des Hauptes der Opposition, 
durchgesetzt hatten und nun darauf aus waren, den schwankenden, arbeitsmaden 
König zur Abdankung zu bewegen. Man wusste am Hofe Leopolds wie an dem 
Friedrich Wilhelms, dass der Sieg der französischen Partei, dass die Wahl des 
Duc d'Enghien oder des Herzogs von Anjou von den verderblichsten Folgen 
nicht nur für Polen, sondern auch für das Reich, insbesondere aber für Bran- 
denburg und Oesterreich begleitet sein würde und man zweifelte keinen 
Augenblick daran, dass nur durch ein energisches, gemeinsames Vorgehen 
der Vertreter Leopolds und Friedrich Wilhelms am polnischen Hofe der 
französischen Partei mit Erfolg werde M'iderstand geleistet werden können. 
Dazu kam, dass der Kurfürst, obgleich mit Frankreich alliirt und Mitglied des 
Rheinbundes, keinesweges gewillt war, sich dem Franzosenkönige ganz in die 
Arme zu werfen, dass er mit wachsender Besorgnis dem Umsichgreifen Lud- 
wig XIV. zusah, der seine Stellung als Haupt des Rheinbundes misbrauchte, 
sich in den Erfurter Wirren die Rolle eines Schiedsrichters beimass, England 
gegen Holland, Schweden gegen Dänemark hetzte, um bei dem bevorstehenden 
Thronwechsel in Spanien die geplante Erwerbung der spanischen Niederlande 
um so ungehinderter durclizusetzen und dann sein Uebergewicht alle, — auch 
den Brandenburger — fühlen zu lassen. Dieser Erkenntnis der eigennützigen 
Politik des Franzosenkönigs, an der Friedrich Wilhelm trotz der lockenden Aner- 
bietungen Ludwig XIV. festhielt, entsprang der Wunsch des Kurfürsten, sich, wenn 
es die Umstände gestatten sollten und Leopold sich bereit finden würde die Son- 
derinteressen Brandenburgs genügend zu berücksichtigen, mit dem Reichsober- 
haupte zu gemeinsamem Vorgehen gegen Frankreich und dessen Verbündete zu 
einigen, in jedem Falle aber die Beziehungen zum Wiener Hofe, dessen Alliirter 
er noch kraft des zu Berlin am 9. Februar 1658 geschlossenen Vertrages war, 
nicht abzubrechen, um unter allen Umständen einen Rückhalt für den Fall eines 
allzu bedrohlichen Vorgehens des Franzosenkönigs zu haben. Gleiche Wünsche 
beseelten auch den Kaiser. Auch er glaubte bei den schwankenden Zuständen 
des Reiches, bei der drohenden Haltung Frankreichs und im Hinblicke auf die 
vielen Fragen, die der Lösung harrten, eine Verständigung mit dem mächtigsten 
Reichsstande, wenn irgend möglich, herbeiführen, unter allen Umständen aber 



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Einleitung. 193 

sich über die Pläne desselben genau informiren zu müssen and hielt es daher 
far angezeigt einen seiner erprobten Räthe als ständigen Vertreter an den Hof 
des Kurfürsten abgehen zu lassen. Johann Freiherr von Goess, der für diese 
Mission ausersehen wurde, entstammte einer portugiesischen nach den Nieder- 
landen ausgewanderten Adelsfamilie, war vom Cardinalinfanten Don Ferdinand, 
dem Statthalter der Niederlande, empfohlen in die Dienste Kaiser Ferdi- 
nand's getreten, hatte Jahrelang unter Trauttmannsdorff in Sachen des west- 
phälischen Friedens, wie auch in ungarischen und türkischen Geschäften gear- 
beitet, dann in den Zeiten des schwedisch-polnischen Krieges die Interessen des 
Wiener Cabinettes am dänischen Hof wahrzunehmen gehabt und später den ver- 
antwortungsvollen, schwierigen Posten eines kaiserlichen Vermittlers bei der 
Pforte bekleidet ^). Jetzt wurde er — zu Beginn des Jahres 1665 — an den Hof 
Friedrich Wilhelms mit dem Auftrage gesendet, ein gemeinsames Vorgehen beider 
Regierungen in der polnischen Successionsfrage zu fordern, zugleich aber auch 
den Ausgleich bezüglich der zwischen beiden Fürsten bestehenden Differenzen, 
insbesondere bezüglich der Jägerndorfer Streitfrage zu erwirken und für die 
Herstellung eines freundschaftlichen Verhältnisses zwischen beiden Staaten Sorge 
zu tragen. 

Die im Nachfolgenden mitgetheilten Actenstücke zeigen, in welcher Weise 
Goess sich seiner Aufgabe entledigt hat. Von der festen Ueberzeugung durch- 
drungen, dass Friedrich Wilhelm es mit seinen Anerbietungen ernst meine und 
dass es bei einigem Entgegenkommen gelingen müsse ihn zu rückhaltlosem 
Eintreten für die Pläne Leopolds zu vermögen, war er unablässig darauf bedacht, 
seiner Regierung die Billigung der kurfürstlichen Forderungen zu empfehlen und 
das umsomehr, als er immer von Neuem wahrnahm, welch gewaltige Anstren- 
gungen Oesterreichs Gegner machten den Kurfürsten auf ihre Seite zu ziehen. 
In der That schien es anfänglich, als werde das Bemühen des Goess von Er- 
folg gekrönt sein. Die beiden Mächte einigten sich dahin, Lubomirski, das 
Haupt der Franzosenfeindlichen Partei in Polen nicht fallen zu lassen und 
mit vereinten Kräften jedes weitere Vordringen des französischen Einflusses in 
Polen zu verhindern. Der Kaiser erklärte sich bereit, das von seinem Vertreter 
in Vorschlag gebrachte Project durch2uführen, nach welchem die jägerndorfische 
Streitfrage durch Ueberlassung Reinsteins an den Kurfürsten zu einem beide 
Theile befriedigenden Abschlüsse gebracht werden sollte, wogegen Friedrich 
Wilhelm geneigt schien, bezüglich der Reichsangelegenheiten, insbesondere bei 
Erledigung der Wahlcapitalationsfrage das Interesse des Kaisers zu vertreten 
und mit demselben nach Beilegung der bestehenden Differenzen durch die Er- 
neuerang der im Jahre 1658 geschlossenen Allianz in noch innigere Beziehungen 
zu treten. Allein bald genug sollte es sich zeigen , dass die Interessen der 



1) Biographisches über Goess, der bis 1675 Vertreter des ^Kaisers am Hofe Frie- 
drieb Wilhelms blieb, dann als Bischof von Gurk eine bedeutende Rolle spielte und 
während seiner letzten Lebensjahre als Cardinal die Angelegenheiten des Wiener Hofes 
in Rom vertrat, in der Deutschen Biographie IX. 323 ff. 

Mater, z. Gescb. d. O. Katffirsten. XI V. ]^3 



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104 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 10^5— Mai 1608. 

beiden Fürsten doch zu verschiedene waren, als dass ein gemeinsames Vorgehen 
in allen Fragen hätte stattfinden können. Die weite Kluft, welche den nach 
Vermehrung seiner Autorität strebenden katholischen Habsburger von dem 
um Selbständigkeit ringenden protestantischen Hohenzoller trennte, zeigte sich 
sogleich, als der Conflict, in welchen der kriegerische Bischof von Münster, 
Bernhard Christof von Galen, mit den Staaten gerothen war, die beiden Fürsten 
nöthigto, Stellung zu dieser Frage zu nehmen. Denn obgleich der Kaiser von 
vorneherein für die Widerhersteilung des Friedens eintrat und durch Goess in 
diesem Sinne dem Kurfürsten bestimmte Zusicherungen geben Hess, obgleich 
Friedrich Wilhelm den Staaten durchaus nicht freundlich gesinnt war und eine 
Demüthigung derselben ihm um so willkommener hätte sein sollen, als der 
Leiter der niederländischen Politik, Jean de Witt, nicht müde wurde des Kur- 
fürsten auf die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zu den Staaten ge- 
richtete Bemühungen zu durchkreuzen und seine Forderungen zurückzuweisen, 
war die Furcht Friedrich Wilhelms vor einer Coalition der katholischen Mächte 
und vor der in diesem Falle seinem Staate drohenden Gefahr eine so grosse, 
dass er die von Leopold vornehmlich im Hinblicke auf Frankreichs Haltung 
und die polnischen Verhältnisse gewünschte Erneuerung der Allianz vom Fe- 
bruar 1658 solange hinausschob, bis der Friede zwischen dem Bischöfe von 
Münster und den Niederlanden zu Stande gekommen und damit jede Gefahr für 
den Protestantismus beseitigt war. Die im Nachfolgenden mitgetheilten Acten ver- 
deutlichen die Haltung, die der kaiserliche Gesandte gelegentlich der in diesem 
Sinne zu Cleve gepflogenen Berathungen beobachtet hat. Sie zeigen, dass der- 
selbe darauf bedacht war den Kurfürsten von jeder Antheilnahme an dem 
Kampfe abzuhalten, da er eine solche zu Gunsten des Bischofs von Münster 
nicht hoffen konnte, zu Gunsten der Niederländer aber nicht wünschte, dann 
aber, als aller seiner Bemühungen ungeachtet die Einigung des Kurfürsten mit 
den Staaten stattgefunden hatte, zum Frieden drängte und nach Abschluss des- 
selben die lang ersehnte Erneuerung des Allianzvertrages vom 9. Februar 1658 
zu Stande brachte; ein Bündnis, durch das sich die beiden Fürsten zu gegen- 
seitiger Unterstützung bei jedem Angriffe, er erfolge von wem und unter welchem 
Verwände auch immer, verpflichteten'). 

Doch muss man sich hüten, den Werth dieser Einigung für den Kaiser zu 
überschätzen. Gewiss, derselbe wäre ein überaus hoher gewesen, wenn Friedrich 
Wilhelm sich mit Leopold allein zu gemeinsamer Abwehr der gemeinsamen Ge- 
fahren verbunden hätte; so aber, wo der Kurfürst zu gleicher Zeit mit Schwe- 
den*), mit Dänemark*), mit den Niederländern*) Bündnisse einging, wo er be- 
reits seit langem Bundesgenosse des Königs von Frankreich und Mitglied des 
Rheinbundes war, hatte die Erneuerung und Modification des Vertrages von 

') Vertrag vom 10. Mai 1G66; vergl. Mörner 1. c. 279 f. 

^ Vertrag vom 27. März 1666; vergl. Morner 1, c. 277 f. 

») Vertrag vom 23. Mai 1666: vergl. Mörner 1. c. 281 ff. 

*) Vertrag vom 6./16. Febr. 1666; vergl. Mörner 1. c. 272 ff. 



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Einleitung. . 195 

1658 für den Wiener Hof nur geringe Bedeutung. Für Friedrich Wilhelm aber 
hatte diese Kette von Defensivallianzen nicht nur einen grossen moralischen, 
sondern auch practischen Werth. Denn wenn das Bestreben der mächtigsten 
Fürsten Europas ihn zu gewinnen sein Ansehen in- und ausserhalb des Reiches 
steigerte, so gestatteten ihm die mit den verschiedenen Mächten geschlossenen 
Verträge vorerst die ihm vortheilhafte Neutralität nach allen Seiten hin auf- 
recht zu erhalten, um dann, je nach dem Gange der Ereignisse, den Anschluss 
an eine der streitenden Parteien bei möglichst bedeutenden Zugeständnissen zu 
vollziehen, unterdess aber, von keiner Seite bedroht und nach allen Richtungen 
hin gedeckt, die ihn berührenden Angelegenheiten zu einem erwünschten Ende 
zu führen. In der That ist denn auch das Jahr 1666 durch 2 der folge- 
reichsten Ereignisse der Regierung Friedrich Wilhelms ausgezeichnet. Denn 
wie die Erbhuldigung Magdeburgs, so bedeutete auch die definitive Ordnung 
der jüdisch-clevischen Erbschaftsangelegenheit einen ausserordentlichen Erfolg 
der brandenburgischen Politik^). Der Kurfürst durfte frohlocken; er sah zum 
ersten Male seine Besitzungen als ein Ganzes vor sich, sich selbst als aner- 
kannten Herrn in seinen Landen und alle diese Erfolge hatte er jener Politik 
der freien Hand und der Fähigkeit zu danken, gute Beziehungen zu den 
sich gegenseitig befehdenden Mächten zu erhalten. Freundschaftlicher Verkehr 
mit Leopold und Ludwig XIV., aber keines weges Hingebung an den einen, oder 
den anderen, genaues Abwägen der Vor- und Nachtheile einer noch engeren Ver- 
bindung mit einem der beiden Fürsten, zu gleicher Zeit aber Wahrung seiner 
Interessen, waren die leitenden Grundsätze Friedrich W'ilhelms, denen er seine 
bisherigen Erfolge verdankte und denen er auch im Verlaufe der Jahre 1667 und 
1668 treu blieb. Denn wenn Friedrich Wilhelm sich auch gegen Ende des 
Jahres 1667 mit dem Könige von Frankreich über die in der polnischen Wahl- 
frage zu beobachtende Politik einigte'''), so geschah dies erst, als Ludwig XIV. 
sich im Hinblicke auf die Ereignisse in den Niederlanden zur Förderung des 
brandenburgischen Candidaten, des Herzogs von Neuburg, entschlossen hatte und 
nachdem alle Versuche den Kaiser zur Billigung dieser Candidatur zu bewegen, 
gescheitert waren. Und wenn der Kurfürst von Brandenburg sich zu gleicher 
Zeit verpflichtete, in den zwischen Spanien und Frankreich in den Niederlanden 
geführten Krieg in keinerlei Weise, es sei denn als Friodensvermittler, einzu- 
greifen, so geschah dies erst, als die Haltung des Wiener Hofes jede Hoffnung 
auf eine energische Zurückweisung der französischen Uebergriffe durch den 
Kaiser vernichtet hatte und auch dann nur in der Erkenntnis, dass die Siche- 
rung seines Besitzes ein Abkommen mit dem siegreichen Franzosenkönige drin- 
gend erheische, sowie in der Voraussetzung, dass es den zur Abwehr Frankreichs 
geeinigten Mächten gelingen werde, Ludwig XIV. in die von ihm überschrittenen 
Schranken zurückzuweisen. 

') Vergl. die den Erbvergleich mit Neu bürg betreflfenden Acten in Urk. u. Act. 
XL 731 ff. 

») Allianz vom 5./15. Dec. 1667; Mörner J. c. 321 ff. 

13* • 



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196 IV' Erster Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Die im Nachfolgenden mitgetheilten Acten zeigen auf das deutlichste die 
Haltung, welche die Wiener Regierung, Goess und der Berliner Hof bezüglich 
der beiden in den Jahren 1667 und 1668 meist ventilirten Fragen — der pol- 
nischen Successionsangelegenheit und des französisch-spanischen Conflictes — 
beobachtet haben. Sie zeigen, wie fest der Kaiser und seine Bathe bei ihrer 
Ansicht verharrten, dass jede Einmischung in die polnische Wahlangelegenheit 
vermieden werden müsse, wie entschieden sich dieselben gegen die Vornahme 
der yfM. bei Lebzeiten des Königs aussprachen und wie wenig sie geneigt 
waren, die Wahl des Neuburgers zu fördern, obgleich Friedrich Wilhelm durch 
seinen Gesandten, den jüngeren Blumenthal, in diesem Sinne den Wiener Hof 
zu beeinflussen suchte») und später nach dem Tode der Königin Marie Louise 
und nach erfolgter Einigung mit Schweden und Frankreich die Förderung 
der Wahl des Pföizers als eine unerlässliche Vorbedingung der vom Kaiser 
gewünschten Erweitening des im Jahre 1666 abgeschlossenen Vertrages be- 
zeichnete und obgleich Goess während des ganzen Verlaufes seiner Mission 
auf das entschiedenste für die Billigung dieses Begehrens eintrat und die 
Befürchtung aussprach, Friedrich Wilhelm werde sich im Falle der Weige- 
rung den Gegnern Leopolds anschliessen. Und ebensowenig wie bezüglich der 
polnischen Successionsfrage erfolgte die erwünschte Einigung bezüglich der Hal- 
tung, die man den spanisch-französischen Conflicten in den Niederlanden gegen- 
über beobachten solle. Vornehmlich deshalb, weil der Kurfürst im wohlver- 
standenen eigenen Interesse jede definitive Abmachung mit den Gegnern des 
Franzosenkönigs solange zu vermeiden suchte, bis er über die Absichten des 
Wiener Hofes im klaren war, während die leitenden österreichischen Minister 
mit dem Vertreter des Franzosenkönigs Gremonville in Unterhandlungen be- 
griffen, sich zu der von dem Kurfürsten gewünschten bindenden Zusage der 
energischen Antheilnahme an dem Kampfe gegen Frankreich nicht verstehen 
wollten und jede Berücksichtigung der brandenburgischen Sonderinteressen zu- 
rückwiesen. 

Der kaiserliche Gesandte aber, der von den letzten Zielen der Wiener Re- 
gierung keine Kenntnis besass, vielmehr stets in dem Glauben gelassen wurde, 
dass man fest entschlossen sei, sich die Uebergriffe Frankreichs nicht mehr 
gefallen zu lassen und mit dem Marsche nach den Niederlanden nur bis zur 
Beendigung der nothwendigen Vorbereitungen zu «ögern wünsche, wurde nicht 
müde dem Kurfürsten die Gutheissung der vom Wiener Hofe geforderten Er- 
weiterung der Bündnisse von 1658 und 1666 auf die Niederlande zu empfehlen, 
den Ausgleich zwischen Brandenburg und Sachsen zu vermitteln, betonte immer 
von Neuem , wie fest der Wille seines Herrn sei , das gewaltthätige Vorgehen 
Ludwig XIV. zu hindern und stellte den baldigen Anmarsch der kaiserlichen 
Truppen in Aussicht. Ja auch dann als sich die Anzeichen mehrten, dass 
die am kurfürstlichen Hofe vertretene Ansicht, Oesterreich meine es mit 
der Vertheidigung der Niederlande nicht ernst, die richtige sei, als trotz all' 



Für des jüngeren Blumenthal Aufenthalt am Wiener Hofe vergl. Puf. 1. c. 
X. 58; Droysen l. c. III., 180f. 



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Einleitung. 197 

der dringenden Vorstellungen des vom Kurfürsten neuerdings nach Wien gesen- 
deten BlumenthaP), wie des kaiserlichen Gesandten selbst, der Wiener Hof 
sich weder zur Billigung der kurfürstlichen Privatforderungen ^ noch zu dem 
von Friedrich Wilhelm geforderten bestimmten Versprechen des offenen Kampfes 
gegen Frankreich verstehen wollte, blieb Goess, dem der Gedanke ferne lag, 
als könnte seine Regierung ihn über ihre letzten Pläne im unklaren lassen, 
dabei, dass nur äussere Umstände Ursache des zögernden Vorgehens des Wiener 
Hofes seien. Um so unbegreiflicher war es Goess, dass auch die Mittheilung 
von der beabsichtigten Sendung eines kurfürstlichen Gesandten nach Paris zur 
Feststellung eines Vertrages über die von Brandenburg während des niederlän- 
dischen Krieges zu beobachtende Politik den Kaiser zu einem entscheidenden 
Sehritte nicht zu bewegen vermochte, dass selbst die Nachricht von dem er- 
folgten Abschlüsse des brandenburg-französischen Bündnisses keinen nieder- 
schmetternden Eindruck in Wien hervorrief. Ohne Kenntnis von dem, was 
unterdess am Wiener Hofe geschehen, vermochte er sich das Benehmen des 
Kaisers nicht zu erklären und gab, wenn auch in verhüllter Weise, seinem Be- 
dauern darüber Ausdruck, dass man die günstige Gelegenheit habe vorübergehen 
lassen, den Kurfürsten von Brandenburg gegen geringe Zugeständnisse zum 
völligen Anschlüsse an das Kaiserhaus zu vermögen. Die Wiener Regierung 
aber blieb auch im weiteren Verlaufe der mit Friedrich Wilhelm gepflogenen 
Berathungen dabei, von demselben, falls Frankreich sich mit annehmbaren Frie- 
densbedingungen nicht zufrieden geben sollte, Antheilnahme am Kampfe und eine 
in diesem Sinne gemeinte Erweiterung der Bündnisse von 1658 und 1666 zu 
fordern, ohne sich ihrerseits zu der von Friedrich Wilhelm gewünschten Förde- 
rung der Wahl des Pfälzers, oder zum Ausgleiche der jägemdorfischen Streit- 
frage entschliessen zu können. Unter solchen Umständen konnten die Be- 
mühungen des Goess von keinem Erfolge begleitet sein. Denn so oft derselbe 
auch den Plan der Erweiterung der Allianzverträge von 1658 und 1666 vor- 
brachte, so eifrig er auch bemüht war den Berliner Hof von der Unaufrichtig- 
keit der französischen Erklärungen bezüglich der Förderung der pfälzischen 
Candidatur zu überzeugen, immer wieder begegnete er dem festen Entschlüsse 
Friedrich Wilhelms, in die Erweiterung der mit Leopold eingegangenen Bünd- 
nisse nur dann zu willigen, wenn der Kaiser seinerseits sich den Entschliessungen 
des Kurfürsten in der polnischen Successionsfrage füge. Das beste was unter diesen 
Verhältnissen geschehen konnte, hat Goess gethan, indem er Friedrich Wilhelm 
von jedem übereilten Schritte abzuhalten suchte, was um so eher gelang, als dieser 
selbst entschlossen war jedes bindende Versprechen nach irgend einer Seite hin 
zu vermeiden. So kam es, dass der Friede von Aachen am 22. Mai 1668 ge- 
schlossen wurde, ohne dass der Kaiser oder der Kurfürst Mitglied der Haager 
Allianz geworden wären. Wenige Tage nach dem Abschlüsse des Aachener 
Friedens verliess Goess Berlin. Seine Berichte zeichnen sich keinesweges durch 



*) Für Blumenthals neuerlichen Aufenthalt in Wien Puf. I. c. X. 59; Droysen 
I.e. 111.3217 ff. 



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198 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mui 1668. 

die Weite des Blickes, durch die Schärfe der Auffassung oder durch die Klar- 
heit der Gedanken aus, die wir in den Schriftstücken seines Vorgängers, des 
geistvollen Lisola, finden. Doch werden sie als Quelle für die Österreich-bran- 
denburgischen Beziehungen dieser Zeit, wie für die Geschichte des Kurfürsten 
Friedrich Wilhelm überhaupt, durch ihre zuverlässigen Mittheilungen über eine 
Unmasse von Begebenheiten gewiss von grossem Werthe sein. Die Weisungen 
der Wiener Regierung aus dieser Zeit sind bereits zahlreicher und ausführlicher 
wie für die früheren Perioden, lassen jedoch noch immer an Quantität und 
Qualität viel zu wünschen übrig. 



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IV. Erste Mission des Freiherrn Johann 
von Goess. Januar 1665 — Mai 1668. 



Instraction für Johann von Goess. Dat. Wien 12. Jan. 1665. 

(Cone.) 

[Polnische Wablangelegenheit.] 

Goess weiss, wie sehr sich die Königin von Polen bemüht hat den 12. Jan. 
Duc d'£nghien zum Nachfolger ihres Gemahls zu machen und die \\^ahl des 
Nachfolgers noch bei Lebzeiten ihres Gemahls durchzusetzen, und dass sie sich 
in diesem Plane auch nicht durch die Opposition habe irre machen lassen, die 
sie gefunden, vielmehr bestrebt war, ihren vornehmsten Gegner, Lnbomirski '), 
auf gütlichem Wege zu gewiimen. Da ihr dies nun nicht gelungen, sucht sie 
ihn zu verderben und hat ihm einen schweren Process auf den Hals geladen. 
Lubomirski hat sich nach Schlesien zurückgezogen und den Kaiser um Schutz 
angefleht. Der Kaiser hat Lubomirski auch, vornehmlich mit Rücksicht darauf, 
dass der Königin Vorhaben gegen die Freiheiten des Landes Verstösse, in seinen 
Schutz genommen. Der Kaiser will sich über diese Angelegenheit mit dem 
Brandenburger besprechen und sendet zu diesem Zwecke Goess nach Berlin. 
Goess soll den Kurfürsten um seine Ansicht in dieser Angelegenheit ersuchen 
und erklären, der Kaiser würde lieber sehen, wenn in Polen alles in dem alten 
Stande bleiben und vor dem Tode des Königs von Polen bezüglich der Nach- 
folge keine Entscheidung erfolgen würde. 



Nebeninstructiou für Goess. Dat. 25. Febr. 1665. Copie. 

[Jägerndorf.] 

Wegen Jägerndorf soll Goess selbst nichts vorbringen, sich vielmehr vorerst 25. Febr. 
über den Verlauf der bisherigen Verhandlungen in dieser Angelegenheit orientiren. 



Der Reichskauzier Georg Lubomirski. 



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200 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann Ton Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Weiters wird er data occasione deneo churfürstlicheD ministris bono 
modo zu versteheo geben und sie capace machen welcher gestalt unser» 
Herzogthums Schlesien jetzige Verfassung und der Status publicus unserer 
Erbkönigreich und Länder es nit zugebe, I. L**. zu Einräum- und Posse- 
dirung selbigen Furstenthums kommen zu lassen; verhoffeten dahero 
gnädigist, I. L^*°. die Unthunlichkeit solcher Prätension selbst erkennen 
und von derselben abzustehen geneigt sein werden ; . . . damit die Minister 
den Kurfürsten von der Verfolgung seiner vermeintlichen Ansprüche abbringen. 

Nechst diesem wird er bei sich eröffneter Occasion das Verlangen, 
welches wir P. L***°. zu gratificiren tragen, beweglich contestiren und die 
nicht erfolgte Abstattung deren I. L***". vor etlichen Jahren versprochenen 
180000 Reichsthaler ex causa calamitatis et necessitatis publicae entschul- 
digen, mit Versicherung, dass wir auf Mittel und Weg bedacht sein, unser 
gnädigistes dankbares Gemüth P. L^^°. wirklich und in der That zu erkennen 
zu geben. Sollte auch unser Abgeordneter wahrnehmen, oder er selbst 
durch seine Dexteritet desH". ChurförstensL**®". dahin disponiren können, 
dass I. L^®°. das offerirte Quantum der 180000 Thaler annehmen und 
sich darmit befriedigen lassen und wegen Jägerndorf weiter keine Pcaeten- 
sion machen wollten, . . . dann soll Goess gleich nach Wien berichten. 

P. S. Sollte auch unser Abgeordneter verspüren, dass das Quantum 
der 180000 Rthler angenommen und allein wegen Ungewissheit der Be- 
zahlung angestanden werden wollte, so geben wir demselben noch weiter 
diese gnädigste Vollmacht und Gewalt, dass er super ipso modo solutio- 
nis sich in Handlung einzulassen befugt sein soll, jedoch per gradus und 
dergestalt, dass derselbe vor allen Dingen einige bei unser kaiserlichen 
Hofkammer rückständige Reichsmittel, auch secundo loco die Herrschaft 
R^instein, um welcher willen bereit vor Jahren einige Anregung ge- 
schehen, vorschlage und dann endlich, wann es auf ein anders und lei- 
dentlichers nit zu bringen, auf jährliche richtige Abtragung von unser 
schlesischen Kammer von 30 bis höchstens 40000 Rthlr, sich auslassen 
und schliesscn solle. Da Schwerin's Mitwirkung dazu forderlich sein würde, 
setzt der Kaiser für ihn eine Belohnung von B — 6000 Rthlr. aus. 



Am 12. Januar erhielt Goess Befehl sich auf den Weg zu mAchen. Vom 
selben Datum stammt das Credenzschreiben für ihn an den Kurfürsten von 
Brandenburg, vom 12. Febniar das an den Kurfürsten von Sachsen, den er auf 
der Durchreise in Dresden aufsuchen soll, vom 21. Februar das an den Fürsten 
von Anhalt. Unter dem 5., 8. und 11. März gibt der Kaiser dem Goess Kunde 



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Instruction für Goess. Polnische Wahlfrage. Reichsangelegenheiten. 201 

von dem Anbringen des Secretärs Lubomirski's '), sowie der vom Kaiser darauf 
erfolgten Antwort; zugleich mit dem Befehle in Berlin zu erfahren, ob es wahr 
sei, dass der Kurfürst dem Lubomirski die französische Interposition angetragen 
und wenn sich dies bestätigen sollte, diesem Beschlüsse entgegenzuarbeiten*). 



»oess an den Kaiser. Dat. Berlin 27. März 1665. (Or.) 

[Audienz. Polnische Angelegenheit. Streitigkeiten zu Regensburg; des Kurfürsten Er- 
klärungen in dieser Angelegenheit. Unterredung des Goess über diesen Punkt mit 
Schwerin und Platen. Aeusserungen des Kurfürsten über die rheinische Allianz. 
Erwiderung des (ioess. Mittbeilungen Jena^s in dieser Frage. Mittheilungen des Kur- 
fürsten über seine Unterredung mit Wrangel. Bremen. Lubomirski. Audienz bei 
der Kurfurstin. Die Prinzen. Mittheilungen Anhalts und Schwerins über die pol- 
nische Angelegenheit. Debatte darüber. Urtheil des Goess Rath des Kurfürsten.] 

Am 21. angekommen; am 23. erste Audienz. Goess erklärt, der Haupte 
zweck seiner Mission sei, sich mit dem Kurfürsten über die bezüglich der pol- 
nischen Angelegenheit vorzunehmenden Massregeln zu einigen. Friedrich Wil- 
helm erklärt, darüber berathen lassen zu wollen*). Bezüglich der Regensburger 
Streitigkeiten*) erklärt der Kurfürst auch ferner die Sache des Kaisers vertreten 
zu wollen und meldete, dass der Churförst von Mainz etwas an sie gelangen 
lassen ^) wegen eines vorhabenden Coilegialtags; mich fragend, ob destwegen 
man etwas an E. K. M. gelangen lassen. Als ich geantwort, dass meines 
Wissens zu Zeit meiner Abreis an E. K. M. dieshalber nichts einkommen, 
haben sie gemeldt, sie wollten's E. K. M. communiciren. Im Uebrigen 
stecketen hinter dergleichen Zusammenkünften bisweilen andere Ding, die 
man nicht vorgäbe, darum man sich in Acht zu nehmen. Ich habe her- 
nacher sowohl mit dem Baron von Schwerin, als mit dem von Platen^), als 
sie mich visitirt, hieraus geredt und von ihnen so viel vernommen, welches 



*) Der Reichskanzler Georg Lubomirski; vergl. Wagner, Historia Leopoldi I. 199. 

*) Für die Haltung Brandenburgs in der Sache Lubomirski's in dieser Zeit; Puf. 
Lc. IX 84ff. 

*) Es handelte sich einerseits um die Stellungnahme in dem Streite des Königs 
mit Lubomirski, andererseits um die Frage der Nachfolge in Polen. 

*) Die vornehmsten Streitigkeiten betrafen die Reichskriegs Verfassung und die 
Wahlcapitulation. üeber die Verhältnisse des Regensburger Reichstages in den Jahren 
1663 und 1664 vergl. ürk. u. Act XL 149 ff.; auch Köcher 1. c. L 321 ff. Gemeiner 
l c. 1. Bd.; Droysen 1. c. III.3 38 ff., 87 ff. 

^) Für die Beziehungen Brandenburgs zu Mainz in dieser Zeit Urk. und Act. 
XL 387 ff. 

^) Claus Ernst Platen, Kriegscommissär und geheimer Rath, vergl. Klaproth 
l c. 355. 



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202 IV. Erste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

ich auch zu Dresden von dem geheimen Rath Heinrich von Friesen ver- 
standen, dass diese Anregung eines Collegialtags bis dato weiter nicht 
geschehen, als dass der churmainzische Director zu Regensburg gegen 
den churfurstlichen Gesandten, vielleicht die weltliche Fürsten hierdurch 
in etwas abzuschrecken, von Anstellung eines Collegialtags Meldung ge- 
tban '). 

Dann ist der Churfürst kommen auf die rheinische Allianz, dass 
viel der darbei interessirten , sonderlich die Häuser Braunschweig und 
Hessen, in grosse Umbrage und Jalousie gerathen, also dass diese Liga 
sich endlichen wohl gar dissolviren möchte. Ego subridens et excusans, 
dass ich alsogleich anfangs mich mit meine Gedanken so vertreulich gegen 
seine Ch. D. herauss Hesse, habe geantwort, dass die AUiirte, soviel ich 
vernehmen können, darfür hielten, dass diese Liga durch die Accession 
S^ Ch. D. nun fester stünde, als nie vorhin und dass dero Exempl auch 
andere würde hineinziehen. Sie haben geantwort, dass Sie hierin nichts 
gethan, als mit Vorwissen E. K. M.; hätten sich auch also vorgesehen, 
dass dero Diensten nichts praeiudicirlichs hieraus entstehen könnte. Je 
mehr hinein kämen, je schwächer würde die Allianz und wann E. K. M. 
Selbsten nrit eintreteten, möchte dieses das kräftigste Mittel sein, die- 
selbe gar zu dissolviren ').... Der Canzler Jena hat diese Miteintretung 
des Churfürsten per modum accessionis gegen mir sehr improbirt; es 
wäre geschlossen gewesen, dass der Churfürst als Principalis einen neuen 
Tractat vornehmen solle mit den Alliirten; der ReiflFenberg in seinen 
Hiersein hätte diese gute Resolution uragestossen. 

Aus den Unterredungen mit Wrangel *) habe der Kurfürst ersehen, dass die 
Schweden einen französischen König in Polen nicht wollen. Als Meldung von 
dem Churfürsten geschehen, dass die Franzosen trachteten Dömitz und 
Bützow in Mecklenburg an sich zu bringen^), hat Wrangel resolutamonte 
geantwort, Schweden würde dieses in Ewigkeit nicht gestatten und wür- 
den es eher auf eine völlige Ruptur lassen ankommen; man merkte 
wohl, dass die Franzosen das Aug auf die Ostsee haben und dass sie 



«) Vergl. ürk. u. Act. XL 418. 

'^) Für die Stellung Brandenburgs zur rheinischen Liga, vergL Urk. u. Act. XL 
437 ff., IX. 565ff., iL 236ff ; Puf. 1. c. IX. 63; Droysen 1. c. IIL 353ff. Für die Ge- 
schichte des Rheinbundes im allgemeinen die p. 144 angefahrten Schriften. 

3) Gustav Wrangel, schwedischer Keichsfeldherr; aus der Correspondenz des- 
selben mit Friedrich Wilhelm, Urk. u. Act. IX. 569 u. a. 0. 

*) Vergl. Droysen 1. c. 111. 3 73. 



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Rheinische Allianz, Bremen. Polnische Angelegenheiten. 203 

suchen sich darin einzudringen, dieses könne weder Schweden noch 
Dänemark keineswegs gedulden. 

Beziiglieh Bremens glaubt der Kurfürst wohl, dass Schweden die günstige 
Gelegenheit benützen werde und zweifelt, ob von Reichswegen, wie Goess meint, 
entsprechende Hilfe der bedrohten Stadt gesendet werden würde ^). 

Lubomirskis Sache steht nach des Kurfürsten Ansicht gut. 

Goess berichtet dann über seine Audienz bei der Kurfürstin, die viel, ins- 
besondere über die Türken, mit ihm gesprochen. Der Chur- und der jüngere 
Prinz') seind hübsche junge Herren, zeigen Vi vacitet und haben ihr Com- 
pliment gar schön wissen abzulegen. Darauf Conferenz mit Anhalt und 
Schwerin wegen der polnischen Angelegenheit; diese berichten über die Ver- 
handlungen des Kurfürsten und insbesondere Hoverbecks ') mit dem Polenkonige, 
der erst nach langen Unterredungen und nur widerstrebend sich zur Interven- 
tion Brandenburgs entschlossen, Lubomirski aber nur seine Privatgüter zurück- 
stellen, nicht aber in seine Aemter widereinsetzen will*), zu gleicher Zeit sich 
aber über verschiedener Fürsten, insbesondere aber des Kaisers Benehmen be- 
klagt und ihm Unterstützung Lubomirski's vorgeworfen hat. Goess antwortet, in- 
dem er auf die friedlichen, auf Aussöhnung des Königs mit Lubomirski gerichteten 
Bemühungen des Kaisers und seiner Gesandten hinweist. Der Kaiser habe dem 
Polenkönige angetragen, die Unterwerfung Lubomirski's zu vermitteln. Von 
einer grösseren Unterstützung desselben durch den Kaiser könne nicht die Rede 
sein. Er wüsste überhaupt nicht, dass Lubomirski vom Wiener Hofe Geld er- 
halten habe, wenn aber, so sei es höchstens soviel gewesen, als er zur Erhal- 
tung seines Lebens bedurfte, gewiss nicht Summen, die zu Errichtung eines 
Heeres hinreichten. ... Ich vermercke, dass sowohl 8. F. Gn. von 
Anhalt als andere niinistri bei diesem churfürstl. Hof der Meinung 
seind, dass man in quemcumque casum den Lubomirski nit könne ganz 
hülflos lassen^ massen der Hoverbeck aus V. Ch. D. Befelch dieses auch 
dem König angedeut; so ohne Zweifel denen interponirenden officiis um 
so viel mehr pondus geben wird. Man fürchtet, dass im Fall eines 
gänzlichen Äbandono, Lubomirski endlichen würde genöt werden, sich in 
der Königin*) Will zu ergeben und die französische Interposition zu 
suchen. Reiffenberg ist hiehergekommen; er hat sich 3 Tage in Dresden auf- 



Für die Politik Schwedens in dieser Zeit und den bremischen Krieg; Carlson, 
Gesch. Schwedens IV. 477 flF.; Droysen 1. c. IIL, 149ff. 

^ Karl Emil und Friedrich. 

') ücber Johann v. Hoverbeck, den langjährigen Vertreter Brandenburgs in 
Polen und seine Correspondenz bis 1663, ürk. u. Act. I.6f., 11. 97 u. a. 0., VI. bis 
IX. an Tielen Orten. 

*) Vergl. Puf. 1. c. IX. 88. 

*) Marie Louise. 



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204 IV. Erste Mission des Freiberrn Jobann von Qoess. Jan. 1665 —Mai 1668. 

gehalten. Goess glanbt Reiffenberg's Mission dürfte die Erfurter Angelegenheit 
betreffen. 

P. S. Der Churfürst hat unter andern gegen mir gemeldt, dass ein 
starkes Mittel sein würde die französische Eiection in Polen zu hindern, 
wann die Türken sich darwider erklärten *). Nun erinnern sich E. K. M. 
gnädigst, was Lubomirski in hoc passu eingerathen. Ich habe auch von 
andern ; denen der Status rerum nit unbekannt, dergleichen sentimenti 
gehört. Bei ietzigen Conjuncturen und Disposition, da Frankreich ohne 
das dem Türken gelosia gibt und ihre Bedrohungen um so viel mehr 
zu attendiren, weiln sie mit E. K. M. in Frieden, hielte ich darfür, dass 
wohl gute eiTectus daraus erfolgen möchten; es müsste aber dextramente 
und gar nit opcrose suggerirt werden ad evitandas alias suspiciones, 
darzu dem Türken leicht geholfen. 



Goe&s an den Kaiser. Dat. Berlin 31. März 1665. (Or.) 

[Reiffenberg; dessen Urtbeil über die Erfurter Angelegenheit. Mittheilungen und 
Ratbscbläge des Kurfürsten betreffs des Anbringens des Reiffenberg. Jägerndorf.] 

31. März. Reiffenberg ist zu mir gekommen, hat mir seine Unterstützung in meinen 

Angelegenheiten im Namen seines Herren angetragen *). Auf die Frage, wie die 
Erfurter Angelegenheit stünde»), antwortete er, dass wohl und so gar wohl, 
dass sie sich für niemand, es käme einer allein oder mehr, fürchten 
thäten. In Uebrigen meldete er gestern, dass sein gnädigster Churfürst 
sich wohl verstehen würde mit denen in den sächsischen Kreisen darzu be- 
nennten commissariis zusammen zukommen und aus der Sachen zu reden ^). 



*) lieber die polnische Wahl gibt es eine überaus umfangreiche Literatur; die 
bis 1870 erschienenen Schriften sind ziemlich vollständig verzeichnet bei S. Celichowski, 
De fontibus, qui ad abdicationem Johannis Casimir! pertinent. Dresden 1871. 
Neuestens Oskar Krebs, Vorgeschichte und Ausgang der polnischen Konigswahl (Zeit- 
schrift der historischen Gesellschaft fiar die Provinz Posen. III. Jahrg. 151 ff.). Für 
die Verhältnisse in den Jahren bis 1663 insbesondere Urk. u. Act. IX. 1 ff. 

2) Philipp Ludwig Baron von Reiffenberg, war geheimer Rath Johann Philipps 
\on Mainz ; vergl. Heibig, Die diplomatischen Beziehungen Johann Georg IL zu Frank- 
reich. Arch. för sächsische Gesch. I 292 Anm.; über seine Mission am Berliner Hofe 
in dieser Zeit Urk. u. Act. XL 417ff. 

*) Es handelte sich um die reichsrechtliche Stellung der Stadt Erfurt zu Mainz. 
Ueber den heftigen Kampf, der sich entspann und in ganz Europa Aufsehen hervor- 
rief, vergl. die p. 184 angeführten Schriften. Für die Stellung Brandenburgs speciell 
Urk. u. Act. XL 351 ff.; allgemein Droysen 1. c. IILj 73 ff. 

*) Die sächsischen Fürsten waren Schutzherren der Stadt Erfurt; über die Be- 
ziehungen Jobann Philipps vou Mainz zu dem Kurfürsten Johann Georg IL in dieser 



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Erfurter Frage. Wahl in Polen. Jägemdorf. 205 

Am 29. März lässt der Kurfürst dem Goess mittheilen, er wolle mit ihm 
wegen des Reiffenherg's Vorbringen, von dem er ihm, mit der Bitte um Ge- 
heimhaltung insbesondere vor dem Mainzer, Kunde gab*)? sich unterreden. 

Bezüglich des ersten Punktes, der Beschwerde der 3 geistlichen Kurfürsten 
gegen den Pfälzer ratione der Wildfänge *), rieth der Kurfürst zum Betreten des 
Rechtsweges, gegen jede Gewalt. 

„Die andere Proposition wäre, dass der König in Frankreich gänz- 
lich darauf bestünde, dass die {: Wahl eines Königs in Polen noch 
vivente rege müsste vorgenommen werden; zwar nit eben, dass dieselbe 
auf den Duo d'Anjou oder den von d'Enghien'), oder einem Franzosen 
zu fallen, sondern auf einem andern, der dem König darum obligirt sein 
würde und dass er, der König, die Glori darvon hätte:]. . . . Wie ich 
nacher von dem Baron Schwerin, zu dem -ich gleich gangen, ferner ver- 
nommen, hat der von Reiffenberg bei der darüber gehaltenen Conferenz, 
darbei er, der von Platen und Kanzler Jena gewesen, seine Proposition 
also eingericht, dass es das Ansehen gehabt^ als wolle der Churfürst 
von Mainz dieses Churfürsten Meinung und Sentimenten hierüber allein 
vernehmen. Der Kurfürst habe abgerathen und erklärt seine Mit^virkung 
dazu nicht versprechen zu können*). In der Unterredung mit Friedrich 
Wilhelm gibt dieser, auf die Frage des Goess, welche Gründe Reiffenberg für 
seinen Vorschlag vorgebracht, an, 1°. den Willen des Königs von Frankreich 
und 2., dass man vermeine, dass Oesterreich nach der polnischen Krone strebe. 
Goess verwahrt sich gegen diese letztere Behauptung. Bezüglich Jägerndorfs 
hat der Kurfürst und Schwerin den Goess interpellirt ; Schwerin hat gesagt, er 
wisse, dass Goess nicht nur Instruction zu Verhandlungen hätte, sondern die 
entsprechende Satisfaction zu geben ermächtigt sei. 

Angelegenheit, vergl. S. Heibig, Johann Philipp von Mainz und Johann Georg II. 
während der Erfurter Wirren 1650—1667 (Archiv für sächsische Geschichte III. 401 ff.). 

*) Vergl. die Propositionen Reiffenbergs in Urk. u Act. XI. 41 7 ff. 

*) Für den bekannten Wildfangstreit — der Pfalzer besass gewisse Rechte über die 
Unehelichen und Fremden (Wilden), zwischen Kurpfalz einer-, Mainz, Köln, Trier, 
Bischof von Strassburg, Herzog von Lothringen, Reichsritterschaft von Schwaben, 
Franken und am Rhein anderseits; vergl. die Darstellung in ürk. u. Act. XI. 589 ff. 
und die daselbst citirte Literatur. 

') A = Anguien = Heinrich Julius Herzog von Enghien, Sohn des Conde. 

*) Vergl. für den Verlauf der Conferenz zwischen den brandenburgischen Depu- 
tirten und Reiffenberg; ürk. u. Act. XI. 418 ff. 



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206 IV. Erste Mission des Freiherni Johaun vod Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 6. April 1665. (Or.) 

[Weitere Verhandlungen mit Reiffenberg. Des Kurfürsten Haltung in der polnischen 
Frage. Reiffenbergs Verabschiedung.] 

6. April. Mit Reiffenberg sind neue Conferenzen gehalten worden ') ; der Kurfürst hat 
von Neuem gegen Frankreichs Plane gesprochen. In einer Unterredung mit 
dem Kurfürsten üher diesen Punkt erwähnt Goess, dass von männiglicheD 
glaubt würde, dass wann S. Ch. 1). nur ein einige Disposition herbei- 
bringen wollten, sie allen andern würden praeferirt werden ; darauf haben 
sie geantwort, dass sie hierdurch ihre provincias haereditarias in der 
grössten Ungelegenheit und Confusion setzen würden; sie geschwiegen 
das impodimentum religionis. Der Baron von Schwerin hat mir in einer 
Visita eben dieses gesagt und dass die Königin in Polen, als sie zu 
Braunsberg und dahie dem Churfürsten diesfalls grosse Offerten gethan, 
er nie keine Reflection darauf gemacht. 

Bezüglich der von Frankreich für den polnischen Königsthron gewünschten 
Person, hat sich Reiffenberg nicht geäussert, auch nichts schriftliches eingegeben ; 
auch ist ihm kein schriftlicher Bescheid ertheilt worden. Am 31. März verlies» 
er Berlin. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 10. April 1665. (Or.) 

[Stimmungen am Dresdner Hofe. Heinrich von Friesen. Des Kurfürsten von Branden- 
burg Aeusserung bezüglich der Erfurter Angelegenheit.] 

10. April. Berichtet über seine Erfahrungen in Dresden. Der Kurfürst Johann Georg 

wiederholt seine aufrichtige Devotion dem Kaiser gegenüber, zeigt aber, dass er 
es bitter empfinde, dass .der Kaiser nicht öfter Gesandtschaften zu ihm schicke. 
£ine ziemlich starke Hofpartei sucht den Kurfürsten dem Kaiserhofe feindlich 
zu stimmen. Mit Heinrich Friesen hatte Goess eine lange Unterredung wegen 
der Erfurter Angelegenheit. Friesen räth, der Kaiser möge die Sache energisch 
in die Hand nehmen. „Ich finde ihn, den Friesen, sonsten unter denen 
Ministren, die ich an dem chursächsischen Hof kenne, für einen capablen 
Mann..., zwar hab ich observirn können, |: dass der Churfürst keine 
grosse Zuneigung zu ihm hat, dannoch in consiliis vermag er am aller- 
meisten; kann nicht allein etwas guts thun, sondern auch das Ueble 
verhindern, dann er hat grossen Anhang beim Land :|. Auch der Kurfürst 
von Brandenburg hat seine Ansicht in der erfurtischen Angelegenheit dahin 
geäussert, er hoffe, der Kaiser werde eine seiner Stellung entsprechende Haltung 
beobachten. 

') Urk. u Act. XI. 419 f. 



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Erfurter Frage. Friesen. Lubomirski. Polnische Wahlfraffe. 207 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 13. April 1665. (Or.) 

[Des Kurfürsten und Schwerins Aeusseruugen über Lubomirski. Eine russische Ge- 
sandtschaft in Sicht. Concept eines brandenburg-schwedischen Bündnisses.] 

Der Kurfürst wiederholt seine Erklärungen bezüglich Lubomirski's ; ebenso 13. April, 
erklärt Schwerin, dass S. Ch. D. Erbieten allein angesehen gewesen | : ad 
tentandam Lubomirski constantiam, de qua nonnihil dubitatur und dass 
solche officia und Schreiben an den König aus Frankreich weder abgangen 
noch auch abgehen werden. Wohl ist man bei diesem churfürstlichen 
Hof der Meinung den Lubomirski nicht hilflos zu lassen, dann er in sol- 
chem Fall genötiget würde, sich der französischen Interpositionen zu 
praevaliren und wolle er sonsten nicht verderben, sich den Königen zu 
accomodiren. : | Eine russische Gesandtschaft an den Kurfürsten soll dem- 
nächst hier eintreffen*). Der Canzler Jena, als ich ihn gestern besucht, 
hat mir ein Concept gezeigt eines foederis defensivi, so dieser Churförst 
mit denen Schweden tractirt, so gestellt gewesen in terminis ordinariis 
auf Liefland, Preussen und die beederseits besitzende Länder im römi- 
schen Reich; das tempus auf 10 Jahr, die Hülf von schwedischer Seiten auf 
2000 Knecht, 500 Reiter, Churbrandenburgische aber auf 1000 Knecht. . . . 
E. M. und beederseits Confoederirte waren nit eingeschlossen'). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 16. April 1665. (Conc.) 

[Freude über des Kurfürsten Ansicht in der polnischen Frage. Abberufung Kinsky's; 

Ersetzuncr desselben durch Mayern. Der Kurfürst soll die Mittel angeben, durch welche 

die Verbindung Polens mit Russland hintangehalten werden kann.] 

Freut sich, dass der Knrfnrst in der Hauptfrage bezüglich Polens mit dem ig. April. 
Kaiser einer Ansicht ist; der Kaiser hofft, dass in Zukunft immer ein gemein- 
sames Handeln in dieser Angelegenheit möglich sein wird. Goess soll dem 
Kurfürsten von der erfolgten Abberufung des Grafen Kinsky und der Ersetzung 
desselben durch den Hofkammerrath Mayern Mittheilung machen. „Endlich 
haben wir wohl in Acht genommen, was des Ch. L^®". erinnert, dass nem- 
Hch zu Hintertreibung anderer Inconvenientien nicht unrathsam sein 
mochte, die verlautende Composition und Confoederation zwischen Polen 
und Moscau zu verhindern. Weiln nun diese S^ Ch. D. Gedanken auch 
mit denen unsern fast einstimmen, hättest derselben solches dextre bei- 

') Vergl. den Bericht vom 27. April. 

*) Abgeschlossen wurde dieses Bündnis erst am 27. März l()(iG; vcrgl. Morner 
I.e. 277 ff.; Puf. I.e. IX. 66 ff.; für die Verhandlungen Brandenburgs mit Schweden 
in dieser Zeit Urk. u. Act. IX. 798 ff. 



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208 J[V. Erste Mission dos Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

zubringen und zu vernehmen, durch was für Mittel und Wege sie solches 
zu Werk zu setzen, vornehmen wollten." 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 17. April 1665. (Or.) 

[Jägerndorf. Berichte Grockow*s aus Stockholm. Des Kurfürsten Haltung in dem 
braunschweig-luneburgischen Erbfolgestreite.] 

17. April. Schwerin hat neuerdings die jägerndorfische Angelegenheit vorgebracht *). 
Ooess gab allgemeine Antwort; doch sind neue Berathungen vorauszusetzen. 
Crockow, des Kurfürsten Gesandter in Stockholm, meldet, dass Terlon, Frankreichs 
Vertreter daselbst, unzufrieden abgereist sei und Crockow gerathen habe, dem 
Kurfürsten zu schreiben, er möge in guter Freundschaft mit Dänemark bleiben -). 
Herzog Georg Wilhelm von Hannover hat den Doctor Müller') zum Kurfür- 
sten geschickt. Seine Mission betraf die Possession, welche der Herzog Johann 
Friedrich zu Celle gleich nach seines Bruders Christian Ludwig Tode apprehen- 
dirt*). Der Kurfürst sendet Jena an den Herzog von Celle, um gütliche Bei- 
legung des Zwistes zu versuchen*), er steht, wie Goess bemerken konnte, auf 
Seite Herzog Georg Wilhelms^ „und apprehendire, dass es mali excmpli, 
in chur- und fürstlichen Häusern, wann der Primogenitura oder auch 
dem Senio Eintrag geschehe**; auch fürchtet er Bevorzugung des Johann Fried- 
rich von Celle durch den Kaiser, wegen der Religion 7). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 27. April 1665. (Or.) 

[Ankunft des moskowi tischen Gesandten. Stellung Russlands zu Polen. Klagen Jo- 
hann Kasimirs über den Kaiser.] 

27. April. Schreiben vom 16. erhalten. . . . Betreffend die verlautende Composi- 
tion zwischen Polen und Moscau erinnere ich E. K. M., dass der mosco- 
vitischer Abgeordnete vorgestern hieher ankommen und als heut bei 
I. Ch. D. privatim (massen er begehrt) wird Audienz haben. Ich kenne 



*) üeber die Verhandlungen in dieser Frage zu Regensburg, vergl. ürk. u. Act, 
XI. 239flF. 

^) Vergl. den Bericht Crockow's vom 8./18. März 1665, ürk. u. Act. IX. 799f. 

^ Lorenz Müller, vergl. ürk. u. Act. IX. 563 Anm. 

*) üeber diesen braunschweijf-luneburgischen Erbfolgestreit, der durch den am 
25. März 1665 erfolgten Tod Christian Ludwigs von Celle hervorgerufen wurde, vergl. 
ürk. u. Act. IX. 559fr. und Köcher, Gesch. Hannovers von 1648— 17U I. 389ff.; 
Droysen 1. c. IlL, llOf.; Puf. 1. c. IX. 79. 

*) Vergl. die Instruction für Jena ürk. u. Act IX. 587 f. 

«) Vergl. ürk. u. Act. IX. 561 f. 

f) ürk. u. Act. IX. 562. 




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Braunschweig-Iüneburgischer £rbfo1gestreit. Russisch-polnische Verwickelungen. 209 

ihn von Reputation; er ist vor diesem auch in Dänemark gewesen, isi 
ein vornehmer Kaufmann mit Namen Marseiis, den der Czar viel ge- 
braucht; er hat einen Bruder in Dänemark gehabt, der seither meiner 
Abreis gestorben, hat noch einen anderen zu Amsterdam, der über die 
Massen reich ist und dessen sich der König in Dänemark bei vorge- 
westen Kriegen viel bedient. Nachdem man von ihme den Zustand in 
Moscau und was er in commissis hat wird vernommen haben, wird man 
mit besserem Grund die consilia darnach richten können. 

Der Churfurst vermeinte, dass das foedus offensivum und defensivum, 
so vor sein solle zwischen Polen und Schweden, den Moscoviter a tali 
compositione abhalten würde, mich aber hat fast das contrarium gedünkt 
und dass sothanes motivum wenigsten moscowitischer Seiten die Compo- 
sitionstractaten befürdern möchte. 

Schwerin meldet dem Goess, der Eonig von Polen habe sich Hoverbeck 
gegenüber über des Kaisers Benehmen, insbesondere über sein Verhalten zu 
Lnbomirski, beklagt; vermuthlich werde er sich dem Vertreter des Kaisers gegen- 
über ebenso über des Kurfürsten Vorgehen aussprechen. 



Goess an den Kaiser. Dat Berlin 1. Mai 1665. (Or.) 

[Nachrichten über Johann Casimir. Unterredung des Goess mit Marseiis. Des Letz- 
teren Erklärungen. Schreiben Johann Friedrichs Ton Braunschweig an Goess.] 

Der Polenkönig will, wie Goess vernommen, trotz vielfachem Abrathen zar 1. Mai. 
Convocation nach Litthauen gehen, aber ohne Begleitung der Vertreter der an- 
deren Mächte; der Kurfürst aber wird dem Hoverbeck befehlen, dem Konige zu 
folgen; auch wird davon gesprochen, dass Johann Casimir Elbing und Marien- 
burg um eine grosse Summe Geldes dem Könige von Frankreich versetzen 
wolle. Der Gesandte Russlands sucht Goess auf und theilt ihm mit, er habe 
Befehl sich von hier direct nach Wien zu begeben, um dem Kaiser die Media- 
tion zwischen Russland und Polen anzutragen'), die sein Herr dem Kaiser und 
den Königen von England und Dänemark übertragen wolle. 

In einem Schreiben vom selben Tage berichtet Goess über ein von Johann 
Friedrich Herzog von Braunschweig an ihn gerichtetes Schreiben <), worin dieser 
ihm die Unterstützung seiner gerechten Ansprüche auf Celle an's Herz legt 



') üeber die russisch - polnischen Verwickelungen in dieser Zeit; Herrmann, 
Gesch. des russischen Staates III. 647 ff. 

*) Das Schreiben ist datirt Celle 13./23. April 1665 Or. 



Mater. X. Oeieb. d. G. Kurfürsten. XIV. 14 



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210 I^* Erste Mission des Freiherm Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 28. April 1665. (Or.) 

[Rnssisch-polnische Verwickelungen. Schwedisch-brandeoburgische Allianz. Branden- 
burgs Eintritt in den Rheinbund.] 

28. April. Es ist nach den eingelaufenen Mittheilnngen wenig Aussicht, dass Polen 
die Mediation des Kaisers annimmt, es dei denn, dass Rnssland erklärt unter 
keiner andern Bedingung mit Polen tractiren zu wollen. Goess soll sehen, dass 
dem Vertreter des Czaren in diesem Sinne vom Kurfürsten zugesprochen werde. 
P. S. Goess soll eine Abschrift des schwedisch-brandenburgischen Vertrages 
zu erhalten und sich über die Verhältnisse näheren Aufschluss zu verschaffen 
suchen, unter denen der völlige Eintritt des Kurfürsten in die rheinische Allianz 
erfolgt sei. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 11. Mai 1665. (Or.) 

[Unterredung mit Schwerin und dem Kurfürsten bezüglich der Jägemdorfer Angelegen- 
heit. Pläne der Kurfürstin. Unterredung des Goess mit Schwerin über dieselben. 
Regenstein. Mittbeilungeu Anhalts. Resolution des Kurfürsten in der Jägemdorfer 

Angelegenheit. Marseiis.] 

11. Mai. Nach wiederholten Unterredungen mit Schwerin, dem er eine dem Kaiser 

angenehme Lösung der Jägemdorfer Frage besonders an's Herz gelegt, hat er 
mit dem Kurfürsten, auf dessen ausdrücklichen Befehl, am 19. April über diese 
Angelegenheit eine längere Unterredung gehabt. Der Kurfürst beklagte sich heftig 
über die ihm bezeigte Nichtachtung in dieser Sache und erklärte, als Goess ihm 
die Unrechtmässigkeit seiner Forderungen und das weitgehende Entgegenkommen 
des Kaisers, der eine so bedeutende Summe angeboten, auseinandersetzte, er wisse, 
dass es dem Kaiser und dessen Räthen nicht auf das Recht ankomme, son- 
dern E^ K. M. würden von dero Räth (darbei er in specie den Grafen 
von Nostiz*) non sine excandescentia benennt) vorgetragen, dass sie 
propter rationes politicas ihn in Jägerndorf nit leiden könnten; dann 
hoch et cum indignatione exaggerirt, dass man mehr Reflexion machete 
auf einen Fürsten von Liechtenstein, als auf ihme und dergleichen quaerelae 
mehr, welche ich also abgeleinet, dass ich mich auf die ante acta be- 
rufen, daraus S. Ch. D. ja zu ersehen, dass E. E. M. habendes Recht, 
ehe der Graf v. Nostiz je geboren, schon vom Kaiser Rudolf dargethan 
und behauptet worden und dass im Uebrigen die praesupponirende Com- 
paration mit dem Fürsten von Liechtenstein weit von E^ K. M. Gedanken 
seie. . . . 

Aehnlich äussert sich Schwerin. Als ich aber nun sehen können, dass 
auf diesem Weg nit fortzukommen, nachdem der Churfürst sich so 

1) Böhmischer Kanzler. Vergl. Fiedler, Venetianische Relationen; Fontes rerum 
Austriacarum XXVIl., 134 u. a. 0. Urk. u. Act. XI. 222. 



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Jägerndorfer Frage. 211 

rotunde erklärt, dass er von keiner Satisfaction an Geld nichts wissen 
wollte und sonsten gute Nachricht erhalten, was gestalt die Churfürstin ') 
eine sonderliche Afifection zu dero secundogenito, den Prinzen Friedrich^), 
tragen, massen sie denselben nach möglichen Dingen sucht zu beneficirn 
und den Churfiirsten, dero Gemahl, dahin vermögt, dass er ihme das 
Fürstenthum Halberstadt zu seinem Erbtheil vermacht*),... habe ich um 
soviel mehr das Aug und die Gedanken auf die Grafschaft Regenstein, 
welche in gedachtem Fürstenthum Halberstadt liegt, wiederum gewendt, 
weilen ich sonsten von dem Fürsten von Anhält verstanden, dass sie, 
die Churfürstin, Vorhabens sei, die Grafschaft Hohenstein eben zu diesem 
Ende von denen Grafen von Wittigstein ^) abzulösen; so hatte mir auch 
der Eittelmann, der im Halberstadtischen Regierungsrath und Hauptmann 
zu Egloff ist, etwas hiervon insinuirt. Goess bringt das vor, Schwerin ant- 
wortet darauf, es wäre Regenstein in Comparation von Jägerndprf gar 
schlecht und gering und wann darvon tractirt solle werden, müsste noch ein 
gut Stück Geld darzukommen. Die Grafschaft wäre ohne das ein Lehen 
vom Fürstenthum Halberstadt und könnte demselben heunt oder morgen 
zufallen. ... Ich habe in dieser ganzen Tractation wegen Jägemdorf 
genugsam gemerkt, dass der von Schwerin überaus caute und circum- 
specte hierin gangen und sich gehüet, seinen aemulis, welche zweifels- 
ohne darauf invigilirn, Occasion zu geben, ihme etwas Ungleichs hierbei 
zu imputirn. 

Der Fürst von Anhalt berichtet, wie gerne die Kurfürstio für ihren Sohn 
sorgen würde, und wie heftig der Kurfürst, wie auch er selbst — der Fürst von 
Anhalt — von Lesseins angegangen würden *), sich auf die Seite des Königs von 
Frankreich and der Königin von Polen zu stellen. Dabei erwähnt Anhalt auch 
dass E. K. M. ihm eine kays. Gnad, wann mir recht ist, von 30000 Thalern 
ausgeworfen, daran ihm an die quota der Türkensteur von dem Fürsten- 
thum Anhalt 7000 Rthlr. wären abgeführt worden. Am 2. Mai wird ihm dann 
die Resolution des Kurfürsten in dieser Angelegenheit zugestellt, in welcher 
der Erwerb der den Grafen' von Tattenbach gehörigen Grafschaft Regenstein und 
eine höhere Geldentschädigung gefordert wird*). Goess findet diese Forderungen 
nicht übertrieben und hofft überdies bezüglich der Geldentschädigung noch eine 
Ermässigung der Summe zu erreichen. Er räth entschieden diese Angelegen- 



'} Louise Henriette. 

*) Der nachmalige erste König. 

^ Durch das Testament von 1664; vergl. Droysen 1. c. III.j 813, IV.'* 133. 

*) Wittgenstein. 

*) Vergl. ürk. u. Act. II. 233 ff.; Puf. 1. c. IX. 34-36. 

^) Nicht mehr erhalten. 

14* 



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212 IV. Erste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

heit im Interesse der allgemeinen Lage zu ordnen, weist auf die grossen Aner- 
bietungen hin, welche dem Kurfürsten von der gegnerischen Seite gemacht 
wurden und fügt hinzu; der Churfürst macht sonsten Profession von 6e- 
nerositet und ist eines fürstlich hohen Gemüths; man hat zu glauben, 
dass, wann man generosamente mit ihm procedirn wird, er werd's 
wissen zu aestimirn, zu erkennen und mit gleicher Generositet widerum 
zu vergelten. 

In einem separaten Schreiben vom selben Datum gibt Goess weiteren Auf- 
scbluss über des russischen Gesandten Peter Marselis^) Aufenthalt in Berlin, 
und über dessen Ansichten bezüglich der bei den russisch-polnischen Verhandlungen 
durchzuführenden Mediation, welche dem Kaiser und den Königen von England 
und Dänemark angetragen werden soll. 



Goess an den Kai^r. Dat. Berlin 18. Mai 1665. (Or.) 

[Unterredung des Goess mit Schwerin über den Zweck der Particularallianz Branden- 
burgs mit Schweden. Christian Ernst von Baireutb. Religionsedict.] 

18. Hai. Als ich Schwerin gefragt, was den Kurfürsten zum Abschlüsse einer 
Particularallianz vermöge, und ob sie vermeinen nicht besser durch den 
münsterischen und olivischen F*rieden, als durch sothane particulares 
tractatus gesichert zu sein, hat er (Schwerin) geantwort, dass er diese 
Tractaten nie approbirt. Wann sie Hülf würden von Nöten haben, 
würde ihnen die Schwedische, mit welcher man wüsste was es vor 
eine Bewantnus hätte, nit anstehen; dasjenige motivum, so die suaden- 
tes hierzu gehabt, wäre gewesen, dass Schweden hierdurch insoweit 
mögte abgehalten werden wider I. Ch. D. etwas vorzunehmen, weilen sie 
auch ratione huius foederis vielmehr schuldig deroselben zu assistirn. 

Der Markgraf von Baireutb ist hier'), er soll vom Kurfürsten Beförderung 
seiner Aufnahme in die rheinische Allianz, Ausgleichung seiner Streitigkeiten mit 

^) Er schreibt: Marseiis ist ein Brabanter und von dort wegen der Religion 
ausgewandert. Seinen Bruder, Coelium Marseh's, der vor kurzem gestorben, habe er 
— Goess — gut gekannt, derselbe habe dem Konige von Dänemark im letzten Kriege 
grosse Summen zur Verfügung gestellt; ein anderer Bruder, Gabriel Marseiis, sei einer 
der reichsten Kaufleute in Holland und habe sich bei Haarlem ein Schloss gebaut, 
das sehr berühmt sei. Peter Marseiis sei schon 30 Jahre in Moscau, daselbst sehr 
begütert, besitze ein grosses Eisenbergwerk. Von König Christian wurde er für die 
Verdienste, die er sich als Vermittler der Heirath des dänischen Königsobnes Wal- 
demar mit des Czaren Tochter erworben, in den Adelstand erhoben. 

2) Christian Ernst. Vergl. Urk. u. Act. XI. 442 f., 446, 453. 



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Religionsedict. Erneuerung der Allianz von 1658. 213 

Baiern und Begleichung einer von seinen Vorfahren ihm überkommenen For- 
derung von 30 000 Thalern fordern. 

Uebersendet das vom Kurfürsten erlassene Religionsedict, das in lutheri- 
schen Kreisen viel Unwillen «rregt *). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 25. Mai 1665. (Or.) 

[Religionsedict. Gesandtschaft Johann Friedrichs von Braunscbweig.] 

Uebersendet eine neue Declaration, durch welche der Kurfürst sein Vor- 25. Mai. 
gehen in der Religionsangelegenheit zu rechtfertigen sucht*). Freiherr von 
Eltz^, der Gesandte Herzogs Johann Friedrich zu Braunschweig, ist hier; wie 
Goess vernimmt, soll der Braunschweiger die Mediation des Kurfürsten anneh- 
men *). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Laxenburg 29. Mai 1665. (Conc.) 

[Bereitwilligkeit des Kaisers die Jägerndorfer Angelegenheit zu ordnen. Erneuerung 
und Erweiterung des Bündnisses von 1658. Ankunft des moskowitischen Gesandten.] 

Die Berichte von verschiedenen Daten empfangen. Anerkennung seiner 29. Mai. 
Thätigkeit. Der Kaiser ist bereit die jägerndorfische Sache zu erledigen, wird 
sogleich mit dem Grafen Tattenbach wegen Regenstein verhandeln lassen; so 
bald dieser Punkt entschieden, würden die anderen vorgenommen werden. 
Wollen aber nicht gern, dass hieven vor der Zeit denen Grafen von 
Tattenbach etwas kund gemacht werden sollte. Und da was des Kaisers 
Vorfahren versprochen, mehr als Bezeigung guter Gesinnung als Anerkennung 
einer Verpflichtung aufzufassen sei, so wollen wir verhoffen, S. L. (ob sie 
zwar dieser Zeit eines andern sich vernehmen lassen), solches wohl er- 
kennen und um so viel mehr Ursach haben werden, nicht allein in dem 
bishero mit uns und unserem Haus hergebrachten guten Vernehmen 
und Zusammensetzung beständig zu verharren, sondern solches um so 
viel mehr zu bestettigen und zu vermehren, je geßihrlichere consilia und 
motus sich fast aller Orten vermerken lassen und herför thun wollen. 
Hättest derowegen jetzt bei Zeiten dextre ein Anwurf zu thun, ob S. L. 
nicht etwan für gut befinden möchten, nicht allein die bereits im Jahr 



*) Vergl. Diarium Europaeum XII. 453 ff.; Landwehr: Die kirchlichen Zustände 
der Mark unter dem grossen Kurfürsten; Forsch, zur brand.-preuss. Gesch. 1. 207 ff. 

^) Declaration, aus was Ursachen im C hurfürstlichen geistlichen Consistorio all- 
hier zween Prediger der Berlinischen Kirchen zu St. Nicolai am vergangenen 28. Aprilis 
dieses 1665 Jahres ihres Dienstes erlassen worden, 4. Mai 1665. Gedruckt u. a. im 
Diarium Europaeum XII. 523 ff. 

*) Friedrich Casimir von Eltz. 

*) Vergl. ürk. u. Act. XI. 575f.; Köcher 1. c. I. 415f. 



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214 IV. Erste Mission des Freiheim Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

1658 mit derselbeD geschlossene Bündnis zu erneuern, sondern auch noch 
weiter zu extendiren. 

Der moskowitiflche Gesandte') ist hier schon eingetroffen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 1. Jnni 1665. (Or.) 

[VerhandloDgen des Kurfürsten und seiner R&the mit Kitz. Des Goess Vermittelung.] 

1. Juni. Verhandlangen des Kurffirsten nnd seiner R&the mit Freiherm vonEltz'). 
Goess sucht den kurfürstlichen Käthen klar zu machen, dass eine gütliche Bei- 
legung des Zwistes unter den Weifen im Interesse der deutschen Sache unbe- 
dingt nothwendig sei. Was des Palbitzki'} Negociation in Warschau bezwecke, 
hat bisher nicht erforscht werden können. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 12. Jnni 1665. (Or.) 

[Unterredung des Goess mit dem Kurfürsten über die Lage des Reiches und über 

den Rheinbund. Erklärungen des Kurfürsten. Geneigtheit desselben und Schwerins 

mit dem Kaiser ein Bündnis zu schliessen. Pfölzische Angelegenheit.] 

12. Juni. Befehl vom 29. Mai erhalten. Die jägemdorfische Sache wird er, wie Be- 
fohlen, vornehmen. Gelegenheit mit dem Kurfürsten über Erneuerung und Er- 
weiterung des Bündnisses von 1658 zu reden, ergab sich als der Kurfürst 
mit Empfindlichkeit dasienige, was Churmainz and Andere wider Ghar- 
heidelberg vornehmen, geandet^), auch dieSach dahin ausdeuten wollen, 
als wann E. K. M. hierin etwas an dem, was dero kay. Amt erforderet, 
versäumeten und dass ein jeder nun im römischen Reich thäte, was ihm 
einfiele. Darauf ich replicirt, dass nit E. E. M., sondern diejenige dran 
schuldig, welche mit ihren Allianzen und Bündnussen denen Fremden 
alle Authorität im Reich zugespielt, E'. K. M. entzogen, das Reich in 
partes getrennt und in den statum gesetzt, darüber sie sich nun be- 
klagen wollten. Diese meine Replica, obzwar ich mich derselben auch 
in anderen Occasionen zuweilen bedient, ist diesmal sehr unvermuth 
vorkommen und haben I. Ch. D. änderst nicht darauf zu mitworten ge- 
habt, als dass eben darum dahin zu sehen, dass diese Allianz abgethan 
und zu nichten gemacht würde; und zwar, dass dasselbe füglicher nit 

>) Marseiis. 

«) ürk. u. Act XI, 576; Kocher 1. c. I. 415f. 

^ Matthias Palbitzki, schwedischer Diplomat; vergl. über ihn Urk. u. Act. IX. 

702 u. Anm. 

*) Mainz war in pfölzisches Gebiet eingerückt; vergl. ürk. u. Act. XI. 591 f. 



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Erneuerung der Allianz von 1658. Marseiis. 215 

♦ 

geschehen könnte, als wann E. M. selber mit darein träten. Nachdem 
sich nun der Discurs dahin gezogen, dass die ietzige geiuhrliche Coniunc- 
turn und was man darbei zu besorgen in Consideration kommen, habe 
ich dem Churfursteninsinuirt, dass sowohl E. K. M., als S. Ch. D, sich 
wohl in Acht zu nehmen und um so viel mehr auf ihre Conservation 
zu gedenken, ehe gefahrlichere consilia und machinationes sich an mehr 
Orten vermerken' Hessen und dass derowegen gut und erspriesslich sein 
möchte, dass die vorhin mit E. K. M. aufgerichte Bündnus erneueret wür- 
den. Ich hab änderst nit verspüren können, als dass der Churfürst 
hierzu nit ungeneigt. Er hat gemeldt, E. E. M. wären sein höchstes Ober- 
haupt und könnte ihm niemand verdenken, dass er sich mit deroselben 
verbinde; es würde aber gut sein, wann man Chur Bayern auch in der 
Bündnus mit einzöge. 

Dieselbe gute Intention fand Goess bei Schwerin. Die Hoffhnng, dass die 
Weifen sich friedlich einigen, ist grösser als vorher'). Der Brandenburger hat 
an den Mainzer geschrieben, er hoffe Mainz werde die Differenzen mit Pfalz 
gütlich oder gerichtlich ausgleichen, wann sie gedenken sollten via .armo- 
rum fortzufahren, er ratione der nahen Anverwandtschaft und habender 
Bündnus mit Churpfalz, demselben assistirn würde'). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 17. Juni 1665. (Conc.) 

[Marselis. Nachrichten aus Polen.] 

Aus des Kaisers Schreiben vom 10. dieses') wird Goess vernommen haben, 17. Juni, 
was Marselis vorgebracht. Am 17. hat er "Wien sehr zufrieden verlassen, geht 
nach Dänemark. Mayern schreibt aus Warschau unter dem 2. dieses über die 
moskowitisch-polnischen Verhandlungen, über Palbitzki's Mission daselbst und 
dass Schweden dieser Zeit mit Frankreich einiges anders foedus nicht 
habe, als der guarantiae pacis^). Umsoviel mehr verlangen wir gründ- 
lich zu wissen^ ob und was dann des Churfürsten zu Brandenburg L«für 



Vergl. ürk. und Act. XI. 577 ff.; Köcher 1. c. I. 417 ff. 

2) Gemeint ist das Schreiben Yom l./ll. Juni 1665; ürk. u. Act. XI. 600; 
yergl. daselbst 599 Anm. 2 auch das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser in 
dieser Angelegenheit. 

») Nicht erhalten. 

*) Ueber die franzosisch -schwedischen Beziehungen dieser Zeit; vergl. die In- 
structionen für Terlon und Pomponne im Recueil des Instructions II. 55 ff. und Ein- 
leitung LV.ff., sowie die von Mavidal 1861 herausgegebenen Memoires de Pomponne 
II. 131 ff.; Carlson I.e. IV. 479 ff. 



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216 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

ein neues foedus mit Frankreich oder auch mit Schweden habe, oder 
noch zu schliessen in Willens sei'). 



Goess an deij Kaiser. Dat. Berlin 22. Juni 1665. (Or.) 

[Verhandlungen des Kurfarsten mit dem Syndlcus der Stadt BreMen. Mittheilnngen 

der Prinzessin Elisabeth über Pl&ne am franzosischen Hofe. Verhandlungen der 

Stände. Holländisch-englischer Seekampf. Anhalt.] 

22. Jbni. Der Syndlcus der Stadt Bremen') war hier. Schriftlich wurde nichts fest« 
gesetzt, dop|i hat der Kurfürst mündlich das Versprechen gegeben, die Stadt, 
wenn sie von den Schweden bedroht werden sollte, nicht im Stiche zn lassen. 
Die Prinzessin Elisabeth') ist den 16 dieses von hier nach Herford in 
Westphalen abgereist. Als ich von ihr Abschied genommen, hat sie mir 
in Confidenz ihrer Frau Schwester*) (die eine Nonn ist in Frankreich) 
Schreiben gelesen, darin enthalten, dass man zu Paris gedacht hätte, 
ihre Bas, der Herzogin von Anguien') Schwester'), ina Stift Thorn zu 
thün. Man habe aber die Meinung verändert, weilen man vernommen, 
dass man daraus heirathen könne; dann weder diese, welche die Eltistc 
ist, noch die dritte^) wolle man heirathen lassen, damit sie gedachter 
Herzogin von Anguien kein Eintrag in der Praetension zu der Krön Polen 
thun ^). . . . Es ist ein Aasschuss der märkischen Landstände hie beisam- 
men; diese beide Stadt Cöln ander Spree und Berlin begehren an sie, 
dass sie concurrirn sollen zu den Servizen und Einquartirungen der 
Guarnison; warzu sie sich keineswegs verstehen wollen^. 

In dem grossen Seekampfe zwischen England und Holland soll letzteres 



*) Mit Frankreich hatte Friedrich Wilhelm am 6. März 1664 das Defensivbändnis 
von 1656 erneuert; am 25. Mai erklärte er seinen Beitritt zur rheinischen Allianz. 
Vergl. Urk. u. Act. IL 283 ff. Mit Schweden wurde das Bfindnis erst am 27. März 
166g geschlossen. Vergl. ürk. u. Act. IX. 802f. 

>) Eden. 

*) Elisabeth, Tochter des Kurfarsten Friedrich V. von der Pfalz, seit 1667 
Aebtissin von Herford; über ihren Aufenthalt in Berlin yergl. den Brief der Herzogin 
Sophie bei Bodemann; Briefwechsel der Herzogin Sophie mit Karl Ludwig, 88. 

*) Louise Hollandine, Aebtissin you Maubisson in Frankreich. 

^} Anna Henriette, seit 1663 vermählt mit Heinrich Julius von Conde. 

*) Louise Marie, 1679 vermählt mit Karl Theodor, Fürst von Salm. 

^) Benedicta Henriette, 1668 vermählt mit Johann Friedrich, Herzog von Lüne- 
burg zu Hannover. 

^ Marie Louise suchte die Sucession ihrer Nichte Anna Henriette zu sichern. 

9) Vergl. ürk. u. Act. X. 477ff.; Droysen 1. c. HL, 284ff. 



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Frankreichs Pläne. Reicbsangelegenheiten. 217 

den kürzeren gezogen haben. Opdam ist mit seinem Schiffe in die Luft ge- 
flogen'). — Der Fürst von Anhalt betheaert seine Devotion gegen den Kaiser^). 



Goefis an den Kaiser. Dat. Berlin 4. Juli 1665. (Or.) 

[Stand der brandenburg-schwedischen Verhandlungen. Vertrag Brandenburgs mit 

Frankreich.] 

Befehl vom 17. Juni empfangen. Das Bündnis Brandenburgs mit Schweden 4. Juli." 
ist seitdem Goess über den Stand berichtet, nicht weiter geführt worden'); das 
Bündnis Frankreichs mit Brandenburg betreffend, habe ich supponirt, dass 
es B. E. M. schon vorhin haben, weilen mich der Baron von Schwerin 
versicheret, dass sie es dem deFIsoIa gegeben. Uebrigens wird Goess 
trachten den Vertrag zu erhalten*). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 9. Juli 1665. (Conc.) 

[ Reich sangelegenheiten. Protest des Kaisers gegen die von verschiedenen Fürsten ge- 
wünschten Aenderungen in der Wahlcapitulation.] 

Auf des Kaisers an den Kurfürsten gerichtetes Schreiben vom 19. Nov. 1664, 9- Juli, 
occasione der von denen fürstlichen weltlichen Ständen zusammenge- 
tragener monitorum ^d capitulationem perpetuam^), dass in berührten 
monitis solche Zusatz enthalten, die nicht allein der kais. Authorität im 
Reich verkleinerlich, sondern auch unsers Erzhauses hergebrachten Rech- 
ten und privilegiis nachtheilig und dem articulo YIIP instrumenti pacis 
zuwider wären, mit Ersuchen, die ihrige dahin zu instruiren, dass sie die 
Interessen des Kaisers vertreten , hat der Kurfürst sub 21 geantwortet und 
dem Kaiser anheim gestellt, dasienige was er dem Erzhause an vorberürten 
seinen juribus praeindicirlich zu sein erachte, etwas näher zu erläutern. Da 
nun bereits der 3. Punkt der Capitulation *) in Regensburg berathen worden, 



^) Yergh Lefevre-Pontalis : Yingt ann^es de republique parlamentaire au XVII 
siecle, Jean de Witt I. 345 f. Droysen 1. c. III., 111. 

*) Goess übersendet zugleich ein in diesem devoten Tone gehaltenes Schreiben 
des Fürsten von Anhalt d. d. Berlin l./ll. Juli dem Kaiser. (Aut.) 

») Vergl. ürk. u. Act. IX. 803. 

*) Vergl. Mömer 1. c. 258; Puf. 1. c. IX. 60. 

^ Vergl. über die Verhandlungen in dieser Angelegenheit und über die zwischen 
den kurfürstlichen und fürstlichen Käthen, wie auch über die zwischen den weltlichen 
und geistlichen Fürsten herrschenden Differenzen; Urk. u. Act. XI. 155 f.; Gemeiner 
1. c. II. 36 ff. 

*) Betrifft die Privilegien der Kurfürsten; vergl. für diese Verhandlungen Ge- 
meiner 1. c. II. 51 ff. 



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218 I^- Bi'ste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

der 16. ^) und 18. *) das Interesse des Erzhauses merklich berühren, so will der 
Kaiser dem Kurfürsten in dieser Angelegenheit nähere Mittheilang machen. Es 
betrifift dies vornehmlich zwei Puncte. I. Der Kaiser soll das Hofgericht zu 
Rothweil sammt anderen Landgerichten in Schwaben abrogiren'), (das moni- 
tum der weltlichen Fürsten zu Artikel 18). II. Die Fürsten fordern, dass 
die im kurfürstlichen Projecte nach den Worten: Der röm. Kaiser soll und 
will auch einigen Reichsstand, folgenden Worte, der die Exemption von 
der Reichsjurisdiction entweder durch Verträge mit dem Reich oder 
durch rechtmässige Titul von römischen Kaisern vorhin nit erlangt noch 
in deren Besitz erfunden wird, ausgelassen und dieser Passus nach ihrer der 
fürstlichen weltlichen Meinung also lauten solle: Der römische Kaiser soll 
und will auch einigen Reichsstand von des Reichs höchsten Gericht sich 
zu eximiren und auszuziehen inskünftig nit gestatten. — Goess erhält Be- 
fehl dem Kurfürsten mitzutheilen, der Kaiser habe seinen Gesandten^) in Regens- 
burg Befehl ertheilt, dass wann man sich an Seiten der fürstlichen Stände 
eines widrigen conclusi unterfangen wollte, sie wider solchen sine causae 
cognitione et nullo competenti iudicio und dahero als null und nichtig 
ergangenen Schluss expresse protestiren. Der Kurfürst möge seine Gesandten*) 
in eben diesem Sinne instrniren. 



Der Kurfürst an den Kaiser. Dat. Colin a, d. Sp. 11. Juli 

St. V. 1665. (Or.) 

[Wahlcapitulation betreffend.] 

11. Juli. Aus des Kaisers Schreiben vom 9. Juli*) und aus des Goess mündlichen Er- 
klärungen hat der Kurfürst des Kaisers Begehren in der Frage des Artikels 111 
der Wahlcapitulation ersehen. "Wie er sich erinnert, hat er dem Versprechen 
in seinem Schreiben vom 21. Nov. 1664 entsprechend, damals seine Gesandten 
dahin instruirt, dass E'. K. M. desideria sie nach ihrem besten Vermögen 
befördern helfen und ihres Orts abwenden sollten, damit nichts zu E. K. 



^) Kriegsvölker sollen nicht aus dem Reich geführt werden; Art der Wer- 
bung. 

^ Wie es mit den Processen und kaiserlichen Hofgerichten zxx halten. 

8) Vergl. § 18 der Capitulation ; Theatrum Europ. VIII. 444. 

*) Kaiserlicher Principalcommissarius war Erzbischof Guidobald von Salzburg 
(Graf V. Thun), neben ihm wirkten der Reichshofrathsvicepräsident Graf von Wolken- 
stein und Reichshofrath Grane (der bald nach Eröffnung des Reichstages starb) als 
Commissäre. Die Oesterreichische Gesandtschaft bestand aus dem Grafen von Weissen- 
wolf, Volmar, Scherer, Hocher. Diar. Europ. VIII. 567. 

*) Gottfried von Jena und Gurt Asche v. Mahrenholtz. 

^ Ist nicht erhalten. 



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Wahlcapitulaüon. Odercanal. Gharacteristik Fr. Wilh. 219 

oder dero hohen Hauses Praejudiz in die Capitulation hineingebracht 
werde. Auf das neue und detaillirtere Begehren des Kaisers habe er nun ent- 
sprechende Befehle den Gesandten in Regensburg zukommen lassen^). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 13. Juli 1665. (Or.) 

[Odercanal. Festung Peitz. Fürsorge des Kurfürsten für das Militär. Dessen guter 
Zustand. Gharacteristik des Kurfürsten.] 

War mit dem Kurfürsten am Lande. Den Canal, den der Churfürst 13. Juli, 
von der Spree in die Odera führen lässt, hab ich gesehen; wir seind fast 
auf 2 Meilen darauf gefahren und ist derselbe so weit gebracht, dass 
nun an völliger Verfertigang desselben und zwar inner wenig Monat nit 
gezweiflet wird. Es ist ein schönes Werk und seind sonderlich die 
Schleassen durch ein Holländer sehr wohl gemacht. . . . 

Ich habe die Festung Peitz ') auch gesehen ; ist klein und eng, aber 
wohl von allem versehen und wird sehr fleissig unterhalten, auch 
immerzu gebessert; und finde ich überall, dass I. Ch. D. diesfalls der 
Türken Maxime führen und vor allem ihre Miliz und was die militaria 
concernirt, wohl bezahlter und bestellter haben wollen. Die Soldatesca 
hat ein grosses beneficium durch die Arbeit, welche der Churfürst an 
dem Graben und andere Fortificationen durch dieselbe verrichten lässt, 
dann über ihren richtigen Sold werden sie weniger nit als die fremde 
Arbeitsleut um ihre Arbeit belohnet. Sie seind frisch und gesund, dar- 
bei wohl bekleidt und sonsten mit ihren Notdurften versehen. I. Ch. D. 
vor ihre Person seind sehr unmüssig und arbeitsam, schlafen wenig 
Stunden und seind in aller Früh auf; sie haben mehr Lust mit den 
Bürsten'), darbei sie sich trefflich bemühen, als mit dem gesperrten 
Jagen. Ich hab observirt, dass sie von allen ihren Affairen gute und 
exacte Wissenschaft haben; dann fast nichts vorkommt, davon sie vor- 
hin nit Information haben. 



') In dem beiliegenden Befehle vom 11. Juli gibt der Kurfürst seinen Gesandten 
Befehl, iu der Rothweil- und der anderen schwäbischen Gerichte-Frage sich ganz auf 
die Seite des Kaisers zu stellen. 

*) A = Beizen. 

») = A. 



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220 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 20. Juli 1665. (Cone.) 

[Reichsangele^enbeiten.] 

20. Juli. Die Meldungen aus Regensburg über die von den weltlichen Fürsten bei 
Berathung über Artikel 3 der capitulatio perpetua geforderten Reservationen 
und über ihr Benehmen im allgemeinen lassen erkennen, dass mit dem 
weltlichen fürstlichen Stande diesmal kaum in dieser Frage der Capitulation 
eine Einigung wird herzustellen sein. Der Kaiser glaubt nun, dass es das 
zweckmässigste sein dürfte diese Angelegenheit fallen zu lassen und bezuglich 
der übrigen, wo keine Collision zu befürchten, zu einem Reichsschlusse zu ge- 
langen. Der Kurfürst möge seine Ansicht darüber äussern. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 22. Juli 1665. (Or.) 

[Haltung des Kurfürsten and Schwerins in der Frage der Erneuerung der Allianz von 
1658. Rüstungen des Bischofes von Münster. Schwerin warnt vor den geistlichen 
Fürsten. Nachricht vom Siege der Portugiesen aber die Spanier. Reichsangelegen- 
heiten.] 

22. Juli. Uebersendet das Project des schwedisch-brandenbnrgischen und eine Abschrift 
des französisch-brandenburgischen Bündnisses. Auf einige Andeutungen des Goess 
bezüglich der Erneuerung der Allianz von 1658 geben der Kurfürst und 
Schwerin nur allgemeine Antworten. Die Rüstungen des Bischofs von Münster 
erregen hier Befürchtungen '). Schwerin sagt dem Goess gelegentlich , er 
möchte doch den Kaiser erinnern, auf die geistlichen Fürsten gut zu achten, 
die Dun aller Orten das Reich in Unruhe setzen. — Aus Paris und Lon- 
don wird gemeldet, dass die spanische Armee von der Portugiesischen besiegt 
worden sei"). 

Vom selben Tage ist ein anderer Bericht des Goess datirt über die Regens- 
burger Angelegenheit, bezüglich derer der Kurfürst und seine Minister sich ganz 
im Sinne des Kaisers entscheiden. Der Kurfürst lässt den Befehl an seine Ver- 
treter ergehen, in den beiden Punkten der Artikel 16 und 18 den Wünschen 
des Kaisers zu entsprechen'). 



lieber den Krieg des Bischofes Christoph Bernhard von Galen gegen die Re- 
publik der Vereinigten Niederlande; Droysen 1. c. Ill-a 7^ ff.; Pufendorf I. c. X. 9 ff. 
Tücking, Geschichte des Stifts Münster unter Christof Bernard von Galen 114ff. 
Urk. u. Act. XI. 615ff. 

^ Gemeint ist der Sieg der Portugiesen bei Villa Vitiosa. Theatr. Europaeum 
IX. 79 f. 

3) Vergl. p. 219. 



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Reichsangelegenheiten. Mänsterer Frage. 221 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 5. Aug. 1665. (Or.) 

[Stand des braunschweig-löneburgischen Erbfolgestreites. Abneigung Johann Frie- 
drichs gegen die Einmischung Frankreichs. Eindruck der Rastungen des Bischofes 
von Münster auf den Berliner Hof. Reichsangelegenbeiten.] 

Die Trac taten zwischen den Welten stehen in besseren terminis. Herzog 5. Aug. 
Johann Friedrich soll die Einmiscbnng Frankreichs nicht gern gesehen und um 
dieselbe zu verhindern an Coürtin»), Frankreichs Gesandten in Dänemark, ge- 
schrieben haben, er möge de Lumbres von der Reise abmahnen, da die Ver- 
träge bereits soweit gediehen, dass seine Einmischung überflüssig sei^). Die 
Rüstungen des Münsterer Bischofes geben hier immer neuen Anlass zu Klagen 
und Befürchtungen. Insbesondere der Franzosen Benehmen in diesem Punkte 
scheint dem Kurfürsten verdächtig und fürchtet er ein heimliches Abkommen 
zwischen Frankreich und Münster >). Ja er kommt fast auf die Gedanken, 
dass die 300000 Gulden, die der Bischof von Münster allbereit soll 
empfangen haben, nit yod dem König aus Engelland, der selbst des 
Gelds bedörftig und daran Mangel hat, sonderen von dem von Frankreich 
herkommen. Goess fürchtet nur, der Kurfürst könnte in dem Glauben bestärkt 
werden, es handle sich um eine grosse Einigung der katholischen Mächte gegen 
die Protestantischen. 

In einem eigenen Schreiben vom selben Datum berichtet Goess über seinen 
Vortrag bezüglich der Regensburger Angelegenheiten im Sinne der Weisung 
vom 20. Juli und dass der Kurfürst allsogleich zustimmte und seinen Vertretern 
entsprechende Befehle zusendete für den üebergang zu anderen Angelegen- 
heiten zu stimmen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 17. Aug. 1665. (Or.) 

[Pfälzisch -brandenburgische Beziehungen. Vorgehen Münsters. Mittheilungen des 
Landgrafen Christian von Hessen über die Schätzung Friedrich Wilhelms seitens des 

Kaisers.] 
Der Generalwachtmeister Feibrock*), Gesandter des Fürsten von Pfalz Neu- n. Aug. 
bürg, hat den Kurfürsten zur Gevatterschaft eingeladen. Der Kurfürst war er- 
freut und hat seine baldige Anwesenheit in Gleve in Aussicht gestellt und den 
Wunsch ausgesprochen mit dem Pfälzer in guter Freundschaft zu leben, 
wozu beiderseits Neigung vorhanden zu sein scheint*). Des Münsterers Vor- 



Honoratus Courtin. 

') De Lumbres, Frankreichs Gesandter am polnischen Hofe, damals schon auf 
der Ruckreise von Warschau begriffen, war bereits in Hildesheim angekommen. 
Vergl. ürk. u. Act. XL 583; Köcher 1. c. I. 421. 

2) Vergl. ürk. u. Act. XL 625 ff. 

*) Vermuthlich identisch mit dem bei Puf. X. 56 genannten Veldburg. 

*) Für die Verbandlungen Brandenburgs mit Neuburg in diesen Jahren Urk. u. 
Act. XI. 485 ff. 



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222 IV. Erste Mission des Freiheim Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

gehen in seinem Streite mit den Holländern gibt dem Kurfürsten immer wieder 
Anlass zur Klage. Goess gegenüber bekräftigt Feibrock die Neigung seines 
Herrn bezüglich der Jülich'schen Streitigkeiten zu einem Ende mit dem Bran- 
denburger zu kommen. Die "Weifen haben sich, wie er berichtet, schon fast 
gänzlich geeinigt^). Der Landgraf Christian von Hessen war beim Kurfürsten 
und hat ihm mitgetheilt, wie hoch der Kaiser ihn (den Kurfürsten) schätze und 
wie gerne er bereit ist, ihm in der jägemdorfischen Angelegenheit zu Willen 
zu sein. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 24. Aug. 1665. (Or.) 

[Gonflict zu Höxter. Friedrich Wilhelms Urtheil über die Mänsterer Frage. Reise 
nach Cleve. ürtheil des Goess über die Pläne des Karforsten. Stellung zu den 

Staaten. Küstrin.] 

24. Aug. Der Kurfürst hat am 18. Blumenthal*) und Brandt*} zu Goess geschickt 
und diese brachten vor, dass in Höxter die Katholiken den Protestanten eine 
Kirche mit Gewalt weggenommen hätten; der Kaiser möge solche Gewaltthaten 
untersagen. Goess verspricht die Uebermittelung an den Kaiser, sucht im Uebri- 
gen die Sache als eine unbedeutende darzustellen; umsomehr da er erfahren, der 
Kurfürst nehme die Sache sehr ernst, weil er beim Bischöfe von Münster 
auch im Uebrigen Pläne gegen die Protestanten voraussetze. In einer Unter- 
redung mit dem Kurfürsten zeigt dieser neuerdings Furcht vor dem Bischöfe 
von Münster und dass er an eine gütliche Beilegung des Zwistes nicht glaube^). 
Er hat auch die Reise nach Cleve für den 18. October festgesetzt und erklärt, 
als Goess ihn auf die im Osten drohende Gefahr aufmerksam macht, die Gefahr 
im Westen sei grösser und näher. Ich spüre auch, dass des Churfürsten 
Absehen nit allein dahin gehe, dass er sich in Acht nehme, seiner 
eigenen Securitet vorsehe und de damno vitando gedenke, sonderen 
vielleicht auch wohl de lucro captando und dass er sich dieser Con- 
iuncturn zu seinem Vortheil bedienen wolle. Die Staaten -General 
forderen eine grosse Summa Gelds an ihm wegen der also genannten 
HueifeiHsischen ^) Schuld, haben auch seine Festungen in dem Land zu 
Cleven in Händen ; es ist nit zu zweifeln, er werde sich der Gelegenheit 
bedienen. 

Ich habe Cästrin gesehen. Die Festung ist gut, wohl gehalten, 
wohl versehen und von trefflicher Situation. 



Vergl. Kocher 1. c. 429 f. 
') Carl Caspar v. Blumenthal. 
') Christoph von Brandt. 

*) Vergl. seine Meinung in der Conferenz am 7./i7. Aug. 1665; Urk. u. Act. IX. 630. 
^) Gemeint ist die Hofyser^sche Schuld. Droysen I.e. III. 3 98 ff.; Urk. u. Act. 
III. 141 ff. 




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Pläne des Kurfürsten. Polnische Frage. Rüstungen des Bischofes von Münster. 223 

Der Kaiser an Goeas. Dat. Wien 30. Aug. 1665. (Conc.) 

[Lubomirski. Mittel denselben zu unterstützen.] 

Lubomirski hat durch Schreiben und Gesandte den Kaiser um Hilfe ge- 
beten. Da nun der Kaiser die Wahl eines Nachfolgers zu Lebzeiten des jetzigen 
polnischen Königs nicht will, die Bemühungen der Gegenpartei aber nicht auf- 
hören und Lubomirski vornehmlich als Verfechter der Idee der Nichtwahl ver- 
folgt wird, glaubt der Kaiser, man dürfe wirklich Lubomirski nicht hilflos lassen. 
Da nun der Kaiser die Hilfe selbst dem Lubomirski nicht geben könne, soll 
Goess den Kurfürsten, der sich ja wiederholt für dieselbe ausgesprochen, zur 
Leistung derselben zu bewegen suchen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 2. Sept. 1665. (Or.) 

[Verbandlungen mit Schwerin wegen Jägerndorf, wegen der Rüstungen des Bischofes 
von Münster, der Höxterer Angelegenheit und der Klagen der Bewohner von Tescheu « 

bezüglich Bedrückungen durch den Kaiser in Religionsangelegenheiten. Reise nach 
Cleve. Erklärungen des Goess an Anhalt bezüglich der oberwähnten Punkte.] 

Er wird sich nach Carlsbad zur Cur begeben. Beim Abschied hat ihn 2. Sept. 
Schwerin über die jägerndorfische Sache interpellirt und die lange Verzögerung ' 
beklagt. Goess vertröstet ihn und stellt die baldige Erledigung in Aussicht. 
Ferner berichtet Schwerin wie ungerne der Kurfürst die grossen Rüstungen 
des Bischofes von Münster sehe, und dass derselbe nicht ruhig diesen Werbungen 
werde zusehen können. Der Kurfürst habe ihn (Schwerin) beauftragt, Goess 
zu fragen, wie sich der Kaiser zu dieser Sache stelle. Goess entschuldigt sich 
mit mangelnder Instruction, fügt aber hinzu, soviel wisse er und müsse jeder 
sehen, dass der Kaiser alles thue, um die Sache beizulegen, die übrigens nicht 
die Bedeutung habe, welche ihr vom Kurfürsten zugeschrieben werde. Auch 
die Höxterer Angelegenheit bringt Schwerin wieder vor und meldet, dass auch 
Schweden, die Braunschweiger Fürsten und Hessen-Cassel die Sache übel auf- 
nehmen. Endlich bringt Schwerin vor, dass die Evangelischen in Teschen den 
Kurfürsten um seine Intervention zu Gunsten der Religionsausübung beim Kaiser 
angegangen, worauf Goess kurz antwortet, der Kaiser gönne seinen Unterthanen, 
^was das Instrumentum pacis mit sich bringe. . . . Der Kurfürst trifft alle Vor- 
bereitungen zur Reise nach Cleve. 

P. S. Dem Fürsten von Anhalt, der gjleichfalls mit Goess über den Bischof 
von Münster und über die Frage wegen Höxter gesprochen, antwortet er, wie 
dem Schwerin, und gibt ihm und dem Kurfürsten die Versicherung, dass E. 
K. M., was anbelangt die disegni der Katholischen wider die Protesti- 
rende, nicht einmahl dergleichen in Gedanken kommen und dass sie vor 
diesem höchlig empfunden, als sie vernommen, dass dergleichen Ca- 
lumnien von einigen übel Intentionirten spargiret worden. 



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224 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Der Kaiser an Goess. Dat. Amstetten 13. September 1665. 

(Copie.) 

[Vorläufige Entscheidung in der Wildfangstreitfrage. Pläne des Schwedenkönigs.] 
13. Sept. Meldet, wie durch des kaiserlichen Deputirten Leopold Wilhelm Graf von 
KönigseggO ond des Curt Asche v. Mahrenholtz ') Bemühung der Wildfangstreit 
zwischen Pfalz und den rheinischen Fürsten dahin geordnet worden sei, dass 
beschlossen wurde, die Verhandlungen zur gütlichen Beilegung der Angelegenheit 
in Speier am 8. September zu beginnen^). Goess wird überdies aufgefordert 
vom Kurfürsten etwas über die Intentionen des Schwedenkönigs und den Grund 
von dessen Rüstungen zu erfahren^). 



Goess an den Kaiser. Dat. Carlsbad 17. Sept. 1666. (Aut) 

[Unterredung mit Schwerin über die Erneuerung der Allianz von 1658. Geringe 
Neigung des Kurfürsten dazu. Aeusserungen Schwerins über die Macht der Jesuiten 

in Wien.] 

17. Sept. Goess versuchte vor seiner Abreise aus Berlin, bei einer Unterredung mit 
Schwerin, als von den vom Osten her drohenden Gefahren gesprochen wurde, 
die Nützlichkeit der Erneuerung des osterreichisch-brandenburgischen Bündnisses 
zn betonen, bemerkte aber, dass die Stimmung dazu wenig günstig war, vornehmlich, 
wie er glaubt, wegen der Münsterer Angelegenheit. Ich habe ihm represen- 
tirt, dass wan er nur unser interesse considerirn weite, so würde er 
dassselbe also gethan befinden, dass dassselbe gar nit leudte, dass E. K. 
M. bey gegenwertigen coniuncturn sich in einen weitausssehenden Krieg 
einlassen, oder einflechten solle. Er hat geantwort, er hätte freylich 
dieses considerirt und dem Churf. ess auch also vorgestelt. Ess mel- 
deten aber andere herentgegen, man wüste, wie vil die P. Jesuiter bey 
deroselben vermögten, die unterliess nit dieselbe zu animim und zu 
stimulirn, würffen deroselben auch vor, dass alles dass unglückh, so 
E. K. M. widerfahre, darumb geschähe, weiln sie sich ihren sinn nach 
nit eyfferig genug in causa Religionis erzeigeten. So ich zwar an mein^ 
orth gnugsam widerlegt, doch auch darbey verspüren müssen, dass die 
Suspicio, darvon ich E. E. M. vor diesen geschriben, alls wehre da 

Vergl. das Schreiben Leopolds an den Kurfürsten d. d. 23. Juni 1665. Urk. 
u. Act. XL 601. 

') Ueber dessen Haltung Urk. u. Act. XL 601- ff.; die vielen Streitschriften im 
Abdrucke im Diarium Europ. ^11. Appendix. 

«) Vergl. Urk. u. Act. XL 606f. 

*) Sie waren gegen Bremen gerichtet; vergl. Urk. u. Act. IX. 804 f.; M^m. de 
Pomp. U.83ff. 



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Erneuerung der Allianz von 1658.. Münster-staatiscber Conflict. Jägerndorf. 225 

etwass grosses vor wider die protestirende und dass man unserseits ver- 
meint, dass nun die coninnctum darzu sehr guett und tieffe wurtzl muss 
geworffen haben. 

üeber Prag, von wo er dem Kaiser unter dem 7. October berichtet, dass 
er von dem brand. Rath Reinhardt vernommen, dass Tattenbach nach Berlin ge- 
schrieben und gebeten habe, von dem Ankaufe Regenstein's absehen zu wollen, 
und dass Reinhardt zugleich den Ankauf einiger Besitzungen in der Grafschaft 
Mannsfeld vorgeschlagen, reist Goess nach Leipzig, von wo er das folgende 
Schreiben an den Kaiser sendet. 



Goess an den Kaiser. Dat. Leipzig 24. October 1665. (Aut.) 

[Erklärungen Reiffenbergs über die Erfurter und Wildfangstreitfrage. Seine Meinung 
über die vom Kaiser in dem Münster-staatischen Conflicte zu beobachtende Haltung.] 

Reiffenberg theilt bezüglich der Erfurter Angelegenheit mit, dass man 24. Oct 
Mainzischerseits mehr daran denke, zu tractiren, als zu schliessen. Von den 
Handien am Rhein meldt der v. Reiffenberg, dass sie werden müssen 
mit dem degen aussgeführt werden ; Churpfalz werde sonsten sich nie zur 
billigkheit bequemen. Er vermeint, E. E. M. solten sich vor Münster 
declariren, dass Reich, so von den Holländern underschidtlich ledirt und 
despectirt, auf sich ziehen und wider die Staaden General loss gehen. Alls 
ich ihme die weitleufftigkheit und motus die darauss entstehen möchten 
vorgehalten, hatt er dieselbe vil weniger alls ich gezeigt zu apprehen- 
diren, auch vil bessere opinion von den franzosen alls ich zu haben. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Innsbruck 21. October 1665. 

(Conc.) 

[Ausgleichung der Jägerndorfer Streitfrage. Erneuerung der Allianz Ton 1658. Qe- 
fäbrliches Benehmen Frankreichs. Vorgäoge in Polen. Kleihe's Vorträge in Berlin.] 

Der Kaiser bedauert, dass Tattenbach vom Verkaufe seiner Besitzung 21. Oct 
Regenstein nichts wissen will; er ist bereit auch bezüglich solcher in Mannsfeld 
in Unterhandlungen zu treten, Goess möge sich darüber näher informiren. Zu- 
gleich erhält Goess Auftrag immer wieder die Erneuerung der Allianz von 
1658 vorzuschlagen, dem Kurfürsten des breiteren auseinanderzusetzen, wie 
wenig der Kaiser oder Spanien zu einem Kampfe gegen die Protestirenden ge- 
neigt seien und wie geföhrlich dagegen das Benehmen des Königs von Frank- 
reich sei. Schliesslich böten auch die aus Polen einlangenden Nachrichten 
hinreichenden Grund sich zu einigen, um allen drohenden Gefahren vorzu- 
bengen. 

Mater, i. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 15 



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226 IV. Erste Mission des Frei berm Johann Ton Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Unter dem 3. Nov. d. d. Salzburg theilt dann der Kaiser dem Goess mit, dass 
der Kurfürst ibm durch ein Schreiben vom 7. Oct. st. v. über des schwedischen 
Gesandten Kleihe') in Berlin gehaltenen Vortrag Mittheilung gemacht'), nicht 
aber angezeigt habe, was seine — des Kurfürsten — Ansicht in dieser Angelegen- 
heit sei. Goess möge den Kurfürsten nun bitten, seine Meinung darüber kund 
zu thun. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Strasswalchen im Stifte Salzburg 
5. November 1665. (Oonc.) 

[Der Kaiser hat die Mediation im Gonflicte Münsters mit den Staaten angenommen. 
Bitte um gleiches Vorgehen Brandenburgs. Eventuelle Reise des Goess zum Bischöfe 

von Münster.] 

2. Nov. Goess soll dem Kurfürsten Mittheilung machen , dass Georg Christian von 
Hessen im Namen des Bischofes zu Münster den Kaiser um Unterstützung an- 
gegangen, und dieser, um die Sache gütlich beizulegen, seine Mediation ver- 
sprochen und Friquet den Auftrag ertheilt habe im Haag davon Mittheilung zu 
machen und für die Beförderung der Angelegenheit zu wirken'). Der Kaiser 
hofft nun Brandenburg werde gleichfalls hei den Staaten für die gütliche Bei- 
legung wirken und durch seinen Vertreter im Haag*) den kaiserlichen Gesandten 
Friquet unterstützen und andere Fürsten, insbesondere die Brannschweiger, zu 
ähnlichem Vorgehen bewegen; dagegen habe sich Goess, wenn der Kurfürst es 
wünsche, zum Bischöfe von Münster zu begeben ^und dieselhe nicht allein zu 
Annehmung meiner Mediation, sondern benebens auch nachdrücklich anzu- 
mahnen, damit dieselbe nicht ins stecken gerathe, dass sie sich aller Thätlich- 
keit enthalten wolle''. 



Der Kaiser an Goess, Dat. Enns 9. Nov. 1665. (Conc.) 

[Der Goess Mission beim Bischöfe Ton Münster.] 
9. Nov. Da aus des Gesandten Schreiben zu ersehen , dass auch der Kurfürst von 

Brandenburg sehr gerne eine gütliche Beilegung des Conflictes zwischen Münster 

Dietrich Schweder Kleihe. 

^ Kleihe suchte in Berlin die bevorstehende Ankunft der schwedischen Truppen 
auf dem Reichsboden dahin zu rechtfertigen, dass dieselben nichts gegen Gestenreich oder 
Brandenburg vorhätten, sondern nur zur Sicherung der schwedischen Festungen und 
Länder bestimmt seien. Yergl. Urk. u. Act. XI. 620; IX. 806 ff. 

^ Friquet übergab die Proposition am 25. Nov.; die Staaten erwiderten am 
27. mit dem Begehren, der Bischof solle vorerst alle occupirten Plätze räumen, 
dann werde man verhandehi; doch einigten sie sich in Conferenzen mit Friquet da- 
hin, 5 Forderungen an Christoph von Galen als Grundlage der Friedensverhandlungen 
zu stellen. Aitzema 1. c. V. 662. M^m. d'Estrades III. 561 ff. Urk. u. Act III. 169. 

*) Matthias Romswinckel; Johann Copes ist Resident des Kurfürsten zu gleicher 
Zeit. Vergl. für diese Verhandlungen im Haag Urk. u. Act. III. 156 ff.; XI. 655 ff. 



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Mediation des Kaisers ia dem staatisch-mansterischen Conflicte. 227 

und den Staaten sehen würde, soll Goess sich zam Bischöfe begeben und ihn 
bewegen die Waffen, wenn die Gegner ein gleiches thun, niederzulegen; der 
Winter sei vor der Thür, dem Bischöfe würde beschwerlich fallen die Last der 
Winterquartiere im eigenen Lande allein zu tragen und sie den benachbarten 
Fürsten aufzuladen nicht gut durchführbar. Goess möge dem Bischöfe ferner 
vorhalten, in welche Lage er gerathen werde, wenn Frankreich und die Staaten, 
wie nicht anders zu erwarten, die Sache ernstlich in die Hand nehmen sollten ; 
ganz abgesehen davon, dass der Kaiser, wenn ihm von Münster die Mediation über- 
tragen werde, ganz anders für dasselbe eintreten könne, als sonst. Nach vollen- 
deter Mission am Hofe des Bischofes zu Münster soll Goess sich wieder zum 
Kurfürsten von Brandenburg begeben. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 18. November 1665. (Or.) 

[Besprechungen mit den Braunschweiger Fürsten. Nachricht Yon einem Siege der 
MÜDsterer Truppen über die der Staaten. Haltung Brandenburgs in dieser Frage. 
Verhandlungen Taaffe's mit dem Kurfürsten. Rüstungen des Letzteren. P. S. Mit- 
theiluugen des Moritz von Nassau über Verhältnisse in der Armee des Münsterers. 
Unterredmig des Goess mit dem Kurfürsten über die zur Wahrung des Reichsfriedens 

nothwendigen Massregeln.] 

Auf der Reise nimmt er die Gelegenheit wahr, die braunschweigischen 18. No?. 
Fürsten zur Ruhe zu ermahnen. Nachrichten sind eingelangt, nach denen des 
Bischofs von Münster Truppen die Soldaten der Staaten zurückgeworfen haben *). 

Der Kurfürst von Brandenburg beharrt noch immer dabei, dass er gerne 
ein Accommodement vermitteln möchtoi Der Herr Bischof von Münster hat 
den zu ihm geschickten von SchÖDeckh') mit dieser Resolution zurück- 
geschickt, dass er des Churfürsten Interposition gern leiden werd, doch 
sich darbei erklärt, sich in den Tractaten von Engelland nit zu separirn, 
welches das Werk schwer scheint zu machen'). Ich habe diese Zeit 
hero auf der Reis meine Discurs dahin gericht, dass I. Ch. D. nihil 
gloriosius nee utilius vornehmen könnten, als wann sie die partes eines 
mediatoris hierin vertreten thäten und dass ich festiglich glaubete, dass 
E. K. M. ihres Orts hierzu treulig cooperirn würden. 

Graf Taaffe*) hat Auftrag von seinem Herrn dem Kurfürsten eine Allianz 
anzutragen und wenn diese nicht zu erreichen, wenigstens dessen Neutralität 



J) Vergl. Droysen 1. c. III. 3 116 f. 

^ Gemeint ist Hans Adam von Schöning; vergl. für dessen Mission Urk. und 
Act XI. 652 ff. 

») Vergl. Urk. u. Act. XI. 659. 

*) Ueber die Mission dieses Grafen Taaffe von Garlingford, sowie die des Sir 
Walter Vane in dieser Zeit; vergl. Urk. u. Act. XI. 654ff., 675ff.; Köcher 1. c. I. 444; 
Pul 1. c. X. 15. 

15* 



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228 ^^- ^rste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

zu erwirken; mit Erklärung, dass des Churfürsten Mediation dem König 
in Engelland würde lieb und angenehm sein. Der Churfürst hat sich 
gegen ihm erklärt, dass er dem König noch seinen Confoederirten nicht 
begehrte zuwider zu thuen, im Uebrigen sich gern bearbeiten werde ein 
gutes Accommodament der schwebenden Differenzien zu vermittelen. . . . 
Man vermut dahier, dass die Engelländer ebensowohl als die Holländer 
des Friedens hoch von nöten haben und denselben verlangen. . . . Dieser 
Churfürst fahrt auch fort mit seinen Werbungen und gedenkt gar nicht 
sich inermem finden zu lassen bei diesen so grossen motibus, so sich 
aller Orten herfur thuen. 

P. S. Aut Fürst Moriz von Nassau schreibt an den Churfürsten, 
dass er vernehme, dass Hertzog Wilhelm zu Braunschweig solle general 
über die gantze holländische Armada werden, welches er sicherlich ver- 
lange zu wissen, damit er seine mesures darnach nehmen khönne; so 
dahin scheint zu gehen, dass er in illum casum resignirn wolle. Er 
schreibt auch, dass dess bischoffs v. Münster völckher sehr an Hunger 
und pest leiden, dass auch Fendrich und Leutenants zu den Hollandern 
hinüberlau£fen *). Ich bin unterschidtliche mahl mit dem Churfürsten in 
discours gerathen^ wie der Sachen zu tliun sein möchte, damit fridt und 
ruhe im Rom. Reich erhalten und bey disen motibus dem Reich nichts 
entzogen werde. Darzu gehörete eine Zusamensetzung der guten Pa- 
trioten die ihr Vatterlandt denen frembden nit wollen sehen zum raub 
werden. Ich finde diesen Churfürsten wohl darzu inclinirt und möchte 
wohl und guet sein, dass mit nachdruckh darvon gehandelt würd. 



Goess an den Kaiser. Dat Cleve 24. November 1665. (Or.) 

[Lubomirski. Nachrichten über seine Erfolge und Haltung. Fruchtlose Versuche einer 
Erneuerung der 'Allianz von 1658. Furcht der Protestanten Tor katholischen Be- 
wegungen. Verschiebung der Reise nach Cleye. Unterredung mit dem Kurfürsten 
bezuglich seiner Stellung in der Münsterer Frage. Bemühungen des Goess ihn vom Ab- 
schlüsse mit den Staaten abzuhalten.] 

24. Nov. Den Befehl des Kaisers bezüglich Unterstützung Lubomirski^s durch den 
Kurfürsten hat er noch nicht ausgeführt, da im Laufe der Zeit von Polen die 
Nachricht von Kämpfen des Königs mit Lubomirski und von des letzteren vollstän- 
digen Sieg eingetroffen. — Von Niemeritz sind auch Mittheilungen vorhanden, 
welche der Meinung Ausdruck geben, | : Lubomirski habe sich seiner Fortan 
und der Occasionen nicht gnugsam zu gebrauchen gewusst und habe ihm 

») Vergl. Köcher 1. c. L 450ff. 



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Munsterer Frage Erneuerung der Allianz von 1658. 229 

an guter ResolatioD gefehlt :|. Die Erneuerung der Allianz von 1658 anzu- 
tragen unterlässt Goess nicht; bisher aber ohne Erfolg. Die Besorgnisse des 
Kurfürsten betreffs einer allgemeinen Einigung der Katholiken gegen die Pro- 
testanten lassen nach. Diese Angst hat die Generalstaaten vermocht die Jesuiten 
aus Emmerich zu vertreiben^); Goess hat sich derselben angenommen und auch 
des Kurfürsten Intervention zu Gunsten derselben erwirkt. 

Die Reise zum Bischöfe von Münster glaubt Goess noch etwas verschieben 
zu müssen, da man sich sehr bemühe, den Kurfürsten zu einem Bündnisse mit 
den Staaten gegen Münster zu gewinnen '), was Goess durch verschiedene Unter- 
handlungen zu hintertreiben sucht. Auch hat der Kurfürst anfangs auf die Er- 
klärung des Goess, der Kaiser wolle die Mediation in die Hand nehmen und 
bitte den Kurfürsten seinem Vertreter im Haag zur Unterstützung Friquets die 
nothigen Weisungen zukommen zu lassen, seine Bereitwilligkeit dazu erklärt, 
später aber diese Resolution nicht zur Ausführung gebracht mit dem Vor- 
wand, dass I. Cb. D. besorgeten, es möchte E'. E. M. Mediation nit an- 
genommen werden, welches dann sehr disreputirlich sein würde; darwider 
ich replicirt, dass res nit mehr integra, ich hätte E'. K. M. des Chur- 
fürsten willfahrige Erklärung allbereit überschrieben, so wäre man auch 
nit mehr in questione an, dann E. E. M. hätten dero Interposition schon 
wirklich angetragen; 3^ hätte ich gewissen Nachricht, dass die Staaten 
General geneigt sein, unter E'. E. M. Mediation zu tractiren; 4°. was 
E. E. M. daran verlieren würden, wann dero friedliebende Intention der 
ganzen Welt kund gemacht und dieselbe nit angenommen würde.?, und 
was dergleichen rationes mehr sein^ in specie, dass Frankreich durch die 
Parteilichkeit nunmehr der Mediation unfähig ist. Diese Difficultet, 
meines Erachtens, ist von denen gemacht worden, die vorgesehen haben, 
dass bei angenommener Mediation der Churfürst ebensowohl als E. E. M. 
dieselbe vorschützen möchte, warum er sich zu keiner Partei declariren 
könnte. Die Sach steht noch in diesen terminis, mich hat doch gestern 
gedünkt, dass mein angewendter Fleiss etwas profitirt, und habe ich 
den Fürsten von Anhalt und den Baron von Schwerin wohl disponirt ge- 
funden, dahin zu cooperiren, damit E^ E. M. gnädigste Tntention secun- 
dirt werde, massen sie sich sonsten in allem also bezeigen, dass sie sich 
gewiss E'. E. M. kais. Gnaden wohl würdig machen. 

Ich vermerke, dass die Widerwärtige sich unter andern dieses 
Arguments gebrauchen, dass der Churfürst noth wendig armiren müsse, 
wie er dann wirklich in Werbungen begriffen, dass aber die darzu erfor- 
derte Geldmitteln aufzubringen schwer falle, warum dann der Churfürst 



>) Vergl. Droysen I. c. IIL, 121. 

=0 Ueber diese Verhandlungen vergl. ürk. u. Act. XI. 625 ff., III. 151 ff. 



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230 IV. Erste Mission des Freiherra Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

diejenige, die ihm angetragen werden, nit annehmen und sich alienis 
expensis in guter Postur setzen solle? Dieses and dass ich vernommen, 
dass man die Verzögerang wegen der Satisfaction für Jägerndorf anziehe 
des Chorfürsten Gemiith zu exasperiren, hat mich bewegt, dass ich aufs 
neue kräftig versprochen, nit allein daran zu sein, dass die jägerndorfische 
Satisfaction, an derer Verzögerung sie selbsten wissen dass wir keine 
Schuld haben, ehisten wirklich erfolge, sondern dass ich auch Fleiss 
anwenden werde, damit an den 100000 Thaler jährlich, welche der 
König aus Hispanien versprochen, etwas abgeführt werde, und würde 
gewiss beiderseits sogar wohl und recht daran geschehen, dass, wann 
man auch nichts schuldig, weder ichtwas versprochen, dannoch ein gut 
Stück Geld nit ansehen solle, damit bei gegenwärtigen hoch importiren- 
den Coniuncturen, ubi de retinenda pace in imperio aut diutumo et 
difficillimo hello agitur, was erspriesslich befürdert und was schädlich 
abgewent werde. Dann es ist da nit allein darum zu thun, | : dass man 
den Churfürsten abhalte, dass er sich mit Annehmung der Holländer 
Partei in diesem Krieg nicht einmische; sondern bei mir ist klar und 
lasst sich auch aus des französischen Abgesandten Strade^ Thun und 
Schreiben an diesem Churfürsten vermerken, ist auch ohne das verisimile, 
dass sie diese des Churfürsten Allianz mit den Staaten :{ soviel emsiger 
verlangen und urgiren, damit sie denselben tanquam per gradus con- 
sequenter an sich ziehen können, zu geschweigen, dass Schweden'), das 
Haus Braunschweig') und die ganze nieder- und obersächsische Kreis, 
grosse Reflexion auf den Churfürsten zu Brandenburg machen und in 
vielen ihre resolutiones nach die seinigen richten werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 27. November 1665. (Or.) 

[Nachrichten über die Wildfangstreitigkeit. Kleihe's Vorschlag die Ueberfährang 

schwedischer Truppen auf den Reichsboden betreffend. Haltung Friedrich Wilhelms in 

dem Conflicte der Staaten mit Münster. Des Goess Urtheil und Rath in dieser Sache. 

Goess reist nach Utrecht. Zusammenkunft mit dem Bischöfe von Münster.] 

27. Nov. Mainz und Consorten einer- und Pfalz andererseits sollen hier eingelangten 
Nachrichten zu Folge sich verglichen haben, 6 Monate nichts gegen einander 
vorzunehmen und die Verhandlungen ungesäumt zu beginnen. 



*) D'Estradcs. Ueber sein Verhalten in dieser Zeit Memoires d^Estrades III. 
565ff.; Urk. u. Act. II. 315ff., XI. 682ff.; Droysen 1. c. III.3 119ff. 

^ Ueber Schwedens Haltung in dieser Zeit Pomponne 1. c. IL 65 ff. 
«) Vergl. Köcher 1. c. 449f. 



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Allianz Brandenburgs mit den Staaten. Staatisch-mänsteriscber Confiict. 231 

Bezüglich des von Eleihe dem EuTfarsten betreffs der Ueberführong 
schwedischer Truppen auf den Reichsboden gemachten Vorschlages hat der 
Kurfürst den Goess an Schwerin gewiesen, der aber nur gesagt, dass die kur- 
fürstlichen Minister in terminis generalibus verblieben seien. 

Der Churfürst hat nach dem Haag geschriebeD, dass die seinige 
dero Mediation den Staaten Generaln antragen und des Friquet Negocia- 
tioD secundiren sollen '). {:Bei allem dem besorge ich gleichwohl, wann 
gedachte Staaten die conditiones darnach machen thäten, er die Trac- 
taten mit denselben nit ausschlagen würde. Und kommt mir fast für, 
dass er trachte sie in die Sorg und Forcht zu setzen, dass er nit eine 
contraire Partei annehme, obwohl sie ihn mit den inhabenden Festungen 
in denen clevischen Landen so subject halten, dass er gross Bedenken 
muss haben, sich wider sie einzulassen.:! In alle Weg finde ich sehr 
Dothwendig zu sein, dass E. E. M. auf alle Weise |: suchen, ihn an sich 
zu halten, damit er sich nicht parteiisch mache, sondern bei deroselben 
fest halte :| und dero friedsame intentiones secundiren helfe. Goess reist 
nach Utrecht um sich mit Friquet zu unterreden, hat auch den Bischof von 
Münster um Angabe des Ortes und der Zeit der Zusammenkunft gebeten. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 4. December 1665. (Or.) 

[Des Goess Urtheil über der Staaten Vorgeben. Da Moulin's Mission. Klagen der 
Bevölkerung über die PlünderuDgen der Franzosen. Brandenburg-staatische Verhand- 
lungen. Verabredungen mit Friquet. Rücksichtnahme der Braunscbweiger auf den 

Brandenburger.] 

Goess ist aus Utrecht, wo er mit Friquet gesprochen hat, zurückgekehrt. 4. Dec. 
Friqnet wird über die dortigen Zustände berichtet haben. Dass der Pensio- 
narius de Witt widerraten E'. K. M. Mediation denen Staaten Generalen 
zu offeriren, ist die Ursach die er allegirt, dass man dieselbe tanquam 
Caesaris in causa principis imperii et quidem ecclesiastici für suspect 
halten möchte, nur ein Praetext^ dann in effectu haben sie kein Bedenken 
sich der ofßciorum dero mediationis zu bedienen, sondern ich halte, 
dass sie besorgen, sie möchten Frankreich hierdurch disgustiren und 
insuspettiren. E'. E. M. bleibt nun anheim gestellt zu disjudiciren 
ob sie, wie es dem decoro caesareae dignitatis gemäss, die formale 
Mediation acceptirter haben wollen, oder wohl das Werk wie es an- 
gefangen, eine Zeit, bis man sehe, wie sichs anlassen werd, fort- 
gehen lassen wollen. Ein artigs Begehren ists von diesen Leuten^ dass, 
da sie Bedenken zeigen E^ E. M. Mediation anzunehmen, dannoch die 

») Vergl. ürk. u. Act. XL 667f. 



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232 IV. Erste Mission des Ereiherrn Johann Ton Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Guarantie von deroselben fordern derfen; nit weniger scheint fremde dass 
nachdem sie tanta mole allenthalben Secours wider den Herrn Bischof 
suchen, ihn nit würdigen, mit ihme zu tractiren. Die Staaten wünschen im 
Uebrigen ernstlich den Frieden. Ein französischer Gesandte, du Moulin, ist an- 
gekommen *). Ich vernimm, dass seine Negociation dahin gehe diesen Chur- 
fursten zu der holländischen Partei wider Münster zu disponiren, |: besorge 
wohl, dass die persuasiones nit in blossen Worten bestehen, sondern 
stärkere arietes und machinae hierbei werden gebraucht werden :{. Es 
steht nun dahin, ob Frankreich mit England, oder England mit Frank- 
reich, sonderlich bei dem Affront und Schaden so zweien englischen 
Schiffen durch ein französisch neulich geschehen, brechen werden. So 
viel ist's, dass hierdurch die Tractaten auf der Staaten General Seiten 
schwerer gemacht würden, weiln sie in tali casu ohne Frankreich nit 
wohl tractiren könnten. Sie würden auch lieber sehen, dass der Bruch 
von englischer Seite geschehe, damit Frankreich ihnen nicht für einer 
Obligation imputire, dass selbiger König ihrentwegen mit England ge- 
brochen. Grosse Klag habe ich überall auf dem Weg gehört über der 
Franzosen ihrer Disordre; die arme Leut meldeten, die bischöfliche als 
Feind hättens nit ärger machen können; doch rühmete man, dass die 
Generales und Leut von Condition ein Misfallen hierüber gezeigt und 
mit aller Bescheidenheit procedirte. Ich bin durch die Quartier der 
französischen Infanterie durchgereist; es ist fast nirgends kein Baur zu 
Haus blieben, sondern seind alle entwichen, allein zu Dorwerth habe 
ich ein paar Weiber gesehen,- die aber die salva guardia in ihrem Ge- 
sicht und Jahren fährten. Die Völker lagen guten Theils unter den 

freien Himmel und klagten eben so stark als die Inwohner 

Ihre Handlung mit diesem Churfürsten betreffend, ist man so viel 
ich vermerke bei den Staaten General nit eins Sinns, viel und sonder- 
lich diejenige so dem Haus Oranien zugethan, verlangen, ob zwar meines 
Erachtens auf irrigen principio, dass dem Churfürsten die begehrte Satis- 
faction gegeben, derselbe hierdurch auf der Staaten Party gebracht und 
man ihme um deren Wohlstand Obligation habe, quod olim in favorem 
domus Auriacae et amicorum compensaturus sit; die andere der con- 
traire Party seind dieser Meinung nit; sondern dass sie nach nun er- 
haltenen französischen Secours und geschlossenen Tractaten mit denen 
lüneburgischen Fürsten des Churfürsten nit so hoch von Nöten haben, 



1) lieber die Sendung du Moulin's vergl. ürk. u. Act. II. 309 ff.; XI. 671 f.; Mem. 
d'Estrades III. 589 ff., IV. 17 f. 



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Du Moulin's Mission. Brandenburg-staatiscbe VerhandluDgen. 233 

dass'sie sich grosse Ungelegenheiten hierum zu machen; ja sie imputireu 
der andern Party, dass sie den Frieden fast suchen zu remoriren*), 
damit obgedachte ihre Intention vorhero möge erhalten werden. Es 
könnte auch sein, dass {:dem Churfürsten der französische Secours und 
die Tractaten mit denen Herzogen von Lüneburg ex hoc capite zuwider, 
weilen bei denen Staaten General die Necessität, welche sie etwa bewegt 
hätte, ihme die verlangte satisfactiones zu geben, würde geringer werden. 
Wie ich dann festiglich glaube, dass allemahlen, wann er dieselbe wird 
erhalten können, er diese Occasion ein oder andern posto von der Hol- 
länder Guarnison zu evacuiren und in seine Macht zu bringen, sich auch 
auf andere ihre Unkosten in armis zu setzen, nit verabsäumen werde. 
Mit dem Friquet habe ich abgeredt und E'. K. M. Dienst zu sein be- 
funden, dass er wie vorhin also noch femer P. Ch. D. Interesse und 
Angelegenheiten nach Vermögen befürdem helfe und mit dero Ministren 
in guten Vertrauen und Verständnus leben, dextre uns dahin bearbeiten, 
dass der Churfürst viel mehr den Frieden befördern helfe, als durch Anneh- 
mung einer Partei den Krieg schwerer und weitleufiger mache. : { Ich höre, 
dass die Lunenburgische gross Absehen auf dem Churfürsten machen'), 
und in ihrem Werk fast haesitiren solang der Churfürst nit mit ein- 
stimme, dessen ihr Deputirter in dem Haag') sich Ziemlichermassen 
hätte vermerken lassen. Diesem Churfürst haben sie geantwort, negando 
was der Graf Taaffe referirt, als sollen sie gegen ihm gemelt haben, dass 
8. Ch. D. mit ihnen eins wäre betreffend ihre Tractaten mit den Staaten 
General*). Ich hielte meines Orts für gut, dass man von |: E^ K. M. und 
andern Churfürsten und Fürsten Seiten sich gegen alle also bezeige, dass 
man keineswegs zusehen will, dass dem Reich sub quocunque praetextu 
etwas entzogen werde und dass wann etwas dergleichen intentirt wollte 
werden, das Reich sich zusammenthuen und der Sachen Rat schaffen 
würde :|. Plettenberg hat dem Goess geschrieben, dass er von Sachsen zu den 
braunschweigischen Fürsten zu reisen denkt. Goess wird ihn instruiren. 



A = rencorireD. 

^ Ueber die brandenburg- braunschweigischen Beziehungen in dieser Zeit; 
Köcher I.e. 1.445 f. 

') Lor. Möller; vergl. Köcher 1. c. 447. 
*) Köcher 1. c. 444. 



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234 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 8. December 1665. (Or.) 

[Brandenburg- münsterische Differenzen. Zustand der Armeen des Bischofes von 
Münster und der Staaten. Du Moulin's Aufenthalt am Berliner Hofe.] 

8. Dec. Auf die Beschwerde des Kurfürsten von Brandenburg wegen Baues einer 

Schanze bei Hamm seitens des Bischofes von Münster hat dieser erwidern lassen, 
er wolle mit der Errichtung der Schanze innehalten, wenn er nur versichert 
werde, dass er vom Kurfürsten nichts feindliches zu erwarten habe'). Dem 
Goess hat der Bischof für den 10. ein Rendezvous in Coesfeld gegeben. Des 
Bischofes Infanterie soll in sehr schlechtem Zustande sich befinden, die Caval- 
lerie in gutem; im allgemeinen grosser Geldmangel herrschen. Auch bei der 
holländischen Armee soll es Confusion und schlechte Bestellung geben ^; „die 
Prinzen von Oranien gehen ihnen ab*. 

Der französische Enyoye de Moulin ist abgereist und kehrt per posta 
zurück nach Paris; ich habe nit änderst vernehmen können, als dass er 
neben YersicheruDg des Königs Freundschaft und AdhortiruDg dessen 
consiliis in dem munsterischen Werk, sich erkundigen wollen, in was 
Stand alles bei diesem. Hof stunde und was man für intentiones dahie 
führe. Hoch hat er asseverirt, dass sein König nie eine so öffentliche 
Tniustiz werde begehen, dass er dem König in Hispanien, als einen Pu- 
pillen, der ihme so nahe verwandt, mit Krieg in den niederländischen 
Provincien anfallen wolle; wann aber der König käme zu sterben, würde 
freilich der König sein Herr sein habendes Recht nicht versäumen. . . . 



Goess an den Kaiser. Dat. Ludgersburg bei Coesfeld 17. De- 
cember 1665. (Or.) 

[Conferenz mit dem Bischöfe von Münster. Brief des Kurfürsten. Des Bischofes Er- 
klärungen. Seine Neigung für den Kaiser. Festbalten an der Verbindung mit Eng- 
land. Schwedisch-englische Alltanz. Haltung Schwedens. Das Heer des Bischofes. 

Dessen Gesinnungen.] 

17. Dec. Am 10. kommt Goess nach Coesfeld, stellt dem Bischöfe die grosse Gefahr, 

die ihm drohe, vor und räth zum Frieden; der Bischof erwidert nur mit Klagen 
gegen die Staaten und erklärt dann, weiter mit Goess verhandeln zu wollen. 

Am 12. erhält Goess ein Schreiben vom Kurfürsten von Brandenburg, dass 
er vom Haag aus unterrichtet werde, dass die Staaten nach langen Verhand- 
lungen, bei denen sie zuerst die Absetzung des Bischofes gefordert, sich endlich 
bereit erklärt hätten, den Frieden mit dem Bischöfe unter folgenden Bedingungen 
zu schliessen. 1. Der Bischof gibt alle occupirten Orte zurück. 2. Er dankt 



Vergl. ürk. u. Act. XL 619 ff. 
') Vergl. Köcher 1. c. I. 450. 



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Brandenburg-munsteriscbe Conflicte. Gesinnung des Bischofes von Münster. 235 

alle Völker, aasgenommen jene, welche er als Gaarnison benöthigt, ab. 3. Er 
entsagt allen Praetensionen an die Staaten; verzichtet 4. auf die Allianz mit 
England *), enthält sich 5. jeder ferneren OflFension und anerkennt 6. den Kaiser 
und den Brandenburger als Garanten des Friedens. Der Kurfürst erkennt die 
Härte dieser Bedingungen an, räth aber zur Annahme und verspricht seine 
Mediation zur Herabsetzung der staatischen Forderungen '^). Der Bischof erklärt 
sich daranf bereit Friedensverhandlungen durch Vermittelung des Kaisers zu 
beginnen, hält aber zugleich die Bedingungen für zu hart und fordert insbe- 
sondere die Erlaubnis Borkelo für sich behalten zu dürfen^). 

Im weiteren Verlaufe der Unterhandlungen, an denen neben dem Bischöfe 
der Domdechant Brabeck*) und der geheime Rat Wiedenbrück '^) theilnehmen, 
ergibt sich, dass der Bischof hofft, wenn er den "Winter über aushalten kann, 
im nächsten Frühjahre der Sache eine andere Wendung geben zn können. 
Des Franzosenkonigs Hass resultire aus seiner — des Bischofs •— Inclination 
für das Haus Oesterreich ^). Er hoffe daher, dass der Kaiser, wie der Landgraf 
von Hessen-Homburg berichtet, | : wann die Generalstaaten sich zu keinem 
billichem Frieden bequemen würden, ihme alsdann nit allein mit den be- 
gehrten 6000 Mann, sondern auch mit einem mehrem assistiren werde. 

Der Bischof zeigt Begierde, wenn möglich, nicht ohne England den Krieg 
zu beenden und spricht seine Vermuthung dahin aus, England sowohl als Hol- 
land würden sich die Inter\'ention des Kaisers gerne gefallen lassen, welcher 
Ansicht auch Goess beipflichtet. Auch gibt der Bischof dem kaiserlichen Ge- 
sandten Nachricht von einer Allianz Schwedens mit England^ und dass der 
unlängst am Hofe des Bischofes anwesende schwedische Gesandte Christian 
Habbaeus Lichtenstern mitgetheilt habe, seinem Herrn stehe es nach diesem 
Vertrage frei sich wider die Holländer zii erklären oder nicht, mit fernerem 
Vermelden, dass das gute Verhältnis Schwedens zu Frankreich aufgehört und 
Schweden auf Frankreich keine Rücksicht mehr nehme, vielmehr geneigt sei 
in das beste Verhältnis zum Kaiser zu treten. Die Cavallerie des Bischofs be- 
trägt nicht über 5000 Pferde, das Fussvolk ist in schlechtem Znstande, | : also 
dass der Herr Bischof sein Facit und Fundament mehr aufs künftige 
und erwartenden Secours als auf seine gegenwärtige Macht zu machen. 



^) Gemeint ist die Allianz d. d. London 3./13. Juni 1665. Alpen. loa. ab. 
Decadis de vita etc. Christophori Bemardi 670ff. Tücking, Gesch. des Stiftes 
Münster unter Christoph Bernard von Galen 118 f. 

') Das Schreiben ist vom 9. Dec. 1665; Auszug in Urk. u. Act. XI. 674f. 

^ Die Antwort des Bischofes an Brandenburg auf das Anerbieten des Goess vom 
17. Dec. in Urk. u. Act. XI. 675 Anm. 2. 

*) Jodocus Edmund Brabeck; vergl. Alpen. I.e. 93 f. 

*) Bernhard Wiedenbrück. 

^ Üeber Frankreichs Haltung in dieser Frage; ürk. u. Act. II. 297 ff.; Lefevre. 
Pontalis 1. c. 1.367 ff. 

Allianz vom 1. März 1665; vergl. Carlson 1. c. IV. 479 f. 



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236 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Es sei nun sein statas wie er wolle, so muss er gleichwohl guten Math 
und Resolution haben, wie er's dann auch thut und ist also disponirt, 
dass wann es auch mit ihm ad extrema kommen sollte, er sich nit leicht 
ad iniquas conditiones gedenket bringen zu lassen. Würde auch alle 
seine Ungelegenheit und Ruin endlich verschmerzen, wann er's nur da- 
hin bringen könnte, dass E. E. M. und die andere Potentaten sich dieser 
Occasion und Coniuncturen bedieneten der Franzosen disegni und machi- 
nationes wider das römische Reich und dero Haus zu brechen und das 
Reich in pristinam libertatem zu vindiciren :|. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 26. December 1665. (Or.) 

[Verbandlungen der Vertreter der Staaten mit dem Kurfürsten. Zweck der Verhand- 
lungen Henry Walter Vane*s. Dessen Klage. Blaspeils Sendung nach dem Haag. 
Schwierigkeit für Goess den Kurfürsten vom Abschlüsse der Allianz mit den Staaten 
abzuhalten. Verhandlungen mit Schwerin und Blaspeil bezöglich der Massregeln 

gegen Münster.] 

26. Dec. In meiner Abwesenheit seind dahie 3 Deputirte von den Herrn 

Staaten General gewest, zwar principaliter den Churfürsten über seine 
Ankunft anhero zu complimentirn ; doch ist darbei auch vom gegen- 
wertigen statu und sonderlich wegen der obhabenden Tractaten zwischen 
diesem Churfürsten und den Staaten General gehandelt worden, wie ich 
vernimm mit ziemlicher Gelosia, indem der de Witt des Pensionarii in 
Holland Vetter'), denen beiden andern'), so gut oranisch, fleissig in- 
vigilirt. 

Es ist derweil auch ein ander Envoye aus England ankommen mit 
Namen Henrich Vaen'), den ich in Dänemark gekennt. Seine Negocia- 
tion geht dahin, dass er diesen Churfürsten zu seines Königs Party 
bringe, oder doch von der holländischen abhalte. Er klagt mir, dass 
man bis dato churfärstlicher Seiten in terminis generalibus verbliebe 
und besorgt^ dass es mit den Tractaten mit Holland nit etwo all zu weit 
kommen. Ich habe ihm meine Meinung gesagt, wie ad specialia zu ge- 
langen, nemlich dass er sich in specie erkläre, was sein König hierbei 
thun wolle; dann ich habe vermerkt, dass es bei diesem Hof auf Sub- 



») Johann de Witt. 

*) Ripperda tot Buirse und Tan Haren, lieber ihren Aufenthalt in Cleve; 
Aitzema V. 517, 670f. Puf. 1. c. X. 12; Urk. u. Act. XI. 680f 

s) H. Walter Vane; über dessen Sendung Urk. u. Act. XI. 675 ff., II. 321 u. a. 0.; 
Memoires d'Estrades III. 608, 620; IV. U u. a. 0. 



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Verhandlungen des Eurfarsten mit den Vertretern Englands und der Staaten. 237 

sidigelder angesehen. Meine Intention ist auf dem gericht, dass ich den 
Churfürsten ausser Pertei halte; feindlich wider HoUand wird er sich 
diesmahlen schwerlich erklären. Der Vaen haltet darfur, dass E. E. M. 
Mediation mit England angenehm sein wurde und sagt, dass man bei 
ihnen zum Frieden inclinire. 

Es ist wehrender meiner Abwesenheit der Blaspeil auch im Haag 
gewesen'). Dieser Churfnrst ist gewichen von seiner Praetention der 
Restitution Festung Orsoy aus lauter Generositet, wie da vorgegeben 
wird; ich muthmasse aber aus Einrathen derjenigen, so der oranischen 
Parthei zugethan und weiln man vermerket, dass man in Holland fest 
darauf verharre ihme diese Festung solchergestalt nit einzuräumen'). 
Quidquid sit, diese Resolution solle in dem Haag sehr applaudirt sein 
worden und macht mir mein Werk den Churfürsten ausser Partei zu 
halten viel schwerer; dann es seind Offerten da von considerablen summa 
Gelds zu Unterhaltung der churf. Völker. Ich unterlasse doch nit mich 
zu bearbeiten und alle dienliche rationes einzuwenden, damit I. Ch. D. 
E'. E. M. gnädigste Intention den Frieden zu vermitteln vielmehr secun- 
dire; aber ich fechte mit ungeleichen Waffen. Der Churfürst, als ich 
iudicire, lasst seine Mediation nit formaliter antragen, damit er um so 
viel mehr frei bleibe in seinen consiliis in Annehmung einer oder an- 
dern Partei, ut res feret. 

Den 22. kommen Schwerin und Blaspeil zu Goess, besprechen die Lage und 
fordern, E. E. M. sollten schärfer, nit allein mit mandatis poenalibus, 
sondern auch wohl mit Suspension der Regalien wider den Herrn Bischof 
verfahren und denselben dardurch zum Frieden nöthen; ... als ich nun 
vorgeschlagen, ob nit rathsam sein möchte, dass man den Domdechant 
Brabeck mit guter Manier herbrächte, damit breviori et eficatiori via zur 
Sachen geschritten würde, habe ich damahln und nacher vermerkt, dass, 
obzwar sie es ad referendum angenommen, doch nit darauf applicirt; so 
mich in meiner Meinung stärkt, dass man dahie in den consiliis noch 
fluctuire. 

Die Truppen der Staaten haben die Winterquartiere bezogen. 

1) Werner Wilhelm Blaspeil; über diese Sendung Urk. u. Act. III. 156 ff., XI. 
680f.; über Blaspeils Person III. 143. 

^ Für diese Verhältnisse Urk. u. Act. III. 159 f., XL 678. 



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238 I^- ^^te Mission des Freiheim Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Oleve 30. December 1665. (Or.) 

[Staatisch-brandenborgische Verbandlungen. Urtbeil des Goess über dieselben. Du 
Moulin. Anerbietungen des englischen Gesandten.] 

30. Dec. Der Blaspeil, welcher fast stets bei deu Handlangen dieses Chur- 

forsten mit den Staaten General gebraucht wird, ist vor 2 Tagen bei mir 
gewest und hat mir referirt, dass obwohl der Churfürst, sein Herr, dies- 
mahlen gewichen von der praetendirten Restitution der Festung Orsoy, 
dieienige so dem Churförsten nit wohl zugethan, dannoch Bedenken 
haben bei der angehängten Condition, die wäre, dass nach geendigten 
diesem Krieg mit Münster von Restitution der churffirstlichen Festungen 
solle gehandelt werden. Es ist auch wohl zu glauben, dass wie die 
Staaten General diese Restitution nie zu thun gedenken, also ihnen alle 
darzu angesetzte termini werden unangenehm sein. Sie wollen diese 
Festungen behalten, dardurch sie nit allein ihre Lande bedecken, son- 
dern auch dem Churfürsten in steter Subjection und Dependenz halten. 
Ihme, als einem Herrn von grossen und genereusen Gemüt fallt dieses 
überaus schwer und fast unleidentlich, ist auch nit zu zweifeln, wann er 
die Mittel und die Gelegenheit darzu sähe, er würde trachten dieses 
Joch vom Hals zu schütten ; in gegenwertigen Zustand aber, muss er die 
täglich empfangende disgusti verschmerzen. Ich judicire, dass je mehr 
der Churfürst sich in Postur setzet und seine Armee verstärkt, ie näher 
kommt er zum Schluss der Tractaten mit den Staaten General; |: es wäre 
dann, dass anderwerts Subsidigelder erschienen, dann diese findet man 
absolutemente nötig, von welchem Ort man sie auch nehme :|. Sonsten 
gedünkt mich, dass sie selbsten dahie wohl befinden, dass ihr Interesse 
und Bestes wäre, wann sie frei und ohne Annehmung einiger Party der 
Sachen noch etwas zusehen thäten. Wann man von Subsidien meldt, 
merke ich wohl, dass man auf £. E. M. tacite deute. Nach Brüssel 
und Madrid habe ich geschrieben und den hiesigen statum berioht, da- 
mit man sehe | : ob man etwas thun könne und mit Abführung etwa eines 
einigen termini der versprochenen jährlichen Subsidien den Churfürsten 
von Brandenburg von gefährlichen Resolutionen abhalte : {. 

Du Moalin ist wieder hier; bringt gewiss grosse Offerten mit. Er ist mit 
dem englischen Gesandten^) in Pölnitz Haus zusammen getroffen. |:Der englische 
Envoye thut Offerten, wann der Churfürst seines Königs Partei wider 
Holland nehmen wollte; diesmal sehe ich noch keine Disposition darzu; 



') Henry Vane. 



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Verbandlungen Brandenburgs mit England und den Staaten. 239 

wann er aber einige Subsidien offerirte den Churförsten bei der Neutra- 
lität za erhalten, möchte er's tentiren. : | 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 6. Januar 1666. (Copie.) 

[Verhandlungen des Kurfürsten mit Vane. ürtheil des Goess.] 

. . , Dem englischen Abgeordneten hat man auf seine gethane Proposi- 6. Jan. 
tion I : und Offerten von etlichen Millionen, wann der Chnrfürst für Engel- 
land wider die Generalstaaten agiren wollte : | *), verbescheidet, dass S^ Ch. 
D. Status nicht zuliesse, sich wider Holland hostiliter zu erklären '). Es ist 
ihme aber einigermassen insinuirt worden^ dass gegen Reichung einiger 
Subsidien man die Tractaten mit Holland ausschlagen und neutral blei- 
ben würde, welches dann nit für ein geringes Avantage des Königs aus 
Engelland zu halten'). Diese ist die Verbescheidung; |:ich vermerke aber, 
dass wann das Oeld sowohl vorhanden wäre, als die Offerten gethan 
worden, dass die Tentation gross sein würde. Die disgusti, so der Chur- 
furst täglich von äen Holländern empfängt, die wenige Estime, die sie 
zeigen von ihme zu machen, die immer zunehmende Verfolgungen der 
von Oranien*) und die Begierde sich mit Eroberung eines oder andern 
Posto in diesem Land in besserer Freiheit zu setzen : |, würden viel hier- 
bei thun. Ich habe diese Tag Anregung gethan, ob dem Churfürsten 
nit vorträglich sein würde, dass er sich bei diesen Coniuncturen mit dem 
Herzogen von Neuburg völlig vergliche^). Man zeigt sich darzu geneigt 
und solle der Blaspeil zu diesem Ende bald eine Reis nach Düsseldorf 
thun ^. Die im Glevischen einquartirten staatischen und französischen Trappen 
schaden dem Karfürsten sehr. 



Proposition Vane's vom 12. Decbr. in ürk. u. Act. XL 675 f.; Yom 17. Dec. 
678f. 

^ Resolution des Kurfürsten vom U. Dec. Urk. u. Act. XI. 677 f. 

^ Yergl. den Bericht Colbert's an Lionne vom 28. Jan. 1666; Urk. und Act. 
II. 329. 

*) Vergl. Lefevre-Pontalis 1. c. I. 387. 

*) Vergl. Droysen 1. c. III., 126. 

«) Vergl. ürk. u. Act. XL 732f. 



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240 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 9. Januar 1666. (Or.) 

[Staatisch- brandenburgische Beziehungen. Misbilligung von Jena's Erklärungen in 

Regensburg. Plan der Staaten jemanden nach Regens bürg zu senden. Unterredung 

des Goess mit Schwerin, ßlaspeil geht nach Düsseldorf.] 

9. Jan. . . . Ich vermerke fast immerzu den ChurfürsteD mehr animirter 

wider die Holländer. Die Protocolla von Regensburg, als ich vernimm, 
bringen so viel mit, dass man allda in Deliberation des münsterischen 
Werks auf das Interesse imperii etwas mehr als vorhin anfangte zu ge- 
denken. Was der churfürstliche Gesandte Jena ^) wider den Herrn Bischof 
zu Münster all zu eiferig votirt, ist dahie disapprobirt und ihme be* 
fohlen worden, sich dessen künftig zu enthalten. Ich vernimm, dass die 
Staaten General iemand dahin schicken; es werd dienlich und gut sein, 
wann die Stande des Reichs sich also gegen ihm erweisen werden, dass 
sie nit zu hoffen, dass das Interesse imperii dergestalt, wie sie aupponiren, 

negligirt und aus der Acht gesetzt werde 

Der Baron von Schwerin fragte mich vorgestern, ob ich\ darvor 
hielte, |:da8s auf des engeländischen Abgeordneten Offerten Fundi^ment 
zu machen; gab genug zu verstehen, dass wann die Gelder vorhanden 
wären, seine Kegociation dardurch einen starken Nachdruck bekomroBu 
würden; .... fragte mich, ob E. E. M. im Fall sich der Churfürdily 
wider Holland einliesse, denselben im Fall der Not mit Volk assistiren \ 
würden :|; zeigte bessere Hoffnung, dass das Reich endlichen das Werk 
besser apprehendiren und andere resolutiones fassen würde. Ich gäbe 
ihme zur Antwort, dass wie ihme bewusst E. K. M. dero kais. Sorgen / 
dahin anwendeten, dass durch einen guten Frieden der Sach geholfen 
würde; wann derselbe nit zu erhalten, würden zweifelsohne E. E. M. \ 
mit dem Churfürsten und anderen Chur- und Fürsten darauf bedacht % 
sein, damit alles besorgendes Unheil vom Reich und dessen treuen 
Ständen abgewendt würde. Er ist denselben Tag bei dem englischen Ab- 
geordneten gewesen; derselbe schickt heute einen eigenen Courier nach England. 
|: Diese Negociation, wann sie mit Nachdruck geschieht, kann die mit 
Frankreich etwas zurückhalten. Heren tgegen ist zu besorgen, dass je 
mehr der Churfürst in die Waffen kommt und sich in anderwertige 
Tractaten einlasst, ie weniger wird er geneigt zum Frieden selben zu 
befürdern helfen. :{ 

Blaspeil ist nach Düsseldorf; der Kurfürst soll sehr gute Bedingungen für 
den Neuburger gegeben haben'). 

^) Gottfried Jena. 

«) Vergl. ürk. und Act XI. 739 ff. 



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Brandenburg-englische Beziehungen. Erneuerung der Allianz von 1658. 241 

# 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 16. Januar 1666. (Conc.) 

Billigt des Goess Benehmen, insbesondere die Bemühnngen desselben, 16. Jan. 
Friedrich Wilhelm zur Wahrung der Neutralität zu vermögen, deren Werth der 
Kurfürst selbst leicht einsehen durfte. Carlingford ist hier angekommen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 16. Januar 1666. (Or.) 

[ßrandenburgischer Bescheid für den englischen Gesandten.] 
.... Dem englischen Abgesandten hat man eine in 3 Puncten be- 16. Jan. 
stehende Resolution gegeben ; 1^ ist ein Klag gewesen, wegen 2 charfürst- 
licher in England angehaltener Schiif, welches derChurfürst hoch empfindt; 
. . . 2^ |:hat man von ihme begehrt zu wissen, was er für Versicherung geben 
könnte wegen der gethanen Geldofferten; 3^ wie Engelland mit Schwe- 
den stünde und ob sie ihrer versichert wären. Daraus E. K. M. zu er- 
sehen, wie ich's auch noch seither aus des Baron von Schwerin Dis- 
cursen abnehmen können, dass man den engelländischen Propositionen 
ziemlich Gehör gebe und bleibe ich meiner Meinung, wann das Geld 
vorhanden wäre und von Schweden nichts widerwertiges zu besorgen, 
dass der Churfürst endlichen wohl die engelländische Partei annehmen 
möchte. . . . : 1 



Der Kaiser an Goess. Dat Wien 26. Januar 1666. (Conc.) 

[Wunsch, dass Brandenburg neutral bleibt und die AUiance von 1658 mit dem Kaiser 
erneuert. Unterstützung der brandenburgischen Forderungen an Spanien durch den 

Kaiser. Carlingford.] 

Berichte vom 6. und 9. Jan. erhalten. Hast recht und zu unserer gnä- 26. Jan. 
digsten Intention daran gehandlet, dass du dich fortan S. I/. von An- 
nehmung aller Parteilichkeit abzuhalten und zu Befürderung eines guten 
Friedens zwischen denen kriegenden Theilen anzutreiben dich bemühest; 
wie nicht weniger, dass du auf die an dich gestellte Frag, wann S. L. 
sich wider Holland einliesse, ob wir derselben im Fall der Not mit Volk 
assistiren möchten, dich in terminis generalibus, dass nemlich der Sach 
an guten Frieden bestens würde geholfen sein, gehalten. Zumahln S. L. 
auf deine so oft wiederholete Einwurf wegen Erneuerung und Extendirung 
der mit uns bereits habenden Bündnus sich im wenigsten nichts heraus 
lassen wollen; welches du derselben auf begebendem Fall gleichmässiger 
Occasion kräftig zu repraesentiren und so viel zu verstehen zu geben 

Mater, s. Gesch. d. 0. Kurfürsten. XIV. 16 



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242 rV. Erste Mission des Freihenn Johann Ton Goess. Jan. 1665~Mai 1668. 

hättest, dass\lsdann die beste Gelegenheit von denen mutuis assisten- 
tiis zu handien sein würde. Der Kaiser hat nochmals nach Spanien geschrie- 
ben wegen Bezahlung der versprochenen Pensionen an Brandenburg. Carling- 
ford hat im Namen des englischen Königs ein Defensivbündnis angetragen; der 
Kaiser hat sich im Principe einverstanden erklärt. Zu specielleren Berathungen 
ist es aber noch nicht gekommen, da über die Verhandlungen Englands in 
Spanien noch keine Nachricht eingelangt ist'). • 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 27. Januar 1666. (Or.) 

[Verhandlungen Beverningk's mit den Brandenburgern. Des Pöllnitz Verhandlungen 
im Haag. Notwendige RScksicbtnahrae des Kurfürsten von Brandenburg auf Schwe- 
den. Colbert. Gerüchte vom englisch-spanischen Frieden und spanisch-poitugiesischen 

Waffenstillstände.] v 

27. Jan. Goess wird der kaiserlichen Weisung vom 4. Jan. entsprechend darauf 

sehen, dass der Kaiser in die staatisch-munsterischen Verhandlungen nicht zu 
tief verwickelt werde. Bevemingk-) ist angekommen und hat mit den kur- 
fürstlichen Ministern berathen. Sein Negotium ist, wie ich vernimn) und 
verisimile ist, dass er die mit dem Churfürsten angefangene Tractaten 
völlig zum Schluss bringe. Ich glaube gänzlich, |:dass des engeliändi- 
schen Envoye Negotium dahie denen Uolländern Jalousie gegeben. Sie 
haben viel Freund und die von ihnen dependiren bei diesem Hof; unter 
andern ist der Obriste Stallmeister Pöllnitz vergangener Tagen im Haag 
gewesen und wie ich von dem Friquet bericht werde, unterschiedlich 
mit dem französischen Gesandten und dem Pensionario de Witt nego- 
tiirt, also dass die Staaten General haben können innen werden, wie weit 
es mit den engelländischen Tractaten kommen und etwa nothwendig 
befunden, die ihrige um so viel mehr zu befürdern, dann ob sie viel- 
leicht vermeinen möchten, wie es bis dato das Ansehen gehabt, dass sie 
des Churfürsten Hilf nicht so hoch von Nöten, so sehen sie doch goug, 
dass ihnen sehr schädlich sein wurde, wann der Churfürst ihrer Feinde Party 
nähme :|. Bevemingk betont die Neigung der Staaten Frieden zu schliessen. 
Der Churfürst muss in seinen consiliis grosse Reflexion machen auf die 
Schweden und jetzunder um so viel mehr, weiln sie im Reich armirt sein, 
er hat einen von Podewils')za dem Feldherrn Wrangel abgefertigt, zwar 
in speciem sich für die Stadt Bremen, welche S. Ch. D. darum gebeten, 

') üeber Carlingford's Mission Klopp 1. c. I. 126 f. 

^ Hieronymus Bevemingk; vergl. über ihn Urk. u. Act. III. 146 f.; für seine 
Verhandlungen II. 329 ff., III. 106 ff.; Mem. d'Est. IV. 58 ff. 

^ Georg Wilhelm Podewils; über steine Sendung Fuf. I.e. IX. 83. 



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Brandenburg-staatische Verhandlungen. Das Haus Oranien. 243 

ZU interponiren, aber ich glaube, dass viel mehr zu penetriren was die 
Schweden bei gegenwärtigen Coniuncturen vor consilia führen. Colbert*) 
soll hieher kommen, der Kniforst dagegen Blumenthal nach Paris senden'). 
£s wird berichtet, dass zwischen Spanien und England der Friede, zwischen 
Spanien und Portugall ein 30 jähriger Waffenstillstand geschlossen worden sei'). 
Der Churfürst hat gegen mich gemelt, das8 er von dem Beverningk so 
viel vernommen, dass man holländischer Seite sich befriedigen würde, 
dass alles im vorigen Stand, wie es vor dem Krieg mit Münster ge- 
wesen, restituirt würde; die Differenz wegen Borkelo aber auf weitere 
Handlung oder Compromissen auszusetzen, darzu hätte er sich nit wollen 
verstehen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 3. Februar 1666. (Or.) 

[Rücksichtnahme des Kurfürsten auf das Haus Oranien. Beverningk's Urtheil über 

die Wiedereinsetzung des Prinzen Wilhelm. Einflussnahme der Prinzessin Amalie 

von Oranien. Der Engländer Erklärungen. Urtheil des Goess über Friedrich Wil- 

helm's Pläne. Eller. Oolbert.] 

Befehl vom 16. Jan. hat Goess erhalten und wird sich weiter bemuhen 3. Febr. 
den Kurfürsten für die Neutralität zu gewinnen. Es ist ausser allen Zweifel, 
dass man bei diesem churfürstlichen Hof sehr auf das Haus Oranien 
reflectirt und nit allein ratione sanguinis, sondern auch der eignen 
Convenienz, die Restitution des Prinzen von Oranien zu seines Vätern 
und seiner Vorfahren Chargen hoch verlangt. Es fallen aber die judicia 
nit geleich, wie man darzu zu gelangen. Meines Erachtens werden die- 
jenige, so das Guberno ietzunder führen, mit guten es nie darzu kommen 
lassen. Eine grosse Not aber möchte die orangische Partei und das 
gemeine Volk, bei welchem nomen principum plausibl ist, praevaliren 
machen. Der von Beverningk, der nun diese Allianz dabie tractirt, ob 
er wohl derjenige gewesen, welcher zu Zeiten des Cromwell die Exciusion 
domus Auriacae von dem Guberno auch iniussu statuum in England ge- 
schlossen, excusirt dieses Factum, wie er am besten kann und zeigt so 
kräftig seine gute Inclination zur Restitution des Prinzen in seines Va- 
tern Chargen, dass ich vermerke, dass er nit wenig dardurch profitire. 
Nun seie nit darvon zu reden; der Prinz habe die Jahren nicht und 
könne diesen Chargen nicht vorstehen, wann ihm das Alter darzu taug- 



Colbert-Croissy kam anstatt des d' Estrades. Droysen 1. c. III.3 125; für seine 
Verhandlungen Urk. u. Act. II. 329 fF. 

'^) lieber BlumenthaVs Sendung nach Frankreich Urk. u. Act. XI. 703 ff. 
^) Die Nachrichten bestätigten sich nicht. 

16* 



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244 I^- ^rste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

lieh mache, könne es ihm nicht fehlen*). Sie wollen aber nicht darzu 
gezwungen, sondern wie sie's allein thun werden aus Dankbarkeit und 
Estime gegen diesen Haus, also solle der Prinz und sein Haus ihnen und 
nit anderm darum obligirt sein. Concludirt also, dass I. Cb. I). dieses 
Werk besser nicht beförderen können, als wann sie die Staaten ihres 
Orts, sonderlich in diesen Nöten suchen zu obligiren; qua ratione ille 
quidem multum profecit; {:sed Elector, ni fallor, parum proficiet. Ich 
vermerke auch, dass auch die alte Prinzessin muss eingenommen sein 
und dem Friquet nicht recht beichte. Ich habe gute Nachricht, dass sie 
des Beverningk Reis hieher befördert hat und dass er nicht hinweg 
gewollt, er wäre dann des guten Success seiner Negociation von ihr ver- 
sichert worden. Zwar weiss ich auch gar sicher, dass sie an dem Chur- 
fursten geschrieben und ihn sehr stimulirt sich an E. K. M. und das 
Reich zu halten; aber dies ist geschehen dehortando a Gallcfrum factione :|. 
Dem Beverningk kommt auch wohl zu statt, dass eben dieser Tagen des 
englischen Abgeordtnen Diener aus England per posta zurückkommen; 
der König sein Herr zeigt darfnr zu halten, dass dieser ChurHirst all tief 
mit den Staaten General impegnirt und lässt gleichsam die Negociation 
der Allianz fahren, begehrt, dass der Churförst wolle neutral bleiben, 
doch gratis und ohne Subsidien. England, vermeinen sie, seie noch in 
dem Stand nicht, dass sie die Neutralität mit Geld zu erhandeln. Besser 
wäre gewesen, wann man nicht so kurz abgebrochen, sondern die Nego- 
ciation derweil trainirt und fortgesetzt .... Der Churförst, wann von der 
Allianz mit Holland geredt und ihme die Inconvenienzen, so aus der 
Parteilichkeit zu besorgen, vorgestellt werden, coutestirt, dass auch hier- 
bei seine Intention auf den Frieden gericht und will ich glauben, dass 
dem also seie und dass er bei dieser Allianz mehr auf die Geldhulfen 
und etwa andere seine emolumenta, als auf andere diseigni gedenke. 
Er hat aber darbe! zu consideriren, dass dieselbe ihm theur ankommen 
werden; die Gefahr sich in einem Krieg einzuwickeln, grosse Potentaten 
zu desobligiren, seine eigene Freund zu inombragiren und dergleichen, 
seind alle Ding von grosser Consideration. Die Ungewissheit von schwe- 
discher Seiten, wie dieselbe nemlich mit England und Münster stehen, 
macht ihm mehr perplex als alles andere. Eller hat vom Bischöfe von Mün- 
ster ziemlich gute Nachrichten gebracht*). Colbert ist hier und fordert den Kur- 
fürsten zum Anschlüsse an die Staaten auf. 



') Vergl. ürk. u. Act. XI. 680. 
^ Vergl. Urk. u. Act. XI. 690. 



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Der Engländer Erklärungen. Englisch-französischer Conflict. 245 

Goes8 an den Kaiser. Dat. Cleve 10. Februar 1666. (Or,) 

[[Jrtheil des Goess über die Einwirkung der Kriegserklärung Frankreichs an England 
auf den Fortgang der staatiscb-mönsterischen Verhandlungen. Stand der branden- 
burg-staatischen Allianztractaten. Unterhandlungen der Brandenburger mit dem eng- 
lischen Gesandten. Des Goess Intervention in den neuburg-l)randenburgischen Ver- 
handlungen.] 

Die Verhandlungen mit dem Bischöfe von Münster werden fortgesetzt. Wich- 10. Febr. 
tig ist, wie weit die Kriegserklärung Frankreichs an England ') auf die Haltung 
der Staaten einwirken wird. Ich bilde mir fast ein, dass die pacifici sich 
über diese Declaration wenig erfreuen werden, weiln sie das Frieden- 
werk remoriren und sie fester an Frankreich binden werd. Wann ich 
einige Nachrichten, die ich von unterschiedlichen Orten bekommen, com- 
binire, so muss ich fast daraus schliessen, dass der König in Frankreich 
gern sähe propter proprios fines, dass der Bischof Fried machete und 
also von England abgezogen würde. Ich vermerke aus des Domdechant 
Brabeck Schreiben, dass etwas dergleichen bei ihnen unter Hand von 
Frankreich proponirt worden, Bevemingk ist abgereist, dürfte bald zurück- 
kehren. Obwohl man es dahie nicht gestehe, so scheint doch, dass die 
Tractaten in satis proxima dispositione zum Schluss stehen, die Geld- 
subsidien seind so viel als richtig; quoad quantum soll etwa 160000 Reichs- 
thaler sein zur Werbung und die Verpflegung auf eine gewisse Anzahl; 
ratione terminorum solutionis ist man noch nicht einig. Der Churfürst 
wollte je ehender, je lieber die Gelder unter Händen kriegen, den Zoll 
zu Gennep will der Churfürst auch wieder haben. Wegen Restitution 
der clevischen Festungen bilde ich mir ein, dass man etwas ambigui 
wird hineinbringen, was ein jeder Theil künftig zu seinem Vortel inter- 
pretiren möge. Mich sucht man zu persuadiren, dass wann diese Trac- 
taten auch sollen beschlossen werden, S. Ch. D. dennoch keinen anderen 
finem darbei haben, als den Frieden zu beförderen und will ich so weit 
glauben, dass der Churfürst, nachdem er das Geld und seine bei diesen 
Tractaten führende Intention erhalten, wohl leiden möchte, dass der 
Fried zwischen Münster und Holland geschlossen würden. Ich unterlasse 
doch darum nicht bei allen Gelegenheiten zu repraeseivtiren, wie viel 
besser und sicherer es wäre, wann der Churfürst sich ausser Party hielte 
und die Mediation zum Frieden, derer er sich sonsten unfähig machete, 
continuiren thäte. {: Das stärkeste Motivum zu dieser Intention ist metus 
a Suecis, wann dieselbe die engelländische und münsterische Party wür- 
den annehmen; massen dessen alle Tag einige indicia vorkommen :|. 



Vergl. Klopi^l. c. I. 124; Lefevre-Pontalis 1. c. I. 371f. 



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246 I^* Krste Mission des Freiherm Johann von Ooess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Der englische Gesandte forderte wiederholt eine Erklärung des Kurfürsten 
in puncto neutralitatis. Es wurde ihm eine Antwort zu Theil dahin lautend, 
dass zwar I. Ch. D. noch keine Partei genommen; sie könnten doch bei 
gegenwärtigen Coniuncturen änderst nicht thun, als sich zu armiren und 
iu Postur zu setzen. Diesen Last könnten sie und ihre Unterthanen 
allein nicht tragen, sondern müssten Assistenz und Subsidien darzu 
haben; in alle Weg aber wollten sie die Allianz und Freundschaft mit 
dem König aus England fest halten, mit welchen sie geschieden, obwohl 
der Abgeordnete die Incompatibilitet ihrer Contestation mit der Hostilitet 
wider seines Königs Alliirte und Freunde remonstrirt. Der Gesandte for- 
derte noch am selben Tage seine Abschiedaudienz, doch Hess er sich zu fernerem 
Bleiben bewegen und berieth von neuem mit den Ministern des Kurfürsten; 
bislang aber ohne Erfolg. Der Herzog von Neuburg hat Goess um seine Ver- 
mittelung beim Brandenburger ersucht; Goess bittet um Instruction darüber. 



Der Kaiser au Goess. Dat. Wien 11. Februar 1666. (Or.) 

1 1 . Febr. Goess soll fortfahren den Kurfürsten zur Aufrechterhaltung der Neutralität 

zu bewegen und dazu beizutragen, dass zwischen den Niederlanden und Münster 
der Friede geschlossen werde. Ist es aber nicht möglich den Kurfürsten vom 
Abschlüsse mit den Niederländern abzuhalten, dann hat Goess zu fordern, 
dass sie sich wider einigen Mitstand die Waffen zu führen nicht ein- 
lassen, sondern viel lieber in terminis guarantiae zu allen Seiten ver- 
bleiben. Der Kaiser hofft, dass der Bischof von Münster wie die General- 
staaten seinen Vorschlag bezüglich Borkelo's gutbelsseii werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 17. Februar 1666. (Or.) 

[Staatisch -hrandenburgische Allianz. Klagen des Bischofes von Münster.] 

17. Febr. Bevemingk ist am 11. zurückgekehrt mit Vollmacht zu schliessen und hat 

so gedrängt, dass der Vertrag bereits so gut als abgeschlossen ist '). Auf meine 
Klag, dass das Friedenwerk hierdurch gesteckt und die Kriegsflammen 
nur mehr angezündet werden, antwortet man, dass I. Ch. D. hierbei nichts 
anders intendire, als sich und ihre Landen bei diesen gefährlichen Leuf- 
ten so viel möglich in Sicherheit zu setzen und im Uebrigen ein Weg 
als den anderm, das Friedenwerk nach allen Kräften zu befördern, sich 
in keine feindliche Action einzulassen, man schlage dann aequas et 

*) Der Vertrag war am 6./16. Februar unterzeichnet worden. Abdruck u. a. bei 
Londorp 1. c. X. -IGlff.; vergl. Morner 1. c 272ff.; ürk. u. Act Tf. 332 ff., \U. 164fr. 



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Brandenburg-eDgliscbe Beziehungen. Allianz Brandenburgs mit den Staaten. 2-47 

honestas conditiones pacis aus. Zwar kann man mir nit leugnen, das» 
nach genommener solcher Resolution S. Ch. D. weniger qualificirt die 
partes eines mediatoris zu vertreten; es scheint aber man habe das 
tempus in Acht nehmen wollen einige Vortl von den Holländern her- 
aus zu bringen, welche sie ausser diesen Coniuncturen ihnen nit zuge- 
standen hätten. Man gibt auch vor, dass man hierdurch intendire die 
Staaten General etwas mehr von Frankreich zu detaschiren. Die Gefahr 
respectu der Schweden macht des Beverningk Asseveration geringer, der 
meldt, dass sie von Schweden versichert, wo nit der Assistenz doch der 
Neutralitet. In facto et in rei veritate kann ich glauben, dass der Chur- 
fürst nit so gar böse und weit aussehende Intention hierbei führe, als 
man sonsten suspiciren mögte und dass er nach geschehenen Schluss 
nit nachlassen werde, das Frieden werk wie vorhin und vielleicht noch 
mehr zu befürdern. Der Bischof von Munster gibt blos allgemein gehaltene 
£rkläraDgen, klagt über das Vorgehen Brandenburgs und spricht die Befürch- 
tung aus, es werde ihm nichts übrig bleiben, als unter grossen Opfern Schweden' 
zu gewinnen. Der englische Gesandte dürfte demnächst mit möglichst freund- 
licher Antwort abgefertigt werden. 



Goesß an den Kaiser. Dat Cleve 20. Februar 1666. (Or.) 

[Verhandlungen mit Schwerin und Blaspeil über die brandenbur^-staatische Allianz, 
über die vom Kaiser und Kurfürsten in der Streitfrage zwischen Münster und den 
Staaten zu beobachtende Politik, sowie über die Beilegung der brandenburg-neubur- 

gischen Differenzen.] 

Vom 17. dieses habe ich E. K. M. allerunterth. erinnert, dass die 20. Febr. 
Allianztractaten zwischen diesem Churfürsten und den Staaten General 
auf dem Schluss stünden; nun seind eben denselbigen Tag nach dem 
Essen der Baron v. Schwerin und der Blaspeil aus Befelch des Chur- 
fürsten zu mir kommen und haben mir eben dies angedeut; was darbe! 
hinc inde vorgebracht worden, ist dieses. Uli: Ich wüsste mich zu er- 
innern, was dieses Allianzwerk betreffend unterschiedlich wäre gehandelt 
worden; dass man nun so weit darmit kommen, dass I. Ch. D. resol- 
virt die Tractaten zu schliessen. Den Frieden hätten dieselbe sincere 
gesucht, weiln aber derselbe nit zu erhalten gewesen, insinuando als 
hätte es bei dem Herrn Bischof gemanglet, hätten sie auf ihre Securität 
gedacht sein müssen; sie wollten dannoch nit unterlassen das Priedens- 
werk ferner zu befürdern, auch zu den Waffen nit greifen^ es wäre dann, 
dass aequae et honestae conditiones pacis wollten ausgeschlagen werden, 



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248 IV. Erste Mission des Freiberrn Jobaim von Goess. Jan. 1065 — Mai 1668. 

masseD dieses expresse im Tractat inserirt; wann's dem Herrn Bischof 
um die Räch und ressentimenti zu thun, wie es das Ansehen hätte, 
yjndictae plus quam satis; er hätte denen Staaten General solchen 
Schaden zugefügt, dass sie dergleichen fast zu keiner Zeit gelitten; 
weiln sie dessen keine andere Compensation haben könnten, wollten sie 
wenigsten in modo tractandi einige praerogativam haben und mit dem 
Herrn Bischof immediate nit tractiren, er hätte sich dann erklärt, dass 
er propositas conditiones acceptire: wann ich aber darfür gut sein wollte, 
dass die vorgeschlagene conditiones würden acceptirt werden, würden 
sie die Staaten General dahin vermögen, dass sie ad tractatus immediatos 
schreiten würden; dass P. Ch. D. Intention^ bei diesem Werk ganz auf- 
richtig; praestare, dass sie darbei inftrvenirten, als dass die Staaten 
General in der so grossen Dependenz von Frankreich gelassen würden; 
dass der Churfürst nit zusehen wolle, dass ein einziger Fuss Erden weder 
dem Reich noch dem Herrn Bischof abgenommen, S. Ch. D. auch nit 
allein in seiner unterth. Devotion gegen E^ K. M. unverrückt verharren, 
sondern auch die Allianz mit deroselben religiöse beobachten würde; 
haben darbei an mich begehrt, dass ich E'. K. M. das Werk also vor- 
tragen wollte, dass diese P. Ch. D. gefasste Resolution nit ungleich 
möchte ausgedeutet werden. Ego ad haec: Sie wüssten sich gleichfalls 
zu erinneren, welcher gestalt ich jederzeit wohlmeinend eingerathen und 
gebeten, dass S. Ch. D. in unverfangenem Stand bleiben, sich nit par- 
teiisch machen, sondern neben E^ K. M. dero Mediation einen guten 
Frieden zu stiften interponiren wollten, E^ K. M. consilia und Gedanken 
wären alle ad hunc scopum gericht, mit den Herrn Staaten General 
stünden dieselbe in gutem Vernehmen, vergönneten ihnen gern, was 
ihnen zu Guten gereichen möge; weiln aber für diesmahlen diese Allianz 
I. Ch. D. in solchem Stand setzete, dass sie die partes mediatoris nit 
sowohl wie vorhin hinfüro würden vertreten können, die so starke Partei 
als da gemacht würde auch grosse Jalousie erwecken, und andere die 
^uf ihre Securität auch würden gedacht sein ad similia foedera bewegen 
möchten, als kannten sie leicht erachten, dass E. K. M. ungern vernehmen 
würden, dass loco restituendae pacis zu grössere Weitläufigkeit Anlass 
gegeben würde. Ich meines Theils künnte glauben, was sie wegen I. Ch. 
D. hierbei führenden guten Intention meldeten; quibus argumentis aber 
würde man anderen und sonderlich dem Herrn Bischöfen dasselbige per- 
suadiren? Was insinuirt worden, als remorirete der Herr Bischof trac- 
tatus pacis, müsste ich bekennen, dass ich bei meiner mit ihme gehabten 



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Brandenb.- staatische Allianz. Munster-staatischer u. Neuburg-brandenb. Conflict. 249 

NegociatioD das nicht befunden; er hätte sich also erklaret, dass'moines 
Erachtens mit Fug ein mehreres von ihm nit hat können begehrt werden ; 
der modus tractandi, den die Staaten General vorschreiben, seie ja wider 
allen Brauch und gleichsam wider naturam contractuum. Die allzugrosse 
Verachtung eines Reichsfursten solle billich allen und sonderlich den 
andern Chur- und Fürsten des Reichs propter exemplum misfallen; an 
aequum oder verantwortlich, um solcher Punctillen Willen einen grossen 
Theil der Welt in Corabustion zu seftzen und solchen Krieg zu veran- 
lassen, dessen vielleicht unser keiner das End sehen werd; als Blaspeil 
hierbei interrumpirt, dass eben dieses bei den vorgewesten Krieg im 
Norden practicirt worden und der Fried denen nordischen Königen 
gleichsam vorgeschrieben, habe ich replicirt, dass dieses nit pro exemplo, 
sondern pro scandalo orbis et seculi nostri zu halten ; mir wäre bewusst, 
wie es darmit abgeloifen; die Gesandte, als sie mit ihrem Project auf- 
gezogen, wären fast schimpflich von dem König aus Schweden getractirt 
und abgewiesen worden, es hätte der Fried auch ehender nit können 
geschlossen werden, als bis die kriegende Parteien per plenipotentiarios 
suos, wie es sich gebührt und Herkommens, mit einander getractirt und 
geschlossen; habe zum Beschluss gemelt, dass E. K. M. nit aussetzen 
würden ein Weg als den andern den Frieden zu beförderen, exhortando, 
dass man ihrerseits dergleichen thun wolle. Ich habe observirt, dass, 
als ich gemelt, dass der Herr Bischof der schwächere Theil wäre und 
daher der Fried bei ihme nit stecken würde, dass ich auch nit wüsste 
zu combiniren, dass man ihn einerseits so hoch verachtete und ander- 
seits so «grosse und dispendiosa foedera wider ihm machete, dass sie in- 
sinuirt, als glau beten sie noch einigermassen, dass etwas Grosses, was 
bis dato noch nit herfürkommen, hinter diesen mnnsterischen Wesen 
steckete. 

Femer melden sie, es hätte der König in Frankreich ultro seine Mediation 
angetragen zu Componirung der zwischen S'. Ch. D. und H". Herzogen 
von Neuburg noch schwebender Differentien super his statibus Juliacensi- 
bus*), ob E'. K. M. nicht möchte beliebig sein bei den Fürsten zu hoher 
kaiserl. Gnad dero kaiserl. Authorität auch bei diesem Werk zu inter- 
poniren; respondi, dass ich hierüber keine andere Information hätte, als 
was etwa discursweis möge darvon sein gemelt worden, dass Ichs E^ 
K. M. unterth. hinterbringen wollte; etwas habe ich blicken lassen, als 
käme mir fremd für, was sie von der französ. Mediation gemelt. 



') Vergl. Urk. u. Act. II. 314, XI. 739. 



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2«oO IV. Erste Mission des Kreiberrii Johann von Goess. Jan. 1660 <— Mai 1668. 

Blaspeil ist vergangenen Tagen wiederum mit einigen Neuburgischen unter- 
wegs zwischen Düsseldorf zusammen kommen und wird man zweifels- 
ohne sich zum Schluss näheren und etwa E'. K. M. Confirmation und 
garantiam darbei suchen. Ich werde E^ K. M. gnädigsten Befelch hierüber 
erwarten. 

Vane ist abgereist; Goess hat sich bemüht ihm eine gute Meinung von des 
Kaisers Absichten beizubringen. 



GoesB an den Kaiser. Dat. Cleve 24. Febr. 1666. (Or.) 

[Unterredung des Goess mit dem Kurfürsten über die Allianz mit den Staaten und 
seine Haltung in der Münsterer Streitfrage. Rath des Goess. Jena's Sendung zum 
Bischöfe von Münster. Französische Mediation in der Neuburg-brandenburgischen 

Streitfrage.] 

24. Febr. Am 22. Unterredung mit dem Kurfürsten. Dieselbe haben fast sorg- 

fältig gesucht mir alle ungleiche Opinion von dieser dero Allianz mit 
den Staaten General zu benehmen ^). Es seind darbei fast eadem repetirt 
worden, was mit dem ßaron von Schwerin und dem Blaspeil vorkommen. 
Allein als der Churfürst zu einiger Impatienz ausgebrochen und gemeldt, 
wann wir von Anfang den Herrn Bischofen inhibirt hätten, wäre es nit 
80 weit kommen; wann ein evangelischer Stand soviel wie er gethan 
wären schon fulmiua vom kays. Hof dargewosen; es wäre kein Exempl, 
dass sich einer unterstanden, was der Herr Bischof da gethan etc., 
habe ich geantwort, E. K. M. hätten nichts unterlassen, was dero 
kay. Amts wäre; man hätte deroselben gleichsam die Hand gebunden. 
Excmpla wären odiosa und könnten dergleichen wohl andere angezogen 
werden, innuendo ipsum Electorem. Mein Bedenken bei dieser Allianz 
wäre hauptsächlich dieses, dass grosse Jalousie hierdurch gegeben wird 
und S. Ch. I). von dem proposito den Frieden zu befürderen scheinen ab- 
zuweichen und die Kriegsflammen noch mehr anzuzünden. Darauf sie 
abermahlen hohe und tbeure contestationes gethan den Frieden zu dosi- 
derireu und denselben zu wollen helfen befürderen. Der Herr Bischof solle 
nur Fried machen, so wolle er gleich disarmiren, es wäre sein Interesse und 
würde er solcher gestalt die Unkosten, in welchen er sich stecken müsstt», 
ersparen. Allergnädigster Kaiser! quod factum, infectum fieri nequit; 
man hat nun dahin zu sehen, dass man das beste daraus nehme und 



') Vergi. das Schreiben des Kurfürsten an den Kaiser d. d. Cleve 22. Feb. 1666. 
Urk. u. Act. XI. 688; das Antwortschreiben des Kaisers Tom 23. März ebendaselbst; 
Anm. 2. 



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Der Kurfürst und die Staaten. Jena's Verhandlungen mit dem Muusterer. 251 

grösser Unheil abwende; welcher der Zweck ist, wohin ich nun meine 
Negociation einrichte. 

Friedrich Wilhelm hat Jena zum Bischöfe von Münster geschickt, um ihn 
zu Friedensverhandlungen zu vermögen ^). Schwerin fordert den Goess auf die 
guten Beziehungen des Kurfürsten zum Wiener Hofe durch geschicktes Benehmen 
zu erhalten und Berathungen zu pflegen, wie man sich verhalten solle, wenn es 
doch vivente rege zur Wahl in Polen kommen sollte. Betreffend des Königs 
aus Frankreich Mediation in causa Juliacensi, hat der König den Lerodt, 
als er zu Paris wäre, dieselbe angetragen, welche der Herzog, sein Herr, 
nit ausschlagen können; gäbe zu verstehen, dass man die Tractaten vor- 
hero schliessen und dem König hernacher honoris causa darzunehmen 
könnte. . . . Der Kanzler Jena betheuert seine gute Gesinnung. 



Goess an den« Kaiser. Dat. Cleve 3. März 1666. (Or.) 

[Äbschluss des staatisch-brandenburgischen Bündnisses. Erklärungen des Bischofes 

von Münster an Jena.] 

Schreiben vom 11. Februar erhalten, worin ihm befohlen wird, welcher 3. März, 
gestalt ich mich dahin zu bemühen, dass dieser Churfürst ausser Partei 
und neutral bleiben möge. Aus des Gesandten Schreiben vom 20. und 24. Fe- 
bruar wird der Kaiser den erfolgten Abschluss des Bündnisses und des Gesandten 
fernere Unterhandlungen ersehen haben. Der Bischof von Münster hat sich 
Jena gegenüber bereit erklärt, die Verhandlungen zu beginnen, Aachen als 
Verhandlungsort vorgeschlagen und den Kaiser, Brandenburg, CÖln, Neuburg, 
Bischof von Paderborn^) und Herzog August von Wolfenbüttel als Mediatoren 
gewünscht*). Der Kurfürst ist zufrieden, macht sich Hoffnung auf Erfolg; Goess 
zweifelt an der Aufrichtigkeit des Münsterers. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 10. März 1666. (Or.) 

[Frage der Zuziehung des Kaisers als Vermittler in der Differenz deS Bischofes von 
Munster und der Staaten. Erklärungen Frankreichs in dieser Angelegenheit. Blas- 
peiTs Mission nach dem Haag. Colbert's Erklärungen. Stellung des Herzogs von 

Wolfen büttel.] 

Der Bischof von Münster hat, wie aus des Jena Berichten, die dem Goess 10. Mäi/.. 
auszugsweise vorgelegt wurden , zu ersehen , dem Kurfürsten freigestellt, 
Goess zu den Tractaten zu ziehen. Nun habe ich dem Herrn Bischof E"". 



») Ueber diese Sendung Jena's ürk. u. Act. IX. 689ff.; Tucking 1. c. 142. 

-) Ferdinand v. Fürstenberpr. 

3) Vergl. Urk. u. Act. XI. 693; Tücking 1. c. 142. 



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252 I^* Brste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

K. M. Mediation zu Coesfeld angetragen, der dieselbe aach damahlen 
acceptirt. Ich habe doch aus E^ K. M. P. S. vom 5. Januarü') so viel 
vermerkt, |:dass dieselbe zwar gern diesen Frieden beförderter sehen 
thäten, doch dass man wegen der dabei angedeuten Ursachen behut- 
sam darin zu gehen und andern den Schein der Negociation lieber zu 
überlassen : {. Auch sei es zweifelhaft, ob die Staaten die Mediation des Kaisers 
zulassen würden. Friquet hat Goess wissen lassen, dass der d 'Estrad es' gegen 
dem Pensionario de Witt geraelt, dass sein König zwar in den Frieden 
mit Münster consentiren wolle, doch unter diesen 2 ausdrücklichen con- 
ditionibus; l^ dass cfle Tractaten unter E^ K. M. Mediation nit vorge- 
nommen würden; 2°. dass der Herr Bischof disarmiren müsste. Bittet 
daher um Instruction, ob er sich an den Friedensverhandlungen officiell bethei- 
ligen soll. l)ie Staaten haben bisher sich geweigert, sich in feierliche Ver- 
tragsunterhandlungen mit dem Bischöfe einzulassen. Blaspeil ist nach dem Haag 
gereist, uiu die Staaten dazu zu bewegen und die Auszahlung der Gelder zu 
urgiren^. Viel kommt auf Frankreichs Stellung an. Der Colbert sagt, dass 
sein König den Frieden desiderire und dass er Ordre habe, solang dahio 
zu verbleiben, bis derselbe geschlossen*); von dem Graf Wilhelm von 
Fürstenberg rapportirt er, dass Chur Colin und der Herzog von Neu- 
burg propositas conditiones pacis so aequitabl befinden, dass sie zu An- 
nchmung derselben den Herrn Bischof nicht allein adhortiren, sondern 
in casum renitentiae darzu necessitirn helfen wollen*). Der Kurfürst 
theilt Goess mit, dass der Herzog von Wolfenbüttel auf die Seite der mit den 
Holländern Verbündeten getreten ist. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 13. März 1666. (Conc.) 

[Nothwendigkeit des Friedens zwischen Münster und den Staaten. Billigung der 

Bemühungen des Goess in dieser und der Frage des Ausgleiches zwischen Neuburg 

und Brandenburg. Erneuerung der Allianz von 1658.] 

13. März. Da nach den Berichten des Gesandten die Sache bereits zum Abschlüsse 
zwischen Brandenburg und den Staaten gelangt ist, hat Goess alles aufzubieten, 
damit der Vergleich zwischen Münster und den Staaten geschlossen wird; dem 
Münsterer insbesondere möge er vorhalten, wie nothwendig es für ihn sei, 
Frieden zu schliessen, da das verhoffte Bündnis zwischen Spanien und England 

') Liegt vor. Inhalt aus dem obigen zu entnehmen. 
») Vergl. Urk. u. Act. XL 694 f.; Lefevre-Pontalis 1. c. L 374f. 
3) Für Frankreichs Haltung in dieser Zeit Urk. u. Act. IL 348 ff. 
*) üeber Colbert's Verhandlungen mit Wilhelm Fürstenberg vergl. Urk. und 
Act. IL 358 f. 



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Münster-staatischer Gonflict. Brand enbur^-staatische Allianz. 253 

so laoge nicht erfolgt sei. Desgleichen billigt der Kaiser den Plan der Aas- 
söhnung zwischen Brandenburg und Neuburg und ertheilt Goess den Befehl, 
alles was in seiner Macht steht, zur Beförderung dieser Angelegenheit zu thun, 
spricht jedoch zu gleicher Zeit sein Verwundern darüber aus, dass fremde 
Potentaten in diese Sache hineingezogen würden. Der Kaiser fördert Goess 
schliesslich* auf nochmals die Erneuerung des alten Vertrages von 1658 bei 
Brandenburg vorzuschlagen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 17. März 1666. (Or.) 

[Abschluss der brandenburg- staatischen Allianz. Erklärungen des Kurfürsten bezüg- 
lich derselben. Unterredung des Goess mit den Brandenburgern über die dem Bischöfe 
gestellten Bedingungen. Wicquefort. Buschmann. Geschenk der Franzosen an die 
Kurfürstin. Schwerin^s Mittheilungen über die Friedenspropositionen der Staaten. 
Ermahnungen des Mainzers.] 

Goess übersendet ein Exemplar des staatisch-brandenburgischen Vertrages; 17. März, 
er vermuthet, dass Secretartikel gemacht worden sind. Zwar protestirt S. Ch. 
D., dasä sie nicht zusehen wollen, dass dem Reich, weder dem Herrn 
Bischof ein einziger Fuss Erden entzogen werde, quod ego tarnen cum 
grano salis intelligo und wollte mich nit gern darauf verlassen, wann es 
ad arma käme und sie grosse Progressen darbei thäten. Die neuen Be- 
dingungen der Staaten scheinen dem Goess sehr hart, er hält dies für eine 
Folge des Bündnisses der Staaten mit Brandenburg und sagt dies auch dem 
Kurfürsten, welcher aber wie seine Käthe gegen den Bischof in heftige Klagen 
ausbrechen. Ich kann änderst nicht sehen, als dass I. Ch. D. serio den 
Frieden verlangen, das sehen sie aber auch nunmehr, dass sie denselben 
anietzo nit also wie iq statu neutralitatis mit Nachdruck befürderen 
können. Gut ist, dass Jena') sich noch aequanimem erga episcopum 
bezeige und ist zu verhoffeu, da.ss er {:die articulos zu welcher Aufsatz 
er concurrirt, als raisonable wird helfen manuteniren; ich habe aber 
nicht lassen auf die Erd fallen, was der Churfürst gegen mich :| in discursu 
gemeldt, dass nemlich der Colbert, als er die von Jena eingeschickte articu- 
los provisionales gesehen, dieselbe für billich und darfür gehalten, dass die 
Staaten Genera] kein Bedenken darbei haben sollten. So habe ich I. Ch. 
D. auch erinnert, dass, als sie mir eben diese conditiones nach Coesfeld 
nachgeschickt, sie damahlen darbei gemeldt; dass sie dieselbe zu hart 
befunden und daran sein würden, dass sie möchten gemildert werden. 
Goess drängt darauf, dass Schmising und Bevernüigk hieher kommen, damit 
man mit Nachdruck in der Ausgleichfrage verhandeln könne. Es ist ein ge- 



*) Ueber Fr. v. Jena's Sendung in dieser Sache Urk. u. Act. XI. 689 ff. 



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254 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

wisaer Wicquefort, von dem E. K. M. werden gehört haben, der in 
Holland in den Intriguen gar viel gebraucht wird, vergangenen Tagen 
dahie gewest; der hat gegen einem in Vertrauen gemeldt, dass man in 
Holland den Frieden sehr von Nöten habe. . . . Von Schweden hat 
man zwar gute Opinion und begehrts anderen auf alle Weis zu inpri- 
mireu, dass dieselbe wenigsten werden neutral bleiben. Der kurköll- 
nische Kanzler Buschmann war hier '), einen Tag nur. Er hat sich Goess gegen- 
über über den Bischof von Munster und dessen Kampf beklagt; aber erklärt, 
auch sein Herr glaube, man müsse die Rechte des Bischofes auf Borkelo aufrecht- 
erhalten und einen Ausgleich auf gütlichem Wege in diesem Punkte versuchen. 
Colbert hat ein schönes Geschenk für die Kurfürstin aus Paris erhalten, als Dank 
für die Erlaubnis das Taufpathenamt bei dem Prinzen Friedrich ausüben zu dürfen. 
Es ist ein Ameublement, grosse Leuchter und vieles andere. Goess meint auch 
der Kaiser sei Schuldner ex eadem occasione. 

Indem ich mit der Post occupirt, ist der Baron von Schwerin 
zu mir kommen und referirt, dass der Blaspeil aus dem Haag schreibe, 
dass man in Holland nun die vor diesem projectirte conditiones fast nit 
halten wolle; der Herr Bischof hätte dieselbe nit angenommen, sie wären 
nit daran gebunden; laesas provincias spirare vindictam. Niemand 

zeigete nun bessere Intention zum Frieden, als der de Witt Ich habe 

insinuirt, dass eben dieses alles fructus electoralis novi foederis wären; 
das foedus aber künnte I. Ch. D. nit verbinden, dass sie unbilligen Dingen 
beifallen miissten. Wann man in Holland solche Resolution bei dem 
Churfürsten verspüren würde, hätte man zu hoffen, dass sie sich besser 
zur Raison legen wurden. Non negabat, dass sie nun nicht so frei 
sprechen, noch operiren küunten, dass gleichwohl die conditiones also 
gethan, dass der Herr Bischof sich darmit befriedigen künnte. An 
Borkelo esse tanti, dass man sich in einem gefährlichen Krieg darum 
einlassen sollte? Die Schweden würden Interim Bremen occupiren, mit 
des Reichs und sonderlich der Benachbarten höchsten Schaden; das 
Haus Lünenburg würde es ungern sehen und doch geschehen lassen 
müssen. Facta pace würden die Schweden dieses Werk nit leicht ten- 
tiren und mehr Reflexion auf die Benachbarte machen müssen. 

Der Mainzer ermahnt den Kurfürsten den Frieden zwischen den Staaten 
und dem Bischöfe von Münster zu befördern. ' 



^) Ueber die kulnisch-brandeDburgischen Beziehungen dieser Zeit Urk. u. Act. 
XI. 706 ff. 



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Verhandlungen d. Qeneralstaaten mit Münster. Theilnabme d. Kaisers an denselben. 255 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 23. März 1666. (Copie.) 

[Tbeilnabme des Kaisers an den Friedensverbandlnngen zwiscben Munster und den 

Staaten.] 

Berichte vom 3. und 10. März erhalten. Anlangend ob du dich des 23. März, 
officii bei Fortgang der Tractaten sollst annehmen, stellen wir ausser 
allen Zweifel, nachdeme wir uns dessen vorhin nicht allein gegen beiden 
kriegenden Parteien, sondern auch seithero allhier gegen dem könig- 
lichen engclländischen Abgeschickten ^) ausdrücklich erklärt und uns 
destwegen aller Hilfleistung für ein und andern Theil entschuldiget, . . . 
sowohl auch, weil die Cron Spanien nunmehr selbst den ihrigen zu 
solchen Tractaten zu concurriren befohlen und solches um so viel mehr, 
weilen uns als einen romischen Kaiser bei dieser das heil. röm. Reich 
so hoch concernirenden Sach die Hand zu haben vor allen andern ob- 
liegen will, dessen wir uns um so viel weniger zu begeben, je mehr 
und ungescheueter die Krön Frankreich sich darein zu schlagen und uns 
darvon auszuschliessen sich bemühen will. 

Dem Kaiser wäre es lieber, wenn die Verhandlungen nicht in feierlicher 
Weise gefuhrt würden, weil man so schneller zum Abschlüsse kommen würde. 
£r übersendet Goess Vollmacht für die Verhandlungen und für die Garantie des 
eventuell zustande kommenden Vertrages. 

Bei denen Tractaten aber wirst du sonderlich dahin zu gehen haben, 
dass uns und dem heil. Reich nichts benommen, des Bischofs zu Münster 
Altesse da möglich und die Sach an sich selbsten als wie vorgegeben 
wird, beschaffen, Borkelo verbleiben, auch im übrigen die conditiones 
prp re et tempore auf das leidlichste eingerichtet und der Schluss ehist 
befürdert werde, sonderlich aber wohl in Acht zu nehmen, dass die 
Sicherheit des Friedens also bestellt werde, damit sich nicht weniger 
ein als der ander Theil darauf zu verlassen habe. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 23. März 1666. (Copie.) 

[Nacbricbten vom Abschlüsse einer spanisch-englischen Allianz und eines spanisch- 
portugiesischen WafTenstillstandes. Verhandlongen bezüglich der Mänster-staatischen 
Differenz. Brandenburg-schwedische Allianz.] 

Der Kaiser wird wohl schon des Goess Bericht vom 17. März und die mit 23. März, 
demselben übersandte Abschrift des Allianztractates zwischen Brandenburg und 
den Staaten erhalten haben. Seitdem ist die Nachricht vom Abschlüsse einer 



') Lord Carlingford. 



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2i)C} IV. Ertrte lft»«(ioii des Freiberm Jobann von Goess. Jan. 16G5 — Hai 1668. 

Allianz zvfhi'Ucu Spanien und England und eines Waffenstillstandes zwischen 
Spanien und Portugal eingetroffen'). Schmising'} ist am 17. hieher gekommen, 
hat die Bereitwilligkeit seines Herrn sich den Bestimmungen der Mediatoren zu 
fn^cn ausgedruckt. Der Chur fürst ist ziemlich auf dem haagischen Pro- 
ject befttanden, als dem Friquet dasselbe imputirend und excusirend, 
daHK nun Hchwer fallen wurde hiervon abzuweichen, als man aber ver- 
merkt, daA8 ich den Scbmising informirt, wie en mit diesem Project 
bewandt und wie dasselbe von dem Pensionario de Witt entworfen, hat 
man nacher gemclt, dass I'. Ch. I). ministri in dem Haag parte darbei ge- 
habt und aequitatcm conditionum propositarum behaupten wollen. Auf die 
Nachricht, dass Beverningk von Seiten der Staaten, die den Verhandlungen nicht 
mehr so entgegenstehen, nach Cleve gesendet werde, sucht man allerseits alles 
für die Verhandlungen vorzubereiten^). 

P. 8. Der Churfürst hat mir erzählt, dass nachdem die Nachricht 
seiner mit den Holländern geschlossener Allianz nach Stockholm kommen, 
die schon lang vorgehabte Allianz mit der Cron Schweden alsobald 
darauf zur Riclitigkeit kommen*). 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 14. April. 1666. (Or.) 

[ Neuburg-brandenbiirf^iscbe Verhandlungen. Königswabl in Polen. Deputirte für die 
Verhandlungen bezüglich des staatiscb-münsteriscben Friedens. Antheilnahme des 
(toeHs an den Beratbungen über das staatiscbe Friedensproject. Resultate derselben. 
Ankunft des danischen Gesandten. Postwesen. Jägerndorf. Erneuerung des Band- 
niHHes von 1G58. P. S. Urtheil des Goess über die allgemeine Lage. Pläne Frank- 
reichs, der Staaten. Erklärungen Wilhelm Fürstenberg^s. Urtheil des Goess über des 
Brandenburgers Pläne. Friedensneigung des Bischofes von Münster.] 

14. April. Was den Punct der zwischen dem Churfürsten und dem Herzog 
von Neuburg obhandencr gütlichen Tractaten über das jülich'sche Suc- 
coHsionswerk betrifft, hat der Churfürst mit unterthänigen Dank ange- 
nommen, dass E. K. M. gedachte Tractaten gnädigst begehren zu befür- 
deren. Des Königs aus Frankreich hierbei offerirter und acceptirter 
Mediation wegen, hat er die Schuld dessen auf dem Herzog von Neu- 

') Die Nachrichten waren nicht richtig. Vergl. für diese Verhältnisse Klopp 
1. c. I. ll^eir., 131; Ranke, Engl. Gesch. V. 22f. 

^ Martthias Korfif, genannt Schmising, münsterischer Domherr; vergl. über 
seine Sendung IJrk. tmd Act. XI. 702 f, 710flF., 11.371; Alpen I.e. 716; Tücking 
I.e. 143. 

3) Kür die Verhandlungen Beverningk 's vergl. Urk. u. Act. IL 329 ff., III. 166 ff. 

*) Allianz vom 27. März 16GG; vergl. Momer I.e. 277ff.; vergl. Urk. und Act. 
IX. 8l8f.; Puf. I.e. IX. 70. 



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Neuburg-brandenburgische Verhandlungen. Slaatisch-münsterischer Friede. 25? 

bürg geworfen. Nachdem dieser dieselbe angenommen, wüsste er^s seiner 
Seit nit auszuschlagen. Bezüglich der polnischen Wahl betont Goess, der 
Kaiser wünsche, dass den Polen ihre Wahlfreiheit gelassen and zu Lebzeiten des 
regierenden Herrschers überhaupt keine Wahl vorgenommen werde. Die Vertreter 
der verschiedenen Mächte, Bevemingk für die Staaten; Schmising und Wiedenbrück 
für Münster; Schönbom *), Patz^) und Gudenus') für Mainz; Wilhelm Fürstenberg 
und Kanzler Buschmann für Köln; Giese^) für Neuburg, sind eingetroffen, nach 
ihnen dann der Wolfenbüttler Heimburg; der cellische Vertreter Dr. Müller*); 
Dechant Ketler^) für Paderborn; zuletzt Grote^ und Dr. Hugo^) als Vertreter 
Hannovers. Von Brandenburg sind Schwerin und Blaspeil abgeordnet worden; 
diese erklären dem Goess gleich, die Staaten dürften bei dem Haager Projecte 
nicht bleiben wollen. Nachdem Bevemingk den brandenburgischen ein Project 
übergeben, wird bei Goess über dasselbe berathen. Goess betont, die Haupt- 
sache sei, dass alles im vorigen statum, wie es vor'm Krieg gewesen, 
hergestellt und die Strittigkeit wegen Borkelo durch ein Compromis, 
wann kein sequestrum zu erhalten, abgethan würde, ersucht die Vertreter 
Brandenburgs mit Bevemingk zu sprechen und ein neues Project zu verfassen. 
Dies geschieht, doch weicht das neue Project von dem Bevemingk's in keinem 
wesentlichen Punkte ab. Die Räthe Friedrich Wilhelms erklären, sie hätten 
von Bevemingk nicht mehr erhalten können. 

Am 2. April erhält Goess die Vollmachten zur Mediation und zur Er- 
neuerung des Bündnisses von 1658. Da der Münsterer ihn schon gebeten hatte 
zu interveniren , begibt sich Goess zum Kurfürsten und erklärt demselben, 
dass das Werk (Einigung zwischen Münster und den Staaten) mit besseren 
Nachdruck müsste angegriffen werden, wollte man änderst daraus kommen. 
Wann I. Ch. D. daran sein wollten, dass die Staaten General das haagische 
Project mit sammt dem Temperament in puncto Borkelo hielten und in 
den übrigen Punkten einige billichmässige Moderation litten, wollte ich 
mich bemühen , die bischöflich-münsterische dahin zu disponiren. Habe 
viel rationes angezogen, warum der Churfürst dieses zu tbun. Seine 
Allianz mit den Staaten General thäte ihn zu mehreren nicht verbinden 
und könnte ich nit glauben, dass S. Ch. D., als so ein genereuser Herr, 
den Namen haben wollten, dass, was sie einmahl approbirt, nun um 



Molcbior Friedrich von Schöubora. 

^ Heinrich Patz. 

') Job. Christ. Gudenus. 

*) Franz Giese. 

*) Ernst August Müller. 

*) Caspar Philipp v. Ketler; neben diesem auch Joh. Adam v. Fürstenberg und 

Conrad Meinders. 

Otto Grote. 

^ Ludolf Ilugo 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfüräteu. XIV. 17 



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258 I^- Krste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 -—Mai 1668. 

einige geringe Beneficien oder Nutzbarkeiten disapprobiren wollten. 
Der Kurfürst hat versprochen, was er kann, za thun. Von ihm ist Goess zu 
den Vertretern des Bischofes von Münster geeilt, und habe sie nach vielen 
Difficulteten vermögt, dass sie sich zu obangedeuter Intention be- 
quemet; doch dergestalt, dass sie auf sich nahmen, I. F. G. von Münster 
dahin zu disponiren, dann sie wären hierzu nit instruirt. Darauf beruft 
Goess für den Nachmittag alle Räthe zu einer Versammlung in sein Haus. 
Nach Beilegung ceremonieller Streitigkeiten erklären die Vertreter des Branden- 
burgers, Beveniingk wolle von dem haagischen Project wegen Borkelo nichts 
wissen; er erklärete sich in hoc puncto also: dominium directum in Bor- 
kelo maneat Domino Episcopo; renunciet iuri superioritatis, salvis iuribus 
imperii. Den änderten Tag hernach, als man den Ärtikl mit Vorbei- 
gehung . der Renunciation hiernach eingericht, haben die churbranden- 
burgische, nachdem sie mit Beverningk daraus conferirt, zurückgebracht: 
Beverningk disputire zwar das ins directum dem Herrn Bischof nit, er 
wolle es aber in dem articulo nit haben *). Die Sach gienge den Staaten 
nit an, man möchte sehen, wie man den Grafen von Styrum mit dem 
Herrn Bischof vergliche'). . . . 

E. K. M. kurz zu referiren, worin unsere consultationes bestanden, 
seind dieselbe über diese 4 Puncten hauptsächlich gewesen. 1^ wegen 
Borkelo; 2^ wegen Renunciation auf allen Praetensionen ; 3^ wegen Ab- 
dankung der Völker und limitirter Anzahl derienigen, so der Herr Bischof 
zu behalten und 4^ wegen künftiger Werbung. Die Renunciation iuri 
superioritatis auf Borkelo retento dominio directo et salvis iuribus imperii, 
haben endlichen alle darfür gehalten, dass der Herr Bischof, wann man 
staatischer Seiten nit darvon abstehen wollte, amore pacis dieselbe thun 
möchte, wie nit weniger die andere auf den übrigen Praetensionen, 
die man vagas nennt und darvon ohne das nit viel zu hoffen seie. 
Den 3. Punct der Restriction der Völker auf 2000 Mann, so der Herr 
Bischof nach der Abdankung allein zu behalten, haben alle tanquam 
summum praeiudicium iurium principum imperii sehr empfindlich auf- 
genommen, wie nit weniger, wann man in 4^ puncto potestatem conscri- 
bendi militis ultra constitutiones imperii restringiron wollte. Die Hünsteri- 



') Ueber den Gang der zu Cleve geführten Verhandlungen vergl. Utk u. Act. 
XI. 710ff.; 11. 382 ff 

*) Graf Jodocus von Limburg-Styrura ; über seine Bedeutung — er hatte, wie 
s^ine Vorfahren, als Verwandter des letzten rechtmässigen Inhabers der Herrschaft 
Borkelo auf dieselbe Ansprüche erhoben und als diese von dem Bischof von Münster 
nicht berücksichtigt wurden, sich an die Regierung von CJeldern gewendet — vergl. ürk. 
u. Act. XI. G15. 



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Goess und die Manster-staatischeD Fnedensverbandlungeü. 25d 

sehen haben sich bereit erklärt ihrem Herrn von den Resultaten dieser Be- 
sprechungen Mittheilüng zu machen. Goess spricht im Sinne der Beilegung mit 
Bevemingk, der aber erklärt, wann der Herr Bischof propositas conditiones 
nicht annehmen wollte, er Befelch hätte, zu abrumpireo und nach Haus 
zu kehren, welche minas er gar dextre zu Hof und ander werts hat 
wissen zu intentiren; daran doch ich meines Orts mich nit viel gekehrt, 
sondern mit Glimpf geantwortet, dass ich verhoffete, er würde es nicht 
thun, sondern vielmehr das Friedenwerk bis zum völligen Schluss helfen 
befürderen; wanns aber anders geschähe, so würden wir ein Wegs als 
den andern unsere officia mediationis continuiren und der ganzen Welt 
bekannt machen, dass es an uns nit gemangelt, dass der Fried nit erfolgt. 
Der dänische Gesandte, Detlef von Ahlefeld, ist auch hier angekommen, er soll 
bezüglich Delmenhorst Verhandlangen pflegen. Goess hat dem Friquet von dem 
Stande der Verhältnisse genauen Bericht erstattet, damit derselbe im Haag 
operiren könne. 

Ich befinde, dass der de Witt die Sach viel mehr sucht zu facili- 
tiren, als der Beverningk allhier. Zwar sagen die churbrandenburgische, 
der de Witt gebe gute Wort und wann's zum Werk komme, suche er 
Ausflucht, der Bevemingk aber gehe viel runder und aufrechter um. 
Quidquidsit, ich halte pro indubitato und hätte mir getrauet, dass wir 
viel besser mit dem durch dem Friquet angefangenem modo tractandi 
fortgekommen wären, als auf die jetzt angefangene Weis. 

Nach nenen Berathungen fordert man von Bevemingk eine endgültige Ent- 
scheidung; er übergibt durch die Brandenburger ein Project, dass er als Ulti- 
matum bezeichnet. Die Churbrandenburgische hielten darfür, dass wann 
man dies Project annähme, die Sach darmit abgethan sein würde. 
Die Vota der Chur- und Fürsten seind dahin gangen, dass man denen 
MuDSterischen anzudeuten, dass die mediatores darfür hielten, dass der 
Herr Bischof amore pacis in der Renunciation super iure superioritatis 
in Borkelo salvis iuribus imperii einwilligen möchte. Was in puncto 
exauctorationis gesetzt wurde, hierin thäte man I. F. 6. weder zurathen 
noch widerrathen; sie würden momenta rerum und ihren Zustand am 
besten kennen und dero resolutiones hiernach wissen zu nehmen. Wann 
aber die bischöflichen pressirt und gefragt, wann sie den mediatoribus 
deferiren und dannoch die Staaten den Frieden ausschlagen würden, was 
für Assistenz man zu gewarten, hat man die Achsel geschupft und sich 
defectu instructionis excusirt. Und wäre zu wünschen gewesen, dass 
solches intra consessus parietes verblieben; nachdem aber solche dispo- 
sitiones auf unserer Seiten nit allein gemerkt, sondern auch zuweilen 

17* 



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260 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 —Mai 1668. 

gestanden worden, ist leicht zu erachten, dass man sich um so viel 
mehr auf der andern Seiten gestärkt und den postulatis inhaerirt. 
Giese und Grote sind mit Wiedenbrück zum Bischöfe von Münster geeilt, um 
ihn zur Annahme der staatischen Bedingunged zu bewegen. 

Ich sehe, dass man dahie praesupponirt, dass der Herr Bischof 
propositas conditiones annehmen werde und wann gesagt wird, dass sie 
gleichwohl in etlichen Stücken allzuhart, so antwort man, dass die Maul- 
schellen, welche der Bischof den Holländern gegeben, noch viel härter; 
auch dasjenige, was ihm bei ausschlagenden Frieden zu gewarten stehet, 
noch viel härter fallen werde. 

Das Postwesen betreffend, wird Goess wiederholt angegangen, ob die Ent- 
scheidung des Kaisers auf das Begehren des Kurfürsten, der freie Verfügung 
bezüglich der Post in seinen Ländern fordert, noch nicht eingelangt sei. Goess 
hat sich nicht getraut, das was der Kaiser ihm diesbezüglich geschrieben dem 
Kurfürsten mitzutheilen, aus Furcht vor üblen Consequenzen und hat daher ge- 
sagt, er erwarte Bescheid. Goess bittet um Nachricht, wie er in dieser Sache 
vorgehen soll'). 

Jägerndorf betreffend wäre gut und gewiss fast nöthig, dass dieses 
Werk dermahlneinst zum End käme. E. K. M. können schwerlich 
glauben, wie zu aller Gelegenheit unsere Widerwertige sich dieser Sach 
(darbei sie des Churfürsten Empfindlichkeit wissen und dass ihme das 
Geschwer immerzu wehe thut) zu ihrer bösen Intention und zu E'. K. M. 
Schaden bedienen. In allen negotiis stehet mir dieses entgegen und ob 
ich zwar einiger gnädigste Zuneigung zu meiner Person und so weit 
eine gute Opinion von Aufrichtigkeit bei dem Churfürsten erworben; 
auch data occasione nit unterlasse zu ropraesentiren, dass dieser Ver- 
schub uns nit zu imputiren und dass man thut was möglich I^ . Ch. D. 
hierin Satisfaction zu geben^ so will doch alles in die Länge nit helfen 
und ist gewiss E'. K. M. zu rathen, dass sie diesen nun all zu lang in 
Weg gestandenen lapidem offensionis, daran schon all viel gute negocia- 
tiones gescheitert cum simili in posterum periculo — massen ich täglich 
von den Wohlintentionirten dessen gewamet werde — ie ehender, ie besser 
auf die Seite räumen lassen. In puncto renovationis et extensionis foe- 
deris, habe ich zwar sowohl bei dem Churfürsten als dem Baron von 
Schwerin angesucht, damit wir darüber zusammen in Conferenz treten 
möchten, darzu S. Ch. D. sich auch geneigt erzeigen. Es haben uns 
aber diese Friedensnegociationen allerseits also anhebig occupirt gehalten, 



*) Vergl. über diese Frage; Orlich, Geschichte Preussens 1. c. IL 416fr. 



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Jägemdorf. Erneuerung des Bündnisses von 1658. Pläne Frankreichs. 261 

dass ich bis dato nit darzo kommen können; ich werde aber antreiben, 
damit es ehister Tagen geschehe. 

P. S. Habe E. E. M. unterthänigst zu erinnern und werdens die- 
selbe für sich selbst leicht erachten können, wie circumspect und behutsam 
ich in dieser Negociation gehen müssen. |: Ich bin gesessen mitten unter 
Leuten, die in der rheinischen Allianz und sich mit Frankreich' verstehen 
und alle consilia und was vorgehet, dahin communiciren :|. Nun ist nit 
ohne, dass in Holland auch von den Unserigen praesupponirt wird, der 
König in Frankreich begehre den Frieden zwischen Münster und Holland. 
Colbert hat sich dahie fast passive gehalten und gemelt, er hätte keine 
Ordre circa haec. Er hat's thun können, nam habuit per quos ageret, 
eodem tempore, als er zu Hof sagte in puncto der Disarmirung des 
Bischofs zu Münster, dass sein König nit so lang gefochten pro liber- 
tate principum Germaniae, damit er ietzunder dieselbe helfe unter die 
Füss bringen, hat er gegen dem Beverningk gemelt, animando, er hätte 
des Königs Ordre bei sich und würde Pradel ad nutum operiren. 

Ich setze pro fundamento, und also werd's von männiglichen 
glaubt, |: dass des Königs in Frankreich Intention ist, den Krieg wider 
Niderland vorzunehmen; das macht mir suspectum, dass er diesen 
Frieden sincere begehren solle, dann es scheint, dass die Continuation 
des Kriegs, darein wir alle allgemach werden eingewickelt werden und 
dardurch zu Haus occupirt, zn diesem seinem disegno diene. Die Ge- 
legenheit, die abdankende Völker an sich zu ziehen, non est tanti, dass 
sie gegen die andere Consideration könne gesetzt werden. Ich weiss 
mit gutem Grund, dass der König in Frankreich Churcölln, Neuburg und 
Münster stark soUicitirt zu der Eroberung der Niederland ihme zu assi- 
stiren, promittendo montes aureos et partem spoliorum ; was er vermeint, 
dass einem ieden ein Appetit machen könnte. Churcölln hat nit können 
über's Herz bringen, dass er E. K. M., die ihm mit Blutfreundschaft 
verwandt, unverschuldter Dingen soll ein solches Unrecht thun, non 
obstante, quod urgent ministri. Neoburgicus ist denen Spaniern nicht 
hold und hat privatas simultates mit Castel-Rodrigo, hat die fundamenta 
der französischen Praetension auf die niederländischen Provincien extol- 
lirt, renuuciationem esse nullam propter non solutam dotem und was 
mehr wider des Stockmans publicirte rationes kann gesagt werden; quid 
ad se, aut alios Belgium? Der Jalousie halber propter vicinos Gallos 
würde sich die Sach schon künftig schicken. Münster hat die Widerpart 
gehalten und die gefahrliche Consequcnzcn ropraesentirt, Man solle nun 



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262 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

zwar völlig von diesen Gedanken abgaDgen und gewichen sein, sed est 
timenda recidiva et sunt timendae ingentes sollicitationes. Wird also 
gut sein, dass man invigilire und dem Uebel so viel möglich vorkomme, 
und möchte rathsam sein, dass der Herzog von Neuburg spe coronae 
Polonicae so viel thunlich lactirt würde. Ich habe derowegen mich in 
dem, was dies Werk angehet, gegen diesen Churförsten also verhalten, 
wie £. E. M. in meinem andern Schreiben ersehen, contestando in reliquo 
affectum V*®. M**». erga ducem Neoburgicum : |. 

Buschmann ist dem Kaiser wohl gesinnt; er glaubt nicht, dass die er- 
wähnten Mächte sich werden bewegen lassen, direct gegen die Niederlande zu 
operiren; aber er kann nicht versprechen, ob sie nicht den Durchzug kaiserlicher 
Truppen nach den Niederlanden hindern werden. Wilhelm Fürstenberg ist die 
rechte Hand Colbert's. 

Ich halte den articulum de exauctoratione dahin entworfen, dass 
auch die Staaten General pro rata et pro eo, quod ferret bellum cum 
Anglis, wie nit weniger dieser Churfürst und die Herzogen von Braun- 
schweig disarmiren sollten. Ffirstenberg hat sich darüber also erhitzt, 
dass er sich blos gegeben; er hätte keinen Befelch iemand einige Disar- 
mation zuzumuthen und möchte man leiden, dass man dieser Orten noch 
mehr armirter stünde. . . . 

Sonsten hat mir der Graf von Fürstenberg in discursu gesagt, dass 
der König von Frankreich gegen ihm unterschiedlich gemelt, dass er 
wüsste, dass E. K. M. und dero hochlöbl. Haus in diesem mün- 
sterischen Krieg mit interessirt; er hätte dessen gründliche Nachricht 
und zwar von Wien aus. . . . Man wolle die rheinische Allianz übern 
Haufen werfen, der Bischof sei dem Haus Oesterreich ganz ergeben; 
Fürstenberg hätte opponirt, wie dem cohaerirete, dass der spanische Bot- 
schafter noch neulich in scripto denen Staaten General eine Allianz an- 
getragen. Der König hätte bekennt , dass ihm dieses Particular etwas 
anstehen machen; er erwartete aber stündlich hierüber Nachricht von 
Wien. Ich 'habe einiger Massen observirt, dass man dahie bei Hof, 
weder auch von münsterischer, noch auch holländischer Seiten, |: Vertrauen 
in dem Grafen von Fürstenberg gesetzt; habitus est pro Gallis et merito :|. 
Dieser Churfürst, so viel ich iudiciren kann, verlangt diesen Frieden; 
ich glaube, er möchte wünschen, dass die Holländer sich besser zur 
Raison legeten, obwohl er mit seinem foedere eine grosse ürsach ist, 
dass sie es nicht thun. Er lasst ihnen durch die Seinige zwar zu- 
sprechen, aber wann der Bevemingk auf seiner Meinung besteht, so fallt 
man ihm zu, oder doch wenigsten nit ab und werden die rationes ab 



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Erklärungen Wilb. Fürstenbergs. Des Kurfürsten Pläne. 263 

aequitate, existimatione nomiuis et malo exemplo petitae durch dieienige 
elidirt, welche inculciret), dass man den Staaten keine Umbrage zu 
geben; man laborire ohne das fama non exactae constantiae; man habe 
die Partei angenommen, man müsse darbei verbleiben, und hat mir 
der Churfürst, als ich ihm zum letzten gesprochen, gesagt, dass, wann 
die nach Munster gangen nit den Frieden brächten, er alsobald agim 
wurde, darauf ich nit unterlassen glimpflich zu repliciren was zur Sachen 
gehört und dass besser sein würde, wann man die conditiones suchete 
also zu moderirn, dass der gewünschte Fried erhalten würde. Haec 
dicuntur in terrorem, man werd meines Erachtens sich nicht also vergehen 
noch praecipitiren ; man hat noch nicht Nachricht, dass des Churfürsten 
Allianz mit Schweden unterschrieben sei, wohl aber dass Schweden die 
Allianz zwischen Dänemark und Holland nit gedenke zu gedulden, son- 
dern ehender zu brechen ; dass ihre Allianz mit Engelland richtig, 
welches auch in Holland grosse Reflexion macht; dergestalt, dass ich 
darfür halte, {: dass wann man sich dahier nicht so schwach erzeigte und 
gleichsam declarirte in quemcunque casum ehender wider dem Herrn 
Bischof, als für ihm zu sein, der Fried all leichter und besser wurde 
erhalten werden. Ich muss mich also hierin in Acht nehmen und mich 
also guberniren, dass E. E. M. gnädigste Intention die gute Occasion de 
desiderio pacis und des guten Vertrauen bei männiglich erhalten werde, 
quod dictu facilius quam factu. Wann die Schweden also fortfahren, so 
wird sich Occasion ereignen die Partei also zu machen, dass wir die 
französische werden können contrebalanciren und ihre gefahrliche di- 
seigno zurückzutreiben. Facta hac pace kann dieser Churfürst, Holland 
herbeitreten : |. 

Blumenthal ist von Paris kommen, ubi, ut audio, non bene sperant 
de Sueco. Der Churfürst gestellt sich zwar, dass er facta pace disar- 
miren wolle; ich zweifle aber doch daran; |: videtur quod coquat aliquid; 
was es auch endlich sein mag; ich höre etwas susurriren, als wann er 
sich wohl an Magdeburg machen wollte : |. Er ist diesen Leuten sehr 
feind. Neuburg muss sich gleichwohl auch vorsehen, quidquid tractent. 
Mir haben S. Ch. D. in discursu gesagt, sie müssten etwas näher nach Polen 
kommen, ihre Interesse der Orten zu beobachten. Liessen sich verneh- 
men, dass sie das Amt Tran ^), wann ich recht behalten, welches ihnen 
vi der brombergischen Tractaten zukommt, mit Gewalt wegnehmen 
wollten, wann man's ihnen nit mit guten gäbe; posset latere aliquid 

.») = Draheim. 



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264 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

maius und möchte er wohl dahin sein berufen worden. E. K. M. er- 
innern sich gnädigst, wie der Churförst sich gegen mich vernehmen 
lassen^ als ich ihm zuweilen |: burlando von der Krön Polen gesagt; dicendo 
inter caetera haec verba, er seie kein Kind Gottes, wann er's verlange. 
Wann ich aber cönsiderire, was nit allein seine, sondern auch der alten 
Princessin von Oranien und hieiger ministrorum Sentimenten, als von 
der Princessin Maria, des Churfürsten Schwägerin, Heirat mit dem Herzog 
Sigmund supposita mutatione religionis getractirt worden; so kann ich 
fast nit weniger als a simili diesfalls zu argumentiren. Die Churfürstin 
zwar ist hierin heiklich und scrupuleus, hat dieienige angefeindet, die 
das obbosagte proponirt; sie wollte lieber ihre Söhn nach dem Kirchhof 
als auf dem königlichen Thron sehen tragen mit Veränderung ihrer 
Religion :| . . . . 

Wiedenbrück hat an Schmising geschrieben, dass der Bischof sich endlich 
zum Frieden bequemen werde, doch müsse man auf Moderation der Bedingungen 
sehen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 23. April 1666. (Or.) 

[Abschluss des Münster -staatischen Vertrages. Bemühungen des Goess bessere Be- 
dingungen für Münster zu erlangen. Opposition des Goess gegen die Zulassung 
Frankreichs als Mediator. Neuburg - brandenburgiscbe Verhandlungen. Ueberlassung 
münsterischer Truppen an den Kaiser. Erneuerung der Allianz von 1658.] 

23. April. Der Vertrag zwischen den Staaten und Münster ist geschlossen*). Goess 
hat gesucht eine Besserung des Artikels wegen der Abdankung der munsteri- 
schen Truppen zu erwirken und Beverningk hat erklärt, es werde nichts auf 
sich haben, wenn der Bischof über die 3000 noch 4 — 5000 Mann mehr behalte. 
In puncto Borkelo et reservationis iurium imperii habe ich abermahlen 
repraesentirt, dass uns dahie, nee quoad rem ipsam, nee quoad modum 
gebührete E^ K. M. das arbitrium asserendorum iurium imperii zu be- 
schränken, weiln aber alle darfür gehalten, dass man's amore pacis also 
kannte stehen lassen, habe ich allein mich nit opiniatriren wollen. Der 
Herr Bischof hat die Renunciation auf Borkelo um so viel leichter ein- 
gangen, weiln er verhofft, dass E. K. M. ihme das vorbehaltene ins im- 
perii überlassen werden, darzu ich dann ad facilitandam pacem meine 
ofßcia promittirt; darauf die Abgesandte gezeigt, grosse Hoffnung zu 
stellen. 



') Vertrag von Cleve vom 18. April; gedruckt bei Duraont I.e. VI.3 106 ff.; 
Londorp I.e. IX. 431 ff. ; Alpen I.e. 724 ff. ; französisch in den Mem. d'Estrades IV. 
227 (f.; vergl. ferner Puf. I.e. X. 17 j Tücking 1. c. 145 ff. 



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Goess und die Mönster-staatischen Friedensyerhandlaugen. 265 

Goess protestirt lebhaft gegen die Zulassung Frankreichs als Mediator und 
erklärt nach vielen Verhandlungen, er würde lieber sehen, dass überhaupt der 
Mediatoren keine Erwähnung geschehe, als dass Frankreich eingeschlossen werde. 
Schliesslich aber hat er, da des Kaisers Befehl nur dahin lautete die Mediation 
Frankreichs wenn möglich zu verhindern, nachgegeben, wodurch er Gelegenheit 
erhielt die Opferwilligkeit des Kaisers zu betonen *). Auch bei der Unterschrift 
ergeben sich Schwierigkeiten. Beverningk betont vor seiner Abreise, wie sehr 
die Staaten dem Kaiser verpflichtet seien und kündigt eine Gesandtschaft nach 
Wien") an. Colbert hat den Goess besucht'). 

Der Bischof von Münster schreibt an seine hiesigen Gesandten, ein Vertreter 
Englands sei zu ihm gekommen mit der Meldung, der König von England wolle 
seine Differenzen mit den Staaten gleichfalls zu Cleve beilegen. Goess glaubt 
nicht, dass dem so sein kann *). Dem Giese ist ein Project bezüglich der Ord- 
nung der Religionsangelegenheiten von den Brandenburgern übergeben worden. 
Goess bietet des Kaisers Mediation an und spricht gegen die französische, 
welche, wie Giese betont, nothwendig für den Neuburger sei, da der Branden- 
burger viel mächtiger wäre. Auch betont Goess, dass der König von Frank- 
reich immer noch für Enghien in Polen agitire. Die munsterischen Officiere 
Gorgas und Ossery^) tragen dem Kaiser die abzudankenden münsterischen 
Truppen an. Die Staaten suchen dem Schwedenkönige die Furcht wegen' der 
von ihnen beabsichtigten Allianz mit Dänemark zu benehmen. Wegen Erneuerung 
des Bündnisses zwischen Oesterreich und Brandenburg hat Goess noch nicht 
Gelegenheit gehabt zu verhandeln. 

In der Weisung vom 9. April wird Goess angewiesen sich zu erkundigen, 
was an den dem Kaiser von Regensburg zugekommenen Mittheilungen sei, dass 
Brandenburg und Braunschweig sich erboten hätten, in dem Streite zwischen 
dem Könige von Schweden als Herzog von Bremen und der Stadt Bremen in 
p*^. immedietatis ^) die Mediation zu übernehmen. Da nun die Angelegenheit 
sowohl beim Reichshofrathe anhängig ist und über dieselbe im Auftrage des 
Kaisers auch zu Regensburg berathen ^) wird, so erhält Goess Auftrag, sich dahin 
zu bemühen, dass von Seite dieser Fürsten nichts dem Kaiser praejudicirliches 
vorgenommen werde. In der Weisung vom 21. April wird Goess davon verstän- 



Vergl. ürk. u. Act. XL 7l8f.; Aitzema I.e. V. 1031. 

*) Für Beverningks Aufenthalt in Cleve in dieser Zeit vergl. ürk. und Act. III. 
184 ff. 

») ürk. und Act. II. 376 u. a. 0., XI. 718 u. a. 0. 

*) William Temple's Sendung an den Bischof von Münster galt dem Zwecke, 
denselben vom Abschlüsse des Friedens abzuhalten; vergl. ürk. u. Act. XI. 720f.; 
Alpen I.e. 721 ff 

*) Alpen 1. c. 687, 695. 

«) Vergl. Carlson 1. c. IV. 477 ff. 

Ver^i. die in dieser Angelegenheit zu Regensburg gewechselten Schriften bei 
Pachner von Kggenstorff, Vollständige Sammlung der Ueichsschlüsse I. 187 f., 190 ff 



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266 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann yon Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

digt, dass dem Kaiser sab dato 14. April aus Regensbarg mitgetheüt worden 
sei, dass in allen 3 Reichscollegien beschlossen worden, dass wir darch In- 
terposition unserer höchsten liay. Auctoritet mit Zuziehung einiger Stände 
des Reichs die Güte versuchen, inmittelst aber durch kay. nachdrückliche 
Remonstration und fernere Dehortation aller besorglicher Thätlichkeit vor- 
kommen wollten^). Der Kaiser hat zustimmend geantwortet, anfangs die 
Wahl der Mitmediatoren den Collegien freigestellt, später aber erklärt, er halte es 
für das zweckmässigste, wenn neben Kurbayem, Brandenburg, der Bischof von 
Paderborn und ein Fürst aus dem Hanse der Weifen zur seiner Unterstützung 
in der Bremer Angelegenheit gewählt würden *). 



Der Kaiser an Goeös. Dat. Wien 30. April 1666. (Conc.) 

[Verhandlungen zu Cleve'). Wunsch nach Einigung mit Brandenburg. Jägerndorf.] 

30. April. Der Kaiser hat die Berichte vom 14. und 23. April erhalten und erklärt 
sich mit des Goess Verhalten zufriedengestellt. Er hat recht gehandelt 
Erinnerung zu thun wegen Erneuerung und Erweiterung des Bündnisses mit 
Brandenburg. Und sintemahlen wir uns leicht bescheiden können, da^^s 
der erste Angriff fortan wegen der urgirenden jägerndorfischeu Satisfaction 
ein Anstoss wird leiden müssen, so haben wir an unsern geheimen Rath 
und Hof kammerpraesidenten ^) die mehrmalige Verordnung gethan, auf 
alle thun- und mögliche Mittel zu gedenken, wie dieser Ch. L^. wegen 
selbiger Praetension ohne einzigen Verzug entweder in Geld oder Gütern 
Satisfaction gegeben werden möge. Goess möge zu erforschen suchen, wohin 
des Brandenburgers und der Staaten Absichten jetzt gerichtet sind. Wirst 
auch in guter Wachtsamkeit zu stehen haben, damit deiner unwissend 
zwischen Engelland und denen Staaten nichts gehandlet und sonderlich, 
dass selbige Tractaten nicht nacher Paris gezogen werden. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 3. Mai 1666. (Conc.) 

[Post angelegenheit.] 

3. Mai. Auf Wunsch des Kurfürsten hat der Kaiser nach Unterhandlungen mit 

dem Erbpostmeister Taxis sich entschlossen Ihrer I/®". die Anordnung und 

Das Schreiben vom 14. April bei Pachner 1. c. I. 203. 
>) Yergl. Pachner 1. c. I. 214. 

5) Für die Verhandlungen in Cleve vergl. ürk. u. Act. XI. 7iOfF., wo auch die 
Antheiinahme des Goess henrortritt: II. 382 ff. 
*) Georg Ludwig Graf Sinzendorf. 



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Erneuerung der Allianz von 1658. Postangelegenheit. Jägemdorf. 267 

Bestellung der Posten in allen dero Landen völlig zu überlassen, jedoch 
mit dem Geding und Verstand, dass sie dargegen sich anderer, welche 
ab hoc exemplo dergleichen Concession zu praetendiren sich unterstehen 
möchten, nit allein nit annehmen, sondern auch wider alle diejenige, so 
oberwähntes unser kay. Postregal bei gegenwärtigem Reichstag oder sonst 
in andere Wege zu impugniren gesonnen sein möchten, .... von sich 
abweisen, hingegen auf unsere Seiten treten, unsere Gerechtsame bestan- 
dig secundiren und sich nit weniger verbindlich erklären, dass unsere 

Schreiben, .Couriere und Staffetten in des Churfürsten Landen . . . wie 
vorhero gegen billichem und leidentlichem Post- und Rittgeld so Tags 
so Nachts unweigerlich befürdert werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 15. Mai 1666. (Or.) 

[Schwedens Verhalten bezüglich der von Braunschweig und Brandenburg ange- 
botenen Mediation in der Bremer Angelegenheit. Unterredung des Goess mit dem 
Kurfarsten bezüglich dieser Mediation. Postangelegenheit.] 

WrangeP) hat des Hauses Braunschweig Mediation in der Bremerangelegen- 15. Mai. 
heit nicht angenommen nnd die des Brandenburgers nur ad referendum ge- 
nommen, ohne bisher zu antworten'). Der Kurfürst hat daher, als Goess ihm 
laut Befehl vom 21. die Mediation antrug, sich anfangs suchen zu decli- 
niren, ohne Zweifel aus Beisorge in einiger Offension der Krone Schweden 
zu incurriren. Erst auf Zureden des Goess erklärt er sich bereit „mit Hinzu- 
setzung dieser Worte, der Churfurst von Bayern werde müssen dero Vorfechter 
sein^. Der Kurfürst hat auf des Goess öfteres Drängen seine Gesandten in 
Regensburg dahin instruirt, die Interessen des Kaisers in der Postangelegenheit 
zu unterstützen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 15. Mai 1666. (Or.) 

[Verhandlungen wegen Erneuerung und Ausdehnung des Bündnisses von 1658. Jä- 
gemdorf. Reise des Kurfürsten nach den Niederlanden. Brandenburg-neuburgische 
Verhandlungen. Brandenburg-schwedische Allianz. Action des Kurfürsten gegen 

Magdeburg.] 

Befehl vom 30. April erhalten. Anlangend nun renovationem et exten- 15. Mai. 

tionem foederis, habe ich nit unterlassen, alsobald nach erfolgten 

Schluss des Friedens, dieses Werk emsig zu treiben. Auf P. Ch. D. 

Seiten hat man's Anfangs gesucht zu verschieben, bis wir widerum nach 



*) Gustav Wrangel, schwedischer Reichsfeldherr. 

*) Vergl. Köcher 1. c. 458f.; Droysen 1. c. in.3 lölff. 



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268 IV. Erste Mission des Freiherru Johann von Goess. Jan. 16G5— Mal 1668. 

Berlin zurück kehren möchten. Als ich dann darbei observirt, dass das 
^sehen dahin gienge, dass man zuvor die Satisfaction für Jägemdorf 
wollte haben, habe ich contra morem meum so starke Versicherung 
gethan, dass dieselbe ehisten zu V, Ch. D. Gniigen erfolgen wurde, dass 
man's mir sicherlich glaubt. Dann ich habe, Gottlob, dahie den Credit, 
dass ich gar nit freigebig bin mit Zusagen, was ich nit gewiss wisse, 
dass es soll gehalten werden^ welches, allermassen es zu E^ E. M. 
Dienst in viel Wege gereichen kann, also versehe ich mich unterthä- 
nigst, dass sie meine gegebene Parola diesfalls disimpegniren werden. 
Ferner gaben die' Brandenburger als Grund der gewünschten Verzögerung die 
Anwesenheit Colberts an. Goess betont aber, man könnte das Geheimnis ganz gut 
wahren. So verhandelt er nur mit Schwerin, in Gegenwart des Secretärs 
Kessler, der alle Schreibgesch&fte persönlich besorgte. 

Schwerin wollte im ProSmium den langen Titel des Kurfürsten ; Goess glaubte 
dies ohne speciellen Befehl des Kaisers nicht billigen zu können und so wurde 
beiderseits der abbrevirte Titel gesetzt. 

Im Artikel 2 ist als Zeit für die Unterstützung statt eines Monates gesetzt 
worden, so schnell als möglich, jedesfalls aber 2 Monate nach erfolgter Ver- 
ständigung. Die Truppenzahl blieb wie 1658, obgleich Schwerin eine Verrin- 
gerung der Kurfürstlichen begehrte. Weiln I. Ch. D. gleich Anfangs er- 
innern lassen, dass die Obligation, in welcher sie dieses foedus setzet, 
zum Türkenkrieg nit zu extendiren, ex ratione in articulo inserta und 
ich selbst einigermassen judicirt, dass dieselbe (obwohl E. K. M. sich 
gleichfalls obligiren dem Churfürsten extra Imperium zu assistirn;) einige 
speciem aequitatis habe, der Baron von Schwerin mich auch ganz kräftig 
versichert, dass der de Lisola beim letzt gewestcn Türkenkrieg zwar 
der Hülf wider den Türken auch ex foedere praetendirt, aber heruacher 
gleich darvon gewichen, als habe ich den paragraphum destwcgen also 
einrichten lassen, wie E. K. M. ad finem articuli III. zu sehen ^). Die 



') Dieser Passus lautet: Si vero bellum cum Turcis ingruat, S. S. E. zelo suo pro 
defcndeuda Christianitate nihil quidem deesse patietur; sed cum in tali necessitate 
certa auxilia adversus eosdem Turcas communi imperii placito decerni soleant 
Suaque S. E. tanquam Elector et Princeps imperii pro rata conferat ac subveniat, ad 
ulteriora hoc casu auxilia, de quibus in hoc foedere agitur, non obligabitur. Tene- 
bitur autem S. S. E. non obstante eo quod hoc articulo dicitur, quod una pars alter! 
non debeat nisi uno in loco et contra unum ex hostibus promissum auxilium sub- 
ministrare, Suae C ®*^ M^., si ab aliquo alibi eodem tempore invaderetur, pactum hoc 
foedere militem auxiliumque praestare. Quod si etiam flagranti hello cum Turcis, ad 
quod una cum caeteris imperii statibus S. S. E. auxilia sua miserit, eodem tempore 
S. S. E. ab aliquo alio hoste in territoriis suis invaderetur, ne tunc quidem inter- 
mittet C. S. M-, prout Turcici belli moles patietur, Suae S'*. E^>. pro viribus succurrere. 



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Erneuerung der Allianz von 1658. Jägerndorf. 269 

Reciprocation darbei auf E^ K. M. Seiten, auch wann sie im Turkenkrieg 
begriffen, habe ich für ganz unbillich, auch unmöglich zu practiciren, be- 
funden; nachdem aber der Baron von Schwerin vorgewendt, dass sie 
mehr ad famam auxiliorum in tali casu, quam ad auxilia ipsa, die er 
Selbsten bekennete, dass schwer fallen würden, respicirten und man 
ihrerseits E^, E. M. ein mehrers, als was bei solcher Beschaffenheit ge- 
schehen künnte, nit zumuten würde, habe ich auf E^ K. M. gnädigster 
Ratification, mit Vermelden, dass ich hierzu nit instruirt, den paragra- 
phum aufgesetzter Massen passiren lassen. Sonst sind nur unbedeutende 
Wortänderungen vorgenommen worden. Goess glaubt, man sollte Schwerin 
und den Secretär belohnen und auch sonst etwas Geld aufwenden, um Leute 
am Hofe des Kurfürsten zu gewinnen. 

Betreffend die Satisfaction für Jägerndorf befinde ich 'des Grafen 
von Tattenbach Begehren also gethan, dass ich nit sehe, wie auf diesem 
Weg fortzukommen, und weiln der Churfürst doch auf ein Stück Lands 
dringt und sich mit lauter Geld nit will contentiren lassen, als ist mir bei- 
gefallen, wann E. K. M. mit dem Grafen von Schwarzenberg handien 
Hessen, dass er deroselben seine in der Grafschaft Mark gelegene Herr- 
schaft Gimborn und das darbei gelegenes Amt Neustadt überlassen thäte 
und man das übrige, allermassen mit Regenstein geschehen sollen, in 
baarem Geld hinzugäbe, dass es ein Mittel sein möchte S. Ch. I). zu 
contentiren. Ich habe zwar von weiten etwas sondirt, finde aber nit 
rathsam sich hierüber in Tractaten dahie einzulassen, es sei dann, dass 
man auf E^ K.«M. Seiten versichert, dass man gedachte Herrschaft und 
Amt haben könne. Im übrigen ist man dahie allemahl darauf bestan- 
den, dass wann die Herrschaft Regenstein auf 100000 Reichsthaler 
geschätzt würde, wie sie dieselbe nie höher geschätzt haben, noch 
100000 Reichsthaler in Geld darzu zu geben, neben noch einigen andern 
beneficio, welches sie anfanglich auf die Expectanz einiges Reichslehens, 
so sie benennen wollten, gestellt; nun aber haben I. Ch. D. durch 'den 
Baron von Schwerin das Privilegium de non appellando in ihrem pom- 
merischen Theil darfür begehren lassen, mit diesem motivo, dass weiln^s 
die Schweden in ihren Theil haben, man's verhoffentlich dem Chur- 
fürsten, der E. K. M. in allem so gewärtig, auch vergunnen würde. Ich 
habe dieses zwar angenommen bei E^ K. M. unterthänigst anzubringen, 
doch darbei zu verstehen gegeben, dass die Consequeuz, wie auch dieses 
zu besorgen, dass E'. K. M. ungleich möchte ausgedeut werden, wann 
dieselbe die kaiserliche iura von wegen dero Particularangelegenheiten 
vergeben thäten. Der Baron von Schwerin hat hierauf gcmelt, dass es 



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270 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

nit eben bei diesem Tractat über Jägeradorf geschehen müsste; I. Ch. D. 
würden zufrieden sein, wann sie nur versichert wurden, dass deroselben 
inskünftig bei guter Gelegenheit dieses Privilegium wurde ertheilt werden. 

Goess sncht die Ueberlassang münsterischer Truppei; an Spanien zu be- 
fördern. Der Kurfürst ist am 11. nach Holland abgereist, um dort wegen des 
Prinzen von Oranien zu verhandeln»). Goess ersucht den Kurfürsten sich dar- 
über Kenntnis zu verschaffen, wie es mit dem in Vorschlag gekommenen Bünd- 
nisse der Staaten mit dem Reiche und in specie mit dem benachbarten Kreise 
stehe. Das beste Mittel England vom Abschlüsse mit Frankreich abzuhalten, 
wäre den Engländern eine vortheilhaftere Allianz anzutragen. Die Verhand- 
lungen zwischen Neuburg und Brandenburg werden fortgesetzt. Ich sehe die 
Sach zum Vergleich disponirt und verspürt man auf des Churfürsten 
Seiten so starke Inclination darzu, dass es nit allein materiam discur- 
rendi, sondern auch fast suspicandi gibt. . . . Der Herzog von Neuburg 
desistirt nun von seinem hiebevor gethanen Begehren die französische 
Mediation hierbei zu haben. 

Colbert hat freundschaftlichen Abschied von Goess genommen. Der schwe- 
dische Präsident im Herzogthume Bremen, Kleihe, ist am 7. Mai hiehergekommen; 
wie Goess glaubt, um den Stand der Dinge zu erfahren. Der Kurfürst hat gewünscht, 
derselbe möge so bald als möglich abreisen. Das foedus defensivum zwischen 
dem König in Schweden und dem Churfürsten ist unterschrieben mit 
Auslassung der Hülfe, die man schwedischer Seiten wider Moskau be- 
gehrt hatte'). Man hat gemutmasset, dass der Kleihe käme einen 
näheren Tractat auf dieses Fundament zu bauen; sed non videtur; |:der 
Churfürst möchte fast mehr zu Dänemark incliniren propter commune 
interesse Hollandorum : |. Goess hat wiederholt mit Kleihe gesprochen. 

Ich habe E. K. M. in P. S. unterm 14. Aprilis erinnert, dass ich 
vermerkete, dass |: dieser Churfürst mit seinen Völkern noch einige 
Action vor hätte und etwas wegen Magdeburg gemeldt :|. Gestern seind 
die hie gelegene Völker aufgebrochen. Das Rendez-vous werd bei Hamm 
sein, das corpus werd bestehen ungefähr in 11000 Mann, darunter 
7000 Knecht; die schwere Artillerie werd man von der Lippstadt mit- 
nehmen. Der Feldmarschall Sparr, Fürst von Holstein, Goltz und die 
übrigen generales gehen mit; der Fürst von Anhalt aber nit. |: Ich habe 
guten Bericht, ob man mirs zwar pro incerto vorgegeben, dass es noch 
wider Magdeburg gemeint Die Stadt wird beschuldigt als contumax, 
welche bis dato die Huldigung verweigert; man wolle sie zu Raison 

») Vergl. Droysen I.e. III. , 147 f. 

') Der Vertrag ist nach dem Wortlaute des Projectes vom 27. Märt 1666 unter- 
schrieben am 31. März 1666. Vergl. Mörner 1. c. 277; Puf. IX. 70. 



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Staatiscbe Angelegenheiten. Brandenburgs Action gegen Magdeburg. 271 

bringen; doch scheint es, wann sie sich werden bequemen, man wolle, 
es nit ad extrema kommen lassen. Der von Platen und Jena werden 
mit, wie ich vermute, zu tractiren, si erit occasio. Der Herr Admini- 
strator^) ist conscius huius consilii und seind Schreiben darüber ge- 
wechslet, ihme auch für seine Person das Amt Rosenberg pro beneficio 
zu Lehen versprochen. Von Chursachsen kann ich nicht befinden, dass 
er hierin zustimme, sed dicitur non habere roilitem und tnit der Impresa 
wolle man bald fertig werden und hernacher die Armada, wann änderst 
nichts vorfallt, abdanken. . . . Der Churfürst hat mir von allem diesem 
nit das geringste, sondern omnia alia gesagt. Man vermeint, er werde 
mir zu seiner Widerkunft darvon sagen. Ich habe doch durch jemand, 
qui faceret tanquam ex suo, gerathen, man solle auf keine extrema ge- 
denken und dardurch neue Weitleufigkeit erwecken, sondern placidis 
viis componiren, darzu mir einige Hoffnung gegeben worden, wann die 
Stadt sich nur zeitlich bequemen werde :|. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 29. Mai 1666. (Or.) 

[Gesinnung des Kurfürsten. Des Kurfürsten Aeusserungen über die Politik der 
Staaten und ihren Wunsch sich mit den Fürsten des westpbäli sehen Kreises zu ver- 
binden. Oranische Angelegenheit. Dänisch -brandenburgische AUianzverbandlungen. 
Urtbeil des Goess über des Brandenburgers Pläne. Brandenburg -neuburgische Aus- 
gleichsverhandhmgen. Magdeburg.] 

Der Kurfürst ist am 22. ans Holland zurückgekehrt. Goess bat in seiner 29. Mai. 
Abwesenheit die Kurfürstin besucht, die sich friedlich und gut kaiserlich gesinnt 
zeigt. Aus des Churfürsten Discursen ist gnug zu vermerken^ dass man 
in Holland den Frieden mit England sehr verlange. Die Abrumpirung 
der Conferenzien zu Paris') deuten sie zwar zu ihrem Avantagio aus; 
wünschen aber darbei, dass ein ander modus tractandi möchte gefunden 
werden und haben sie gnugsam zu verstehen gegeben, dass E. K. M. viel 
guts hierbei thun kannten. I. Ch. D. haben sich willig erzeigt hierzu 
zu cooperiren und hierdurch nit allein die Staaten General zu obligiren, 
sondem];auch den König in England, der wegen seiner neulich mit Hol- 
land getroffener Allianz nit wohl zufrieden, in etwas zu besänftigen. 
Der Enrfürst denkt den Kanzler der Neumark, Brandt'), nach London zu senden. 
Eine Verböndnus mit dem westphalischen Kreis verlangt man in Holland 

*) Herzog August von Sachsen. 
«) LefeVre-Pontalis 1. c. I. 372. 
^ Vergl. Puf. 1. c. X 20. 



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272 iV- Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 —Mai IBßÖ. 

gar hoch und I. Ch. D. zeigen grosse Begierde dieselbe zu beförderen. 
Als sie mit mir daraus geredt, habe ich insinuirt, dass der burgundischer 
Kreis darin mit einzubegreifen. Sie haben geaotwort, dass die Staaten 
von wegen Frankreich diesmahlen sich nit so weit herauslassen würden; 
man miisste per gradus gehen und mit diesem Kreis einen Anfang 
machen, welches zur Disposition zum übrigen dienen würde. Durchgehend 
hätten alle mit* welchen er geredt sich gegen ihm vernehmen lassen, 
dass sie nie zusehen würden, dass der König in Frankreich sich der 
Niederlanden bemächtige; um soviel mehr wäre der Fried mit England 
zu procuriren, dann dardurch würden sie in statu gesetzt ihre Interesse 
ohne so starke Reflexion auf Frankreich, als sie ietzuuder haben müssten, 
zu beobachten. 

In des Prinzen von Oranien Sachen, vermerke ich zwar, dass man 
dem Churfürsten alle gute Hoifnung gegeben; ich sehe doch, dass die 
contrari Faction sich gedenke zu wehren, so lang sie werden können und 
unterdessen ein oder anders beneficium temporis zu erwarten. Bcver- 
ningk hat sich nit im Haag befunden, welches vielleicht nit casu ge- 
schehen, dann er hatte sich dahie ad captandam benevolentiam allziem- 
lich herausgelassen. Der Churfürst insinuirt, dass die Education des 
jungen Prinzen fast zu viel auf die englische Art und Hoheit anschlage 
und dass er qua exemplo, qua consilio, die Popularität, durch welche 
seine Vorfahren sich beliebt gemacht, suadirt . . . 

Der dänische Abgeordneter Detlef von Ahlefeld ist auch wiederum 
hieher kommen und negociiret renovationem foederis mit diesem Chur- 
fürsten*). Ich vermerke wohl, dass man sowohl dänischer als holländi- 
scher Seiten trachte den Churfürsten in den Krieg mit zu impliciren, 
wann es mit Schweden zum Bruch kommen sollte. { : Ich habe meine 
Discurs dahin gericht, dass der Churfürst hierin gemach zu gehen, nichts 
zu praecipitiren, sich mit E^ K. M. zu vernehmen und dass sehr gefähr- 
lich fallen würde, wann I. Ch. D. sich alsogleich ohne Not in alle vor- 
fallende Krieg unter den Benachbarten impliciren lassen sollten. : | 

Man müsste sehen, ob nit Mittel gefunden werden möchten dieses 
aufgehende Feur, ehe es weit um sich greife, zu löschen und ist mein 
|: Absehen hierbei, dass E. K. M. Zeit gewinnen mögen zu deliberiren, 
quid sibi et augustissimae domui expediat in diesem ganzen Werk, 
welches ich von überaus grosser Iraportanz zu sein erachte. Der Chur- 
fürst scheint nun auch etwas Zeit zu gewinnen wollen :|. 

') Vergl. Droysen 1. c. Iir.3 145. 



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Staatische VerhilltDisse. D&nisch-brandenbargische Allianzverbandlungen. 273 

In foedere mit Dänemark hat Ahlefeld begehrt, dass man in specie 
contra Suecos setzen solle; welches der Churfurst nit thun will. Es 
ist ein Project eines Defensivbündnisses aufgesetzt und nach Kopenhagen ge- 
sendet worden, wohin der Kurfürst jemanden abordnen will. 

Ich habe bis dato unterschiedlich vermerken können, |: dass dieser 
Churfurst fast mehr nach Dänemark propendire. Von holländischer 
Seiten unterlasst man nicht, ihn darzu zu stimuliren; es mag ihm auch 
gedünken, dass diese Party die stärkeste sein werde, vielleicht auch 
wohl Gedanken einfallen von einiger Occasion Vorderpommern zu recu- 
periren und, wie zuweilen die Reden gehen, Schweden widerum von 
Deutschland zu bringen. Auf der andern Seiten will gleichwohl auch 
sehr bedenklich fallen, mit Schweden zu brechen :|. Eine einige See- 
schlacht, so die Engländer gewinnen, könnte Dänemark und die Confoe- 
derirte in grosser Gefahr setzen. Man gibt zwar vor, Schweden habe 
die Mittel nicht sich zur See auszurüsten; England seie nicht im Stand 
dieselbe zu subministriren, durante minorennitate regia werde die Krön 
sich in so einem beschwerlichen Krieg nit einlassen; des Wrangeis mili- 
taria consilia seien den übrigen Regierungsräthen suspect, als wolle er 
alle Authorität an sich ziehen, auch wohl vielleicht ad majora aspiriren; 
die contrari Party seie sehr stark, herentgegen haben sie von Niemand 
als von England (es wäre dann, dass das Haus Oesterreich ihre consilia 
verändere) keine sonderliche Assistenz zu gewarten. Mit Moskau wären 
sie auch nicht richtig und dergleichen considerationes mehr, die ich doch 
alle nit von solchem peso erachte, dass ich nit wohl glauben könne, 
dass entweder ietzunder, da Dänemark noch nit in Postur, oder doch 
künftig, wann England über Holland Avantage haben solle, Schweden 
sich möchte zum Krieg resolviren, zumahlen sie nit aequis oculis die 
Anstalten, welche man seither erhaltener Souverennität in Dänemark 
macht, anschauen sollen. 

Goess spricht mit Ahlefeld ausführlich über die dänischen Verhältnisse. 
Die neuburgischen Gesandten sind am 20. Mai wieder angekommen ; es ist Aus- 
sicht vorhanden, dass die Verhandlungen zwischen Neuburg und Brandenburg 
zu einem erwünschten Resultate führen. Der Zug der brandenburgischen 
Truppen gegen Magdeburg dauert fort. | : Ahlefeld glaubt, dass der Chur- 
furst von Sachsen diesen nit zusehen werde noch könne, dass E. K. M. 
von wegen des Königreichs Böhaim und der Elb auch höchlich darbei 
interessirt. : i 



Mater, s. Gesch. d. Q. Karfursten. XIV. \Q 



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274 ^' ^^^^^ Mission des Freiherm Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Der Kaiser an Goess. Dat. Laxenburg 31. Mai 1666. 

(Copie.) 

[Erneuerung des Vertrages von 1658.'^Jägerndorfische Angelegenheit] 

31. Mai. Der Kaiser übersendet das Document der Garantie für den Frieden der 

Staaten mit dem Bischöfe von Münster und die Ratification des erneuerten 
österreichisch -brandenburgischen Vertrages. Die einzige Aenderung die der 
Kaiser vorgenommen, ist, dass er anstatt 4000 zu Ross und 2000 Mann zu 
Fuss, die der Kaiser und 2000 zu Ross und 1500 zu Fuss, die Branden- 
burg zu stellen hat, 2000 zu Ross und 4000 zu Fuss, respective 1500 zu Ross 
und 2000 zu Fuss gesetzt hat, welche Aenderung, wie der Kaiser hofft, der 
Kurfürst billigen wird *). Erhebt aber der Kurfürst grosse Bedenken, dann soll 
Goess von dieser Forderung abstehen und das unveränderte Exemplar übergeben. 
Bezüglich der jägerndorfischen Affaire hat der Kaiser der Hof kammer befohlen 
ihm genauen Bericht zu erstatten. Goess soll fortfahren die Aussöhnung zwischen 
Brandenburg und Neuburg zu fördern. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 5. Jnni 1666. (Or.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten und seinen Rätben bezäglich der polnischen Königs- 
wahl. Brandenburg- neuburgische Verhandlungen. Unterredung des Goess mit Frie- 
drich Wilhelm über die Magdeburger Frage. Allianzpläne der Holländer. Dänisch- 

brandenburgiscbe Allianz.] 

5. Juni. Der Kurfürst lässt Goess fragen , ob der Kaiser die Wahl des Neuburgers 
zum Könige von Polen fördern wolle; Goess betont in seiner Antwort den 
Willen des Kaisers, die Wahlfreiheit den Polen zu erhalten. Die Brandenburger 
meinen, da es den Anschein habe, als wolle die Gegenpartei mit Gewalt ihre 
Pläne durchführen, so würde es zweckmässig sein, sich gleichfalls in Postur zu 
stellen und sich, wenn auch in secreto, über die zu wählende Person zu einigen. 
Sie bitten Goess dem Kaiser von diesen Plänen Brandenburgs Mittheilung zu 
machen. {: Ich glaube man wolle und werde dem Herzog all starke 
HoffDung machen, ihme zu der polnischen Krön zu verhelfen. Vielleicht 
intendirt man auch, dass ich diese anwendende Diligenz dem von Neu- 
burg referiren solle. Es ist auch doch nit ohne, dass der Churfarst die 
französische Menecn in Polen apprehendirt. Bei der Mention so hierbei 
des Herzogen von Neuburg geschehen, : { habe ich wie vor diesem also 
auch diesmahlen insinuirt, dass E. K. M. demselben mit kais. Affection 
wohl zugethan und würde der Herzog wissen dero kais. Gnad bei allen 
Begebenheiten zu demeriren'). 



Diese Aenderung billigte der Kurfürst, vergl. Morner 1. c. 279. 
«) Vergl. ürk. u. Act. XI. 747 f. 



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Erneuerungder Allianz Yon 1658. Neuburg-brandenb. Beziehungen. Magdeburg. 275 

Den 3. dieses habe ich mit P. Ch. D. wegen der neuburgischen 
Tractaten geredt und zwar solcher gestalt, dass ich darbei fast mehr 
das Desiderium die Tractaten zu beförderen, als unsere Religion zu 
avantagiren, welches durch die neuburgische Abgesandte füglicher ge- 
schehen kann, verspüren lassen. Dieses habe ich sonderlich suggerirt, 
dass, wann I. Ch. D. diese Tractaten beschlossener verlangen, sie den 
Eifer der reformirten ministrorum nit all zu viel nachzugeben, noch dem 
Herzog von Neuburg solche Ding zuzumuthen, welche er Gewissen halber 
nit thun könnte, noch wurde; derentwegen wir auch ad aliqua specialia 
kommen. Sonsten sehe ich, dass der Churfürst supponirt, dass die 
Tractaten zum Schluss kommen werden; ich weiss nicht, an ex prae- 
supposito, dass er, oder der Herzog, oder endlich beide von ihren prae- 
tensionibus nachgeben werden. In Holland, gegen Schweden und Däne- 
mark gibt er die Tractaten vor geschlossen, quod non caret suo mysterio 
bei gegenwärtigen Conjuncturen. 

Bei dieser Gelegenheit und ehender nit, hat mir der Churfürst ent- 
deckt, dass der Marsch seiner Armee wider die Stadt Magdeburg ange- 
sehen; hat sich beklagt über der Stadt Arroganz und Hochmuth, die 
weder ihme noch dem administratori bis dato huldigen wollen. Die 
formula homagii, derer er authentica instrumenta in archivo habe, seie, 
dass sie dem administratori treu und gehorsam sein sollen, welches sie 
nun perfracte detrectiren. ... Er hätte Nachricht, als wann Chursachsen 
vorhabe sich gemelter Stadt zu bemächtigen, welches zu sein Praejudiz 
und Schmälerung seiner Rechten gereichen würde. Von dem Herrn ad- 
ministratore hat er zwar also geredt, als wann er diesfalls mit ihm einig 
wäre; doch weiln er darbei gemelt, dass der von Platen und der Jena 
nun zu ihme gereist und ich sonsten auch nit finde, dass dem Herrn 
administratori könne gelegen sein, dass der Churfürst sich dieser Stadt 
bemächtige, stehe ich hierin fast an. Soviel hat sich der Churfürst ver- 
nehmen lassen, dass wer ihn hieran hindern wollte, es wäre Chursachsen, 
Schweden oder das Haus Braunschweig, denen würde der Feldmarschall 
Sparr nach habender Ordre alsobald mit aller Macht, welche gleichwohl 
in 14000 Mann bestünde, auf'n Leib gehen. Ich habe hierauf geant- 
wort, dass mir sehr leid wäre, dass S. Ch. D. sich nit belieben lassen, 
mir diese dero Intention und führende Klagen wider die Stadt Magde- 
burg zu vertrauen, ich würde gewiss bei E'. K. M. daran gewesen sein, dass 
deroselben von gedachter Stadt alle billiche Satisfaction widerfahren wäre; 
ich lebete auch noch der Hoffnung, dass sie nit gedacht wären, mit dieser 

18* 



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276 IV. Erste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

impresa ad extrema und so weit zu verfahren, dass neue motus und 
Weiterungen im römischen Reich daraus möchten entstehen kommen; 
sondern dass sie sich befriedigen wärden, wann die von der Stadt 
Magdeburg dasienige praestirten, worzu sie von rechts wegen gehalten, 
darzu sie nicht zu zweifeln, dass E. K. M. dero kais. Autorität inter- 
poniren wurden. Der Churfärst hat sich hierauf gegen mich nit recht 
ausgelassen, sondern geantwort, dass die Magdeburger obstinate Leut 
wären, von welchen mit guten keine Satisfaction zu erwarten; er hätte 
Nachricht, dass sie sich zur Gegenwehr anschicketen; viel der Bürger 
wären ihm wohl affectionirt, aber etliche unruhige Köpf praevalirten. 
Crockow berichtet aus Stockholm, dass Schweden nicht mehr so stark gegen 
Dänemark rüste und dass den Schweden der münsterische Friede unangenehm 
gewesen sei *). 

Friquet dürfte dem Kaiser schon von dem Plane der Generalstaaten eine 
neue Allianz mit Dänemark, Brandenburg und Braunschweig zu schliessen Mit- 
theilung gemacht haben. Ahiefeld sagt, dieser Bund soll gegen Schweden ge- 
richtet sein. Und ist nit ohne, dass man in Holland sucht diese Chur- 
und Fürsten in dem Krieg wider Schweden zu impliciren. {:Mir ist die 
Sach suspect, weiln die Franzosen die Hand darin halten. Ich habe 
von dem Ahlefeld so viel wahrgenommen, dass der d'Estrades zu Fort- 
setzung dieser Allianz antreibt. E. K. M. werden aus des Marques de la 
Fuente Schreiben an dero Obersten Kämmerern ersehen haben, dass der 
König in Frankreich diese Allianz garantiren solle, darvon doch Ahlefeld 
nichts wissen wollen. Was der Marques in diesem Schreiben meldt de 
gccundo fine Electoris bei dieser Allianz, die Krön Polen etwa an sich 
zu bringen, scheint nit verisimile, noch zu quadriren mit dem, was mir 
in favorem Neuburg proponirt wird. Es ist auch zu consideriren, dass 
diese Allianz entweder in der rheinischen Allianz, oder* doch sonsten mit 
Frankreich alliirt. Dem Churfürsten habe ich insinuirt, dass man sich 
hierin wohl vorzusehen ; finis huius foederis möchten uns mit Fleiss ver- 
borgen werden; Frankreich suche omnes rimas in die Ostsee zu kommen 
und folgends auch in Polen :{; wann nichts böses hierunter verborgen, 
könnten E. K. M. in diese Allianz mit eintreten; opponirte man sich 
darwider, wäre es ein gewiss Zeichen, dass gefährliche intentiones dar- 
unter verdeckt. Der Churfürst applaudirte dieser letzten Proposition 
und sagte, er wollte die Gemuter darüber sondiren. Ahlefeld mit dem 
Goess spricht, glaubt aber, man solle Anfangs des Beitrittes des Kaisers mit 
Rücksicht auf Dänemark und Holland, die nichts Frankreich feindliches werden 



') V.rgl. ürk. u Act. IX. 815 ff. 



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Brandenburg-dänische Allianz. Magdeburg. 277 

thun wollen, keine Erwähnung thun. Ahlefeld ist zu dem Herzoge von Braun- 
schweig abgereist. Das dahie getractirte foedus hat er nit geschlossen, 
sondern den Aufsatz an seinem König remittirt. Die grösste Difficul- 
täten, daran es haften solle, seind, dass man dänischer Seiten praeten- 
dirt, dass antiquam foedus noch in vigore zu bleiben und die renovatio 
allein contra Suecos angesehen, brandenburgischer Seiten aber, dass 
novum foedus aufgericht, indem das alte per pacem cum Suecis erloschen 
und dieses nit contra Suecos, sondern contra quoscunque solle eingericht 
werden. Die Disparität wird von dem Ahlefeld in dem gesetzt, dass 
sie, die Dänen, sich fast allein gegen Schweden zu versicheren , der Chur- 
furst aber weitsichtige Interesse allenthalben habe. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 12. Juni 1666. (Or.) 

[Magdeburg. Unterredung mit Anhalt über die geplante Allianz zwischen Dänemark 
Generalstaaten, Brandenburg und Braunschweig. Haltung der Franzosen. D^ Estrades, 
ürtheil des Kurfürsten über der Franzosen Vorgehen bei dieser Allianz. Schwerin 
plant eine Reise nach Amsterdam. Mittheilungen des Kurfürsten von einer geplanten 
Allianz mit Braunschweig und Schweden. Abreise der neuburgischen Gesandten.] 

Mit dem Coadjutor von Magdeburg soll der Kurfürst, wie Goess vernimmt, 12. Juni, 
einig geworden sein'). 

Ich habe dem Fürsten von Anhalt, als er mich diese Tagen besucht, 
diejenige Ding vorgestellt, |: welche ich bei der vorgebender Allianz zwischen 
Dänemark, die Staaten General, diesem Churfürsten und dem Haus 
Braunschweig considerire '). . . . Der Fürst ist mir beigefallen und will 
nun täglich mehr an Tag kommen, dass die Franzosen dieienige sein, 
welche dieses Werk durch die Holländer treiben. . . . D'Estrades incul- 
piret den Beverningk sehr, dass er sich bis dato bei dem Schwerin nit 
eingefunden dieses Allianzwerk zu perfectioniren : | ; sobald der de Witt 
von der Flotte kommen würde*), würden andere von denen Staaten 



Ueber die Beziehungen des Kurfürsten zum Coadjutor von Magdeburg in 
dieser Zeit; Theat. Eur. X. 162f.; Puf. 1. c. IX. 83; Droysen 1. c. IILj 152ff.; Mem. 
de Pomp. II. 181 ff. Die Verträge vom 18. und 28. Mai bei Mörner 1. c. 280f. 

^ Gemeint ist die Quadrupelallianz, die am 25. Oct. im Haag zwischen den 
Staaten, Dänemark, Brandenburg und den Herzogen Ernst August und Georg Wil- 
helm abgeschlossen wurde; vergl. den Abdruck bei Aitzema 1. c. V. 905; Dumont 1. c. 
VI.» 122; Londorp 1. c. X. 483 ff.; Mörner im Auszug 1. c. 307 ff.; vergl. auch Puf. 
1. c. X. 27; Droysen 1. c. III., 158 ff.; ürk. u. Act. II. 409; Kocher 1. c. I. 454 ff.; Mem. 
de Pomponne 11. 272 ff.; Lefevre 1. c. 1. 375. 

>) Für die Verhältnisse der Staaten in dieser Zeit; Lef^vre-Pontalis l. c. I. 376 ff. 



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278 ^^* Brste Mission des Freiherm Johann yon Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

General hierzu deputirt werden. Der Churfürst sagte mir, ich hätte 
recht in dem was ich judicirete, dass die Franzosen diese Allianz pous- 
siren; der de Witt und seine Faction hätten das Absehen darbei, sich 
durch solche Hülfen wider diejenige zu wehren, welche das Haus Oranien 
favorisiren ^). Er habe dem Schwerin geschrieben, dass er sich wohl in 
Acht nehmen und in dem Werk nit vertiefen solle. Der von Schwerin 
w^erd eine Reis nach Amsterdam thun, sich besser in allem zu infor- 
miren, quod ego dissuasi. Im übrigen meldete der Churfürst gegen mich, 
dass er gedachte |:auf eine Allianz mit dem Haus Braunschweig; lie$se 
auch etwas schiessen von einer nähern Allianz mit Schweden, im Fall 
die Franzosen :| mit sothane ihre diseigni fortsetzen sollten; er vernehme, 
dass man zu Paris sagete, der Churfürst von Brandenburg, wie er sich 
auch gestcllen möchte, wäre nit gut französisch. Ich glaube, dasS solche 
propositiones, sonderlich wann sie bei Braunschweig und Schweden ge- 
schehen, bei diesen Coniuncturn angeschen sein mögen, xias Magde- 
burgische Werk, ohne dass dieselbe sich darum annehmen, desto besser 
zu gutem End zu bringen. Die neaburgischen Abgesandten^) sind nach 
Düsseldorf gereist, die letzten Verhandlungen betrafen p"". religionis *). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 28. Juni 1666. (Conc.) 

28. Juni. Goess soll sich bemühen näheres über die beabsichtigte Liga zu erfahren 

und das Zustande kommen derselben zu hindern suchen. Bezöglich der Wahl 
in Polen soll Goess wiederholen, dass der Kaiser die Wahlfreiheit der Polen 
gewahrt sehen wolle und gegen eine Wahl zu Lebzeiten des regierenden Königes 
sei; doch soll Goess zu erfahren trachten, auf wen Brandenburg sein Absehen 
gerichtet hat. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 3. Juli 1666. (Or.) 

[Verhandlungen der Neuburger. Bremische Streitfrage.] 
3. Juli. Goess ist krank. Die neuburgische Gesandte fahren fort mit ihre 

Tractaten; ich sehe aber, dass fast täglich neue propositiones herfür 
kommen. Sie seind vorgestern bei der Prinzessin von Oranien gewest, 

^) Für diese Verhältnisse Lefevre-Pontalis I.e. L 388 ff.; Mem. d'Kstrades IV. 
263 ff. 

') Joh. Ueinr. v. Winckelhauseu und Franz Giese. 

») Vergl. Urk. u. Act. XI. 744 ff. 



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Allianz zwischen D&nemark, Brandenburg, Braunschweig u. den General Staaten. 279 

welche sie stark adhortirt das Werk zu befürderen und grosse Begierde 
gezeigt zu dem Schluss zu cooperiren. 

Die Magdeburger haben dem Administrator und dem Kurfürsten von Bran- 
denburg gehuldigt. 

Der bremische Syndicus Eden spricht mit Goess über den Zustand der 
Stadt Bremen. Goess warnt vor einer Particularinterposition. 



Goess an den Kaiser. Dat. Oleve 17. Juli 1666. (Or.) 

[Erneuerung der Allianz von 1658.] 

Der Baron von Schwerin hatte Anfangs keine Difficultät gezeigt, 17. Juli, 
dass die Anzahl und Qualität der Hülfen in der verneurten Allianz also 
solle gesetzt werden, wie es E. K. M. begehrt. Ich befinde aber, dass 
iemand nacher per calculum aritmeticum ausgerechnet, dass solcher 
gestalt und nach Anschlag, was die Hülfen monatlich kosten, die Pro- 
portion nit gleich bleibe; ich habe geantwort, dass mich gedünkt, dass 
es fast zu sehr scrupulisirt seie; weiln er doch auf sich genommen, 
noch einmahl mit I'. Ch. D. daraus zu reden, habe ichs darbei bewenden 
lassen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 24 Juli 1666. (Or.) 

[Verhandlungen des Goess bezüglich der polnischen Thronfrage. Winckelhausens Er- 
klärungen über das Benehmen seines Herrn. Allianz zwischen Dänemark, Branden- 
burg, Braunschweig und den Staaten. Magdeburg. Bremische Streitfrage. Ueble 
Stimmung in England gegen den Kurfürsten. Schwedens Pläne auf Bremen.] 

Bei den Verhandlungen zwischen Neuburg und Brandenburg spielt die 24. Juli. 
Wahlfrage eine grosse Rolle, obgleich dies von beiden Theilen nicht zugegeben 
werden will. Man dringt in Goess, dahin zu sehen, damit das subjectum 
eligendum zwischen E'. E. M. und dem Churfürsten zeitlich möchte ver- 
glichen werden und fallt mir destwegen um so viel schwerer das g\ite 
Vertrauen allerseits zu behalten, dieweiln ich mich hierüber nit so weit 
herauslassen will, noch kann, als man praetendirt', dass vor diesem in 
favorem des Herzogs von Neuburg von E^ K. M. ministris geschehen. 
Ich evitire so viel ich Icann, damit man mir diese materiam in specie 
nicht berühre und dannoch ist man seither allwiederum an mich ge- 
wesen. 



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280 IV. Erste Mission des Freiberrn Jobann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Habbaeus war hier, hat mit dem Kurfürsten gesprochen und ist wieder 
abgereist. Gewiss ist, dass man von schwedischer Seite viel Aufmerksamkeit der 
polnischen Wahlfrage zuwendet*). Der Kanzler Winckelhausen, der ein 
Cavalier von redlichen, deutschen Gemüth und E'. K. M. und dero hoch- 
löblichem Haus allzeit wohl zugethan gewesen, hat mir weitläufig ge- 
klagt, welcher gestalt culpa nostra der Herzog, sein Herr, von uns ab 
alienirt und zu der französischen Partei komme, da er doch von Jugend 
auf so gut österreicherisch gewesen, als wann er aus dem Haus geboren 
wäre; er wäre auch zu voriger Devotion wiederum zu bringen. . . . 

Das foedus, so da vorgewesen zwischen Dänemark, Churbranden- 
burg, dem Haus Braunschweig und den Staaten-General, scheint nun eine 
Zeithero nit so stark getrieben zu werden. Der Baron von Schwerin 
sagt mir, dass er's auch also zu Amsterdam, als er da gewesen, befunden; 
er hat's dem genio der holländischen Republique, welche für sich selbsten 
langsam, zugeschrieben; ich vermeine aber vielmehr, es geschehe erst- 
lichen, weiln sie sich vor Schweden nimmer so sehr, als wie vorhin, 
furchten, weiln sie auch mit dem Haus Braunschweig in einige Misver- 
ständnus gerathen wegen der Völker, so diese in Ostfriesland geschickt 
und noch darin halten und dann drittens, dass sie vermerken, |: dass der 
Churfürst theils sub hoc praetextu und theils, damit er sich denen 
uebrigen gravirten Reichsständen nit adjungire, ihnen abermahien Ursach 
such abzupressen:!. Die Franzosen, wie der von Schwerin meldt, sollen 
auch dieses foedus nit allzu fest urgiren und der darbei führender Inten- 
tion nit allerdings trauen. 

Die hier anwesenden magdeburgischen Abgeordneten beklagen ihren un- 
glückseligen Zustand. I. Ch. D. wollen neben dem Commendanten, den 
Herzog Augustum von Holstein als Gouverneurn in der Stadt haben, der 
Herr Administrator will keine Fürsten an der Seiten haben. Der Handel 
ist, dass gedachter Herzog dem Churfürsten allein solle verpflicht sein. 
Die churfürstliche Guarnison ist in der Stadt und ist also nit zu fragen, 
wer in diesen Streit triumphiren werd. 

Die bremischen Abgeordneten haben beim Kurfürsten durchgesetzt, dass er 
2 Vertreter nach Stade senden wird ; auf des Goess Bedenken hin, erklären der 
Kurfürst und Schwerin, dass dies salva der kaiserlichen und der Reichscommission 
geschehen solle. Aus Paris und Stockholm langen Nachrichten von einer Frank- 
reich günstigen Stimmung der Schweden ein. Der karfürstliche Secretär Achen 
hat aus London berichtet, dass man daselbst mit dem Kurfürsten nicht zufrieden 
sei; man impntire ihm nicht allein den Frieden zwischen Münster und den 



J) Mem. de Pomp. II. 113 ff. 



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Polnische Wahl. Bremische Streitfrage. Braunschweig und die Staaten. 281 

Generalstaaten, sondern auch, dass er durch seine und des Prinzen von Oranien 
Anwesenheit bei der Flotte grösseren Zulauf des Volkes zu derselben verursacht 
habe. Das letztere soll, wie Goess erfahrt, richtig sein. Ob die Mediation von 
England angenommen wird, ist noch ungewiss. Der neue Prinz ist Ludwig ge- 
tauft worden. 

P.S. 25. Juli. Der Churfürst vernimmt, dass die Schweden die 
Stadt Bremen werden attaquiren; er würde es ungern sehen, auch hin- 
deren, wann er künnte. Der Wrangel hat an ihm geschrieben und die 
vorhabende Allianz mit den Staaten General, dem Haus Braunschweig 
und Dänemark widerrathen, der Churfürst sagt mir aber, dass er's desto 
ehender thuen werde. Die Nachricht von Schwedens Absicht sich in die 
herrschenden Differenzen zwischen Holland und England nicht zu mischen, mrd 
confirmirt. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 4. August 1666. (Or.) 

[Schwedisch-bremischer Conflict.] 

Die Schweden sandten dem Kurfürsten ihr Manifest gegen Bremen. Der 4. Aug. 
Kurfürst sendet Räte nach Stade um zu vermitteln'), aber S. Ch. D. fragen 
mich darbei, im Fall die Schweden dannoch fortfahren sollten, was man 
unserseits vermeint darbei zu thun. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 14. August 1666. (Or.) 

[Urtheil des Schmising über die Haltung der braun seh weigi sehen Fürsten gegenüber 
den Allianzanträgen der Staaten.] 

Schmising, mit dem er zu Xanten zusammentrifft, theilt ihm mit, dass die ^^- Aug. 
Staaten noch immer mit den braunschweigischen Herzogen wegen eines Bünd- 
nisses verhandeln. Herzog Johann Friedrich sei derjenige, der am meisten 
zurückhalte, er will sich ohne Not in keinen Krieg einlassen. Er habe auch 
grossen Einfluss auf die Räthe seiner Brüder. Schmising versichert, dass Johann 
Friedrich gut kaiserlich gesinnt sei; der Herzog von Celle wünsche auch sich 
mit dem Kaiser zu einigen. Der Osnabrucker verharre von dem Grafen von 
\Valdeck geleitet noch am meisten bei den früheren Maximen*''). Schmising 
glaubt, es wäre jetzt eine gute Gelegenheit für den Kaiser sich mit den Fürsten 
des Reiches zu einigen. Die Verhandlungen mit Neuburg stehen nicht so gut, 
wie zu wünschen wäre. 



') üt'ber die Verhandlungen zu Stade vergl. Köcher 1. c. 471 f. 
^ Für die Haltung der braunschweigischen Fürsten in dieser Zeit vergl. Kocher 
1. c. 454 ff. 



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282 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

In den nächsten Monaten wird die Correspondenz sehr schwach und unbe- 
deutend. Die Weisungen beschäftigen sich fast ausschliesslich mit den Reichs- 
tagsangelegenheiten, die sich durchaus nicht in einer den Wünschen der Wiener 
Regierung entsprechenden Weise entwickelten. Der Kaiser suchte an dem Kur- 
fürsten einen Bundesgenossen gegenüber den immer heftiger auftretenden For- 
derungen der fürstlich-weltlichen und eines Theiles der fürstlich -geistlichen 
Stände, zu gewinnen. Unter dem 5. September wird Goess dann aufgefordert, 
mit dem Kurfürsten über die vom Kaiser sehr befürwortete Prorogatioif des 
Reichstages auf unbestimmte Zeit, mindestens 6 Jahre, zu berathen und dieselbe 
auf alle Weise zu empfehlen. Goess, der im Laufe dieser Monate eine gefähr- 
liche Krankheit zu überstehen hatte, konnte nur wenig verhandeln. In der 
Prorogationsfrage fand er den Kurfürsten in einer den Wünschen des Kaisers 
günstigen Stimmung. Der Churfürst, schreibt er am 20. Oct., incliniret 
darzu^ dass man sehen solle den Reichstag zu Regensburg so gut man 
kann zu schliessen und materiam capitulationis perpetuae auf eine be- 
queme Zeit zu remittiren. 

Ende October kam der Graf Rudolf Sinzendorf') an den Hof des Kur- 
fürsten von Brandenburg, um mit ihm über die Massregeln zu berathen, die in 
den Streitigkeiten, welche zwischen dem Könige von Schweden und der Stadt 
Bremen ausgebrochen waren, zu ergreifen wären'). Die Berichte darüber sind 
nicht erhalten; Goess war durch Krankheit verhindert an denselben lebhaften 
Antheil zu nehmen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 3. November 1666. (Or.) 

[Mitlhoilungen des Kurfürsten bezüglich der bremischen Frage und der Wahl in Polen.] 

3. Nov. Der Kurfürst ist am 30. Oct. nach Berlin aufgebrochen, hat mir die hohe 

Gnad thuen wollen und mich den Tag vorher in meinem Quartier besucht, 
darbei von dem gegenwärtigen statu ziemlich weitläufig geredt worden. 
Hat mir erzählt, dass dero Trompeter vom Wrangel zurückkommen, mit 
dieser Antwort, dass er sich in Tractaten gern einlassen und des Chur- 
fürsten Interposition darbei admittiren wolle. Die Stadt aber zu quit- 
tiren und die Völker abzuführen, das kannte er ohne seines Königs 
expressen Befelch nit thuen. Auf das übrige der churfürstlichen Schreiben, 



') Berichte des Sinzendorf liegen nicht vor, wohl aber die für ihn bestimmte 
Instruction, welche eine detaillirte Darstellung der bremischen Frage enthält und in 
die Forderung ausklingt, der Brandenburger möge seine Ansicht über die in dieser 
Sache zu ergreifenden Massregeln mittheilen (Instruction vom 3. Sept. 1666). 

^ Für diese Verhältnisse vergl. Droysen 1. c. III.3 158ff.; Carlson 1. c. IV. 489ff.; 
Mem. de Pomp. 11. Cap. VI. und VII. 



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Bremischer Conflict. Polnische Wahl. 283 

wo der Churförst angedeut hatte, dass im Fall er die Belagerung nit 
aufheben würde, L Ch. D. sich nit entbrechen kannten E^ K. M. man- 
datis und dero tragenden Pflichten Gnügen zu thuen, antwortet er 
nichts. ... Ich habe nit unterlassen P.'Ch. D. abermahlen alles das- 
ienige zu repraesentiren , was sie zu Ueberuehmung der kaiserlichen 
Commission und Schick- und Conjungirung ihrer Völker bewegen möchte; 
habe doch keine -cathegorische Erklärung darauf erhalten können. Sie 
antworteten, dass sie ihre Cavallerie Ordre ertheilt, sich zum Marsch 
fertig zu halten; dass sie besorgeten, wann die Herzogen von Braun- 
schweig wider den VVrangel anmarschiren sollen^ dass er die Belagerung 
eine Weil sein lassen und auf ihnen losgehen würde, darbei ich dann 
Dit ermanglet die beschwerliche Consequentien furzuhalten, welche daraus 
entstehen würden, wann die Herzogen sollen geschlagen werden. Die 
Landgräfin von Hessen, seine Frau Schwester, wollte er dahin suchen zu 
disponiren, dass sie sich dieses Werks mit annähme. Man könnte aber 
schwerlich mit ihren ministris fort kommen, welche sich in allen solchen 
Dingen zu entschuldigen pflegten mit der Minorennität ihres Herrn. Den 
Jena wollten sie nach Hildesheim schicken; in summa, ich habe gnug 
merken können, dass er an diesem Securs nit gern kommt, dass er Zeit 
gewinnen und auch sehen will, was E. E. M. bei dem Werk thun werden 
und wann er endlichen sich ferner nit entziehen könne, dass es dann 
mit der Mass und Proportion sein wird, die ihn pro contingenti be- 
treffen möge, obwohln die ministri stark versichert, dass. wann es so 
weit kommen, man alsdann auf solcher Mass noch Proportion nit reflec- 
tiren werd. Der Churfürst hat in diesem Discurs mich auch ersucht, 
ich möchte bei E^ K. M. daran sein, dass solche commissiones ihme nit 
allein aufgetragen wurden, welches dieienige Suspicion und Umbrage 
anzeigt, als würde man bei uns kein Bedenken haben, ihn in einem 
Krieg einzuwickelen, damit wir uns daraus hielten. Ich habe geantwort, 
dass S. Ch. D. bei diese Commission nit allein sein und dass in omnem 
casum das Reich und fi. K. M. auch zutreten und securiren wür- 
den. ... 

Dann ist der Churfürst kommen auf das polnische Werk; dass der 
Hoverbeck mit dem de Mayern darüber conferirt und dass dieser E^ K. 
M. von allem zweifelsohne würde bericht haben; dass die Königin die 
Wahl stärker als nie triebe, dass der König zu diesem Ende bei 
künftigen Reichstag gewiss abdiciren würde, dass derowegen hochnötig, 
dass man sich zwischen E'. K. M. und S'. Ch. D. |: vereinigte ratione 



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284 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

subjecti, welchem man zu der Eron zu helfen. Darzu wäre niemand 
bcsHer als der Pfalzgraf von Neuburg :|, der hätte allbereit viel Freunde 
und Adhaerenten im Reich, wäre auch allerdings qualificirt. wann dann 
E^ K. M. und seine officia darzukämen, könnte man der andern Fac- 
tion, welche den Duc d'Enghien beförderen will, überlegen sein. Sonsten, 
wann man diesfalls nit einig wäre, würde es nur der contrari Faction 
di.seigni beförderen. Der Churfürst hat mich wiederholter Dingen er- 
sucht, dass ich dieses alles E^ K. M. überschreiben und dero gnädigste 
Erklärung darüber einholen solle; bitte derowegen E. K. M. alieruntcr- 
thänigst, sie wollen mich gnädigst instruiren, wie ich mich hierin zu 
verhalten. Für diesmahlen habe ich geantwort, dass E. K. M. das Aug 
allzeit darhin gehabt, dass die constitutiones fundamentales regni erhalten 
und von keiner Wahl vivente rege sollte gehandelt werden. Wann es aber 
zu einer Wahl kommen sollte, so zweiflete ich nicht, E. E. M. wären 
dem Herrn Herzogen von Neuburg mit aller guten kais. Affection wohl 
beigethan und würde derselbe wissen dieselbe noch ferner zu demeriren. 
Ich sehe den Churfürsten zu diesem Werk stark portirt. Die Herrschaft 
Ravenstcin, welche vermöge der Tractaten dem Herzog von Neuburg 
verbleiben sollen, bis durch ein Compromis erörtert würde, wem dieselbe 
zukäme, solle durch einen neuen Tractat nun zu Ostern dem Churfürsten 
eingehändigt werden, inter caeteras cum hac conditione, dass wofern bei 
nächster Vacanz der Herzog oder sein Sohn nit sollen zu der polnischen 
Eron kommen, dass der Churfürst schuldig sein solle, diesen Herrschaft 
dem Herzog widerum zu retradiren *). 

Unter dem 10. Nov. 1666 berichtet Goess, Sinzendorf melde, dass der Eur- 
fürst und die Landgräfin von Hessen bessere Gesinnung zeigen Bremen zu unter- 
stützen. Mit des Goess Gesundheit geht es noch immer nicht gut. Unter dem 
6. Dec. berichtet er aus Brüssel, dass er zur P>holung nach den Niederlanden 
gereist sei. Er findet dort den Friquet sehr krank und meint, es wäre gut dem 
Friquet jemanden beizugeben. Nach Mittheilungen des Sinzendorf und anderer 
ist die Sache zwischen Schweden und Bremen so gut wie beigelegt. 



Goess an den Kaiser. Dat. Cleve 24. December 1666. (Or.) 

[Unterredung mit Castel-Rodrigo. ürtheil über denselben.] 

24. Dec. Er hat wiederholt mit Castel-Rodrigo gesprochen und habe solche Devo- 

tion und Eifer zu allem, was zu E'. K. M. Dienst gehören mag bei ihm 

») Vergl. ürk. u. Act. XI. 762 ff. 



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Castel-Rodrigo. Urtheil des Goess über denselben. 285 

gefunden, dass ich wohl wünschen möchte, dass alle andere spanische 
ministri dergleichen hätten. Er hat mir aber selbsten bekennt, dass nit 
alle also gesinnt und dass man auf E^ E. M. Seiten wohl zu invigiliren, 
damit der Widerwertigen üble Intention möge zurückgebalten und hinter- 
trieben werden. Ich habe ihm aufrichtig und in unserm von langer 
Zeit hero hergebrachten Vertrauen entdeckt, worüber ich vernommen, 
dass man sich in seinem führenden governo beklage, welches er als ein 
Zeichen einer rechten Freundschaft von mir aufgenommen und mir hin- 
widerum die Bewandtnus der Sachen und die rationes, so ihn zu einem 
oder zum andern bewegeten, vertraut. Unter andern habe ich ihme 
gesagt, |:dass dieser Churfürst in seiner Affection gegen dem Haus 
Spanien sich etwas erkälte, dass er das nit — zuhalten der versprochenen 
iährlichen 28000 Reichsthaler pro contemptu sui interpretire :|. Auch habe 
der Kurfürst sich beklagt, dass Castel-Rodrigo des Kurfürsten Notificationsschrei- 
ben bezüglich seiner Ankunft in Cleve nicht direct beantwortet habe. Castel- 
Rodrigo sagt, er habe den M**. de Conflans zum Kurfürsten zu senden vorgehabt, 
habe ihn aber mit leeren Händen nicht schicken wollen, die Anweisungen aus 
Spanien seien aber bisher nicht gekommen. Goess rät dem Castel-Rodrigo durch 
ihn — Goess — ein Schreiben an den Kurfürsten gelangen zu lassen ; er werde 
dann schon trachten* ein besseres Verhältnis widerherzustellen. Castel-Rodrigo 
verspricht den Brief zu schreiben. Mit dem Neubnrger ist Castel-Rodrigo nicht 
auf gutem Fusse; ceremonielle Schwierigkeiten erschweren den Verkehr. Castel- 
Rodrigo hält die Allianz Spaniens mit England für nützlich und wenn die Nie- 
derlande angegriffen werden sollten, für nothwendig. Er meint aber, man dürfe 
den Bruch mit Frankreich nicht herbeiführen. Er hat die Reputation bei 
allem in ganzen Land, dass er limpias manos habe und sich durch kein 
Interesse verleiten lasse; auch dass er die Chargen nach Meriten und 
nit, wie vor diesem soll geschehen sein, nach Gunst, Recommendation, 
viel weniger um's Geld conferire, welche dann Hauptstück seind in einem 
Governatorn. Die übrige Qualitäten, Verstand, Application, Activität 
und Eifer in seines Herrn Dienste, weiss man, dass sie ihm nit abgehen. 
Ich befinde, dass er bei den wenigen Mittelen, die er gehabt, viel gethan 
hat und wann er besser soll assistirt werden, glaube ich, dass er das 
Land in gutem Stand setzen, die Grenzen wider ausländischen Feind 
wohl befestigen und den Staat inwendig in gute Ordre bringen würde. 
Mit Erbauung der Festung Charleroy hat er einmahl in der kurzen Zeit 
viel praestirt und obzwar unterdessen die Mittel so darzu angewendt 
worden, den armen Soldaten und andern Nothwendigkeiten gleichsam 
entzogen, so ich doch niemand, der nit bekennen müsste, dass es ein 
hoch nothwendiges Werk und dass das Land, nachdem die Grenzen und 



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286 IV. Erste iMission des Freiherrn Johann ?on Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

feste Plätze der Orten den Franzosen durch den Frieden eingeräumt 
worden, bis nach Brüssel ganz offen stünde. 

Anfang des Jahres 1667 hat Ooess dann eine Reise zum Herzog von Neu- 
burg unternommen, um die zwischen diesem und dem Grafen Schwarzenberg be- 
stehenden Differenzen, vornehmlich betreffs des Schlosses Huckeswagen, beizu- 
legen. (Bericht Goess d. d. Hildesheim 17. Jan. 1667 Or.) ') Bei seinen Unter- 
redungen mit dem Herzoge wird auch der polnischen Wahl gedacht, und von 
dem Herzoge seine Candidatur dem Kaiser besonders empfohlen. (Bericht 
d. d. Hannover 23. Jan. 1667. Or.) Anfang Februar ist Goess in Berlin. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 30. Januar 1667. (Conc.) 

[Verhandlungen mit Blumenthal, vornehmlich über die polnische Wahlfrage, flaltungr 
Schwedens. Goess soll bezüglich dieser Punkte sich Klarheit zu verschaffen suchen.] 

30. Jan. Blumenthal, des Kurfürsten Vertreter, hat hier wegen der von den Kosaken 

und Tartaren drohenden Gefahr gesprochen, die Nothwendigkeit betont, in 
der polnischen Wahifrage zu bestimmten Entschlüssen zu kommen und des 
Kaisers Pläne in dieser Angelegenheit zu vernehmen gewünscht. Der Kaiser 
erklärt darauf, bei seinem Entschlüsse eine Wahl zu Lebzeiten des Königs nicht 
vornehmen zu lassen, zu beharren, und zumahlon mehrerwähnter von Blu- 
menthal sich vernehmen lassen, dass des Churfürsten L^^°. bei der Krön 
Schweden aus gutem Vertrauen zu unserem Consens einigen Anwurf zu 
Stiftung einer guten Zusammensetzung unter uns und derselben und 
anderen gethan, so ist unser gnädigster Befehl hicmit an dich, dass du 
zuförderist bei des Churfürsten L^®". in was für terminis selbiges Werk 
stehe und was dieselbe vermeinen, dass etwa weiter darinnen zu thun 
und zu schliessen sein möchte, so wohl auch ob nicht das zwischen uns 
und S. L. erst neulich extendirte und prorogirte foedus wider die Tar- 
taren und Türken und dann weiter auf andere deutsche Häuser als 
Braunschweig und Hessen zu extendiren, dich eigentlich erkundigest und 
uns alsobald überschreibest'). Da Blumenthal sich hat verlauten lassen, 
Brandenburg sei dem Pfälzer in der Wahlfrage zu nichts verpflichtet, wolle sich 
bezüglich des vorzuschlagenden Candidaten mit dem Kaiser einigen, soll Goess 
auch in dieser Sache sich Klarheit zu verschaffen suchen. 



') Auszüge aus diesem Berichte, Hannover betreffend, bei Schleichl Dr. Fr. Leo- 
pold I. und die österreichische Politik während des Devolutionskrieges 1667—1668, 52 f. 

^ Ganz in diesem Sinne lautet auch die kaiserliche Resolution an Blumenthal 
d. d. 30. Jan. 1667, mit dem am 28. Januar in dieser Angelegenheit eine Conferenz 
gehalten worden war (Conferenzprotocoll vom 28. Jan. 1667, W. A. Abtheilung Frie- 
densacten Fas. 166). Für BlumenthaPs — es ist der jüngere Christoph Caspar 
Blumenthal — Aufenthalt in Wien Puf. 1. c. X.58f.; Droysen 1. c. III.3 180f. 



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iff S( 



Polnische Wablfrage. Haltung Schwedens bezüglich derselben. 287 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 7. Februar 1667. (Or.) 

[Tod Lubomirskrs. Aeusserungen des Kurfürsten über die nunmehr in der polnischen 
Wablfrage zu befolgende Politik. Schwedens Haltung in der Wahlfrage. Schwerin 
über diese Angelegenheit. Des Kurfürsten Urtbeil über die Haager Allianz. Wunsch 
des Kurfürsten ein Einverständnis zwischen Schweden und dem Kaiser herzustellen. 
Hildesheimer Allianz. Blumen thals Sendung nach Wien. Des Berlepsch Sendung nach 
Dresden. Besorgnisse des Kurfürsten wegen der Haltung des sächsischen Kurfürsten.] 

Bei seiner Ankunft erhält er die Nachricht vom Tode Lubomirski's *). 7- Febr. 
I. Ch. D. sagten mir, dass man darum den Muth nicht sinken zu lassen, 
discurrirten über die Qualitäten des nun verstorbenen Lubomirski und 
vermeineten, dass sich einige Dinge nunmehr besser schicken würden, 
als in seinem Leben. {: Die gute Patrioten wären bei diesem Zufall 
kräftig zu animiren, damit sie bei der guten Sach beständig verbleiben, 
sie wären sorgfältig um ihre Schreiben, die bei dem Lubomirski möchten 
gefunden werden und wenden Fleiss an, damit man dieselbe zurück- 
bekomme. :| Die Nachrichten ans Schweden lassen erkennen, dass dieser 
Staat geneigt ist, sich in die polnische Angelegenheit zn mischen '). Hoverbeck 
hat die Wahl des Neubargers dem Könige und der Königin von Polen sehr 
empfohlen '). 

Auch Schwerin zeigt durch seine Reden, dass man am kurfürstlichen Hofe 
gewillt ist, die polnische Angelegenheit energisch zu betreiben. 

Die haagische Allianz betreffend, finde ich den Churfürsten eben 
der Meinung, dass die Staaten General, solang sie im Krieg mit Eng- 
land begriffen^), niemand darin wider des Königs in Frankreich Gut- 
bedünken einnehmen werden, dass der Fried zwischen diesen beiden 
Nationen, um so viel mehr zu procuriren. ... Ich vermerke, dass der 
Churfürst sehr verlange, dass |:E. K. M. in bessere Yerständnus und 
Yertrauen mit Schweden kommen thäten; beklagt, dass man von schwe- 
discher Seiten den Palbitzki (welcher zwar sein Unterthan, aber ein 
Mensch von seltsamen und difficilen Humeur seie) an den kaiserlichen 
Hof geschickt :|. 

Betreffend die Allianz und Zusammensetzung, darüber man zu Hil- 



') Er starb am 31. Jan. 1667. Vergl. Krebs 1. c. 168. 

*) Für die Beziehungen Schwedens zur polnischen Wahlfrage vergl. Memoires 
de Pomponne II. a. a. 0.; Carlson 1. c. IV. 487, 496 f.; Droysen 1. c. III. j 182f. 

») Vergl. Droysen 1. c. IIL, 171 ff. 

*) Für diese Verhältnisse Lef^vre-Pontalis I. 365 ff.; Klopp, Onno Gesch. des 
FaUes des Hauses Stuart I. 142 ff. 



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288 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

desheim tractirt^), hat man dahie rationes, welche ich als für mich 
Selbsten proponirt, waram E. K. M. darin mit einza begreifen, ganz billich 
gefunden und halte ich darfur, dass wann^s E. E. M. an [. Ch. I). ge- 
sinnen würden, dieselbe es nit allein uit difficultiren, sondern vielmehr 
befürderen helfen werden; sie approbiren nit, dass diese Defension also 
eingericht werde, |: als wäre sie in specie wider die Schweden gemeint, 
dann dieses seie odieus :| und diene zur Sache nit; ich sehe dieses Defen- 
sion werk nit eben für so hoch importirend an, dass E. K. M. sonderlich 
viel daran gelegen; weiln aber die Billichkeit und ratio aequitatis so 
augenscheinlich darbei, dass auch die passionirte dieselbe erkennen 
müssen, |:als möchte rathsam sein diesen Eingang zu machen, dardurch 
nach und nach der Weg gebahnt und die Disposition zu weiterer Ver- 
bindung mit diesen Chur- und Fürsten gemacht würde; massen dann 
dieser Churfürst darfür halt:|, dass E. K. M. in den Allianzen, welche 
im Reich gemacht werden, allzeit wo müglich mit eintreten sollen. Der 
von Blumenthal, wie ich von dem Baron von Schwerin vernimm, hat 
in instructione '), dass er E^ E. M. die gute Gelegenheit, welche sie 
anietzo haben das Haus Braunschweig an sich zu ziehen'), repraesen- 
tire; er hat darbei wiederum gemelt, dass E. E. M. in hoc passu un- 
glaublich viel gewinnen würden, wenn sie circa religionem in dero Erb- 
ländern etwas indulgentior sein würden. :| 

Schlosshauptmann Berlepsch wird nach Dresden geschickt; die Rüstungen des 
sächsischen Korfürsten erregen hier Bedenken, die Allianz mit Schweden ver- 
mehrt dasselbe ; der Brandenburger scheint besonders Magdeburgs wegen in Sorge 
zu sein^). Der Churfürst hat sich gegen mich vernehmen lassen, |: als 
gedenke der Churfürst zu Sachsen sich catholisch zu erklären :|, und wolle 
sich durch die Waflfen hierbei versicheren: dieses würde ihme und dem 
Chürfürsten zu Sachsen, und E'. E. M. sehr schädlich sein; |: ein ander 
Minister hat bei mir schiessen lassen, als geschehe alles mit E'. E. M. 
Vor be wüst :L ... 



') Für diese Hlldesheimer Conferenz vergl. Köcher 1. c. I. 515 ff ; Droysen 1. c. 
III., 164. 

') Vergl. Droysen 1. c. III.j 180f. 

») Vergl. Köcher 1. c. I. 519f., 

*) Vergl. Droysen 1. c. III.3 178 und Anm. 




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Hildesbeimer Allianz. Sachsen. Polnische Frage. 289 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 8. Februar 1667. (Conc.) 

[Lubomirski's Tod. Fortsetzung seiner Pllne. Ünveranderlichkeit der kaiserlichen 
Resolution in dieser Frage. Plan einer Binigung mit Schweden, Braunschweig und 

Sachsen in dieser Frage.] 

Die Nachricht vom Tode Lubomirski's ist hier eingetroffen. Der Kaiser hat 8. Febr. 
den Anhängern Lobomirski's, die seine Sache fortzusetzen beschlossen, die Zu- 
sicherung geben lassen, sie, wie den verstorbenen Lubomirski, unterstutzen zu 
wollen. Einer dieser Männer, der Castellan von Posen, Grzymaltowski, will zum 
Kurfürsten von Brandenburg, um mit ihm über die zu ergreifenden Massregeln 
zu berathen. Goess soll ^dem Kurfürsten wie dem Castellan mittheflen, 
dass des Kaisers Resolution unverändert geblieben ist. Sonderlich hast du 
dich auch zu bemühen zu sondiren, ob I. Ch. D. nicht für rathsam halten 
möchten, dass nicht allein die Krön Schweden, sondern auch das Haus 
BrauDSchweig, wie auch des Churfürston von Sachsen L^^°. zu einer ge- 
meiner Verbündnus und Zusammensetzung mit uns und des Churfürsten 
zu Brandenburg L^®°. verpiögt werden möchten. Auch soll Goess den Kur- 
fürsten ersuchen, seinerseits alles aufzubieten, um sich Klarheit über die Pläne 
des sächsischen Kurfürsten zu verschaffen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 18. Februar 1667. (Or.) 

[Neigung des Kurfürsten für die Candidatur des Neuburgors. Urtheil des Goess über 
die Haltung des Kurfürsten in dieser Frage. Auslegung des kaiserlichen Wunsches in 
der polnischen Wablfrage. Umtriebe der Königin von Polen. Neue Unterredungen 
des Goess mit dem Kurfürsten und Schwerin über die polnische Wahlangelegenheit. 
Nachrichten aus Stockholm. Ausdehnung des Bündnisses gegen die Türken und Tar- 
taren. Unterredung mit Schwerin wegen des Privilegiums de non appellando und der 

Religionsverh&ltnisse.] 

Goess findet den Kurfürsten sehr für die Candidatur des Neuburgers ein- 18. Febr. 
genommen, mit dem er eifrigst verhandelt. Goess glaubt, dass der Kurfürst 
diese Verhandinngen ehrlich meine, vornehmlich mit Rücksicht auf sein preussi- 
sches Interesse*). Man weiss, wie er mit Polen stehe, auf welche Weis 
er die Souverännitat in Preussen erhalten; hat billich zu besorgen, dass 
wann ein König in Polen kommen, welcher ihm nit wohl gewogen und 
die Gelegenheit und Coniuncturen sich darzu praesentiren möchten, ihme 
künftig allerlei Difficultäten würden gemacht werden. 

Von Schweden möchte ihm dasselbe nit allein vergönnt, sondern 



Vergl. Droysen 1, c. III., 183ff. 

Mater, z. Gesch. d. G. Kurfürsten. XIV. 19 



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290 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

auch wohl procurirt werden; derowegen ist er sorgfältig, dass er einen 
benevolum, ja auch sibi devinctum regem in Polen kriege; {: und hat ein 
vornehmer Minister mir in Vertrauen einmal gesagt, dass der Kurfürst 
auf alle Weis dahin sehen werd und solle, dass wer König in Polen 
wird, ihme darum Obligation habe. :| Darzu kommt auch, dass er in 
dem Clevischen in steten Sorgen leben müssen, sonderlich bei dem Atta- 
chement des Herzogs von Neuburg an Frankreich, darum die Stande 
selbiger Landen diesen Vergleich sehr verlangt und eingerathen. Ich 
habe den Churfürsten fast in keiner Occasion so pacient und geduldig 
gesehen, nun nachzugeben, nun die vorfallende DifScuItäten zu superiren, 
daraus ich schliessen müssen, dass ihme starke rationes, warum er diesen 
Vergleich einzugehen, zu Gemüth gangen'). 

Unsere rationes, warum vivente rege zu keiner Wahl zu schreiten, 
i: möchten wohl dahin ausgedeutet werden, als thäten E. K. M. ent- 
weder auf sich Selbsten, oder doch auf einen andern candidatum post fata 
regis gedenken. Und habe ich dieselbe hiebei zu erinnern, dass ich 
etwas susurriren hören, als hätten sie dem Lubomirski seel. die Fürsten- 
thümer Ratibor und Oppeln versprochen, non exprimendo ad quem finem, 
sed magnus aliquis procul dubio praesumitur; auf dem Prinz Carl von 
Lothringen') merke ich auch, dass man suspicire, dass E. K. M. incli- 
niren; meines Erachtens hat man in diesem Werk sehr behutsam zu 
gehen') :|. Wann die neuburgische Abgeordnete Schweden dahin ver- 
mögen könnten, massen man bei selbiger Krön bis dato diesfalls gute 
Propension zu dem Herzog von Neuburg gezeigt, |: würde dieser Chur- 
fürst sich leicht zu ihnen schlagen und die Wahl in favorem des Her- 
zogs endlichen auch wohl armis durchdringen helfen. Dass er der fran- 
zösischen Wahl beifallen solle, wie der von Blumenthal insinuirt, darzu 
sehe ich keine Apparenz; es müsste dann der Status rerum in totum 
sich verändern. Der Kremski*) ist fort nacher Polen, imbuirt mit dieser 
Maxime, dass Polen keine Ruhe zu hoffen, man benehme dann durch 
eine Wahl der Königin die Hoffnung zu ihrem Inteut zu gelangen :|. 

Die Hilfe, welche Hoverbeck der Königin von Polen gegen die Türken an- 



För die brandenburg-neuburgischen Beziehungen Ürk. u. Act. XI. 731 ff.; 
Puf. 1. c. 'IX. 75f.; Droysen 1. c. 173 flF. 

«) Vergl. Droysen 1. c. IIL, 184f. 

*) Vergl. auch die Weisung Friedrich Wilhelms an Blaspeil bei Droysen 1. c. 
III.3 185 Anm. 

*) Pfalz-Neuburgischer Gesandte; vergl. Puf. 1. c. X. 65. 



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Polnische Wahlfrage. 291 

geboten*), war ihr nicht recht; Goess meint, man hätte es lieber unterlassen 
sollen. 

Des Ragefski*) Reis nach der Porten glaubt man, dass dahin an- 
gesehen seie, dass man den Türkenkrieg auf alle Weis suche von sich 
|: und herentgegen auf E. K. M. zu wälzen; mit vorgeben, dass dieselbe 
nach der polnischen Krön trachten; man solle bei der Porten gedenken, 
was für eine formidabl Potenz sie hierdurch an der Seiten bekommen 
würden. Die Königin suche unterdessen dem König aus Frankreich 
diesen Dienst zu thuen und seine anderwertige diseigni hierdurch zu 
facilitiren, weilen sie bis dato in dem Wahlwerk ihrem Versprechen 
nach nit fortkommen können*). Es wären ja grausame consilia. Ich 
bericht's allein, damit E. K. M. dessen Nachricht haben und sich vor- 
sehen mögen, wann etwas daran wäre:|. 

Unterdessen, weiln man dieses ad mundum abschreibt, bin ich bei 
P. Ch. D. und dem Baron von Schwerin gewesen; haben insinuirt, dass 
man in Conferenz mit mir treten würde .... und besteht man ihrer- 
.seits darauf, dass zwar ausser der grössten Not |: vivente rege zu der 
Wahl nicht zu schreiten; wann aber dieselbe durch der Königin unauf- 
hörlichs Treiben wollte durchgetrieben werden und der König zu diesem 
Ende unversehens thäte abdiciren, da wäre ja in alle Weg nöthig, dass 
wir uns unter einander verstünden und verglichen, wen man pro candi- 
dato solle praesentiren. Man hat sich darbei beklagt, dass der de Lisola 
und Friquet den Herzog von Neuburg :| von E^ K. M. wegen hierzu pro- 
ponirt und dass man sich diesseits auf diesem Fundament weiter in der 
Sach eingelassen; nun aber wolle man bei E"*. K. M. Hof nichts darvon 
wissen und |: exclamirt der Churfürst, wann er E^ K. M. publicis ministris :| 
nit trauen kann, wem er dann endlichen trauen könne. Er hat's anfangs 
dahin ausgedeut, als wann man bei E^ K. M. Hof nit gern sehe, dass er 
ßich mit dem Herzog von Neuburg verglichen. Ich halje S'. Ch. D. aber 
remonstrirt, dass vielmehr E. K. M. meinen darbei angewendeten Fleiss, 
der niemanden besser als deroselben bekannt, nit allein approbirt, son- 
dern mir jederzeit befohlen, noch ferner darin zu continuiren. Der Baron 
Yon Schwerin setzete ferner hinzu, dass wann E. K. M. damalen, als 
von diesem Werk anfangs gehandelt worden, dero Intention |:ratione 
candidati änderst entdecket, der Churfürst weniger nit als wegen des 



») Vergl. Droysen 1. c. IILj 183 f. 

^) Radziejowski. 

») Vergl. Droysen 1. c. IIT.3 191 ff. 

19* 



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292 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

vorgeschlagenen Herzogs von Neuburg geschehen : | sich mit deroselben 
conformirt hätte. 

Grockow meldet aus Stockholm, dass das Ansehen der Franzosen daselbst 
immer grosser werde, dagegen könne er nicht glauben, dass die Schweden die 
von Frankreich intendirte Wahl in Polen unterstützen werden*). Ueber die 
Herstellung eines guten Vernehmens zwischen dem Wiener und Stockholmer 
Hofe durch Vermittelung des Berliner Hofes wird in Berlin zwar gesprochen, 
aber bisher noch nicht gehandelt. 

|: RAtione extensionis foederis etiam contra Turcas et Tartaros haben 
I. Ch. D. zwar, dass dasselbe und viel weniger, dass andere Häuser als 
Braunschweig und Cassel :| darin mit eintreten möchten, nit improbirt, 
sondern insinuirt, dass sie sich diesfalls mit E^ K. M. wohl vergleichen 
werden; sie haben sich doch nie positive erklärt, dass sie ihrestheils 
mit der Extension zufrieden, sondern man hat dilatorie geantwort, man 
erwarte Bericht, wie sich die Tractaten zu Hildesheira veranlassen*), 
darnach man sich besser werde richten können. Der Churfärst hat sich 
im übrigen anerboten bei den andern Häusern seine gute Officia zu inter- 
poniren. ... 

Der Baron von Schwerin hat mich abermalen ersucht, dass ich bei 
E"". K. M. meine officia interponiren wolle, damit I. Ch. D. das Privilegium 
de appellando im Herzogthum Pommern, allermassen's die Schweden haben, 
erhalten mögen. Man hätte Nachricht, dass der H. Markgraf von Bai- 
reuth auch darum angehalten und gute Vertröstung bekommen. Ich 
habe gefragt, ob sie dann zufrieden, wann's keiner bekomme. Der von 
Schwerin sagte von nein und dass er hierin ein sonderliches Interesse 
habe, dann auf ihm, als der darin begütert, sonsten ungleicher Verdacht 
fallen möchte. Er hat darbei repetirt, was ich neulich erinnert, wie viel 
E. E. M. durch ein wenig mehr Indulgenz in dcro Erblanden gegen den 
Protestirenden gewinnen würden. Als ich regerirt, wie sie das an E. K. 
M. begehren könnten, da sie in ihren Landen denen catholicis ganz 
keine exercitium zuliossen, hat er geantwort, wir möchten nur propo- 
niren und Vorschlag thun, sie würden sich ihrerseits gern finden lassen. 



Vergl. Droysen 1. c. lILj 185 f.; Pomponne Mem. 11 Gap. VI. u. VII. 
») Vergl. Kocher I.e. I. 518flf. 



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ErweiteruDg des brandenburg-oesterreicbischen Bändnisses. Polnische Wahlfrage. 293 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 18. Februar 1667. (Or.) 

[Rathschlag des Goess in der polnischen Wahlangelegenheit Verhandlungen mit dem 
Knrfärsten und dem Herzoge von Neuburg. Sachsen. Reiflfenberg. Des Kurfürsten 
Verbalten in der Frage bezuglich Extendirung der Allianz gegen die Türken und 

Tartaren.] 

Berichtet über die in dem anderen Schreiben bereits gemeldeten Gespräche 18. Febr. 
mit dem Kurfürsten und seinen Ministern. 

Ich befinde, dass sehr nothwendig sein werd, dass E. K. M. sich in 
dem polnischen Wahl werk also verhalten, [rdass dem Herzog von Ncu- 
burg und consequenter dem Churfürsten die Hoffnung zu ihrem Intont 
zu gelangen nicht benommen werde. Dann wann E^ K. M. consilia de 
non oligendo successore vivente rege aut conveniendo de candidato dahin 
sollen ausgedeut werden, dass sie entweder auf sich oder praeterito Neo- 
burgico auf einen andern candidatum gedachten, wäre zu besorgen, 
dass sie herentgegen andere consilia und resolutiones fassen und verur- 
sacht würden per quamcunque demum viam zu ihrem Intent zu ge- 
langen :|. ... Die rationes, welche ich kräftig deducirt, warum für dies- 
malen von keiner Wahl zu tractiren, können sie dahie nit verwerfen, 
sondern lasst man dieselbe gelten, |: sed hactenus, wann keine Gefahr 
da, dass der polnische Hof unterdessen die vorhabende Wahl gleichsam 
per forza möchte durchtreiben; in quem casum wir unserseits müssten 
gefasst und ratione candidati eins sein:|. Dieser Ursachen halben habe 
ich mich beflissen, sowohl dem Herzog von Neuburg, als auch dem Chur- 
färsten, E'. K. M. gegen gedachten Herzog tragender gnädigsten guten 
Aflfection zu versicheren, auch dasjenig zu erinnern, wodurch der Herzog 
dero kay. Gnad und Benevolenz zu erwerben: |: dann hier liegen sco- 
puli verborgen, daran man leicht zu scheiter gehen könnte und möchte 
ein König in Polen werden, der an niemand weniger als an E. E. M. 
darum vermeinte obligirt zu sein:].... 

Was das Bündnis gegen die Tartaren und Türken betrifft, ist der Kur- 
fürst gewillt, alles was in seiner Macht steht bei Schweden, Braunschweig 
and auch bei Sachsen zu thun ^). Wegen Sachsen gaben I. Ch. D. 
zu verstehen, dass wann sie wohl auf wären, auf Mittel und Wege 
wollten gedacht sein mit demselben etwa zusammen zu kommen und 
sich zu unterreden. Man ist dahie der Meinung, |: dass der Administrator 
zu Hall tam pro suo aifectu erga Suecos, als aus Suggestion des Diet- 
richs, der vor diesem E^ K. M. Reichshofrath gewesen, dem Churfürst 



') Vergl. Puf. 1. c. X. 61. 



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294 IV. Erste Mission des Freifaerrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

seioem Brüdern allerlei Dingo im Kopf bringe, so dann dessen Allianz 
mit Schweden von dem Herrn administratore unterschrieben :|. Was 
aber bei dem chursächsischen Hofe |: mit dem König aus Frankreich 
vor neue Verständnus oder Anschlag gemacht worden sein mögen*), das 
werd alles dem von Reiffenberg, welcher seine Tage an Frankreich ge- 
henkt, imputirt, der solle dem Churfürsten auch die Aemulation mit 
diesem Churfürsten im Kopf gebracht und hierdurch zu armiren und ad 
ineunda foedera:| stimulirt haben, mit Vorwand, dass er sonsten bei 
der Welt in keiner Consideration sein würde. Nun will verlauten, |:als 
wann gedachter von ReifTenbergs Credit bei selbigen churfürstlichen Hof 
ziemlich fallen solle :!• ... So viel ich vermerken kann, werd der Chur- 
fürst gern und treulich darzu cooperiren, damit auch die andere E^ K. 
M. Begehren nach in der Bündnus mit eintreten. Extra hoc aber habe 
ich bis dato die Erklärung von demselben nit heraus bringen können, 
dass er für. sich allein { : das foedus etiam contra Turcas et Tartaros wolle 
extendiren lassen; wann er's auch thuen möchte, so zweifle ich nicht, er 
werd diese Praecaution darbei haben, dass demienigeu, was in nostro 
foedere wegen der Uülf wider den Türken excipirt worden, nicht prae- 
iudicirt werde :|. Die Tractaten zu Hildesheim*), darauf man sich be- 
rufen, stehen, wie ich von I'. Ch. D. vernommen, in solchen terminis, 
dass ChurcöUn deroselben beigefallen, dass in demselben foedere oder 
Zusammensetzung das Werk nit also einzurichten, als wäre es wider 
Schweden und ratione der Stadt Bremen gemeint. Sie haben sich darbei 
beklagt, dass bei dem quanto der 15000 Mann, in welchen dieses Defen- 
sionwerk bestehen solle, dero quota, welche auf 6000 Mann belaufen 
würde, allzu hoch komme, sonderlich weiln sie mehr andere foedera 
haben; sie wollten sich lieber obligiren mit ganzer Macht den Atta- 
quirten zu Hülf zu kommen. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 21. Februar 1667. (Or.) 

[Nachrichten über den beabsichtigten . Angriff der spanischen Niederlande durch 
Frankreich. Spanisch -portugiesischer 6onflict. Lisola's Haltung in dem englisch- 
holländischen Kriege, ürtheil des Goess. Sehnsucht der Handelsvölker nach Frieden. 
Hildesheimer Congress. Schwedisch-französische Beziehungen.] 
21. Febr. {: Wir haben dahie durch Mittel gewisser, allem Ansehen nach 

l^anz sicherer Correspondenz, dass der König in Frankreich resolvirt die 

') Für die sächsisch-französischen Verbindungen in dieser Zeit; Heibig 1. c. 295 ff.; 
Auerbach 1. c. 238 ff. 

2) Vergl. Kocher I.e. I. 519f. 



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Sachsen. Frankreichs Pläne gegen die spanischen Niederlande. 295 

spanische Niederlanden zu attaquiren '); dass auch der Generals taaten Ge- 
sandter zu Madrid seine principales berichtet, der Vergleich mit Portugal 
nun in der Spanier Hände stehen solle. Es ist mir auch eben auf's 
Fundament dieser Correspondenz dahie gesagt worden, dass der de Lisola 
den Frieden zwischen England und Holland, soviel er kann, bei dem 
König in England verhindere*). Nun habe ich auch anderwerts einige 
gute Nachricht^ was für Maximen er bei diesem Werk führe und lass 
ich dahin gestellt sein, welcher gestalt er von E'. K. M. instruirt und 
was man bei diesem Krieg oder Fried zu dero und dero hochlöblichen 
Hauses Convenienz dienlich und rathsam zu sein befinde. Ich halte 
doch darfür, dass wann etwa für E. K. M. besser sein möchte, dass dieser 
Krieg noch eine Z^t continuirte, doch in alle Weg um so viel mehr 
schädlich sein wurde, dass man diese dero Intention vermerkte, weilen 
sie, wie ich berichtet werde, dero Mediation zu Befürderung dieses Frie- 
dens antragen. Ich will nun nit sagen, dass man nit allein die General- 
Staaten, sondern auch alle dieieuige disobligiren würde, welche diesen 
Frieden verlangen ;|. Bei diesen Hgf und bei allen denen, welche ent- 
weder an das Meere gelegen, oder durch Strom in's Meer auslaufen 
können, sehnt man sich nach dem Frieden zwischen England und 
Holland trefflich, um willen bei wehrenden Krieg alle commercia ge- 
sperrt, die Früchten nit können verhandelt werden und die Zölle fast 
nichts eintragen und also ein grosser Mangel am Geld nothwendig erfolgt. 
Goess sucht dem Fürsten von Anhalt, der das über Lisola mittheilt, solche An- 
sichten mit des Kaisers angetragener und bereits angefaDgener Mediation in 
London auszureden. 

Die zu Hildesheim Versammelten sind auseinandergegangen und wollen im 
März wieder zusammen kommen. 

Von einem mit schwedischen Verhältnissen Vertrauten erföhrt Goess, dass 
Schweden wohl Frankreich beim Angriffe auf die Niederlande unterstützen 
werde. Verhandlungen wurden gepflogen; die Differenz sei nur noch bezüglich 
des Zahlungstermines der Subsidien. 



Für diese Verhältnisse Ranke, Franz. Gesch. IIL 230 ff.; Droysen I.e. III. j 
187 ff.; Lefevre-Pontalis I. 415fr.; Klopp 1. c. I. 157ff. 

2) Dass dies nicht der Fall war, dass Lisola vielmehr alles that um den Frieden 
zwischen den Staaten und England zu vermitteln, geht aus Lisola^s Berichten hervor; 
vergl. Klopp 1. c. 1. USff. 



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296 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 25. Februar 1667. (Or.) 

[Des Berlepscb Rückkehr aus Dreaden. Dessen Mittheilungen. Friquets Mittbeilungen 
über die Ansicht der Holländer über Lisola^s Vorgehen. Mittbeilungen Blaspeils über 
die Pläne des Herzogs von Neuburg und des Königs von Frankreich. Königin von 

Polen.] 

25. Febr. Der Schlosshaaptmann Berlepsch ist aus Dresden zurück und meidet, dass 

ein Bündniss zwischen Frankreich und Sachsen geschlossen sei; den Inhalt 
kennt er nicht, er habe doch so viel von den dänischen bei dem sächsischen 
Hof anwesenden commissariis, welche das Werk nit approbiren sollen, 
und dann von andern guten Freunden vernommen, dass gedachte Allianz 
zwar in terminis ziemlich generalibus; es wäre aber ipsa generalitas, 
als welche von denen mächtigern pro libito et proprio commodo ausge- 
deut werde, bedenklich. Er hätte bei einem sondift, ob sie auch wohl 
zu Verstattung des Passes der französischen Völker nach Polen angesehen 
sein möchte, der hätte die Achsel eingezogen und geantwort, nihil negat, 
qui omnia dicit. Die alte Räth sollen das Werk ganz nit approbiren 
und dahin gedacht sein, wie dasselbe widenim zu redressiren. Der chur- 
sächsische geheime Rath Gersdorf solle zu diesem Ende ehisten hieher- 
kommen und wie ich von meinen Leuten vernimm schon ankommen 
sein mit Intention, einige Böndnus zu Defension dieser Kreis mit diesem 
Churfürsten zu veranlassen. Ich werde darbei nit unterlassen, dasienige 
zu beobachten, was mir E. E. M. wegen Miteinschliessung des Churfürsten 
zu Sachsen in nostro foedere gnädigst anbefohlen. Urheber und Förderer 
des sächsisch-französischen Bündnisses ist Reiffenberg, den der Kurfürst von 
Mainz in Würzburg in Verhaft genommen hat und an dessen Stelle Schönbom 
zum Statthalter zu Erfurt eingesetzt worden ist. 

Friquet meidet aus dem Haag, dass auch dort Lisola's Benehmen dahin 
gedeutet werde, als wolle der Kaiser den Frieden zwischen Holland und Eng- 
land hindern. Ist derowegen wohl a tempo kommen, dass der de Lisola 
so gute Disposition zum Frieden auch mit Entwerfung der Conditionen 
dem Friquet bericht*)^ dass es scheint, dass man im Haag nun bessere 
Meinung destwegen hat. 

Blaspeil berichtet aus Cleve, dass der Herzog von Neuburg seinen Kanzler 
Giese'*) nach Wien senden wolle, um in seiner Angelegenheit zu verhandeln 
und seine Devotion dem Kaiserhause zu bezeugen ; wenn der Herzog ohne Hoff- 
nung gelassen werde, würde er sich, — berichtet Blaspeil, — nothwendig an 
Frankreich ferner halten müssen. Man wäre im Werk von französischer 
Seiten ein foedus mit den benachbarten Chur- und Fürsten dahin zu 



») Vergl. Klopp I.e. I. 144. 
') Franz Giese. 



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Sächsische Politik. Lisola^s Vorgehen. Privilegium de non appellando. 297 

proponiren, dass den kais. VöIkerD, wann einige nach Niederland — welches 
er praesnpponirt, dass anfehlbarlich dies Jahr von Frankreich solle atta- 
quirt werden — geschickt würden, der Pass nit gestattet werde. Hover- 
beck berichtet von der schweren Erkrankung der Königin von Polen. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 27. Februar 1667. (Conc.) 

[Vorschlag einer Zusammenkunft der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen. 
Schwedisch-oesterreichische Beziehungen. Privilegium de non appellando.] 

Goess soll dem Kurfürsten den Vorschlag machen , er möge gelegentlich 27. Febr. 
seiner vorhabenden Reise nach Garlsbad in Dresden mit dem Kurfürsten von 
Sachsen zusammenkommen und die Allianz mit diesem Kurfürsten zu fordern 
suchen. Der Kaiser wird durch seinen Residenten in Stockholm i) mit dem 
Könige von Schweden sich zu einigen snchen, Goess soll mit Wrangel bei 
dessen Anwesenheit in Berlin verkehren. Bezüglich des Privilegiums de non 
appellando werden schon die nothwendigen Nachforschungen gepflogen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 4. März 1667. (Or.) 

[Gersdorf's Verhandlungen in Berlin. Vorsicht des Brandenburgers bei diesen Ver- 
handlungen. Unterredung des Goess mit dem Kurfürsten bezüglich der franzosischen 
Pläne. Unterredung mit Gersdorf. Geringe Geneigtheit Brandenburgs Sachsen An- 
läse zur Rüstung zu geben. Des Goess Urtheil über Frankreichs Pläne bezüglich 
Brandenburgs und Sachsens. Gersdorfs Erklärungen bezüglich Polens und Frank- 
reichs. Unten'edung des Goess mit Schwerin. Gninski.] 

Gersdorf, des Kurfürsten von Sachsen Minister'), war in Berlin, vornehm- 4. März, 
lieh über das polnische Wesen und über den niederländischen Krieg zu 
berathen. Ich vermerke, dass man von beiden Seiten behutsam und mit 
einigen Mistrauen procedire und dass dieser Churfürst, sonderlich nach- 
dem der von Sachsen mit Frankreich Allianz gemacht, besorge, dass 
seine Intention und Gedanken den Franzosen möchten entdeckt werden. 
Als ich diesem Churfursten wegen Niederland repraesentirt, dass circulus 
Burgundicus ein membrum imperii, derowegen das Reich sich dessen 
anzunehmen, dass was in instrumento pacis und in der kaiserlichen Capi- 
tulation, denselben betreffend, enthalten, ad praeterita et iam compo- 
sita bella und nit ad futura zu ziehen, dass der Chur- und Fürsten des 



1) Basserode. 

*) Nicolaus Gersdorf. 



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298 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Reichs Interesse nit leide, dass der Krön Frankreich Potenz, welche ohne 
das nun der ganzen Welt leges vorschreiben wollte, noch grösser werde, 
haben I. Ch. D. mir geantwort, |: dass sie eben dieses und dann noch 
ferner den Gersdorf insinuirt, dass man ihrerseits vielmehr dahin zu 
sehen, dass des Hauses von Oesterreich Macht besser emporkomme und 
die Französische dardurch balancirt werde;]. 

Der von Gersdorf hat mir bekennt, dass der Churfürst, sein Herr, 
eine Allianz mit Frankreich aufgericht, dass dieselbe durch dem von 
Reiflfenberg und dem von Burkersrode und dem Gravel negociirt und 
ihren geheimen Räthen erst neulich communicirt worden'); ... dass die- 
selbe nichts in sich hielte, als wozu der Churfürst ohne das ex instru- 
mento pacis obligirt; ob vielleicht socreti articuli ad partem aufgericht, 
sagete er, dass er's nicht wüsste;.. . hat sich ziemlich beklagt über die 
bei ihnen eingeführte Novitäten, doch alles mit gebührenden Respect 
gegen dem Churfürsten, seinem Herrn, dessen Sincerität und Facilität 
andere zu dero eigenen Schaden zuweiln misbraucheten. Als de reme- 
dio discurrirt wurde und ich sondirt, ob nit die Sach mit dem zu 
redressiren, |:dass zwischen E^ K. M., diese beide Churfürsten und auch 
Schweden, als welche mit ihren Landen der bei Polen androhenden Ge- 
fahr am nächsten, eine Bündnus gemacht würde, :| hat er geantwort, 
dass die Devotion seines Churfürsten gegen E. K. M. beständig und inte- 
gerrima verbliebe, dass man bei diesem churfürstlichen Hof sich dies- 
falls nit explicirete, dass zwar der Baron von Schwerin etwas, aber nur 
gar in genere innuirt; er von Gersdorf hätte auch nit Ordre weiter zu 
gehen. 

|: Als ich nun bei diesem Hof suggerirt, dass es gut sein würde, 
dass man sich etwas nähender ratioue der in Vorschlag kommender Zusam- 
mensetzung expliciren möchte, habe ich fast observirt, dass man diesseit^s 
nit verlange, dass Chursachsen Occasion habe zu armiren, als von dessen 
armis man nicht wisse, pro quo aut contra quem dieselbe angesehen : |. 
Ich mache mir die Gedanken, dass nachdem Frankreich gesehen, dass 
dieser Churfürst und der Herzog von Neuburg sich mit einander ver- 
glichen und also der Herzog inskünftig nit Ursach haben werd den 
Franzosen so fest wie vorhin zu adhaeriren, dass E. K. M. auch Mittel 
haben, sich denselben durch dero Befürderung zu der polnischen Krön 
zu devinciren, massen es der Pomponne zu Stockholm, als er wegen 
Befürderung gedachten Herzogen requirirt worden^ gnugsam zu verstehen 

') Vergl. Heibig 1. c. 292 ff. j Auerbach 1 c. 200ff. 



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Gersdorfs Verhandlungen in Berlin. Polnische Wahl frage. 299 

gegeben, der König in Frankreich dem Churfürsten und das Haus Sachsen 
mit der Hoffnung lactire, dass er sie zu ihre praetendirende Gerechtsame 
und Possession der Jülich'scheu Landen verhelfen wolle, oder auf's 
wenigst, dass man das Werk bei diesem Hof also apprehendire. 

Gersdorf hat während seiner Anwesenheit bezüglich der Pläne seines 
Herren, des Kurfürsten von Sachsen, vornehmlich zweierlei betont; dass Sachsen 
in den zu gewärtigenden polnischen Wirren keinen Krieg in den sächsischen Län- 
dern wolle und zweitens, dass Sachsen es für zweckmässig erachte, wenn Frank- 
reich die Niederlande überfallen sollte, sich neutral zu verhalten. Es wurde 
nichts bestimmtes mit Gersdorf verabredet. 

Als ich mit* dem Baron von Schwerin, wegen dessen was der Gers- 
dorf vom Krieg in Niederland gemelt, geredt^ hat er gefragt, wie viel 
Chur- und Fürsten im Reich ich wohl vermeinete, dass ratione des 
Passes für dero Auxiliarvölker auf E^ K. M. Seiten sein würden; ich habe 
geantwort, die meiste und in primis der Churfürst, sein Herr, und dass 
ich auch eben dieses von dem Herzog von Neuburg verhoifen wollte, 
nie, ja wohl, wann des Canzlers Giese Negociation darnach sein werd; und 
als man hac occasione von dieser Materie wiederum zu Redt worden (sie), 
hat er gesagt, wann £. K. M. dero Resolution diesfalls nur soweit zurück 
halten, |: bis der Herzog deroselben alle verlangende Satisfaction und 
Assecuration seiner beständigen Freundschaft gegeben : |, wäre es nit un- 
billich; wann man aber bei uns andere Gedanken und etwa Intention 
hätte I : iemand andern (abermalen auf den Prinzen von Lothringen deu- 
tend) zu der polnischen Krön (zu) befürdern, so hätte ich leicht zu er- 
achten, was daraus zu gewarten :|. 

Gninski, der Abgeordnete des Königs von Polen, hat Versprechungen des 
Kurfürsten von Brandenburg, welche seine Erwartungen übertrafen, erhalten^). 
Der Kurfürst will mit einer Armee von nicht unter 8000 Mann nach Polen 
kommen. Goess sacht dem Gninski gegenüber die Beziehungen des Kaisers zu 
Lubomirski zu rechtfertigen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 11. März 1667. (Or.) 

[Privilegium de non appellando. Erkrankung der Köuigin von Polen. Mittheilungen 

Stratmaus.] 

Der Markgraf von Baireu th*) ist hier; er erklärt Hoflfhang zu haben vom 11. März. 
Kaiser das Privilegium de non appellando zu erhalten und bittet Friedrich Wil- 



1) Vergl. Puf. 1. c. X. 61. 
*) Christian Ernst. 



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300 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

heim um Förderung in dieser Angelegenheit. Dieser will dies aber nicht thun, 
bis er nicht gewiss ist, dass er selbst das Privilegium de non appellando für die 
pommer'schen Länder erlangt. Hoverbeck meldet^ die schwere Erkrankung der 
Königin von Polen. 

Stratman*), des Neuburgers Resident in Cleve, der nach Berlin gekommen, 
um hier zu verhandeln, empfiehlt die Sache des Neuburgers bezüglich Polens 
dem Kaiser. Er hat mir erzählt, welcher gestalt der C hurfürst von Köln*) 
zu Düsseldorf gewesen |:und wie der Bischof von Strassburg') die vor- 
habende Bündnus treibe ad intercludendos succursus Caesareos in Bel- 
gium*); dass der Bischof von Münster*) auch stark tentirt werde :| und 
darum sehr gut gewesen, wann ich denselben en passant gesprochen; 
wie nit weniger, dass die Opinion nit ohne Fundament seie, dass Frank- 
reich mit England a parte tractire et quidem conscio de Witt^). Der 
Romswinckel, clevischer Vicecanzler, hätte in hoc passu all viel im Haag 
penetrirt. Ein vornehmer Mann und der arcanorum particeps wäre, hatte 
ihm hiervon etwas und dieses darbei gesagt, |:dass der de Witt de- 
sparata und halsbrecherische consilia führe :|. Ich lasse dahin gestellt 
sein, was daran ist; ich kann dieses aber nit wohl glauben; es werd 
darbei auch gesagt, dass der König in Engelland intentionirt sei, sich 
catholisch zu erklären und seine consilia dahin anstelle. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 14. März 1667. (Or.) 

[Mistrauen des Berliner Hofes bezüglich des Vorgehens des Kaisers in der polnischen 
Wabifrage. Rath des Goess. Wolfrad. Gninski.] 

U.März. |: Seither die brandeburgische Abgesandte^) von Wien zurück- 

kommen, vermerke ich, dass die Diffidenz dahie merklich zugenommen; 
man vermeint in intima arcana penetrirt zu haben und dass E. K. M. 
wegen der Krön Polen nicht auf den Herzog von Neuburg, sondern auf 
den von Lothringen gedenken, welches dahie allerlei Gedanken und fast 
nova consilia verursachen will. :|. Es wäre daher sehr gut, wie Goess 
meint, wenn man dem Giese in Wien eine gute Erklärung geben wurde. 



*) Der nacbmahlige österreichische Uofkanzler Graf Theodor Stratman. 

'0 Maximilian Heinrich. 

3) Franz Egon v. Fürstenberg. 

*) Vergl. Ennen, Frankreich und der Niederrhein 1. 184 f.. 

5) Christof Bernhard von Galen. 

^ Für diese Verhältnisse vergl. Klopp I.e. I. 146 ff.; Ranke, Franz. Gesch. III. 231. 

Blumenthal. 



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StratDian*s Erklärungen. Polnische Wahlfrage. Schutz der spanischen Niederlande. 301 

Der schwedische Resident Wolfrad')? soll hier längere Zeit verbleiben. 
Gninski ist abgereist, soll nach Kopenhagen und Stockholm. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 18. März 1667. (Or.) 

[Gesundheitszustand des Königs und der Königin von Polen. Stratman's Pläne be- 
züglich des Schutzes der spanischen Niederlande. Unterredung des Goess mit 
Schwerin über diese Angelegenheit. Pläne Brandenburgs.] 

Schlechte Nachrichten über den Gesundheitszustand des Königs und der 18. März. 
Königin von Polen. Letztere dürfte sterben. Stratman sagt mir, |: dass 
wann dem Herzog von Neuburg von E'. K. M. Seiten eine gute Satisfac- 
tion gegeben würde, die Sach dahin künnte gericht werden, dass der 
westphälische Kreis sich in guter Verfassung stellete und der Defension 
der Niederländer, wann dieselbe von Frankreich angegriffen würden, an- 
nähme; nit zwar, dass man von Anfang sich erklärte, weder vermerken 
Hesse, dass sothane Verfassung dahin gemeint; aber wann man schon in 
guter Postur stünde, würde man mit guter Manier den Kreis dahin 
bringen können. Der Herzog von Neuburg und dieser Churfürst, der 
sich dessen Promotion als seiniges Interesse lasst angelegen sein, als 
beide directores, werden hierzu können obligirt werden durch E"". K. M. 
favorable Resolution für gedachten Herzog von Neuburg. Der Herr 
Bischof von Münster könnte auch per aliquod praemium darzu disponirt 
werden :|. ... Ich habe den Baron von Schwerin ein wenig darüber 
sondirt mit Vorstellung der allgemeinen Gefahr, |: wann Frankreich sich 
der Niederländer bemächtigen sollte. Er Hess sich vermerken, dass 
man freilich es ungern sehen würde, der Pass auch den kaiserlichen 
Succursen nicht zu verwehren; dass sie aber die Hand mit anlegen und 
den Krieg wider Frankreich mit antreten sollten, das wäre allzu be- 
denklich. Ich glaube, dass sie hierin sehr starke Reflexion auf Schweden 
machen und wann sie derer versichert, wider Frankreich desto bessere 
Resolution ergreifen möchten. Ich habe gute Nachricht, dass sie unter 
der Hand officia bei dem König in Frankreich thuen lassen, damit der- 
selbe des Herzogs von Neuburg Promotion favorisire, indeme die di- 
segni des Duc d'Englien einmal impracticabl. Als mir der Churfürst 
vorgestern in discursu proponirt, wie doch der Sachen zu thun wäre und 
man die allzuweit um sich greifende Macht der Franzosen besser zurück- 
halten künnte und ich darauf geantwortet, dass wir alle, die wir Interesse 



*) Herrmann Wolfrad. 



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302 IV. Erste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

darbei hätten, uns zusammen zu thun und deren gefährlichen Disegnen 
zeitlich zu begegnen, hat er mir gesagt, dass er vermerkete, dass die 
Schweden:! eben destwegen grosse gelosia hätten und etwa mit herbei- 
zutreten wohl könnten disponirt werden. 

Die nächsten Berichte des Goess enthalten nichts von Bedeatung. Der 
neue schwedische Resident') versichert Goess, Schweden wolle die Freund- 
schaft Oesterreichs (Ber. vom 25. März) und der Kurfürst föhrt fort im Sinne 
des Neuburgers wegen der Wahl in Polen zu verhandeln (Berichte vom 8. 
und 15. April). Goess betont immer wieder die Noth wendigkeit, nicht blos 
wegen des Neuburgers, sondern vornehmlich mit Rücksicht auf den Kur- 
fürsten von Brandenburg dem neuburgischen Kanzler in Wien eine so gunstige 
Antwort zu geben, dass der Verdacht beseitigt werde, als begünstige der Wiener 
Hof unter der Hand die Wahl des Lothringers (22. April). Trotz all dieser Er- 
klärungen bleibt die Wiener Regierung bei dem Entschlüsse zu Lebzeiten Johann 
Casimirs keine Wahl vornehmen zu lassen (Weisung vom 16. u. 19 April 1667). 
Im Uebrigen billigt der Kaiser das Vorgehen seines Gesandten und lässt den 
Kurfürsten von Brandenburg ersuchen, die Mission des kaiserlichen Gesandten 
Basserode, der nach Stockholm gesendet wird, zu unterstützen (Weisung vom 
19. April 1667). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 6. Mai 1667. (Or.) 

[Millet. Dessen officielle Mission. * Erklärung des Kurfürsten. Urtbeil des Goess über 
Friedrich Wilhelms Haltung in der polnischen Wahlfrage. Defensionswerk im wost- 
phaliscben Kreis betreffend. Bereitwilligkeit des Kurfürsten Basserode's Mission in 
Stockholm zu unterstützen. Erkrankung der Kurfürstin. Brandts Reise nach Breda 

betreffend.] 

6. Mai. Millet, der Vertreter Frankreichs ist am 1. an den Hof des Kurfürsten gekom- 

men *), um im Namen seines Herrn die Erlaubnis des Durchzuges für die auf die 
Bitte der Polen hin vom Könige der Franzosen für einen Krieg gegen die Türken 
gewährten Truppen nachzusuchen^). Der Kurfürst hat sich dilatorisch erklärt 
und ist nach der Audienz in mein Zimmer zu mir kommen und hat 
mir erzählt was Vorgängen und also darvon iudicirt, dass diese Proposi- 
tion und Begehren der französischen Faction in Polen mehr Schaden als 
Nutzen schaffen würde. Auf die vom Kurfürsten nach dem Begehren des 
Goess gestellte Forderung einer schriftlichen Erklärung antwortet Millet ableh- 
nend. Der Kurfürst hat darauf in einer längeren Unterredung mit Millet auf 

') Wolfrad. 

*) Ueber Jeure Millet und dessen Mission in Beriin ürk. u. Act. I. 427 ff.; 
Mignet 1. c. H. 279ff., Mem. de Pomponne H. 492; Puf. 1. c. X. 42 ff. u. a. 0. 
3) Vergl. ürk. u. Act. U. 428; Puf. 1. c. X. 50. 



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Millet. Polnische Wahlfrage. Krankheit der Kurfurstin. 303 

die üeberflussigkeit der Unterstützung Polens gegen die Türken, von" denen 
nichts zu befürchten sei, hingewiesen und auf das Drängen Millet's, der Kur- 
fürst möge die Pläne Frankreichs in Polen unterstützen, geantwortet, Frankreichs 
Pläne seien undurchführbar ^). Goess spricht die Befürchtung aus, es könnte der 
Kurfürst, falls der Kaiser sich dem Neuburger nicht so günstig zeige, wie man 
in Berlin wünsche, insbesondere aber wenn Frankreich, was nicht ausgeschlossen, 
sich entschliesse die Candidatur des d'Enghien aufzugeben und die Neuburgische 
zu unterstützen, sich auf die andere Seite schlagen. 

Wegen des Defensionswerk im wostphälischen Kreis, habe ich, dass 
darbei der Burgundische in Acht zu nehmen, mit niemand anderm, als 
mit dem Baron von Schwerin daraus geredt und würde sich freilich nit 
thun lassen, dass man gleich anfangs aperte diese unsere Intention solle 
entdecken. . . . 

Der Kurfürst hat auf des Goess Mittheilung von der Sendung Basserode's nach 
Stockholm, erklärt, er werde seinem Vertreter Crockow Befehl zugehen lassen, 
Basserode in jeder Hinsicht zu unterstützen. Die Kurfürstin ist schwer erkrankt. 
Der kurfürstliche Minister Brandt in London schreibt zu wiederholten Malen, 
der König von England wünsche, dass er nach Breda zu den daselbst stattfinden- 
den Verhandlungen reise. Der Kurfürst wünscht des Kaisers Ansicht darüber 
zu wissen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 16. Mai 1667. (Or.) 

[Zustand der Kurfürstin. Mission Brandts nach Breda.] 
Der Kurfürst und die Kurfürstin sind vor einigen Tagen hier angekommen-). 16. Mai. 
Der Fürst Moritz von Nassau, welcher die Churfürstin aus dem ßaag 
hieher begleitet, hat mich den anderen Tag darauf besucht und der 
Churfürstin Zustand also repraesentirt, als wäre fast keine Hoffnung ihres 
Aufkommens. Er hätte auch nit vermeint, dass er's lebendig hieher 
bringen würde und dannoch hat sie aus lauter Begierde den Churfürsten 
und die Prinzen zu sehen, also geeilt, dass er mit Beschleunigung der 
Keis ihr nie gnug thun können. Sie ist ganz von Fleisch und Kräften 
abkommen und solle hecticam und phtisin zugleich haben, darzu dann 
auch ein Durchbruch kommen, welcher sie am meisten abmattet. . . . 
Wie ich vernimm, zeigt sie sich über die Massen resolut und resignirt, 
bekümmert sich allein wegen den Churfürsten grosser Betrübnus und 
wegen der jungen Prinzen. 



1) Vergl. ürk. u. Act. II. 432 f. 
«) Vergl. ürk. u. Act. II. 433. 



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304 I^- Erste Hission des Freiherrn Jobann Ton Goess. Jan. 1665— Hai 166S. 

Auf wiederholtes Bitten des Königs von England wird der Kurförst seinen 
Gesandten in London, Brandt, nach Breda zum Congress senden*). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 20. Mai 1667. (Or.) 

[Tod der Königin von Polen. Hillets Erklärungen über Frankreicbs Pläne in Polen 
und über die Polen selbst. Durcbzugsfrage. Urtbeil am Berliner Hofe über des 
Kaisers Pläne in der polnischen Thronfolgefrage. Nothwendtgkeit Giese in guter 
Stimmung zu erhalten. Hillets Bemühungen für Cond^. Frankreichs Vorgehen in 
der poloiscben Wahlfrage. Hoverbeck. Des Hainzers Urtbeil in der Durchzugsfrage.] 

20. Hai. Die Nachricht vom Tode der Konigin von Polen ist eingelangt*). Als ich 

Millet eben den Tag besucht, hat er mir persuadiren wollen, dass man 
ihrerseits auf keine Election, vivente rege, gedacht. Es wäre ein Phan- 
tasma, durch welches man die Leut abgeschreckt, sie hättens ihnen auch 
nichts kosten lassen, also wären sie auch nit die dupirte, noch die be- 
trogene; prognosticirete in posterum schlechten Zustand in Polen. Der 
Hof und das Land wären ihme gnug bekannt; er hätte noch neulich 
2 Jahren aneinander unter sie gelebt. 

Der Kurfürst hat Millet eine schriftliche Resolution in der Dnrchzugsfrage 
zukommen lassen'}. . . . Die conditiones auf des römischen Reichs Consens 
und der polnischen Republique Begehren der französischen Assistenz, haltet 
man für Ding, die nie geschehen werden. ... Ich vermerke, dass man 
dahie darfür haltet, dass durch diesem Tod der Königin des Giesen Nego- 
ciation noch schlechteren Fortgang als vorhin gewinnen werde, dass man 
bei uns darauf gewartet, dass man gedenke dem König die ältere Erz- 
herzogin in TyroP) zu geben; in summa, dass wir ganz andere Absehen 
bei dem polnischen Werk haben. Ich observire auch, dass Giesen sehr 
schlechte relationes an seinem Herrn thun muss, nam quotidie tarn ibi 
quam hie minus speratur, welches ich ungern sehe, dann unterdessen 
verlauft man sich mit den consiliis. E. E. M. habe ich unterthänigst 
erinnert, dass ich für rathsam erachtete, dass Giesen bei guten Mut und 
auch in seinem particulari bei guter Satisfaction erhalten würde. Der 
Millet hatte seine Negociation für Conde mit grossen Eifer angefangen^); 



Ueber Christoph Brandts Mission in England; Puf. 1. c. X. 2 ff. 

«) 10. Mai 1667; vorgl. Krebs 1. c. 170. 

') Die Resolution liegt in Gopie bei. Der Kurfürst erklärt in der Durchzugs- 
frage nur gemeinsam mit den übrigen Fürsten Torgehen zu kounen und hat daher an 
diese geschrieben. Vergl. Urk. u. Act II. 432 ff. 

*) Claudia Felicitas, die nachmalige Gemahlin Leopold I. 

*) Urk. U.Act. II. 439 f. 



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Tod der KönigiD von Polen. Polnische Wahlfrago. Angriff auf die span. Niederlande. 305 

ich glaube, dass er nun darvon relaschiron, die Hoffnung ziemlich ver- 
lieren und die Batterie veränderen werde; er schiesst, wie ich höre und 
Ursach habe zu glauben, wo nit mit vergift, doch mit gefährliche Kugel 
und solche, qui per medios ire satellites et perrumpere amant saxa 
potentius ictu fulmineo. Die Furcht, dass Frankreich sich jetzt für Neuburg 
ausspricht, wächst. Es seind nur 2 Tagen, dass wir den Bericht wegen der 
Königin Tod haben und solle allbereit die Proposition geschehen sein, 
|:dass der König in Frankreich gegen gewissen Conditionen nicht allein 
dem Herzog zu der Krön helfen, sondern ihme auch Geld hierzu vor- 
strecken wolle, welches er ehender nicht als adepta Corona zu resti- 
tairen:|, quod mihi fit credibilo; Papa Leo, wie man per proverbium 
sagt, gäbe, was er nicht behalten kunnte, die Franzosen werden's ver- 
kaufen und zwar theur gnug, wann ihnen hierdurch gerathen solle { : den 
Herzog, diesen Churfiirsten und andere von E'. K. M. und dero hochlöb- 
lichem Haus bei gegenwärtigen Coniuncturen zu abalieniren :{. Branden- 
burgs Vertreter in Polen, Hoverbeck, gebt den Anhängern des Neuburgers nicht 
energisch genug fi5r dessen Sache vor; der Kurfürst hat ihm darüber geschrieben, 
er sich gerechtfertigt^). Der Kurfürst von Mainz hat dem Berlepsch erklärt, 
er halte für nothwendig, dem Franzosenkonige rundweg den Durchzug der 
Truppen nach Polen durch Deutschland abzuschlagen*). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 23. Mai 1667. (Or.) 

[Mittheilung Castel Rodrigo's über die Pläne Frankreichs auf die Niederlande. Noth- 
wendigkeit seitens Spaniens etwas fär den Kurfürsten zu thun.] 

Castel-Rodrigo hat wie an alle Kurfürsten auch an den Brandenburger Mit- 23. Mai. 
theilung gelangen lassen von den Absichten Frankreichs auf die Niederlande'). 
Ich habe wohl treulich die Versorg gehabt, damit man von spanischer 
Seiten doch etwas an der versprochenen Pension abführen und also diesen 
Churfürsten bei guter Satisfaction erhalten möchte. Unschwer ist vor- 
zusehen gewesen, dass man seiner künftig würde bedörfen; die negocia- 
tiones erforderen materiam praeparatam und gute vorangehende Disposition 



>) Vergl. Puf. 1. c. X. 63. 

*) Für diese Senduug des Berlepsch Puf. 1. c. X. 34. 

') Das Schreiben d. d. Brüssel 5. Mai 1667 liegt in Copie bei ; vergl. Londorp 
1. c. X. 525. 



Mater, z. GMch. d. 0. Kurfürsten. XIV. 20 



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306 IV. Erste Mission des Freiberm Johann Ton Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 27. Mai 1667. (Or.) 

[(Juterredang mit Schwerin in der polnischen Wahlfrage. Berichte der neuburgischen 
Gesandten in Stockholm nber ihre Verhandlungen in der Wahlfrage. Grosse Zuge- 
ständnisse des Kurfürsten in dieser Sache. Rath des Goess in der niederiändischen 
Angelegenheit. Schwedens Stellung zu Frankreichs Pl&nen in Polen.] 

27. Mai. Schwerin fordert im Namen des Kurfürsten bestfmmte Erklärungen in der 

polnischen Angelegenheit, indem er zugleich betont, wie nützlich die Candidatur 
des Neu burgers sein würde. Aus Stockholm berichten die Vertreter des Neu- 
burgers, dass sie Hoffnung hätten ihre Negociation baldigst mit guter Satis- 
faction zu beschliessen und dass das Werk nur daran hafte, dass man sich ent- 
weder einer gewissen summa für des Königs aus Schweden Praetension auf die 
Jülichschen Lande verglichen möge, oder dass dem Konig sein Recht wie vorhin 
vorbehalten bliebe. Damit E. K. M. nun sehen, wie weit dieser Churfarst 
sich des Herzogs Promotion lasst angelegen sein, so hat er sich erklärt, 
dass er den halben Theil der samma, so man den Schweden zu geben, 
beitragen will; |: et insuper hat er seinem Abgeordneten, dem vom 
Crockow') Befehl gegeben, wann einige ministri hierzu mit Geld zu ge- 
v^innen und die Sach darmit zu heben, dass ersieh bis auf die 200000 
Reichsthaler hierin einzulassen :|. Auf Giese's Drängen dürfte trotz aller 
Gegeubemühungen des Goess ein Vertreter des Kurfürsten, wahrscheinlich 
Meinders, nach Wien entsendet werden. 

Bezüghch der niederländischen Angelegenheit räth Goess, der Mainzer Kur- 
fürst möge dem Franzosenkönige schreiben und seine Mediation antragen, um 
so den gänzlichen Bruch zu vermeiden. Berichte aus Schweden zeigen, dass 
Schweden nicht geneigt ist die Pläne Frankreichs bezüglich Polens zu unter- 
stützen. Was des Kurfürsten Haltung in der niederländischen Sache betrifft, 
glaubt Goess, dass er bis dato dieses consilium führe, dass man der 
Sachen ein wenig zusehen und was einer und ander darbei thun werde, 
beobachten wolle. |: Zu dem Krieg wird er nicht leichtlich die Hand mit 
ansphlagen , er sähe dann die Party auf unsere Seiten stark genug und 
dass man ihm gute Avantage darbei mache. : | 



Der Kaiser an Goess. Dat. Laxenburg 30. Mai 1667. (Conc.) 

[Erklärung des Kaisers bezüglich des polnischen Wahlwerkes und der Pläne Frank- 
reichs. Wunsch der Nichterneuerung der rheinischen Allianz. Wahrung des spa- 
nischen Interesses in Breda.] 

30. Mai. Bezüglich des polnischen Wahlwerkes beharrt der Kaiser auf seinen früheren 

Entschlüssen. Gegen die Niederlande, hoflft der Kaiser, wird Lndwig nichts 

') Für Crockow's Verhandlungen in dieser Zeit; Puf. I. c. X. 56. 



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Polnische Wahlfrage. Niederländische Angelegenheit. Massregeln gegen Frankreich. 307 

unternehmen, bis er von Spanien Antwort auf seine Erklärungen erhal- 
ten^). Da aber allgemein bekannt ist, wohin die Franzosen ihre Pläne ge- 
richtet, soll der Gesandte den Kurfürsten um seine Ansicht fragen, wie den 
drohenden Gefahren am besten zu begegnen sei, sonderlich aber ein An- 
wurf thuest, sintemahlen aus allen Umständen klar herfürkommt, dass 
die Krön Frankreich zu dergleichen widerrechtlichen, unfreundlichen und 
unnachbarlichen Impresen fast durch nichts anders mehreres, als durch 
die Sicherheit und Vorschub, so sie von gedachter rheinischer Allianz 
hat, animirt werde und nun die in derselben bedingte Zeit in dem 
nächst bevorstehenden Monat Augusto zu Ende laufet, ob nicht zu er- 
halten sein möchte, dass solche weiter nicht prorogirt, sondern wenigst 
mit Verschieb- oder Verweigerung der Renovation tacite gleichsam 
aufgebebt und cassirt werde. Den gleichen Befehl hat Basserode in Stock- 
holm erhalten. Es wäre gut, wenn Brandenburg dies Unternehmen gutheissen 
und bei Schweden, Braunschweig und Hessen Cassel unterstützen würde 2). 
Auch möge der Kurfürst seinen Gesandten in Breda') Befehl ertheilen, darauf 
zu sehen, dass das Interesse Spaniens Frankreich gegenüber gewahrt werde. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 3. Jnni 1667.. (Or.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten und Schwerin bezüglich der gegen Frankreich zu 

ergreifenden Massregeln. Mittheilungen aus dem Haag. De Witt. Ansicht des Goess 

über dessen Pläne. Brandenburg-schwedisches Vertragsproject.] 

Der Kurfürst ist bestrebt den Neuburger in seinen Plänen zu fördern. 3. Juni. 

Bezüglich der niederländischen Angelegenheit hält Goess dem Kurfürsten 
und Schwerin vor, dass bei veranlasster Collegialofferirung der churfürst- 
liehen Interposition, dieselbe sich darbei gegen dem König in Frankreich 
dergestalt vernehmen zu lassen^ dass weder sie, noch das römische Reich 
den burgundischen Kreis als ein vornehmes Glied dessen nit abandon- 
niren noch hilflos lassen könnten und wollten. Der Churfnrst insinuirte, 
dass die Bedrohung wenig considerirt würde, wann man nit die Macht 
darbei hätte. Weiln ich dann bei dieser Proposition und sonsten gnug 
in Acht nehmen können, dass man Bedenken habe dieses gleichsam 
pro consilio et tanquam consilii autores an Churmainz zu schreiben, als 
habe ich vorgeschlagen, dass man diesen Schlosshauptmann, den Obersten 

Vergl. diese Schriften im Theat. Europ. X. 674 ff; Diarium Europ. XV. p. II. 
App.; Londorp X. 526 ff. 

*) Für des Kurfürsten Haltung in der Frage der Prorogation der rheinischen 
Allianz; ürk. u. Act. XI. 469 ff. 

^ Blaspeil und Brandt. 

20* 



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308 IV. Erste Mission des Freiherm Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

von Berlepsch, zu I. Ch. Gn. von Mainz zu diesem Ende abschicken und 
alles mündlich ablegen lassen, | : dessen Meinung hierüber sondiren und 
das Werk ad propositum scopum dirigiren solle : |. Dies ist auch ge- 
schehen*). Oberstlieutenant von Isselstein, der im Auftrage des Herzogs Georg 
Wilhelm zu Celle nach Berlin gekommen'), hat, wie Goess von Schwerin er- 
fahrt, Befehl dem Kurfürsten zu melden; 1^ der König in Frankreich hätte 
ihm, Herzogen, seine genommene Resolution wider die Niederlanden 
notificirt, quaerit, quid respondendum ; 2^ man wüsste nicht, was Schwe- 
den in Sinn hätte, die gäben mit ihre Armee in der Nachbarschaft 
grosse gelosia; 3^ dergleichen thäte der Herr Bischof von Münster, 
welchen man vernehme den clevischen Tractaten zuwider Werbungen 
anzustellen; 4^ man würde einen Tag zu Hameln anstellen'), ob der 
Churfürst jemand der seinigen möchte dahin schicken. Ad primum, uti 
audio, werd geantwort, dass hie noch keine Notification geschehen, wann 
aber einige geschehen würde, künnte man änderst nit antworten, als 
remissive an dem, was das Reich thun werde; ad secundum verhoffe 
man, weiln die Sach mit Bremen nun abgethan, habe man weniger 
Ursach zur Diffidenz, wann aber noch einige Strittigkeit übrig, offertur 
electoralis interpositio; ad 3"™ man wolle den Herrn Bischof abmahnen, 
massen ich vernimm, dass einer, Ledebur genannt^), dahin geschickt 
werden, um so viel mehr, weiln von vielen Orten Bericht einlaufen, als 
habe der Herr Bischof mit dem König in Frankreich neulich einige 
Tractaten gemacht^) und gehe diese Werbung in dessen favor; ad quar- 
tum, wann der angesetzte Tag zu Hameln den Churfürsten notificirt 
werde, wollen sie der ihrigen jemand dahin schicken; suadet,.dass man 
den Feldherrn Wrangel auch darzu einladen solle. . . . 

Die churfürstlichen ministri ^) aus dem Haag berichten, dass man allda 
dieses Vornehmen des Königs aus Frankreich sehr apprehendire. Der 
Pensionarius de Witt hätte solito confidentius mit ihnen darüber deli- 
berirt; sehr hinderlich ist darbei, dass dieser Churfürst überaus schlechtes 
Vertrauen zu demselben hat, welches am meisten herkommt von wegen 



1) Vergl. Puf. 1. c. X. 34. 

*) Vergl. Kocher 1. c. I. 528 Anm. 5; er wird dort als Major bezeichnet 

') Vergl. Köcher I.e. I. 528 ff. 

*) Gerhard Jan Ledebur; über seine Mission zum Bischöfe von Münster Puf. 

I. c. X. 39. 

^) In der That hatte Münster am 4. Mai mit Frankreich abgeschlossen; vergl. 

Mignet 1. c. II. 35 f. 

^) Blaspeil, Romswinckel. 



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De Witt's Pläne. Morstyn. Reicbsangelegenheiten. 309 

de» Haus Oranien Interesse, welcheu der de Witt gehalten wird zuwider 
zu sein. Der Baron von Schwerin hat mich gefragt, was icli darvon 
iudicirte; ich'habe ihme unterschiedliche rationes vorgestellt, warum ich 
glauben müsste, dass des Pensionär! i Intention hierbei gut wäre; dass ihre 
Status es nit änderst litte und dass es des Pensionarii Ruin sein würde, 
wann man vermerken sollte, dass er einige Connivenz hierin gegen Frank- 
reich brauchete*). Der von Schwerin ist mir beigefallen. Goess theilt 
dann die we^entlichen Punkte des schwedisch-brandenburgischen Allianzpro- 
jectes bezüglich der polnischen Wahl mit*). 



Goess an den Kaiser. Dat Berlin 10. Juni 1667. (Or.) 

[Notificationsschreiben Frankreichs. Nachrichten aus Polen über die Abdication des 
Königs. Morstyn. Reichsangelegenheiten.] 

Dem Kurfürsten ist jetzt des Franzosenköniges Notification und Manifest 10. Juni, 
aas Regensburg zugekommen'). 

Ich habe von dem Churfürsten selbsten verstanden, dass des Her- 
zogs zu Cell Meinung dahin gienge, dass man zufurderst eine gute Armee 
auf die Bein zu bringen und dann von Mediation oder Interposition zu 
reden. Der Churfürst wollte sich gern interponiren, damit alle Diffidenz 
zwischen Schweden und dem Haus Braunschweig möchte aus dem Weg 
geräumt werden ^). Die Berichte ans Polen melden, dass man dort sehr stark 
an die Abdication des Königs denke. Der Kurfürst von Brandenburg ha 
den auf der Durchreise von Paris nach Warschau hier abgestiegenen Morstyn *) 
ermahnt, dass er bald die gute Partei nehmen und nit der letzte herbei 
zu treten sein solle. 

In einem zweiten Schreiben vom selben Datum berichtet Goess die Bereit- 
willigkeit des Kurfürsten in der Bamberger Angelegenheit die Sache des 
Kaisers in Regensburg zu fördern. 



Für de Witt's Verhalten in dieser Zeit vergl. LefeTre-Pontalis 1. c. I. 416 ff.; 
Klopp I.e. 1.159 ff. 

>) Vergl. Mörner 1. c. 314 ff. 

^ Das Schreiben bei Londorp 1. c. «X. 527 f. 

*) Vergl. Kocher I.e. I. 528f. 

^) Andreas Morstyn; über seine Verhandlungen in Berlin, M^m. de Pomponne 
IL 428 ff.; Puf. 1. c. X. 56, 61, 67; ürk. u. Act. IL 441 ff. 



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310 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 13. Juni 1667. (Or.) 

[Morstyus Aeusserungen über die polnischen Angelegenheiten dem Goess und dem 
Kurfürsten gegenüber. Schweden.] 

1 3. Juni. Morstyn spricht Goess gegenüber sehr nihig fiber die polnischen Sachen, 

dem Kurfürsten und seinen Ministern aber empfiehlt er ungescheut den Prinzen 
von Conde und erzählt wie alles zwischen dem Könige von Polen und dem von 
Frankreich bereits abgemacht sei*). Goess spricht die Vermuthung aus, dass 
Morstyn dies alles mit Gutheissen des Millet gethan^). Basserode berichtet 
aus Stockholm zwar gutes, aber Goess fürchtet doppeltes Spiel seitens der 
Schweden '). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 17. Juni 1667. (Or.) 

[Verschiedene Ansichten über den Zweck der Morstyn'schen Sendung, ürtheil des 
Goess über Brandenburgs Haltung in diesem Kampfe gegen Frankreich.] 

17. Juni. üeber die Bedeutung und den Zweck der Morstyn'schen Aeusserungen gibt 

es hier verschiedene Meinungen ; einige halten sie für Wahrheit, viele für einen 
von Frankreich ausgehenden Schreckschuss. Ich vermerke, dass man dahie 
rem belgicam nit in gleicher Consideratiou habe, noch so sehr zu 
Herzen fasse als rem polonicam; nit dass man's nit apprehendire, 
sondern dass man nit gedenke, sich so leicht darin zu impliciren. Der 
Churfürst hat mich gefragt, was £. K. M. hierbei thäten. Ich habe ge- 
antwort, dass sie es leicht zu erachten, dass ich Nachricht hätte, dass 
man bei uns die alte Regimenter recrutirte und neue würbe. Gegen 
andere aber, vernimm ich, dass der Churfürst gesagt, ich triebe an ihm, 
dass er sich dieses Werks annehmen solle und wir selbsten thäten nichts 
darzu. Man lasst gnug vermerken, dass man sich dieser Seit (man sehe 
dann zuvorn eine starke Partei gemacht) hierin nit leicht einlassen 
werde. Der Herzog von Neuburg hat sich dahie erkundiget, was man 
hierin zu thun vermeine. Mich gedünkt und ich liab's auch so ver- 
nommen, dass man schwache Antwort bis dato gebe. Mir kommt vor, 
man gehe franzosischer Seiten diesen Weg, dass man sich gestelle, als 
würden sie endlichen des Herzogs von Neuburg Promotion nit zuwider 
sein, damit sie die darbei iuteressirte. um so viel besser aus den nieder- 
ländischen Krieg halten können. .,. . 

^) Vergl. das Schreiben Morstyns in ürk. u. Act. II. 441 ff. 

^ üeber dieses Verhältnis ürk. u. Act. II. 446 ff. 

') Für die schwedische Politik in dieser Zeit; Oarlson 1. c. IV. 494 ff.; Puf. 1. c. 
X. 66. 



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Morstyn. Brandenburgs Haltung Frankreich gegenaber. Tod der Kurfürstin. 311 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 20. Juni 1667. (Or.) 

[Tod der Kurfürstin. Frankreichs Krieg gegen Spanien. Jodoci's Reise nach Frank- 
reich. Haltung Brandenburgs in der Frage der Prorogirung der rheinischen Allianz.] 

Am 18. ist die Eurförstin gestorben^). Frankreich hat trotz alles Ent- 20. Juni, 
gegenkommens Spaniens den Angriff auf die Niederlande begonnen and fort* 
gesetzt^). Die Reise des karfürstlich mainzischen Rathes Jodoci nach Frank- 
reich dürfte erfolglos sein»). Die Befehle bezüglich der rheinischen Allianz 
wird Goess befolgen. Man gestellt sich dafaie, dass man wenig Reflexion 
auf gedachte Allianz mache, dass sie auch in der That von wenigen 
Efifect; weiln die Franzosen auf die Prorogation dringen, hat der Herzog 
von Neuburg dieses Churfürsten Sentiment darüber begehrt zu vernehtneD. 
Ich sehe, dass man diesseits bis daher fast inclinirt, dieselbe in vorigen 
terminis zu prorogiren; steht nun dahin, ob diese neue von Frankreich 
erweckende motus andere Gedanken verursachen werden. Sonsten hat 
man diesfalls die grösste Reflexion auf Schweden und weiss ich nit 
änderst, als dass die churfürstliche Gesandte zu Regensburg Befelch haben, 
sich in hoc passu mit din schwedischen zu vernehmen und bis dieselbe 
sich erklären zurück zu halten*). . . . Diese Coniunctur, da man sieht, 
wie Frankreich dieser Allianz zu Unterdrückung des Reichs misbraucht, 
solle sonsten sehr favorabl sein. Ich muss aber darbei E. K. M. er- 
innern, dass ich von guten Orten habe, dass einige im Reich eben diese 
Occasion scheinen nehmen zu wollen mit Frankreich in einer engern 
Verbündnus zu treten^ sub praetextu, dass man hierdurch mehr Confldenz 
gewinnen und bequemer werd sein per viam mediationis den Krieg in 
Niederland zu sistiren und zu vermittelen*). 

Schliesslich weist Goess die Zumathung zurück, als suche er den Kur- 
fürsten zu einer Schweden feindlichen Stimmung zu vermögen. 



Vergl. Orlich, Gesch. Preussen im XVII. Jahrb. I. 549 ff. 

«) Lefevre-Pontalis I. c. I. 433 ff.; Klopp 1. c. I. 171 ff.; Ranke, Franz. Gesch. HI. 
232ff. 

>) Ueber dessen Sendung Puf. 1. c. X. 34. 

*) Vergl. das Schreiben des Kurfürsten an die Gesandten vom 10. Mai 1667; 

ürk. u. Act. XI. 471. 

*) Vergl. Köcher 1. c. I. 533 ff. 



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312 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. 24. Juni 1667. (Or.) 

[Geringe Aussicht auf ein energisches Einschreiten der Reichsförsten gegen Frank- 
reich. Brandenburg -schwedisches Allianzproject. Rheinische Allianz. Mitinclusion 
Bargunds in den Frieden von Breda.] 

24. Juni. Es ist wenig Hoffnung, dass Brandenburg und auch die übrigen Mitglieder 

des Reiches etwas energisches zur Vertheidigung des burgundischen Kreises 
thun werden. Die Verzögerung der schwedisch -brandenburgischen Verhand- 
lungen ist dem Kurfürsten sehr unangenehm. 

Die rheinische Allianz betreffend, begreifen T. Ch. D. zwar, dass 
billich bedenklich fallen solle dieselbe bei gegenwärtigen Coniuncturen 
zu prorogiren und glaube ich, dass sie gern sehen werden, dass Schwe- 
den sich zu der Prorogation nicht verstehe; solle aber schwedischer 
Seiten darin gewilligt werden, so werd schwerlich zu erhalten sein, dass 
sie sich diesfalls von gedachter Krön separiren. Durch Stratman hat Goess 
dem Kurfürsten über dieselbe Angelegenheit Mittheilung zukommen lassen. Das 
Haus Braunschweig ist, wie der Kurfürst meint, sehr für die Prorogation der 
Allianz *). 

Wegen Mitinclusion des burgundischen Kreis in dem Friedenschluss, 
so zu Breda möchte gemacht werden'), erbiet man sich zwar dahie, die 
churbrand. ministros dahin zu instruiren. Weiln aber I. Ch. D. weder 
Mediator noch pars sei, als vermeinen sie, dass sie wenig darbei werden 
thuQ können, und werd auch darfür gehalten, dass dergleichen Inclusion 
von wenigen Effect seie'). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 1. Juli 1667. (Or.) 

[Verhandlungen des Kurfürsten mit Millet wegen Prorogation des Rheinbundes und 
Passes kaiserlicher Truppen durch kurfürstliches Territorium. Massnahmen des Kur- 
fürsten in diesen Fragen. Bessere Stimmung des Kurfürsten. Unterredung desselben 
mit Goess über den belgischen Krieg, ürtheil des Goess in dieser Frage. Klagen 
über Werbungen des Bischofs von Münster. Millets Frage wegen Beschickung des 
Kölner Gongresses seitens des Kurfürsten.] 

1. Juli. Der französische Envoye Millet hat vergangenen Tagen prorogationem 

foederis Rhenani gesucht und dann dass der Churfürst sich cathegorice 
erklären wollte keinen Secursen nach Niederland den Pass durch seine 



Vergl. Urk. u. Act. XI. 471 f.; Köcher I. c. I. 533 ff. 

3) Vergl. Klopp 1. c. I. 185; Ranke, Engl. Gesch. V. 30ff. Der Friedensvertrag 
gedruckt bei Londorp 1. c. IX. 506 ff. 

') Vergl. für diese Frage Mignet 1. c. II. 258 f.; Köcher 1. c. 538; die Acten, die 
zu Regensburg gewechselt wurden, Londorp I.e. IX. 551 ff. 



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Rheinische Allianz. Der Krieg gegen die spanische Niederlande. 313 

Landen zu verstatten. I. Cb. D. haben auf beide propositiones remissive 
auf dem, was die übrige consortes oder auch Stände des Reichs thun 
wurden, geantwort; sie allein künnten hierin nichts statuiren^). Ich 
habe die Bedenken darwider weitläufig vorgestellt und haben dieselbe 
dem Generallieutenant Goltz') und dem geheimen Rath Reinhardt'), 
welchen sie zu den Herzogen von Braunschweig geschickt*), abermahlen 
Ordre nachgeschickt, denen Herren Herzogen wohl zu repraesentiren, wie 
bedenklich bei sothanen Coniuncturen diese prorogatio falle, weniger nit 
dem Crockow zu Stockholm'), allda dergleichen zu thun, quod summo- 
pere refert, aufgetragen, der auch die unbegründte Opinion zu beneh- 
men, als thäte man von E*^. K. M. Seiten die Krön Schweden bei Chur- 
sachsen und Churbrandenburg odieux und suspect machen; imgleichen 
ist auch an den churbrandenburgischen ministris nach Breda*), wegen 
dessen was E. E. M. gnädigst begehrt circa inclusioncm circuli burgundici 
in den dasigen Tractaten, geschrieben worden. Soviel ich alle diese 
Tagen observiren können, zeigen I. Ch. D. fast mehr Eifer als vorhin 
ihre und des Reichs Libertät zu beobachten und zu vertheidigen und 
begreifen sie gnug, wohin des Königs aus Frankreich vasti diseigni hinaus 
wollen. Auch die Namen der Servitut und der Sclaverei können sie ohne 
Entrüstung nit hören; beklagen sich darbei zum höchsten, dass Chur- und 
Fürsten des Reichs und zwar die geistliche zuforderist das edle Kleinod 
ihrer Freiheit nit besser in Acht nehmen. Mich fragen sie wiederholter 
Dingen, was E. K. M. circa bellum belgicum thun werden. Ich antworte 
generalia, dass S. Ch. D. leicht erachten können, was man zu thun, 
wann man einem sein und seines Haus Patrimonium mit Gewalt hin- 
weg nimmt, dass E. K. M. römischer Kaiser, die Niederlanden ein Kreis 
des Reichs sein, dass die gefährliche Consequentien von Seiten Frank- 
reich deroselben gnugsam vor Augen liegen etc. Ein mehrers gebührt 
mir ohne gnädigste Ordre nit zu sagen; darbei ich an meinem geringen 
Ort sehr zweiflen muss, ob's E'. K. M. Diensten vorträglich, dass bis dato 
im Reich gleichsam dubitirt werde, ob E. K. M. sich der niederlän- 
dischen Provinzen annehmen werden oder nicht. 



») Vergl ürk. u. Act. II. 451 ff. 

^ Joachim Rüdiger von der Goltz. 

') Johann Georg Reinhardt. 

*) Vergl. Köcher 1. c. 528; ürk. u. Act. II. 452. 

*) Vergl. Droysen I.e. III.3 194. 

«) Christoph Brandt und Werner W. Blaspeil; über ihren Aufenthalt in Breda 
Puf. I. c. X. 21 ff. 



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314 IV. Erste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Der Kurfürst wünscht, dass der Kaiser der von den Generalstaaten er- 
hobenen Beschwerde wegen der Rüstungen des Bischofes von Münster, die den 
clevischen Tractaten zuwider seien, abhelfe ^). Wie weit die hier von den Wer- 
bungen des Bischofes cursirenden Gerüchte der Wahrheit entsprechen, will 
Goess nicht entscheiden, dass ist aber gewiss, dass Tractaten mit Frank- 
reich obhanden') |: und der Herr Bischof von Münster nicht allein dar- 
bei interessirt, sondern auch französisch Geld darbei mit unterlaufen 
möge, derowegen E. K. M. am Rhein wohl zu invigiliren : |. 

Millet hat diesen Churfürsten gefragt, ob er nicht zu dem Convent 
nach Köln schicken ') und sich demjenigen, was allda gut befunden, con- 
formiren würde; eines Theils möchte es gut sein, damit man die con- 
silia der Orten erfahren könnte, andererseits aber auch periculeux, | : dann 
es werden allda emissarii Gallici nicht ermanglen. Wie ich dann höre, 
dass de dividenda praeda, wann Niederland soll verloren gehen, agitirt 
werde : |. 

Die Berichte vom 4. und 15. Juli enthalten nichts von Bedeutung als die 
Meldung von der verunglückten Sendung Jodoci's nach Frankreich*), Ebenso- 
wenig bedeutend sind auch die Weisungen • des Kaisers aus dieser Zeit. Es 
wird in denselben dem Goess immer wieder aufgetragen die Erneuerung der 
rheinischen Allianz zu verhindern und im allgemeinen sich über die Pläne des 
Kurfürsten von Brandenburg zu informiren (18. u. 25. Juni). Erst in der Wei- 
sung vom 11. Juli spricht sich der Kaiser über das von Goess in der nieder- 
ländischen Angelegenheit zu beobachtende Verfahren aus. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 11. Juli 1667. (Conc.) 

[Niederländisches Wesen. Congress zu Köln. Sendung Mannsfelds nach Berlin.] 
11. Juli. Du hast auf die Frag, was wir in dem niederländischen Wesen 

zu thun gesinnet, wann solche wieder fürkommt, neben dem, was du 
bereits wohl geantwortet, auch dieses zu vermelden, dass wann es Zeit 
und die Bereitschaft vorhanden sein werde ..., wir uns alsdann weiter 
hierüber vernehmen zu lassen nicht ermanglen werden. Verhalten dir 
benebenst nicht, dass Gottlob, zwischen der Krön Spanien und Engelland 
ein beständig Fried geschlossen^). Anlangend die von des Bischofs zu 



») Vergl. Puf. 1. c. X. 39. 

'0 Der Vertrag war bereits am 4. Mai 1667 geschlossen worden; vergl. Ennen 

1. c. I. 186. 

«) üeber diesen Kolner Convent; Mignet 1. c. IL 178 ff.; Kocher 1. c. L 530 f. 

*) Vergl. Puf. 1. c. X. 34. 

*) Der Vertrag vom 23. Mai 1667; abgedruckt bei Londorp I.e. IX. 529 ff.; Du- 
mont I.e. VII. 27 ff. 



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Niederlande. Congress zu Köln. Polnische Wahlangelegenheit. 315 

Strassburg *) L'* . vorgeschlagene Zusammenkunft nacher Köln "), ob zwar 
nicht viel zuträgllchs für uns darvon zu hoflfen; jedoch da dieselbe ja 
ihren Fortgang gewinnen wollte, so hielten wir für nicht unrathsam, dass 
des Churfürsten zu Brandenburg L^. auch jemanden von denen ihrigen 
dorthin schicketen, wenigst die schädliche consilia wo nicht zu hindern, 
jedoch zur Nachricht zu vernehmen; so du dextre bei derselben zu in- 
sinuiren. 

Zur Condolining wegen der Knrfürstin Tod wird der Kaiser den Reichs- 
hofrath Franz Max. Grafen von Mannsfeld nach Berlin senden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 22. Juli 1667. (Or.) 

[Geplante Zusammenkunft der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen. Brandenburg- 
schwedischer Vertrag bezüglich Polens. Des Meinders und des Kurfürsten Erklärungen 
in der polnischen und schwedischen Angelegenheit. Des Goess ürtheil in der letz- 
teren Frage. Sendung Beyer's nach Köln. Des Kurfürsten Haltung in der nieder- 
ländischen Frage.] 

Auf des Goess Ersuchen spricht der Kurfürst von Brandenburg dem zur 22. Juli. 
Trauerfeier nach Berlin gekommenen sächsischen Abgeordneten Flug den Wunsch 
aus, sich mit dem Kurfürsten von Sachsen über die bei der gefährlichen Lage 
nothwendigen Vorkehrungen zu berathen. Der Vertrag zwischen Brandenburg 
und Schweden pro manutenenda libertate reipublicae Polonicae ist geschlossen'^). 

Meinders hat dem Goess im Namen des Kurfürsten vorgeschlagen; 1°. er 
möge dahin wirken, dass durch des Kaisers Vermittelung der Papst*) dem Polen- 
könige und dem Clerus von der Abdication abrathe; 2^. es möge von Seite 
Oesterreichs alles aufgeboten werden, um mit Schweden eine Allianz zu 
schliessen. Meinders, wie auch der Kurfürst, halten zu diesem Zwecke eine jähr- 
liche Subsidie von 200000 Rthlm. für Schweden sehr wünschenswerth. Der 
schwedische Resident in Berlin *) erklärt wiederholt, wie günstig sein Hof einer 
Einigung mit Oesterreich gesinnt sei. Ich vernimm ungern, dass auch gegen 
ihn I. Ch. D. etwas wegen obgedachter Pension« schiessen lassen, dann 
obwohl ich darftir halte, dass wann's darauf ankommen sollte, E. K. M. 
ein Stück Gelds nit anzusehen, damit sie die Krön Schweden von Frank- 
reich abstrahiren und an sich ziehen mögen, welches dann bei diesen 
Coniuncturen ein hoch importirendes Werk wäre, auch nit zu hoffen, 



Franz Egon von Fürstenberg. 

2) Vergl. Ennen 1. c. I. 188 f.; Kocher 1. c. I. 531 ff. 

^ Vergl. Momer 1. c. 314 ff ; Puf. 1. c. X. 56; Mem. de Pomponne II. 407 f. 

*) Clemens IX. seit 20. Juni 1667. 

5) Wolfrad. 



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316 IV. Erste Mission des Freihenn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai i668. 

dass man einen Fluss ex suo alvco, den er von langer Hand genommen, 
bringen und in einen anderen werfen könne ohne starke und kräftige 
machinas darbei zu adhibiren, so wäre doch besser gewesen und erfor- 
derte es ordo tractandi, dass man darmit bis zu seiner Zeit zurück- 
gehalten hätte. ... Er scheint dasjenige, was de praestandis subsidiis 
da in's Mittel kommt gleichsam für Praeliminar und tamquam conditio, 
ohne welcher von der Sach nit zu reden, zu halten: sonsten vermeint 
der Churfürst, dass diesmahlen die Occasion und Coniuncturen mit 
Schweden zu handien sehr gut sein. Der Feldherr Wrangel scheint 
die französische impresa wider Niederland zu apprehendiren und dass 
man derselben nit also zuzusehen und weiln man den Frieden zu Breda 
für geschlossen halt'),... auch darfür gehalten werd, dass das Accommo- 
dament der Differenzien zwischen Schweden und den Staaten General 
darauf folgen werde'), als möchten um so viel mehr die Schweden ihre 
etwa bishero geführte Gedanken verändern und die von vielen unter sie 
eingerathene Maxime ergreifen, sich mit B^ K. M. und dem römischen 
Reich in guten Vertrauen und Verständnus zu setzen. . . . Der Kurfürst 
hat auf Drängen Stratman's den clevischen Rath Beyer') nach Köln zum Con- 
gress abgeordnet, der sich aber bezüglich der Fragen der rheinischen Allianz 
und des Schutzes der Niederlande mit mangelnder Instruction zu entschuldigen 
hat. Ich kann änderst nit spüren, als dass der Churfürst gute intentiones 
habe und dass ihme die weit aussehende diseigni des Königs aus Frank- 
reich sehr zu Gemüth gehen. Der Millet und die französische ministri 
anderstwo zeigen sich mit dem Churfürsten nit wohl zufrieden zu sein *). 
Blaspeil meldet aus Brüssel von seinen Verhandlungen mit Castel-Rodrigo. 

Die. beiden nächsten Berichte vom 19. Juli und I.August enthalten nichts 
neues. In neuen Unterredungen mit dem Kurfürsten und dem schwedischen 
Residenten in Berlin zeigt sich, wie unerlässlicb eine grossere Geld Unterstützung 
für die Durchführung der österreichisch-schwedischen Allianzprojecte ist. 



Der Vertrag wurde erst am 31. Juli 1667 unterzeichnet; hruck u. a. in den 
Mem. d'Estrades V. 458 flf. 

2) Vergl. Carlson I.e. IV. 498; die Verträge bei Dumont l. c. VII. 1, 37 ff.; 
Diarium Europaeum XX. App. 39 ff. 

3) Johann Beyer; vergl. ürk. u. Act. XI. 706 ff. 

*) Vergl. ürk. u. Act II. 457 ff.; Mignet 1. c. II. 279 f. 



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Schweden. Niederlande. Erweiterung^ der österreichisch -brand. Allianz. 317 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 26. Juli 1667. (Conc.) 

[Das niederländische Wesen betreffend. Erweiterung der osterreich-brandenburgischen 

Allianz.] 

Castel-Rodrigo und der hiesige spanische Gesandte ») haben ernstlich die 26. Juli. 
Hilfe des Kaisers für die Niederlande, letzterer überdies gefordert, der Kaiser 
möge dem Goess befehlen den Markgrafen Herrmann von Baden bei seinen Unter- 
handlungen mit dem Kurfnrsten von Brandenburg zu unterstützen*). Gleich^ 
wie uns nun billich zuforderst gedachter unversehener ganz unbefugter 
Ueberfall der Niederlanden zu Gemüth und Herzen gehet und uns be- 
wegt alle mügliche Mittel wie demselben zu steuern an die Hand zu 
nehmen, gestalt wir zu solchem Ende unsere Eriegsvölker bis auf eine 
gewisse competirende Anzahl eilends zu stärken im Werk sein, auch 
unserm Hof kammerrath, dem Freiherrn von Lisola, bereits Vollmacht er- 
theilt, nicht allein ein vor diesem obhanden gewesenes foedus mit des 
Königs in Engelland L^., sondern auch mit des Königs in Schweden L^., 
wie auch mit denen Staaten der vereinigten niederländischen Provinzen 
pro defensione mutua und sonderlich der obberöhrten niederländischen Pro- 
vinzen zu schliessen'); wie nicht weniger auch unserem Reichshofrath, 
dem von Basserode, befohlen seine Negociation in Schweden muglichsten 
dahin zu befurdern, dass selbige Krön zu Annehmung eines solchen Fleisses 
foederis ehist vermögt werden möge; also wollen wir, dass du nicht allein 
obbemeltes Markgrafen von Baden L^. zu Behauptung seines Intents bei 
des Churförsten zu Brandenburg L^. alle mügliche Assistenz leistest, 
sondern auch mit beweglicher Vorstellung aller Umstände, so bei ge- 
dachtem Ueberfall concurriren, . . . dich dahin bemühest, dass des Chur- 
forsten I/. sowohl wegen der gesuchten Extension unsers mit einander 
habenden foederis auf gedachte niederländische Provinzen, als auch 
wegen dero Cooperation bei dem Haus Braunschweig, damit dasselbe 
auch ehist darzu vermögt werden möge, unverlangt sich erklären wollen *). 
Goess soll in allen Fragen die Intentionen des Kurfürsten za erforschen suchen. 
Unter dem 1. Augast erhält dann Goess die Vollmacht zur Erweiterung des 
zwischen Oesterreich und Brandenburg bestehenden Bündnisses. 



'} Mi8 de Malagon. 

^ Üeber die Sendung des Markgrafen Herrmann von Baden nach Berlin; Puf. 
1. c. X.30f.; Mignet 1. c. IL 220ff.; ürk. u. Act. IL 463; Droysen I. c. IILg 201 ff. 

*} Ueber Oesterreicbs Verbalten in dieser Zeit und über die Stellung Lisola's 
vergl. Klopp 1. c. 1. 177 ff.; Schleichl 1. c. 73 ff.; Mignet 1. c. IL 336 ff. 

^ Ueber Braunschweigs Haltung in dieser Zeit; Kocher 1. c. 538 f. 



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318 ^V. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Küstrin 8. August 1667. (Or.) 

[Unterredung des Goess mil dem Kurfürsten bezfigUch der niederländischen Ange- 
legenheit. Des Kurfürsten Sendung zum Braunschweiger Convent. Seine Erklärungen 
bezuglich der Erweiterung der Österreich-brandenburgischen Allianz auf die Nieder- 
lande. Unterredung mit Schwerin. Des Goess Urtheil über die Ton Brandenburg 
gegen Frankreich yermutlich erfolgenden Massnahmen. Stratman's Sendung nach 
Düsseldorf. Des Goess Bemühungen bezüglich des Neuburgers. Mannsfeld.] 

8. Aug. Goess trägt dem Kurfürsten den Inhalt der Weisung vom 26. Juli vor; Frie- 

drich Wilhelm ist für die Beschleunigung der Verhandlungen ; nur bezüglich Braun- 
schweigs zweifelt er an der guten Intention. Den 22. huius soll ein Convent 
zu Braunschweig gehalten werden*); dahin schicken I. Ch. D. dero ge- 
heimen Rath Jena mit guter Instruction, wie ich vernimm und sonder- 
lich, dass weder er, noch die churfürstlichen Abgesandte zu Regens- 
burg'), in der Prorogation der rheinischen Allianz consentiren sollen*), 
massen ich in hac materia alle mit unterlaufende considerationes wieder- 
holt, occasione desjenigen was zu Köln bei dem Convent vorgeht . . . 
Der Herr Markgraf von Baden ist noch nit ankommen : auf der Proposition, 
so ich gethan wegen Extension unsers foederis auf die niederländische 
Provinzien, haben I. Ch. D. Anfangs generaliter mit Contestation, dass sie E'. 
E. M. und dero hochlöblichen Hauses Interesse, wie ihr eigenes, sich allzeit 
werden lassen angelegen sein, beantwort; nachdem ich aber ferner urgirt, 
sich dahin vernehmen lassen, es wäre ein Werk von grösserer Impor- 
tanz, als dass sie sich sogleich darauf resolviren könnten; sie würden 
die Sach in Deliberation ziehen. Unterwegs zu Landsberg habe ich mit 
dem Baron von Schwerin geredt und kann ich gnugsam merken, dass 
der Churfürst, es werde dann eine gute Partei gemacht, sich nit leicht- 
lich in einem Krieg wider Frankreich einlassen werde; wann aber die 
Party gemacht könnte werden, sehe ich wohl, dass er für seine Person 
darzu inclinirt; die Räthe aber werden sehr langsam darin gehen, massen 
ich verspüre, dass ihre consilia auf Dilatation und Gewinnung der Zeit 
gehen und wanns auch endlichen darzu kommen solle, so werden alsdann 
die propositiones, von welchen ich zum öflFtern geschrieben, wegen der 
Conditionen, so man dem Churfürsten zu machen, herfür kommen. In- 
terim inculcirt man, dass der Churfürst liberas manus zu behalten. 

Der neuburgische Resident Stratman ist mit uns hieher kommen. 



») Vergl. Köcher 1. c. I. 535 f.; ürk. u. Act II. 464. 
^ Gottfried Jena und Mahrenholtz. 

') Vergl. für die Politik Brandenburgs in der rheinischen Allianzfrage in dieser 
Zeit Urk. u. Act. XI. 473 ff. 



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Niederlande. Erweiterung der osterreicbiscb-brand. Allianz. Herrmann von Baden. 319 

er solle eine Reis nach Düsseldorf tbun; der Churfurst hat's propo- 
nirt und der Herzog angeDommen. Hac occasione habe ich P. Ch. D. 
suggerirt, dass sie dem Herzog durch dem Stratman von dem, was am 
Rhein vorgenommen will werden, kräftig dehortiren wollen. Sie haben's 
zwar gethan, aber der Stratman insistirt, dass der Herzog von der Party 
am Rhein nit abweichen kann, man zeige ihme dann eine andere dar- 
be! er seine Sicherheit finden könne; und habe ich mich beflissen, 
dass der Churfürst seine Intention und Resolution dem Herzog wissen 
lassen solle, damit er sich derselben conformiren und dardurch animirt 
werden könne. Aber hierzu ist es nit zu bringen gewesen, sondern man 
lässt's darbei bewenden, dass der Herzog sich nit zu engagiren und dass 
er nit zu zweiflen, dass eine gute Party werd gemacht werden. 

Graf Mansfeld ist vom Kurfürsten freundlich empfangen worden; derselbe 
wird über seine Mission selbst berichten '). 



Goess an den Kaiser. Dat. BerHn 18. Angust 1667. (Or.) 

[Ankunft des Markgrafen Herrmann von Baden. Unterredung des Goess mit dem- 
selben bezüglich Jägerndorfs und einer neuen Heiratb des Kurfürsten. Des Markgrafen 
Instruction. Dessen Erklärungen bezuglich der Mittel den Kurfürsten zu gewinnen. 
Castel-Rodrigos Aeussening über denselben Punkt, ürtheil und Verhandlungen des 
Goess mit Schwerin über di^ Sache. Dessen Erklärungen und Urtheil über Schweden. 
Urtbeil in Deutschland über des Kaisers Vorgehen. Urtheil des Goess über die Lage. 
Millet^s Erklärungen. Mittheilungen Stratmans und des schwedischen Residenten. 

Grave in Dresden.] 

Markgraf Herrmann von Baden ist den 12. d. hieher gekommen. |: Von 18. Aug. 
wegen des Herzogthum Jägerndorf und ob man mit Offerirung desselben : | 
den Churfürsten nit zu gewinnen, hat er zwar mündlich mit mir dis- 
currirt; er hat's aber in seiner Instruction, die ich gesehen, nit gehabt; 
ich habe ihme die rationes vorgehalten, warum daran nit zu gedenken. 
Wohl hat er in instructione zu sondiren^ ob nit etwa |: dieser Churfürst 
inclinire ad secanda vota zu schreiten und ob er nicht auf einige unsere 
Herzogin gedenken möchte : | ; doch ohne sich hierin im geringsten zu 
engagiren; worüber ich ihn auch informirt und hoffentlich capace ge- 
macht, dass erstlich |: der Churfürst solche Intention nicht merken 
lassen :| und dann, dass wann's auch darzu käme, dergleichen negotia 
nit besser können ruinirt werden, als wann man unzeitlich einigen An- 



*) Vergl. weiter unten den Bericht Mansfeld's praes. 23. August; vergl. ürk. und 
Act. 11.463; Mignet 11.285. 



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320 IV- E^'ste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

wurf darvon thuet. Der Markgraf macht dem Goess Mittheilung von dem Inhalte 
seiner Instruction »)...." Als ich den Markgrafen vorgehalten, was massen 
Spanien mit nit — zu halten den Credit bei diesem Churfursten merklich 
verloren, ihn exhortirt mit sothanen leeren promissis nit aufzuziehen, 
und inquirirt, was er für Mittel mitbrächte diese schwere Negociation 
durchzutreiben, hat er für sich selbsten gedeut auf Einräumung eines 
Theils des Gelderlands, ja auch der Festung Geldern selbsten'), darvon 
er doch in seiner Instruction nichts hat, ausser dass etwa zwischen sie 
mündlich möge darvon gered sein worden. Im übrigen sagte er mir, 
dass wann der Churfürst mit Geld zufrieden und ein mehrers nit be- 
gehrete, es daran nit ermanglen würde, dass sie auch von dem Chur- 
fursten ehender nichts begehreten, bis das Geld nit vorhanden. Mir 
schreibt der Marques de Castel Rodrigo in seinem jüngsten Schreiben 
vom 30. Juli, dass er zu diesen Tractaten mit dem Churfursten Voll- 
macht aus Spanien bekommen, dass man demselben sichere hypotecas 
würde einräumen, welche ohne Zweifel abermahlen auf das Gelderland 
zu verstehen. Mich hat man vor diesem schon unterschiedliche Malen 
destwegen sondiren lassen. Ich habe ad disponendam materiam allzeit geant- 
wort, dass man sich hispanischer Seiten zu dem was raisonabl gern ver- 
stehen würde. Wann der Feind ein Theil der Landen weg nehme und der 
Freund den andern begehrete, was dann demieoigen, dem man helfen 
wollte, verbleiben würde. Ich bekennete unsere Noth und Interesse, 
aber erkennete darbei auch gar wohl, dass der Churfürst hierbei auch 
ein grosses Interesse proprium hätte; dann wüsste ich auch, dass die 
Staaten General pro suo interesse sich zu einige subsidia für dem Chur- 
fursten verstehen würden, alles dahin, damit die Begehren an uns desto 
moderater fallen möchten. Meines Erachtens, wann's darzu kommen 
sollte, wird man dem Churfursten wenigsten Pfand weis und zu Ver- 
sicherung der Gelder, so ihm versprochen werden, ein Stück von Gelder- 
land müssen einräumen; in quo casu, wann man auch die Praetension 
auf Einräumung der Festung und Stadt Geldern extendiren wollte, stall 
ich zu E'. K. M. gnädigsten Belieben, ob sie mir dero gnädigstes Senti- 
ment und Meinung darüber eröffnen wollen. . . . Ich bin gestern Abends 
spät bei dem Baron von Schwerin gewesen mit ihm aus der Sach zu 
reden und das Werk bestermassen zu recommandiren. Ich habe ihn in 
seiner vorigen Meinung beständig befunden, dass nemlich der Churfürst, 



1) Vergl. Puf. 1. c. X. 30. 

») Vergl. Mignet 1. c. II. 283; Droysen 1. c. IIL, 202. 



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Verhandlungen mit Ilerrmann von Baden. Niederlande. 321 

sein Herr, zwar grosse Interesse darbei habe, dass die spanische Nieder- 
landen im vorigen statu verbleiben, dass, wann eine sufficiente Party 
darzu gemacht würde, derChurfürst mit einzutreten; dass er aber allein 
und wie die Sachen bis dato stehen, sich hierin einzulassen, könnte er 
nit finden. Und dieses ist, was auf meine Proposition von Extension 
unsers foederis auf die spanische Niederlanden gleichfalls magis tacite quam 
expresse geantwort wird. Er hatte einige Nachricht, dass die Franzosen 
vor Brüssel stünden^) und wollte ihm fast gedünken, quod semper timui, 
dass das malum incurabile wäre. Derowegen ich mich bemühet das 
contrarium zu remonstriren und dass der Franzos bishero nit ein einige 
tenable Festung erobert, ja auch nit attaquiren dörfen; suchete famam 
victoriarum mit Eroberung fast offenstehender Stadt, zweifelsohne mit 
Hoffnung das Land ad aliquam defectionem zu bringen und die benach- 
barte von dem Secours zu decouragiren ; zeigete ihm, dass es eine suffi- 
ciente Party sein würde, wann E. E. M., dieser Churfürst, das Haus 
Braunschweig und etwa die Staaten-General und vielleicht England mit 
zu der spanischen Party träten und wann einige hierunter abgiengen 
und sich nit aperte declariren wollten, würden sie es doch gern sehen, 
uns nichts im Weg legen, auch wohl heimliche Vorschub thun. Von 
Schweden hat der von Schwerin diese Opinion, dass sie zwar nit leicht 
wider Frankreich mit agiren, doch wohl neutral bleiben möchten; welches 
mir darum schwer zu glauben vorkommt, weiln Schweden heraus armirt 
und solcher gestalt nit länger subsistiren kann und dann propter genium 
des Feldherrn WrangeP). . . . 

Ich muss E^ K. M. andeuten, dass unangesehen dessen allen, was 
ich hier angebracht, man nit allein hier, sondern fast allenthalben dar- 
fnr halt, dass dieselbe nit serio resolvirt sich der Niederlanden anzu- 
nehmen, quod perniciosissimum und böse effectus verursacht; was man 
von Recruten und Verstärkung unserer Armee sage, seien nur leere An- 
stalten, man sehe bei allen dem keine effectus; beim Rhein wirft man 
vor, E. K. M. hätten weiters nichts als allein die Mediation begehrt; 
ja einige sollen praetendiren E^ K. M. Willen und Wunsch hierin erfüllt 
zu haben, dass sie dero Secursen den Pass verweigeren und also einen 
Praetext non mittendi subministriren. Mich piquiren solche Discursen 
in der Seel, dann mich gedünkt, man greife E. K. M. in dero Reputation 
an, wann man sich könne lassen einfallen, dass sie ein so stattliches 



') Vergl. Lefevre-Pontalis 1. c. I. 423. 

*) Für Schwedens Haltung in dieser Zeit Carlson 1. c. IV. 497 fif. 

Maler. «. Gesch. d. G. Knrfürsteu. XIV. 21 



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322 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

patrinoniuiD ihres hochlöblichen Hauses sollen lassen wegnehmen, ohne 
einmal den Degen darum zu zucken. 

Der Mediation halber habe ich's allezeit darfür gehalten, dass die 
Franzosen derselben primi, obzwar occulti autores; wenigsten ist klar 
und am Tag, dass für ihnen nichts fürträglicheres erdacht werden 
könne; sonderlich da man zusieht, dass sie unterdessen mit den Waffen 
agiren, scilicet, nun seie von der Gegenverfassung nit zu reden, bis man 
den effectum gedachter Mediation sehe, unterdessen kommt die Sach in 
Niederland ad terminos desperates und was ist von der Mediation zu 
erwarten, wann halb Niederland werd hin sein? Vielleicht werden die 
mediatores wider Frankreich, wann der König die Billichkeit werd aus- 
schlagen, die Waffen ergreifen und nit vielmehr Spanien adhortiren, sie 
sollen das verlorene und vielleicht noch ein Stück des noch behaltenen 
paci publicae sacrificiren? Der Millet intonirt nun dahic assidue, dass 
die mediatio das einzige Mittel seie aus der Sach zu kommen; ganz 
Europa würde in Combustion gerathen, wann andere sich armis in die- 
sem Krieg einmischen würden. Sein König werde sich so raisonabl 
darbei zeigen, dass man ein mehrers an ihm nit zu desideriren '). ... 

Stratman, Neuburg's Gesandter, betont wiederholt, dass der Neuburger 
lieber durch Vermittlung Oesterreichs als Frankreichs sein Ziel in Polen erreichen 
würde, und wenn die Heirath zwischen dem Könige von Polen und der Prin- 
zessin von Neuburg ') sich realisiren Hesse *), diese auch mediantibus ofiRciis 
des Kaisers lieber als durch die Franzosen haben wollte. 

Der schwedische Resident in Dresden, Grave *), ist hier und theilt Goess* mit, 
dass man am sächsischen Hofe fürchte, Brandenburg suche Sachsen beim Kaiser 
verdächtig zu machen und benütze dazu das sächsisch-französische Bündnis. 
Auch soll in Sachsen sehr stark von Seite der Franzosen für eine Rüstung ge- 
arbeitet werden. 



Vergl. Urk. u. Act. II. 466 f. 

*) Eleonore Magdalena; später Gemahlin Leopold I. 

') Vergl. für diese Angelegenheit ürk. u. Act. IL 456 f. 

*) Vergl. ürk. u. Act. IL 469. 



fe^ 



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Des Goess ürtheil über die Lage. Verhandlungen mit dem Markgrafen von Baden. 323 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 22. August 1667. (Or.) 

[Verhandlungen des Markgrafen von Baden mit dem Kurfürsten. Unterredungen des 
Goess mit dem Kurfürsten und Schwerin über diese Angelegenheit. Schwerin's Er- 
klärungen bezüglich einer Anweisung österreichischen Erblandes an den Kurfürsten 
für den Fall des Aussterbens des Hauses Habsburg. Des Goess Antwort. Schwe- 
rin's Aeusserungen bezüglich der Jägemdorfer Angelegenheit Des Goess Antwort. 
Des Markgrafen Reise zu Castel-Rodrigo. Urtheil des Goess über die Pläne Branden- 
burgs. Brandt's Berichte aus London. Schwerin's Ürtheil über Arlington und Cla- 
rendon. Zusammenkunft der Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen.] 

Auf Wunsch des Kurfürsten begab sich Goess am 19. d. nach Potsdam. 22. Aug. 
Der Markgraf von Baden gibt ihm Nachricht von dem Staude der Verhandlungen. 
Bald hat er (Markg.) vermerken können, wessen ich ihn zuvorn ge- 
warnet, dass die Hauptdifficultät 1°. circa Suecos und dann 2^ circa 
media, so man dem Churfürsten hierzu zu geben, bestehen würde; sie 
gaben ziemlich cathegorice zu verstehen, dass man die Sach dahin zu 
bringen, dass Sueci entweder für uns oder doch wenigsten sich neutral 
erklärten, sonsten wäre in der Sach nichts zu thun. Der Markgraf ant- 
wortete, dass man allen Fleiss hierzu anwenden würde, wann'« aber nit 
zu erhalten und man dem Churfürsten Mittel geben sollte, dass ausser 
was wider Frankreich gebraucht würde, sie noch ein Corpo von 8000 
Mann, darzu von E. K. M. auch ein anders Corpo zu stossen, formiren 
künnten, ob man dann auch -ohne, ja auc*h wider Schweden den Krieg 
nit könnte vornehmen, worauf sie, wie der Markgraf referirt und der 
Baron von Schweringegen mich darauf bezogen, affirmative geantwortet. 
Betreffend die subsidia antwortete der Markgraf, dass man ihrerseits zu- 
frieden wäre, dieselbe zu richten nach dem was die Staaten General 
dem Churfürsten bei dem vorgewesten münsterischen Krieg gegeben^), 
die Recompenz müsste man beim Feind suchen; im übrigen wäre der 
König genereus und würde jederzeit die Freundschaft wissen zu er- 
kennen .... 

Der Herr Markgraf ist mit allem diesem ziemlich wohl zufrieden 
gewesen. Nachdem ich mit dem Churfürsten geredt, welcher sich auf 
die gehaltene Conferenzien bezogen und im übrigen, wie vorhin, gute 
Intention bezeigt, bin ; ich zu dem Baron von Schwerin, mit welchem 
ich das Werk abermalen durchgangen. Unterwegs als ich nach Pots- 
dam hinausführe, bekäme ich ein Schreiben von dem Fürsten von An. 
halt, welcher vor 2 Tagen vorher von Dessau dahin kommen, in welchem 
er mich erinnerte, ich solle allein sehen, dass ich ihnen nur die Schwe- 



») Vergl. Morner 1. c. 274f.; § 6,8—10 des Vertrages Tom 6./16. Febr. 1666. 

21* 



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324 I^- ^TsiQ Hission des Freiberm Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 166B. 

den vom Hals hielte, so würde alles wohl gehen, mit dem übrigen würde 
man schon Mittel finden. In facto ist bei dem Churfürsten diese, wie 
ich von langer Hand observirt, die grösste Difficultät. Goess tritt für die 
Nothwendigkeit eines Bündnisses mit Schweden, oder wenigstens der Sichern ug 
der Neutralität seitens dieser Macht ein. 

Bezüglich der Subsidien sucht Goess den Kurfürsten zur Herabsetzung seiner 
Forderungen zu bewegen. Schwerin erklärt aber, dass der Churfürst hierin 
(durch die Theilnahme am Kriege gegen Frankreich) dem ganzen hochlöbl. 
Haus so ansehnliche Dienste thun würde, dass er nit allein bei dem König 
in ^Hispanien, sondern auch bei E'. K. M. eine Recompenz dardnrch ver- 
diene; massen der Churfürst befohlen mir dasselbe zu insinuiren. 

Mit dem de Lisola hätte er vor diesem in gewisser Occasion daraus 
geredt, dass E. K. M. diesen Churfürsten sich in perpetuum devincirn 
künnten^ wann sie ihme eine Expectanz auf einigen Stück dero Landen, 
welcher sie viel und gleichsam übrig haben, im Fall das hochlöbl. Haus 
solle kommen abzugehen, ertheilen thäten. Er wünsche demselben die Per- 
petuitat und dass der casus nie geschehen möge; es seie der ganzen Christen- 
heit so viel daran gelegen, dass er gleichsam cum juramento asseverirt, 
dass er zwar mit Pflichten dem churfürstlichen Haus Brandenburg zu- 
gethan, auch wohl vorsehe, dass grosse Unheil daraus entstehen würde, 
wann dasselbe solle abgehen;, doch propter bonum universale und aus 
treuer unterthänigster Devotion gegen E. K. M. würde er ehender des 
Churfürstlichen als E'. K. .M. hochlöblichen Hauses Untergang ver- 
schmerzen. Der de Lisola als ziemlich religieus hätte das einzige Be- 
denken bei dieser Proposition wegen der Religion gehabt. Ich wüsste 
aber, wie L Ch. D. in diesem particulari beschaffen, und wie gnädig sie 
sich erga catholicos erzeigeten. So könnten auch Mittel gefunden wer- 
den die Religion allerdings zu versichern, der casus würde hoffentlich 
nie kommen; unterdessen verbünden sich E. K. M. den Churfürsteu 
strictissimis vinculis und würden grosse beneficia und Vortheile daraus 
empfangen. Ich habe geantwort, dass mich verwunderte, dass der de 
Lisola, der von allem so gute Information hat, allein die Difficultät 
wegen der Religion berührt; er habe ja nit ignoriren können die pacta, 
welche der Succession halber bei dem hochlöblichen Haus seien; wie 
nun hierin regi minorenni könne praeiudicirt werden? Er hat replicirt, 
dass ich mir wohl einbilden könnte, dass infinitae und sehr schwere 
difTicultates vorfallen würden, wann es einmal ad hunc casum des Ab- 
gangs des hochlöblichen Hauses käme und dero wegen sehr vorträglich 
sein würde, einen mächtigen benachbarten Churfürsten zum Freund und 



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Anwartschaft auf österr. Gebiet fnr die Hohenzollera. Des Goess Urtbeil aber die Lage. 325 

mit interessirt zu haben. Ratione minorennitatis des Königs in Hispanien 
hat er gemelt, dass einige unter ihre ministros destwegen Scrupl gehabt 
sich in Tractaten mit Spanien einzulassen, als wann man nit gnug dar- 
bei könnte versichert sein; worauf ich ihme die Notdurft geantwort. 
Weiln der Marques de Castel Rodrigo in seine Schreiben an mich von 
Hypotheken Meldung thut und ich billich besorge, dass man mit dem 
Geld nit aufkommen möchte, habe ich dem von Schwerin sondirt^ ob sie 
nit sichere hypothecas annehmen und das Geld interim vorschiessen 
wollten. Er hat geantwort, quoad subsidia müsste baar Geld dar sein, 
wegen der Recompenz aber, wäre davon zu reden. 

Er hat auch hierbei Meldung gethau, ob das JägerndorPsche Werk 
occasione dieser Negociation nicht könnte abgethan werden, quasi de 
restitutione intelligeret. Ich habe mich darbei beklagt, dass, nachdem 
ich mich so viel in diesem negotio bemühet und alles zu Wegen gebracht, 
was sie selbsten verlangt, man hernacher auf ihrer Seiten resilirt und 
gleichsam mit Fleiss eine roateriam disgustuum ernähren wollen; dieses 
wäre vielmehr eioe Mittel, dass sie ein guts Stück Geldes bekommen 
und ein Theil der Werbungen gegen gute Assecuration bestreiten künnten. 
nie, dem Churfürsten käme allzuschwer an und künnte darzu nit ge- 
bracht werden, dass er ein Fürstenthum seines Hauses um ein Stück 
Geld solle fahren lassen. Der Markgraf wird auf "Wunsch des Kurfürsten zu 
Castel-Rodrigo eilen; bei einer Zusammenkunft, zu der auch Vertreter an- 
derer Fürsten, welche in eine solche Allianz einzutreten willens seien, einge- 
laden werden sollen, soll dann die Sache erledigt werden. Ich merke, dass 

man sucht Zeit zu gewinnen, bis die Sach sich besser maturire und 
man sehe, was man am einen und andern Ort für Resolution wird 
nehmen. 

Die Berichte Brandts aus London lassen erkennen, dass England energische 
Antheilname des Kaisers an den Ereignissen wünscht*). Der Baron von 
Schwerin warnete mich auch, dass nit dienlich, dass der de Lisola allzu 
fest sich an dem secretario Arlington hielte. Der Grosskanzler') nähme 
Jalousie darvon; der erste wäre zwar dem König lieb und bei ihm in 
Faveur, dem Canzler aber nit gleich in Talenten, noch Autorität in 
dem Guberno und wäre der Canzler auch den Franzosen nit so sehr zu- 
gethan, als etwa gesagt würde. Auf besonderen Wunsch des Kurfürsten 
von Sachsen wird Goess sich zu der zwischen Brandenburg und Sachsen für' 



Vergl. Puf. I. c. X. 28; Klopp 1. c. I. 187 ff. 
^ Clarendon. 



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326 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann Ton Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

den 24. st. v. festgesetzten Zusammenkunft im Kloster Zinna ^) begeben. Das 
Bestreben des hiesigen Kurfürsten geht dahin, Sachsen und Frankreich zu ent- 
zweien und Johann Georg von der Fortsetzung der mit französischem Gelde 
begonnenen Rüstungen abzuhalten. 



Goess an den Grafen von Lamberg. Dat. Berlin 22. August 

1667. (Copie.) 

[Heiratbspläne zwischen Brandenburg und Oesterreich. Belohnung der kurfürstlichen 

Minister.] 

22. Aug. Bei deme vom Freiherrn von Schwerin mir gehaltenen Discurs ist 

raehrmalen eine Anregung geschehen von einem Heirath zwischen da- 
hiesigen Churprinzen mit einer aus denen kaiserlichen Prinzessin zu stif- 
ten, warzu dann, soviel ich vermerke, dies Orts die Inclination täglich 
sich vermehret. Und diewoiln bei gegenwärtigen Coniuncturen äusserist 
daran gelegen ist, sich mit dahieigem Churhaus aufs stärkist zu ver- 
einigen, also mögte ich wünschen, dass I. K. M. allergnädigst geruhen 
wollten, reiflich zu überlegen, was dies Orts dero Convenienz sein mögte; 
zumal, dafern dieselbe darfür halten thäten in diesem weiter zu gehen, 
befinde ich die Sachen dahier dergestalt disponirt, dass man dahier sich 
weiter herauslassen würde, bevorab, woiln der Churfürst ein grosses Ver- 
langen bezeiget seinen H". Sohn aufs ehist möglichst zu . vermählen, 
sonsten aber, wie gesagt wird, 1. Ch. D. selbsten gedenken mögten, sich 
wiederum zu verheirathen. . . . Est ist zwar nicht ohne, dass I. Ch. D. 
3 Prinzen haben, welches keine geringe circumstantia ist; dagegen aber 
ist auch der Zeit kein geringes Interesse und Vortheil mit diesem Herrn 
auf was Weise es sei, sich zu vereinigen, zumalen vorhero diö Experienz 
gegeben, wie viel derselb der abgoleibten Churfürstin deferirt gehabt. 
Auch einiges Geld zur Belohnung der kurfürstlichen Minister hält Goess für 
nothwendig und zweckmässig. 

Maximilian Graf Mansfeld an den Kaiser. Praes. 23. August 

1667. (Aut.) 

[Unterredung mit dem Kurfürsten bezüglich der niederländischen Angelegenheit und 
der Nothwendigkeit Schweden zu gewinnen. Der Kurfürst klagt über die Kenntnis 
der Franzosen von allen Verhandlungen zwischen Brandenburg und dem Kaiser. Des 
• Kurfürsten Aeusserungen zu den polnischen Gesandten. Wolfrad. Stratman.] 

23. Aug. Mansfeld hatte Befehl blos zu condoliren ; allein Goess machte ihn darauf 

aufmerksam, dass er so nicht durchkommen werde und instruirte ihn. In der 



') Vergl. Pnf. 1. c. X 3.0; Urk. u. Act. II. 470f. 



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Heirathapläne zwischen Oesterreich und Brandenburg. Niederlande. 327 

That war des Kurfürsten erste Frage nach Ablegang der Curialien; ob sich 
L E. M. wegen des NiderländischeD Unwesen bekümmeren, solchen übel 
abzuhelffen band anlegen, oder aber sich darein zu mischen nicht ver- 
langten. Wiewol es dass leztere zu sein vill mit Verwunderung glauben, 
so könne ehr es doch an seinen ohrt nicht ersinnen, wie I. E. M. ihr 
Erbland wollen lassen verlohren gehen, darboy es auch wol noch nit 
etwan beruhen würde; es seie ein weit ausssehende sach. Mansfeld er- 
widert, der Kaiser habe in einer so wichtigen Sache nicht leicht sich ent- 
schliessen können, jetzt aber treffe derselbe alle Massregeln, um das Werk 
durchzuführen. Der Kaiser habe sich entschlossen 10000 Mann frisch zu 
werben und rechne bei seinen Vertheidigungsplänen mit in erster Linie auf den 
Kurfürsten von Brandenburg. Darüber der Churfürst ein grosse frewd 
gezeugt, versicherte seine trew und vermainte, wan alle Chur- und 
fürsten des Reichs sich also ihrer pflicht und nutzen erihnereten, würde 
franckhreich dergleichen Rumor nit machen; Ehr wolle mit P. M. fest 
halten, so lang es ihme möglich sein wirt; man solle ihm nur solche 
partie machen, dass ehr etwass mit Ehren bestehen kan; es ist nöttig, 
dass die geringste zeitt nit versäumet werde, wie wol dass spill vor 
uns jezt guett seie, aber die franzosen feweren nit mit häuffig geld 
die Schweden zu gewinnen, die I. M. vor dissmahl nit können rauessig 
gehen, wiewolen der Schweden Interesse vor dissmahl also beschaffen, 
dass sie P. M. umb die helffte und noch weniger als Franckhreich 
dienen werden. Er frewe sich, dass wir disen zweckh gefunden und 
wie seine zeittungen melden, denen Schweden zu hamburg hundert und 
sechzig tausendt Rther. aussgezelet; hete es allzeit wollen vorsagen, wie 
der Schweden ihr interesse auch möchte beschaffen sein, so würde dpch 
ohne geld diso negotiation niehmals sein zu End kommen. Ich aber 
entschuldigte mich, dass ich von solcher ausszahlung der gelder zu ham- 
burg keine nachricht hete, glaube auch nit, dass es geschehen; jedoch 
der herr basseroda vor P. M. interesse mögligst zu beobachten gnueg- 
same Instruction habe; darauf der Churfürst widerumb vermanete kein 
zeitt zu versäumen und koste wass es wolle dissmahl die Schweden 
nit ausszulassen; diss werde alles dass übrige nachziehen; bezeugte 
grossen unlust wider an seinen hoff Residierenden französischen ministrum*), 
wie auch schlechten nutzen auss des grairaonville') an Wesenheit, weilen 
der erste alle seine propositiones läugnet, sogar dass der Churfürst ver- 



Millet. 

^ Jacques Brethel de Gremonville; vergl. Recueil des Inst. I. 65 ff.; Mignet 1. c. 
11. 335 ff. 



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328 IV. Erste Mission des Froiherni Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

schwohren nit mehr ohne protocollanten mit ihm zu reden, und der 
andere von I'. M. und dero hoff hönisch schreibe, dafon nachricht 
absonderlich der Niderländischen hilff wegen auf Perlin kommen, wie 
auch unglaublich die expeditiones erforsche, dessen ehr sich selbst 
rühmet in seinen schreiben nacher Perlin an dem M*". Millet, dass ich 
von P. M. neben den Condoglienz schreiben ein anderes handbrieffi 
mitbringe, gantz in geheym, betreffent die Niderländische hilff; Millet 
wolle sich nur gedulden, künftige post soll ehr unfelbahr de verbo ad 
verbum dises brieffs und negotiation copiam erhalten. Ich solle diss V. 
M. hinterbringen, es geschehe ihnen hirdurch unausssprechlicher scha- 
den. Bezeugte ferner wie hefftig ehr, der Churfürst, von franckhreich 
soUiciert worden umbzutretten und hab Millet sich bey fürsten von An- 
halt beglagt, ehr möchte doch darob sein, dass wan der Churfürst gleich 
jezt dem könig aussschlage, so möchte ehr seiner doch et wan ein andere 
zeitt nötigh haben, wolle also auf's wenigste unterlassen I'. M. den 
kayser aufzuhezen. Verspricht auch ferner mehrgedachter Churfürst 
zu Praunschweig besseren effectum der Zusammenkunft, als zu Collen 
geschehen; welches ich alles P. M. gehorsamist vorzutragen und P. D. 
guette intention zu Rühmen versprochen. 

Es befanden sich auch aldort bolnische gesandte von der Republique, 
gegen denen der Churfürst ober der tafff öffentlich ser hizig geantet, wie 
dass sein minister noch nit seie zur Audienz gelassen worden^). Er 
lasse sich nit affrontieren; exagerierte sehr dises unrecht; es seie nur 
auss befelch des franzesischen ministri'), der schon jezt vermaint herr 
zu sein, da noch der andere könig die krön auf den köpf hat; wass als- 
dan sie tuen würden, wan sie den Zepter in banden heten; ermante 
sie zu Republique freyheit zu beschitzen; könig von Schweden und ehr 
wollen ihnen vermög der liga') möglichist beystehen; disen übrigen dis- 
curs zwar hat ihnen der Churfürst nit mehr öffentlich, sondern nach dem 
essen in der retirata gehalten und mir ihm neben den baron de goes 
erzelet, wie auch dass sie zur antwort geben, dass soferno der baisier*) 
nit mit guetten den hoff mayde, werde ihm die Republique mit gewalt 
eiicieren ^). Dise gsandten besuechten baron de goes und mich ; biten 
umb P. M. Assistenz, so wir ad refferendum angenommen. 

^) Hoverbeck ; vergl. Puf. l. c. X. 68. 

*) Bischof Beziers. 

^ Gemeint ist der Vertrag vom 22. Juni 1667. 

*) Beziers. 

*) Das geschah denn auch; vergl. Krebs I.e. 178. 



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BraDdenburg und Polen. Niederlande. Jägerndorf. 329 

Der schwedische Gesandte Wolfrad versichert die Geneigtheit seines Herrn 
mit dem Kaiser sich za einigen. Stratman, der Resident des Neubargers, empfiehlt 
die Sache seines Herrn. 

Beim Abschiede sagte der Kurfürst zu Mansfeld, man möchte nur bald 
darzue tuen, ein iede stund seie schad, so man verliehre, da wir solten 
feweren und der widerteil operieren; ehr werde allzeit verbleiben trew 
gehorsamer Churfürst E'. K. M. 



Der Kaiser an Goesa. Dat. Wien 25. August 1667. (Conc.) 

[Niederländisches Wesen. Jägerndorf. Verbalten bei der Zusammenkunft der Kur- 
, fürsten von Brandenburg und Sachsen.] 

Auf sein Schreiben vom 18. Aug. erhält er Befehl in verschiedenen Punkten. 25. Aug. 
Was nun das niederländische Wesen belanget, wollen wir deiner fernem 
Relation, was vorgedachtes Markgrafen zu Baden L^. über gemelter seiner 
Negociation für resolutiones erlangen wird, mit nechsten gewertig sein; 
lassen es sonsten annoch in hoc passu bei unserer vorigen dir ertheilten 
Instruction gnädigst bewenden, mit dieser Specialerinnerung, dass du bei 
des Churfürsten L**. expresse dich erkundigest, auf den Fall wir einigen Suc- 
curs in gedachte niederländische Provinzien destinirten, ob S. L^. demselben 
durch ihre Länder den Pass verstatten würden. |: Was aber den sehr gefähr- 
lichen Vorschlag auf das Fürstenthum Jägerndorf belanget, verwundern wir 
uns, dass du dich mit dem Pfalz-Neuburgischen ministro*) hierüber so ver- 
treulich eingelassen^), da das Werk selbst redet, mit was für gefährlichen 
consiliis des Pfalzgrafen L^. hierinfalls umgehe. Gleichwie du nun in der 
mit demselben pflegenden Correspondenz dich aller Behutsamkeit zu ge- 
brauchen; also wirst du insonderheit in dem was gedachtes Fürstenthum 
belangt, dich also zu comportiren haben, damit die Sach in kein gefahr- 
liches Compromiss gesetzt, sondern in vorigen terminis verbleiben möge :|. 

Der Zusammenkunft der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg soll 
Goess unbedingt beiwohnen; der am Dresdener Hofe befindliche Vertreter 
Oesterreichs, der böhmische Appellationsrath Freiherr von Blum, wird gleich- 
falls anwesend sein, beide sollen dahin trachten, wie nicht allein die desti- 
nirte Abschickung des von Burkersrode und Kanne an des Churfürsten 
zu Mainz sowohl als Königs in Frankreich L. L. ganz revocirt oder doch 
so lang müglich zurückgehalten werde, sondern auch damit sonsten mehr 



^) Stratman. 

*) Zu diesem Passus bemerkte Leopold eigenhändig: Lieber Walderode! Wann 
dieser passus ein wenig glimpflicher eingericht werde, wär's wol besser, wann auch 
der Courier umb etlich Stnndt spetter wegh soldt; dann Ich sorge, der Goessen werde 
Sehr disconsolirt werden. 



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330 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan.'1665 — Mai 1668. 

ermeltes (Jhurfursten zu Sachsen J/. sich ferner nicht mit der Krön 
Frankreich intricire*). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 1. September 1667. (Or.) 

[Verb alten des Kurfürsten gegenüber Münster. Klagen desselben über dm Fürsten- 
bergs. Neuburgische Heirath betreffend. Stimmung der ßraunscbweiger Fürsten. 
Mittheilungfon aus Regensburg über Schwedens Verhalten in der Frage der Prorogation 
der rheinischen Allianz. Unterredungen des Goess mit dem Kurfürsten und des Kur- 
fürsten mit dem schwedischen Residenten. Mittheilungen des Scultetus über polnische 
Verhältnisse. Russisoher Gesandte.] 

1. Sopt. Der Kurfürst spricht sich gegen die von Holland und Braunschweig*) ge- 
plante Unternehmung gegen den Bischof von Münster aas '). Die scharfe Sprache 
des letzteren dem Bischöfe von Strassburg^) gegenüber, hat dem Kurfürsten 
sehr gefallen und Hesse derselbe sich gegen mich vemehmeD, dass wann 
der Herr Bischof zu Münster sich zu der guten Party wollte begeben, 
er demselben redlich mit aller Macht beistehen wolle. Er kann nit 
leiden, was die von Fürstenberg sich aller Orten unterfangen; hat sich 
sehr geärgert, als er unlängsten gehört, dass sie vou E^ K. M. zum 
Fürstenstand erhebt worden*) und mich vielmalen cum aliqua indigna- 
tione gefragt, ich solle ihme doch sagen, womit sie diese Gnad bei 
E^ K. M. verdient hätten, oder was dieselbe bewogen für so viel übles, als 
sie bei aller Gelegenheit deroselben thun, ihnen solche Gnad zu erweisen. 
Wegen des Herzogs von Xeuburg und dessen Tochter Heirath haben 
I. Ch. D. vertreulich mit mir daraus geredt und bekennt, dass sie dest- 
wegen an dem König in Frankreich geschrieben^), nit dass sie's gut 
finden, sondern dem Herzog, der es begehrt, hierin Satisfaction zu geben. 
Im übrigen mißfallt ihnen sehr, dass sich der Herzog soweit an Frank- 
reich henke. Diese Heirath werde mit keiner guten Intention von den 
Franzosen vorgeschlagen, seie auch, wann sie geschehen solle, dem 
Herzog zu seiner Intention mehr hinderlich als vorträglich, beklagte sich, 
djiss der Herzog seine gute consilia nit folgete, ... man bedaurt doch. 



') Vergl. ürk. u. Act. II. 470; Heibig 1. c. 296 f. 

^ Ueber die staatisch-braunschwetgischen Beziehungen in dieser Zeit Köcher 
I.e. II. 542 f. 

3) Köcher' 1. c. I. 544; Tücking 1. c. 161. 

*) Franz Egon von Fürstenberg. 

^) 20. März 1667 ; vergl. Manch, Ernst, Gesch. des Hauses und Landes Fürsten- 
berg III. inflf. 

^) Das Schreiben vom 10. Juli 1667 in Urk. und Act. II. 456 f.; Mignet I. c. 
II. 280. 



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Munster. Fnrstenborg. Schweden u. die Prorogation der rheinischen Allianz. 331 

dass E. K. M. die Gelegenheit verabsäumt, den Herzog durch einige dem 
Giesen gebende gute Vertröstung von der französischen Party ab- und 
auf die ihre zu bringen, welches gleichwohl bei diesen Coniuncturen ad 
dissolvenda illa consilia Rhenana sehr importirlich gewesen wäre. 

Nach Berichten Jena's sollen die braunschweigischen Fürsten bei guter 
Stimmung sein ; Blum dürfte dasselbe dem Kaiser gemeldet haben '). 

Nach Berichten des Mahrenholtz hat Snoilski, Schwedens Vertreter zu 
Regensburg, erklärt, die Erfahrung habe gezeigt, dass die rheinische Allianz den 
Evangelischen mehr Schaden als Nutzen gebracht habe. Sollten aber die an- 
deren Alliirten die Continuation wollen, so werde er sich nicht ausschliessen; 
jedenfalls sei es zweckmässig die Entscheidung noch etwas hinaus zu schieben, 
und die Prorogation, zu der er instruirt sei, zu verzögern*). Ich habe hier- 
über bei diesem Hof repraesentirt; 1**. dass diese rheinische Allianz nun- 
mehr allbereit expirirt; 2°. dass die Ronovation derselben bei dem von 
Frankreich angefangenen Krieg viel bedenklicher als vorhin fallen müsste, 
zumalen einige der Alliirten dieselbe soweit extendiren wollen, dass 
man auch vi huius foederis dem König in Frankreich wider die Nieder- 
landen zu assistiren; 3^ dass man in Schweden erkennt, dass dieses 
foedus dem evangelischen Wesen mehr Schaden als Nutzen gebracht 
hätte; 4°. dass man darin anders nit consentirt, als weiln man prae- 
supponirt, dass die andere Alliirte alle hierin schon eins und Schweden 
sich nit allein separiren wolle; 5^ dass der schwedische Gesandte Ordre 
hat di concerto mit der churbrandenburgischen Gesandtschaft zu gehen ; 
weiln dann weder I. Ch. D. noch auch das Haus Braunschweig gut noch 
rathsam finden diese Allianz zu prorogiren, als habe man nit zu zweiflen, 
dass Schweden nach eingenommenen rechten Bericht sich mit ihnen 
conformiren werde. . . . Dem schwedischen Residenten Wolfrad erklärt der 
Kurfürst, es käme deroselben diese in Schweden genommene Resolution 
fremd vor, Schweden hätte sie bis dato animirt und angefrischt in keiner 
fernere Prorogation dieses foederis einzuwilligen und nun, da sie sich hier- 
auf verlassen und ihre consilia darnach angestellt, wollte man sie in Stich 
lassen; sie künnten und wollten sich zu dieser Prorogation nit verstehen. 

Scultetus '), früher des Hoverbeck Secretär, berichtet dem Goess über seine 
im Auftrage des Kurfürsten unternommene Reise, um den Grosskanzler von 
Polen*) mit dem Palatin von Posen auszusöhnen. 

^) Für die Haltung Braunschweigs in dieser Zeit Köcher I. c. 544 ff. 
^ Vergl. das Schreiben des Mahrenholtz d. d. Regensburg 9./19. Aug. 1667; 
ürk. u. Act. XI. 474 f. 

^ Scultetus V. Unfried yergl. Isaacsohn 1. c. II. 260. 
*) Johann Leszcynski. 



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332 IV. Erste Mission des Freiberrn Jobann von Goess. Jan. 1665— Hai 1668. 

Der anwesende russische Gesandte meldet die Beunruhigung, welche Frank- 
reichs Vorgehen in Polen bei den Russen verursache und fordert den Kur- 
fürsten zur Herstellung eines dauernden Friedens zwischen Russland und Polen 
auf*). In einem P. S. bestätigt Goess den Empfang der Weisungvom 25. August 
und bittet um fernere speciellere Instruction, was er aufbieten könne, um 
Sachsen von Frankreich zu trennen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 2. Sept. 1667. (Or.) 

[Stratman.] 

2. Sept. Empfiehlt Stratman dem Kaiser für den kaiserlichen Dienst, in welchen 

einzutreten Stratman bereit ist, insbesondere mit Rücksicht auf das Alter und 
den schlechten Gesundheitszustand Friquets, den zu ersetzen Stratman besonders 
geeignet sei. Der Stratman ist gebürtig von Cleve, sein Vater ist ein 
84jähriger Mann, vir antiqui moris et probitatis, der in seiner Zeit dieses 
Churfürsten und des alten Herzog von Neuburg') Rath gewesen, seind 
Leut pro ordine illo von guten Mitteln. Er hat wohl gestudirt und cum 
laude gradum licenciatu.s in der Universität zu Löwen geDommen, hat 
auch gute praxin in iure, hat die deutsche, niederländische und fran- 
zösische Sprach, hat ziemlich gereist; ist ungefähr 30 Jahren alt; in 
publicis hat er gute Erfahrung, wie er^s dann dahie bei seiner Negocia- 
tion erwiesen; guts juditium, gratiam et modum in tractando, Discretion 
und Bescheidenheit, dardurch er sich bei hohen und nieder Standsper- 
sonen beliebt gemacht; in genere morum: Conscienz, Pietät und Probität, 
keine Laster, kein Geldinteresse, noch sordes, welche auch die gute 
Qualitäten, sonderlich in solcher Profession, inutil und auch schädlich 
machen; hat Weib und Kinder und ist die ganze familia boni ordinis 
et existimationis. . . . 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 3. Sept. 1667. (Conc.) 

[Massregeln bezüglich Sachsens. Noth wendigkeit des Abschlusses der Verträge. 
Frage des Passes für kaiserliche Truppen durch kurfürstliches Gebiet.] 

3. Sept. Gpess soll trachten Sachsen und Frankreich zu entzweien, dem Kurfürsten 

von Brandenburg die Gefahr bei Verzögerung der vorhabenden Tractate vor- 
stellen und ihn ersuchen den Schluss in Berlin, oder in London oder Stock- 



Vergl. ürk. u. Act. IL 471, 476; Puf. 1. c. X. 61. 
2) Wolfgang Philipp. 



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Stratman. Sachsen Zusammenkunft zu Zinna. 333 

holm, wo Vertreter der verschiedenen Mächte anwesend seien, vorzunehmen^), 
unterdessen aber alle Vorkehrungen zu treffen, um im nächsten Frühjahre zum 
Kampfe schreiten zu können. . . . Und gleich wie du benebenst des Chur- 
fürsten L^^. wohl versicheren kannst, dass wir auch unsers Theils uns 
in gute Postur zu setzen nicht unterlassen, also wirst du auch unseren 
vorigen Befelchen nach nicht ermanglen dich zu erkundigen und uns mit 
nechsten zu berichten, ob I. L^*°. auf den Fall, da wir einigen Succurs 
nacher den Niederlanden abgehen lassen wollten, sie denenselben durch 
ihre Länder den sichern Pass verstatten werden. 



Goess an den Kaiser. Dat. Kloster Zinna 7. Sept. 1667. (Or.) 

[Zusammenkunft der Kurfürsten von Sachsen und Brandenburg. Millet's Benehmen 

daselbst. Erklärungen des Kurfürsten Ton Sachsen. Verhandlungen über ein Bündnis. 

Forderungen an Goess. Friesen.] 

Da der franzosische Gesandte Millet erklärt, wenn Goess sich nach Zinna 7. Sept. 
begebe, dahin zu folgen, bleibt Goess, als der Kurfürst Berlin verlässt, zurück 
und föhrt erst später ab. Millet, der ihn beaufsichtigen lässt, erfährt davon 
und reist nach. Goess beklagt sich über dieses Vorgehen; am anderen Tage 
verlässt Millet das Kloster, nachdem er den Fürwitz mit einem guten Rausch 
gebüsst'). ... Chur-Sachsen hat gegen den Canzler Stein') gemelt, er 
wäre ihm in's Zimmer gefallen, wie eine wilde Sau. Seine Proposition 
bei demselben, wie ich höre, seie gewesen, dass er nit hoffen wollte, dass 
diese meine Negociation etwas praeiudicirliches wider seines Königs 
Dienste auswirken werde; bei dem Churfürsten zu Brandenburg hat er 
repetirt, dass er darum herauskommen wäre, weiln ich heraus kommen. 
Blum ist nicht hiehergekommen, sondern in Jüterbogk, .Vs Meile von hier, ab- 
gestiegen. Goess wird vom Kurfürsten von Sachsen sehr freundlich aufgenom- 
men; der Kurfürst sagt ihm, dass sie bei deroselben (dem Kaiser) und bei 
dem Reich allzeit thun werden, was einem ehrlichen, aufrechten Chur- 
fürsten gebührt; seine Allianz mit Frankreich*) wurde mit Unfug von 



^) Es bandelte sich um den Abschluss des Bündnisses gegen Frankreich: vergl. 
für die damaligen Verhältnisse Droysen 1. c. III. j 206 ff.; Lefevre-Pontalis 1. c. I. 
435 ff.; Klopp 1. c. I. 193 ff.; Mignet 1. c. II. a. v. 0. 

>) Vergl. ürk. u. Act II. 471 f. 

') Carl Stein, Vertreter des Markgrafen von Baireutb. 

*) Das Bündnis war am 2./12. April 1664 zunächst auf 4 Jahre geschlossen 
worden; abgedruckt mit falschem Datum bei Dumont I.e. Vl.g 7 ff.; später wurden 
Zusätze gemacht und die Dauer des Vertrages für ewige Reiten ausgesprochen ; vergl. 
Heibig 1. c. 293 ff.; Auerbach 1. c. 200 ff. 



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334 IV. Krste Mission des Freiherrn Jobann von Goess. Jan. 1G65— Mai 1<>68. 

einigen bei E*". K. M. übel ausgedeut, dieselbe hielte nichts in sich, als 
was ohnedas das instrumentum pacis vermöge. . . . Goess sucht ihm die 
Notliwendigkcit energisch gegen Frankreich vorzugehen nachzuweisen, bemerkt 
aber, dass man starke Mittel werde anwenden müssen, um Sachsen zu ge- 
winnen '). 

Der Churfürst von Brandenburg hatte des Tags zuvor weitläufig 
und vertreulich mit Chursachsen gesprochen; unter andern auch dieses 
gemelt, dass er leicht gedenken kannte, dass, wann er sich ferner mit 
Frankreich vertiefen sollte, dahin deutend, wann Werbungen mit fran- 
zösischen Geld wollten angestellt werden, dass weder E. K. M. noch 
S. Ch. D. diesen in der Nähe nit zu sehen könnten, sondern auf ihre 
Sicherheit müssten gedacht sein. Als ich nun deroselben referirt, wie 
es mit meiner Audienz abgangen und der Baron von Schwerin darzu 
kommen, hat man befunden, dass man etwas näher zusammentreten und 
eine Conferenz zwischen den Ministren zu halten, darbei ich gemerkt, 
dass man beiderseits dahin gangen, dass man einer des andern Theils 
Gedanken vernehmen und also sehr behutsam gehen wollen, welches 
zwar bei so ge.stalten Dingen wohl von Nöten. Ich habe doch I. Ch. D. 
zu Brandenburg darbei erinnert, dass es nöthig sein würde, wolle man 
änderst Nutzen von dieser Zusammenkunft haben, sich gegen einander 
in guten deutschen Vertrauen etwas besser zu expectoriren und die con- 
silia zusammenzutragen. Man hat unserseits zuförderist das Absehen 
dahin gehabt, dass Chursachsen seine Abgeschickte nach Frankreich') 
möchte revociren, oder doch unterwegs lassen eine Zeit subsistiren; von 
der französischen Allianz denselben also stracks abzubringen, oder sich 
sonsten mit uns einzulassen, vermeinete der Schwerin, dass es nit zu 
erhalten sein würde, man müsste sich contentiren, wann der Churfürst 
nichts für Frankreich, weder auch nichts wider uns thäte. Ich bin der 
Meinung gewesen, dass, wie des Churfürsten Gedanken und consilia 
giengen, dieses solchergestalt nit würde zu erhalten sein; ob nit etwa 
rathsamer sein möchte den Churfürsten durch eine Allianz mit uns, von 
derjenigen, so er mit Frankreich hat, indirecte zu abstrahiren; zumalen 
nit zu verhofifen, dass dieser Herr, welcher vermeint, dass es wider 
seine Reputation wäre, derselben directe und also platt renunciiren solle. 
Bei der Conferenz, die darauf zwischen Schwerin einer-, Friesen und Rams- 
dorf anderseits gehalten wird, bringt Schwerin vor, wie nothwendig es sei, sich 



*) Verg]. für diese Zusammenkunft Heibig I. c. 299; Puf. 1. c. X. 35; insbesondere 
aber Auerbach 1. c. 264 ff. . 
2) Burkersrode und Kanne. 



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VerhandluniE^en zu Zinna. 335 

gegen Frankreich za einigen und wie unangenehm es den Kurfürsten Ton Bran- 
denburg berühre, dass in dem sächsisch-französischen Bündnisse Artikel ent- 
halten seien, nach welchen der König von Frankreich den Kurfürsten von 
Sachsen in seine Protection nimmt — was der Würde Sachsens nicht entspreche — 
und dass der Kurfürst von Sachsen widerum versprochen liabe, hei den Ver- 
handlungen über Allianzen nur Rathe zu gebrauchen, die Frankreich genehm sein 
werden. Auch klagt Schwerin über die Sendung sächsischer Räthe nach Frank- 
reich. Die sächsischen Räthe nehmen die Sache ad referendum. Da aber der 
Kurfürst fürchtet, wenn man nicht energisch vorgehe und ad specialia schreite, 
nichts zu erreichen, hat er den sächsischen Ministem folgende Vorschläge ge- 
macht: P. Burkersrode und Kanne, die nach Frankreich gesendet worden, er- 
halten Befehl, dort, wo sie von dieser Weisung Kenntnis erlialten, zu bleiben, 
bis die trandenburgischen Räthe sie treffen, die gleichfalls die Interposition 
anbieten werden. 2^ Beide Kurfürsten bemühen sich den Waffenstillstand zu 
befordern und werden Ludwig XIV. antragen, ihm zu dem, was ihm recht- 
massig zukomme, zu verhelfen, zugleich aber andeuten, dass die Fürsten des 
Reiches nicht zusehen könnten, dass Frankreich in den Ausschreitungen fort- 
fahre. 3^ Beide Kurfürsten wollen ein Bündnis zur Wahrung des Reichsfrie- 
dens errichten und darauf achten, dass dem Reiche nichts entzogen werde. 
Sachsen erwidert ad I: die Gesandten zurückzurufen werde zu spät sein; ad II 
wünscht Sachsen die Auslassung des Passus „dass Chnf- und Fürsten nit zu- 
sehen könnten, dass mit diesem Werk also fortSefahren würde*'; ad 111 
meldete Friesen, dass die Clausel, dass man nicht gedulden wolle, dass dem 
Reiche etwas entzogen werde, womit tacite die Niederlande gemeint wären, erst 
dann einzufügen sei, wenn das Bündnis bereits völlig formirt worden. Es ist 
gnug zu vermerken, dass man chursächsischer Seiten abhorrire von allem, 
was sie im Krieg mit impliciren möchte. Der Churfurst meldete gegen 
mich in Beisein des Churfürsten zu Brandenburg, dass sich das Reich 
in keine fremde Händel zu impliciren; ich gäbe aber zu verstehen, dass 
unsere eigene Glieder weder dem corpori noch den Gliedern unter sich 
für fremd gehalten werden müssten. 

Goess hat doch darauf geachtet, dass dem Burkersrode und dem Kanne 
der Befehl nachgesendet werde ; er hofft auch, dass sie die Weisung noch recht- 
zeitig erhalten werden. 

Ob nun zwar nit ein grosses mit diesen also eingerichten punctis 
gericht, so bin ich doch der Meinung gewesen, dass sie in alle Weg 
von beiden Churfürsten sollen verfertigt und unterschrieben werden, wie 
geschehen*); damit es nit das Ansehen habe, als scheidete man unver- 



Zwischen beiderseits churffirstlichen Durchleuchtigkeiten zu Sachsen und 
Brandeburg ist bei jetziger Anwesenheit folgends beliebt und beschlossen worden: 

I. Erstlichen wollen S. Ch. D. zu Sachsen dero nach Frankreich destinirten Ge- 
sandten Befehl thun, dass, wo selbiger sich annoch zu Köln am Rhein, oder der Oerter 



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336 I^^- Irrste Mission des Freiherrn Johann yon Goess. Jan. 1065 — Mai 1668. 

richter Sache von einander und dann damit fernere Tractaten veranlasst 
werden, sonderlich aber, weiln ich weiss, dass der Churfärst zu Sachsen 
seine Handschrift sehr religiöse sucht zu beobachten, massen er circa 
foedus gallicum immerzu pflegt zu melden, dass der König seine Hand- 
schrift, welche er nit in Stich lassen könne, in Händen habe. Derowegen 
ist nit ohne also zu handien, nit als muthete man S^ Ch. D. zu etwas 
den gepflogenen Tractaten zuwider zu thun, sondern dads deroselben 
unverwehrt bleibe auch mit andern, sonderlich mit dero Oberhaupt und 
mit Churfiirsten und anderen Fürsten ferner nach dero Belieben und 
Gelegenheit zu tractiren. So ist auch nit zu zweiflen, dass von dieser 
Negociation all mehr werd praesumirt werden, als in sich Selbsten daran 
ist, so die wohl intentionirte animiren, die andere aber zurückhalten 
werd. Eine Inconvenienz möchte darbei zu besorgen sein, dass Frank- 
reich hieraus nit etwa bewogen werde, dem Churfiirsten mehr Geld zu 
geben, als sie sonsten nit gethan hätten, obwohl auf die andere Seiten 
sie auch mehr möchten darmit an sich halten aus Beisorg, dass sie das 
Geld nit etwa umsonst ausgeben dörften, welches der König, wie der 
Millet hier selbsten sagt, nit pflegt zu thun. 

Als man de foedere ineundo gedacht, ist man alsobald von beiden 
Seiten an mich kommen und von mir zu wissen begehrt, wessen ich 
hierzu instruirt wäre und habe ich gnugsam merken können, dass man 
praesupponirt, dass ich sine plenipotentia nit daherkommen seie und zwar 

antreffen würde, daselbst solan^^ zu snbsistiren, bis S. Ch. D. za Brandeburg auch 
die ihrige mitschicken und die Interposition offeriren lassen könnten. 

II. Zum änderten erbieten sich beiderseits Ch. D«". anfönglich den Stillstand der 
Waffen zu befürdern und darbei Frankreich zu offeriren, ihm, warzu es mit Recht 
befugt, zu Yerhelfen. 

III. Und damit drittens beiderseits Ch. D«". die ietzige Gefahr desto besser ab- 
wenden und selbst destwegen keine WiderWertigkeiten zu besorgen haben mögen, so 
wollen sie unter sich eine Biindnus aufrichten, dessen Zweck färnehmlich sein solle, 
die Beobachtung des instrumenti pacis, die Erhaltung der chur- und fürstlichen Frei- 
heit und Sicherheit, auch sonderlich, dass das heil. röm. Reich bei seiner löbl. Har- 
monie, Integrität und Verfassung, auch dessen Glieder bei Dignität und Würde con- 
servirt werden möchte, welche Bündnus ehistens in extensa forma aufgesetzt, mit 
Chursachsen Projectsweis vertreulich communicirt und dero wohlmeinenden Erinnerungen 
darbei zu thun und allerdings freigelassen werden sollen. 

Wann nun von beiderseits Ch. D«n. die Conditionen und Puncten allenthalben 
richtig gemacht, so soll der Röm. E. M., Krön Schweden und dem fürstl. Haiise 
Braunschweig, wie auch andern mehr, so solche Intention haben und des heil. röm. 
Reiches Consistenz und Ruhestand erhalten helfen wollen, mit darzu zu treten frei 
und offen gelassen werden. Signatum zu Zinna 26. Aug. 1667 (Copie). Vergl. Auer- 
bach 1. c. 286 Anm. 



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Verhandlungen im Kloster Zinna* 337 

dahin, dass ich dem Churfürsten von Sachsen eine summa Gelds zu 
offeriren, entweder sich in Postur zu setzen dem foederi gemäss, oder 
doch ihn von Frankreich ab- und auf unserer Seiten zu bringen; wie 
ich dann bericht worden, dass der Churfürst von Sachsen so sehr nach 
mich verlangt, dass, wann ich länger ausblieben, man mir einen Courier 
geschickt hätte. Der von Schwerin und der von Friesen seind beide auch 
destwegen an mich gewesen und inständig hierzu, als ohne dem nichts 
geschehen künnte, adhortirt. Der Baireuth'sche Canzler Stein, welcher 
bei diesem ganzen Werk gute Intention zeigt und sich auch bei der 
Zusammenkunft befunden, hat mir persuadiren wollen, ich möchte doch 
nur etwas versprechen, wann ich 's auch nit in Befelch hätte, er wiisste 
gewiss, dass E. K. M. mich nit würde stecken lassen. . . . 

Der Charfürst selbst, als man Montag Abends stark getrunken und 
ich ihn in sein Gemach begleitet, hat mich noch eine Zeit aufgehalten 
und im starken Rausch und unter vielen Coutestationcn seiner treuen 
Devotion gegen E. K. M. etlichemalen repetirt; ich solle machen, dass 
er 100000 Ducaten von E^ K. M. bekäme; er würde deroselben solche 
Dienste leisten und sich in solchem Stand setzen, dass er dieselbe bei 
der kaiserliche Krön, welche er ihre hätte helfen aufm Kopf setzen, 
auch treulich würde helfen manuteniren. Dieses aber hätte ich niemand 
zu sagen, auch seinem Oberkämmerling*) nit. Ich habe aber nit be- 
funden, dass ich aus meiner Instruction zu schreiten und zwar um so 
viel weniger, weiln ich bei E^ K. M. hierüber unterthänigste Nachfrag 
gethan und dieselbe nit gut befunden, mir hierauf etwas ferners zu be- 
fehlen. 

Goess bittet um Instruction in diesem Punkte. Der Kurfürst von Branden- 
burg und seine Minister haben sich die redlichste Mühe gegeben, Sachsen zu 
gewinnen und verdienen den Dank des Kaisers. 

Friesen zeigt sich sehr kaiserfreundlich; es wäre zu wünschen, dass er beim 
Kurfürsten von Sachsen das alte Vertrauen gewänne. Friesen sagt, das Gemüth 
des Kurfürsten von Sachsen sei für den Kaiser, man möge nur seine Wünsche 
erfüllen und ihm die gehörige Achtung erweisen. Insbesondere in der Jülich'- 

schen Angelegenheit möge man die Forderungen Sachsens berücksichtigen ^) 

Waldeck kommt nach Berlin; das gibt die Möglichkeit mit den Braunschweiger 
Fürsten zu verhandeln. 



Wolframsdorf. 

») Vergl. Eelbig 1. c. 299. 

llatcr. s. Ge«ch. d. G. Kurfürsten. XIV. 22 



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338 I^- £rste Hission des Freiherrn Johann Ton Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 16. Sept. 1667. (Or.) 

[Bemühungen Jodoci's den Kurfürsten für den Plan der Mediation zu gewinnen. Er- 
klärungen des Kurfürsten und des Goess in dieser Sache. Plan des Kurfürsten eine 
Kurfürstenconvention zu berufen. Abreise Jodoci*s. Unterredung desselben mit Ooess. 
Schwedens Verhalten bezüglich der Prorogation der rheinischen Allianz.] 

16. Sept. Des Mainzer Kurfürsten Vertreter Jodoci, der in Frankreich und Brüssel 

gewesen, ist hieher gekommen und hat den Kurfürsten für den Plan der Mediar 
tion zu gewinnen gesucht. Der Kurfürst stimmt bei, sagt aber, dass zur Me- 
diation mehr Indifferenz und Impartialität erfordert würde, als die bis 
dato am Rhein geführte consilia und gegebene resolutiones, sonderlich 
wegen der Durchzüge, nit zeigeten. Dasselbe nur in schärferer Art hSlt 
auch Goess dem Jodoci vor; insbesondere auch das Interesse, welches das Reich 
an der Erhaltung des burgundischen Kreises habe. Ich bin der Meinung, 
dass man am Rhein in den bishero geführten consiliis etwas vacillire, 
weiln man leicht sehen kann, wo es darmit hinaus will; sonderlich 
aber, weiln man wahrnimmt, dass man dieser Orten andere consilia 
führe und etwa besorgt, dass eine solche Party da möchte gemacht 
werden, der die ihrige nit bastant sein würden. Habe derowegen I. Ch. 
D. gebeten, sie möchten gegen dem Jodoci um soviel mehr Resolution 
verspüren lassen, welches auch allziemlich geschehen. Den vom Kurfürsten 
von Brandenburg vorgebrachten Vorschlag, eine Versammlung aller Kurfürsten 
betreffs der gegen Frankreichs Vorgehen zu ergreifenden Massregeln zusammen- 
zurufen, billigt Goess mit Rücksiclit auf die zu gewärtigende Jalousie der Fürsten 
und der übrigen Stände nicht. Auch von einer Zusammenkunft zwischen dem 
Brandenburger und Mainzer zu Erfurt ist gesprochen worden. Den 14. dieses 
ist der Jodoci von hier widerum nach Mainz abgereist. Ich habe ihn noch 
selbigen Tag gesprochen und hat er eich gänzlich der Meinung zu sein 
gezeigt, dass zuforderist aller Fleiss anzuwenden, damit durch interpo- 
nirender Mediation der Fried erfolge, darbei aber man sich in solcher 
Verfassung zu setzen, dass man in quemcunque casum parat seie, nit 
läugnend, dass dieses auch ad tractatus ipsos viel coutribuiren künnte, 
wann man in guter Postur stände und gute Resolution verspüren Hesse, 
quod vanum esset sine armis, ut sunt vanae sine viribus irae '). Dem 
Basserode hat Goess Mittheiiung gemacht, dass Brandenburg fest entschlossen 
sei gegen die Erneuerung der rheinischen Allianz aufzutreten, dass also des 
Snoilski^ Behauptung, als folge Schweden bei dem Entschlüsse in die Er- 
neuerung zu willigen nur dem Beispiele Brandenburgs, nnrichtig sei. 

') Vergl. ürk. u. Act. II. 475. 

^ Schwedischer Gesandter in Regeusburg; vergl. Urk. u. Act XI. 477. 



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Jodoci's Aufenthalt in Berlin. Säcbsisch-brandenburgische Beziehungen. 339 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 16. Sept. 1667. (Conc.) 

[Billigung des Verhaltens Goess^ gegenüber Sachsen. Gesandtschaft Sachsens nach 
Paris betreffend. Sächsisch -brandenburgische Allianz. Vorsicht im Verkehre mit 

Castel-Rodrigo.] 

Der Kaiser billigt, dass du in Beobachtung der fast unerschwing- 16. Sept. 
liehen und bei diesen gefahrlichen ConiuDcturen noch immer zuwachsen- 
den Ausgaben unserer Hofkaromer, dich über vorgedachte summa Gelds 
mit des Churfürsten zu Sachsen L^^". feruer nicht eingelassen hast. 
Der Kaiser hofft auch, dass die von dem Kurfürsten von Brandenburg mit 
Sachsen eingegangene Abrede, dass des letzteren Gesandtschaft nach Frankreich ') 
solange verzögert werden solle, bis der Brandenburger auch seine Gesandte 
dahin abordne, dabin gemeint sei, dass dieselbe dadurch überhaupt unterlassen 
werde; denn sonst wäre die Sache ja noch viel schlechter. Die Allianz 
zwischen Brandenburg und Sachsen möge Goess befordern, aber darauf sehen, 
dass wir als des heil. Reiches Oberhaupt nicht nur per accessum in die- 
selbe admittirt, sondern principaliter darinnen begriffen. ... Ferner haben 
wir dich zu erinneren eine Notdurft erachtet, dass gleich wie du daran 
wohl gethan, dass du dem Marques de Castel Rodrigo des Churfürsten 
zu Brandenburg L^^. Eventualerklärung wegen Passirung der Succursen 
durch dero Landen nicht ihres ganzen Inhalts, sondern verdeckter und 
in terminis ambiguis widerantwortlich wissen lassen, also auch forthin 
in dergleichen mit demselben um so viel behutsamer umgehest, je mehr 
zu besorgen, dass derselbe durch Vorzeigung dergleichen Schreiben uns 
sogar vor der Zeit und ehe wir anderer Fürsten und Stände des Reichs 
gnugsam versichert, in das niederländische Wesen mit einzuzwingen 
trachten mochte. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 23. Sept. 1667. (Or.) 

[Unterredungen des Goess mit Waldeck. Dessen Erklärungen. Klagen über schlechtes 

Bewahren der Geheimnisse am kaiserlichen Hofe. Sein ürtheil über Schweden. 

Unterredung des Ooess mit dem Kurfürsten über die Lage- Urtbeil des Goess über 

die Haltung Brandenburgs. Rathschläge.] 

Auf des Kurfürsten Wunsch hat Goess mit Waldeck öfters gesprochen*). 23. Sept. 
Waldeck versichert wiederholt seine gute Gesinnung, für welche auch der Kur- 
fürst einzustehen sich bereit erklärt. Waldeck ist demnach kommen auf 



') Burkersrode und Oberst Kanne; Tergl. Heibig 1. c. 298. 
^ Vergl. für Waldeck's Aufenthalt in Berlin; Kocher 1. c. 545; Rauehbar-Gurtze, 
Graf Waldeck I. 256 f.; ürk. u. Act. II. 478f. 

22* 



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340 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Mai 1668. 

des EöDigs in Frankreich führende grosse diseigni, um welche er all 
ziemlich viel weiss, auf dem Krieg in Niederland, auf die consilia bei 
Rhein, auf dem gegenwärtigen Zustand im Reich und benachbarten Lan- 
den und hat geschlossen, dass wo je vorhin, diesmalen die Freiheit 
unsers Vaterlandes deutscher Nation periclitire; man möge von ihm 
judiciren, was man wolle, aber er wolle lieber todt sein, als diejenige 
Libertät, welche er von seinen Voreltern ererbt, verlieren und unterm 
französischen Joch^ welches er wohl kennete, leben. 

Im weiteren Verlaufe des Gespräches betont Waldeck die gute Gesinnung 
der braunschweigischen Fürsten, in deren Dienste er sich befinde *). Bezüglich 
der Holländer äusserte sich Waldeck: Die Holländer wären vor andere 
jaloux über die französischen Progressen in Niederland ; sie hätten aber so 
starke reflexiones auf Frankreich, dass sie schwerlich zu etwas zu bringen, 
dardurch sie selbigen König directe choquirten, derowegen schlügen sie 
und sonderlich der Pensionarius de Witt andere Mittel vor, dardurch sie 
per indirectum zu ihrem Intent gelangen könnten und wäre dieses: Der 
Herr Bischof von Münster armirete in favorem Frankreich dem clevi- 
schen Tractat zuwider, dessen E. K. M. Garant wären. Denselben 
sollen dieselbe dehortiren; wann er nit parirete, dem Churförsten von 
Brandenburg und dem Haus Braunschweig commissionem ad exequendum 
auftragen; die Holländer wären ihrer Seiten fertig darzu; nähme sich 
nun Frankreich um dem Bischof an, so würde man einen casum foederis 
daraus machen und wäre der Weg zur Action gefunden. Ich replicirte, 
die Sach gienge erstlich einen Geistlichen an und dann hörete man nit 
mehr so viel von des Bischofs Werbungen; so Hesse er sich auch noch 
also an, dass nit alle Hoffnung verloren ihn herbeizubringen, darzu die 
Coadiutoriestrittigkeiten vielleicht auch helfen würden; insinuando die 
grosse beneficia, so uns dardurch zuwachsen würden; welches er gern 
zugestanden, und was die Geistlichkeit angieng, müsste er lassen dahin 
gestellt sein, wie weit E. K. M. dieselbe zu consideriren ; was aber seine 
Werbungen angienge, wäre er gewiss, dass er 8000 Maim auf die Bein 
hätte und mit allerlei Inventionen andere irr zu machen Anstalt machete 
zu mehrern. . . . Als ich ihn gefragt, indem dieser Vorschlag etwa Diffi- 
cul täten haben möchte, wie er vermeinete, dass sonston das Werk an- 
zugreifen wäre, ob nit die Holländer für sich dem Herrn Bischof seine 
Werbungen einstellen möchten, hat er darfür gehalten, dass man (es) keines- 

Ueber Waldeck's Eiufluss am braunschweigiseben Hofe; Köcher I.e. 1.411 ff. 
u. a. 0.; über die Haltung der Braunschweiger in dieser Zeit ebendaselbst 545 ff. 



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Erklärungen Waldeck's üb. die Lage u. üb. die vom Kaiser zu beobachtende Haitang. 341 

weg» darzu kommeo zu lassen. Es wäre nit jedermann bekannt, was 
an dem westphälischcn Kreis und sonderlich an das Bisthum Münster 
gelegen; wann die Holländer einen festen Fuss darin kriegen sollten, 
würde sie kein Mensch mehr daraus bringen können und würde der 
ganze Kreis in grosser Subjection gesetzt; derowegen wäre es bei dem 
vorigen Krieg für alle Ding festgestellt, dass man den Holländern in dem 
Stift Münster nit einen Fuss Erde zu lassen. Da ich naoher von einer 
guten Party unter uns zu machen einen Anwurf gethan, hat er geant- 
wort, dass alsobald die Herrn Herzogen subsidia hierzu begehren würden, 
die ich aber vermeint, dass man's bei Holland zu suchen; sowohl 
Spanien als wir^ würden sonsten mit uns selbsten gnug zu thun haben. 
Seiner Meinung nach, wann man den Degen solle ausziehen müssen, 
habe man^s mit der Resolution zu thun, denselben nit wiederum einzu- 
stecken, man habe dann sich und das Reich in solchem Stand gesetzt, 
dass man nit alle Tag und bei allen sich erregenden Occasionen neue 
insultus und Ueberfallungen von Frankreich zu gewarten; darin mich 

gedünkt, dass er nit Unrecht hat Waldeck klagt, dass am kaiserlichen 

Hofe das Geheimnis liicht gewahrt werde. Ich kann E. K. M. nit aus- 
sprechen, was für grossen Schaden dero kaiserliche Dienste wegen dieser 
fast universal Opinion, dass kein secretum bei uns seie, leiden . . ., wann 
unser einer für sich so viel Credit erworben, dass man ihme wohl etwas 
vertrauen möchte, so halt man doch zurück, weiln man praesupponirt, 
dass man's nach E^ K. M. Hof berichte und denen, welchen die Sachen 
angeht, nit verhalten bleibe. Waldeck betont dann die Noth wendigkeit 
ernster Verhandlungen seitens des Kaisers. Blum und Sinzendorf hätten ganz 
ungenügende Vollmachten gehabt '). Schweden, glaubt Waldeck, wird sich nicht 
in einen Krieg einlassen, solange der König minorenn ist; die geistlichen Kur- 
fürsten sind, wie er glaubt, der Ansicht, sie könnten allein Frankreich keinen 
Widerstand leisten und es sei daher besser in den Verlust eines Theiles der 
Niederlande zu willigen; für sich hoffen sie in diesem Falle Gebietsscbonung. 
Waldeck ersucht den Goess, den Kaiser zu bitten, die Verhandlungen so fahren 
zu lassen, dass er — Waldeck — keinen Schaden erleide. 

In einem zweiten Schreiben vom selben Tage meldet Goess, dass er im 
Sinne der Weisung vom 3. Sept, mit dem Kurfürsten gesprochen habe. Ueber 
die Erfolge des Markgrafen von Baden sind noch keine Nachrichten eingelangt. 
London oder Stockholm vorzuschlagen hält Goess für unzweckmässig, weil in 
London gegenwärtig kein Vertreter Brandenburgs, in Stockholm kein Vertreter 
Spaniens anwesend ist. Als ich K Ch. D, kurz vor dero Abreis gesagt, 



') üeber Sinzendorf s Verbandlung^en mit den Brannscbweigern Köcher 1. c. I, 
539, 558 f. 



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342 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

dass man auf E^ K. M. Seiten ernstlich darzuthäte, sich in guter Postur 
zu setzen, haben sie mir geantwort, dass wir nit einen Mann geworben 
und können E. K. M. gnädigst gedenken, dass Werbungen und Recruten 
solche Ding seind, welche nicht in occulto geschehen. Darzu ist man dahie 
so wohl informirt, dass nit allein dergleichen, sondern auch, was arca- 
niora und ich selbsten vielmalen nit weiss, ihnen unverborgen. Meine 
unterthänigste Schuldigkeit ist, demjenigen nachzukommen, was mir 
E. K. M. gnädigst befehlen. Ich hielte doch dafür, wann die fernere 
Verfassung um erhebliche rationes noch etwas zu verschieben, dass es 
dienlich sein möchte, die gute Confidenz in dem Churfürsten zu setzen 
und denselben, insoweit sich's thun lässt, dero hierbei führende Intention 
zu vertrauen; dieses würde obligiren, das andere thut einmal keinen 
guten Effect. Ich kann nicht änderst spüren, ... als dass dieser Chur- 
fürst für sich gute Intention und Gedanken habe; auch sich bemühe 
andere zu dergleichen zu disponiren; meines Erachtens aber würde man 
sehr irren, wollte auch nit gern, dass E. K. M. dero consilia darnach 
richteten, wann man intendirte oder hoifete den Churfürsten zu einiger 
Action, die Niederlanden zu securiren, zu bringen, es sei dann mit E'. 
K. M. zuforderist und dann mit anderen eine solche Party gemacht, 
dass er glauben könne gnugsam darbei gesichert zu sein, und wann auch 
von spanischer Seiten das Geld nach Verlangen erfolgen sollte, mit 
welchem es doch all schwerer hergehen möchte, als der Markgraf nit 
vermeint, so werd es dannoch allzeit auf diese Party ankommen; auf 
was man sich dahie heraus gelassen, auch in eum casum, da die Krön 
Schweden weder zu Mitbeitretung, noch zur Neutralität zu bewegen, hat 
man sich meines Ermessens nit zu verlassen; wann aber eine gute und 
starke Party gemacht wäre, hat man zu glauben, dass sich alsdann das 
Werk ZU' Regensburg schon finden würde. Bei allem dem Elfer, den 
man hier zeigt, vermerke ich dannoch wohl, dass man sich nit also mit 
uns impegnire, dass man bis dato nit allzeit freie Hand behalte, die 
consilia, nachdem es die Coniuncturen erforderen möchten, zu ver- 
änderen; derowegen man dann unsere andamenti überaus fleissig obser- 
virt und alle Schritt in Acht nimmt. Millet ist attent, andere feiern 
auch nit und werd man sich um so viel mehr bewerben den Churfürsten 
zu gewinnen, je mehr man erkennt, dass er bei der Sachen thun kann 
und je grössere Adhaerenz er hat; derowegen man unsersseits desto 
fleissiger zu invigiliren und so viel möglich allen Scrupl und Anstand 
TAX benehmen. 



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Des Earforsten Urtheil aber des Kaisers Haltung. Das Reich u. der burgund. Kreis. 343 

Der Kaiser an Goess. Dat Wien 24. Sept. 1667. (Conc.) 

[Frage der Haltung des Reiches bezaglich des burgundischen Kreises.] 

In welcher Weise Gravel '), der französische Gesandte, in Regensbarg das 24. Sept. 
Vorgehen Frankreichs gegen den burgundischen Kreis zu rechtfertigen gesucht 
und wie die Vertreter Bnrgunds dies zurückgewiesen haben, dürfte Goess be- 
kannt sein '). Bei der auf Wunsch der burgundischen Vertreter vorgenommenen 
Berathung hat der Furstenrath beschlossen, dass man sich des burgundischen 
Kreises als eines membri imperii von Reichswegen billich anzunehmen 
habe; theils Stände aber wider dasselbe einige Bedenken movirt und 
neben den Churförstlichen darvor halten wollen, abstrahendo von vorbe- 
rührter clausula, dass man sich dieses besagten Kreis als ein membrum 
imperii betreffenden Werks von Reichswegen billich anzunehmen, dass man 
eine gütliche Beilegung der Differenzen zwischen Spanien und Frankreich ver- 
suchen solle. Goess soll trachten den Kurfürsten von Brandenburg und durch 
diesen das Hans Sachsen dahin zu vermögen, dass sie ihren Gesandten in 
Regensburg Weisung ertheilen, ganz im Interesse des Wiener Hofes vorzugehen. 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 27. Sept. 1667. (Conc.) 

[Brandenburgs Vertr&ge mit Sachsen und Braunschweig. Zusammenkunft des Main- 
zers und Brandenburgers. Schwedische Truppenüberlassungen. Stratman. Burgun- 
dische und Gapitulationsangelegenheit.] 

Goess soll dahin wirken, dass der Kurfürst die vorhabenden Bündnisse mit 27. Sept 
Sachsen und Braunschweig abschliesse '). 

Von der Zusammenkunft des Mainzers und Brandenburgers kann der Kaiser 
für sich nichts gutes, wohl aber schädliches erwarten, daher Goess dieselbe zu 
verhindern suchen, wenn sie aber zu Stande komme, derselben anwohnen solle. 
Ueber der Schweden Vorhaben, ihre Truppen an Frankreich und Brandenburg 
zu überlassen, wünscht der Kaiser nfihere Mittheilungen. Stratman soll mit der 
Hoffnung, in den Dienst des Kaisers aufgenommen zu werden, noch einige Zeit 
hiiigehmlten werden, da jetzt keine Stelle frei ist 

Unter dem 2S. erhält dann Goess Befehl, wie in der burgundischen so auch 
in der Gapitulationsangelegenheit Brandenburg und durch dieses Sachsen zur 
Unterstützung der kaiserlichen Pläne in Regensburg zu vermögen. 

Robert von Gravel, Vertreter Frankreichs in Regensburg; über seine Thätig- 
keit daselbst in dieser Zeit; Mignet 1. c. IL 165 ff. 

^ Die betreffenden Schreiben bei Londorp 1. c. IX. 551 ff.; vergL auch Gemeiner 
]. c. III. 20 ff.; Meinecke, Fr., Der Regensburger Reichstag und der erste Devolutions- 
krieg; Sybel's hist Zeitschr. 1888 LX. 19dff. 

*) Für dAs mit Sachsen vergl. die folgende Note; das mit Brannschweig wurde 
schon am 22. August geschlossen; über Braunscbweigs Beziehungen zu Brandenburg 
in dieser Zeit; Köcher 1. c. I. 548 ff. 



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344 IV- Erste Mission des Freiherrn Johann von Goess. Jan. 1665— Hai 1668. 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 30. Sept. 1667. (Or.) 

[Brandenburg -sächsische Allianz. Des Kaisers Interesse bei derselben. Klage 
Orockow's über Basserode. Besorgnisse der Schweden. Congress zu Köln.] 

30. Sept. Die angedeatete Absendang eines Vertreters Friedrich Wilhelms nach 
Frankreich in dem Zinna'schen Entwürfe war, wie hier behauptet wird, wirklich 
nur ein Vorwand die Sächsische desto sicherer zu verhüten. Somnitz, der 
sich beim Kurfürsten befindet, übersendet Goess auf dessen Bitte das Project 
der brandenburgisch -sächsischen Allianz'). Dieselbe bietet, wie sie jetzt vor- 
liegt, dem Kaiser wenig für seine Zwecke und zur Unterstützung der Nieder- 
lande; sie zu erweitern, wird aber ohne Opfer schwer möglich sein. Doch glaubt 
Goess, es würden 100000 Ducaten als Unterstützung seitens des Kaisers nicht 
nöthig sein, vielmehr der 4** Theil genügen. Goess empfiehlt wieder dringend 
dem Kaiser Sachsen und Brandenburg zu gewinnen. Ja diese und dergleichen 
Bestellungen seind einzig und allein dasjenige, so den König aus Frank- 
reich zur Raison und zu Tractaten kann bringen. Der Baron von 
Schwerin hat mir ein des Telliers*) in Niederland intercipirtes Schreiben 
communicirt, darin er meldt, dass der König die obhandene Allianz 
zwischen E^ K. M., Schweden und Brandenburg sehr apprehendire. Es 
wäre mir sehr leid, wann E. K. M. sonsten auf einige Mediation oder 
Interposition das geringste Fundament thäten machen. Derowegen wäre 
ich der unterthänigsten Meinung, dass, wann auch diesmalen ein mehrers 
nit als ein foedus defensivum, massen wir mit Churbrandenburg all- 
bereit haben, könnte geschlossen werden, E. K. M. dasselbe nit allein 



*) Nach dem von Goess eingesendetem Projecte beschlossen die beiden Kur- 
ürsten von Sachsen und Brandenburg, mit Rücksicht auf den derraaligen Zustand des 
römischen Reichs und der Zerrüttunp: und Unruhe im burgundischen Kreise, sich über 
die zur Wahrung der Reichsfreiheit und Sicherheit zu ergreifenden Massregeln zu 
einigen und haben festgesetzt: 

F. Vertrauliche Correspondenz über alles soll bestehen. 2°. Beide Kurfürsten 
werden sich bemühen, dass der Friede zwischen den sich bekriegenden Parteien herge- 
stellt werde und zu diesem Zwecke geroeinsam handeln. 3^. Beide Theiie werden sieb 
beiQuhen die Einigkeit im Reiche herzustellen und ein gemeinsames Vorgehen des 
Reiches in der burgundischen Frage zu erwirken. 4°. Sie wollen sich bemühen, dass 
allenthalben und also auch im burgundischen Kreis keine Aenderang vorgebe, sondern 
alles in den Stand, wie es vor dem Kriege gewesen, gesetzt, dem Reich kein fremdes Di- 
rectorium mit Gewalt aufgenöthigt werde. Diese Intention wollen sie in Regensburg 
und bei der Mediation betordern. 5^. Beide Theiie wollen mit .... Mann gerübtet sein. 
6^. Solche Truppen sollen zuförderst zur Defension beider Theiie Länder gebraucht 
und damit ferner nach gemeinsamen Ralh zu oberwähntem Zweck agirt werden. 
7°. Insbesondere zur Verhütung jeder Irruption in das Reich, Störung der Reicbs- 
verfassung u. d. sollen die Truppen verwendet werden. 8^ Koramt es zur Aciion, 
so wird nach gemeinsamen Beschlüssen vorgesrangen. Vergl. Auerbach 1. c. 279 ff. 

-) üeber Le Tellier's Haltung in dieser Zeit; Rousset, C, Louvois I. 145 f. 



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Brandenburg- sächsische Allianz. Besorgnisse der Schweden. 345 

mit Chursachsen, sondern auch mit dem Haus Braunschweig und andern, 
entweder zugleich, oder doch nach einander, wie es sich am besten 
schicket, anzutreten. Erstlichen wurde es dienen zur Reputation der 
Party et ad famam armorum et p^tentiae und dann zur Disposition ad 
ulteriores tractatus, zu Facilitirung der Tractaten mit den fremden Kronen 
und Republiquen, zu Abhält- und Reprimirung derjenigen, so andere 
consilia führen und letztlichen, wann es zur Handlung und Friedens- 
tractaten kommen solle, zu Verbesserung der Conditionen. . . . 

Crockow beklagt sich in seinem Schreiben aus Stockholm, dass Basserode 
ihm von seinen Verhandlungen mit den Schweden keine Mittheilung mache. 
Goess empfiehlt dem Kaiser, Basserode die entsprechenden Weisungen zukom- 
men zu lassen. Der Feldherr Wrangel hat einige Ombrage vermer- 
ken las^5en wegen des neulich zu Braunschweig gemachten foederis 
defensivi'), als wäre es eine Continuation desjenigen, so vor diesem 
occasione der Stadt Bremen und gleichsam wider Schweden allda ge- 
macht worden') Somnitz meldt, dass alle consultationes zu Köln 

auf die Mediation gehen; de defensione imperii aut avertendis manu 
armata auxiliis in Belgium destinatis, altum silentium'). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 7. October 1667. (Or.) 

[Burgundischen Kreis betreffend. Sachsens Haltung in dieser Frage. Klagen des 
Bischofes von Strassburg über des Kaisers Haltung dem Kurfürsten von Köln gegenüber.] 

Im Sinne der kaiserlichen Weisung vom 24. Sept. schreibt Goess an den 7. Oct. 
Kurfürsten*), der auf der Jagd ist, bezüglich der Streitsache betreffend den 
burgandischen Kreis; der Kurfürst antwortet zusagend^) und weist seine Ge- 
sandten in Regensburg in diesem Sinne an ^). Das Benehmen Sachsens in dieser 
Angelegenheit zu Regensburg ist, wie Goess meint, ein neuer Beweis, wie noth- 
wendig es ist, dieses Haus von Frankreich ab- und auf die Seite-des Kaisers 
zu bringen. 



*) Das Böndnis vom 22. Aug. 1667 zu Braunschweig: vergl. Mörner 1. c. 318ff. 

2) Das Bündnis vom 15./25. März 1667; Mörner I. c. 313ff. 

') Ueber die Kölner Berathungen; Köcher 1. c. I. 539 f. 

*) Schreiben vom 2. Oct. 1667. 

*) Schreiben vom 23. Sept./ 3. Oct. 1667. 

^ Schreiben vom 23. Sept. / 3 . Oct. 1667. Da der Kurfürst vernommen, dass 
der französische Envoye zu Regensburg sich bemöben soll, dass das im fürstlichen 
Colleg gefallene conclusuro wegen des burgundischen Wesens möchte geändert und 
dahin eingerichtet werden, dass der burgundische Kreis nicht pro membro imperii 
erkannt noch gehalten werden solle, gibt er seinen Gesandten Kund, dass er in dieser 
Angelegenheit bei seinen früheren Beschlüssen beharre. 



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346 IV. Erste Uission des Freiherrn Johann von Ooess. Jan. 1665— Mai 1668. 

Barkersrode — einer der nach Frankreich bestimmten s&chsischen Rfithe — 
schreibt aus Köln, dass die Reise nach Frankreich nicht vor sich gehe. Schwerin 
schreibt an Goess über die Klagen des Bischofs von Strassbnrg wegen Nicht- 
beachtung des Kölner Erzbischofes und seiner Person seitens des Kaisers*). 



Der Kaiser an Goesö. Dat. Wien 7. October 1667. (Conc.) 

[Die zu Köln in der Mediationsfrage getroffenen Massregeln betreffend.] 

7. Oct. Sinzendorf hat berichtet, dass bei dem zu Köln tagenden Kreistage in der 

Mediationsconferenz beschlossen worden ist, den Kaiser durch ein besonderes 
Schreiben um seine Unterstützung bei dem Versuche Spanien zum Frieden zu 
vermögen anzugehen. Dieses Schreiben an Spanien ist auch bereits concipirt und 
dem Kaiser zur Unterschrift übersendet worden. Da nun bezüglich der Unter- 
schrift sich Schwierigkeiten ergeben haben, der Kaiser aber sich in dieses Media- 
tionswerk nicht einlassen will, hat der Kaiser Sinzendorf beauftragt, die Ver- 
treter der gut gesinnten M&chte, wie Trier, Brandenburg und Braunschweig, 
aber auch Sachsen — mit Rücksicht auf die Jülich'sche Successionssache — 
zu überreden, sich in nichts einzulassen. Ooess soll beim Kurfürsten von 
Brandenburg dies unterstützen'). 



Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 12. October 1667. (Conc.) 

[Erkl&niDgen Schwedens.] 
12. Oct Basserode übersendet dem Kaiser ein Project einer Allianz mit Schweden') 



Die bezeichnende Stelle aus diesem Schreiben Otto^s von Schwerin an Ooess 
d.d. Landsberg 25. Sept. 1667 (Copie) lautet: „Sonsten yerhalte ich £. ßxc. nicht, 
dass der Bischof zu Strassburg sich neulicher Tagen zu Köln gegen den Herrn 
Blaspeil sehr beschweret, dass man den Churfürsten Ton Köln and ihn so gut fran- 
zösisch hielte; wobei derselbe auch hoch betheuert, dass er eben so gut spanisch als 
französisch wäre und sehr beklaget, dass an spanischer Seiten man keinen guten 
Rath folgen wollte. Sein Herr Bruder, Landgraf Wilhelm, w&re im Frühling zu Wien 
gewesen uxTd hätten sich erboten mit einem geringen diesen damals bevorstehenden 
Krieg abzuhelfen; hätten auch bei den kaiserlichen ministris gute Inclination Ter- 
spüret; insonderheit da er sich erboten in K K. M. Gewalt zu bleiben, bis dass er 
das versprochene praestiret; allein die Spanische hätten es Terhindert. S. Gh. D. 
haben mir gnädigst befohlen, mich bei £'. Exe zu erkundigen, ob sie Torhin Nach- 
richt haben, dass es sich also yerhalte: Die conditiones wären eigentlich gewesen, 
dass, wann der König Yon Spanien stürbe, die Grafschaft Burgund, la Francbe Comt^ 
genannt, an Frankreich yerbleiben sollte. (Ueber Wilhelm Fürstenbergs Aufenthalt in 
Wien; Mignet 1. c. II. 325 ff.) 

') Ueber die Verhandlungen in Köln; Köcher 1. c. I. 539 f.; Alpen 1. c. IL 34 ff.; 
Mignet L c. IL 270ff.; Droysen 1. c. IIL, 211 ff. 

«) Vergl. Carlson 1. c. IV. 500ff. 



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Kölner ConTent Erkl&rangeii Schwedens. Schweden u. die rheinische Allianz. 347 

und berichtet, er habe vernommen, dass Schweden auch ohne England za einer 
Allianz mit Oesterreich und Spanien bereit sei, wenn nur die Geldforderangen 
genehmigt nnd Schweden des Reiches sicher sein könnte. Man fordere von 
Seite Schwedens das Generalat über die gemeinsame Armee für Waldeck. Goess 
soll dem Karfürsten all dies sagen und betonen, wie nothwendig also ein Ent- 
schlass des Karfürsten sei. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 14. October 1667. (Or.) 

[Brandenburg-staatische Beziehungen. Schwerins Aeusserungen über die Lage der 
Dinge. Sachsens Haltung. Schwedens Haltung in der rheinischen Allianzangelegen- 
heit. Klagen Millet's über den Kurfürsten. Abdankung schwedischer Truppen be- 
treffend. Blumenthals Sendung nach Wien. Hammerstein's Erklärungen.] 

Im Haag verhandeln die Vertreter des Kurfürsten und der Holländer über 14. Oct. 
die Art einer Einigung *). Schwerin, mit dem Goess über diese Verhandlungen 
und über die allgemeine Lage spricht, betont wiederum die Nothwendigkeit einer 
reellen Unterstützung Brandenburgs durch Oesterreich und Spanien. . . . Von 
Sachsen sind keine Nachrichten eingelangt ; man fürchtet der Karfürst yon Sachsen 
schwanke. Schweden ist bezüglich der rheinischen Allianz, wie Goess von dem 
in Berlin befindlichen Residenten') erfahren, entschlossen, dem Werk, son- 
derlich nach vernommener churbrandenburgischer Resolution, Anstand zu 
geben und sich nachdem, wie es die Zeit und Lauften erforderen werden, 
zu reguliren'). Millet hat sich über des hiesigen Kurfürsten Benehmen in 
der rheinischen Allianzfrage, wie auch sonst, sehr beklagt. Dem Cburfürsten 
selbst hat er gesagt, dass wer sich in dem niederländischen Krieg ein- 
mischen würde, sein König ihn für seinen Feind halten würde. Ich sehe 
aber nicht, dass man für solche Bravaden erschrecke. Dann hat er aber- 
maln heftig geklagt, dass S. Ch. D. diejenige sein, welche E. K. M. 
am meisten stimuliren, sich des niederländischen Werks anzunehmen^). 
Wegen Abdankung und Ueberlassung der schwedischen Völker ist nichts neues 
von Bedeutung dem Goess zu Ohren gekommen. Blumenthal wird nächstens 
nach Wien gesendet, einerseits um dem Kaiser zur Gebart des Prinzen^) zu 
gratoliren, dann um Verhandlungen daselbst zu führen; Schwerin deutet auf das 
Privilegium de non appellando für Pommern'). 



2l7ff. 



') Vergl. Droysen 1. c. III.« 212f.; ürk. und Act. III. 189f.; Kocher 1. c. I. 546 ff. 

*) Wolfrad. 

») Vergl. ürk. u. Act. XI. 477 f. 

«) Vergl. ürk. u. Act. II. 483 ff.; Mignet 1. c. II. 287 f. 

*) Ferdinand Wenzel geb. 28. Sept. 1667. f 3. Jan. 1668. 

*) üeber Blumenthals Sendung nach Wien; Puf. 1. c. X. 59; Droysen 1. c. IH., 



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348 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann Yon Goess. Jan 1665 --Hai 1668. 

Hammerstein, der im Namen der Herzoge Georg Wilhelm und Ernst August 
von Braunschweig-Lüneburg hier verhandelt, betont die gute Intention seiner 
Herren, die aber unbedingt zur Erhaltung ihrer Truppen eine Geldunterstntzung 
benöthigen '). 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 21. October 1667. (Or.) 

[Mediationsangelegenheit. Vorschlag des Goess in dieser Angelegenheit. Erklärungen 
Schwerins und des Kurfürsten in dieser Sache.] 

21. Oct. Goess hat bezüglich der ihm in der Weisung vom 7. Oct. vorgeschriebenen 

Verhandlungsweise in der Mediationsangelegenheit sehr vorsichtig zu Werke 
gehen müssen, da man hier schon behauptet. Spanien wolle den Frieden nicht, 
wie aus den von dieser Macht gestellten Friedensbedingungen hervorgehe*). 
Goess schlägt daher vor, es möge diese Mediationsangelegenheit nach Regens- 
burg remittirt werden. Der Baron von Schwerin hat mir hierzu gute 
Hoffnung gegeben, I. Ch. D. aber meldeten, dass es nun zu spät faUen 
wollte. Es wäre eine verglichene Sach; sie allein, da all die andere es 
gut befunden, hättens liit hinderen können. Als ich darbei vermerkt, 
dass sie nit wohl zufrieden, umwillen bei der zu Mecheln zwischen dem 
Herrn Markgrafen von Baden und dem Blaspeil und Romswinckel ge- 
haltener Conferenz gedachter Markgraf mehr an sich gehalten als vor 
diesem und die Tractaten verschoben und nach dem Haag remittirt wor- 
den'), habe ich mich dessen bedient und reprasentirt, dass durch diese 
Abschickung nach Frankreich man spanischer Seiten in einiger ungleichen 
Suspicion gcrathen und die Tractaten dardurch remorirt werden möchten; 
welches mich gedünkt, dass der Churfürst mehr apprehendirt und ist 
demnach mit mir auf unterschiedliche Anschlag kommen, wie mit diesen 
zu Köln veranlassten Schickungen zurückgehalten und herentgegen das 
Werk nach Regensburg remittirt werden könnte. Vermeineten, wanos 
nur bei dem Reichstag in die Umfrag gebracht würde, sie wolltens also 
lassen se<;undiren, dass man den scopum erreichen' thäte; unterdessen 
könnte die Expedition zu Köln mit den Difficultäten, so bei der Unter- 
schrift vorfallen, aufgehalten werden. 



^) Georg Ch. Hammerstein; über seine Sendung nach Berlin; Köcher 1. c. I. 
548ff. 

^ Für die allgemeine Lage in dieser Zeit Ranke, Engl. Gesch. V. 50ff.; Fran- 
zösische Gesch. III. 236f ; Klopp 1. c. I. 203ff.; Lefevre-Ponlalis 1. c 1. 443 ff. 

3) Vergl. Puf. 1. c. X. 40. 



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Mediation in der niederländischen Streitfrage. Millet's Klagen. 349 

Der Kaiser an Goess. Dat. Wien 25. October 1667. (Conc.) 

[Des Kaisers Pläne bezüglich der Niederlande.] 

Goess soll den Kurfürsten in seinen guten Intentionen bestärken, massen 25. Oct. 
du dann dieselbe in unserm Namen beständigst zu versichern hast, 
nicht allein, dass uns niemals in Sinn kommen Ihre L^^". ohne uns und 
Vorbereitung einer guten Partei in gedachtes Wesen einzumischen; son- 
dern auch, dass eben zu solchem Ende wir sowohl mit wirklichen Re- 
crutir- und Werbungen uns in Verfassung stellen, als auch durch unter- 
schiedliche unsere in Schweden, Engelland, Holland und anderer Orts 
obhabende negociationes unsere Partei zu verstärken und bestmöglichst 
zu versicheren suchen*). Der Kurfürst möge seinerseits alles thun, um mit 
Sachsen und Braunschweig zum Abschlüsse zu gelangen. 



Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 28. October 1667. (Or.) 

[Millefs Klagen. Mittheilungen Wolfrad's, Schwerin's, Giese's und Stratman's über 
die polnische Wab Angelegenheit. Urtheil des Goess über die Lage und die einzu- 
schlagende Politik.] 

Der Kurfürst hat auf des Goess Bitten eingewilligt, dass in Regensburg 28. Oct. 
die Umfrage erfolge, ob man nicht von Reichs wegen die Mediation in den 
Irrungen zwischen Frankreich und Spanien in den Niederlanden antragen solle. 

Millet beklagt sich beim Kurfürsten, dass dieser dem Kaiser den Durch- 
marsch von Truppen nach den Niederlanden gestattet habe und den Goess 
immer antreibe, den Kaiser zu energischen Massregeln zu ermuntern. Auch 
"bei den Ministern sucht Millet die friedliche Stimmung seines Königs und die 
Zweckmässigkeit der Neutralität Brandenburgs nachzuweisen*). 

Somnitz ist von Leipzig zurück; der Kurfürst von Sachsen sucht alles zu 
vermeiden, was dem Könige von Frankreich verdächtig scheinen könnte; im 
übrigen aber soll er keine Schwierigkeiten betreffs des übersendeten Vertrags- 
projectes gemacht haBen '). ... Die geplante Zusammenkunft des Brandenbur- 
gers und Mainzers dürfte nicht stattfinden. Der hiesige schwedische Resident *) 
macht Goess auf die Nothwendigkeit aufmerksam, dass der Wiener Hof sich 
bezüglich der in Polen zur Königswahl vorzuschlagenden Person entschliesse, — 



') Für des Kaisers Verhalten in dieser Zeit; Klopp I.e. L 177 f., 192, 208 f.; 
Mignet I.e. II. 228 ff. 

*) Vergl. Urk. u. Act. II. 487 ff.; insbesondere die Unterredung Millet's mit dem 
Kurfürsten wegen der Mittheilungen des Goess nach Wien über des Kurfürsten Hal- 
tung 489 f. 

*) Vergl. Urk. und Act. II. 487. 

*) Wolfrad. 



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350 IV. Erste Mission des Freiberrn Jobann ton Ooess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

er deutete dabei auf Neuburg, — oder wenigstens in den Tractat zwischen 
Brandenburg und Schweden pro manutenenda libertate Polonica mit eintrete. 
Ich halte darfur, dass er diese officia ex impulsa aolae und auch Neo- 
burgicoram gethan. Bald darauf hat denn auch Schwerin ganz in diesem 
Sinne von des Kurfürsten Plänen bezuglich Polens gesprochen. Ebenso Giese 
und Stratman*). 

P. S. |: Ich vermerke, dass man von allen Orten sehr daran arbeite, 
dasä man diesen Churfürsten zur Neutralität in re belgica bringe: Alle 
die andere Churfürsten scheinen dieser Intention zu sein. Der König 
in Frankreich verspricht hier aureos montes. Etliche dieser ministrorum, 
welche ohne das darzu incliniren, möchten völlig gewonnen werden. 
Nun kommt das neuburgische Werk, welches dem Churfürsten angelegen, 
wie E. E. M. wissen, darzu. Wann der König in Frankreich verspricht 
des Herzogs Promotion zu secundiren gegen der Neutralität, so er von 
diesem Churfürsten begehrt, wird es eine grosse Tentation sein. Die 
Neuburgischen werden sich auch auf alle Weis bemühen den Chur- 
fürsten darzu zu disponiren. Der Herzog ist in dieser seiner Intention also 
verpicht, dass er alle Mittel und Wege darzu versuchen wird. Ich habe 
wahrgenommen, dass der von Schwerin darfür halte, dass es sich thuen 
lasse, dass E. K. M. mit dem König in Frankreich zur Promotion 
des Herzogs concurriren; also seie es mit der Wahl des jetzigen Königs 
und öfter geschehen und endlichen besser einigen, als kein Theil darbei 
zu haben; dann sonsten da bei gegenwärtigen Zustand in Polen der 
König käme zu abdiciren, werden entweder die Franzosen mit ihren 
Dessein aufkommen, oder, wann sie es nicht erhalten könnten, den 
Herzog promoviren und den Dank allein darzu verdienen und in quem- 
cumque casum, wann einiger Krieg occasione electionis entstehen wollte, 
würden E. K. M. darin mit implicirt und von dem niederländischen 
Secours divertirt werden. Ob^s dann nicht besser von da in Zeit^en sich 
freie Hand zu machen. ' 

Es würde meines Erachtens gut sein, wann man spanischer Seiten 
die Tractaten mit diesem Churfürsten beschleunigte, dann die Ver- 
zögerung gibt der anderen Partei Gelegenheit denselben darvon zu di- 
vertiren und auf andere Gedanken zu bringen. Ich kann mir wohl ein- 
bilden, dass man's lieber bis gegen den Frühling würde lassen anstehen, 
sonderlich quoad subsidia; es ist aber die Frage, ob der Churfürst bis 
dahin darauf warten wird :|. 



») Vergl. ürk. u. Act. IL 488; Puf. L c. X. 51. 



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Polnische Wahlfra^e. Französiscb-brandenburgiscbe Beziehungen. 351 

Goess an den Kaiser. Dat. Berlin 7. November 1667. (Or.) 

[Schwerin's Klagen über Spaniens und des Kaisers Vorgehen. Unterredung des Goess 
mit Giese über die franzosisch-brandenburgischen Beziehungen. Urtheil des Goess 
über die Lage. Verhandlungen mit dem Kurfürsten. Erklärungen Giese's und Strat- 
man^s. Neue Verhandlungen mit dem Kurfürsten und Schwerin. Urtheil des Goess 

über die Lage.] 

Schwerin theilt dem Goess im Auftrage des Kurfürsten mit, wie bitter es dieser 7. Nov. 
empfinde, dass Spanien jetzt den Abschluss des Vertrages so sehr verzögere, 
während Frankreich grosse Versprechungen mache, wenn der Ghnrfürst nur 
neutral bleiben wolle. Und ebenso lebhaft empfinde der Kurfürst das zögernde 
Benehmen des Kaisers in der polnischen Sache, welche so wichtig ist, dass 
der Kurfürst wissen müsse, wohin die Absichten des Kaisers gerichtet sind. 
Goess spricht auch mit Giese über diese Verhältnisse, welcher betheuert, dass mit 
Frankreich von Seite dieses Kurfürsten noch nichts abgemacht sei; man wolle viel- 
mehr abwarten, wie sich der Kaiser entscheiden wird. Ich habe aus allem was 
ich aus unterschiedlichen Discursen vernehmen können, so viel gemerkt, 
dass der Vorschlag dieser ist: Frankreich habe eine so starke Faction in 
Polen, dass ohne der Zuthun nit wohl zur Krön für den Herzog von 
Neuburg zu gelangen; herentgegen habe Frankreich auch das niederlän- 
dische Werk so sehr a core, dass der König theils wegen dessen und 
theils wegen der bei des Conde Promotion erscheinender Difficultäten '), 
endlichen den Herzog von Neuburg zu dieser Krön helfen möchte. Und 
vräre^ wie man hier vermeint, es darum anzunehmen, auch supposita 
neutralitate, welche darfür von französischer Seiten begehrt wird, weiln 
dieselbe weiter nit geht, als durante mediatione und wann darbei die 
Billichkeit wollte ausgeschlagen werden, man ein Wegs als den ander.n 
freie Hand behielte und sich unterdessen in guter Postur stellen kannte. 
Und damit der Verzögerung, so Frankreich hierbei suchen möchte, vor- 
gekommen werde, solle zu der Election ein so kurzer Termin angesetzt 
werden, dass man bei künftiger Campagne, si Gallia falleret, nichts ver- 
säumete, sondern um so viel mehr Ursach hätte, sich des niederländi- 
schen Werks mit allem Ernst anzunehmen. ... Ich habe nun hierwider 
viel considerationes repräsentirt, sonderlich dass, nachdem man neuburgi- 
scher Seiten bekenne, dass man ganz frischer Dingen in matrimonio 
principissae, quod ad eandem spectat materiam, eludirt worden'), man 
keine Ursach habe sich abermalen zu prostituiren und zwar um so viel 
weniger, weiln es ganz notorium, dass Frankreich des von Conde Pro- 
motion gegenwärtig stärker treibe, als nie vor diesem, sie auch inter 

») Vergl. Krebs 1. c. 172 f. 
^ M^m. de Pomponne II. 452. 



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352 IV. Erste Mission des Freiherrn Johann Ton Goess. Jan. 1665 — Mai 1668. 

has tarbas a Tartaris et calamitaten regni und dann per accessiooem 
multorum ad illorum partes, welches sie selbsten gestehen müssen, 
nähender darbei, als nie vor diesem. Ich vernimm, dass der Churfürst 
Selbsten zu dem Giesen gesagt, dass sie abermalen werden betrogen 
werden. Gegen mich, als ich gestern mit P. Ch. D. daraus geredt, seind 
sie nit so weit herausgangen; wohl aber man könne ihnen, den Fran- 
zosen, die volle Mass geben; man verliere nichts darbei; man werde 
nacher nur destomehr Ursach und Praetext haben, sich ihnen in Nieder- 
land zu widersetzen. Den Giesen habe ich pluribus vorgestellt, dass 
weiln er vermeint, dass allein der eingefallene Tod der Königin und 
nova spes alicuius matrimo